Einträge mit dem Tag ‘Mädchenträume’

Vom Liebesglück zweier Schweine

Saturday, May 10th, 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 8 von 9 der Serie Die Feministische Bibliothek

Mit guten Büchern kann man nicht zu früh anfangen und deshalb ist es diesmal Zeit, ein wunderbares Kinderbuch vorzustellen. Eigentlich ist es auch gar nicht nur für Kinder, für Erwachsene steht auch eine Menge drin: “Trüffel liebt Rosalie” oder “Rosalie liebt Trüffel”. Das Buch hat beide Titel, es lässt sich von vorn nach hinten oder auch von hinten nach vorn lesen - einmal die Geschichte von Rosalie, einmal die von Trüffel. Und das Tolle an diesem Buch: Es erzählt sehr viel über Rollenerwartungen und Kommunikationsstörungen. Ja, tatsächlich. Am Beispiel von Schweinen.

Rosalies Geschichte beginnt unter einem Apfelbaum:

Rosalie ist verliebt.
In wen?
In Trüffel. Wen sonst?
“Verliebt waren wir alle mal”, sagt Rosalies Mutter. (…)
“Was kann der Kerl dir denn bieten außer den üblichen Schweinereien?”
“Sein Herz”, sagt Rosalie.
Also nichts.
Die Eltern schütteln betrübt die Köpfe.

Trüffels Geschichte beginnt unter demselben Apfelbaum:

Trüffel ist verliebt.
In wen?
In Rosalie. Wen sonst?
“Binde dich bloß nicht zu früh!”, sagt Trüffels Mutter.
“Genieße erst mal dein Leben”, sagt Trüffels Vater.
“Aber das tue ich!”, ruft Trüffel, “ich -”
“Später ist keine Zeit mehr dafür”, sagt Trüffels Vater.
Trüffels Mutter nickt.

Die beiden halten zueinander, müssen lernen, dass jeder Mensch anders funktioniert und dass sie über all das auch reden müssen, um nicht wieder getrennte Wege gehen zu müssen. Doch ihre Freunde leben ihnen etwas anderes vor. Rosalies Freundin Clara zum Beispiel liebt Carlo und sagt, sie liebe an ihm

“Sein Styling, sein Auto, seine Wohnung, …”
Und dass er eben ein richtiges Schwein ist.
Den Rest werde sie sich schon noch zurecht biegen.
Meint Clara.
Ach so! Rosalie staunt.
Sie selber liebe einfach alles an Trüffel:
“Wie er lacht wie er küsst wie er geht wie er steht wie er spricht
wie er liegt wie er träumt wie er tanzt wie er singt wie er -!”

Und Trüffels Freund Carlo ist genau so ein wandelndes Klischee wie Rosalies Freundin Clara. Er liebt an ihr

“Ihre Haxen, ihre Schenkel, ihre Wiederborstigkeit, …”

Das Buch stellt die gesamte “Frauen sind so, Männer anders”-Idiotie bloß, auf eine wahnsinnig charmante Art, und lässt am Ende natürlich Rosalie und Trüffel auch wieder zueinanderfinden. Unter dem Apfelbaum.

“Goodbye Märchenprinz!”

Tuesday, April 29th, 2008 von Susanne

So ist der dritte Teil der großen Brigitte-Studie überschrieben, der sich mit den Vorstellungen und Wünschen junger Frauen in Sachen Liebe und Beziehungen beschäftigt. Hier mal auf die interessanten Stellen für euch zusammengedampft:

  • Einen öden Typen heiraten, nur um abgesichert zu sein? Das lehnen Frauen heute dankend ab.
  • Die alten Männerbilder verblassen. Der Versorger, der Beschützer, der Göttergatte, dem die Frauen ihr Leben unterordnen? Das war einmal. 97 Prozent finden, dass ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen eine gute Beziehung bestimmt.
  • “Was Männer und Frauen von einer guten Beziehung erwarten, ist nahezu deckungsgleich”, hat Prof. Jutta Allmendinger durch eine Vergleichsstudie mit Männern herausgefunden. Kampf der Geschlechter? Den gibt’s eigentlich nur noch auf dem Papier. Bleibt die Frage, warum es in Partnerschaften so oft nicht klappt. Vielleicht, weil trotz der Übereinstimmung der Wünsche so viele Missverständnisse über das andere Geschlecht existieren.
  • Wie groß die Macht der Stereotype ist, hat selbst Expertin Jutta Allmendinger überrascht.
  • Männer reden nicht über ihre Gefühle! Das sagen mehr als 80 Prozent. Sie halten Männer für sexgierig und desinteressiert an verantwortungsbewussten Beziehungen. Dabei ist das falsch, die Untersuchungen belegen etwas ganz anderes: Partnerschaft ist für Männer sogar wichtiger als für Frauen!
  • Der Irrtum ist, dass Frauen und Männer zu wissen glauben, was das andere Geschlecht bewegt. Ihre Fehleinschätzungen überprüfen sie nur selten an der Wirklichkeit.
  • Ob im Beruf oder in den Medien - überall fehlen runderneuerte positive Männervorbilder.
  • Die Frauen erwarten, dass sich etwas ändert, ihr Märchenprinz ist nicht länger der Karrieretyp oder der Versorger. Der Traummann der Zukunft übernimmt vor allem Verantwortung fürs gemeinsame Kind. Nur als Väter sind Männer noch Helden.

In Bildern: Das denkt die Welt (14)

Saturday, March 29th, 2008 von Susanne

Dieses Foto hat mich heute irgendwie total fröhlich gemacht:

Über Antigone Magazine

“Es war einmal ein Mädchen, das hieß Anne”

Friday, March 28th, 2008 von Katrin

Gehört eigentlich in jedes CD-Regal: Meine Freundin Rieke war mit ihrer Schwester auf fast jedem Konzert, das es in ihrer Nähe gab. Hunderte Menschen wurden von ihm in ihrem Alltag begleitet und kannten seine Lieder in- und auswendig. Bis heute reist er durch die Lande, um etwas zu bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes: um zum Tanzen, zum Lachen und Singen anzuregen. Wie viele Fantasien hat er wohl schon angeregt? Wie viele Menschen für ein Leben lang beeinflusst?

Die Rede ist von keinem gewöhnlichen Pop-Star, nicht von Robbie Williams, sondern vom Liedermacher Fredrik Vahle. Vor 35 Jahren, im Jahre 1973, kam seine erste Platte auf den Markt, “Die Rübe”. Der heute 66-Jährige hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Kindern Spaß zu machen. Aber nicht die Sorte inhaltsleerer, oberflächlicher Spaß wie die Teletubbies, sondern Spaß mit Tiefgang und Gefühl. Seine Lieder waren von Anfang an auch immer politisch, er griff Themen wie Arbeit und Arbeitslosigkeit, Migration, Sexismus und – ja – auch Feminismus und Demokratie auf. Im Lied”Das Trampeltier” wird zum Beispiel der zivile Ungehorsam propagiert, “Die Rübe” zeigt, dass alle Kinder – auch die von Gastarbeitern – zusammen viel erreichen können und “Anne Kaffeekanne” steht für selbstsichere, freche Mädchen, die sich weder nach Konventionen richten, noch von irgendwem zur Hausfrau machen lassen.

Denn die kleine Anne ist ein bisschen verrückt: Sie bläst gerne Trompete auf einer Kaffeekanne und zwar so nervig und penetrant, bis alle Nachbarn “Aufhören!” schreien. Statt sich aber davon einschüchtern zu lassen, schnappt sich das Mädel ihren Besen und kehrt dieser Nachbarschaft den Rücken zu, auf der Suche nach Gefährten in der ganzen Welt, mit denen sie auf Augenhöhe leben kann. Und wenn ihr jemand doof kommt, dann wird er eiskalt links liegen gelassen. Ein Eskimo am Nordpool zum Beispiel, der sich freut, dass Anne ihm jetzt jeden Tag Lebertran kochen könnte. Oder ein gefährlicher Löwe, der sie fressen will – Anne hat keine Angst.

Selbstbewusst zieht sie weiter und schneit bei Heidi in den Alpen vorbei. Diese würde sie gerne mitnehmen auf ihre abenteuerliche Reise, doch Heidi, das alte Heimchen, hat keinen Bock, bleibt lieber zu Hause. Anne schert sich nicht drum. Als im Schwarzwald der Oberförster mit seinen strohblonden Haaren mit den Worten “du bist genau die richt’ge Frau, du bringst mir die Pantoffeln für die Tagesschau” versucht, Anne hinter den Herd zu verbannen, steht er ganz schnell wieder alleine da. Richtig so!

Erst der kleine Hansi Heinemann, aus Wanne-Eikel, der nicht versucht, das fliegende Fräullein in irgendeine Rolle zu quetschen, sondern einfach mitreisen möchte, wird aufgenommen. Auf Augenhöhe eben – Jungs und Mädchen.

Wer sich angesichts solcher Kinderlieder, durch die eine ganze Kinder-Generation fast schon “indoktriniert” wurde, wundert, dass heute so viele Alphamädchen rumlaufen, wer sich noch fragt, wie es zu solchen Ergebnissen in der Brigitte-Studie kommen konnte, die zeigt was Frauen wollen – nämlich alles und das ganz selbstbewusst, der sollte einmal die alten CDs von Fredrik Vahle rauskramen. Dieser Herr, mit dem langen weißen Bart hat sicherlich sein Schärflein dazu beigetragen.

Danke!

Den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (der ihm im Jahr 2000 verliehen wurde) hat er ohne Frage mehr als verdient. Mein Sohn hört übrigens auch fast täglich “Die Rübe”, den “Spatz” und natürlich Frau Kaffeekanne. Soll ja auch mal ein ordentlicher Feminist werden, der kleine Mann.

Junge Frauen auf dem Sprung

Thursday, March 27th, 2008 von Susanne

Alle reden über die Brigitte-Studie “Frauen auf dem Sprung”, die vor zwei Tagen veröffentlich wurde. Manche kritisieren die Perspektive der Fragestellungen, wie CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer. Und die Tatsache, dass die Männerperspektive zum gemeinsamen Leben wieder mal ausgeblendet wurde. Andere bezweifeln die Realisierbarkeit der geäußerten Wünsche junger Frauen, nämlich Familie und Beruf zur gleichen Zeit haben zu wollen.

Also, was steht denn drin, in der Studie? Befragt wurden junge Frauen zwischen 17 und 19 und zwischen 27 und 29 Jahren. Hauptaussage: Die jungen Frauen von heute sind unabhängig, zielstrebig und selbstbewusst. 85 Prozent von ihnen wollen finanzielle Unabhängigkeit, 54 Prozent wünschen sich guten Sex, neun von zehn Frauen sind Freunde ganz wichtig. 99 Prozent der befragten Frauen sagen von sich: “Ich weiß, dass ich gut bin.” Außerdem stehen in der Studie Zahlen zu Männern, Wünschen, Karriere, Kindern.

Die Leiterin der Studie, die Soziologin Jutta Allmendinger kommentiert die Ergebnisse so: “Diese Frauen werden die Gesellschaft wachrütteln.” Und das könnten diese Frauen wirklich - wäre nicht in Deutschland das größte Problem in Sachen finanzieller Unabhängigkeit, Karriere und auch der eigenen Selbstverwirklichung die Kinderfrage. An der scheiden sich Anspruch und Wirklichkeit. Es ist mehr als super, dass sich fast jede Frau bewusst ist, was sie kann. Aber wenn sie es ein paar Jahre später nicht mehr beweisen kann, weil die Mutterfalle zuschnappt, nutzt ihr dieses Bewusstsein wenig. Wenn die älteste Befragte 29 Jahre alt ist, kann man davon ausgehen, dass die meisten antwortenden Frauen noch kinderlos sind. Die Ergebnisse sind also zuallererst Wünsche junger Frauen und taugen nicht als Bestandsaufnahme ihrer Lebenswirklichkeit. Das ist das große Manko der Studie.

Und trotzdem machen die Ergebnisse große Freude, nach denen junge Frauen sich nicht mehr ausschließlich über ihren Mann definieren wollen, wie es noch bis vor wenigen Jahrzehnten ganz “normal” für eine Frau war; oder dass so vielen Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit wichtig ist - eine urfeministische Forderung. Die jungen Frauen, die heute von sich sagen, sie wüssten, dass sie gut sind, behalten diesen Optimismus und Biss hoffentlich auch dann, wenn es darauf ankommt, Beruf und Familie auch tatsächlich zu vereinbaren. Diese jungen Frauen können die Unternehmen und manche auch ihre Lebenspartner dazu zwingen, endlich umzudenken.

(Foto über brigitte.de)

In Bildern: Das denkt die Welt (9)

Thursday, January 31st, 2008 von Susanne

Untertitel: “Feminists get all the chicks.” Righty-right, Boys!

Über Flickr

We love Lisa

Monday, January 14th, 2008 von Meredith

Ein Aufruf in eigener Sache: Schnell alle zu Jezebel und sich den Simpsons-Clip anschauen, den die tollen Ladys aus New York hochgeladen haben. Darin startet Lisa, mit der sich zumindest dieses Mitglied der Mädchenmannschaft schon immer etwas zu stark identifiziert hat, eine Kampagne gegen den Sexismus ihrer geliebten Puppe Malibu Stacy, deren Sprechfunktion ihr nur Sätze wie “Frag mich nicht, ich bin nur ein Mädchen”, oder “Lass uns Schminke kaufen, damit die Jungs uns mögen” in den Puppenmund legt. Ganz großes Mädchenkino.