Einträge mit dem Tag ‘Luise F. Pusch’


Wie Spiegel Online Mädchen ignoriert

2. Juli 2012 von Anna

Es gibt viele theoretische Texte und Gedanken zu männlicher Ge­schichts­schreibung. Praktisch demonstriert wird diese Theorie gerade in einer Bildstrecke bei Spiegel Online mit dem Titel: „Spanischer Jubel: Kinderspielplatz in Kiew“. Nach dem Sieg des EM Fußballfinales der Männer gestern hatten einige Mitglieder der spanischen Mannschaft ihre Kinder auf den Rasen geholt, um dort mit ihnen zu feiern. Kleine Mädchen und Jungs liefen in Trikots der spanischen National­mannschaft über den Platz und … halt, schrieb ich „Mädchen“? Wen interessieren denn die Mädchen, wenn es um Fußball geht?

Spiegel Online zumindet schonmal nicht. In den Bildunterschriften besagter Klick­strecke, die sich hauptsächlich um die beiden Kinder von Fernando Torres dreht, wird dessen Tochter konsequent ausgeblendet. Genauso wie die anderen kleinen Mädchen auf dem Platz:

Dann betrat die nächste Generation das Spielfeld: Torres setzt seinen Sohn auf dem Rasen ab.

heißt es da und

Natürlich trägt Junior das Trikot der spanischen Nationalmannschaft.

Und ab ging’s zum Jubeln in den Strafraum. Der kleine Herr Torres kennt die Laufweg schon ganz genau. Zielsicher steuerte…

… er das Tor an. Ein künftiger Goalgetter?

Im Tor tollten später auch andere Jungs herum.

Auf den Bildern ist Torres’ Tochter genauso deutlich abgebildet wie sein Sohn.

„Die Frau ist nicht der Rede wert“, so betitelt Luise F. Pusch eines ihrer Bücher. Wie Recht sie doch hat.

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Update: Spiegel Online hat dann doch irgendwann reagiert:

Oha. Das war uns gar nicht aufgefallen… Jetzt haben wir es geändert. Danke für den Hinweis.

Wie es passieren kann, dass so etwas „nicht auffällt“ wurde jedoch nicht erläutert.


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feministische Mütter, lesbische Nationalparks und schwule Muslime: Die Blogschau

22. Oktober 2011 von Anna
Dieser Text ist Teil 133 von 259 der Serie Die Blogschau

Mittwoch war love your body day! Paula hat das zum Anlass genommen, auf ihrem Blog puzzelstuecke einen klugen Text zu Körperbildern, Sport und Photoshop zur veröffentlichen.

Es gibt einen neuen feministischen Blog, den wir euch gerne in seiner Gesamtheit ans Herz legen würden: Antonia bloggt auf feministmum zu Schwangerschaft, Mutter-Werden und Co.

Über den so genannten “protect life act” haben wir schon berichtet. Da das Ganze wie kulturindustrie und wahnsinn richtig feststellt eine Riesensauerei ist, hier auch nochmal der link zum Beitrag beim Mädchenblog.

Wie reagieren, wenn dich jemand einer Grenzverletzung beschuldigt? reSISTⒶS hilft weiter!

„Das Netz ist männlich, weiß, gut gebildet, mittelalt – oder nicht?“ fragt Eva Horn auf politikcamp.org

“Lesbische Nationalparks: Rangerinnen unterwegs” lautet eine Überschrift bei l-talk. Wer jetzt ein Fragezeichen im Gesicht hat, liest am besten einfach den Artikel. Und alle anderen auch natürlich.

Luise F. Pusch kommentiert auf FemBio die so genannte Gender Gap (also den Unterstrich bei zum Beispiel dem Wort “Leser_innen”) aus feministisch-linguistischer Sicht.

“Ich bin eine Frau. Ich bin Studentin. Ich bin Türkin. [...] Ich las Simone de Beauvoir und wurde Feministin.” Rummotzen schreibt über Identitäten. Und ob und wenn ja wie wichtig sie sind.

Passend dazu: anders deutsch über “Herkunft als Risiko?”

glücklich scheitern kommentiert die Kommentare, die folgen, wenn sie anderen Leuten erzählt, dass sie an der Uni Gender Studies lehrt: “Natur. Wissenschaft. Und der ganze Rest…”

Antje Schrupp schreibt über “Muslime und Schwule: ein konstruierter Gegensatz”.

Michaela von Erlebnisse und Gedanken fragt: “Wann hast gemerkt, dass du eine Frau bzw ein Mann bist?”

anarchieundlihbe thematisiert sexuelle Übergriffe durch Dozenten und die Folgen, wenn der kumpelhafte Direktor sowieso dafür bekannt ist, gerne mal mit den Studentinnen zu “flirten”.

“Ab 1. Jänner 2012 wird auch in Österreich die Verhetzung gegen Lesben, Schwule und Bisexuelle strafbar sein.” Mehr dazu bei queernews.at

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Altherrenwitz, christliche Werte, Trolle und Japan: Die Blogschau

26. März 2011 von Anna
Dieser Text ist Teil 104 von 259 der Serie Die Blogschau

Für alle, die gerade nicht auf irgendeiner Anti-AKW Demo unterwegs sind oder sonstwie die Sonne genießen, hier ein bisschen bloggiger Lesestoff der letzten Woche:

Bei der denkwerkstatt gibts eine Medienkritik zum Internationalen Frauentag.

i heart digital life denkt nach über Privilegien. Opalkatze hat das gelesen und auch darüber nachgedacht. Klug wie sie sind, haben beide ihre Gedanken aufgeschrieben.

Bei t-talk schreib Jessica Jayne Maertin über die Situation von “Lesben in Polen,Tschechien, Slowakei und Ungarn”.

Frauenfeindlichen Altherrenwitz offenbarten Matthias Mattussek und Henryk M. Broder im Salon des Freitag. Julia Schramm war dabei.

Nachlese und kluge Gedanken zum Equal Pay Day gibts sowohl bei critical corectness als auch bei Antje Schrupp.

Der Mächenblog berichtet über ein widerwärtigen Vergewaltigungsprozess, der in einem skandalösen Urteil mündete.

Außerdem widerwärtig: Diese Geschichte bei HollaBack!Bln.

Im Oktober organisiert das Gunda-Werner-Institut einen Workshop zum Thema: “Workshop Frauen in virtuellen Netzwerken – Stand und Perspektiven”. Warum wir das jetzt schon erzählen? Weil noch Beiträge gesucht werden! Alle weiteren Infos gibt es hier.

Der Väterblog stellt einen Leitfaden für arbeitende Väter und ein Handbuch zur besseren Vereibarung von Familie und Dienst bei der Bundeswehr vor.

Bei queernews.at lesen wir von einem jungen Mann aus Pennsylvania, der einen seiner Meinung nach homosexuellen Mann zu Tode gesteinigt hat. Weil das angeblich so in der Bibel steht. Christliche Werte sind doch was feines! Ob unser Innenminister davon weiß?

“Ist Japan eine Frau?” fragt Luise F. Pusch und erörtert ihre Meinung zur Duldsamkeit von Frauen. Dass es sich hier durchaus um diskussionswürdige Thesen handelt sehen wohl auch ihre Leser_innen so.

dieStandard.at ist fassunglos angesichts eines Videos der Tiroler ÖVP-Frauen (ÖVP steht für “Österreichische Volkspartei”).

Das Piratenweib veröffentlicht Fanpost. Not. (Ich winke an dieser Stelle mal solidarisch rüber.)

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Gedanken über Der_

3. Dezember 2008 von Barbara

Das Binnen-I. Der Schrägstrich. Versuche, die Unsichtbarkeit von Frauen in der deutschen Sprache zu beenden. Nun gibt es eine neue Option: den Unterstrich. The Gap. Die Lücke.

Steffen Kitty Hermann eröffnet in seinem Text “Performing the Gap – Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung” eine neue Welt. Die der offenen Möglichkeit, welches Geschlecht gemeint sein könnte.

“Transsexuelle haben in Frage gestellt, dass unser Körper auf ewig einem Geschlecht angehören muss. Körper sind für sie nicht länger jene festen und immergleichen Materialitäten mit denen wir geboren werden, sondern form- und dehnbare Einheiten die durch Crossdressing, Hormone und Operationen angeeignet werden können.”

Ähnliches soll der Unterstrich in der geschriebenen Sprache leisten. Indem zwischen der männlichen und der weiblichen Form eine Leerstelle eingefügt wird, die mit einem Unterstrich markiert wird, also “Feminist_in” oder “Gegner_in”. Eine clevere Idee. “Wir könnten uns das so vorstellen: eine Leerstelle anzuzeigen schlägt sich in ihr dialektisches Gegenteil um, die Leerstelle verweist so auf Vorhandenes. Im Sinne der Unterstrichvariante auf Menschen, die gesellschaftlich und strukturell unsichtbar gemacht werden”, zitiert dieStandard.at die Queer-Theoretikerin und Philosophin Gudrun Perko.

Ob sich diese Lücken-Idee durchsetzen wird – bis in die Schreibstuben des Amtsschimmels wohl nicht. Was wäre das auch für ein Personalausweis: Inhaber_in dieses Passes ist deutsch. Und: Wohin mit den Artikeln?


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