Einträge mit dem Tag ‘Literatur’


Bloggen als Empfehlung und Inspiration

3. Februar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 62 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Besser lesen

Wie heißt du?
Julia (im Netz bin ich meist als Jules unterwegs)

Seit wann bloggst du?
Diesen Blog gibts seit Herbst 2008, vorher hatte ich aber schon erste Gehversuche in diese Richtung gemacht – unter anderen mit meiner eigenen Homepage zu Schulzeiten, liebevoll mit rudimentären HTML-Kenntnissen nach dem Trial and Error-Verfahren zusammengeschustert…

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich habe schon immer wahnsinnig gern und viel gelesen. Das Bloggen erschien mir als ein Weg, zum einen den Überblick über meine gelesenen Bücher zu haben: Was habe ich wann gelesen, wie hat es mir gefallen, welche Gedanken und Interpretationen hatte ich dazu? Zum anderen ist es natürlich so, dass man gute Bücher immer auch gerne weiterempfiehlt – hier ist ein Blog ein guter Weg, auch andere Leute zu inspirieren und zum Lesen zu motivieren.

Worüber schreibst du?
Mein Blog ist ein reines Literaturblog, ich rezensiere also von mir gelesene Bücher. Ich lese alles Mögliche: Krimis, Klassiker, Sachbücher (gerne über politische/gesellschaftliche Themen), Historisches, Thriller, Zeitgenössisches… Nur Chicklit kommt mir nicht ins Haus!
(weiterlesen …)


Facebook | |


Lesen ist gefährlich

12. Januar 2011 von Verschiedenen

Im Rahmen der Frauenwoche für Buchmacherinnen geht es vom 10. bis 14 Januar bei Petra van Cronenburg um die Literaturbranche. Dort sind Leserinnen, Autorinnen und auch Verlegerinnen inzwischen auf dem Vormarsch. Außerdem feiert dieses Jahr das wichtigste Frauennetzwerk der Branche, die BücherFrauen, sein zwanzigjähriges Bestehen. Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag, der ebenfalls auf cronenburg erschienen ist.

Es ist erstaunlich: Wir leben in einer Zeit, in der uns ausgerechnet ein Medium Angst vor dem Untergang der Lesekultur einjagt, das wie kein zweites auf Schrift basiert. Wenn auch nicht immer perfekt oder auf dem nötigen Sprachniveau, so kann man doch feststellen, dass weltweit nie zuvor so viele Menschen gelesen und geschrieben haben wie seit der Etablierung des Internet. Das war nicht immer so. Auch das fortschrittliche Europa war einst eine Wüste von Analphabetismus und fehlender Bildung. Lesen und Schreiben war Eliten vorbehalten. Wer lesen und schreiben konnte, war mächtiger als die anderen, denn Wissen bedeutet Macht. Bücher wurden in Klöstern kopiert und verließen deren Mauern nicht. Herrscher ließen Texte für sich sprechen. Religiöse und weltliche Herrscher wachten über die Inhalte und Verbreitung von Büchern.

In den drei großen „Religionen des Buches“, Judentum, Christentum und Islam waren weltliche wie religiöse Autoritäten zunächst ausschließlich männlich (in einigen sind sie es heute noch). Der Zugang von Frauen zum Buch ist historisch gesehen ein recht junger – und er ist keineswegs ein selbstverständlicher. Wenn gebildete Frauen Macht über ungebildete Männer zu erlangen drohten, konnte das System kippen. Es waren hauptsächlich Frauen und Bücher, die auf den Scheiterhaufen Europas brannten. Etwa bis zum Spätmittelalter musste es dauern, bis etwas aufkam, das man einen „feministischen Kampf“ nennen konnte.

Auslöser war der zutiefst frauenverachtende „Rosenroman“ des 13. Jahrhunderts, mit dessen Thematik Umberto Eco in seinem Buch „Der Name der Rose“ so meisterhaft spielt. In ganz Europa wehrten sich Männer und Frauen gegen das Bild der Frau als Hure und Verführerin – angeblich ohne jede intellektuelle Fähigkeit. Als „Querelle des femmes“ („Streit der Frauen“, Diskussion um die Stellung der Frau) ging dieser von Männern und Frauen unterstützte feministische Streit in die Geschichte ein. Christine de Pizan (1365-1430), die erste weibliche Autorin, die von ihren Werken leben konnte, sorgte damals mit ihrem „Buch über die Stadt der Frauen“ für Zündstoff und ein neues Frauenbild. (weiterlesen …)


Facebook | |


Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0

24. November 2010 von Katrin

“Flickernde Jugend”: Was Jungen und Mädchen mit ihren durchschnittlich 13 Stunden pro Woche im Internet für eine Bilderwelt erzeugen, wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Bild: Libri.deHeutige Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen. Sie gehen anders damit um, als die heute 30-Jährigen oder ältere Generationen. Manchmal ist ihr Umgang damit für uns schwer verständlich, manchmal fast verstörend: Wenn Jugendliche in der U-Bahn auf einen Menschen einschlagen und davon triumphierend ein Handy-Video machen, das sie bei Youtube einstellen, erschüttert uns das. Vielleicht kommt es uns auch so vor, als würden die jungen Frauen heute nur noch sexuell aufgeladene Profilbilder von sich ins Internet stellen? Prügelnde Jungen, sexy Playboy-Häschen – Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in den Bildern der Jugendlichen? Was machen die da eigentlich die ganze Zeit, wenn sie – wie Studien ergeben – im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche im Internet sind? „Flickernde Jugend – rauschende Bilder. Netzkulturen im Web 2.0“ heißt eine frisch herausgegebene Untersuchung über das Verhalten von Jugendlichen in den typischen Online-Bild-Plattformen wie Flickr und Youtube. Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Universität Frankfurt, hat mit ihrem Team die Plattformen besucht und akribisch durchstöbert. Sie legen erstmals eine Studie vor, die nachzeichnet, was Jugendliche im Netz mit Selbst- und Fremdbildern inszenieren.

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung ist, dass ein großer Teil der Jugendlichen, die sich über bewegte und unbewegte Bilder im Netz zeigen, sich an sogenannten Stars orientiert. Ihre Posen, ihre Mimik, ihre Maskerade – all das gilt als Schablone für Jugendliche, wenn sie zum Beispiel ein Profilbild von sich bei Facebook oder ein Selbstporträt bei Flickr einstellen. Anders gesagt: die Pose ist für heutige Jugendliche größtenteils so selbstverständlich, wie Händeschütteln. “Wesentlicher Bestandteil der digitalen Jugendkultur ist die körperbetonte sinnliche Selbstdarstellung” schreiben Richard und ihr Team. Die Visitenkarte des “Ich” im Netz wird in einem aktiven Prozess gestaltet. Noch Interessanter wird die Untersuchung an dieser Stelle, wenn sie auf die Unterschiede bei Jungen und Mädchen eingeht.

Men act – Women appear
“Men act – Women appear” heißt ein Leitsatz von John Berger, der die Repräsentation von Gender in Bildern oder im öffentlichen Leben auf einen Nenner zu bringen versucht. Die WissenschaftlerInnen scheinen diesen Leitsatz in der “flickernden. Jugend” wieder zu finden: Weibliche User ironisieren zum Beispiel mittels gespielter Weiblichkeit und Niedlichkeit, wie zum Beispiel ein unschuldig-schief gelegtes Köpfchen, die geltende Norm von Weiblichkeit. Damit seien Frauen, so die These, in der Lage, Stereotype gezielt zu unterwandern und zu brechen. Männern hingegen sei das verwehrt. Sie träten nicht um der bloßen Erscheinung wegen auf eine Bildfläche, sondern um einer Tätigkeit Willen. Wenn sich also eine sehr große Zahl von Frauen als “kleines Mädchen” inszeniert, so wird hier ein spielerischer, stereotypbrechender Umgang mit dem Selbstbild angenommen. Wenn Männer sich als “starke Männer” inszenieren, gibt es keine subversiven Momente in ihrer Darstellung. Vielleicht liegt es daran, dass junge Männer häufiger gesichtslos bleiben, als junge Frauen? (weiterlesen …)


Facebook | |


Von männlichen Opfern und erfolgreichen Frauen

17. November 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 66 von 152 der Serie Kurz notiert

Sylvia Vogt hat im Tagesspiegel mal zur Lohnungleichheit nachgerechnet: “Prozentrechnung für Frauen“.

Nadia Shehadeh von Philibuster findet, dass Alice Schwarzer und Kristina Schröder doch etwas gemeinsam haben: ihre analytische Treffunsicherheit.

Der Spiegel berichtet, dass die durchschnittliche Kinderzahl je Frau im vergangenen Jahr in Deutschland auf 1,36 gesunken ist – 2008 lag sie noch bei 1,38. Kommt jetzt bald wieder ein vor Deutschtümelei strotzender Aufruf zum Gebären? Bitte nicht.

Die FAZ führt ein Interview mit der Finanzberaterin Helma Sick, die seit 24 Jahren als eine der Ersten in Deutschland Finanzberatung gezielt für Frauen anbietet.

Apropos Finanzen. Feminist Frequency beleuchtet fürs Bitch Magazine die aktuellen Kinderspielzeug-Werbespots und welche Rollen sie Kindern vermitteln.

Passend dazu auch die Galerie mit 48 Anzeigen auf owni.eu, die heute wirklich allen durch ihren Rassismus und Sexismus auffallen (Dank an twitter.com/vasistas_blog).

Viel Lesestoff gibt’s in der neuen Ausgabe von querelles-net, mit Rezensionen zu etwa Angela McRobbies „Top Girls“ über den postfeministischen Backlash oder Brigitte Brandstötters Untersuchung „Wo die Liebe hinfällt“, die sich Paaren widmet, in denen die Frau älter als der Mann ist.

Frauen als Täterinnen: Eine neue Studie beleuchtet Fakten, die die Klischees ins Wanken bringen. Heide Oestreich fragt, ob man männliche und weibliche Gewalt einfach so gleichsetzen kann und plädiert in einem Kommentar dafür, dass Frauen wie Männer Schutzräume brauchen.

Der Freitag hat einen Artikel zu männlichen Stalking-Opfern.

Die Zeit beschreibt das Phänomen, dass jüngere Männer bei Neueinstellungen häufig benachteiligt werden. Zur Erinnerung: Der Frauenanteil unter den 137 Redakteur_innen der Zeit beträgt ein gutes Drittel, in den Ressortleitungen gerade mal ein Sechstel.

Aktuelle Termine zu feministischen Veranstaltungen, die ihr gerne in den Kommentaren aktualisieren oder ergänzen könnt, findet ihr hier.


Facebook | |


Die Blogsphäre zur Feminismus-Debatte (und mehr)

13. November 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 67 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

DAS Thema der feministischen Blogosphäre war in dieser Woche natürlich die von Frauenministerin Schröder ausgelöste Debatte. Anne Wizorek outet sich auf Spreeblick als Feministin ohne klischeehafte Beinkleidung (lila Latzhosen), Antje Schrupp will lieber über feministische Inhalte sprechen und verzichtet nun sechs Monate auf den Begriff „Feminismus“, der Gurkenkaiser erläutert die Rassifizierung und Individualisierung in der Diskussion, inFEMME schreibt Alice Schwarzer, was an Frau Schröder wirklich zu kritisieren wäre und Rochus Wolff hat im Genderblog noch weitere Blogbeiträge gesammelt.

In Österreich wirbt eine Kampagne der Frauenministerin für Vätermonate, dort Karenz genannt. Spricht dieser Werbespot tatsächlich jemanden an, fragt die denkwerkstatt.

Girls Can Blog stellt die saudische Bloggerin Reem von reemsite.com vor, die sie beim Young Media Summit 2010 kennengelernt hatte.

Bei dem Hamburger Workshop Femmeness erkunden war ryuu und bloggt über neu gewonnene Erkenntnisse und fempowerment. Außerdem der Hinweis auf das deutsch-sprachige Äquivalent Es Wird Besser von It gets better, der Videokampagne, die homo-, bi- und transsexuellen Jugendlichen Mut machen soll.

Die Zahlenzauberin bloggt über ihre Erfahrungen mit natürlicher Familienplanung und welche Auswirkungen es hat, seinen Körper täglich zu beobachten.

Die Autorinnenvereinigung bloggt seit einiger Zeit im Amelia Blog, benannt nach der legendären Pilotion Amelia Earhart. Ab sofort werden dort Prosa und Lyrik unter dem Motto „Am Rande des Abgrunds ist die Aussicht schöner“ gesucht – es geht um einen Blogwettbewerb. Die Gewinnerinnen der Abstimmung werden mit „Goldstaub“ im Wert von jeweils 100 Euro belohnt.

Die nrrrdz haben eine neue Folge produziert und reden diesmal im Podcast über Computerspiele und auch über nackte Frauen.

Am Donnerstag in meinem Postkasten (Abo) und ab Montag am Kiosk – das neue Missy Magazine mit Musikerin Christiane Rösinger als Titelporträt.

Bis Dienstag könnt Ihr an der Umfrage zur Bedeutung des Geschlechts im Bibliothekswesen teilnehmen, auf die Danilolablog hinweist. Geht natürlich auch direkt. Unter den Teilnehmer_innen werden Büchergutscheine verlost.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


Facebook | |


Spuren ins Jetzt: Hedwig Dohm – eine Biografie

19. Oktober 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 46 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Maike Landwehr, 1983 geboren und alleinerziehenderweise vom Vater großgezogen, erkannte schon früh die Idiotie von Geschlechterrollen. Auf die Verweigerung mit Puppen zu spielen und sich “niedlich” anzuziehen folgte schließlich ein Studium in Hamburg, bei dem sie sich mit Männerphantasien und Frauenbildern in Geschichte und Literatur beschäftigt hat. Maike wird uns heute die Hedwig Dohm Biographie “Spuren ins Jetzt” von Isabel Rohner vorstellen.

Die Frage „Wer war eigentlich Hedwig Dohm?“ ist hier schon einmal beantwortet worden. Diese Frage widmet sich auch die aktuelle Biographie der Literaturwissenschaftlerin und Mitherausgeberin der “Edition Hedwig Dohm“, Isabel Rohner.

Zu Recht verdient Rohner den Preis für die erste wirkliche Biographie über Hedwig Dohm, denn sie lässt sich nicht dazu hinreißen, das fiktive Werk einer Radikalen der ersten deutschen Frauenbewegung mit dem Leben der Person Dohm zu verwechseln und zu vermengen. Das erfreuliche Ergebnis ist eine kenntnisreiche Annäherung an eine faszinierende Frau, die als eine der Ersten bereits 1873 für die totale politische Gleichstellung der Frau eintrat und vehement aktives und passives Wahlrecht für sich und ihre Geschlechtsgenossinnen forderte. (weiterlesen …)


Facebook | |


Rottweiler im Kleid: „weibliche“ Buchcover

4. September 2010 von Nicole

„Don’t judge a book by its cover“ – also „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband“ – so lautet ein Sprichwort im Englischen. Ganz wörtlich zu nehmen ist dieser Hinweis wohl besonders, wenn es um Bücher von Frauen geht. Das zumindest meint die US-amerikanische Autorin Lionel Shriver in ihrer Kolumne im Guardian. Ausgangspunkt ist ihre Feststellung, dass die großen literarischen Hypes im angolamerikanischen Raum weiterhin männlichen Schriftstellern vorbehalten sind – und damit sind keine „Hypes“ vom Schlage Roche oder Hegemann gemeint, sondern in diesem Fall die enthusiastischen Reaktionen auf den soeben erschienene neuen Roman von Jonathan Franzen. Die Erschaffung wirklich „großer“ Literatur werde weiterhin vor allem den „white male literary darlings“ zugeschrieben, wie Shriver ihre Kollegin Jodi Picoult zitiert, die sich per Twitter über die Franzen-Fans mokierte.

Der größte Teil der Leserschaft allerdings, und das ist in Deutschland vermutlich nicht viel anders als in den USA oder England, ist weiblich. Und wenn es darum gehe, dieser Hauptzielgruppe Bücher zu verkaufen, werde gerne auf stereotype Vorstellungen darüber zurückgegriffen, was Frauen mögen. Hier kommt nun wieder das Cover ins Spiel, denn Shriver berichtet über die Covergestaltung der US-Ausgabe ihres Romans „Game Control“,„a wicked, nasty novel about a plot to kill two billion people overnight. The main character is a man, the focal subject demography. Yet what cover do I first get sent? A winsome young lass in a floppy hat, gazing soulfully to the horizon in a windblown field – soft focus, in pastels.“ (Übersetzung: „eine böse und finstere Geschichte über den Plan, zwei Milliarden Menschen einfach umzubringen. Der Protagonist ist ein Mann, das zentrale Thema Bevölkerungsentwicklung. Aber was für einen Coverentwurf bekomme ich? Ein hübsches junges Mädchen mit einem Schlapphut, das in einem Kornfeld steht und schmachtend zum Horizont blickt – in verwischten Pastellfarben.“) Shrivers eigener Vorschlag, Elefantenskelette abzubilden, löst Entsetzen aus, das werde die weiblichen Leser vor den Kopf stoßen. Frauen, so die Gedankengänge der Verlagshäuser, schreiben Bücher für Frauen: „… publishers presume that women only buy a book that looks soft and that appears to be all about women, even if it isn’t. Yet women, unlike men, buy books by and about both sexes.“ (Übersetzung: „Verleger gehen davon aus, dass Frauen ein Buch nur kaufen, wenn es ‚soft‘ wirkt und aussieht, als würde es nur von Frauen handeln, selbst wenn das gar nicht der Fall ist. Frauen jedoch kaufen, anders als Männer, Bücher von und über beide Geschlechter.“)

Eine Covergestaltung, die ein Buch als „Nur für Frauen“ ausweist, siedle es automatisch einige Stufen unter Franzen&Co an und erschaffe somit eine Art literarisches „Ghetto“ für Autorinnen und Leserinnen. Außerdem koste es die Autorin männliche Leser und sei zudem unter Umständen auch noch total unpassend: „trussing up my novels as sweet, girly and soft is like stuffing a rottweiler in a dress.“ (Übersetzung: „meine Bücher als süß, mädchenhaft und weich zu verpacken, ist, als würde man einen Rottweiler in ein Kleid stecken.“)

Zum Buchumschlagthema noch ein Beispiel aus dem deutschen Verlagswesen. Vor drei Jahren empörte sich die norwegische Autorin Ragnhild Moe über die Covergestaltung ihres Debütromans, der in Deutschland im Goldmann-Verlag erschien. Zum Vergleich: Hier das Cover des (unter Pseudonym erschienenen) Originaltitels „Anatomi. Monotoni“ und hier das der Übersetzung unter dem Titel „Die Hände des Cellisten“.


Facebook | |


Umsortierung in Amazons Bücherregal

12. Juli 2010 von Helga

Falls auch Ihr Euch gewundert habt, warum Amazon die Kategorie „Lesben und Schwule” gestrichen hat, gibt es heute die Antwort. Nele Tabler hatte mal nachgefragt und Amazon hat netterweise geantwortet:

Tweet von Nele_Tabler: Nach Wochen endlich eine brauchbare Antwort bekommen: Belletristik für #Lesben + #Schwule läuft bei amazon nur noch unter Erotik (about 1 hour ago via TweetDeck)

Derart eingeordnet werden natürlich auch Bücher ohne eine einzige erotische Szene. Bereits vor einem Jahr hatte Amazon Bücher für/über Lesben und Schwule, sowie alle weiteren irgendwie erotisch anmutenden Bücher aus seiner Suche entfernt – natürlich nur aus Versehen.


Facebook | |


Wer war… Charlotte Perkins Gilman?

3. Juli 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 18 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

“Es gibt keinen weiblichen Verstand. Das Gehirn ist kein Geschlechtsorgan. Man spricht ja auch nicht von einer weiblichen Leber.” – Charlotte Perkins Gilman in Women and Economics (1898)

Die amerikanische Schriftstellerin Charlotte Perkins Gilman wurde heute vor 150 Jahren in Hartford, Connecticut geboren und beschäftigte sich Zeit ihres Lebens mit feministischen Themen wie z.B. das Frauenwahlrecht und die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen. Ihr bekanntestes Werk ist The Yellow Wallpaper, welches erstmals 1892 erschien und heute als ein Standardwerk der frühen amerikanischen feministischen Literatur gilt.

In der Kurzgeschichte The Yellow Wallpaper wird die namenslose von Krankheiten geplagte Protagonistin von ihrem Ehemann, einem Arzt, auf das Zimmer eines Sommerhauses gebracht, wo ihr strengste Bettruhe verordnet wurde. Daraufhin verfällt die Protagonistin immer mehr in Depressionen und beginnt, von der Wandtapete in ihrem Raum krankhaft besessen zu werden. Gerade in der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts wurden Wahnsinn und Depressionen auffällig oft von Autorinnen thematisiert, da diese Motive die Lebensrealitäten von vielen Frauen der Mittel- und Oberschicht illustrierten.

Jene Frauen der wohlsituierten Oberschichten lebten oftmals ein abgeschiedenes und zur Langeweile verdammtes Leben. Schriftstellerinnen wie Gilman thematisierten diese eingeschränkten Möglichkeiten und formulierten auch deren Konsequenz: Im wahrsten Sinne des Wortes wurden viele Frauen durch die patriarchalisch strukturierte Gesellschaft „wahnsinnig“. Dieser ”weibliche Wahnsinn” – die Hysterie – eröffnete in der Konsequenz die Möglichkeit einer eigenen (wenn auch skurrilen) Welt, in die sich Frauen zurückziehen konnten.

Die Hysterie wurde zur Zeit der Aufklärung und vermehrt im 19. Jahrhundert als geistige Erkrankung angesehen, deren Ursache in den weiblichen Geschlechtsorganen zu finden sei (Hystera, griech.: Gebärmutter). Hysterie war demnach von Anfang an geschlechtlich konnotiert. Mit dem Konzept des hysterischen Charakters wird die Frau mit ihrer (anerzogenen) Emotionalität „natürlich hysterisch“; im Umkehrschluss sind alle Hysterischen weiblich bzw. haben „weibliche“ Eigenschaften. Diese Erklärungsmuster dienten der Eindämmung des weiblichen Aufbegehrens; jegliche Andersartigkeit wurde sofort pathologisiert. Dass diese Zuschreibungen die Konsequenz einer männlich dominierten Welt sind, beschreibt Gilman in ihrem Buch The Man-Made World or Our Androcentric Culture (1911), in dem sie erstmalig den Begriff “Androzentrismus” definierte, welches ein Weltbild beschreibt, das männliche Lebensmuster und Denksysteme als universelle Menschennorm definiert.

Charlotte Perkins Gilman wählte 1935 nach einer Krebsdiagnose den Freitod.

_______________________

Für die Reihe “Wer war…” freuen wir uns über eure Vorschläge oder auch Gastblogger_innen, die ihre Lieblingsfeminist_innen vorstellen. Vorschläge/Beiträge einfach an post[at]maedchenmannschaft.net senden.


Facebook | |


Selfmade Sunday (27.6.2010)

27. Juni 2010 von Nicole

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Liebe Leserinnen und Leser,
gute Woche, schlechte Woche, aufregende Woche? Was habt ihr Interessantes gelesen und gesehen, worüber habt ihr euch gefreut, gerärgert? Was haben wir verpasst? Für eure Links und Anmerkungen ist hier Platz. Ich fang mal an mit einem gerade entdeckten Lesetipp an mich selbst: Marie NDiayes Drei starke Frauen. Ein bisschen über die Autorin gabs im Freitag zu lesen.


Facebook | |



Anzeige