Einträge mit dem Tag ‘Literatur’

Schöne Frauen lesen

Tuesday, September 23rd, 2008 von Barbara

Eine Leseempfehlung: “Schöne Frauen lesen” von Ulrike Draesner.

(c) Ulrike Draesner Ulrike Draesner, 1962 in München geboren und inzwischen in Berlin, gibt in ihrem Buch einen klugen Überblick über die Hand voll Autorinnen, die uns gemeinhin einfällt, wenn wir an “weibliches Schreiben” denken. Die Rede ist von Virginia Woolf, Ingeborg Bachmann, Getrude Stein, Friederike Mayröcker, Antonia S. Byatt, Annette von Drose-Hülshoff, Michèle Métail, Marcelle Sauvageot - und dank “Madame Bovary” auch von einem Quotenmann, Gustave Flaubert. Draesner beginnt mit einem biografischen Überblick und lässt dann durch ihre Überlegungen das Werk der Autorinnen und des Autors noch faszinierender werden, als es eh schon ist.

Virginia Woolf könnte man begleiten, indem man durch Zimmer streift: Londoner Salons, Schlafkammern, Kliniken wechselten einander ab, der Stadtteil Bloomsbury selbst fügte sich zu einem Raum, real bewohnte, ebenso aber erfunde Häuser erschienen, … Im Schreiben vervielfältigten Woolfs Zimmer sich; am berühmtesten wurde eines, das sie “nur” forderte; A Room of One’s Own. Auch Frauen sollen Zimmer haben, ganz für sich … Auch Bücher sind Räume. Sie gehören einem und allen. So sind sie nicht spezifisch, doch ganz genau, nämlich individuell: das, was wir, und nur wir sehen, indem wir sie lesen. Räume aus Schrift, gebaut für uns in dieser Stunde, aus diesem Stoff, in unserem Kopf. Vielfach verbunden mit unseren Leben, weil auch sie am Ende werden, was wir uns erzählen, dass sie waren.

Marlene Streeruwitz, Poetin

Wednesday, August 20th, 2008 von Barbara

(c) Marlene Streeruwitz “Jessica, 30″ ist ein Roman der österreichischen Autorin Marlene Streeruwitz von 2004. Das Buch besteht - Sprachinteressierte aufgemerkt! - aus drei einzelnen Sätzen, die von Kommas getrennt über 250 Seiten füllen. Es ist die atemlose Geschichte einer jungen Frau, die ihren Körper formt, durch Sport und keine Nahrung. Die für ein Schokoeis die Praterhauptallee rauf- und runterrennt, über ihre Freundinnen nachdenkt und ihre Mutter, die gerne Liebe finden würde oder wenigstens einen Partner. Ein dichter Gedankenstrom ist dieser Roman.

… ich brauche nicht eine strafende Mutter, die mir sagt, was ich machen soll und wie alles sein soll, wenn ich mich elend auf diese Pille fühle, dann will ich nicht hören, dass das gar nicht möglich ist, bei dieser Pillengeneration und dass ich das nachbete, was meine Mutter mir erzählt hat und die Mama erzählt schon die gleiche Geschichte, dass sie bei einer Gynäkologin war, in den 80er Jahren und die ihr gesagt hat, es ist nicht möglich, sich auf die Pille depressiv zu fühlen und die Mama hat gesagt, sie hat sich nicht schleppen können, vor Trostlosigkeit …

Streeruwitzens Werk ist umfangreich, im Februar 2008 veröffentlichte sie die Erzählung “Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin”. Einen Einblick ermöglicht die Website www.marlenestreeruwitz.at. Ihr Schreiben kann als Versuch gesehen werden, eine andere, weibliche Schreibsprache zu entwickeln; etwas, das Jahrzehnte zuvor bereits über die Literatur Ingeborg Bachmanns gesagt wurde.

Die Poetin Marlene Streeruwitz eröffnet am 28. August das 28. Poetenfest in Erlangen; Lesung und Gespräch finden um 20 Uhr im Markgrafentheater statt. Drei Tage später, am 31. August, findet im selben Rahmen um 17 Uhr im Erlangener Schlossgarten eine Diskussionsrunde zum Thema “Cool, schlau, sexy – Was will und was kann der ‘neue Feminismus’?” statt. Dabei bin neben María Cecilia Barbetta und Ulrike Draesner ich, die Moderation macht Verena Auffermann.