Einträge mit dem Tag ‘May Ayim’


Viele Hashtags, viel Aktivismus: #rpTEN, #NichtMeinGesetz und #YesAllWampen – kurz notiert

12. Mai 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 316 von 337 der Serie Kurz notiert

Das Missy Magazine veröffentlichte anlässlich des Anti Diät Tages, der letzte Woche am 6. Mai gefeiert wurde, mehrere Texte zum Thema Diäten, Dicksein und Fat Empowerment, auf Twitter entstand der Hashtag #YesAllWampen:

Ziemlich viel berechtige Kritik und einen waschechten Shitstorm hat sich Maxdome eingefangen, weil das Videoportal die schwul-lesbische Rubrik wegen „Familienfreundlichkeit“ entfernt hatte (Familie ist halt hetero, ne?).

Seit fast 20 Jahren lebt May Ayim nicht mehr. An ihrem Geburtstag, am 3. Mai 2016, fand in der Kapelle des Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin eine Gedenkveranstaltung für die Dichterin statt.

Die Jüdische Gemeinde in Berlin gedachte am Yom HaShoah der Ermordeten und des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943.

@abilitywatch twittert seit Tagen unter dem Hashtag #nichtmeingesetz von der Demonstration gegen das viel kritisierte Bundesteilhabegesetz: nichtmeingesetz.de. Aktivist_innen wie Raul Krauthausen haben letzte Nacht teilweise angekettet am Reichstagsufer ausgeharrt, um weiterhin auf die Kritik aufmerksam zu machen.

Interview von Riot Rrradio mit Magda über die Rezeption von dicken Körpern, Diäten und wie sich Stress auf Körper auswirken kann.

Josefine Matthey war bei der diesjährigen re:publica (#rpTEN) und sprach über Körper im Netz: „Every BODY dance now!“

Termine deutschlandweit:

11. bis 27. Mai: Die Rapperin FaulenzA ist im Mai viel mit Konzerten und Workshops in Lüneburg, Wendland, Braunschweig, Berlin, Schwerin, bei Erfurt und Bremen unterwegs.

9. Mai bis 4. Juni in Hannover: Feministische Veranstaltungsreihe „Rabatz macht Terz“ u.a. mit einem Vortrag von Hengameh Yaghoobifarah zum Thema „Kulturelle Aneignung“ und einem Vortrag von Magda zum Thema „I’m Fat, Let’s Party! Interventionsmöglichkeiten und fetter Aktivismus“.

13. Mai in Dortmund: „Die gefährlichste Frau Amerikas“: Emma Goldman.

3. September in Edinburgh (Schottland): Black Feminism, Womanism and the Politics of Women of Colour in Europe.


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Beyoncé’s Lemonade, May Ayim und die „Trümmerfrauen“ – kurz notiert

30. April 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 315 von 337 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Am 3. Mai, dem Geburtstag von May Ayim, findet in Berlin eine Gedenkveranstaltung (Facebook-Veranstaltung) zu ihrem Geburtstag und 20. Todesjahr statt. Vor 6 Jahren stellten wir May Ayim auf unserem Blog vor.

In der taz gibt es ein sehr kluges Interview mit Yasemin Shooman zum Berliner Neutralitätsgesetz, über Religionsfreiheit und gesellschaftliche Ausgrenzung: „Genau wie man aus feministischer Sicht gegen Zwangsverschleierung sein muss, muss man auch gegen Zwangsentschleierung sein.“

Die Charité in Berlin schreibt Tarif-Geschichte: Erstmals wurde in einer Klinik ein Tarifvertrag unterzeichnet, der Mindestbesetzungen auf den Stationen vorschreibt. Die Universitätsklinik wird nun nach heftigem Streit mit den in Verdi organisierten Beschäftigten mehr Pflegekräfte anstellen.

Die eingetragene Partnerschaft gab es in Kolumbien bereits, jetzt ist die Ehe nicht mehr nur Hetenpaaren vorenthalten, hat das Oberste Verfassungsgericht in Kolumbien angeordnet.

In der ARD Mediathek gibt es zur Zeit eine Dokumentation über den Mythos der so genannten „Trümmerfrauen“ , welcher sich als NS-Propaganda entpuppt: „Frauen, die in der NS-Zeit zwangsweise Trümmer räumen mussten, sind jedenfalls nicht gemeint, wenn heute von Trümmerfrauen die Rede ist.“

Gert Schramm, Schwarzer Überlebender von Buchenwald, ist vor wenigen Wochen mit 87 Jahren verstorben.

Folgeempfehlung auf Twitter: @abilitywatch (Selbstvertretung behinderter Menschen in Deutschland), wo aktuell das Bundesteilhabegesetz kritisch besprochen wird.

Der Monokini 2.0! Auf einer Fashion Show in Helsinki im letzten Jahr wurde der Monokini von Brustkrebs-Überlebenden vorgeführt.

Englischsprachige Beiträge

Wer ist die 28-jährige Dichterin, die Beyoncé in Lemonade zitiert? Meet Warsan Shire! Und wer jetzt genervt mit den Augen rollt und sich eher über Beyoncé aufregt: No Lemonade for you! Dafür gibt’s T-Shirts, denn Beyoncé verkauft nun auch „Boycott Beyoncé“ Shirts :)

Termine in Berlin und Hannover

9. Mai bis 4. Juni in Hannover: Feministische Veranstaltungsreihe „Rabatz macht Terz“ u.a. mit einem Vortrag von Hengameh Yaghoobifarah zum Thema „Kulturelle Aneignung“ und einem Vortrag von Magda zum Thema „I’m Fat, Let’s Party! Interventionsmöglichkeiten und fetter Aktivismus“.

10. Mai in Berlin: Fachgespräch zum Thema „Reproduktive Rechte stärken: Queer-feministische Forderungen an ein Fortpflanzungsmedizingesetz“


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Dossier: Grenzen überwinden? 25 Jahre Wiedervereinigung

6. Oktober 2015 von Charlott

Was gibt es hier zu feiern?

Was gibt es hier zu feiern?

Anfang Oktober feierte sich Deutschland – aufgrund des 25. Jubiläums der ‚Wiedervereinigung‘ in mehrtägigen Jubelveranstaltungen. In Frankfurt am Main wurde so vom 2. bis 4. Oktober zu einem so genannten Bürgerfest unter dem Motto „Grenzen überwinden“, das „die Vielfalt in Deutschland erlebbar“ machen soll, geladen – gleichzeitig wurden allerorts Grenzen geschlossen und Angriffe auf Geflüchtete und deren Unterkünfte werden täglich gemeldet. Weitere Schlagworte zur Party: Deutschland präsentiere sich „modern, vielseitig, aufgeschlossen und tolerant“.

Diesem weiß-deutschen, nationalistischen Erinnerungstaumels und der verzerrten Selbstdarstellung Deutschlands setzen wir bei der Mädchenmannschaft eine Themenwoche entgegegen. Diese findet ihr nun hier noch einmal zusammengefasst im Dossier.


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Eine Feier in weiß. May Ayim zum wiedervereinigten Deutschland.

28. September 2015 von Charlott

das wiedervereinigte deutschland
feiert sich wieder 1990
ohne immigrantInnen flüchtlinge jüdische
und schwarze menschen
es feiert im intimen kreis
es feiert in weiß
doch es ist ein blues in schwarz-weiß
es ist ein blues

(aus: blues in schwarz weiss von May Ayim, erschienem im gleichnamigen Gedicht-Band)

Zur Wiedervereinigung gibt es die immer gleichen Bilder: Menschenmassen, die „Wir sind das Volk“ rufen, fröhliches Steineklopfen an der Berliner Mauer, Staus an Grenzübergängen. Mitgeliefert die Annahme, es wäre ein guter(tm) Bezug auf den Volksbegriff möglich. Ausgeblendet eine ganze Vielzahl von Lebensrealitäten.

Eine andere Perspektive auf diese Zeit lieferte bereits in den 1990ern die Autorin und Aktivistin May Ayim. Ob in Gedichten oder Interviews, sie machte deutlich, wer aus dem Jubel allgemein ausgeschlossen war und wie sich der Alltag nach 1989 in Bezug auf Rassismus änderte. Über diese Themen sprach sie auch 1994 in der WDR-Sendung Frauen-Fragen, welche glücklicherweise online bei Youtube auffindbar ist, und gerade im Kontext der aktuellen Feierlichkeiten noch einmal herausgekramt gehört:

Zunächst habe ich mich erst einmal gefreut. Gleichzeitig war eine ganz komische Stimmung in der Luft. So eine Stimmung von einerseits wird von Brüdern und Schwestern in Ost und West geredet und gleichzeitig wurden die Gesetzgebungen MigrantInnen und Asylsuchende diskutiert und zwar im Hinblick auf Verschärfungen. Und ich hatte das Gefühl, jetzt auf einmal werden Willkommensbotschaften versandt und niemand spricht mehr davon, dass das Boot voll ist in Deutschland, dass wir sowieso schon zu viele sind. Auf einmal ist Platz, aber nur für bestimmte Leute. Und auch in der gesamten Medienlandschaft waren die Bilder immer nur von weißen Deutschen. Und für mich war das zum Teil richtig unheimlich.
Zum ersten Mal in Berlin habe ich auch sehr negative Erfahrungen gemacht, auf der Straße angepöbelt zu werden, komische Sprüche zu hören – auch von Freunden und Freundinnen komische Sprüche zu hören oder Erfahrungen mitgeteilt zu bekommen. Zum Beispiel von einem Freund, der auch aus Ghana kommt, dessen kleiner Bruder wurde 10-jährig aus der Ubahn herausgestoßen, damit einem anderen Platz gemacht werden kann, einem weißen Deutschen. Und einer weißen Freundin von mir, die in der Ubahn saß und ihr afrodeutsches Kind auf dem Schoss hatte, wurde ganz laut gesagt: „Solche wie euch brauchen wir jetzt nicht mehr, wir sind ja schon selber mehr als genug.“ Und das war keine Seltenheit.
Ich hatte das Gefühl, plötzlich trauen sich Leute Sachen zu sagen, die sie vorher gedacht haben. Also nicht so, dass jetzt plötzlich Rassismus aufgekommen ist, ich denke der war vorher da, aber plötzlich, war so ein Freiheitsgefühl, dass damit einherging „So jetzt zeigen wir’s dem Rest der Welt“. Mir ist aufgefallen, dass in den Tagen nach dem 9. November, wo unglaublich viele Leute auf der Straße waren, waren ganz viele ImmigrantInnen und Schwarze Deutsche nicht auf der Straße. Und ich erinnere mich, dass ich an der U-Bahn stand, der ganze Bahnsteig war voll von Leuten und ein türkischer Mann sprach mich an: „Jetzt wird es schlimmer für uns.“
Also dieses Jahr 1989/1990 war schon so ein Jahr der Schlüsselerlebnisse, und zwar gerade auch in der Hinsicht, was die gerade begonnene Auseinandersetzung mit Rassismus betrifft. Ich hatte schon das Gefühl, dass sich seit Mitte der 80iger Jahre einiges zum positiven geändert hat.


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Interview mit Peggy Piesche über Lesben in der DDR: „Sichtbarkeit kann niemals nur die eigene sein“

26. Mai 2015 von Nadine

Peggy Piesche und ich waren als Referentinnen zur Tagung „Das Übersehenwerden hat Geschichte – Lesben in der DDR und in der friedlichen Revolution“ in Halle geladen. Auf der Tagung standen verschiedene lesbische Perspektiven auf lesbischen Aktivismus in der DDR, während und nach der Wendezeit im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang fragte der Freitag ein Interview mit einer ‚Zeitzeugin‘ an, das ich nach der Tagung mit Peggy Piesche führte. Wir konnten das Interview nicht zur Autorisierung freigeben, so dass es nun auf der Mädchenmannschaft erscheint. Die Zusammenarbeit mit dem Freitag zeigte deutlich, dass viele sogenannte ‚Qualitätsmedien‘ bzw. journalistische Angebote nicht an Selbst-Erzählungen interessiert sind, die sich gängigen heteronormativen, weißen und westlichen Geschichts- und Diskriminierungsnarrativen und Interessen entziehen. Peggy Piesche hat dazu einen Text geschrieben, den ihr am Ende des Interviews findet.

Obwohl Lesben in der DDR rechtliche Gleichstellung genossen, blieben sie unsichtbar. Es gab im Gegensatz zur BRD kaum öffentliche Orte des Zusammenkommens, in der breiten Öffentlichkeit fanden sie keine Erwähnung. Teilnehmerinnen der Tagung sprachen davon, dass sie sich isoliert fühlten. Ging es dir ähnlich?

Ja, ich denke, dass dies ein allgemein gesellschaftliches Phänomen in der DDR war. Die rechtliche Gleichstellung von Lesben, die weit fortgeschrittenere Gleichberechtigung von Frauen allgemein in der DDR gegenüber der BRD war nur eine Seite bzw. nur eine Hälfte real-sozialistischer Ideologie. Da über vieles nicht geredet wurde und es wenig Räume gab, in denen alternative Lebensentwürfe gedacht oder gar gelebt werden konnten, entwickelte sich im DDR-Alltag so etwas wie eine sprachliche Leerstelle.

Was meinst du damit?

Natürlich wussten wir, was ‚Homosexualität‘ war, kannten Wörter wie ‚Lesben‘ und ‚Schwule‘. Aber im aktiven Aussparen dieser Wörter und allem, was damit zusammen hängt, indem eine bestimmte Sprache sozusagen nicht ausgeübt oder verwendet wurde, fehlten für Lesben und Schwule die Möglichkeiten in ihre Identität hineinwachsen zu können. Ich wusste sehr früh, wie ich fühlte und was das bedeutet. Aber in einen Austausch dazu zu kommen, war zumindest für mich in der Provinz (ich habe in den Mit-80ern in Erfurt studiert) kaum möglich. Das Schweigen war allgegenwärtig.

"Schwarz - lesbisch - deutsch. 1980er Jahre in Südostdeutschland“  - Peggy und ihre Mit-Azubis einer LPG in Gotha. Fotoquelle: privat

„Schwarz – lesbisch – deutsch. 1980er Jahre in Südostdeutschland“. Peggy (links) und ihre Mit-Azubis einer LPG in Gotha. Fotoquelle: privat

Waren bestimmte Lesben-Gruppen sichtbarer als andere?

Das glaube ich schon. Das bereits beschriebene sehr typische Phänomen in der DDR, nämlich unliebsame Geschichte/n, Realitäten und Gedanken in einem Mantel des Schweigens zu ersticken, spielt hier auch eine Rolle. Diese Pathologisierung des Schweigens funktionierte natürlich in den Provinzen besser als in den wenigen Zentren der DDR. In Städten wie Berlin, Leipzig, Dresden und Jena waren die Möglichkeitsräume schon etwas größer. Hier trafen schneller oder vielmehr schon früher als in anderen Gegenden die beiden ‚Parallelwelten‘ systemkritischer politischer Gruppen und alternativ gesellschaftliche Lebensentwürfe im Schutze der Kirche aufeinander. Dabei bildeten diese Räume durchaus die gewünschte weiße deutsche Homogenität ab, die auch in der DDR identitätsstiftend für das Nationalkollektiv galt.

Besonders die Lesben, die sich unter dem Dach der evangelischen Kirche organisierten, sahen sich politischer Verfolgung durch die Stasi ausgesetzt. Bespitzelung, Verhaftungen und Denunzierung waren an der Tagesordnung. Waren Lesben potentielle Systemfeindinnen?

In dem angestrebten Lebenskonzept ganz sicher. Denn das schien das recht biedere und bürgerliche Gesellschaftskonzept der DDR zu bedrohen. Nicht umsonst wurde auch in der DDR die heteronormative Familie als „Keimzelle“ der Gesellschaft gestützt. Dennoch muss aber deutlich gemacht werden, dass lesbisch sein noch nicht gleichbedeutend mit Systemkritik einher ging. Die Bespitzelungen der Stasi bezogen sich auf das gesamte Spektrum der Gesellschaft. Es haben auch Lesben Lesben bespitzelt.

Neben politischer Opposition spielte auch der Kampf um politische, soziale und kulturelle Anerkennung eine Rolle. Konntest du dich als Schwarze Lesbe mit den Zielen der Bewegung identifizieren?

Wie gesagt, von einer richtigen Bewegung wusste ich in der DDR nicht wirklich etwas. Die Bewegung konnte sich meines Erachtens eher erst nach bzw. mit der Wende als solches wahrnehmen und ihre Energien bündeln. Aus der Perspektive der DDR-Provinz handelte es sich vielmehr um zerstreute Räume und individuelle Begebenheiten. Für mich und meine Generation waren hier vor allem die Sommercamps der evangelischen Kirche Orte der Begegnung. Diese Räume waren natürlich alle durchweg sehr weiß, was wiederum für mich schnell zu Grenzerfahrungen führte. Als Schwarze Frau und Lesbe habe ich vor allem einen Bezug auf die differenzierten Lebensrealitäten, die es in der DDR gab, vermisst. In diesen Räumen wurde der gesellschaftliche Mythos, nach dem es Rassismus in der DDR nicht geben konnte, nicht hinterfragt.

Es gab also keine Räume, in denen Rassismus und Schwarze Lebensrealitäten Thema waren?

Rassismus galt in der DDR ideologisch als überwunden und wurde mit moralischem Verweis auf den Westen als systemisch irrelevant angesehen. Die DDR zelebrierte in ideologischen Gefechten des Kalten Krieges ihre Sozialistische Internationale Solidarität. Gern und besonders mit den ‚jungen aufstrebenden Nationalstaaten in Afrika’. Da passten die Erfahrungen und Lebensrealitäten Schwarzer Menschen und Lesben nicht ins Konzept. Mit dem Schweigen über Rassismus im eigenen Land und der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit von Menschen jenseits einer heterosexuellen weißen Norm waren diese Themen auch im DDR-Alltag wenig möglich. Weil es nicht gedacht werden konnte, war es für die meisten einfach nicht da.

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Über das Gucken und Sehen: Schwarze Frauen in Deutschland an_erkennen

4. Mai 2015 von Sharon

[Die englische Fassung des Texts findet sich weiter unten.]

Gestern wäre der 55. Geburtstag von May Ayim gewesen. Anlässlich des Tages wurde der 2. May Ayim Tag am May-Ayim-Ufer gefeiert. In Rahmen dessen wurde die Ausstellung „Daima“ eröffnet. Dazu habe ich einen Text vorgelesen, der hier veröffentlicht wird.

Was passiert, wenn du guckst?

Wahrscheinlich guckst du manchmal ganz unschuldig, überrascht oder aus Interesse. Manchmal wirst du einen fragenden Blick haben – vielleicht um ein Vorurteil, welches du bereits hast, zu bestätigen oder infrage zu stellen. Manchmal guckst du wohl aus Angst oder sogar Abscheu. Was passiert dann?

Meistens wenn Mitglieder einer mächtigen Gesellschaftsgruppe gucken, dann etablieren oder bestätigen sie eine bestimmte Perspektive auf etwas. Der Akt des Guckens erschafft (wieder) ein Objekt, welches angeguckt oder untersucht wird. Wenn viele Menschen auf die gleiche Sache gucken wird eine dominante Ansicht gebildet. Diese dominante Ansicht wird über viele Wege kommuniziert. Wenn ich hier also über „gucken“ schreibe, dann meine ich nicht nur den spezifischen physischen Akt, sondern jegliche Aktivität die eine Perspektive auf ein Objekt etabliert. Insgesamt erzählen die Blicke von Mitgliedern einer mächtigen Gesellschaftsgruppe eigensinnige Geschichten über ein Objekt. Mit der Zeit besitzen diese Geschichten eine größere Autorität, als was das Objekt jemals könnte. Jedoch ist die Information, die das „Gucken“ bietet, unvollständig, da die Kommunikation nur in eine Richtung geht. Gucken ist nicht das Gleiche wie Sehen. In einem Kontext, in dem der weiße männliche Blick dominiert, wurden Schwarze Frauen immer angeguckt aber selten gesehen.

In Deutschland ist die Situation nicht anders. Obwohl Schwarze Menschen seit gut über 300 Jahren in dieser Region leben, haben die meisten weißen Deutschen erstaunlich wenig Wissen über die Anwesenheit und den Einfluss Schwarzer Menschen in diesem Land. Und selbst in Schwarzen Communities in Deutschland sind die bekanntesten Beispiele für Schwarze deutsche Selbstbestimmung und Widerstand gegen Rassismus vor den Mit-1980ern üblicherweise männlich: Zum Beispiel Anton Wilhelm Amo, ein Schwarzer Mann, der 1736 der erste Professor afrikanischer Herkunft wurde, der an einer deutschen Universität studierte und arbeitete. Und Rudolf Duala Manga Bell, ein in Kamerun geborener König und Aktivist, der sich in seinem Heimatland Anfang des 20. Jahrhunderts der deutschen Kolonialherrschaft widersetzte und darum 1914 wegen Hochverrats hingerichtet wurde.
Ähnlicher Weise sind Simone de Beauvoir und Clara Zetkin innerhalb der deutschen feministischen Bewegung und zum Teil auch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft bekannte und respektierte Persönlichkeiten. Beide Frauen sind weiß. Jedoch verdienen Schwarze Frauen wie Emily Duala Manga Bell, eine anti-koloniale Aktivistin, die ihren (oben genannten) Ehemann überlebte oder Fasia Jansen, eine Friedensaktivistin und Überlebende des Neuengamme Konzentrationslagers, ebenfalls Ansehen und Anerkennung für ihre jeweiligen Beiträge zur anti-rassistischen Bewegung und Frauenbewegung in Deutschland.
Der deutsche Kontext ist einer, in welchem historisch die Existenz Schwarzer Deutscher rechtlich verleugnet wurde und selbst heute gibt es keine rechtlichen Möglichkeiten sie statistisch zu erfassen; ein Kontext, in dem zahllose Schwarze Kinder mit ausschließlich negativen Begriffen zur Selbstbeschreibung aufwuchsen; einer, in dem viele genau dieser Kinder aufgrund von rassistischen Nazi-Gesetzen zur „Rassenmischung“ sterilisiert wurden; und einer, wo Schwarze Individuen oftmals ihr ganzes Leben verbrachten ohne andere Menschen zu kennen, die so aussahen wie sie selbst. In diesem Kontext, wo die kulturelle Repräsentation von weißen und männlichen Idealen dominiert wird, und wo kritische Positionen dagegen entweder Schwarz männlich oder weiß weiblich waren, sehen sich Schwarze deutsche Lesben_Frauen vielfachen Hürden gegenüber. Es war in diesem Kontext, dass Audre Lorde, eine afro-amerikanische Lesbe, Feministin, Dichterin, Aktivistin, Wissenschaftlerin und Mutter, erstmals Berlin im Jahr 1984 besuchte, um an der Freien Universität zu unterrichten und Verbindungen zu jungen Schwarzen Frauen, die hier lebten, aufzubauen.

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Antisemitische Übergriffe, May-Ayim-Tag und Tina Feys neue Show – kurz verlinkt

18. März 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 274 von 337 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Interview mit Sabine Mohamed zu Schwarzem Feminismus in Deutschland („Black Feminism is not white feminism in Blackface“).

In Frankfurt demonstrieren heute Tausende anlässlich der Eröffnung des neuen Prunkbaus der Europäische Zentralbank gegen Kapitalismus im Allgemeinen und gegen konkrete Sprapolitiken und Maßnahmen von Akteuren wie eben der EZB. Bereits am Vormittag schrieb neues deutschland über Hunderte von Festnahmen unter den Blockupy-Aktivist_innen.

In Berlin wurde die „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS)“ gegründet, dazu berichtet die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin. Zu der Gründung und der ansteigenden Zahl antisemitischer Übergriffe in Berlin schrieb auch der Störungsmelder der ZEIT.

Am 3. Mai hätte die Aktivistin, Poetin und Wissenschaftlerin May Ayim Geburtstag. Aus diesem Anlass plant die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland gemeinsam mit dem Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Ballhausnaunystrasse e.V., und Berlin Post-Colonial e.V. zum zweiten Mal den May-Ayim-Tag. Dieser kann noch mit Spenden unterstüzt werden.

Der Mediendienst Integration informiert über die Hintergründe der Kopftuch-Debatte. Und bei der FAZ schreibt Kübra Gümüsay über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts und warum dies keine ‚Befreiung‘ sei: „Das Recht auf ihrer Seite„.

Die Standard berichtet über Verdienststrukturen in Österreich und geht dabei auch über die Kategorie Geschlecht hinaus und zeigt auf: Nicht alle Frauen sind gleichermaßen betroffen, Mehrfachdiskriminierungen haben einen wesentlich Einfluss. (Einige Formulierungen sind leider nicht so toll und den Abschlussparagraph kann eine sich schenken.)

Englischsprachige Beiträge

Bei Vox schreibt Jenée Desmond-Harris über Serena Williams und die rassistische Berichterstattung und Kommentare von Zuschauer_innen etc., die ihre Karriere begleite(te)n.

Queer_feministische Künstler_innen schreiben auf Hyperallergic zu Community-Aufbauen, Räume, Vorbilder, Aktivismus, Anfänge, Inspirationen.

„Lesbians, gays, bisexuals and transgenders (LGBT) in the United Soviet Socialist Republics (USSR), Armenian Soviet Socialist Republic (ASSR) and third Republic of Armenia (IIIRA).“ – ein kurzer Überblick:

Die neue von Tina Fey kreierte Show „Unbreakable Kimmy Schmidt“ wird auch in Deutschland bereits diskutiert und teils gefeiert, doch kommt auch diese – wie bereits zuvor 30 Rock – nicht ohne rassistische Stereotype und ähnliches aus. Indian Country stellt noch einmal klar, was so diskriminierend an der „Native American Storyline“ ist.

Stell dir vor du läufst durch eine Stadt und plötzlich vibriert dein Handy, um dir mitzuteilen, dass du in der Nähe eines Ortes bist, an dem eine Frau Geschichte schrieb. Genau daran arbeitet Spark (mehr auch nachzulesen beim Good Magazine):

Termine in Berlin, Hamburg, Hannover und Heidelberg

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Ein Buch nach dem anderen: 10 Schwarze Autor_innen zum Black History Month

10. Februar 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 94 von 123 der Serie Die Feministische Bibliothek

Februar ist Black History Month und könnte als Anlass genommen werden, noch mehr Bücher von Schwarzen Autor_innen auf die Leseliste zu setzen (denn diese sollten selbstverständlich das ganze Jahr über gelesen werden). Zur Inspiration habe ich hier eine Liste mit 10 Büchern von 10 Autor_innen zusammengestellt – eine Mischung mit Lyrik, Autobiographie, Essays, Drama und Romane, mit Klassiker_innen und eher neuen Erscheinungen. Ergänzt doch eure liebsten Bücher in den Kommentaren!

126381Chimamanda Ngozi Adichie – Purple Hibiscus
Spätestens seit Beyoncé in ihrem Song „Flawless“ einen Teil der Rede „We should all be feminists“ von Adichie einband, ist die nigerianische Schriftstellerin den meisten ein Begriff. Ihr letzter Roman Americanah, der auch bereits ins Deutsche übersetzt wurde, war außerdem ein riesiger Erfolg. Aber Adichie hat auch bereits zuvor wichtige Bücher veröffentlicht, wie den Biafra-Kriegs-Roman Half of a Yellow Sun oder ihr Debüt Purple Hibiscus aus dem Jahr 2003. Der Roman folgt der 15-jährigen Kambili, die durch einen Aufenthalt im Haushalt ihrer Tante Ifeoma lernt sich gegen ihren gewalttätigen, katholischen Vater aufzulehnen.

51C56FGR8PLAma Ata Aidoo – Anowa
Ama Ata Aidoo kann dieses Jahr ihren 75. Geburtstag feiern. Seit den 1960ern schreibt und veröffentlicht sie Theaterstücke, Gedichte und Prosa. Darüber hinaus gründete sie vor 15 Jahre in Ghana die Mbaasem Foundation, um andere afrikanische Autorinnen zu unterstützen. (Die dort veröffentlichte Liste mit Autorinnen ist zu dem ein super weiterer Einstiegspunkt, wenn eine auf der Suche nach neuer Lektüre ist.) Das Theaterstück Anowa spielt im Jahr 1874 vor dem Hintergrund fortschreitender Kolonisierung afrikanischer Gebiete, hier konkret Regionen im heutigen Ghana, und Versklavungshandel. Die titelgebende Protagonistin Anowa versucht in diesem historischen Setting ihren eigenen und zunächst eigenwilligen Weg zu gehen – und scheitert doch zuletzt.

41Z1Tea6qkL._SY344_BO1,204,203,200_May Ayim – blues in schwarz weiß
May Ayims wegweisender Gedichtband blues in schwarz weiß, der vor 20 Jahren erschien, hat in seinen Beobachtungen zu Rassismus, der deutschen Gesellschaft ™ und zwischenmenschlichen Begegnungen nichts an Aktualität eingebüßt. Doch ist Lyrik – auch wenn sie dezidiert politisch/ gesellschaftskritisch ausgerichtet ist – mehr als nur die inhaltliche Aussage und Ayims Gedichte überzeugen so auch immer durch ihre klare Sprache, geschickt entlarvende Wortspiele und einen hineinziehenden Rhythmus. Im Jahr 2013 erschien mit Weitergehen ein Band, wo die Gedichte aus blues in schwarz weiß und nachtgesang gesammelt erschienen. Über ihre Lyrik hinaus gelten absolute Empfehlungen für die von May Ayim mitherausgegebenen Werke Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte so wie Entfernte Verbindungen. Rassismus, Antisemitismus, Klassenunterdrückung.

MARIAMA-BA-UNE-SI-LONGUE-LETTREMariama Bâ – Une si longue lettre
Der Roman um die Protagonistin Ramatoulaye gehört sicher zu den Klassikern der afrikanischen feministischen Literaturen. Der Roman ist in Briefform gehalten. Ramatoulaye schreibt an ihre Freundin Aissatou Bâ anlässlich des Todes ihres Ehemanns. Im Verlauf des Texts beschreibt sie nicht nur die Umstände seines Todes, sondern blickt auf ihr eigenes Leben, ihre Umgänge mit und nach und nach Überschreitungen von patriachalen Grenzziehungen zurück. Das Buch ist unter Ein so langer Brief auch in deutscher Übersetzung erschienen.

9783942885317Sandrine Micossé-Aikins – The Little Book of Big Visions. How to be an Artist and Revolutionize the World
Das mit gemeinsam mit Sharon Dodua Otoo herausgegebene Buch war das erste in der Reihe “Witnessed”. (In dieser sind mittlerweile auch noch eine Reihe anderer Werke erschienen, wie z.B. der Fotoband Daima – Images of Women of Colour in Germany von Nzitu Mawakha.) In The Little Book of Big Visions geht es um die Un_Möglichkeiten des Kunstschaffens in Deutschland aus der Perspektive Schwarzer Künstler_innen. In Essays und Interviews nähern sich unterschiedliche Künstler_innen/ Autor_innen den Strukturen, Rezeption und Ästhetiken an. Etwas ausführlicher besprach ich das Buch bereits bei seinem Erscheinen in 2012.

janet-mock-book-coverJanet Mock – Redefining Realness
In ihrer ausführlichen Besprechung hier bei uns schrieb Magda: „Auf etwas mehr als 250 Seiten präsentiert Mock eng verknüpft mit ihrer Lebens­geschichte eine Gesellschafts­analyse, die die mit­einander verwobenen Macht­verhältnisse leicht verständlich erklärt und diskutiert, ohne die individuelle Handlungs­fähigkeit aus dem Blick zu verlieren. Mock verschmilzt ihre bisherige Lebens­geschichte und ihre Visionen mit Schwarzen feministischen Theorien und nimmt immer wieder Bezug auf Autor_innen und Aktivist_innen wie zum Beispiel Audre Lorde oder Zora Neal Hurston. Und Jugend-Freund_innen wie Wendi Miyake, Make-Up-Artistin und Inspiration für Mock.“

51i-Ue-QrmLToni Morrison – Playing in the Dark: Whiteness and the Literary Imagination
1993 erhielt Toni Morrison den Literatur-Nobelpreis. Zu ihren bekanntesten Romanen gehören The Bluest Eye, Song of Solomon und Beloved. Im April wird ihr 11. Roman God Help the Child erscheinen. Doch neben Romanen schreibt Morrison auch Kinderbücher, Kurzgeschichten, Theaterstücke und nicht-fiktionale Texte. Warum sich also nicht auch mal letzterem hinwenden?! In Playing in the Dark, ihrem Werk aus dem Jahr 1992, zeichnet Morrison nach wie in literarischen Werken weißer us-amerikanischer Autor_innen race (und vor allem die „Africanist presence“) eine wesentliche, wenn auch häufig unbenannte Rolle spielt und wie so eine weiße amerikanische Identität konstruiert wird. Ein Paradabeispiel dafür, wie kritische Literaturanalyse aussehen könnte.

Notre-Dame-du-NilScholastique Mukasonga – Notre-Dame du Nil
Scholastique Mukasonga ist eine ruandische Schriftstellerin und Notre-Dame du Nil ihr vierter von fünf Romanen. Sie wurde für diesen 2012 auch mit dem prestigeträchtigen Prix Renaudot ausgezeichnet. Der Roman spielt in den 1970er Jahren in einer christlichen Mädchenschule in Ruanda. Dort treffen die Töchter der ruandischen Elite aus Militär und Politik auf Mädchen aus bäuerlichen Familien. Als zur Weihung einer neuen Marienstatue die miliante Ruandische Jugend eingeladen wird, eskalieren bereits brodelnde Konflikte. Mukasonga entwirft einen Mikrokosmos, der seinen Schatten auch voraus auf den kommenden Genozid 1994 wirft. Das Buch erschien auch unter Die heilige Jungfrau vom Nil in deutscher Übersetzung.

515RwbHHzQL._SY344_BO1,204,203,200_Peggy Piesche – Euer Schweigen schützt Euch nicht: Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland
Erst vor kurzem fand in Berlin eine Konferenz statt, die sich den Berliner Jahren (und deren Nachwirkungen) von Audre Lorde widmete. Unter der Überschrift „Schwarze, Lesbe, Mutter, Kriegerin, Poetin“ berichtete Sharon Dodua Otoo ausführlich beim Tagesspiegel. (Nicht nur) Zu diesem Anlass lohnt es sich auch den von Peggy Piesche herausgegebenen Sammelband Euer Schweigen schützt euch nicht, der 2012 anlässlich des 20. Todestages von Lorde erschien, in die Hand zu nehmen. In diesem erinnern sich Wegbegleiterinnen und nähern sich Aktivistinnen an Lordes Schaffen und bis heute spürbaren Einflüsse an.

images.cgiYvonne Vera – Butterfly Burning
Dieses Jahr jährt sich bereits zum 10. Mal der Tod der großartigen simbabwischen Schrifstellerin Yvonne Vera, die leider mit gerade einmal 40 Jahren verstorben war. Hinterlassen hat sie neben von ihr herausgegeben Anthologien fünf faszinierende Romane, die allesamt einen Blick wert sind. In für Vera typischer lyrischer und symbolträchtiger Art und Weise folgt der Roman seiner Protagonistin Phephelaphi, die versucht in den 1940ern beschränkt durch koloniale und patriachale Strukturen trotzdem ihr Leben zu gestalten.


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May Ayim Tag

25. April 2014 von Charlott

Vom 02.-04. Mai finden in Berlin anlässlich des 54. Geburtstags, den die Dichterin, Wissenschaftlerin und Aktivistin May Ayim dieses Jahr begehen würde, eine Reihe von Veranstaltungen statt. Organisiert haben diese ADEFRA, ISD, Afrika-Rat Berlin-Brandenburg, Berlin Postkolonial und AfricAvenir. Am 02. Mai wird es eine Eröffnungsveranstaltung geben und am 04. Mai ein kritischer Rundgang durch das „Afrikanische Viertel“. Im Fokus steht aber natürlich das eigentliche Geburtstagsdatum 03.Mai, der May Ayim Tag.

An diesem Tag wird es im Spreeraum (May-Ayim Ufer 9) Lesungen, Musik, Performances und Diskussionen geben – ergänzt durch ein Kinderprogramm. Die genauen Details lassen sich in der Broschüre online nachlesen.

Zur Einstimmung könntet ihr euch ein Video aus dem letzten Jahr zur Performance I Step on Air anschauen (Generalprobe im Rroma Aether Klub Theater). Die von Oxana Chi konzipierte Performance wird auch am 03. Mai um 15 Uhr aufgeführt. In der Beschreibung zum Video hieß es:

Die zeitgenössische feministische Schriftstellerin May Ayim (geb. 1960 – gest. 1996) schrieb in ihren Gedichten, was viele Schwarze Menschen und PoCs fühlen, denken und erleben. Sie gab dem oft Unsagbaren eine Stimme und setzte diesen Buchstabe für Buchstabe in die Öffentlichkeit. Schwungvoll einen Augenblick ihrer Persönlichkeit – zwischen außergewöhnlicher Stärke und Offenheit und schmerzender Gefangenschaft – zu erhaschen, berührt die Tänzerin mit ihrem Fuß die Luft und setzt entschlossen die erste Spur auf den Boden. Die Bewegungsstruktur den Betrachtenden ohne Bevormundung und Belehrungen näher zu bringen, ist der Ausgangspunkt, aus dem die Tänzerin Oxana Chi federleicht hinaus springen wird.

I Step on Air – Oxana Chi from oxanachi on Vimeo.


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Rebel Girls, Gedichte und ein lesbischer Kurzfilm – die Blogschau

5. Oktober 2013 von Viruletta
Dieser Text ist Teil 222 von 295 der Serie Die Blogschau

Passend zum 3. Oktober hat ihollaback!Berlin einen Text von May Ayim zitiert: „grenzenlos und unverschämt – ein gedicht gegen die deutsche sch-einheit„. Das Missy Magazine war aus dem selben Anlass im Frauenzentrum EWA in Berlin, und hat sich dort auf die Suche nach den feministischen Frauen gemacht, die bei den Erzählungen über die Bürger*innenbewegung der DDR meist vergessen werden.

30. Jahre an.schläge und wir schließen uns den Glückwünschen an: Happy Birthday! Und weil die Redaktion auch nach 30 Jahren noch viel Wert auf euer Feedback legt, gibt es hier noch eine Umfrage: was würde das Magazin für euch noch besser machen?

Polychromatisch schreibt über alltägliche Trans*phobie und die Schwierigkeit, die das reclaimen von Begriffen oft mit sich bringt: „Ich will niemenschem Worte wegnehmen und somit ungewollt meine Privilegien als weißer, wahrgenommener Trans*mann ausspielen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass in meiner individuellen Position mir diese Reclaming eigentlich zustände, denn schließlich bin ich durch die trans*phobe Verwendung dieses Wortes direkt betroffen“. Über Ideen und Anregungen in den Kommentaren freut er sich.

Die queere Jugendgruppe Youngstars Hochrhein hat einen lesbischen Kurzfilm gedreht:

Zum Thema Privilegien gibt es viele Meinungen und Vorannahmen. Nadine hat auf ihrem Blog Medienelite einige davon aufgegriffen. Aber Vorsicht: Der Beitrag kann Spuren von Sarkasmus enthalten.

Alis Afrika-Blog schreibt darüber, wie ätzend es ist, in Deutschland als Schwarzer Mensch ständig gleichzeitig demonstrativ übersehen und überwacht zu werden: „Das typische am Rassismus ist, dass Leistungen von rassistisch Ausgrenzten individualisiert, (vermeintliche) Fehltritte jedoch kollektiviert werden“.

„Mädchen? Junge? Pony?“ ist der Titel einer Broschüre der trans*genialen f_antifa, die versucht in verständlicher Sprache verschiedenste Fragen rund um das Thema trans* zu beantworten. Auf der Homepage der Gruppe steht sie nun zum Download bereit.

Die denkwerkstatt hat ein Interview mit der feministischen Ökonomin Gabriele Michalitsch geführt. Resüme: Feminismus kann niemals Lifestyle sein, Feminismus ist immer politisch“.

Die Musikjournalistin und Autorin Tine Plesch hat zu Lebzeiten eine Menge eigener Gedanken zu Pop und Feminismus, Musik und Literatur zu Papier gebracht. Beim Ventil-Verlag ist nun unter dem Titel Rebel Girl – Popkultur und Feminismus eine Sammlung dieser Texte erschienen. different needs hat sie gelesen und rezensiert: „Wer wissen möchte, wie sich Lesereisende auf Tour fühlen, warum schreibende Frauen mitunter die „Heldin als Verrückte“ dargestellt haben und warum „Mädchenband“ kein gewinnbringender Begriff ist, dem_der sei dieses wunderbare Buch ans Herz gelegt“.

Das Ende des Sex hat ebenfalls eine Lektüreempfehlung für euch: “Eine afro-deutsche Geschichte: Zur Lebenssituation von Afrikanern und Afro-Deutschen in Deutschland von 1884 bis 1950″ von Katharina Oguntoye.

Die lesbische ugandische Menschenrechtsaktivistin Kasha Nabagesera hat kürzlich den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis erhalten. „Die Entscheidung der Jury, mit der Wahl der Preisträgerin die weltweite Diskriminierung von LSBTI-Personen sichtbar zu machen, ist ein Meilenstein und ein starkes politisches Signal: Homophobie ist ein Menschenrechtsthema, weltweit“ schreibt L-talk.

Tea-riffic hat ein wunderbares Gedicht geschrieben, dass sie völlig unnötiger Weise sehr schüchtern präsentiert; es heißt „Feminist Killjoy“.

Auf fatshaming Kommentare schlagfertig zu reagieren, kann empowernd sein. Der Dicke Verein liefert deshalb ein paar Vorschläge für Erwiderungen, die zwar nicht alle toll sind, aber einige Gute sind dabei.

Sina’s Blog bildet eine Debatte darüber ab, inwiefern Missionar*innen die Notlagen von Sexarbeitenden ausnutzen.

Termine:

Es lohnt sich einen Blick in den Veranstaltungskalender von Antje Schrupp zu werfen.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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