Einträge mit dem Tag ‘Männerfußball’


Das Jahr 2014 – Ein Feministisches Lexikon

19. Dezember 2014 von Charlott

Welche Themen standen auf unserer feministischen Agenda 2014? Welche Ereignisse haben das Jahr geprägt? Welche Personen und ihren Aktivismus haben wir bewundert? Zum Abschluss des Jahres gibt es dieses Mal ein Lexikon. Zu jedem Buchstaben könnte es natürlich noch zig weitere Einträge geben – ergänzt doch eure in den Kommentaren!

A wie Aktivismus, Ausschlüsse und Ablasshandel
Ein Thema, welches sich eigentlich durch jedes Jahr zieht/ ziehen sollte: Wie wollen wir unseren Aktivismus gestalten? Wie können dabei unterschiedliche Positionen bedacht und genutzt werden? Welche Taktiken und Praxen haben sich bewährt? Nadine machte sich darum einmal Gedanken darüber, wer wann auf Podien sitzt, wo Absagen vielleicht Sinn machen und wo nicht (und was das mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen zu tun hat) und über Geldspenden als Art der ökonomischen Umverteilung.

B wie #BlackLivesMatter und #BringBackOurGirls
Am 09. August dieses Jahres wurde der Schwarze Jugendliche Michael Brown von dem weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson, Missouri, erschossen. Gegen den Polizisten wurde nicht mal ein Verfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Einzelfall, sondern es ist ein Beispiel für die anhaltende rassistische Polizeigewalt – die keinerlei Konsequenzen hat. In ihrem Text „Wenn Schwarzer Menschen nicht lächeln…“ verlinkt Sharon eine ganze Reihe von weiteren Beispiel aus den USA und Deutschland. Von Ferguson ausgehend und durch weitere publik werdende Taten (die ebenfalls kaum Konsequenzen nach sich zogen) entwickelte sich in diesem Jahr eine Protestbewegung, die im Internet unter anderem unter dem Hashtag #BlackLivesMatter und auf den Straßen vieler Städte anzufinden war. In Berlin versammelten sich am 29. November Aktivist_innen am Brandenburger Tor, um den Opfern zu Gedenken und darauf zu verweisen, dass es stimmt: #FergusonIsEverywhere, Ferguson (d.h. rassistische Strukturen, die Gewalt legitimieren) sind kein rein us-amerikanisches Phänomen. So wird sich am 07. Januar zum bereits zehnten Mal der Tod von Oury Jalloh jähren. Derzeitig sammelt die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh Geld um ein weiteres Gutachten zur Brand- und Todesursache anfertigen zu können.

Außerdem sollten nicht die 200 Mädchen, die am 14. April in Nigeria entführt wurden, vergessen werden.

C wie Chancengleichheit
Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Akzeptanz, > Toleranz, Inklusion – ein Wörtersalat, der häufig eher das „gut gemeint“ als das „gut gemacht“ abdeckt, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht. Hannah hat sich im November die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehört und aufgezeigt, welche Diskussionen rund um das Bundesteilhabegesetz (nicht) geführt werden. Außerdem erklärte sie in einem weiteren Text, was der Begriff Inklusion eigentlich umfassen sollte und wie er häufig stattdessen ausgehöhlt wird.

D wie Diskurspolizei
Sprachdebatten zwischen „Darf man denn hier gar nichts mehr sagen!“ und „Diese Gender-Leute drängen ja immer einen Sprachgebrauch auf!“ begleiteten auch das Jahr 2014. Am prominentesten ist sicher die medial breit geführte „Debatte“ um Lann Hornscheidts Sprachinterventionen. Auf einen öffentlichen Brief von WissenschaftlerInnen antwortete hier Jayrôme mit „Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten„. Im Juli hatte außerdem accalmie die Verwendung diskriminierender Begriffe, die Verteidung dieser Praxis und das Umwerten als die echte Diskriminierung (TM) von Begriffen, die sonst unmarkierte Normen benennen, seziert.

E wie Elliot Rodger
Am 23. Mai tötete Elliot Rodger in Isla Vita, Kalifornien, sechs Menschen. Zuvor hatte er in Videos und einer über hundert Seiten langen „Autobiographie“ seine Misogynie verbreitet. In vielen deutschsprachigen Medien wurde die Tat dekontextualisiert und individualisiert. Ich schrieb über die Hintergründe der Tat, wie sie vielleicht verhindert hätte werden können. (mehr …)


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So grölen die Deutschen: Warum Nationalismus nicht harmlos ist.

29. Juli 2014 von Gastautor_in

Sandra Charlotte Reichert (*1979) wohnt seit 1986 mit Pausen in Berlin. Da sie seit ihrer Kindheit schreibt und an die Macht von Worten und Sprache glaubt, gibt sie bis heute gern und ungefragt ihren Senf dazu. Bevorzugt dann, wenn BiedermeierMenschen unter dem Deckmantel von Redefreiheit ihr rassistisches Öl nebst hetero-sexistischen Streichhölzern auspacken, um einmal mehr ihr Kartoffelsüppchen auf dem Feuer von Nationalismus zu köcheln. Aufgrund von SprachLeidenSchaft, Englisch- und Amerikanistik-Studium sowie neuseeländischen Auslandsaufenthalten, erzählt, dichtet und denkt sie auf Deutsch und Englisch. Dieser Beitrag ist ein Crosspost von Sandras Blog.

Kreuzberger Kiezkneipe; meine Kreuzberger Stamm-Kiezkneipe; Nachts, halb zwei. Der Barmann, zwei Frauen, eine davon deutsche Kartoffel (ich). Zwei Kartoffelmänner, die irgendwann befinden, sie müssten zum zweiten Mal am Abend den viel diskutierten, völlig bescheuerten Herrenfußballnationalelf-Deutschlandsong anstimmen. Dabei äffen sie nicht nur bekannte Zeilen nach; sie wiederholen – zu meinem besonderen Missmut – die gebückte Haltung versus der vermeintlich geraden: Brust raus, Rücken gestreckt. Erhaben ist jedoch rein gar nichts daran. Doch diesmal sag ich was. „Jungs es reicht jetz, einmal is zuviel, zweimal geht gar nicht. Schluss jetz.“ Die Reaktion: Eine Mischung aus Gelächter und den Worten „Political Correctness Scheiße“, „Ne Studierte“, „Bist du hier die Tresenqueen oder was?!“ und anderer Mist. Allerdings ohne mich dabei anzuschauen. Feige sind sie nämlich, diese Herren. Laut aber feige auf eine Art, die mir den Magen umdreht und Wut und Übelkeit in mir erzeugt; auch weil ich weiß, was diese Feigheit möglich macht.

Der erste Satz, der dann tatsächlich direkt in meine Richtung geht, ist dieser: „Wir sind Weltmeister, darauf wird man ja wohl stolz sein dürfen.“ Dabei schaut der Sprechende, als hätte er tatsächlich etwas dazu beigetragen. Als erwarte er Dank und Anerkennung für seine Leistung. „Wenn mann sonst nix hat,“ ist meine Antwort. Wieder höhnisches Gelächter, und weitere Sätze deutschen Nationalstolzes. Darauf ich: „Jaja, die deutsche Herrenrasse singt wieder.“ Der Barmann wirft ein, dass nun „alle ihre Aggressionen sein lassen sollten,“ schaut dabei aber vor allem in meine Richtung. Die Herren fühlen sich bestätigt. Einer von ihnen steht auf, und bevor er zur Toilette geht ruft er laut in den Saal: „Deutschland über alles!“ Nun werde ich wieder laut: „Was für ne Nazikacke!“ Grinsend verpisst er sich, und sein Kollege will er mir erzählen, dass ich keine Ahnung hätte wovon ich rede und lieber den Mund halten sollte. Woraufhin ich ihn frage ob er ernsthaft behaupten möchte, dass der Spruch seines Begleiters nix mit Nazideutschland zu tun hätte. Er rudert zurück und versteckt sich hinter dem Verweis darauf, dass er diesen Satz ja nicht gesagt hätte, was der Barmann bestätigt. Nun erinnere ich ihn daran, dass er bis eben noch darüber und dazu gegrinst und sich gut amüsiert hätte. Frage, wie es mit Konsequenz und Konsistenz wäre. Wieder dummes Gegrinse und Worte, die wohl mich meinen, die er aber seinem Drink erzählt. Schließlich gehen beide. Doch bevor sie endlich die Bar verlassen, der erste bereits vor der Tür ist, der zweite noch die Klinke in der Hand hält macht dieser nochmal deutlich, wie distanziert er vom Ausruf seines Kollegen ist. Er guckt kurz in meine Richtung und sagt dann: „Zwangssterilisation“. Mit diesem Wort nimmt er den Schritt aus der Tür. Meinen Ausruf „F*** Dich!“ hört er sicher, erspart mir aber weiteren Dreck. Bis dahin war der Tag schön.

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Konsumkritik-Kritik und Kinder kriegen – die Blogschau

26. Juli 2014 von Nadine
Dieser Text ist Teil 257 von 295 der Serie Die Blogschau

Aktivistinnen von Women in Exile sind gerade mit einem Floß auf Aktionstour (Interview mit der Mädchenmannschaft). Auf ihrem Blog berichten sie mehrmals die Woche von ihren Eindrücken.

Miss Temple schreibt zur Kommerzialisierung von Modeblogs.

Auf Reizende Rundungen begründet Katrin, warum sie Fat Acceptance wichtig findet.

Puzzlestücke hat in den letzten Tagen gegen verkürzte Konsumkritik gerantet, die häufig klassistische Diskriminierung nicht mitdenkt. Ihre Twitter-Rants hat sie in ihrem Blog zusammengefasst.

Riotmango schließt sich an und erweitert die Konsumkritik-Kritik um dicke_fette Perspektiven.

Ryuu schreibt einen persönlichen Text über Kinder kriegen und haben: „Ich will keine Kinder. Und zwar weil die Bedingungen, unter denen ich eigene Kinder überhaupt als Möglichkeit in Betracht ziehen würde, nie in meinem Leben erfüllt waren und nach wie vor nicht sind.“

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Ach, diese Zeit des Sportjahres: Nationalismus, Sexismus und ‚Stadtumstrukturierungen‘

12. Juni 2014 von Charlott

Es ist wirklich schwer, nicht mit dem Kopf drauf gestoßen zu werden, die Medien berichten allerorts und vermehrt wehen schwarz-rot-goldene Flaggen: Heute startet in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. In den letzten Wochen wurde minutiös über die ‚Fortschritte‘ der deutschen Mannschaft geschrieben – und sei es nur die Anreise und die Wetterbedingen vor Ort, Supermärkte und andere Läden setzten auf „Deutschland-Farben“ und andere Ausläufer des sogenannten Party-Patriotismus. Ist das nicht schön, so gute Stimmung? Ein paar Notizen zur WM.

‚Sexy‘ Spielerfrauen

Ein Trend, der sich meines Erachtens verschärft hat, ist der Fokus auf die ‚Spielerfrauen‘. Gemeint sind mit diesem Begriff Partnerinnen der Fußballspieler. Von diesen wird (unbezahlte) Care-Arbeit in aller Öffentlichkeit erwartet (so wird genaustens vermerkt, welche auf den Zuschauer_innenrängen saß und wie aufmerksam gejubelt wurde) und dabei sollen sie natürlich auch allen Schönheitsstandards entsprechen. So ist es nicht verwunderlich, dass im Vorfeld der WM Medien die Frauen nach ihrer ‚Sexyness‘ einordneten oder deren Stil auseinandernahmen. Die Frauen, egal was sie sonst in ihrem Leben tun, werden anhand ihrer ‚Nützlichkeit‘ für das Team gemessen, an ihrer ‚moralischen Unterstützung‘, an ihrem ‚Dekorativitätsfaktor‘. Mit diesem Trend, der die Partnerinnen immer stärker an die Darstellung des Teams bindet, wird aber auch etwas anderes deutlich gemacht: Fußballspieler – das sind Hetero-Typen.

Normalisierter Nationalismus

Sportgroßereignisse dieser Art, und insbesondere die Männer-Fußball-WM, sind auch immer wieder – und ebenfalls in den letzten Jahren zunehmend – Anlässe zur Normalisierung von Nationalismus. Sie bieten den Anlass fast kritiklos Insignien des deutschen Staates hochzuhalten, die Farben als positives Identifikationsmerkmal zu tragen, und lautstark „Deutschland, Deutschland“ zu skandieren. Anlässlich der WM in Südafrika analysierte dazu bereits Nicole an dieser Stelle:

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„Aktion Libero“ gegen Homophobie im Fußball

16. November 2011 von Nicole


Wir haben das Thema Homophobie/Homosexualität im Fußball – und zwar Männer- wie Frauenfußball – schon häufiger behandelt, zuletzt anlässlich der etwas zwanghaften Heterooutings deutscher Nationalspieler. Die aktuelle Meldung dazu allerdings geht in eine andere Richtung: David Testo, US-amerikanischer Profifußballer in der zweiten kanadischen Liga, sprach im Fernsehen über seine Homosexualität. Er wird mit den Worten „Es ist unglaublich schwierig, als Profisportler zu leben und schwul zu sein“ zitiert, zu lesen ist außerdem, dass seine Trainer und Mitspieler schon seit einigen Jahren wüssten, dass er schwul sei.

Zum heutigen 16. November gibt es nun einen Aktionstag in zahlreichen Sportblogs, die gemeinsam auf die besonderen Verhältnisse im Fußball in Sachen Homophobie aufmerksam machen wollen: „In den meisten Bereichen der Gesellschaft bedeutet Homosexualität keinen Nachteil für Karriere und Position. Ausgerechnet in der beliebtesten Sportart ist das anders: Der Fußball bleibt spießig.“

Eine weiße FUßballspielerin auf grünem Rasen, daneben die Kästen lesbisch (zeigt auf sie) rund (zeigt auf den Ball) grün (zeigt auf den Rasen)Nun erscheint mir persönlich das Ausspielen von Fußball gegen andere gesellschaftliche Bereiche immer ein wenig schwierig, klingt es doch schnell so, als wäre dies das einzige Feld, in dem es noch Diskriminierung von Homosexuellen gibt (Prominente offen lesbische Politikerin? Anyone?). Aber das soll nun nicht den Blick auf die Aktion selbst und ihr Anliegen verstellen. Weiter heißt es in der Stellungnahme:

„In einer Zeit, in der es angesagt ist, sich vor allem zu seiner ‚Normalität‘ zu bekennen, unaufgefordert und ausdrücklich, ist es überfällig, der Vernunft mehr Stimmen zu geben: Wir sind uns bewusst, dass auch wir als Sportblogger(innen) ein Teil des Systems Fußball sind, und mitverantwortlich für den Tenor. Es mag seltsam klingen, weil es so selbstverständlich ist, aber es ist uns ein Anliegen, klar zu sagen: Wir sind gegen Homophobie! Auch im Fußball.“

Am heutigen Aktionstag erscheint zeitgleich in vielen Sportblogs die Stellungnahme gegen Homophobie, zudem soll es zahlreiche einzelne Texte zum Thema geben. Der gute Gedanke dahinter: Menschen mit Interesse an Sport werden in ihrer täglichen Weblektüre auf das Thema Homophobie gestoßen. Davon erhoffen sich die Initiator_innen der Aktion zumindest ein Nachdenken.

Mehr Infos auf der Website der Aktion: www.aktion-libero.de


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„Seitenwechsel“: Der Vorzeige-Homo ist nicht die Lösung

9. März 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 51 von 131 der Serie Die Feministische Bibliothek


Schwarzer Buchtitel mit weißem Fußball und pinker Schrift: Seitenwechsel. Coming-out im FußballEs stehen viele wichtige Dinge drin in Tanja Walther-Ahrens‘ Buch Seitenwechsel. Coming-out im Fußball. Auf 176 Seiten geht es hier ein­mal durch die schwul-lesbische, queere Sport- und Lebenswelt, durch die homophoben und sexistischen Strukturen insbesondere des Fuß­balls, persönliche Erfahrungen von Sportler­_innen, Schiedsrichter_innen und Journalisten, garniert mit kleinen Crashkursen zu Judith Butler oder den europäischen Anti­dis­krimi­nie­rungs­richt­linien und eingeleitet mit einem Vor­wort von Theo Zwanziger, Präsident des Deut­schen Fußball-Bundes.

Tanja Walther-Ahrens weiß, wovon sie schreibt. Sie ist selbst ehemalige Bundesligaspielerin, arbeitet heute hauptberuflich als Lehrerin, ist „neben­bei“ als Aktivistin bei der EGLSF (Euro­pean Gay and Lesbian Sports Federation) unter­wegs. Dass Homophobie nicht nur beim DFB, sondern auch in der Fanszene und in den Medien inzwischen ein Thema und nicht mehr nur ein Tabu ist, ist zu einem nicht geringen Teil ihr Verdienst. Irgend­wann dazwischen hat sie dann noch Zeit gefunden, dieses Buch zu schreiben, das sich nicht nur an ein Nischenpublikum richtet, wie sie selbst im Interview sagt:

Ich habe das Buch für eine breitere Masse geschrieben: für diejenigen aus der Community, die selbst mit Sport zu tun haben, und für die, die sagen „Nee, Sport, damit kannst du mich jagen.“ Aber eben auch für Leute, die aus dem Sportbereich kommen und denen das Thema Homo­sexualität nur wegen Martina Navratilova über den Weg gelaufen ist.

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Frauen, Fußball, Skispringen: News im WM-Jahr 2011

3. März 2011 von Nicole


Zur Einstimmung auf den Frauenfußball-Sommer in diesem Jahr gibt’s aus der Sportabteilung der Mädchenmannschaft in loser Folge einige Hinweise auf aktuelle Artikel rund um die Themen Frauen & Fußball.

Fangen wir an mit guten Nachrichten für Fußballerinnen und Fans: Laut einer Studie des LINK-Instituts für Markt- und Sozialforschung wünscht sich immerhin die Hälfte der Befragten mehr Frauenfußball in den Medien. Auch interessant: Etwa ein Viertel interessiert sich der Umfrage zufolge weder für Männer- noch für Frauenfußball, wie womensoccer berichtet.

Die Frauenzeitschrift emotion beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Thema Homosexualität im Fußball. Zu Wort kommen die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling und Doris Fitschen, ehemalige Nationalspielerin und heute Managerin der deutschen Nationalelf. Sie sagt: „Es gibt beim DFB keinen Verhaltenskodex für Spielerinnen, was ihre sexuelle Orientierung betrifft. … Ich bin davon überzeugt, dass für eine Spielerin dadurch keine Nachteile entstehen.“

Frauenfußball ist Amateursport, und zwar in Deutschland ebenso wie im Nachbarland Österreich. Das bedeutet, dass Fußballerinnen neben Training und Spielbetrieb auch noch „echten“ Berufen nachgehen, um ihr Geld zu verdienen. Manchen jedoch wie Daniela Iraschko, Torfrau bei Wacker Innsbruck, reicht auch das nicht. Sie suchen sich noch eine weitere Sportart, in der Frauen es ganz besonders schwer haben: Skispringen nämlich. Bei der Nordischen WM in Oslo gewann sie vor einigen Tagen die Goldmedaille.

Das Gunda-Werner-Institut, Teil der Heinrich-Böll-Stiftung, präsentiert zur WM eine Reihe von Veranstaltungen. Auf der Website des Instituts finden sich aktuell „Fünf Gender Kicks zur WM 2011“ – kritische Betrachtungen des Turniers aus einer queer-feministischen Perspektive rund um Geschlechternormen, Begriffe und nationalistische Tendenzen. (Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: gender kicks. Texte zu Fußball und Geschlecht)

Eine weitere (der leider viel zu seltenen) Verbindung zwischen Feminismus und Fußball gibt’s ab kommender Woche in Berlin zu sehen. Die Ausstellung Tatort Stadion 2. Fußball und Diskriminierung, entwickelt vom Bündnis aktiver Fußballfans, BAFF, gastiert vom 7. März bis 2. April in Kreuzberg im Fußballladen GOAL. Als Medienpartnerin an der Seite von Ladenchefin Tülin Duman: das missy magazine.


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Werbespots zur Fußball-WM 2011

13. September 2010 von Nicole

Vor der Übertragung des Fußball-Länderspiels der Männer am vergangenen Dienstag feierte ein neuer Werbespot des Deutschen Fußball-Bundes Premiere. Mit Unterstützung aus dem Männer-Team in Person von Schalke-Torwart Manuel Neuer bewirbt er die WM der Frauen, die 2011 in Deutschland stattfindet, und nimmt gleichzeitig noch das In-Thema Integration mit.

Die Reaktionen meiner Fußballfreundinnen auf den Spot reichten von „langweilig“ bis „ganz okay, gibt viel schlechtere“, warfen aber auch ein paar Fragen auf, zum Beispiel die, warum die Spielerinnen – in der Erzählung des Spots ja wohl kurz vor Anpfiff in der Kabine – unbedingt derart mit Schminke zugekleistert sein müssen. Oder was der Bezug auf Integration soll. Oh ja, es gibt in der Tat schlechtere Werbespots zum Thema Fußball und Frauen. Und auch wenn der Schlenker zur Integration vor allem in der Presseerklärung des DFB vielleicht ein klein wenig gewollt rüberkommt, muss man dem Verband unbedingt zugutehalten, dass es ein positiver Bezug ist, dass Integration und Miteinander als etwas Erstrebenswertes thematisiert werden, und das ist zurzeit nicht selbstverständlich. Allerdings: Eine Ausnahme gibt es eben, „die einzige Grenze“, die nicht überschritten werden darf: „das ‚Mitspielen‘ – so auch der vieldeutige Titel des Spots – im Team des jeweils anderen Geschlechts.“

Über diese Barriere (errichtet übrigens nicht qua Naturgesetz, sondern durch die Regeln der Fußballverbände selbst) springt auch das integrationswilligste DFB-Team nicht. Aber – und das wäre mein persönliches zweites Haar in der Suppe – für den, der an die Kabinentür klopft, ist ja sowieso alles „nur Spaß“. Warum muss das jetzt sein? Hätte es da im Skript nicht auch ein „Schade eigentlich“ getan? Und by the way: Manuel Neuer!? Da sucht das Frauen-Team sich besser jemanden mit mehr Glück.

Auch Frankfurt am Main – Sitz des DFB und Austragungsort des Finales – macht Werbung für das Turnier 2011. Auf Hessisch und ebenfalls mit prominenter Unterstützung. Zwei Frankfurter Kuttenfans gründen die „Initiative gegen kickende Weiber im Stadion“, IgKWiS. Denn das geht ja nicht, dass auf dem heiligen Rasen der Eintracht, über den Männer wie Grabowski, Hölzenbein und Yeboah gelaufen sind, nun auf einmal Frauen Fußball spielen …


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Anders ist schwul. (K)ein Skandal beim WM-Dritten

13. Juli 2010 von Nicole

Zu den zahlreichen Schilderungen der sportlichen Leistungen der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer bei der gerade zu Ende gegangenen WM kommen mindestens ebenso zahlreiche Ausdeutungen ihrer kulturellen, sozialen und politischen Performance hinzu: von der Kleidungswahl des Trainerteams über die gelungene „Integration“ einer Generation von Einwandererkindern bis zu den flachen Hierarchien im Team, das seine vermeintlich unersetzbare Führungskraft Michael Ballack noch vor dem ersten WM-Spiel verlor. In diese Reihe gehört auch ein Essay im aktuellen Spiegel von Alexander Osang über „Neue deutsche Männer“. Dieser Text allerdings sorgte für (hoffentlich nur kurzzeitige) Aufregung, weil es dort fast wie am Rande – oder aber eben auch nicht, das ist schwer zu sagen – auch um ein einige Zeit zurückliegendes Gespräch mit Michael Ballacks Berater Michael Becker geht. Der, so Osang, hätte, obwohl sein Klient damals noch nicht verletzt war, sondern sich mit vielen Werbeverträgen ausgestattet auf die WM freuen durfte, lauthals hergezogen über die „Schwulencombo“ beim DFB, über schwule aktuelle Nationalspieler und das bevorstehende Outing eines ehemaligen. Skandal! Bild und Hamburger Morgenpost machten das Thema einer „homosexuellen Verschwörung“ umgehend zum alleinigen Inhalt des Textes, die Süddeutsche immerhin recherchierte noch etwas ums Thema herum, stellte die Frage, ob die Aussagen seines Beraters Ballack selbst nicht vielmehr schaden als nützen werden und bezeichnete sie zudem als das, was sie sind: „schwulenfeindlich“.

Der eigentliche Punkt von Osangs Text, den er auch mit diesen Passagen unterstreicht, taucht in den Reaktionen der anderen Medien jedoch nicht mehr auf, was sehr zu bedauern ist. Er besteht nämlich darin festzuhalten, dass Becker selbst und möglicherweise auch sein Klient Ballack wenn schon nicht dem Alter nach, so zumindest im Denken keine neuen, sondern alte deutsche Männer seien, deren Zeit vorbei ist. Wunderbar verdichtet sich das in dieser Schilderung:

Als ich ihn fragte, ob denn ein Spieler, der etwas überraschend nominiert worden war, seiner Meinung nach auch schwul sei, sagte Becker nur: „Der ist halbschwul“, und ich begriff, dass das alles ein Synonym war für etwas, was Becker nicht mehr verstand.

Ja, mag sein, dass schwule Profifußball oder auch -trainer mit Scheinehefrauen, Heimlichkeiten und Doppelleben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst, zu ihrer Umwelt und ihrer Sexualität haben. Dies aber mit wesentlich mehr Anlass und Berechtigung als Menschen wie Becker, Comedian Oliver Pocher oder Radiomoderator Jan Böhmermann von 1Live, deren homophobe Bemerkungen und Witze vor allem etwas über die Begrenzung der eigenen Welt aussagen. Wie auch Wolfgang Hettfleisch in einem Kommentar in der Frankfurter Rundschau anmerkt: „Man kann gar nicht so viel Earl Grey trinken, wie man kotzen möchte.“

Und zum Schluss noch eine Nachricht, die vielleicht optimistisch stimmen könnte: Fußball-Deutschland hat seine erste offen homosexuelle aktive Nationalspielerin: Europameisterin und Pokalsiegerin Uschi Holl, Torhüterin beim FCR Duisburg, hat sich in Köln verpartnert. Am Tag eines deutschen WM-Spiels, mit Blumen und in Weiß.


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Blogschau: Butler, Fußball, Merch

26. Juni 2010 von Nicole
Dieser Text ist Teil 92 von 295 der Serie Die Blogschau

Starten wir mit dem Thema der Woche: Zu Butler, CSD & Co. gibt’s auch bei Antje Schrupp noch was zu lesen. Das Feministische Institut Hamburg blickt zurück auf eine Podiumsdiskussion zum Thema „Citizen 2.0. Wie beeinflusst das Netz die demokratische Öffentlichkeit?“

Die Denkwerkstatt zeigt uns in bunten Bildern die berufliche Zukunft für (österreichische) Absolvent_innen der Gender Studies. diestandard.at hat eine Studie gelesen, die feststellt, dass Frauen bei Multitasking nicht besser seien. Stimmt doch nicht!

Die Missy freut sich: Der Frl-Zucker-Beutel is back! Dafür ärgert sich loopkid.net über dämliche Werbung. Und die hönigsüße Welt hat die Schnauze voll von Schland und empfiehlt gleich noch die Mandi-Broschüre zu Fußball, Nationalismus und Sexismus.

Noah Sow hat auf dem Hamburger Fanfest erstaunliche Werbung gefunden: „Diese Frauen haben den Längsten“. Und zum Abschluss noch mal Fußball, aber diesmal nicht Männer-, sondern Frauenfußball. Einen Call for Papers für eine Tagung zur Geschichte des Frauenfußballs gibt‘s bei queernews.at zu lesen.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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