Einträge mit dem Tag ‘Literatur’


Ein Buch nach dem Anderen: Literatur aus Sri Lanka sowie Bücherclubs, das FBI und gebannte Werke

7. Oktober 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 86 von 86 der Serie Die Feministische Bibliothek

Gelesen auf Papier

Vor einiger Zeit habe ich mir angewöhnt, wenn ich reise auch gleich die “passende” Literatur mitzunehmen, nämlich jene von Autor_innen aus dem betreffenden Land/Region/Stadt oder die über diese schreiben. Dementsprechend regionaleinseitig gestaltet sich auch mein Lesestappel vom September: Im Mittelpunkt stehen englischschreibende Autor_innen aus Sri Lanka.

In Writing Sri Lanka: Literature, Resitance and the Politics of Place (2007, Routledge) analysiert Minoli Salgado das Schaffen von acht Autor_innen, die alle auf Englisch publizieren. Als roter Faden ziehen sich durch die Kapitel Fragen rund um Grenzziehungen. Wer wird als zugehörig konzeptionalisiert? Wer ausgeschlossen? Wie werden Grenzen zwischen “in Sri Lanka lebend” und “Diaspora” gezogen? Welchen Einfluss hat dies auf die Rezeption? Aber auch: Welche Grenzen werden in den Werken überschritten, aufgeweicht oder doch neu gezogen? Das Buch gibt einen spannenden Einblick in die betrachteten Literaturen (vor allem auch der zweier AutorINNEN: Jean Arasanayagam und Punyakante Wijenaike)  und das Umfeld, in welchem sie publiziert und rezepiert werden. Es ist aber eine wissenschaftliche Studie, die ohne Voriwssen zu literaturwissenschaftlichen Theorien (und insbesondere postkolonialen Theoretiker_innen) schwer zu lesen ist.

Glücklichweise veröffentlicht Salgado just in diesem Monat (morgen ist die Vorstellung in London) ihren eigenen Debut-Roman A Little Dust On The Eyes, in dem sie viele der Themen, die sie in Writing Sri Lanka herausgearbeitet hat, selbst literarisch aufgreift.

Da ich selbst erst kurz vor Abreise mich erinnerte, dass ich noch Romane besorgen muss_wollte, war meine Leseliste dann abgesehen von Salgado eine männlichdominierte – denn leider ist es ja bei den meisten Literaturen schneller möglich Autoren und deren Werke ausfindig zu machen, als die von Autorinnen. Ich las Reef (2011 (erstveröffentlicht 1994), Penguin Books) und Noontide Toll: Stories (2014, Penguin Books) von Romesh Gunesekera. Ersteres gibt es auch als “Riff” in deutscher Übersetzung. Außerdem las ich Running in the Family (1993 (erstveröffentlicht 1982), Vintage) von Michael Ondaatje, besser bekannt als der Autor von “Ein englischer Patient”. Auch sein Buch wurde übersetzt (“Es liegt in der Familie”), ist zwar literarisch nicht uninteressant, da es zwischen überwiegend prosaischen und poetischen Teilen wechselt, teilweise aber fehlen die tieferen Analysen der ihn umgebenden Gesellschaft. Nicht zu Unrecht wurde dem Buch Exotismus vorgeworfen. Spannend zu lesen ist es aber in Kombination mit dem entsprechenden Kapitel in Salgados Werk, in dem sie die Feinheiten des Texts auseinandernimmt. Zuletzt wandte ich mich Funny Boy: A Novel in Six Stories (1994, Vintage) von Shyam Selvadurai zu. Selvadurai schreibt eine fesselnde Familiengeschichte, in der es um so große Themen wie Identitäten und Zugehörigkeiten, Konstruktion von ethnischen Unterschieden, politische und_oder bewaffnette Konflikte und dem Coming-of-Age eines schwulen Jungen im Colombo der 1980iger geht. Leider bisher nicht ins Deutsche übersetzt.

 

Mitbringsel von der Buddhist Publication Society

Mitbringsel von der Buddhist Publication Society

Gelesen im Internet

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Unsägliche Wahrheiten

17. September 2014 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 85 von 86 der Serie Die Feministische Bibliothek

Heng ist freie Autorin, bloggt auf Tea-Riffic und twittert unter @sassyheng. Und wird künftig öfter für uns schreiben! Juchhu! Zuletzt erschien hier ein Crosspost ihres Beitrags zu #schauhin.

Weg von den Alphamädchen, hin zu den Unsichtbargemachten: Die britische Journalistin und Autorin Laurie Penny distanziert sich in ihrem neuen Buch „Unspeakable Things“ von ausgelutschten Feminismus-Diskursen, die vornehmlich weiße, heterosexuelle Cis-Frauen aus der Mittelschicht betreffen.

„This is a feminist book. It is not a cheery instruction manual for how to negotiate modern patriarchy, with a sassy wink and a thumbs-up. It is not a charming, comforting book about sex and shopping and shoes. I am unable to write any such thing. I cannot force a smile for you. As a handbook for happiness in a fucked-up world, this book cannot be trusted.“

(Freie Übersetzung: „Dies ist ein feministisches Buch. Es ist keine aufmunternde Anleitung zur Verhandlung des modernen Patriarchats, mit einem frechen Zwinkern und erhobenem Daumen. Es ist kein entzückendes, beruhigendes Buch über Sex und Shopping und Schuhe. Ich bin nicht in der Lage ein solches Buch zu schreiben. Ich kann für euch kein Lächeln erzwingen. Als ein Leitfaden für Glück in einer abgefuckten Welt kann sich dieses Buch nicht bewähren.“)

Bereits in der Einleitung macht Penny klar, dass sie sich vom neoliberalen Feminismus distanziert, zumal er von Klassismus betroffene Frauen*, Schwarze Frauen* und Women* of Color, Sexarbeiterinnen* und alleinerziehende Mütter* nicht nur ausschließt, sondern auch weiterhin unterdrückt.

Ihr Buch ist keine Anleitung für weiße Karrierefrauen, die Ehe, Job und Kinder unter einen Hut bekommen und für ihre Leistungen als Gute Frau(tm) belohnt werden wollen. Von vermeintlich feministischen Positionen gegen Pornographie und Sexarbeit distanziert sie sich auch. Vielmehr geht es um Wut. Wut auf die verbreitete Lüge, die besagt, dass Frauen* mittlerweile alles im Leben haben können. Gemeint sind damit natürlich nur jene privilegierte Frauen. All diejenigen, die nicht in das Bild passen, werden zum Schweigen gebracht, sollen ihre Wut schlucken und an ihr ersticken. (mehr …)


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Wer war … Zitkala-Ša?

11. September 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 39 von 40 der Serie Wer war eigentlich …
Zitkala-Ša. (Foto 1898 aufgenommen von Gertrude Käsebier)

Zitkala-Ša. (Foto 1898 aufgenommen von Gertrude Käsebier)

Am 22. Februar 1876 wurde die Schriftstellerin, Aktivistin, Lehrerin und Musikerin Zitkala-Ša geboren. Wie viele Native American Kinder wurde sie in einem Internat beschult, welches Teil des kolonialistischen System der USA war. Sie musste ausschließlich Englisch sprechen, ihre Haare wurden abgeschnitten und zum Christentum sollte sie umerzogen werden. Zitkala-Ša wehrte sich schon früh – vor allem schreibend – gegen dieses System. Ihr Leben lang kämpfte sie ob in politischen Organisationen oder durch ihre schrifstellerische Tätigkeiten für die Selbstbestimmungsrechte von Native Americans. Sie verstarb am 26. Januar 1938.

Ihrem poltischen, künstlerischen, aktivistischen Schaffen in einem Blogpost gerecht zu werden, ist eigentlich unmöglich. Hier sollen nur einige ihrer Auseinandersetzungen und Errungenschaften angedeutet werden:

  • Während ihrer Zeit am Earlham College veröffentlichte sie eine Reihe von Essays in der Schulzeitung. Eines dieser Essays, in welchem sie die Zwangs-Christianisierung von Native American Schüler_innen an den Internaten anprangerte, gewann den Indiana State Oratorical Contest. (Als sie den Preis entgegennahm wurde sie mit rassistischen Bannern anderer Schüler_innen konfrontiert.)
  • Eine zeitlang arbeitete Zitkala-Ša selbst als Lehrerin. Gleichzeitig veröffentlichte sie aber Texte, die das Schulsystem vehement kritisierten. Aufgrund dieser Aktivitäten verließ sie dann auch den Schuldienst. Ihre eigenen Erlebnisse als Schülerin verarbeitete sie auch in späteren Geschichten.
  • Gemeinsam mit William Hanson schrieb sie The Sun Dance, ein Oper basierend auf Nakota Liedern. Die Oper wurde 1913 uraufgeführt und ist bis heute wohl die einzige (bekannter aufgeführte) Oper, die von Native Americans geschrieben wurde.
  • Sie war eine treibende Kraft für die Veränderungen der Staatsbürger_innenschafts-Rechte von Native Americans. Sie setzte sich dafür ein, dass Native Americans die US-amerikanische Staatsbürger_innenschaft erhalten konnten, ohne dass sie sich zu erst von ihren eigenen Nationen lossagen mussten. (Ein wichtiger Punkt, z.B. auch hinsichtlich von (rechtlichen) Landansprüchen.)
  • Im Jahr 1926 gründete Zitkala-Ša den National Council of American Indians und war bis zu ihrem Tod die Präsidentin.
  • Und dann ist natürlich auch nicht ihre schrifststellerische Tätigkeit zu vergessen, welche überhaupt Geschichten von und über Native Americans (hier in erster Linie Sioux) auf’s Papier brachte – und das nicht als Nebencharaktere in den (rassistischen) “Abenteuer”romanen weißer Menschen. In Geschichten wie beispielsweise “A Warrior’s Daughter”, wo die Protagonistin ihren Liebhaber retten muss, da er gefangen genommen wurde, schrieb sie vor allem auch Heldinnen in die Literatur ein.

Zum Weiterlesen auf Englisch:

Zitkala-sa” auf Native American Writers.

Zitkala-Ša: Nom de Defiance” beim Ms. Magazine.

 


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Fatkini, Software gegen Cyber-Mobbing und “schlechte Feministinnen” – Kurz Verlinkt (Teil 1)

3. September 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 245 von 253 der Serie Kurz notiert

In der Sommerpause hat sich natürliches einiges in unserer Linksammlung angehäuft. Darum wird morgen eine zweiter Teil folgen, bei dem es dann auch wie gewohnt die Veranstaltungshinweise gibt.

Deutschsprachige Links

Die Schwedische Akademie verkündete, dass das geschlechtsoffene Pronomen “hen” in ihr Nachschlagewerk (vergleichbar mit dem Duden in Deutschland) aufgenommen wird.

Magda hat beim DRadioWissen ein Interview zum Fatkini und zur Sichtbarkeit dicker Frauen in der Öffentlichkeit gegeben (im Beitrag runterscrollen).

Die Fotografin (unter anderem des Foto-Bands “Daima”) und ISD-Aktivistin Nzitu Mawakha ist verstorben. Die ISD hat einen Nachruf veröffentlicht.

Die Münchener Medientage finden Ende Oktober statt, das Programm steht und eines wird ersichtlich: Frauen finden dort eigentlich kaum Gehör. Der Journalistinnenbund hat gemeinsam mit anderen Initiativen einen offenen Brief verfasst.

Der aktuelle Frauenkalender 2015 “Wegbereiterinnen XIII“, herausgegeben von Gisela Notz, kann jetzt bestellt werden.

Der neue Roman von Claudia Koppert “Sisterhood – eine Sehnsucht” ist erschienen: “Um 1980. Privat und öffentlich gehen Frauen auf die Barrikaden, alles Mögliche treibt sie, eine Zuversicht trägt sie: »Sisterhood is powerful!« Viele Jahre später. Martha ist in Auseinandersetzungen mit ihrer fünfzehnjährigen Tochter Rosa verstrickt. Das Frauenaktionszentrum gibt es schon lange nicht mehr, und aus ihrer letzten Wohngemeinschaft ist sie vor Jahren ausgezogen. Aber dann begegnen ihr unerwartet frühere Mitstreiterinnen, und alles ist wieder da: die Hochgefühle, die Konflikte, die Grundsatzfragen.

Die Wanderausstellung “Martin Luther King, Jr. @ Berlin 1964-2014″ kann noch bis zum 12. September im Foyer des John-Lennon-Gymnasiums in Berlin besichtigt werden (Facebook-Link). Mehr zum “King Code,” einem multimedialen Schul- und Jugendprojekt, und weitere Termine und Stationen der Wanderausstellung finden sich ausserdem auf der Projekt-Homepage.

Englischsprachige Links

Roxane Gay hat in diesem Jahr den Roman “An Untamed State” und die Essay-Sammlung “Bad Feminist” veröffentlicht. Der Guardian stellt die Schrifststellerin und ihre Vorstellungen vom “schlechten” Feminist_innensein vor. (Inhaltshinweis: sexualisierte Gewalt)

Auf ihrem Blog hat Roxane Gay zu dem zu Michael Brown, einem 18-Jährigen, der von einem weißen Polizisten erschossen wurde, geschrieben: “I don’t care if Mike Brown was going to college soon. This should not matter. We should not have to prove Mike Brown was worthy of living. [...] His community should not have to silence their anger so they won’t be accused of rioting, so they won’t become targets too. ”

Olivia Cole beschrieb zehn Varianten rassistischer Trolle, die einer_einem begegnen, wenn man über Michael Brown redet.

Über 100 berühmte Frauen mussten diese Woche erleben, dass private Nacktfotos gestohlen und online veröffentlicht wurden. Wie sich rape culture hier widerspiegelt und warum niemand sich diese Fotos anschauen sollte, erklärt Clementine Ford bei Daily Life.

Männer, die plötzlich Feminismus ™ entdecken, weil sie Töchter haben. Und dann drüber schreiben und Meme-T-Shirts tragen. Kat Stoeffel analysiert auf Slate all die problematischen Implikationen.

In Kanada haben verschiedene Organisationen und weitere Aktivist_innen eine Datenbank eingerichtet: “The database will document Indigenous women, Two-Spirit and Trans people who have gone missing, or died as a result of violence.” Ziel ist es, die Leben der Betroffenen zu ehren, Familien eine Möglichkeit die Tode zu dokumentieren und auch: “asserting community control of our own record-keeping.”

Trisha Prabhu, 13 Jahre alt, hat eine Software entwickelt, die hilft “Cyber-Mobbing” zu verhindern. (Mehr auch bei A Mighty Girl auf FB.)

Und manchmal braucht es doch einfach nur was zum Lachen: Confused Cats Against Feminism.


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Ein Buch nach dem Anderen: Trauerspiele zum Deutschen Buchpreis und Poesie

1. September 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 83 von 86 der Serie Die Feministische Bibliothek

Ich könnte den ganzen Tag über Bücher, Autor_innen und Bibliotheken reden, aber leider ist das ja nicht immer möglich. Zu mindestens einmal im Monat werde ich jetzt hier mit euch teilen, welche Bücher ich aktuell gelesen habe (und ob ich sie euch weiterempfehlen würde), welche spannenden Texte im Netz rund um Literatur erschienen und auf welche Neuerscheinungen sich gefreut werden könnte.

Gelesen auf Papier

“Nach der Revolution kommt die Abrechnung. [...] Was genau wurde erreicht, was hat sich verändert?” Dieser Frage – mit einem weiten Blick in die Kunstszene(n) – widmet sich der Band The Reckoning: Women Artists of the New Millenium von Eleanor Heartney, Helaine Posner, Nancy Princenthal, Sue Scott. Die vorgestellten Künstlerinnen hinterfragen weiblich-konnotierte Passivität, setzen sich mit Sexualität,  dem häuslichen Alltag und weiteren aktuellen politischen Fragen auseinander. Die Autorinnen schaffen es auch für Einsteiger_innen fesselnd die unterschiedlichen Strömungen und Herangehensweisen aufzuzeigen und zu illustrieren. (Das  Buch werde ich demnächst hier noch ausführlicher besprechen.)

Vor ein paar Jahren habe ich wieder angefangen vermehrt Poesie zu lesen – und siehe da, es gibt vieles, was mich so viel mehr anspricht als jene Verse,  durch die wir im Schulunterricht gequält wurden. Den Tod von Maya Angelou habe ich zum Anlass genommen, wieder einmal Veröffentlichungen von ihr in die Hand zu nehmen.  And Still I Rise (Virago, erstmals 1986 publiziert) beinhaltet die Bände And Still  I Rise (1976) und Shaker, Why Don’t You Sing (1983). Mit Phenomenal Woman, Life Doesn’t Frighten Me und dem titelgebenden Gedicht eigentlich die perfekte Lektüre für jeden Tag wieder und wieder. Außerdem gelesen und weiter empfehlenswert: Mural von Mahmoud Darwish mit einem Vorwort von Rema Hammami und Illustrationen von John Berger (Verso) und sowie Proxy von R. Erica Doyle (Belladonna).

Wie entscheidet sich eigentlich ob eine Kurzgeschichte von Alice Munro im New Yorker gedruckt wird? Und wie werden die Vorschüsse für Autor_innen in Verlagen berechnet? Das und mehr erzählt Daniel Menaker sehr unterhaltsam in seiner Autobiographie My Mistake (Houghton Mifflin Harcourt). Als ehemalige Faktenchecker und (Literatur-)Redakteuer des New Yorkers und leitender Angestellter verschiedener Verlage bietet er einen guten Einblick in den (us-amerikanischen) Literaturbetrieb der letzten Jahrzehnte und wirft zu mindestens auch hin und wieder einen (sicher sehr ausbaufähigen) kritischen Blick auf die weiß-männliche Dominanz.

Land is the only thing that lasts life to life. Money burns like tinder, flows off like water. And as for government promises, the wind is steadier. (Tracks, S. 33)

Land ist das einzige, was von Leben zu Leben bleibt. Geld verbrennt wie Zundholz, fließt weg wie Wasser. Und zu Regierungsversprechen – der Wind ist beständiger.

Louise Erdrich (die ich hier schon einmal ausführlicher vorstellte) schreibt in ihrem dritten Roman Tracks (Harper Perennial) von 1988 auch zum dritten Mal über die gleiche Gegend in North Dakota: die kleine Stadt Argus und das in der Nähe liegende Reservat. Zwischen 1912 und 1924 verstrickt sie tragische Familiengeschichten, magischen Realismus und den Konflikt um Land zu einer fesselnden Erzählung. Im August gewann Erdrich den Dayton Literary Peace Prize.

The Long Room (In der Bibliothek des Trinity Colleges, Dublin). Funfact: Der Raum war vielleicht oder auch nicht die Vorlage für das Jedi-Archiv in Star Wars Episode II: Attack of the Clones.

The Long Room (in der Bibliothek des Trinity Colleges, Dublin). Funfact: Der Raum war vielleicht oder auch nicht die Vorlage für das Jedi-Archiv in Star Wars Episode II: Attack of the Clones.

Gelesen im Netz

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Durch das Schreiben verstehen – R.I.P. Nadine Gordimer

14. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 38 von 40 der Serie Wer war eigentlich …
Nadine Gordimer bei der Göteborg Book Fair 2010 (Bild:  Bengt Oberger)

Nadine Gordimer bei der Göteborg Book Fair 2010 (Bild: Bengt Oberger)

The truth isn’t always beauty, but the hunger for it is.

Die südafrikanische Schriftstellerin und Aktivistin Nadine Gordimer ist am Sonntagabend im Alter von 90 Jahren gestorben – wie heute berichtet wird. Gordimer hat in ihrem Leben nicht nur 15 Romane veröffentlicht, sondern schrieb außerdem viele Kurzgeschichtenbände, Essays und ein Theaterstück. Sie gab auch Werke anderer Autor_innen heraus. Im Jahr 1991 wurde ihre literarische Arbeit, in der sie immer wieder das rassistische System der Apartheid verhandelte (wozu es natürlich auch kritische Auseinandersetzungen mit ihrem Werk gibt), mit einem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Sie war die siebente Frau, die diesen Preis überhaupt zugesprochen bekam.

Gordimer aber zeichnete sich nicht nur durch ihre hoch politischen Bücher – wovon einige während der Apartheid verboten wurden – aus, sondern auch durch ihr weiteres Engagement. Nach dem Sharpeville-Massaker trat sie dem ANC bei, verstecke ANC-Mitglieder bei sich zu Hause, sagte in Gerichtsverfahren für Aktivist_innen aus und zeigte sich auf Anti-Apartheidsdemonstrationen. Mit Nelson Mandela verband sie eine lange Freundschaft.

In einem Interview sagte sie mal: “Writing is making sense of life. You work your whole life and perhaps you’ve made sense of one small area.” (Schreiben beudetet, das Leben zu verstehen. Du arbeitest dein ganzes Leben und vielleicht hast du dann einen kleinen Teil verstanden.) Ihr letzter Roman (No Time Like the Present) erschien erst vor zwei Jahren. Er betrachtet das Leben von Anti-Apartheids-Kampf-Veteranen im heutigen Südafrika. Die Sinnsuche war sicher noch nicht abgeschlossen.


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Louise Erdrich – Einer Schriftstellerin zum 60. Geburtstag

13. Juni 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 81 von 86 der Serie Die Feministische Bibliothek

The only time I see the truth is when I cross my eyes. (The Last Report on the Miracles at Little No Horse)

Am letzte Wochenende konnte die Schrifstellerin Louise Erdrich ihren 60. Geburtstag feiern – ein guter Anlass um sie auch hier als Teil unserer “Feministischen Bibliothek” vorzustellen. Erdrich wurde am 07. Juni 1954 in Little Falls, Minnesota, geboren und wuchs in North Dakota auf, wo beide ihrer Eltern als LehrerInnen arbeiteten. Sie ist eingetragenes Mitglied der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians. Als sie 1972 am Dartmouth College Englisch anfing zu studieren, gehörte sie zu den ersten zugelassenen Studentinnen. Im gleichen Jahr wurde außerdem am College ein Native American Studies Programm neueingerichtet, in dem sie Kurse besuchte. Im Jahr 1979 schloss sie dann einen Master im kreativen Schreiben an der Johns Hopkins Universität ab.

Zu schreiben hatte sie aber schon viel früher begonnen. Bereits als Kind verfasste sie Geschichten und wurde gerade durch ihren Vater dazu angehalten: Für jede Geschichte ‘zahlte’ er ihr einen Nickel. Seit 1984 hat sie neben Gedichtbänden, Kurzgeschichten und Non Fiction ganze 14 Romane veröffentlicht. In einem (sehr lesenswerten) Interview mit The Paris Review sagte Erdrich im Jahr 2010:

It didn’t occur to me that my books would be widely read at all, and that enabled me to write anything I wanted to. And even once I realized that they were being read, I still wrote as if I were writing in secret. That’s how one has to write anyway—in secret.

(Meine Übersetzung: Ich kam gar nicht darauf, dass meine Bücher von vielen gelesen würden, und das hat es mir ermöglicht alles zu schreiben, was ich wollte. Und als ich dann realisierte, dass sie gelesen werden, habe ich einfach weitergeschrieben, als würde ich im Geheimen schreiben. So sollte man überhaupt schreiben – im Geheimen.)

In ihren Büchern schafft es Erdrich Geschichten zu erzählen, die politisch und poetisch sind. Es gibt Figuren, die immer wieder in den Romanen auftauchen – mal im Zentrum stehend, mal als Nebenfiguren, mal nur ganz aus der Ferme – und so fühlt sich das Aufschlagen eines Buchs von ihr oft so als, als kehre man als Leser_in zurück. Besonders eindrücklich auch ist Erdrichs Erzählweise, die eine Reihe von Perspektiven eröffnet und wo sich häufig erst aus dem Kollektiv der Erzählstimmen nach und nach ein Bild zusammensetzt. So erhalten bei ihr gerade auch Figuren Stimmen, über die sonst aus kolonialisierter Perspektive gesprochen und geschrieben wird. Dabei schafft sie komplexe Charaktere, die vielgestaltig sind und Stereotype aufbrechen. Gerade ihre vielen Frauenfiguren vergisst eine nicht so schnell.

Und auch wenn sie diese Romane immer noch wie “im Geheimen” schreibt, so sind sie doch im englischsprachigen Raum mittlerweile kein Geheimnis mehr. Im November 2012 gewann sie für ihren Roman The Round House, in dem es zentral um sexualiserte Gewalt gegen Native American Frauen geht, den National Book Award for Fiction. Nicht nur haben diesen bisher kaum Autorinnen erhalten, auch war sie die erste Native American Autorin, die den Preis zugesprochen bekam.

Louise Erdrich richtet sich nicht nur an erwachsene Leser_innen, sondern verfasste bis heute auch sechs Kinderbücher, in denen sie ebenfalls Native American Figuren in den Mittelpunkt zu stellen und deren Geschichten zu erzählen. In Minneapolis besitzt Erdrich darüber hinaus einen Buchladen, der spezialisiert ist auf Native American Bücher sowie Kunst und Schmuck.

What happens when you let an unsatisfactory present go on long enough? It becomes your entire history. (The Plague of Doves)

Einstiegstipp: Ich empfehle hier bei den Romanen einfach chronologisch vorzugehen und mit The Love Medicine zu beginnen.


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Kein Applaus für’s Abnehmen, keine Missachtung von Identitäten – die Blogschau

7. Juni 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 248 von 260 der Serie Die Blogschau

Anne-Luise erklärt im BH Lounge Blog, warum sie bitte keinen Applaus für’s Abnehmen möchte.

Beim FemFest in Würzburg hat Magda kürzlich einen Workshop zum Thema “(Mein) Fett ist politisch” gehalten. Pauline war dabei und berichtet.

Auf Herbstblätter schreibt Mika Herbst über das Verhältnis von queer, trans* und cis – und wie präsent normative Zuschreibungen vom vermeintlich “biologischen Geschlecht” sind.

Bei Die Töchter Regalias wird eine Auswahl von im Frühling 2014 neu erschienen Kinder- und Jugendbüchern vorgestellt.

Pussybear – Comics über das Leben eines fetten, queer-feministischen butch trans* poly Nerds – hat nun einige Comics auch auf deutsch übersetzt.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Zum Tod von Maya Angelou

29. Mai 2014 von Charlott

Gestern verstarb Maya Angelou im Alter von 86 Jahren. Ihr Wirken in einer Aufzählung der üblichen Bezeichnungen einzufangen, kann eigentlich nur scheitern. Sie war unter anderem Poetin, Autorin, Aktivistin, Schauspielerin, Sängerin und Pädagogin. Sie hinterlässt ein weites künstlerisches Werk, neben ihrer Poesie am bekanntesten ihre Reihe an autobiographischen Büchern, insbesondere das 1969 erschienene “I Know Why the Caged Bird Sings”.

Zum Weiterlesen/Angucken:

 

Caged Bird von Maya Angelou

The free bird leaps
on the back of the wind
and floats downstream
till the current ends
and dips his wings
in the orange sun rays
and dares to claim the sky.

But a bird that stalks
down his narrow cage
can seldom see through
his bars of rage
his wings are clipped and
his feet are tied
so he opens his throat to sing.

The caged bird sings
with fearful trill
of the things unknown
but longed for still
and his tune is heard
on the distant hill
for the caged bird
sings of freedom

The free bird thinks of another breeze
and the trade winds soft through the sighing trees
and the fat worms waiting on a dawn-bright lawn
and he names the sky his own.

But a caged bird stands on the grave of dreams
his shadow shouts on a nightmare scream
his wings are clipped and his feet are tied
so he opens his throat to sing

The caged bird sings
with a fearful trill
of things unknown
but longed for still
and his tune is heard
on the distant hill
for the caged bird
sings of freedom.

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Try to be a rainbow in someone’s cloud.


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“Americanah”: Chimamanda Adichie in Berlin

19. Mai 2014 von der Mädchenmannschaft

Am vergangenen Freitag stellte die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie ihren aktuellen Roman, “Americanah”, der nun ins Deutsche übersetzt wurde, in der Kulturbrauerei Berlin vor. Die Lesung stieß auf großes Interesse und wir, accalmie und Charlott, konnten uns glücklich schätzen Tickets ergattert zu haben.

Die Journalistin Susanne Weingarten moderierte das Panel und übersetzte Adichies Aussagen aus dem Englischen. Adichie trug nach einer Einleitung von Weingarten kurz die ersten Seiten des Romans vor, und wurde dann im Wechsel zu Lesungen von Passagen aus der deutschen Übersetzung Americanahs durch Anna Thalbach zu ihrem Werdegang, literarischem Wirken und politischen Positionen interviewt.

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Angesichts der Vielzahl von Literaturwissenschaftler_innen und antirassistischer Aktivist_innen im Publikum stellte sich recht früh die Frage, warum nicht eine_r jener angefragt worden war für die Moderation. Während Adichie und die Lesung von Americanah für Begeisterung sorgten, konnte Weingarten nicht nur mehrere Namen nicht aussprechen (womit sie den Rest des Abends kokettierte), sondern fand es auch sinnvoll, Adichie als “Modeikone” vorzustellen, als eine Person, die “eigentlich zu jung” sei, um solche Bücher schreiben zu können, und fragte gleich, welche Anekdoten der Schwarzen Protagonistin Americanahs denn alle aus dem Leben der Autorin stammten. Diese “Verwechslung” von Lyrischem Ich und Autor_in passiert häufig, jedoch auffällig oft bei nicht-weißen, nicht-männlichen Autor_innen; denn obwohl biographische Bezüge bei Literaturanalysen sonst belächelt bis verpönt werden, sind jene bei nicht-weißen, nicht-männlichen Autor_innen wohl eine der Grundannahmen.

Adichie antwortete, dass ihr Leben nicht das der Protagonistin sei, sondern viel “langweiliger” – gab dann aber ein Erfahrungsbeispiel zu Rassismus, das nicht im Buch vorkam: nämlich die Reaktion eines Professors während ihres Studiums in den USA, der in einem Seminar fragte, wer diesen – den besten – Aufsatz geschrieben habe, und als sie sich meldete, sehr überrascht aussah; ein Hinweis darauf, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass eine Schwarze Autorin besser schreiben könnte als ihre weißen Kommiliton_innen. (mehr …)


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