Einträge mit dem Tag ‘Literatur’


Politisches Lästern, #DisabilityTooWhite und eine nicht aufsteigende Schiedsrichterin – kurz verlinkt

26. Mai 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 317 von 317 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

„Wäre throwing shade eine Sportart, wäre es die einzige, in der ich gut wäre.“, schreibt Hengameh Yaghoobifarah in der taz und erklärt, warum Lästern auch politisch sein kann.

Aber apropos Sport: Die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hat diese Saison äußerst erfolgreich in der 2. Liga des Männerfußballs gepfiffen (nach einem DFB-internen Ranking liegt sie gar auf Platz 1). Doch trotz dieser guten Bewertungen soll sie auch in der nächsten Saison kein 1.Liga-Spiel leiten dürfen, berichtet die Welt.

Das neue an.schläge-Magzin ist da und dreht sich um Titelthema um Mütter und Mutterschaft, so schreibt beispielsweise Theo Hoffnungsthal zur queeren Performance und Kinderwägen.

Beim Missy Magazine schreibt János Erkens über das nun auf deutsch erschienene Buch „Testo Junkie. Sex, Drogen und Biopolitik in der Ära der Pharmapornographie“ von Paul B. Preciado und der Crux mit dieser ‚Natürlichkeit‘.

englischsprachige Links

Wenn Menschen mit Behinderungen in den Medien vorkommen (was selten genug ist…), sind es insbesondere weiße und schlanke Personen. Auf Twitter kritisierten Aktivist_innen mit Behinderungen unter dem Hashtag #DisabilityTooWhite die mangelnde Repräsentation von Menschen of Color mit Behinderungen in den Medien.

Keah Brown schreibt auf catapult über Liebe, Behinderungen und Filme: „

Passend zu den letzten beiden Links präsentiert Autostraddle eine Leseliste mit Tipps zu Büchern, Zines und Blogs: Toward An Intersectional Crip Syllabus.

Flavorwire schreibt über 25 Bücher, in denen Freundinnenschaften im Mittelpunkt stehen.

Termine

27.05.-29.05. in Bremen: re*mix – Queer Feminist HipHop Festival findet statt.

02.06.-03.06. in Berlin: Heterogene Vorstellungswelten: Die didaktischen Imaginationen pluralisierter Gesellschaften* Fachtagung


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Sharon Dodua Otoo ist Kandidatin für den Ingeborg-Bachmann-Preis!

24. Mai 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 39 von 39 der Serie Applaus für

Heute Vormittag war es soweit, die vierzehn Kandidat_innen für den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis wurden auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Der Preis wird seit 1977 jährlich in Klagenfurt verliehen und in diesem Jahr ist Mädchenmannschafts-Autorin Sharon Dodua Otoo unter den potentiellen Preisträger_innen.

IMG_20160524_125246Sharon schreibt nicht nur wunderbare Texte für die Mädchenmannschaft, sondern hat bereits eine ganze Reihe von Büchern geschrieben und herausgegeben. Ihre Debüt-Novelle the things i am thinking while smiling politely erschien 2012 und im darauffolgenden Jahr in deutscher Übersetzung. Es folgte im Jahr 2014 die wunderschön illustrierte Novelle Synchronicity. Seit 2012 ist Sharon zu dem Herausgeber_in der Reihe Witnessed, in der sich Autor_innen in unterschiedlichsten Formen (Fotografie, Theaterstücke, Aufsätze, Kurzgeschichten) mit Schwarzen Lebensrealitäten im deutschsprachigen Raum auseinandersetzen. Das erste Buch in der Reihe war The Little Book of Big Visions. How to Be an Artist and Revolutionize the World und ich besprach es hier auf dem Blog. Auf der Seite des Bachmann-Preises könnt ihr euch einen kleinen Portrait-Film zu Sharon angucken.

Die diesjährigen Kandidat_innen werden ihre eingereichten Texte zwischen dem 30. Juni und 2. Juli im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur vorlesen. Nach den Lesungen werden die Texte jeweils direkt auch online zugänglich sein. Dies ist wichtig, denn am 2. Juli von 15.00 bis 20.00 Uhr wird zudem über den Publikumspreis abgestimmt und eine Stimme gilt nur, wenn eine Begründung für die Textwahl vorliegt!


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Under the Udala Trees: Eine Romanbesprechung

1. Februar 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 115 von 117 der Serie Die Feministische Bibliothek

Es sind erst wenige Jahre nach der Unabhängigkeit und es tobt der Biafra-Krieg. Bei einem Bombenangriff auf ihren Heimatort kommt Ijeomas Vater ums Leben. Ihre Mutter, in ihrer Verzweiflung, Trauer und auch Wut, weiß nicht weiter und gibt Ijeoma bei einem Freund des Vaters in einem anderen Ort, außerhalb des Kriegsgebiets, in Obhut. Dort soll die Elfjährige für einige Zeit im Haushalt helfen, im Gegenzug verspricht der Freund, the teacher, ihre Schulbildung zu finanzieren.

Ein von @half_book_and_co gepostetes Foto am

In der kommenden Zeit verändert sich für Ijeoma vieles. Sie verliebt sich zum ersten Mal. Dabei übertritt sie gleich zwei Grenzen: Sie entwickelt Gefühle für und entspinnt eine Beziehung mit Amina, einem Mädchen, welches zu dem einer anderen Ethnie (und Religion) angehört. Als die Beziehung öffentlich wird, tritt erstmals wieder Ijeomas Mutter auf (etwas wonach sich Ijeoma bis dahin gesehnt hatte) und holt Ijeoma zu sich.

Chinelo Okparantas Debut-Roman Under the Udala Trees aus dem letzten Jahr folgt Ijeoma über dreißig Jahre durch ihr Leben, vom traumatischen Verlust ihres Vaters, der ersten Liebe, den folgenden Versuchen ihrer Mutter durch christliche Lehren Ijeoma von ihrem Begehren abzubringen, Erwachsenwerden, neuen Beziehungen, queeren Untergrundlubs bis hin zu einer unglücklichen Ehe.

Viele nigerianischen Autor_innen schreiben über den Biafrakrieg. Er gehört sicher mit zu den größten Themen der nigerianischen Literaturen. Okparanta nimmt den Krieg als Ausgangspunkt für eine Geschichte die noch weitere Jahrzehnte der Post-Unabhängigkeit umfasst und in diese lesbische, queere, frauen-begehrende Frauen einschreibt. Dabei werden diese nicht nur von der Hauptfigur repräsentiert, sondern treten vielfach in Erscheinung. Zwar rutschen einige Abschnitte des Romans in einen etwas didaktischen Duktus ab, doch herrscht Okparantas bildreicher, klarer Stil vor, der bereits in ihrer Kurzgeschichtensammlung Happiness, Like Water überzeugte.

Zu einer Zeit, in der in Nigeria stark restriktive homofeindliche Gesetze verabschiedet wurden, gibt Okparanta ihren Figuren nicht nur eine Geschichte, sondern auch ein Ende, welches hoffen lässt. Aber bis dahin ist es eine längerer Weg, der nicht nur all jenen empfohlen ist, die es nicht bei Adichie als einziger nigerianischen Autorin auf ihrer Leseliste belassen wollen.

Zum Weiterlesen: Interview mit Chinelo Okparanta (auf Englisch)


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Rabenmütter, rechte Politikerinnen und #CampusRassismus – kurz verlinkt

16. Dezember 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 2 von 317 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Clara-Zetkin-Frauenpreis 2016: DIE LINKE lobte anlässlich des Frauentages 2016 zum sechsten Mal einen Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden. Noch bis zum 31. Januar 2016 könnt ihr euch bewerben bzw. ein Projekt vorschlagen.

Der Raben Mütter e.V. hat eine Anfrage der Seemia Media GmbH erhalten, die einen Beitrag über einen alleinstehenden Vater drehen wollen. In einem öffentlichen Brief, den ihr hier als PDF runterladen könnt, wenden sie sich gegen Stereotype und Vorannahmen über „alleinstehende Väter“ und deren Ex-Partnerinnen, die bereits in der Anfrage enthalten sind.

Bei der ZEIT schreibt Stefanie Lohaus über rechte Spitzen-Politikerinnen wie Frauke Petry oder Marine und Marion Le Pen und fragt, was diese mit Feminismus zu tun haben. (Zum Weiterlesen in diese Richtung empfiehlt sich auch ein Blick in unsere Reihe „Gender und Rechts(extremismus)„.)

Die Aktion #CampusRassismus hat es diese Woche auch in einige Medien geschaft. So können in der ZEIT Amina Yousaf und Zuher Jazmati von ihren Erfahrungen berichten und in der taz wird über die „ganz alltägliche Diskriminierung“ geschrieben.

Englischsprachige Beiträge

Vom Mai bis September 2016 soll im Schwulen Museum Berlin eine Ausstellung mit Titel „Millionaires can be trans*/You are so brave*“ entstehen. Jetzt gibt es einen Open Call für interessierte trans Künstler_innen.

Victoria Law hat dieses Jahr 50 Bücher von Autorinnen of Colour gelesen – aus unterschiedlichsten Genres wie SciFi, Memoiren und Gedichte. Beim Bitch Magazine stellt sie diese vor.

17 Badass Women You Probably Didn’t Hear About In 2015, stellt Buzzfeed vor, darunter Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Astronautinnen.

Termine

9. Januar 2016 in Münster: Die antisexistische Gruppe „We love consent“ veranstaltet einen kostenlosen (Spenden werden erbeten) Aktionstag mit FLTI*Rap Workshop, einem Vortrag zu Frauen im Hip Hop Malestream, Konzert und Party. Weitere Infos findet ihr hier (Facebook-Link).

30. – 31. Januar 2016 in Frankfurt am Main: Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) lädt zur Jubiläumsveranstaltung anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens ein. Mehr zum Programm und zur Anmeldung hier.


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Ein Buch nach dem anderen: Beste Bücher 2015

15. Dezember 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 114 von 117 der Serie Die Feministische Bibliothek

Das Jahr 2015 neigt sicht dem Ende zu und wenn ich so durch Bücher-des-Jahres-Listen scrolle (und das passiert häufiger, da sie zwei Dinge vereinen, die ich liebe: Bücher und Listen), dann kann ich feststellen, dass dieses Jahr eine ganze Reihe großartiger Werke erschienen sind. Und dann fallen mir noch all jene Publikationen ein, die auf diesen Listen nicht erscheinen. Darum folgt nun hier meine eigene Liste, in der ich meine liebsten Sachbücher, Romane, Gedichtbände, Zines etc., die dieses Jahr erschienen sind und die ich bereits gelesen habe, weiterempfehle. Und natürlich interessiert mich auch: Was hat euer feministisches Leseherz dieses Jahr höher hüpfen lassen?

Sachbuch
The Nest ist ein Künstler_innenkollektiv mit in Sitz in Nairobi. Bekannt(er) geworden sind sie durch ihren Film Stories of Our Lives, welche in fünf Vignetten queeres Leben in Kenia verhandelt. Der Film räumte auf einigen internationalen Festivals Preise ab (und durfte in Kenia selbst nicht gezeigt werden). Die fiktionalisierten Geschichten, die so erzählt wurden, fusßten auf Interviews, die das Kollektiv mit LGBTI in Kenia geführt hatte. In einem in Oktober erschienen Buch sind nun eine Vielzahl der Geschichten, die es nicht in den Film geschafft haben, publiziert und geben in ihrer Gesamtheit einen Einblick in queere kenianische Lebensrealitäten. Aber schaut euch einfach den Buchtrailer zur Einstimmung an:

Eine weitere Sachbuchempfehlung: Der umfassende Band „Women in Clothes“, herausgegeben von Sheila Heti, Heidi Julavits und Leanne Shapton ist dieses Jahr unter Frauen und Kleider auf deutsch erschienen. Ich besprach das Buch bereits hier und zitierte es ausführlicher zum Jahrestag des Einsturzes der Rana Plaza Fabrik.

Roman

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Ein Buch nach dem anderen: Kurzgeschichten aus Nigeria; Coming-of-Age in Portland

30. Oktober 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 112 von 117 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

IMG_20150921_175406-1Fates and Furies (Riverhead Books, 2015) von Lauren Groff war sicher eines der heiß-erwartesten Bücher der Herbstsaison – und wurde kurz nach der Veröffentlichung auch direkt belohnt mit einem Platz auf der Shortlist für den (us-amerikanischen) National Book Award. Der Roman seziert die Ehe zwischen Lotto und Mathilde, dem Traumpaar auf jeder Party, er erst Schauspieler, dann erfolgreicher Dramatiker, sie erst in einer Gallerie arbeitend, dann ihn unterstützend. Zwischen Anspielungen auf griechische Mythologie erzählt der erste Teil zunächst die Geschichte aus Lottos Perspektive, um dann im zweiten Teil Mathildes – weitaus andere – Sichtweise und Erleben nachzutragen. Bereits im ersten Teil, in dem lange das perfekte Bild entworfen wird, zebröselt dieses auch schon wieder langsam. So sitzt Lotto auf einer Podiumsdiskussion zur „Zukunft der Literatur“ und führt – zum Erschrecken seiner Mit-Diskutant_innen – bräsig aus, dass Männer Literatur schaffen und Frauen ihren Kreativität ins Kindergebären stecken. Das Publikum ist aufgebracht, Mathilde verlässt den Raum. Genau in diesen Aspekten fand ich den Roman, in den ich ich erst nicht wirklich reinkam, am stärksten, wenn die Vorstellung des „männlichen Genies“ langsam entblößt wurde und stattdessen Groff die weibliche Arbeit hinter diesem offenbarte. Doch das Ende, welches stark auf eine Beziehungsebene zurückfällt, enttäuschte mich.

IMG_20150918_031443Weitaus mehr gefiehl mir das ebenfalls im September erschienene Dryland (Tin House Books, 2015) von Sara Jaffe (die auch in der Band Erase Errata spielt). Es ist das Jahr 1992 und die fünfzehn-jährige Julie Winter lebt im Portland. Regelmäßig geht sie in Zeitungsgeschäfte und blättert sich durch Schwimm-Magazine – nicht etwa, weil sie Schwimmerin ist, sondern weil sie immer auf der Suche nach Informationen über ihren ältern Bruder ist, der einmal sogar Teil des olympischen Teams war, nun aber in Berlin lebt und über den in ihrer Familie nicht gesprochen wird. Das Buch ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die ihren ganz eigenen Charme und gleich eine Reihe queerer Charaktere mit sich bringt.

IMG_20151014_082600 Ein Buch, welches ich in nächster Zeit sicher häufig empfehlen werde, ist die Debut-Kurzgeschichten-Sammlung Happiness, Like Water (Mariner Books, 2013) von Chinelo Okparanto. Die meisten der Geschichten drehen sich um weibliche Charaktere in Nigeria oder der Diaspora (hier USA). Ihre Geschichte „America“ war bereits nominiert für den Caine Prize for African Writing, aber auch die anderen sind allesamt preiswürdig. Okparanta ist eine wundervolle Erzählerin, ihre Sprache ist gleichermaßen zugänglich und poetisch. In den Geschichten widmet sie sich einer ganzen Reihe großer „Themen“ (wie häusliche Gewalt, Reliogion, lesbisches Begehren, Schönheitsstandards), ohne dass sie ins Didaktische abruscht. Stattdessen schafft sie glaubhafte Charaktere und nicht jede Geschichte endet mit einer sauberen, einfachen Lösung – ganz so wie im Leben.

Okparantas Debut-Roman Under the Udala Trees, in welchem sich zwei Mädchen während des Biafra-Kriegs verlieben, erschien jetzt im September.

Im Netz gelesen

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Literatur gegen das Herbstgrau: Crowdfunding für Synchronicity unterstützen

16. Oktober 2015 von Charlott

Im letzten Jahr erschien Sharon Dodua Otoos Novelle Synchronicity auf Deutsch. In 24 kurzen Kapiteln wird die Geschichte von Cee erzählt, die als Grafikdesignerin in Berlin arbeitet, aber nach und nach ihre Farben verliert. Sie kann sie zunächst einfach nicht mehr sehen. Dann kommen die Farben in ganz neuen Formen (und Sinneswahrnehmungen) wieder. Cee ist dabei nicht vollkommen von den Entwicklungen – denn sie ist nicht die erste in ihrer Familie, der es so ergeht. Die Geschichte verhandelt auf poetische, einfühlsame und auch ironische Art und Weise Fragen rund um Traditionen, zwischenmenschliche Beziehungen, Ängste und Wandel. Begleitet wird der Text von stimmungsvollen Illustrationen von Sita Ngoumou.

Nun soll das Buch auch in der Orginalfassung, auf Englisch, erscheinen, aber dafür benötigt es – wie so oft – Geld. Damit ihr das Buch, dessen Texte ursprünglich als eine Art Weihnachtskalender an Freund_innen geschickt worden war, pünktlich zur grauen Jahreszeit lesen und an Familie, Freund_innen, Bekannte verschenken könnt, gibt es eine Crowdfunding-Kampagne. In den ersten drei Tagen kamen bereits 15% der benötigten Summe zusammen. Mit deinem Geld kannst nur nicht nur das Buch bereits vorbestellen, sondern es gibt auch weitere lohnenswerte Perks wie Poster der Illustrationen oder gar signierte Kunstdrucke.

Organisiert wird die Kampagne von einem Unterstützer_innen-Kreis. Dieser formiert sich zur Zeit noch (und Interessierte können sich unter ukreis@edition-assemblage.de melden). Auf der Kamapgneseite heißt es:

Der Unterstützer*innen-Kreis supportet insbesondere rassismuskritische Bücher mit dem Ansatz des Empowerments. Weder bei diesem Projekt noch beim Crowdfunding wird es aufhören: Es sollen Büchertische organisiert, weitere Kampagnen gestartet, Solipartys gemacht, auf Zuschussmöglichkeiten geachtet und Zuschüsse eingeworben werden. Außerdem sollen Vorbestellungen gesammelt und Lesungen organisiert werden. Buchprojekte können auch selbst initiiert und Manuskripte geprüft und eingereicht werden.

Falls ihr derzeitig kein Geld zur Verfügung habt, gibt es also Möglichkeiten zu unterstützen: Entweder direkt im Unterstützer_innen-Kreis oder auch erst einmal durch das Teilen dieser Kampagne!


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Eine Feier in weiß. May Ayim zum wiedervereinigten Deutschland.

28. September 2015 von Charlott

das wiedervereinigte deutschland
feiert sich wieder 1990
ohne immigrantInnen flüchtlinge jüdische
und schwarze menschen
es feiert im intimen kreis
es feiert in weiß
doch es ist ein blues in schwarz-weiß
es ist ein blues

(aus: blues in schwarz weiss von May Ayim, erschienem im gleichnamigen Gedicht-Band)

Zur Wiedervereinigung gibt es die immer gleichen Bilder: Menschenmassen, die „Wir sind das Volk“ rufen, fröhliches Steineklopfen an der Berliner Mauer, Staus an Grenzübergängen. Mitgeliefert die Annahme, es wäre ein guter(tm) Bezug auf den Volksbegriff möglich. Ausgeblendet eine ganze Vielzahl von Lebensrealitäten.

Eine andere Perspektive auf diese Zeit lieferte bereits in den 1990ern die Autorin und Aktivistin May Ayim. Ob in Gedichten oder Interviews, sie machte deutlich, wer aus dem Jubel allgemein ausgeschlossen war und wie sich der Alltag nach 1989 in Bezug auf Rassismus änderte. Über diese Themen sprach sie auch 1994 in der WDR-Sendung Frauen-Fragen, welche glücklicherweise online bei Youtube auffindbar ist, und gerade im Kontext der aktuellen Feierlichkeiten noch einmal herausgekramt gehört:

Zunächst habe ich mich erst einmal gefreut. Gleichzeitig war eine ganz komische Stimmung in der Luft. So eine Stimmung von einerseits wird von Brüdern und Schwestern in Ost und West geredet und gleichzeitig wurden die Gesetzgebungen MigrantInnen und Asylsuchende diskutiert und zwar im Hinblick auf Verschärfungen. Und ich hatte das Gefühl, jetzt auf einmal werden Willkommensbotschaften versandt und niemand spricht mehr davon, dass das Boot voll ist in Deutschland, dass wir sowieso schon zu viele sind. Auf einmal ist Platz, aber nur für bestimmte Leute. Und auch in der gesamten Medienlandschaft waren die Bilder immer nur von weißen Deutschen. Und für mich war das zum Teil richtig unheimlich.
Zum ersten Mal in Berlin habe ich auch sehr negative Erfahrungen gemacht, auf der Straße angepöbelt zu werden, komische Sprüche zu hören – auch von Freunden und Freundinnen komische Sprüche zu hören oder Erfahrungen mitgeteilt zu bekommen. Zum Beispiel von einem Freund, der auch aus Ghana kommt, dessen kleiner Bruder wurde 10-jährig aus der Ubahn herausgestoßen, damit einem anderen Platz gemacht werden kann, einem weißen Deutschen. Und einer weißen Freundin von mir, die in der Ubahn saß und ihr afrodeutsches Kind auf dem Schoss hatte, wurde ganz laut gesagt: „Solche wie euch brauchen wir jetzt nicht mehr, wir sind ja schon selber mehr als genug.“ Und das war keine Seltenheit.
Ich hatte das Gefühl, plötzlich trauen sich Leute Sachen zu sagen, die sie vorher gedacht haben. Also nicht so, dass jetzt plötzlich Rassismus aufgekommen ist, ich denke der war vorher da, aber plötzlich, war so ein Freiheitsgefühl, dass damit einherging „So jetzt zeigen wir’s dem Rest der Welt“. Mir ist aufgefallen, dass in den Tagen nach dem 9. November, wo unglaublich viele Leute auf der Straße waren, waren ganz viele ImmigrantInnen und Schwarze Deutsche nicht auf der Straße. Und ich erinnere mich, dass ich an der U-Bahn stand, der ganze Bahnsteig war voll von Leuten und ein türkischer Mann sprach mich an: „Jetzt wird es schlimmer für uns.“
Also dieses Jahr 1989/1990 war schon so ein Jahr der Schlüsselerlebnisse, und zwar gerade auch in der Hinsicht, was die gerade begonnene Auseinandersetzung mit Rassismus betrifft. Ich hatte schon das Gefühl, dass sich seit Mitte der 80iger Jahre einiges zum positiven geändert hat.


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Graphic Novels über Kommunistinnen, Horror im Wald und nicht ganz so ‚gute‘ Helden

17. September 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 110 von 117 der Serie Die Feministische Bibliothek

Graphic Novels ist ein ständig wachsendes Feld und die Zeiten, wo diese höchstens belächelt wurden, sind auch langsam vorbei. Mittlerweile werden auch die unterschiedlichsten literarischen Genres mit abgedeckt. Hier gibt es heute Horror, Fantasy und eine Biographie, Romane sowie Kurzgeschichten. Wer noch mehr Graphic Novels entdecken möchte: Bei Femgeeks hatte ich drei Graphic Novel Autorinnen zum Einstieg vorgestellt und hier drei Bücher anlässlich des Comicfestivals Hamburg 2013.

IMG_20150818_162408 Beim Lesen von Through the Woods (2014, Margaret K. McElderry Books) von Emily Carroll ist man hin und her gerissen zwischen dem Bewundern der wunderschönen Zeichnungen und einem aufsteigenden Gruselgefühl. Das Buch ist um genau zu sein eine graphische Kurzgeschichten-Sammlung mit fünf gespenstischen Stories sowie einer Einleitung und Konklusion. In all diesen Geschichten lungert etwas Entsetzliches im Unbekannten, in den Wäldern, Wänden oder dem veränderten Verhalten alter Freund_innen. Wie ein Charakter feststellt: „It […] came from the woods. (Most strange things do.)“

nimonaNimona (2015, Harper Collins) von Noelle Stevenson vermittelt da ganz andere Gefühle: Mit viel Witz geht es durch eine eher ungewöhnliche Abenteuergeschichte. Im Mittelpunkt steht Nimona, eine junge Gestaltwandlerin, die sich Ballister Blackheart – dem Bösewicht – als Gehilfen anbietet/ aufdrängt. Gemeinsam (und mit der Unterstützung von Dr. Meredith Blitzmeyer) geht es gegen Ambrosius Goldenloin und dem Rest der „Institution of Law Enforcement and Heroics“. Dabei geht es um so grundlegende Fragen, wie was eigentlich ‚gut‘ und ’schlecht‘ bedeutet und den Wert von Freund_innenschaften. Stevenson spielt mit Genrekonventionen und dreht daraus einen wunderbar schrägen Humor, doch bleibt auch Platz für subtilere Noten. Nicht nur die allgemeine Story, sondern auch gerade viele kleine Details machen dieses Buch so empfehlenswert, so entspricht Nimona beispielsweise nicht unbedingt den Schlankheitsidealen (die in Comics ja noch einmal oftmals auf die Spitze getrieben werden) – und da sie als Gestaltwandlerin jegliche Art von Körper haben könnte, ist dies ein um so stärkeres Statement.

the night mobileThe Night Bookmobile (2010, Jonathan Cape) ist eine überraschend düstere Kurzgeschichte von Audrey Niffenegger (bekannt vor allem als Autorin von „The Time Traveler’s Wife“). Und da mich Bücher – egal ob Fiktion oder nicht -, die sich um Lesen, andere Bücher, Büchermachen und Verkaufen etc. drehen, immer erst einmal interessieren, habe ich mir dieses hier auch zugelegt. Eine junge Frau stolpert in dieser Geschichte mehr oder weniger eines Nachts in ein Buchmobil – und ist absolut überrascht: Die Bücher (und anderen Materialien) in diesem sind alle Dinge, die sie jemals gelesen hat, von Cornflakes-Packungen hinzu ihren liebsten Romanen. Nach diesem ersten Zusammentreffen setzt sie alles daran das Mobil noch einmal zu sehen und in diesem für immer bleiben zu können. Doch was ist der Preis, der dafür zu bezahlen ist?
Das Buch erschien 2012 auch auf Deutsch als „Die Nachtbibliothek“.

In Modotti. Eine Frau des 20. Jahrhunderts (2011, Rotbuch Verlag) beschreibt Ángel de la Calle den Lebensweg von Tina Modotti und verknüpft diesen mit seinen eigenen Erlebnissen bei der Suche nach Informationen, aber auch dem Organisieren eines linken Kulturfestivals. Modottis Leben gibt in jedem Fall viel Material für künstlerische Aufarbeitungen, sie war Hollywood-Schauspielerin, Fotografin und Kommunistin, ihr Leben verknüpft mit illustren Personen wie Frida Kahlo, Anna Seghers, Diego Rivera, Edward Weston usw. In Italien im Jahr 1896 geboren, immigrierte sie als Kind in die USA, als Erwachsene zog es sie ins revolutionäre Mexiko, welches sie verlassen musste nachdem ihr Partner erschossen wurde. Sie lebte Paris und Moskau, verbrachte Zeit in Spanien. Immer mittendrin in vielen ‚historischen Ereignissen‘. Das Buch verschafft es gut, einerseits das spezifische Leben von Modotti darzustellen und andererseits die inneren Konflikte der internationalen Linken zu beleuchten. Doch funktionieren andere Elemente des Buchs für mich weniger gut: Mich störte zunehmend die Größe des Raums, den der Autor selbst einnahm, denn ich wollte ja gerade kein Buch über linke Typen lesen, und auch der male gaze auf Modotti schimmert immer wieder durch. Als Einstieg halte ich diese Graphic Novel trotzdem für geeignet, ich möchte nun auf jedenfall gern mehr über Modotti lesen – vielleicht ja dann von einer Autorin.

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Ein Buch nach dem anderen: Magie, SciFi und Dystopien für den Herbst

11. September 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 108 von 117 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

Jederzeit gern versinke ich in Büchern, die andere Welten entwerfen, einen Hauch Magie beinhaltet, Märchen- und Sagenfiguren geschickt integrieren. Diese Bücher, die gerade nicht ‚realistisch‘ wirken, schaffen es – im besten Fall – gerade auch durch ihr Ausloten der (un)vorstellbaren Dinge, nur allzu ‚realistische‘ gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen und alltägliche Gedanken herumzuwirbeln. Hier nun also als Herbst-Lesetipps einige meiner liebsten Bücher der letzten Wochen, mit magischen, spukigen und außerirdischen Elementen.

IMG_20150730_164600Von Nnedi Okorafor schwärmte ich hier bereits an dieser Stelle, als ich ihr Jugendbuch Akata Witch vorstellte. Doch sie schreibt auch Bücher, die eher an eine ältere Zielgruppe gerichtet sind, in denen es ebenfalls nicht an Magie und anderen außergewöhnlichen Elementen mangelt, so beispielsweise in ihrem dystopischen Roman Who Fears Death (2010, DAW). In einem post-apokalyptischen afrikanischem Schauplatz folgen wir Onyesonwu, einem jungen Mädchen/ junge Frau, die aufgrund ihrer Herkunft sozial geächtet wird, doch nach und nach ihre wahren Kräfte entdeckt. Und nötig ist dies, denn jemand sehr mächtiges versucht sie zu töten. Der Roman ist packend, teils brutal, teils humorvoll, geschrieben, voller wunderbarer und interessanter Charaktere und mit einem spannenden Plot – und behandelt dabei ebenfalls Themen wie Sexismus, sexualisierte Gewalt, FGM, Rassismus und Umweltzerstörungen. Letzten Endes geht es um Freund_innenschaften, weibliche Solidarität, dem Niederringen von Gegner_innen sowie die Kosten, die dies haben kann.

Ganz anders, aber nicht weniger fesselnd ist Okorafors Roman Lagoon (2014, Hodder & Stoughton). An einem Strand von Lagos, Nigeria, treffen eines Nachts eine Meeresbiologin, ein berühmter Ghanaischer Rapper und ein Soldat, der gerade seinem Vorgesetzten einen Fausthieb verpasst hatte, wie durch Zufall aufeinander, nur um dann von einer Welle verschluckt und wieder ausgespuckt zu werden. Nach ihnen tritt eine Schwarze Frau aus den Fluten, doch sie ist keine gewöhnliche Frau, sondern Abgesandte der im Ozean vor Lagos gelandeten Aliens und sie hat eine Nachricht an den nigerianischen Presidenten. So ein Alienbesuch geht natürlich nicht spurlos an einer Stadt vorbei, in Lagos bricht Chaos aus und mittendrin neben unseren Haupt-Protagonist_innen, Studenten, die mit Internet-Scams ihr Geld verdienen, eine LGBT-Gruppe, ein Prediger und eine Fledermaus. Und noch mehr steckt auf diesen 300 Seiten: Es gibt mythische Kreaturen im Meer, eine Straße, die sich selbst der „Bone Collector“ nennt und eine Geschichtenspinnende Spinne. Im Herzen der Geschichte steht eine Alien-„Invasion“, doch unterläuft Okorafor geschickt viele der typischen Darstellungen: Ihre Aliens besitzen keine großartigen Technologien, sie _sind_ Technologie, auch sind sie weder immanent gut oder schlecht, sie sind _Wandel_.

IMG_20150819_175128 In Kirsty Logans A Portable Shelter (2015, Association for Scottish Literary Studies) warten zwei Frauen, Ruth und Liska, auf die Geburt ihres ersten Kindes. Die Zeit nutzen sie um dem Ungeborenen Geschichten zu erzählen, die wichtige Lektionen für’s Leben beinhalten. Ruth erzählt ihre Geschichten tagsüber, während Liska arbeiten ist und Liska flüstert ihre nachts während Ruth schläft. Nur eine Bedingung haben sie sich gegeben: Sie wollen ihrem Kind nur die Wahrheit sagen. Die dreizehn Geschichten, die auf schottische Mythen zurückgreifen, könnten auch einzeln als Kurzgeschichten gelesen werden. Sie werden bevölkert von Meeresmenschen, Wölfen, Hexen, Geistern und dem Zirkus. Die Geschichten sind oftmals Wiederholungen von Geschichten, die andere Personen Ruth oder Liska erzählt haben und unterscheiden sich in Form, Stil und dem Grad wie ‚realistisch‘ sie sind. Aber genau darum geht es auch in diesem wundervollen Band: Was ist real? Was ist Wahrheit? Was macht unsere ganz eigene Wahrheit weniger wertvoll als die angenommene ‚faktische‘ Wahrheit? Der Roman nähert sich Fragen rund um das Erzählen an, den Geschichten, die wir uns erzählen um Dingen Sinn zu geben, den Erzählungen anderer und denen, die wir weiter geben wollen; es geht um die Unmöglichkeit einige Erfahrungen in Worte zu fassen und noch mehr die Unmöglichkeiten einige Geschichten anderer, die deren wichtigste Wahrheiten beinhalten, zu verstehen.

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