Einträge mit dem Tag ‘Medienthemen’


„Camerawoman“ – gute Idee, enttäuschende Umsetzung

19. Juni 2015 von Hannah C.

“Ein Magazin, das Frauen, die Dinge tun, im Fokus hat – geil!”, dachte ich, als zum ersten Mal von “Camerawoman” hörte.
Frauen als fotografierende Personen anzuerkennen – Frauen als fotografisch arbeitende Personen anzuerkennen – Frauen als mit Maschinen arbeitende Wesen anzuerkennen: viele Formate tun sich damit schwer.
In der Fotografie herrscht noch immer das generische Maskulinum, obwohl nicht zuletzt die Smartphonefotografie für einen so einfachen Zugang zur Licht-und Bilderfängerei sorgte wie nie zuvor.

Neugierig und erfreut ging ich also in einen Kiosk und suchte nach der Zeitschrift. Sie stand zwischen Heften, die sich mit Bildbearbeitung, Kamera- und Computertechnik befassen und wirkte, aufgrund des klassischen Coverfotos einer weißen normschönen Frau*, so deplatziert, wie es nur gehen kann.
Der Grund dafür flatterte mir aus dem Heft auch direkt vor die Füße: “Bitte platzieren Sie Camerawomen neben Brigitte, Joy und Jolie.”.

“Äh – what?”, ich hielt den Zettel hoch und grinste den Verkäufer an.
Wir kamen ins Gespräch. Er hatte die Zeitschrift unter “Technik” abgelegt, “weil – geht doch um Technik! Ich weiß zwar nicht, wieso das jetzt noch extra für Frauen sein muss … Aber naja, Frauen gehen ja vielleicht anders an Motive ran und …”.
Leider hatte ich keine Zeit für ein Feminismus 101, das Gespräch blieb mir aber hängen, denn sowohl im Editorial von “Camerawoman” als auch im Crowdfundingvideo erzählen Männer, wie Frauen fotografieren. Sagen Männer, dass Frauen es ja nicht so mit der Technik hinter der Fotografie haben und intuitiver an die Sache heran gehen, nachdem sie erst sagen: “Wow, es gibt Frauen, die anspruchsvoll, professionell, gerne fotografieren.”.

Wie also angeblich so speziell eine Kamera nutzende Personen dazu bringen, ein Magazin zu kaufen, dass ihre gern ausgeübte Freizeitbeschäftigung im Fokus hat? ManN macht ein spezielles Magazin in einem von dieser Zielgruppe (angeblich) bevorzugtem Format. Bei Frauen, die von Knöpfen, Zahlen und Wissenschaft (laut misogynem Stereotyp) schnell zu überfordern sind, erschien offenbar die Sparte “Lifestyle” als sinnig.

Tatsächlich werden geneigte Lifestyleleserinnen* eher Zugang zu “Camerawoman” finden, wenn sie neben Brigitte, Bärbel und Paula liegt, sie (und andere Personengruppen) werden aber weiterhin nicht an den Punkt  kommen von sich zu denken, dass ihre Fotografiererei auch ein Handwerk ist. Arbeit. Eine aktive, selbstermächtigende Handlung. Es bleibt aufrecht erhalten, dass die Nutzung einer Kamera von einer Frau ein schmückendes Accessoire ist oder Spielerei auf Instagram, wie sie gerade hip ist.

Doch schlägt man das Heft auf, steht man vor auch einem begrüßenswertem Novum: eine Zeitschrift, in der alle Fotostrecken von Frauen sind und die Portraits von Frauen, die als Fotografin arbeiten und mit der Fotografie Kunst erschaffen enthält.
In Punkto Sichtbarkeit von Frauen kann man also nicht pauschal klagen – sehr wohl aber über die Sichtbarkeit von Frauen (die nicht weiß und/oder nicht normschön und/oder behindert sind und/oder sich selbst gar nicht als Frau bezeichnen und/oder keine als weiblich kategorisierten Körper haben).

Apropos Sichtbarkeit von Frauen. Scheinbar wurde bei der Magazinkonzeption nicht bedacht, dass weiße lächelnde normschöne Frauenkörper sehr gern als Dekoelement in der Werbung benutzt werden. So ist ein störendes Element in “Camerawoman”, das zwischenzeitlich nicht zu erkennen ist, wann man gerade eine der vielen mehr oder weniger gut passenden Werbeanzeigen bzw. Produktplatzierungen betrachtet.

Inhaltlich bietet Camerawomen meiner Ansicht nach wenig, was nicht auch über andere Wege erfahrbar ist. Die besten Tipps zur abwechslungsreichen Urlaubs-Heimtier-Food-Stilllife- etc. etc. etc. – Fotografie finden sich heute auch in anderen Lifestylemagazinen, auf YouTube und nicht zuletzt in Blogs, die die Fotograf_innen selbst führen.
Tatsächlich sind es Portraits von Fotograf_innen und ihren Arbeiten und Arbeitsweisen, die mich persönlich noch am ehesten dazu verleiten, eine gedruckte Zeitschrift zu kaufen, denn Frauen*, die Dinge tun sind praktisch unsichtbar.

Sicherlich wird “Camerawoman” ihre begeisterten Leser_innen finden, weil die Fotografie von je her erfreut und fasziniert und der Zugang relativ leicht ist.
Eine Zeitschrift, die eine Veränderung der bestehenden Stereotypen über Frauen, die fotografieren, einläutet, ist sie (derzeit) hingegen nicht.
Im Gegenteil.
Nicht nur die peinlichen Bemühungen der Redaktion auf gar keinen Fall irgendwie im Entferntesten feministisch zu wirken – unter anderem mit einer Referenz auf big old Alice -, sondern auch der ausgebliebene Versuch bestehende Formate wie “Camera” (ein eher ungegendertes Fotomagazin) einfach so zu konzeptionieren, dass sie inklusiver werden, sprechen dafür.

Schade.
5€, die auch ein neuer Farbfilm hätten sein können.


Facebook | |


Immer wieder Medienkritik – die Blogschau

6. Juli 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 209 von 278 der Serie Die Blogschau

Karnele wartet mit einem handlichen Sehtest für Medienmenschen, die in den sog. Qualitätsmedien über LGBTI-Themen berichten möchten, auf.

Vor einem Jahr gingen die Femgeeks online. Konfetti! Zu diesem Anlass gibt es im Blog einen kleinen Rück- und Ausblick.

Kübra Gümüsay schrieb schon vor einigen Wochen, aber nach wie vor aktuell, über den NSU-Prozess und seine mediale Begleitung.

Charlott stellt einen kurzen Film vor, der in deutschen Schulen ins Pflichtprogramm gehören sollte:  „Deutsch-Südwas?! Erinnerung an einen deutschen Völkermord“

Auf Don’t Degrade Debs, Darling! ein Rant gegen als „Komplimente“ getarnte Übergriffigkeiten und wie sich deren Allgegenwärtigkeit anfühlt.

Wie man über kleine Menschen nicht reden sollte, weiß Ninia LaGrande, denn:  „Ich bin keine Märchenfigur!“

Über die Proteste in der Türkei und deren Instrumentalisierung durch deutsche Medien ärgert sich Sakine.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Wie „The Mail on Sunday“ Frauen ignoriert

13. Juli 2012 von Anna

Es ist noch nicht ganz zwei Wochen her, als Spiegel Online in einer Bilderstrecke zum Finale der Fußballeuropameisterschaft der Männer die Existenz der Töchter der spanischen Nationalspieler glattweg ignorierte (wir berichteten). Über @yeskatiedear wurden wir vor ein paar Tagen auf ein Titelbild der britischen Zeitung The Mail on Sunday aufmerksam und die Strategien männlicher Geschichtsschreibung erreichten hier vorläufig einen neuen Höhepunkt. Es geht mal wieder um ein Sportereignis, diesmal das Finale des Herreneinzels von Wimbledon, in dem der Brite Andy Murray auf den Schweizer Roger Federer traf.

The Mail on Sunday titelte folgendes:

Titelseite The Mail On Sunday

Titelseite The Mail on Sunday – via @yeskatiedear

(mehr …)


Facebook | |


Der tiefsitzende Sexismus der Computerspielbranche

10. Juli 2012 von Helga

In Deutschland kommt sie zaghaft an, in den USA tobt die Debatte um Sexismus und Frauenhass unter Computerspieler_innen seit letztem Monat und zeigt langsam das wahre Ausmaß.

Nach ihrem erfolgreichen Kickstarter-Aufruf zu diesem Thema wurde Feminist Frequency-Macherin Anitas Sarkeesian massiv bedroht (wir berichteten). Jetzt hat sie ein „Best-Of“ der ekligsten Einschüchterungsversuche (Trigger­warnung für Gewaltszenarien) online gestellt. Etwas, liebes DRadio Wissen, das mensch nicht mehr als „harsch“ bezeichnen kann. Sondern damit wird ein gesellschaftliches Klima geschaffen, in dem Frauen Angst haben sollen, sich zu äußern. Dies auch noch zu verharmlosen, unterstützt und legitimiert die Angriffe. Der letzte widerliche Höhepunkt war nun ein Online-Spiel, das dazu aufrief, sie zu verprügeln. Man Boobz hat die Tweets des Spielemachers noch genauer unter die Lupe genommen. Mit der Aufforderung zu psychischer Gewalt wollte er anscheinend ihre Aufmerksamkeit bekommen und „einen Dialog beginnen“. (Mir fehlen an dieser Stelle die Worte.)

Doch das ist nur ein Aspekt der Debatte: Kotaku-Autorin Katie Williams wurde zuvor auf der Spiele-Messe E3 immer wieder nicht ernst genommen – explizit deshalb, weil sie eine Frau ist und diese bekanntlich nicht „wirklich Computerspiele spielen“. Fast passend dazu sagte die Firma Reality Twist der Messe gamescon ab, da man den leichbekleideten Messehostessen (booth babes) kritisch gegen­über­stünde. Allerdings nur zum Spaß, denn Sexismus ist ja sooo witzig.

Wie wenig witzig der tiefgreifende Sexismus ist, zeigen die Beiträge zum Tomb-Raider-Reboot. Als Maßnahme zur Charakterbildung wird Lara Croft (fast) vergewaltigt. Dass dies wirklich kein tolles Erlebnis ist, aus dem Menschen gestärkt hervorgehen, sollte eigentlich jedem und jeder klar sein – oft genug wird „Ich hab‘ Dich vergewaltigt“ heute als Dominanzgeste nach einem erfolgreichen Spiel verwendet. Patricia Hernandez schrieb über den ganzen Sexismus hinter dieser Aussage und im Escapist Magazine beschreibt ein Mann, wie schmerzhaft und beschwerlich sein Leben nach einer Vergewaltigung wurde.

Zum Schluß noch etwas bessere Nachrichten. Das Gamer-Blog Destructoid feuerte vor kurzem einen Schreiber, nachdem er Felicia Day als „verklärtes, unnützes Booth Babe“ dargestellt hatte. Wer Day noch nicht kennen sollte: Mit „The Guild“ hat sie eine der erfolgreichsten, mehrfach ausgezeichneten Web-Serien geschaffen. Die das Leben und Leiden einer Gruppe Computerspieler_innen verfolgt und auf ihren eigenen Erfahrungen basiert. Außerdem macht sie noch gefühlte 346.683 weitere coole Projekte über nerdige Dinge. Es geht doch!


Facebook | |


Die türkische Abtreibungsdebatte und lesbische Schundliteratur – kurz verlinkt

27. Juni 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 163 von 284 der Serie Kurz notiert

Der Frage, warum Kinder und Karriere immer noch so unvereinbar sind, hat sich Anne-Marie Slaughter für The Atlantic angenommen. Deutlich weniger gut ist das Titelbild dazu – Jessica Valenti hat die üblichen „trauriges weißes Kind mit überforderter Karrieremutter“-Bilder gesammelt.

Gruselalarm bei Sat.1: „Auf Brautschau im Ausland“ erfüllt so ziemlich jedes eklige sexistische und rassistische Klischee. Sogar bei Spiegel Online ist man entsetzt.

Apropos Rassismus. Anti-rassistische Kampagnen haben nicht das Ziel, dass weiße Menschen sich schuldig fühlen, betont xojane. Es geht darum, den existenten Rassismus aufzuzeigen, sich dessen bewußt zu werden und etwas dagegen zu tun.

Dazu hat auch Jay Smooth mal wieder ein exzellentes Video.

In der Türkei tobte in der letzten Zeit eine Debatte um das Abtreibungs­recht. Ministerpräsident Erdoğan wollte die Frist halbieren, hat nach dem massiven Protest von Frauenrechtler_innen aber die Pläne wieder begraben, berichtet dieStandard.at. Um Moral und Religion ging es in der Debatte dabei nicht, kommen­tiert Die Presse, sondern um die Kontrolle weiblicher Körper. Die kommt immer noch an anderer Stelle, so sollen Kaiserschnitte reguliert und auf „notwendige medizinische Fälle“ beschränkt werden.

Bis vor kurzem galt häusliche Gewalt noch als „Privatsache“. Diese Einstellung ändert sich zum Glück gerade, auch durch das Gewalt­schutz­gesetz. Die Berliner Zeitung berichtet über die Lage in Berlin, wo es immerhin 16.000 Fälle jährlich gibt. Was leider nicht ganz deutlich wird: Das Gesetz gilt auch für gleich­ge­schlecht­liche Paare und weitere häusliche Gemein­schaften, unabhängig vom Geschlecht der Zusammen­wohnenden.

Lesbische Pulp Fiction (also „Schund­literatur“ der 30er bis 50er Jahre) hat Retronaut zusammengetragen.

Die feministische Weltherrschaft, oder zumindest die Medienherrschaft, hatte das Manager Magazin vor kurzem in deutschen Vorstandsetagen ausgemacht. Schlechte Recherche meint dagegen der Verein Pro Quote und hält Zahlen dagegen. Also öfters 0 Prozent Frauenanteil, berichtet Meedia. Not-so-fun-fact: Alle der Vorzeigemedienlenkerinnen sind Töchter oder Ehefrauen von Medienmännern.

Seit diesem Jahr sind nicht nur eingetragene Lebens­partnerschaften sondern auch gleich­geschlechtliche Ehen im US-Bundesstaat Washington legal – so dass Mary Cheney endlich ihre Partnerin heiraten konnte. Dabei war auch ihr Vater Dick Cheney, der als Vize­präsident noch auf dem Verbot solcher Ehen bestanden hatte, so web.de.

Ein Buchtipp vom Nordic Africa Institute ist „Sexuality and Gender Politics in Mozambique“. Die post-kolonialistische Politik in Mosambik berücksichtige vor allem den patrilinear, also an der väterlichen Abstammung orientiert-lebenden Bevölkerungsteil – an den rund 40 Prozent der Bevölkerung in matrilinearen Familien gehe dies aber weitestgehend vorbei.

Erst noch eine gute Nachricht: Der rote Equal Pay Day-Beutel ist wieder erhältlich!

Und nach dem Klick die Termine. (mehr …)


Facebook | |


Verschwörungstheorien, Intersektionalität und Frauenkämpfe – kurz verlinkt

6. Juni 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 160 von 284 der Serie Kurz notiert

Krude Verschwörungstheorien und „Abtreibung ist Mord“ hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan von sich gegeben. Gegen seinen Vorschlag, die Frist für Abtreibungen zu halbieren, gingen Frauenrechtlerinnen auf die Straße, so DRadio Wissen. Außerdem gibt es eine Online-Petition gegen die Einschränkung von Abtreibungsrechten.

Es gibt ein neues Portal rund um Intersektionalität mit vielen tollen Ressourcen: Einführende Schlüsseltexte, eine Forschungsdatenbank, ein Praxisforum, Ex­pe­ri­men­tier­räume, eine Plattform für E-Konferenzen und Literatur, Links, Ver­an­stal­tungen…

Erst ab 18 statt ab 16 Jahren soll Sex in Indien künftig legal sein – und ansonsten gleich als Veregwaltigung gelten. Kritiker_innen befürchten, dass minderjährige Paare kriminalisiert werden. Was Spiegel Online nur im Nebensatz erwähnt: Bisher gelten ausschließlich vaginale Vergewaltigungen von Mädchen als Ver­ge­wal­ti­gungen.

Auf Pinterest findet Ihr eine feine Liste mit körperpositiven und dickenfreundlichen Büchern in englischer Sprache.

Auch neu: phenomenelle ist ein Online-Magazin für Lesben, Bisexuelle und alle Frauen, die Frauen lieben. Am 8.Juni findet die offizielle phenomenelle– Magazin Launch-Party im Coco Schmitz in Köln statt.

Die bbc berichtet über Säureanschläge in Kolumbien auf Frauen.

Mehr in die Kategorie „Nichts Neues“ gehören die nächsten Meldungen. So berichtete Jezebel, dass in den USA Frauen zwar schon über ein Drittel der Leitartikel, die Op-Eds, schreiben – aber immer noch in „pinken“ oder weiblich besetzten Themenbereichen, wie Familie oder Mode. Und setzte gleich noch einmal nach. Denn auch in diesen Artikeln werden Männer fünf Mal häufiger zitiert.

Nicht sichtbar sind auch weiter die Frauen in Wien. DieStandard.at über die zähen Kämpfe, auch öffentlich Frauen gedenken zu können. Eines der Gegen„argumente“: „Das nimmt uns die Möglichkeit, Straßen nach wichtigen Männern zu benennen.“

Wie es zu diesem Vergessen und Geschichtsumschreibung, bewies aktuell auch die New York Times sehr anschaulich. Anläßlich einer Klage wegen sexueller Belästigung bei einer Tech-Firma erklärte dort ein Autor, Männer hätten das Internet erfunden, über sexuelle Belästigung in Silicon Valley höre man (also er) nicht viel und außerdem bräuchte es dringend mehr Respekt gegenüber den Vätern des Internets. Xeni Jardin erinnert auf BoingBoing an die Ingenieurinnen und Informatikerinnen hinter dem Internet.

An der Spitze der Linken steht demnächst zumindest eine Frau: Katja Kipping. Die Emma stellt sie vor.

Keine weibliche Selbstentwertung der eigenen Erfolge! Sagt Lipstickterrorist.

Ein Film von Zina Saro-Wiwa über eine Schwarze Frau, die die „Transition“ vom Glätteisen zum Naturhaar macht:

Kind und queer, einmal kompetent zusammen gedacht, nachzulesen hier.

Es sind noch Plätze beim Girls Rock Camp in Berlin frei: Klick hier.

Termine (mehr …)


Facebook | |


Diskussionen über sexuelle Gewalt, Körperhaare und Geschlechterrollen – die Blogschau

19. Mai 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 8 von 278 der Serie Die Blogschau

Mir erst gestern passiert: sexuelle Belästigung auf der Straße. Über die Ein­schränkungen, die dies für Frauen bedeutet, hat HighOnCliches gebloggt. Und setzt gleich noch mal nach, wie Männer auf der Straße Frauen ansprechen sollten, ohne wie ein Arsch rüber zu kommen.

Gegen sexualisierte Gewalt läuft weiter #ichhabnichtangezeigt. Eine der Ini­tia­tor­innen von Kofra über unser Weg­schauen bei den Tätern. Wenig überraschend: das Medien­interesse fokussiert sich nun auf Betroffene.

Auch auf der internationalen Politikbühne ist sexualisierte Gewalt weiter Thema. Flannel Apparel kommentiert die Causa Dominique Strauss-Kahn.

Ebenfalls Thema diese Woche: Körperbehaarung von Frauen. Frau mit Bart hat eine Dokumentation der BBC dazu gefunden.

Über Blockupy in Frankfurt hat sich Karnele Gedanken gemacht.

Menschrechte? Gelten nicht für Teilnehmerinnen von „Germany’s Next Topmodel“, stellt Katrin Schuster fest. Stattdessen lernen wir: Mit einem Mikro vor dem Gesicht muss frau auf Aufforderung Kolleginnen denunzieren.

Wie stark Medien unser Leben beeinflußen, musste Discover the Muslim World erleben. Ihr Vierjähriger will nicht abwaschen, denn „im Fernsehen waschen immer nur Frauen ab.

Ein Manifest zur „Inklusion behinderter Menschen in allen Lebensbereichen“ gibt es jetzt beim Behindertenparkplatz. Bitte direkt an Bundes- und Landesregierungen weitersenden!

Zum 20-jährigen Jubiläum des LSVD erklärt anders deutsch, warum sich nicht alle Lesben und Schwulen vom Verband vertreten sehen.

Mit den Geschlechterverhältnissen im NSU Umfeld hat sich das NSU Watchblog ausführlich auseinander gesetzt.

Seit Sonntag war erst Muttertag, dann Vatertag. Wieder einmal zeigt sich, dass wie unsere Eltern sehr unterschiedlich ehren. Denkwerkstatt über kuriose Be­richt­er­stattung in den österreichischen Medien. Und Mutter­seelen­allein­erziehend hat den Herrentagsritualen hinterhergeforscht.

Von Albaniens erstem „Gay Ride“, einer Fahrraddemo unter Regen und Rauch­bom­ben, berichtete QueerNews.at (eine Gay Pride war verboten worden). Und auch in Burma gab es dieses Jahr erstmals Gay Pride-Veranstaltungen.

Katrin von reizende Rundungen weiß, dass ihr Lebenszweck nicht ist, einem Mann zu gefallen – dennoch fragt sie sich nach einer schönen Partynacht, warum sie keiner angesprochen hat. Und warum ist es ihr eigentlich immer noch so wichtig, Aufmerksamkeit zu bekommen?

Feminismus zum Anhören gibt es diese Woche in der neuen Folge von Nrrrdz. Und Antje Schrupp war zu Gast bei Wir. Müssen Reden. Schon etwas länger läuft überhaupt der Podcast „I’m coming out“.

Nach dem Klick noch ein paar Termine (mehr …)


Facebook | |


The Avengers – feministisch oder nicht?

11. Mai 2012 von Helga

Vielen Feminist_innen war Regisseur Joss Whedon seit Jahren ein Begriff – mit dem gigantischen Erfolg von The Avengers dürfte er jetzt endgültig zum Superstar avancieren. Seine feministische Reputation beruht dabei vor allem auf starken Frauenfiguren und nicht-heterosexuellen Charakteren. Also all dem, was selbstverständlich sein sollte, im TV aber bis heute zu kurz kommt. Auch in den Interviews zum Film geht er auf entsprechende Fragen ein. Aber wie feministisch ist The Avengers wirklich?

Die schlechte Nachricht zuerst: Auch dieser Film besteht den Bechdeltest nicht. An keiner Stelle sprechen zwei Frauen mit Namen miteinander. Die Frage, über was sie sprechen erübrigt sich damit. Es wäre auch schwierig, immerhin gibt es mit Black Widow/Natasha Romanoff (gespielt von Scarlett Johansson) nur eine Superheldin. Daneben gibt es nur noch Agent Hill (Cobie Smulders); bis auf ihren Chef Nick Fury (Samuel L. Jackson) dominieren weiße Männer das Bild. Bei einer Comicverfilmung ist auch nichts anderes zu erwarten. Denn leider sind Frauen und Schwarze in diesem Genre bis heute deutlich unterrepräsentiert. Schwarze Frauen, Intersektionalität lässt grüßen, sind noch einmal seltener.

Aus diesen denkbar schlechten Ausgangsbedingungen macht Whedon dennoch einen erfrischenden Film. Sowohl Romanoff, als auch Hill laufen die meiste Zeit in Ganzkörperanzügen herum, statt in die üblichen sexualisierenden Stoffreste gesteckt zu werden. Anders als die meisten Kostüme sind diese sogar so robust, dass sie den ganzen Film lang nicht zerreissen. Und obwohl die Anzüge wirklich hauteng sind, wird dies nie durch langen Fokus auf Brüste oder Hintern ausgenutzt. Im Gegenteil zu einen Plakat, das dafür zu Recht bereits parodiert wurde. Immerhin gibt es auch vernünftige Plakate.

Oben das offzielle Plakat von The Avengers, unten die Parodie in der alle Superhelden ihren Hintern präsentieren
Ausgewogen ist auch die weitere Entwicklung der beiden Charaktere. Manchmal müssen sie gerettet werden, dann retten sie sich selbst und manchmal retten sie Männer. Damit sind sie auch tatsächlich in die Handlung eingebunden, statt deplatziert die unnütze Quotenfrau zu geben. Dass Black Widows Fähigkeiten Gedanken zu lesen und Menschen zu manipulieren klischeehaft sind, dämpft den Spaß zwischen ihren beeindrucken Kampfszenen leider etwas.

Dennoch macht der Film Spaß. Die Actionszenen sind gut choreografiert und übersichtlich (*hust* Michael Bay *hust*). Die Charaktere, von denen einige schon in eigenen Filmen vorgestellt wurden, werden weiterentwickelt, doch auch „Neugucker_innen“ kommen mit. Von Tony Stark (Robert Downey Jr.) und Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) abgesehen verzichtet der Film zum Glück auf eine Romanze – immer eine gute Entscheidung, bevor sie aufgesetzt und hineingequetscht wirkt.

Ein feministischer Film ist The Avengers leider noch lange nicht, doch aus äußerst sexistischen Ausgangsbedingungen holt Whedon einen relativ unsexistischen Film heraus. Dass er trotzdem so großen Erfolg hatte und besonders viele Frauen in die Kinos holte, gibt den Studios hoffentlich zu denken. Vielleicht schafft Whedon es dann endlich, auch Wonder Woman wieder auf die große Leinwand zu holen – als Avenger oder sogar in einem eigenen Film.


Facebook | |


Kotztüten und andere Ekelfälle – die Blogschau

21. April 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 156 von 278 der Serie Die Blogschau

Baum der Glückseligkeit will nicht auf den Revolutionen einer linken Szene tanzen, in der Männer Machos bleiben und es Frauen noch immer an Selbstbewusstsein mangelt.

Über den respektvollen Umgang mit trans* und nicht-geschlechtskonformen Identitäten klärt ein neuer Infoflyer auf – femKo hat ihn gepostet.

Kotztüte Kristina Schröder hat ein Buch geschrieben, wie wir leider zur Kenntnis nehmen mussten. Recht und Geschlecht hat es gelesen, rezensiert und Pressestimmen eingefangen.

Antje Schrupp dagegen will Schröders Buch nicht lesen. Nicht, weil sie alles schlecht findet, was die Ministerin tut oder nicht tut, sondern weil Schröder in „Danke, emanzipiert sind wir selber!“ sämtliche platten Argumente des Antifeminismus‘ bedient.

Was Schröder so alles nicht tut, listet dann noch einmal Karnele in einem sehr wütenden Beitrag auf.

StopTalk kritisiert den Brief gegen Schröder, weil die nationalistischen und rassistischen Ideologien der Ministerin bei der Kritik unter den Tisch gefallen sind.

Und ein letztes Mal Schröder: Wer das Buch (mit guten Nerven) lesen möchte, kann es so wie dieTilde machen: Eine kauft das Buch und gibt es dann mit an den Rand gekritzelten Anmerkungen immer an andere weiter – so können es viele lesen, aber gekauft werden muss es nur einmal.

Gender Pay Gap?! Den gibt es doch gar nicht… jaja, die Reaktion kennen wir. Rheinsalon erklärt deshalb noch mal in Ruhe und mit der Unterstützung zweier Wissenschaftlerinnen von der Hans-Böckler-Stiftung, warum Frauen in Deutschland im Jahr 2012 immer noch weniger verdienen als Männer.

Hex Hex: Anarchie und Lihbe stellt das zine „Hot Pantz“ vor, das über die weiblichen Geschlechtsorgane und ihre Funktion aufklärt und viele Kräuterkundetipps zum Umgang mit Menstruationsbeschwerden gibt. Außerdem arbeitet sie gerade an einer Übersetzung ins Deutsche.

Denkwerkstatt wirft einen feministischen Blick auf die neuen US-Serien „Girls“ und „Scandal“

feministmum beobachtet sich und den neuen Alltag mit dem Mann in Elternzeit. Sorgen darum, dass er sich langweilen könnte und Dankbarkeit, dafür, dass er das macht, hinterfragt sie kritisch.

Und noch eine Info für eure Terminkalender: Noch bis zum 25. April gibt es zahlreiche Aktionen, um gegen die Genitalverstümmelungen der Uniklinik Marburg zu protestieren. Zum Beispiel am Sonntag, den 22.4. einen friedlichen Protest vor der Uniklink Gießen. Zwischengeschlecht hat alle weiteren Infos.


Facebook | |


Journalistinnen fordern Quote

28. Februar 2012 von Verena
Mit einem Brief an die Chefredaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Radiostationen und Fernsehsendern haben sich mehr als 350 Journalistinnen für eine Quote in journalistischen Führungspositionen ausgesprochen.
Tatsächlich sind nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen Frauen, von den 12 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind lediglich drei weiblich. Und auch in den Redaktionen der Nachrichtenmagazine stehen fast ausschließlich Männer an der Spitze. Es ist Zeit, etwas zu ändern.
Wir fordern, dass mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Auch die Mädchenmannschaft beteiligt sich an der Initiative. Wir finden: „Ganz ehrlich: 30 Prozent Frauenanteil ist immer noch zuwenig. Aber ein Anfang.“ Seit die Pro-Quote-Internetseite seit Sonntag Nachmittag online gegangen ist, gibt es schon fast 450 neue Unterschriften. Über weitere freuen sich die Initiative pro-quote und wir. Und Fan bei facebook könnt ihr außerdem werden.

Mädchenmannschaft: "Ganz ehrlich: 30 Prozent Frauenanteil ist immer noch zuwenig. Aber ein Anfang."


Facebook | |



Anzeige