Einträge mit dem Tag ‘Literatur’


Archäologische Ausgrabungen in Treblinka, Anti-Street-Harassment Woche und weiterer Widerstand – kurz verlinkt

3. April 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 229 von 232 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Der Berliner CSD bennent sich in Stonewall Berlin um. LesMigraS macht in einer Erklärung deutlich, dass die Umbenennung allein nicht genügt und zeigt auf, wie eine neue Stonewall-Bewegung aussehen würde.

Mit dem Magazin progress spricht Christina Antonakos-Wallace über den Dokumentarfilm “with wings and roots”, der die Geschichten migratisierter Menschen in Berlin und New York erzählt.

“Sie tragen pinkfarbene Saris und pinkfarbene Knüppel, belagern Polizeistationen und Regierungsgebäude, blockieren Straßen und stürzen Politiker: Die Frauen der Gulabi Gang setzen sich in Indien gegen die Herrschaft der Männer zur Wehr.”, schreibt SpiegelOnline.

Bei der ZEIT wird die Feministin Anita Augspurg vorgestellt, die sich unter anderem während des 1. Weltkriegs für Frieden und internationalistischer Perspektiven einsetzte, für Frauenrechte und gegen patriarchale Strukturen (wie die Ehe) antrat und 1923 in Bayern die Ausweisung Hitlers wegen Volksverhetzung beantragte.

Und die neue Ausgabe der an.schläge ist erschienen. Auch online lässt sich wie immer einiges nachlesen zum Titelthema Abtreibung beispielsweise ein Interview mit der Gründerin von Women on Web und Women on Waves und zwei Erfahrungsberichten.

englischsprachige Links

Archäolog_innen haben in Treblinka erste physische Beweise für Gaskammern freigelegt. Mehr Infos zu Treblinka gibt es hier.

Diese Woche ist Anti-Street Harassment Week. Das finden Aktionen in vielen Ländern der Welt statt. Für Deutschland gibt es zum Beispiel eine Facebookseite mit Informationen.

In der Erzählung um die mexikanisch-amerikanische Arbeiter_innen-Bewegung steht César Chávez im Mittelpunkt, so ist ihm auch ein neuer Film mit passendem Titel gewidmet: “César Chávez: An American Hero”. Doch was ist eigentlich mit den Aktivistinnen? Colorlines beschäfftigt sich mit deren Engagement und der Herausschreibung aus der Geschichte.

Feministing schreibt über mexikanische indigene Frauen und wie deren reproduktive Rechte auf vielen Ebenen aus sexistischen und rassistischen Gründen missachtet werden.

Termine

08.-13.04. in Köln: FrauenFilmFestival.

Und schon einmal den Terminkalender zücken: Im Mai geht die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie auf Lesereise in Deutschland und der Schweiz.


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Vielleicht hat er Frauen gehasst, aber seine Literatur ist doch genial!

2. April 2014 von Charlott

[Inhaltshinweis: Beschreibungen von Gewalt]

Auch wenn in den letzten Jahrzehnten von vielen Seiten am Literaturkanon gerüttelt wurde, im Mainstream kommen kleine Errungenschaften nur langsam an. Dieselben Autoren (männlich, weiß) wie eh und je werden gefeiert und deren Lebensgeschichten zu Mythen verwoben, in denen Frauen häufig auf den Platz der liebenden Ehefrau, Muse oder Zerstörerin verwiesen werden (alles fein säuberlich in heteronormativen Vorstellungen verankert). Der Sexismus und die Misogynie in den Texten der Autoren wird im besten Fall “auf die damalige Zeit” geschoben oder als “satirische Verarbeitung” verstanden; die gelebte Gewalt gegen Frauen in ihren Umfeldern wird schnell zu kleinen Anekdoten. Anekdoten, die dazu beitragen, den Mythos um die jeweiligen Autoren aufrecht zuerhalten. Das Vokabular, welches dazu entwickelt wurde: Kompromisslos. Berüchtigt. Genial. Kontrovers.

Nehmen wir T.S. Eliot. Einer der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts, wie uns die Mainstream-Literaturgeschichte erzählt, und der Aussprüche wie den folgenden traf: “There are only a half dozen men of letters (and no women) worth printing.” (“Es gibt nur ein halbes Dutzend Schrifststeller (und keine Frauen), die es wert sind, gedruckt zu werden.”) Im Jahr 1915 heiratete er Vivienne. Ihre Geschichte zu rekonstruieren ist schwierig, denn nicht nur zeitgenössische Berichte, sondern auch Rückblicke neigen zu krassesten Pathologisierungen, die die Story darunter vollkommen übermanteln. Ihre eigenen Tagebücher sind ebenfalls nicht mehr zugänglich, da die zweite Frau Eliots diese an sich nahm. Fest steht aber, dass T.S. Eliot sich 1933 von ihr trennte und von da an alles daran setzte, kein Wort mehr mit ihr zu wechseln (geschieden aber wurden sie nie). Fünf Jahr später wurde sie durch ihren Bruder in eine psychatrische Anstalt eingeliefert. Dieser gab später selbst zu Protokoll: “She was as sane as I was. What Tom [Eliot] and I did was wrong. I did everything Tom told me to.” (“Sie war genauso bei Verstand wie ich. Was Tom (Eliot) und ich gemacht haben, war falsch. Ich habe alles gemacht, was Tom mir gesagt hat.”) Sie starb 1947 unter nicht ganz klaren Umständen in der Anstalt. Ein Jahr später erhielt Eliot den Literaturnobelpreis.

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“Es gab keine Reflexionen über Mutterschaft aus feministischer Perspektive” – Fritzi und ich in Warschau, im Gespräch mit Sylwia Chutnik

25. März 2014 von Lisa

Jochen König ist Autor, wohnt mit seiner vierjährigen Tochter Fritzi in Berlin, interessiert sich für die gesellschaftlichen Debatten rund um Feminismus, Familie und Geschlecht und hat ein Buch über sein Leben mit Fritzi geschrieben, das sich um diese Themen dreht.

Im Zug ist es nur eine Stunde von Berlin bis zur deutsch-polnischen Grenze. Und trotzdem haben viele Menschen hier wenig bis keinerlei Bezug zu Polen. Bis vor wenigen Jahren wusste ich selbst kaum etwas über dieses Land. Der Blick richtet sich eindeutig Richtung Westen. In deutschen Schulen wird französisch unterrichtet, die Französische Revolution ist auch weniger geschichtlich Interessierten ein Begriff und gesellschaftspolitische Debatten in Frankreich (wie beispielweise über die Homoehe) sind auch in deutschen Medien präsent. Vergleichbare Diskussionen in Polen werden dagegen in Deutschland kaum wahrgenommen. In Warschau bin ich unter anderem mit Sylwia Chutnik verabredet, um sie zu interviewen. Sie ist Mitbegründerin der Fundacja MaMa und im Jahr 2008 erschien ihr Roman Kieszonkowy atlas kobiet – 2011 auch auf Deutsch unter dem Titel Weibskram. (Ein weiteres Interview mit ihr, das auf ‘fuckermothers’ bereits erschien, führte Anna Kasten.)

Fritzi und ich machen uns auf den Weg nach Warschau. Etwas mehr als fünf Stunden im Zug von der einen Hauptstadt in die andere. Wir wohnen in Warschau in einem Hostel in Praga, einem Stadtteil östlich der Wisła (Weichsel), der in vielerlei Hinsicht an Prenzlauer Berg in den 90er Jahren erinnert. Als ich zuletzt vor mehr als zehn Jahren in Warschau war, habe ich im Zug noch einen Stempel in meinen Reisepass bekommen und mich während meines gesamten Aufenthalts nicht getraut die Wisła zu überqueren. Nur aus sicherer Entfernung, vom westlichen Ufer aus, habe ich das alte Stadion in Praga mit dem damals angeblich größten Basar Osteuropas gesehen. Heute steht an selber Stelle das Nationalstadion, das für die Fußballeuropameisterschaft der Männer 2012 errichtet wurde.

Mit Sylwia Chutnik treffen wir uns im zur Fundacja MaMa gehörenden MaMa Cafe etwas südlich der Innenstadt. Das Café hat sogar Club Mate im Angebot. Es dient vor allem als Anlauf- und Begegnungsort für Mütter. Darüber hinaus versucht sich die Stiftung an gesellschaftlichen Debatten rund um Mutterschaft zu beteiligen und unterstützt Frauen/Mütter auf vielfältige Art und Weise. Fritzi spielt in der Spielecke des Cafés und ich stelle Sylwia ein paar Fragen.

2006 hast du die Fundacja MaMa gegründet. Kannst du erklären wie es dazu kam? Was war der Ausgangspunkt und was war das Ziel?

Seit ich 16 Jahre alt bin, bin ich Teil einer anarcho-feministischen Bewegung, organisiert eher in informellen Gruppen. Als ich mit 24 Jahren dann Mutter wurde, ich hatte gerade mein Studium beendet, merkte ich, dass meine eigenen feministischen Gruppen nichts über Mutterschaft wussten. Viele hatten ein Problem mit meinem Mutter-sein. Sie verstanden nicht, dass ich eine Mutter sein wollte. Du Arme, du hast ein Kind, deine politischen Aktivitäten sind nun Geschichte, dein Leben ist vorbei. Es gab keine Gruppen oder Projekte, die sich mit Feminismus und Mutterschaft auseinandersetzten. Es gab keine Reflexionen über Mutterschaft aus feministischer Perspektive. Als mein Sohn zweieinhalb war, war ich so frustriert. Ich hatte keinen Platz mehr in meiner feministischen Bewegung. Außerdem stand ich unter dem Druck des Mythos der Mutter Polin. Eine Mutter solle ihre eigenen Ambitionen vergessen, um dem Staat einen Soldaten für den Krieg zu schenken. Dazu der popkulturelle Druck, erfolgreich im Beruf und eine gute Ehefrau zu sein. Und ich war mittendrin. Ich wollte etwas Offizielles starten. Ich hatte auch keine Lust mehr auf große Diskussionen und Plena, die ich aus den Kollektiven und Gruppen kannte, bei denen ich bisher mitgemacht hatte. Also gründeten wir zu dritt eine Stiftung.

Wie ist die Situation heute?

Wir sind jetzt mehr Leute. Seit drei Jahren haben wir größere Räume. Wir werden in den Medien wahrgenommen. Wir waren starke junge Mütter, die etwas tun wollen. Aus medialer und popkultureller Perspektive waren wir gut genug, um wahrgenommen zu werden. Wir haben das für uns genutzt. Wir wussten, was wir wollten. Wir haben uns an der öffentlichen Debatte beteiligt und durch die Medien haben wir es geschafft unsere Botschaften zu verbreiten. Was sich dagegen nicht verändert hat: wir sind zwar größer geworden, haben aber immer noch kaum Geld.

Was bedeutet für dich/euch Feminismus im Kontext von Mutterschaft?

Am Anfang war das gleichzeitige Sprechen über Mutterschaft und Feminismus ein Oxymoron. In der öffentlichen Wahrnehmung hatte eine Feministin jeden Monat eine Abtreibung und konnte deshalb gar keine Kinder haben. Wir mussten also am Anfang erst einmal diskutieren, was es bedeutet Mutter und Feministin zu sein. Wichtig ist auch für uns: pro-choice – selbst entscheiden zu können, ein Kind zu bekommen oder nicht. Dazu glauben wir, dass es Müttern bereits besser geht, wenn sie sich aus dem Haus trauen. Wir sind stärker und nicht so frustriert, wenn wir zusammen sind und einen Ort haben, an dem wir uns treffen können.

Es herrscht ein ungeheurer Druck auf Mütter: Sie müssen gute, liebevolle Mütter sein, dazu erfolgreich im Job und gleichzeitig sexuell attraktiv. Wie läuft der Diskurs in Polen?

Vier Aspekte spielen in dem Zusammenhang in Polen eine Rolle. Der bereits angesprochene post-romantische Mythos der Mutter Polin. Die kommunistische Zeit ist von Bedeutung, die Entbehrungen und dabei trotz aller Widrigkeiten eine gute Mutter zu sein. Der Katholizismus, der den Müttern eindeutig die Rolle als Hausfrau zuweist, die für Kinder und Haushalt zuständig ist, während der Ehemann Geld verdienen geht. Dazu kommt dann noch der Kapitalismus, der uns sagt, was wir brauchen und was wir nicht brauchen und was wir mit unseren Ehemännern und Kindern machen möchten. Es ist harte Arbeit als Mutter zu erkennen, dass es auch in Ordnung ist keinem dieser Wege zu folgen.

In Deutschland gibt es in den letzten Jahren einen regelrechten Hype um neue Väter. Gibt es etwas Vergleichbares in Polen?

Immer mehr Frauen sind sauer auf die Väter und haben keine Geduld mehr. Wir sind ganz am Anfang. Väter fangen an übers Vater-sein zu sprechen und es gibt auch einige Diskussionen in den Medien. Väter fangen an Spaß am Vater-sein zu haben. Es ändert sich etwas. Ich möchte daran glauben. Es sind aber kleine Schritte. Wir sind in Warschau, einer großen Stadt, ich hoffe das ist nicht der einzige Grund für meine Hoffnung. Nicht weit entfernt von hier gibt es seit einem halben Jahr einen Väter-Club. Wir freuen uns darüber. Erst dachten wir, das sei eine echte Revolution, aber es gehen nicht sehr viele Väter dort hin. Darüber hinaus gibt es viele Vätergruppen, die vor allem zusammen gegen ihre jeweiligen Ex-Frauen kämpfen und sich gegenseitig in Fragen ums Sorgerecht unterstützen. Wir sind eine Stiftung für Mütter und wir warten sehnsüchtig auf eine ähnliche Stiftung für Väter.

Meine Sprachkenntnisse reichen leider nicht aus, um mich mit Sylwia Chutnik über diese Themen auf Polnisch zu unterhalten. Das hier dokumentierte Gespräch haben wir auf Englisch geführt – die gekürzte und sicherlich an vielen Stellen fehlerhafte und ungenaue Übersetzung ins Deutsche stammt von mir.

Während Fritzi auf meinem Schoß sitzt, plaudern wir noch etwas über ihr Buch und ihre darin sehr düster und pessimistisch formulierte Perspektive auf die polnische Gesellschaft („Marysia Kozak war elf Jahre alt und ahnte, dass die Welt fürchterlich war.“) sowie die Beteiligung der Fundacja MaMa an der von MTV Poland produzierten Sendung Teen Mom Poland. Ich erzähle ihr auch noch etwas von meiner pessimistischen Perspektive auf die so genannten neuen Vätern und dass in Deutschland alle gefeiert werden, die etwas mehr Zeit mit den eigenen Kindern verbringen, dass wir von einer gerechten Aufteilung der Verantwortung für Kinder allerdings noch sehr weit entfernt sind.

Fritzi und ich verbringen noch zwei weitere Tage in Warschau. Wir spazieren in der Wintersonne durch die Straßen, treffen noch weitere spannende Menschen und versuchen uns auf unseren Wegen durch die Stadt mit dem Bussystem zurecht zu finden. Dann sitzen wir wieder im Berlin-Warszawa-Express. Zuhause schwärmt Fritzis vor allem von unserem Besuch in der Galeria Bzzz! im Centrum Nauki Kopernik.


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Leben in der Opposition, Leseperspektiven und Fettpositives – Die Blogschau

22. März 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 239 von 243 der Serie Die Blogschau

Auf ihrem Blog ein fremdwörterbuch veröffentlicht Kübra jeden Freitag einen Gedanken. In der letzten Woche ging es um “die Lethargie, die mit dem Leben in der Opposition, als kritische Beobachterin der Gesellschaft, als Aktivistin einhergeht”.

Die Jugendorganisation der AfD hat eine “Ich bin kein Feminist, weil…”-”Kampagne” gestartet. Darüber berichtet de:bug (mit etwas drastischer_gewaltvoller Sprache).

Bei queer.de gibt es einen ausführlichen Beitrag zu Fat Up, dem queerfeministisches fettpositives Krawallkollektiv, deren Aktivismus, Ideen, Ansätze und dem entstehenden Zine (zu dem ihr bis zum 31.03. auch noch beitragen könnt!).

y-kritiks berichtet von einem Racial Profiling Vorfall.

Nach der Demo ist vor der Demo“, schreibt Katrin Wagner, eine der Organisator_innen der Frauenkampftags-Demo in Berlin, auf beziehungsweise weiterdenken.

Diese Woche könnte auch eine Appreciation-Woche für Blogposts von Heng sein: Auf dem futblog testete sie das Wiener Kaffee “Fett&Zucker” aus und auf ihrem eigenen Blog tea-riffic schrieb sie zum einen über das Empowerment-Potential der Losung “Riots not Diets!” und zum anderen über aktuelle alltägliche fatshaming Erlebnisse.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Das Aus für viele Hebammen und Tipps für den Karneval – Die Blogschau

15. Februar 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 234 von 243 der Serie Die Blogschau

Seit Donnerstag steht eigentlich fest: Ab nächstem Sommer können Hebammen freiberuflich keine Geburten mehr begleiten. Warum und was das bedeutet, beschreibt Helga auf drop the thought.

Es gibt eine neue Folge des Podcasts heiter scheitern. In dieser geht es um das Leben als queere Pflegefamilie.

Die feministische Buchhandlung ChickLit in Wien hat ihren zweiten Geburtstag gefeiert. Sugarbox spricht mit den Macherinnen über das Eröffnen eines Buchladens, Amazon, schöne Erlebnisse und wie sie die Bücher auswählen, die in den Laden kommen. Und auch von uns: Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Weiter geht es auch mit Büchern: Bei fembooks erschien eine Rezension zur Biographie von Johanna Elberskirchen, einer spannenden lesbischen, feministischen Aktivistin und Schrifstellerin, die von 1864 bis 1943 lebte.

“In der Zeit zwischen Silvester und Aschermittwoch gibt es dank der Faschings- bzw. Karnevalszeit wieder viel Alltagsrassismus zu bewundern. Egal ob das Motto “Arabische Nächte”, “Im afrikanischen Busch”, “Südseeidylle” oder “Der Zauber des Fernen Ostens” lautet – geht es um Verkleidungen, ist Rassismus nicht weit.”, heißt es bei danger bananas, wo es ein Leitfaden zur Kostümierung geliefert wird mit Ideen für all jene, deren eigene Kreativität sonst nur bis zum nächsten rassistischen Stereotyp reicht. (Das ganze garniert mit einer ordentlichen Prise Sarkasmus, nur die Betonung von “Verrücktheit” wäre eigentlich nicht nötig gewesen.)

Auf NaLos_MehrBlick gibt es Gedanken dazu, warum es wichtig ist, dass auch bei Spielzeugen Behinderungen repräsentiert werden.

Mind The Trap veröffentlicht eine Stellungnahme des Bündnisses kritischer Kulturpraktiker_innen zu der Tagung “Mind The Gap” und deren Evaluation.


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CeCe McDonald kommt frei! – Kurz verlinkt

10. Januar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 217 von 232 der Serie Kurz notiert

Da sich über unsere Pause einiges an Links angesammelt hat, gibt es hier für diese Woche zwei Teile unserer Zusammenstellung:

Deutschsprachige Artikel

Im Tagesspiegel gibt es ein wirklich lesenswertes Interview mit der Autorin Zadie Smith über ihre Literatur, weißsein als unbenannter Standard und Klasse.

“Weil er sich das Leben nehmen wollte, saß der Asylbewerber Ettayebi Bouzalmate in der Psychiatrie – bis ihn die Polizei zur Abschiebung abholte.”, schreibt die Süddeutsche.

Englischsprachige Artikel

Worker’s World berichtet, dass Mitte Januar CeCe McDonald aus dem Gefängnis entlassen werden soll! McDonald war verurteilt worden, nachdem sie sich bei einem rassistisch und trans*feindlichen Übergriff zur Wehr gesetzt hatte. Sie wurde in ein Männergefägnis interniert. Laverne Cox ist gerade dabei eine Dokumentation über sie zu drehen.

Wie kannst du einer dir nahe­stehenden Person Unterstützung geben, wenn diese eine Panik­attacke oder einen Flash­back hat bzw. durch etwas getriggert wurde? Sometimesmagical hat ein paar hilfreiche Tipps zusammengetragen.

“Besides Harriet Tubman and Rosa Parks, Black women do not get as much praise when it comes to the history of Black people.” schreibt Kimberly Foster in ihrem Artikel und wünscht sich, dass Aktivistinnen der Schwarzen Bürger_innenrechts- und Black Panther-Bewegungen mehr in den Blick genommen werden.

Auf colorlines.com gibt es einen sehr lesens­werten Artikel über die rassistische und hetero_sexistische Rezeption des Schwarzen weiblichen Körpers als “gefährlich” und “unkontrolliert”.

Eve Ensler, Initiatorin von One Billion Rising, reagierte auf die Kritiken im letzten Jahr und verkündete, dass One Billion Rising nun auch vermehrt Staatsgewalt in den Blick nehmen möchte. Ziemlich halb­herzig und ohne wirkliche politische Konsequenz, findet die Autorin von Prison Culture.

Es gibt Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen… Falsch! Diese Dichotomie nimmt That Crazy Crippled Chick aus­einander und thematisiert den Ableismus dieser Annahme.

Charlott Cooper veröffentlicht bei Obesity Timebomb ein wissenschaftliches Paper zum Umgang von Fat-Aktivist_innen und Medien. Cooper stellt dem voran:

It’s research by and about fat people. This pretty much never happens.

It’s a research paper that’s underpinned by Research Justice values, which are about recognising and drawing on community expertise, and creating research that benefits those communities directly. This pretty much never happens either.

Termine in Hamburg, Köln und Wien


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Keine feministische Ikone. Zum Tod von Doris Lessing.

18. November 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 36 von 37 der Serie Wer war eigentlich …

 Doris Lessing, British writer, at lit.cologne, Cologne literature festival 2006, GermanyGestern verstarb die britische Schrifstellerin Doris Lessing im Alter von 94 Jahren. Vor sechs Jahren hatte sie den Literatur- Nobelpreis gewonnen – als 11. Frau und älteste Person, die diesen Preis jemals zugesprochen bekam. Das Nobel-Kommitee sah in ihr die:

[...] Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat.

Lessing wurde am 22. Oktober 1919 im heutigen Iran geboren. Sechs Jahre später zog ihre Familie nach Süd-Rhodesien (dem heutigen Zimbabwe), wo sie auf einer Maisfarm aufwuchs. Mit 14 Jahren verließ Lessing die Schule und arbeitete in unterschiedlichsten Jobs. Sie begann erste Geschichten an Magazine zu verkaufen, arbeitete an Manuskripten und engagierte sich in der kommunistischen Partei.  Nach zwei geschiedenen Ehen zog Lessing 1949 mit ihrem jüngsten Sohn nach Großbritannien, um weiter an ihrer Schrifstellerinnen-Karriere zu arbeiten. Ihr Debüt-Roman The Grass is Singing erschien 1950, im Jahr 1962 wurde mit The Golden Notebook ein feministischer Klassiker veröffentlicht.  Nach Zimbabwe und Südafrika durfte sie aufgrund ihrer Literatur, die sich anti-kolonial positionierte, und ihre Anti-Apartheid-Rethoriken lange nicht mehr einreisen. Bis zu ihrem Tod hat sie einen beeindruckenden Korpus erschaffen. Sie schrieb Romane, Kurzgeschichten, Opern-Libretti, Kinderbücher, eine Graphic Novel, Gedichte, Memoiren und Essays. Auch vor unterschiedlichsten Genres machte sie nicht halt und so wandte sie sich unter anderem auch science fiction zu.

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Netiquetten, Schreiben können und Schwangerschaftsabbrüche – Die Blogschau

9. November 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 224 von 243 der Serie Die Blogschau

Heute jährt sich zum 75. Mal die (Reichs)Pogromnacht.  In Berlin findet heute um 17 Uhr eine Gedenkkundgebung und antifaschistische Demonstration am Deportationsmahnmal in der Levetzowstraße (Ecke Jagowstraße) in Moabit statt. Bei der Amadeu Antonio Stiftung gibt es “Aktueller Antisemitismus – ein Lagebild” zum Nachlesen. Weitere Veranstaltungen oder Texthinweise könnt ihr gern in den Kommentaren ergänzen.

Viele Blogs, Foren, Mailinglisten etc. geben sich eine Netiquette, also eine Reihe von Regeln der Kommunikation im Netz. Femgeeks fragt, was Netiquetten bringen, ob die Leser_innen eigene Erfahrungen in ihren Projekten haben oder besonders gelungene Netiquetten kennen.

Viruletta nimmt dieses Jahr am Na­No­Wri­Mo (steht in etwa für: Na­tio­na­ler Monat des Ro­man­schrei­bens) teil. Zu Beginn macht sie sich Gedanken zu Literatur, dem Wunsch selbst zu schreiben und was dies alles auch mit klassistischen Strukturen zu tun hat.

Auf rumbaumeln gibt es eine Zusammenfassung dazu, was eigentlich Femininität ist und wie diese gesellschaftlich gewichtet wird. Inklusive einer ganzen Reihe von Links zu Seiten und Texten zum Weiterlesen.

Das Missy Magazine feiert den 5. Geburtstag. Im Dossier zum Fest schreibt z.B. Sharon Dodua Otoo über die Blackface-Debatte, #aufschrei, #SchauHin und vieles mehr.

Denkwerkstatt berichtet über “Neue Debatten um den Schwangerschaftsabbruch” und zeichnet in diesem Rahmen die Geschichte und Diskussionen rund um Schwangerschaftsabbrüche in Österreich nach.

Mit der Trennung von Kirche und Staat ist es in Deutschland nicht immer so weit. Dazu ist die Kirche eine große Arbeitgeberin. Was daran alles problematisch ist (Sexismus, sexualisierte Gewalt, Arbeitnehmer_innen-Rechte etc.) führt Rosa Reloaded auf.

Journalist_innen greifen gern auf wissenschaftliche Studien zurück, um mit deren Ergebnisse Schlagzeilen zu generieren. Auf Das Ende des Sex nimmt Heinz-Jürgen Voß einen Text der ZEIT auseinander, der sich mal wieder auf Erkenntnisse (oder auch Nicht-Erkenntnisse) der Epigenetik bezieht.

Bei Afrika Wissen Schaft habe ich diese Woche noch eine ganze Reihe von Texten zusammengetragen, zb. über die südafrikanische Künstlerin Zanele Muholi, die lesbische Frauen im Post-Apartheids-Südafrika portraitiert.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Nervige Gleichberechtigung, gläserne Decken, geschlechtsneutrale Menstruationskalender – kurz notiert

3. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 206 von 232 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine “Studie: Jeden vierten Mann nervt Gleichberechtigung“. Eine repräsentative Umfrage bei mir hingegen hat ergeben: Mich nervt jeder vierte Mann (konservative Schätzung).

Außerdem vermeldet die Süddeutsche: “Uni Potsdam führt weibliche Sammelbegriffe ein“. Die Begründung für diese Neuerung ist allerdings ziemlich mies.

Bei arte Yourope gab es kürzlich einen (leider nicht ohne sexistische Re_produktionen auskommenden) Beitrag über Sexismus im Alltag. Welche_r heute morgen um 1:45 die Wiederholung nicht anschauen konnte, aber trotzdem interessiert ist: Der Beitrag befindet sich derzeit noch in der arte-Mediathek.

“Ein lesbischer, poetischer, erotischer Roman voller Intrigen und intimer Details” – das neue Buch “Küss mich, Libussa” von Sophie Strohmeier. Auf youtube gibt es den Buchtrailer.

Ein Forschungsteam aus der Schweiz untersucht die Geschlechterungleichheiten in Ausbildungs- und Berufsverläufen.  Ein Befund:  “Krankenpfleger und Kapitäninnen sind weiterhin eine Rarität”. Ein Interview dazu mit Andrea Maihofer, Forscherin und Leiterin des Zentrum Gender Studies, und Sandra Hupka-Brunner, Forscherin am Institut für Soziologie in Basel, gibt es hier.

“Wir wissen alle, dass Gletscher schneller schmelzen als Frauen in Führungspositionen kommen” – auch im Journalismus. Bei dieStandard erklären Expert_innen wie Vina Yun, u.a. Redakteurin der an.schläge, was sich ändern muss.

Die Stadt Nürnberg hat letzten Sonntag den 10. Internationalen Menschenrechtspreis an Kasha Jacqueline Nabagesera verliehen. Sie setzt sich “für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen in Uganda” ein.

Im Tagesspiegel erzählt ein 15jähriger Berliner, wie Alltagsrassismus seit jeher sein Leben begleitet: “Afrodeutsche stehen in Berlin immer unter Verdacht”.

Im vergangenen Winter haben wir in mehreren Beiträgen über die Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren” berichtet. Nun ist das gleichnamige Buch erschienen. Es beleuchtet die Zusammenhänge zwischen aktuellen ökonomischen Entwicklungen und privaten Lebensbedingungen aus feministischer Perspektive. Übrigens: Auf der Infoseite zum Buch gibt’s auch ein Video.

Beiträge auf Englisch

Gegen Genitalverstümmelungen an Kindern: Die Gründer_innen von zwischengeschlecht.org rufen anlässlich eines anstehenden internationalen Ärzt_innenkonkress in Berlin zu Aktionen auf.

Hier kann man eine Petition an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterzeichnen, die den weltweiten Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen fordert. Initiatorin ist die Kampagne My Body is Mine.

In einem Interview wurde die Musikerin Janelle Monaé nach ihrer “sexuellen Orientierung” befragt. Was sie antwortete, ist in diesem Video zu sehen, welches sich bei Colorlines findet.

Was sich aus der bisher umfangreichsten UN-Studie über Vergewaltigung lernen lässt, fasst Tara Culp-Ressler auf Thinkprogress zusammen. Der Punkt der faktischen Straflosigkeit gilt übrigens genauso wie die anderen auch für “hier”.

Über Fluch und Segen staatlicher Förderung berichten kanadische Aktivistinnen, die eine Datenbank zur Dokumentation von Morden an indigenen Frauen ins Leben gerufen haben.

Discipline and Anarchy fragt: Brauchen soziale Bewegungen ein mainstreamgerechtes Image? Und liefert eine überzeugende Antwort gleich mit.

Für alle die Android-Devices nutzen, gibt es nun eine geschlechtsneutrale Menstruationskalender-App. Die Entwicklung einer IOS-Version (für iPhones) soll demnächst per Crowdfunding angegangen werden.

Im Sommer wurde in Tiflis die erste georgischsprachige Produktion von Eve Enslers “The Vagina Monologues” aufgeführt. Im New Statesman berichten Beteiligte von den lokalen Kontroversen um das Theaterstück.

Das bitch magazine hat JD Samson interviewt, ehemaliges Mitglied von Le Tigre und nun bei der Band MEN.

Warum sie das Wort “Ally” (Verbündete_r) künftig nicht mehr verwenden wird, erklärt Mia McKenzie von Black Girl Dangerous:  “Taten zählen. Etiketten zählen nicht.”

Kelly Rose Pflug-Back beschreibt bei The Feminist Wire, warum sexuelle Befriedigung kein zuverlässiger Gradmesser für “sexuelle Befreiung” ist [Content note: grafische Selbstverletzungsfantasien].

Muslimah Media Watch fragt: Wie sieht eigentlich eine Terroristin aus?

Weitgehend unbeachtet von globalwestlichen feministischen Bewegungen erlangen in afrikanischen Ländern immer mehr Frauen einflussreiche Positionen, schreibt Minna Salami im Guardian.

Ebenfalls im Guardian: Lauren Mayberry, Sängerin der Band CHVRCHES, über ihren Umgang mit Online-Misogynie.

Der Modedesigner Rick Owens erhielt für die Präsentation seiner kommenden Frühjahrkollektion  ziemlich viel Jubel aus progressiven Kreisen. Tamara Winfrey Harris fragt bei Racialicious: Zu recht?

Termine in Basel, Berlin, Dortmund, Frankfurt/Main, Hüll, Karlsruhe, Wien: (mehr …)


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FEMBooks – Internetbuchhandlung für feministische und emanzipatorische Literatur

16. September 2013 von der Mädchenmannschaft

Die Mädchenmannschaft freut sich sehr, euch FEMBooks vorzustellen. FEMBooks richtet sich an alle, die an Gender und Queer Themen interessiert sind und/oder vor allem von Frauen verfasste Bücher suchen. Bildschirmfoto 2013-09-15 um 11.25.01Damit wird das Publikum der zahlreichen in den 70er und 80er Jahren entstandenen „Frauenbuchläden“ mit einem neuen digitalen Angebot abgedeckt. FEMBooks wurde gegründet von Doreen Heide, die selbst schon seit vielen Jahren feministisch-politisch aktiv ist – u.a. bei Attac (feminist Attac + Gender AG). Weitere Frauen und Lesben steigen nach und nach mit ein. FEMBooks gibt es auch auf facebook.

Wer hat sich nicht schon mal darüber geärgert, beim Suchen eines Buches zu „Feminismus“ im Internet auch lauter antifeministische Pamphlete angezeigt zu bekommen? Wer hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass in normalen – und selbst manchen linken -Buchhandlungen von Frauen geschriebene, lesbische oder queere Bücher nur mühsam aufzufinden sind oder gar gänzlich fehlen? Wer stört sich nicht auch daran, dass Kinderbücher in der Regel extrem geschlechtsrollenkonservativ sind?

Mit FEMBooks gibt es seit März 2013 eine auf feministische und emanzipatorische Literatur spezialisierte Internetbuchhandlung. Vorzugsweise werden feministische und/oder von Frauen geschriebene Bücher angeboten und damit weiblichen sowie lesbischen und queeren Perspektiven auf privates und öffentliches Leben Priorität eingeräumt. Hier findet sich z.B. eine breite Auswahl an Biografien und Autobiografien von Frauen, Bücher zur Frauen- und Lesbenbewegung, Liebe und Sexualität - heterosexueller wie lesbischer - oder und von Frauen verfasste Reisebücher. Eine eigene Kategorie zu Queer Politik listet alle queer-politischen und lesbischen Sachbücher gesondert auf.

Zudem finden sich bei FEMBooks mittlerweile an die 200 Fachbücher aus dem Bereich der Gender und Queer Studies. Ab Juni 2013 kam noch die Belletristik hinzu. Bei den Romanen, Erzählungen und Krimis wurden auch hier Unterkategorien zu lesbischen Romanen, lesbischen Erzählungen und Lesbenkrimis eingerichtet, damit diese leichter heraus gefiltert werden können.

Bei den Kinderbüchern werden neben vielen Büchern mit starken und klugen Mädchenfiguren (Hexen, Piratinnen etc.) , die es zum Glück mittlerweile gibt, auch solche zu Einelternfamilien, Regenbogen- und Patchworkfamilien sowie zu einem äußerst reflektiertem Umgang mit kindlichen Geschlechtsidentitäten gesondert aufgelistet. Die Neuerscheinungen vor allem zu letzterem sind besonders rar, was in auffallendem Kontrast zu einer stetig wachsenden Queer Szene steht.


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