Einträge mit dem Tag ‘Literatur’


Burkini-Verbot, einvernehmlicher Sex und Queer Rap – kurz verlinkt

24. August 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 324 von 324 der Serie Kurz notiert

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Vorgestern wurde Gina-Lisa Lohfink zu einer Geldstrafe aufgrund „falscher Verdächtigung“ verurteilt. Identitätskritik nimmt Aussagen der Staatsanwältin als Ausgangspunkt, um darüber zu schreiben, was in dieser Gesellschaft offensichtlich unter „einvernehmlichen Sex“ verstanden wird.

Vor zehn Jahren konnte Natascha Kampusch sich befreien. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht sie über sexistische Frauenbilder und Vorstellungen davon, wie sich ein Opfer zu verhalten hat.

„Das geplante Teilhabegesetz soll Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Durch den derzeitigen Entwurf können behinderte Menschen aber z.B. gegen ihren Willen gezwungen werden in Heimen und anderen Einrichtungen zu leben.“, heißt es auf der Kampagnen-Seite von #AlleinZuHaus. Noch 18 Tage lang kann eine Petition gegen den Gesetzesentwurf unterzeichnet werden.

Im DeutschlandRadioKultur geht es um Queer Rap. Zu Wort kommen dazu Mykki Blanco und SchwarzRund.

Der hauptsächlich in Berlin agierende Verein Ruby Tuesday e.V. sucht neue Mitglieder und freut sich auch sonst über Unterstützung (z.B. in Form von Spenden). Seit nunmehr acht Jahren organisiert Ruby Tuesday Musikworkshops, Musikfestivals/-Konzerte und Musikcamps. Seit 2015 gibt es so z.B. ein queeres Musikempowermentprojekt.

meinbezirk berichtet über die Arbeit der „Queer Base“, einer Anlaufstelle für LGBTIQ-Geflüchtete in Wien.

Auch wenn die Diskussion um „Afropolitanism“, die der fluter hier aufnimmt, schon lange um einiges weiter/ ausdifferenzierter geführt wird, so lohnt sich doch ein Blick auf die fünf Autorinnen, die vorgestellt werden.

englischsprachige Links

In Frankreich wurde ein Burkini-Verbot durchgesetzt. Wie das in der Praxis aussieht, konnte nun zB in Nizza beobachtet werden, wo vier bewaffnete Polizisten eine muslimische Frau zwangen Kleidung (die nicht einmal ein Burkini war) abzulegen. Angelastet wurde ihr das Folgende: Sie trüge kein „outfit respecting good morals and secularism„.

Feministing stellt das peruanische Mutter-Tochter-Duo, Bila Flores und Mabel Valdiviezo, vor, die mit Kunst Themen wie Migration und Geschlecht bearbeiten.

Rad Women Doing Rad Things“ – Auf Bookriot werden acht Bücher über Erfinderinnen, Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen etc. präsentiert.

Termine

25.08. in Berlin: Der Film „Vessel“, über die Organisation „Women on Waves“, wird gezeigt.

05.-09.10. in Berlin: Mehrere Tage lang wird die Football Pride Week stattfinden.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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10 Bücher für die Freibad-Tasche

15. August 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 118 von 118 der Serie Die Feministische Bibliothek

Die Sonne scheint. Das Freibad ist geöffnet. Auf der Decke liegen und feministisch inspiriert lesen. Das klingt doch ziemlich super, oder? Um zu mindestens den letzten Teil dieses Bildes erfolgreich zu erfüllen, gibt es heute diese Liste. Und ob ihr dann mit dem Buch einfach im Bett liegen bleibt, sei natürlich ganz euch überlassen.

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Die Preisträgerin

Dass Sharon Dodua Otoo den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hat, ist nun wahrscheinlich die Standardeinleitung, aber habt ihr auch alle ihre 2011 erschienene Novelle „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle…“ gelesen? In diesem Buch seziert Otoo das Ende der Liebesbeziehung einer Schwarzen Frau in Berlin. Das ist mal berührend, mal komisch; ganz nah an einer Figur, ohne gesamtgesellschaftliche Kontexte auszublenden.

Und wer lieber zu einer Lesung als an den Schwimmbeckenrand möchte, kann sich zum Beispiel auf den 19.08. freuen, denn da liest sie im Kino Babylon in Berlin. (FB-Link)

Sharon Dodou Otoo. 2011. die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle… (edition assemblage)

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Der historische Roman

Yaa Gyasi hat mit „Homegoing“ eine epische Familiensaga erschaffen, die zwar über 300 Jahre umspannt aber gerade einmal etwas mehr als 300 Seiten einnimmt. Ihr Debut-Roman erzählt die Geschichte der beiden Halbschwestern Effia und Esia und ihrer Nachkomm_innen. Beide Frauen werden im 18. Jahrhundert im heutigen Ghana geboren, sie treffen sich nie direkt und ihre Leben könnten kaum unterschiedlicher verlaufen: Effia wird mit einem britischen Offizier verheiratet, der in den Versklavungshandel involviert ist, und bleibt ihn Ghana. Esi hingegen wird nach einem Konflikt gefangen genommen, versklavt und nach Amerika verschifft. In wechselnden Kapiteln wendet sich Gysasi jeweils einem Familienmitglied einer der Familienlinien zu, alle zwei Kapitel wird zu einer neuen Generation gesprungen. Themen wie Sklaverei, Kolonialismus, Jim Crow, Civil Rights Bewegung, sexualisierte Gewalt, den Gefängniskomplex und vieles mehr anschneidend, zeigt sie wie sich Trauma durch die Familien zieht und sich in weiter bestehenden rassistischen Systemen addiert. Sie gibt den Leser_innen aber auch Charaktere, die tief für einander empfinden, sich um einander sorgen, die aufsässig und widerständig sind. Das Romanende mag etwas zweckmäßig, „einfach“, erscheinen, doch nimmt es nichts von der Schlagkraft dieses wunderbaren Erstlings. In deutscher Übersetzung ist es leider noch nicht erschienen.

Yaa Gyasi. 2016. Homegoing. (Knopf)

Hinweis: Um so schöner, dass dafür Chimamanda Ngozi Adichie’s historischer Roman über den Biafrakrieg, „Die Hälfte der Sonne“, nun wieder auf deutsch erhältlich ist. Der Fischer-Verlag hat vor zwei Wochen die Übersetzung herausgebracht.

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#BlackLivesMatter, erzwungene Sterilisation und Gerüchte über Geflüchtete – kurz verlinkt

27. Juli 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 322 von 324 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links
Vielfältige, empowernde Spielzeuge und Bücher gibt’s bei Diversity Spielzeug.

Junge Frauen in ihrem gesellschaftlichen und politischen Engagement zu stärken und bei ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen – das ist das Ziel von  It´s Our Turn! Teilnehmen können Mädchen und junge Frauen zwischen 16 und 20 Jahren. Die Hälfte der Plätze ist für junge Frauen mit Fluchtgeschichte reserviert.

Mit dem Anne-Klein-Frauenpreis ehrt die Heinrich-Böll-Stiftung Frauen, die mutig und hartnäckig für Menschenrechte, Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung eintreten. Bis zum 15. September können Kandidatinnen vorgeschlagen werden.

Seitdem Sharon Dodua Otoo den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hat, ist sie viellerorts in den Medien präsent und gibt wunderbare Interviews. Beim boersenblatt sprach sie über das Vorlesen in Klagenfurt, Schreibpläne und die Nicht-Existtenz von apolitischer Kunst. „Wir können sprachlich viel mutiger sein“, sagt sie zu dem in einem wirklich schönem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über emanzipatorische und diskriminierende Sprachformen, den Literaturbetrieb und die Rolle von Aktivismus.

Tove Tovesson schreibt beim Missy Magazine über „die Frage nach einem transfreundlichen Leben in einer transfeindlichen Welt„.

Gerüchte über Geflüchtete gibt es an jeder Straßenecke oder aber auch in Reden von Politikern wie Thomas de Maizière. Der Bayrische Rundfunk sprach mit Medienpädagogin Dr. Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung und Karolin Schwarz von hoaxmap über die Enttstehung dieser Gerüchte, wie diese gezielt zur Stimmungsmache eingesetzt werden und mit welchen Folgen.

Magda Albrecht stellt in ihrem Instagram-Account die Broschüre „Wir stehen alleine da“, eine Infobroschüre, die sich mit antisemitischen Ideologien und Alltagserlebnissen befasst, vor.

Noch bis zum Ende der Woche kann sich auf den Nachwuchsförderpreis des Ökonominnen-Netzwerks efas beworben werden.

englischsprachige Links

In der letzten Woche fand in Berlin eine weitere #BlackLivesMatter-Demonstration statt. ADEFRA veröffentlicht Prof. Maisha Auma Eggers Statement, in dem sie unter anderem daran erinnert, dass die Gründer_innen der #BlackLivesMatter Bewegung drei queere Schwarze Frauen sind: „We must stop erasing that! We must stop erasing crucial parts of Ours and Each others Lives! If any of Us Black Folks is not free, then we are all not free.“

Autostraddle stellt zehn Frauen mit Behinderung und deren Aktivismus vor.

Für Kunstliebhaber_innen und solche, die es werden wollen, lohnt sich ein Blick auf den Twitter-Account womens art, auf dem mehrfach täglich Künstlerinnen und ihre Werke vorgestellt werden.

AlJazeera berichtet über ein Theaterstück, in dem Roma Frauen über Erfahrungen mit erzwungener Sterilisation sprechen.

Long Read, der die investierte Zeit sehr lohnt: Kwe Today schreibt über koloniale Rechtstraditionen, Federal Missing and Murdered Indigenous Women and Girls Inquiry, Sexarbeit, indigene feministische Rechtstheorie und mehr.

Termine

Vor zwei Tagen startete die „Women in Exile-Sommerbustour durch Deutschland„. Die nächsten Termine sind: 28.07 in Leipzig, 29. und 30.07. in Nürnberg, 31.07. in Frankfurt/Oberursel, 01.08. Oberursel und 02./03.08. in Köln.

01.08. in Berlin: Das nächste Treffen des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung findet statt.

06.08. in Berlin: Eröffnung der Ausstellung „WELCOME TO FUTURISTAN„. (FB-Link)

25.-27.08. in Berlin: Unter dem Jahresmotto #hegemoniehacken findet die diesjährige Linke Medienakademie mit besonderem Fokus auf Gender und Medien statt.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Sharon Dodua Otoo beim Bachman-Preis – Und ihr könnt abstimmen!

30. Juni 2016 von Charlott

Gestern Abend wurden in Klagenfurt die 40. Tage der Deutschsprachigen Literatur eröffnet und damit auch das Wett-Vorlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis eingeläutet. Neben den üblichen vielen Redebeiträgen durften die Autor_innen ihre Startplätze ziehen, denn das öffentliche Vorlesen bisher unveröffentlichter Texte (mit der daraufolgenden live Jury-Kritik) wird sich nun über drei Tage ziehen. In alphabetischer Reihenfolge traten die Kandidat_innen nach vorn und zogen ein Kärtchen mit Datum und Uhrzeit – und auch wenn der Moderator versuchte zu beruhigen, dass statistisch kein Platz die Chancen automatisch verschlechtere, wollte wohl niemand so gern direkt heute um 10 Uhr den Anfang machen.

Mit dabei: Sharon Dodua Otoo

Mit dabei: Sharon Dodua Otoo

Mit dabei beim diesjährigen Preis ist auch Sharon Dodua Otoo, die viele wunderbare Dinge tut, u.a. auch für die Mädchenmannschaft schreiben. Als siebente trat sie an die Lostrommel und zog den Zuschauer_innen-freundlichen Leseplatz Samstag um 11 Uhr! Falls ihr in Berlin zugegen seid und Sharon nicht nur allein zujubeln wollt, dann gibt es auch die Möglichkeit zum Public Viewing. Unter dem Motto „go sharon! berlin schaut nach klagenfurt“ geht es ab 10 Uhr im xart splitta los (FB-Event).

Ansonsten wird die Veranstaltung auch live im Fernsehen bei 3sat und im Livestream online vom ORF übertragen. Ein gutes Zuhören lohnt sich auch, denn am Samstag von 15 bis 20 Uhr wird über den Publikumspreis abgestimmt. Ein einfacher Klick reicht hier aber nicht, stattdessen müsst ihr eine Email einsenden, in der ihr in maximal 400 Zeichen eure Wahl begründet.


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Politisches Lästern, #DisabilityTooWhite und eine nicht aufsteigende Schiedsrichterin – kurz verlinkt

26. Mai 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 317 von 324 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

„Wäre throwing shade eine Sportart, wäre es die einzige, in der ich gut wäre.“, schreibt Hengameh Yaghoobifarah in der taz und erklärt, warum Lästern auch politisch sein kann.

Aber apropos Sport: Die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hat diese Saison äußerst erfolgreich in der 2. Liga des Männerfußballs gepfiffen (nach einem DFB-internen Ranking liegt sie gar auf Platz 1). Doch trotz dieser guten Bewertungen soll sie auch in der nächsten Saison kein 1.Liga-Spiel leiten dürfen, berichtet die Welt.

Das neue an.schläge-Magzin ist da und dreht sich um Titelthema um Mütter und Mutterschaft, so schreibt beispielsweise Theo Hoffnungsthal zur queeren Performance und Kinderwägen.

Beim Missy Magazine schreibt János Erkens über das nun auf deutsch erschienene Buch „Testo Junkie. Sex, Drogen und Biopolitik in der Ära der Pharmapornographie“ von Paul B. Preciado und der Crux mit dieser ‚Natürlichkeit‘.

englischsprachige Links

Wenn Menschen mit Behinderungen in den Medien vorkommen (was selten genug ist…), sind es insbesondere weiße und schlanke Personen. Auf Twitter kritisierten Aktivist_innen mit Behinderungen unter dem Hashtag #DisabilityTooWhite die mangelnde Repräsentation von Menschen of Color mit Behinderungen in den Medien.

Keah Brown schreibt auf catapult über Liebe, Behinderungen und Filme: „

Passend zu den letzten beiden Links präsentiert Autostraddle eine Leseliste mit Tipps zu Büchern, Zines und Blogs: Toward An Intersectional Crip Syllabus.

Flavorwire schreibt über 25 Bücher, in denen Freundinnenschaften im Mittelpunkt stehen.

Termine

27.05.-29.05. in Bremen: re*mix – Queer Feminist HipHop Festival findet statt.

02.06.-03.06. in Berlin: Heterogene Vorstellungswelten: Die didaktischen Imaginationen pluralisierter Gesellschaften* Fachtagung


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Sharon Dodua Otoo ist Kandidatin für den Ingeborg-Bachmann-Preis!

24. Mai 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 39 von 39 der Serie Applaus für

Heute Vormittag war es soweit, die vierzehn Kandidat_innen für den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis wurden auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Der Preis wird seit 1977 jährlich in Klagenfurt verliehen und in diesem Jahr ist Mädchenmannschafts-Autorin Sharon Dodua Otoo unter den potentiellen Preisträger_innen.

IMG_20160524_125246Sharon schreibt nicht nur wunderbare Texte für die Mädchenmannschaft, sondern hat bereits eine ganze Reihe von Büchern geschrieben und herausgegeben. Ihre Debüt-Novelle the things i am thinking while smiling politely erschien 2012 und im darauffolgenden Jahr in deutscher Übersetzung. Es folgte im Jahr 2014 die wunderschön illustrierte Novelle Synchronicity. Seit 2012 ist Sharon zu dem Herausgeber_in der Reihe Witnessed, in der sich Autor_innen in unterschiedlichsten Formen (Fotografie, Theaterstücke, Aufsätze, Kurzgeschichten) mit Schwarzen Lebensrealitäten im deutschsprachigen Raum auseinandersetzen. Das erste Buch in der Reihe war The Little Book of Big Visions. How to Be an Artist and Revolutionize the World und ich besprach es hier auf dem Blog. Auf der Seite des Bachmann-Preises könnt ihr euch einen kleinen Portrait-Film zu Sharon angucken.

Die diesjährigen Kandidat_innen werden ihre eingereichten Texte zwischen dem 30. Juni und 2. Juli im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur vorlesen. Nach den Lesungen werden die Texte jeweils direkt auch online zugänglich sein. Dies ist wichtig, denn am 2. Juli von 15.00 bis 20.00 Uhr wird zudem über den Publikumspreis abgestimmt und eine Stimme gilt nur, wenn eine Begründung für die Textwahl vorliegt!


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Under the Udala Trees: Eine Romanbesprechung

1. Februar 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 115 von 118 der Serie Die Feministische Bibliothek

Es sind erst wenige Jahre nach der Unabhängigkeit und es tobt der Biafra-Krieg. Bei einem Bombenangriff auf ihren Heimatort kommt Ijeomas Vater ums Leben. Ihre Mutter, in ihrer Verzweiflung, Trauer und auch Wut, weiß nicht weiter und gibt Ijeoma bei einem Freund des Vaters in einem anderen Ort, außerhalb des Kriegsgebiets, in Obhut. Dort soll die Elfjährige für einige Zeit im Haushalt helfen, im Gegenzug verspricht der Freund, the teacher, ihre Schulbildung zu finanzieren.

Ein von @half_book_and_co gepostetes Foto am

In der kommenden Zeit verändert sich für Ijeoma vieles. Sie verliebt sich zum ersten Mal. Dabei übertritt sie gleich zwei Grenzen: Sie entwickelt Gefühle für und entspinnt eine Beziehung mit Amina, einem Mädchen, welches zu dem einer anderen Ethnie (und Religion) angehört. Als die Beziehung öffentlich wird, tritt erstmals wieder Ijeomas Mutter auf (etwas wonach sich Ijeoma bis dahin gesehnt hatte) und holt Ijeoma zu sich.

Chinelo Okparantas Debut-Roman Under the Udala Trees aus dem letzten Jahr folgt Ijeoma über dreißig Jahre durch ihr Leben, vom traumatischen Verlust ihres Vaters, der ersten Liebe, den folgenden Versuchen ihrer Mutter durch christliche Lehren Ijeoma von ihrem Begehren abzubringen, Erwachsenwerden, neuen Beziehungen, queeren Untergrundlubs bis hin zu einer unglücklichen Ehe.

Viele nigerianischen Autor_innen schreiben über den Biafrakrieg. Er gehört sicher mit zu den größten Themen der nigerianischen Literaturen. Okparanta nimmt den Krieg als Ausgangspunkt für eine Geschichte die noch weitere Jahrzehnte der Post-Unabhängigkeit umfasst und in diese lesbische, queere, frauen-begehrende Frauen einschreibt. Dabei werden diese nicht nur von der Hauptfigur repräsentiert, sondern treten vielfach in Erscheinung. Zwar rutschen einige Abschnitte des Romans in einen etwas didaktischen Duktus ab, doch herrscht Okparantas bildreicher, klarer Stil vor, der bereits in ihrer Kurzgeschichtensammlung Happiness, Like Water überzeugte.

Zu einer Zeit, in der in Nigeria stark restriktive homofeindliche Gesetze verabschiedet wurden, gibt Okparanta ihren Figuren nicht nur eine Geschichte, sondern auch ein Ende, welches hoffen lässt. Aber bis dahin ist es eine längerer Weg, der nicht nur all jenen empfohlen ist, die es nicht bei Adichie als einziger nigerianischen Autorin auf ihrer Leseliste belassen wollen.

Zum Weiterlesen: Interview mit Chinelo Okparanta (auf Englisch)


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Rabenmütter, rechte Politikerinnen und #CampusRassismus – kurz verlinkt

16. Dezember 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 2 von 324 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Clara-Zetkin-Frauenpreis 2016: DIE LINKE lobte anlässlich des Frauentages 2016 zum sechsten Mal einen Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden. Noch bis zum 31. Januar 2016 könnt ihr euch bewerben bzw. ein Projekt vorschlagen.

Der Raben Mütter e.V. hat eine Anfrage der Seemia Media GmbH erhalten, die einen Beitrag über einen alleinstehenden Vater drehen wollen. In einem öffentlichen Brief, den ihr hier als PDF runterladen könnt, wenden sie sich gegen Stereotype und Vorannahmen über „alleinstehende Väter“ und deren Ex-Partnerinnen, die bereits in der Anfrage enthalten sind.

Bei der ZEIT schreibt Stefanie Lohaus über rechte Spitzen-Politikerinnen wie Frauke Petry oder Marine und Marion Le Pen und fragt, was diese mit Feminismus zu tun haben. (Zum Weiterlesen in diese Richtung empfiehlt sich auch ein Blick in unsere Reihe „Gender und Rechts(extremismus)„.)

Die Aktion #CampusRassismus hat es diese Woche auch in einige Medien geschaft. So können in der ZEIT Amina Yousaf und Zuher Jazmati von ihren Erfahrungen berichten und in der taz wird über die „ganz alltägliche Diskriminierung“ geschrieben.

Englischsprachige Beiträge

Vom Mai bis September 2016 soll im Schwulen Museum Berlin eine Ausstellung mit Titel „Millionaires can be trans*/You are so brave*“ entstehen. Jetzt gibt es einen Open Call für interessierte trans Künstler_innen.

Victoria Law hat dieses Jahr 50 Bücher von Autorinnen of Colour gelesen – aus unterschiedlichsten Genres wie SciFi, Memoiren und Gedichte. Beim Bitch Magazine stellt sie diese vor.

17 Badass Women You Probably Didn’t Hear About In 2015, stellt Buzzfeed vor, darunter Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Astronautinnen.

Termine

9. Januar 2016 in Münster: Die antisexistische Gruppe „We love consent“ veranstaltet einen kostenlosen (Spenden werden erbeten) Aktionstag mit FLTI*Rap Workshop, einem Vortrag zu Frauen im Hip Hop Malestream, Konzert und Party. Weitere Infos findet ihr hier (Facebook-Link).

30. – 31. Januar 2016 in Frankfurt am Main: Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) lädt zur Jubiläumsveranstaltung anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens ein. Mehr zum Programm und zur Anmeldung hier.


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Ein Buch nach dem anderen: Beste Bücher 2015

15. Dezember 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 114 von 118 der Serie Die Feministische Bibliothek

Das Jahr 2015 neigt sicht dem Ende zu und wenn ich so durch Bücher-des-Jahres-Listen scrolle (und das passiert häufiger, da sie zwei Dinge vereinen, die ich liebe: Bücher und Listen), dann kann ich feststellen, dass dieses Jahr eine ganze Reihe großartiger Werke erschienen sind. Und dann fallen mir noch all jene Publikationen ein, die auf diesen Listen nicht erscheinen. Darum folgt nun hier meine eigene Liste, in der ich meine liebsten Sachbücher, Romane, Gedichtbände, Zines etc., die dieses Jahr erschienen sind und die ich bereits gelesen habe, weiterempfehle. Und natürlich interessiert mich auch: Was hat euer feministisches Leseherz dieses Jahr höher hüpfen lassen?

Sachbuch
The Nest ist ein Künstler_innenkollektiv mit in Sitz in Nairobi. Bekannt(er) geworden sind sie durch ihren Film Stories of Our Lives, welche in fünf Vignetten queeres Leben in Kenia verhandelt. Der Film räumte auf einigen internationalen Festivals Preise ab (und durfte in Kenia selbst nicht gezeigt werden). Die fiktionalisierten Geschichten, die so erzählt wurden, fusßten auf Interviews, die das Kollektiv mit LGBTI in Kenia geführt hatte. In einem in Oktober erschienen Buch sind nun eine Vielzahl der Geschichten, die es nicht in den Film geschafft haben, publiziert und geben in ihrer Gesamtheit einen Einblick in queere kenianische Lebensrealitäten. Aber schaut euch einfach den Buchtrailer zur Einstimmung an:

Eine weitere Sachbuchempfehlung: Der umfassende Band „Women in Clothes“, herausgegeben von Sheila Heti, Heidi Julavits und Leanne Shapton ist dieses Jahr unter Frauen und Kleider auf deutsch erschienen. Ich besprach das Buch bereits hier und zitierte es ausführlicher zum Jahrestag des Einsturzes der Rana Plaza Fabrik.

Roman

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Ein Buch nach dem anderen: Kurzgeschichten aus Nigeria; Coming-of-Age in Portland

30. Oktober 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 112 von 118 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

IMG_20150921_175406-1Fates and Furies (Riverhead Books, 2015) von Lauren Groff war sicher eines der heiß-erwartesten Bücher der Herbstsaison – und wurde kurz nach der Veröffentlichung auch direkt belohnt mit einem Platz auf der Shortlist für den (us-amerikanischen) National Book Award. Der Roman seziert die Ehe zwischen Lotto und Mathilde, dem Traumpaar auf jeder Party, er erst Schauspieler, dann erfolgreicher Dramatiker, sie erst in einer Gallerie arbeitend, dann ihn unterstützend. Zwischen Anspielungen auf griechische Mythologie erzählt der erste Teil zunächst die Geschichte aus Lottos Perspektive, um dann im zweiten Teil Mathildes – weitaus andere – Sichtweise und Erleben nachzutragen. Bereits im ersten Teil, in dem lange das perfekte Bild entworfen wird, zebröselt dieses auch schon wieder langsam. So sitzt Lotto auf einer Podiumsdiskussion zur „Zukunft der Literatur“ und führt – zum Erschrecken seiner Mit-Diskutant_innen – bräsig aus, dass Männer Literatur schaffen und Frauen ihren Kreativität ins Kindergebären stecken. Das Publikum ist aufgebracht, Mathilde verlässt den Raum. Genau in diesen Aspekten fand ich den Roman, in den ich ich erst nicht wirklich reinkam, am stärksten, wenn die Vorstellung des „männlichen Genies“ langsam entblößt wurde und stattdessen Groff die weibliche Arbeit hinter diesem offenbarte. Doch das Ende, welches stark auf eine Beziehungsebene zurückfällt, enttäuschte mich.

IMG_20150918_031443Weitaus mehr gefiehl mir das ebenfalls im September erschienene Dryland (Tin House Books, 2015) von Sara Jaffe (die auch in der Band Erase Errata spielt). Es ist das Jahr 1992 und die fünfzehn-jährige Julie Winter lebt im Portland. Regelmäßig geht sie in Zeitungsgeschäfte und blättert sich durch Schwimm-Magazine – nicht etwa, weil sie Schwimmerin ist, sondern weil sie immer auf der Suche nach Informationen über ihren ältern Bruder ist, der einmal sogar Teil des olympischen Teams war, nun aber in Berlin lebt und über den in ihrer Familie nicht gesprochen wird. Das Buch ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die ihren ganz eigenen Charme und gleich eine Reihe queerer Charaktere mit sich bringt.

IMG_20151014_082600 Ein Buch, welches ich in nächster Zeit sicher häufig empfehlen werde, ist die Debut-Kurzgeschichten-Sammlung Happiness, Like Water (Mariner Books, 2013) von Chinelo Okparanto. Die meisten der Geschichten drehen sich um weibliche Charaktere in Nigeria oder der Diaspora (hier USA). Ihre Geschichte „America“ war bereits nominiert für den Caine Prize for African Writing, aber auch die anderen sind allesamt preiswürdig. Okparanta ist eine wundervolle Erzählerin, ihre Sprache ist gleichermaßen zugänglich und poetisch. In den Geschichten widmet sie sich einer ganzen Reihe großer „Themen“ (wie häusliche Gewalt, Reliogion, lesbisches Begehren, Schönheitsstandards), ohne dass sie ins Didaktische abruscht. Stattdessen schafft sie glaubhafte Charaktere und nicht jede Geschichte endet mit einer sauberen, einfachen Lösung – ganz so wie im Leben.

Okparantas Debut-Roman Under the Udala Trees, in welchem sich zwei Mädchen während des Biafra-Kriegs verlieben, erschien jetzt im September.

Im Netz gelesen

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