Einträge mit dem Tag ‘Literatur’


Körper(teile) und Kampagnen – die Blogschau

11. März 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 148 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Warum sie sich in letzter Zeit so selten auf die Waage gestellt hat und das auch weiterhin so handhaben wird, erzählt Mademoiselle Nocturne.

Trotz aller gelegentlichen Freude an sogenannter Trivialliteratur befindet Wort­wolke: Die bekannte Romanfigur Bridget Jones räkelt sich auf einem “Eisberg aus Homophobie, Sexismus, Rassismus und Rape Culture“. Herzlich Willkommen in der Blogosphäre!

Das Autonome FrauenLesben-Referat der Uni Frankfurt nimmt Stellung zum Ver­kauf des Instituts für vergleichende Irrelevanz an einen privaten Investor und ruft auf zur Unterstützung, damit die bisherige erfolgreiche Nutzung für die queer­femi­nistische, anti­sexistische Arbeit auch weiterhin möglich ist.
Privatisierung und Kommerzialisierung olé: Der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf will das Unternehmerinnenzentrum und Atelierhaus Sigmaringer1 ver­kaufen. Dort herrscht nicht zuletzt Ärger darüber, dass im Zuge des Kampfes gegen den Verkaufs die Gründerinnen, Unternehmerinnen, Investorinnen und Mieterinnen in ihrer Leistungs­fähigkeit nicht ernst genommen und abgewertet würden: „Wir arbeiten vernetzt, kooperativ, hierarchiefrei – wir sind die Zukunft des Arbeitens. Und ich finde es deshalb hochgradig ärgerlich, dass man uns seitens des Bezirks behandelt, als wären wir Transfer­leistungs­empfängerinnen, die auf Wohltätigkeiten des Bezirks angewiesen ist.“

Ist nicht die ganze Welt ein Stillraum? Darf und soll frau überall stillen? Und wenn ja, will sie das überhaupt? Fragt feministmum sich und euch. (weiterlesen …)


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Film, Fernsehen, feministische Forschung – kurz verlinkt

25. Januar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 136 von 153 der Serie Kurz notiert

In Computerspielen ist der Standardcharakter meist … standard. Weiß, männlich, durchtrainiert. Aber genau wie Gamerinnen die Nase voll haben von leicht bekleideten Busenwundern, sind auch Computerspieler langsam angenervt vom 08/15-Helden. The Mary Sue über Vorlieben bei der Wahl von Spielcharakteren.

Nach Korruptions- und Manipulationsskandalen ist die südkoreanische Parteienlandschaft in Bewegung geraten, berichtet Bikya Masr. Gleich drei Parteien werden nun von Frauen geführt, die zusammen 262 der 299 Sitze der Nationalversammlung kontrollieren. Trotz enormer Fortschritte in den letzten Jahren ist der Anteil von Politikerinnen in Süd-Korea noch relativ niedrig.

Zehn Autoren, die mal so richtig gegen das Literaturestablishment rebelliert hätten, stellte neulich Flavorwire vor. Ob man wen vergessen habe, fragte man immerhin auch. Hatte man: Keine einzige Autorin erschien in der Liste! Aufgrund der Kritik zog die Seite dann nach und stellte zehn „Bad Girls“ der Literaturgeschichte vor.

Nichts wirklich Neues bei Disney: Jungs sind clever, Mädchen werden nach ihrem Aussehen beurteilt, zumindest wenn es nach einer neuen T-Shirt-Kollektion geht. Goofy, Micky und Donald werden nach ihrem Charakter dargestellt, Minnie ist einfach nur “hot”, so Shine.

Sexuelle Belästigung ist, trotz Gesetzen, in Indien weiter ein großes Problem. Care2 berichtet von einem Vater, dessen Sohn erstochen wurde, als er Frauen schützen wollte. Er appelliert an die Regierung, endlich entschlossen gegen Belästigung vorzugehen.

Wahrscheinlich klettern die meisten von uns nicht unbedingt voller Vorfreude auf den gynäkologischen Stuhl. Aber für Frauen, die eine Vergewaltigung erlebt haben, sind diese Untersuchungen nicht selten einfach nur der blanke Horror. Bei Jezebel gibt es  einen Erfahrungsbericht über die  nötigen Vorbereitungen, damit die Untersuchung dennoch so erträglich wie möglich verläuft.

Der Jahresreader 2011 vom Feministischen Institut in Hamburg ist da.

Warum der Gebrauch des vermeintlich cool-subversiven Begriffs “tranny” problematisch ist, ist nachzulesen bei funkyfest.

Sex and the City-Star Cynthia Nixon hat für Kontroversen gesorgt, als sie in einem Interview verkündete, ihre eigene Homosexualität sei frei gewählt.

Die Historikerin Yasemin Shooman hat für die Deutsche Islamkonferenz die Stereotypisierung muslimischer Frauen in öffentlichen Diskursen untersucht.

2012 geht der Marburger Kamerapreis an die Französin Agnès Godard. Godard wurde für ihre exzellente Arbeit in den vergangenen 20 Jahren sowie für ihren Einfluss und ihren Beitrag zum europäischen Kino ausgewählt. Am 2. März wird der Preis im Rahmen der 14. Marburger Kameragespräche verliehen. Die Vorreihe zu den Kameragesprächen beginnt am 8. Februar mit der Vorführung von Zusammen ist man weniger allein (Ensemble, c’est tout) im Marburger Filmkunsttheater.

Allerhand wissenswertes über die explizit antifeministische,  gerne mal am äußeren rechten Rand entlanglavierende Männerrechtsbewegung und ihre Aktivitäten hat das Gunda Werner Institut der Heinrich Böll Stiftung in einer umfangreichen Studie  zusammen getragen. Die komplette Publikation ist als pdf gratis herunterzuladen. Auch der österreichische derstandard berichtet und zitiert einen beteiligten Wissenschaftler: “Es geht den Akteuren – und das sind nicht nur Männer – um die Stärkung oder zumindest den Erhalt männlicher Vorrechte und das Zurückdrängen feministischer Argumentationen bzw. Institutionen. Dies gipfelt teilweise in Vernichtungsphantasien gegen den Feminismus und auch gegen einzelne feministische Personen.”

Und noch ein paar Termine: (weiterlesen …)


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Schminke, Kekse, Schmierereien – die Blogschau

21. Januar 2012 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 141 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Schminktipps mal anders: Lucie von klirrr macht sich Gedanken über die ver­meintlichen Unterschiede zwischen “natürlichem” und “künstlichem” Look und die Auswirkungen auf unser Schönheitsempfinden.

“Heldin des Alltags”: eigentlich ein irgendwie komischer Begriff, aber auf Irmela Mensah-Schramm, die seit 25 (!) Jahren unermüdlich in und um Berlin geklebte und gekritzelte Naziparolen wegkratzt, übermalt und entfernt und dafür nicht selten Ärger mit offiziellen und selbsternannten Ordnungshüter_innen bekommt, passt er dann doch ganz schön gut. Eine kleine Hommage gibt es bei laaleeluu.

Über den Umgang mit von gängigen Normen vermeintlich abweichenden sexuellen Identitäten bei Kindern inklusive krasser Pathologisierung ärgert sich das Mädchenblog. Zu Recht. Eine verstörende Geschichte dazu, erzählt im Interview einer betroffen(gemacht)en Familie, gibt es auch bei ATME e.V. – Aktion Transsexualität und Menschenrecht.

Immer wieder Kackscheiße in der Werbung – hier aufgespießt von kulturindustrie und wahnsinn. (weiterlesen …)


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Gibt besonderen Büchern eine Stimme: @Klappentexterin

3. November 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 85 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

Klappentexterin | Das gute Buch im Internet
(auch auf Twitter und Facebook)

Wie heißt du?
Simone Finkenwirth

Seit wann bloggst du?
Ich habe im Januar 2008 mit einem Blog angefangen. Der war eher ein Mischmasch aus allem, doch irgendwann wollte ich eine gerade Linie. Dieser Wunsch hat mich zu meinem Literaturblog Klappentexterin geführt, den ich seit April 2010 pflege. Im Oktober 2010 kam dann noch das Blogprojekt „Reading Murakami“ dazu, das ich zusammen mit drei anderen Bloggerinnen ins Leben gerufen habe.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ich liebe gute Bücher jenseits des Mainstreams, habe Ideen zur Literaturwelt und bereits als Journalistin viel geschrieben. Diese Freuden kann ich auf der Klappentexterin bestens zusammenbringen.

Worüber schreibst du?
Im Mittelpunkt stehen bei mir Rezensionen. Mir liegen vor allem Bücher am Herzen, die etwas Besonderes sind und nicht den Stempel eines Bestsellers tragen. Gut, manchmal bleibt es nicht aus, dass ich auch Bücher lese, die in der Bestsellerliste stehen, aber die feinen Bücher waren schon immer meine Lieblinge. Auf meinem Blog bekommen sie endlich eine Stimme. Dadurch, dass ich mich auch als Buchhändlerin mit Büchern beschäftige, bleibt es natürlich nicht aus, dass mir Gedanken dazu durch den Kopf gehen. Manchmal fallen mir bibliophile Bilder vor die Augen, die ich gern fotografiere. Für all die Dinge ist die Klappentexterin ein schöner Ort, um sie dort mit anderen zu teilen.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ohne das Internet hätte ich nicht so viele wunderbare Menschen kennengelernt. Aus einigen Kontakten haben sich in der Zwischenzeit wertvolle Freundschaften entwickelt. Darüber freue ich mich sehr und danke dem Internet für diese glücklichen Begegnungen. Ohne das Internet würde auch nicht der schöne Pokal im Wohnzimmer stehen, den ich für meine Auszeichnung als Online-Autorin des Jahres 2011 erhalten habe. Das Internet bleibt ein weites Meer mit unbegrenzten Möglichkeiten. Deshalb liebe und schätze ich es so!

Wovon braucht das Internet mehr:
Mut, gute, nicht kommerzielle Ideen und Professionalität.

Frauen* im Web sind
…einfach großartig! Im Laufe meiner Blogzeit bin ich auf viele interessante kreative und bemerkenswerte Blogs gestoßen, wobei der Großteil von Frauen gestaltet wurde. Leider sind wir Frauen immer noch zu leise, aber auf dem guten Weg der Besserung.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Natürlich besuche ich zunächst meine Literaturnachbarn wie Ada Mitsou liest…, Ailis’ Leseturm, aus.gelesen, Bücherwurmloch, Crime Time, Syn-ästhetisch, um nur einen Teil zu nennen. Doch ich halte mich nicht nur im Buchuniversum auf und klicke mich ebenso gern durch andere lesenswerte Blogs wie Girls Can Blog, Gespenst der Armut, und Frau Liebe. Facebook, Spiegel Online, sueddeutsche.de, buchreport.de und boersenblatt.net zählen genauso zu meiner Web-Lektüre dazu.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Slutwalk Münster, Intimes und Mode – die Blogschau

10. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 124 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Juchu! Slutwalk Münster findet am 29. Oktober 2011 statt. Gesucht werden laut Missy Magazin noch Mentor_innen und Sponsor_innen, die bei der Planung und Finanzierung helfen.

Cassiop hat beim 2. bundesweiten Netzwerktreffen junger Feministinnen in Darmstadt teilgenommen und berichtet auf ihrem Blog Authentische Begegnungen von ihren Erlebnissen.

Auf ihrem Blog Rheinsalon befasst sich Katharina Oerder mit dem Thema Jungs als Bildungsverlierer und resümiert: “Entspannt Euch, Jungs“.

Antje Schrupp bloggt über Schönheitsideale und Körpernormierungen und wagt sich an das Thema Intimrasuren und Schönheits-OPs an der Vulva - autsch!

franziska von Anarchieundlihbe antwortet auf Antje Schrupp mit “Mein Schamhaar & Ich” und kommt zu dem Schluß, dass für sie “die Rasur des Intimbereichs am meisten Sinn macht”.

fuckermothers befasst sich mit dem Begriff Milf - “Mom I’d like to fuck” – und findet ihn echt blöd.

Missy Stargast des Monats Maria Wersig (schon einmal in den WWW Girls vorgestellt) bloggt über Rassismus und Recht: “Rasse” als Rechtsbegriff.

Auf changinglifestyle findet ihr einen tollen Beitrag über Mode aus historischer Perspektive, der Bezug nimmt auf einen Artikel aus dem Zeit Magazins (Nr.36) von Elisabeth Raether (Autorin von Neue deutsche Mädchen): “Der weibliche Blick“.

Anna-Sarah berichtete bereits über das taz-Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Pohl (von 2009), auch momorulz widmet sich dem Thema und konstatiert, dass “Herr Pohl [neben Sexismus] homophobe Strukturen gleich mit erhellt”.

Einen Vortrag von Tove Soiland zu “Subversion, wo steckst du? Eine Spurensuche an den Universitäten” findet ihr auf podcast-kombinat.de. Dieser wurde im Rahmen einer Vortragsreihe vom Promotionskolleg Geschlechterverhältnisse im Spannungsfeld von Arbeit, Organisation und Demokratie in Marburg gehalten.

Wer sich für Literatur, Bücher und Gedichte interessiert, schaut einfach mal auf dem Blog LesenLebenAbenteuer vorbei.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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An Charlotte Roche. Und gegen den Unwillen zum Wissen!

19. August 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 38 von 48 der Serie Meine Meinung
© Flickr Nenyaki “Schoßgebete”. Tausendfach im Feuilleton durchgenudelt, alles gehört und gesehen. Inklusive Alice-Schwarzer-Gezeter und Kuscheltalk bei Markus Lanz, Lobeshymnen und Tiraden. Und nun die Zeit, auch einfach mal das Wort mal direkt an die Schreiberin zu richten. Also: Liebe Charlotte!

Ich finde Dich ja eigentlich ganz süß und knuffig. Also, früher zumindest. Und irgendwie sind davon halt auch noch Restbestände vorhanden. Trotz Geschwafel über Sex in Yoga-Hosen (gähn…), Wirsing (schnarch…) und “Wie kann ich dafür sorgen dass mein Typ mich immer toll findet und wir für immer zusammen bleiben werden?” (Ach, ach… Egal… Egal…). Deswegen will ich Dir heute mal einen schwesterlichen Rat geben: Wenn Du das nächste Mal ein Buch schreibst – und wir alle ahnen ja schon, Du wirst es irgendwann wieder tun – dann lies doch vorher mal eins! Also, ein richtig gutes! Oder, sogar mehrere!

Weil, irgendwie soll es ja bei Dir ums deutsche Durchschnittsleben gehen – Mittelmaß und so, Linse knallhart draufgehalten, trotz dramatischer Vorkommnisse im Leben, trotz moderner Industriegesellschaft und Wandel von Familien- und Genderstrukturen und Individualisierung und so weiter und so weiter. Das finde ich insgesamt ein hehres Ziel, aber da muss man halt bei den Besten in die Lehre gehen. Richard Fords “Sportreporter”-Trilogie kann ich Dir da wärmstens empfehlen. Ford ist seinem Held Frank Bascombe ja zum Teil bis auf die Toilette gefolgt (Ja, ja! Und das vor Deinen “Polöchern”! Schau an, schau an! Voll innovativ, oder?), und das schon vor vielen vielen Jahren. Und um Prostata-Krebs ging es dann auch im letzten Teil: Du siehst also, der gute alte Richard griff auch irgendwie Pipikacke-Themen – ganz zu schweigen von fragilen Beziehungen, Patchworkfamilien und der Angst vor Einsamkeit – auf. Aber: Eben auf hohem literarischem Niveau! Und genau deswegen liest man seine Bücher auch ganz gerne! Weil da zwar irgendwie auch nicht wirklich viel passiert, aber sprachlich doch immerhin allerhand!

Und weil der Ford aber auch einigermaßen unverdeckt reaktionär ist – in Interviews redet er ja zum Beispiel immer total gerne über seine Ehe und dass ohne reproduktive Zweierbeziehungen ja quasi alles geradewegs auf dem Weg der Verdammnis oder zumindest der Unproduktivität landen muss – habe ich noch einen zweiten heißen Tip, und zwar ebenfalls eine Trilogie: Michel Foucaults “Sexualität und Wahrheit”. Da empfehle ich Dir insbesondere Band II und III, nämlich “Der Gebrauch der Lüste” (Original: L’usage des plaisirs) und “Die Sorge um sich” (Original: Le souci de soi). (Es gibt noch einen vierten Band, aber das ist eine Geschichte die mit “fragmentarisch” und “posthum” zu tun hat, aber das juckt uns jetzt nicht groß. Nur der Vollständigkeit halber.)

Auf jeden Fall untersucht unser Kumpel Michel nämlich unter anderem, wie das Sexualverhalten vom klassischen griechischen Denken als Bereich moralischen Ermessens und moralischer Wahl geprägt worden ist.  Und er stellt die These auf, dass Sexualität den Zugang zum Individuum erlaubt und die Bevölkerung kontrolliert. Und dass sie sowas wie eine Angelegenheit des Staates ist, unter anderem dem Gesundheitswesen und den Regeln einer Normalität untergeordnet.  Und es geht auch um Zwangsheterosexualität und Reproduktivitätsideologie und so. Abgefahren, oder? Ist das nicht der Knaller?! Und ich kann Dir sagen, hach, was sage ich, ich kann Dir versprechen, wer Dein Buch “krass” findet, ha, also der wird sich bei der Foucault-Lektüre wundern, wie ihm wieder die Füße aufwachen, die ihm vorher vor lauter Wirsing, Würmern, Popo-Kratzen und Heizdecken eingeschlafen sind! Achterbahn der Crazyness sage ich nur! Word!

Du wirst sehen, Deine Geschichte wird dadurch keine bessere (und darum geht es ja auch nicht, Deine Geschichte ist Deine Geschichte, und deswegen belassen wir es dabei. Und niemals – so sagt es zumindest der gute alte Onkel Stephen King in “Das Leben und das Schreiben” – ist die Geschichte an sich wirklich schlecht, sondern nur die Umsetzung! Und das glaube ich gern, denken wir nur an den Story-Output von “Langoliers” - aber, ach, das ist ja auch wieder eine andere Geschichte! Was soll`s!). Wie auch immer: Du wirst sie beim nächsten Mal besser aufschreiben können. Bestimmt. Zumindest ein bisschen.

Deswegen, ich hoffe sehr dass Du Dir meine Tips vielleicht zu Herzen nimmst – ich auf jeden Fall würde mich sehr darüber freuen, weil, auch ich finde es immer ganz toll wenn die Leute mit Sachen konfrontiert werden, die ganz krass neu für sie sind und sie mal richtig vom Hocker reißen! Also, “schocken” wie Du vielleicht sagen würdest, und die auch so ein bisschen an den eigenen alten Denkmustern rütteln! Und: Die einen vor allem ein bisschen von der Pubertätsidee “Ich-kenne-mich-und-deswegen-kenne-ich-Euch-alle-und-ich-sage-Euch-jetzt-mal-wie-…”-Attitüde wegholen. Schöner ist ja immer irgendwie: Jetzt habe ich ordentlich geplappert, beim nächsten Mal habe ich aber mal wieder was dazu gelernt! Und zwar was Richtiges! Du wirst sehen!

Ich bin also schon mächtig gespannt auf Deine nächsten Papier-Geschosse, gucke mir bis dahin nochmal Dein Promo-Video zum neuen Besteller an (Glückwunsch übrigens!), warte auf die Zukunft und sage: In diesem Sinne, sincerely yours! Nadia.

Und P.S.: Alice, falls ich Dich auch erwische – für Dich gilt in weiten Teilen natürlich dasselbe. Und beim nächsten offenen Brief bitte nicht so rumschnauzen. Das war ja zum Ohrenkrebs kriegen, Dein Rumgemecker. Also. Weißte Bescheid!


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„Iihh, Frauen schreiben Bücher“

15. Juli 2011 von Helga

Vor kurzem haben wir erst das Buch “The Marie Curie Complex” vorgestellt, das sich u.a. den Mechanismen widmet, die die Erfolge von Forscherinnen unsichtbar werden lassen. Die Library Mistress hat nun ein Zitat von 1994 gefunden, das noch ein ganz anderes Problem beschreibt:

“Bis Anfang dieses Jahrhunderts war in den Erwerbungsgrundsätzen der Königlichen Bibliothek in Berlin explizit festgeschrieben, daß von Frauen verfaßte Bücher nicht anzuschaffen seien”.

Man mag sich gar nicht ausmalen, wieviel Wissen und wieviel Literatur hier mal wieder verloren gegangen ist oder Männern zugeschrieben wurde.


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Eine Handvoll Blogs: @engl

9. Juni 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 71 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr(e) Weblog(s) vor. Heute:

engl@absurdum
Hauptstadtblog
Zendura
Common Reader

Wie heißt du?
Susanne Englmayer

Seit wann bloggst du?
Online seit Juni 2002, offline schon viel länger.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Ende der 90er habe ich zusammen mit einem Freund an einem literarischen Projekt gearbeitet. In dem Zusammenhang haben wir unsere Hintergrundarbeit und -erfahrung per Mail ausgetauscht. Etwas Ähnliches wie diese Protokolle wollte ich dann öffentlich weiterführen. Was ein Blog ist wusste ich damals aber noch nicht, deshalb habe ich eine ziemlich scheußliche, mit MS Publisher selbstgestrickte Webseite konstruiert.

Ums Schreiben geht es bei mir auch heute noch, es ist aber nicht mehr so offensichtlich. Inzwischen komme ich vermutlich mehr als Tagebuchbloggerin rüber. Das macht mir aber nix, für mich sind das sowieso oft die interessantesten Blogs.

Worüber schreibst du?
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Ausprobieren, vernetzen, austauschen!

7. März 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 65 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Die Bloggerin heute ist im März Star-Gast des Monats bei Missy Online:

different needs

Wie heißt du?
Anna.

Seit wann bloggst du?
Ich blogge seit August 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Weil ich einfach Lust hatte, etwas zu machen und mich mitzuteilen. Ein Blog ist da eine ideale Möglichkeit, sich auszuprobieren. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Dinge, über die ich so nachdenke, auch andere Leute interessieren könnten. Die Möglichkeiten der Vernetzung und des Austauschs im Web 2.0 finde ich super.

Worüber schreibst du?
Ich habe da keinen engen Fokus und schreibe über vieles, was mich so umtreibt. Wenn man Oberbegriffe finden will, dann würden die vielleicht Popkultur, Literatur und Medien heißen. Von Brustbewaffnung in Lady Gaga und Katy Perry Videos über die extrem ätzende Mario Barth Media Markt Werbung (die ja auch hier bei maedchenmannschaft.net kritisiert wurde) bis hin zu Riot Grrrls und DIY ist dann einiges dabei.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Also, ich schreib zwar auch gern mal einen Brief oder telefoniere mit meinen Freund_Innen, aber das Internet erleichtert es doch ungemein mit der Cousine in Frankreich und dem Freund in England in Kontakt zu bleiben. Ohne das Internet hätte ich sicher auch den kleinen Plattenladen in Paris nicht gefunden und wenn ich den nicht gefunden hätte, wäre die Huggy Bear/Bikini Kill Split-LP wohl immer noch nicht in meinem Besitz. Spannender wird’s grad nicht.

Wovon braucht das Internet mehr:
Erstmal wäre weniger Zensur ja ganz nett. Und dann braucht das Internet mehr Menschen, die partizipieren und Informationen sammeln dürfen, ohne dass deren Regierung sagt „Ist nicht!“.

Frauen im Web sind…
unverzichtbar.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Neben den üblichen Nachrichtenportalen und dem einen oder anderen Social Network schaue ich immer gern, was meine Freund_Innen so treiben. Da lese ich dann Hendriks ekstatischewahrheit.blogspot.com, Kats kat-pug.blogspot.com und Chris’ lostinsabbath.blogspot.com.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.


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Vom Literaturkreis für Frauen zum Blog über die Buchbranche

14. Februar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 63 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

cronenburg

Wie heißt du?
Petra van Cronenburg

Seit wann bloggst du?
Dieses Blog entstand 2006, davor gab es einige andere. Eigentlich nutzte ich schon Ende der 1990er die damals noch rudimentären kommunikativen Techniken der Plattform „geocities“. Ich erinnere mich an ein Webprojekt zum Thema „Schwarze Madonnen“, aus dem auch ein Buch wurde. Ich bat damals Frauen aus aller Welt, mir ihre Vorstellungen in Form von Bildern, Texten oder Gesprächsbeiträgen zu schicken und wir montierten das noch sehr mühsam wöchentlich in html in eine statische Website. Es gab ein Diskussionsforum und Live-Chat und die Websites waren wie Stadtviertel miteinander vernetzt. Heute nennt man das wohl Social Media…

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Mitte der Achtziger gründete ich mit einer Gewerkschafterin einen Literaturkreis für Frauen auf dem Land, die es gewohnt waren, nur mit den Ehemännern auszugehen, und die oft ohne eigenes Auto völlig von allem abgeschnitten lebten. Wir lasen gemeinsam, diskutierten über unsere Lektüren und machten gemeinsame Exkursionen in Sachen Kunst und Kultur. Mit Ventura Publisher, Nadeldrucker und Handkopien fertigte ich für sie ein Buch-Fanzine und träumte von einer Technik, mit der sich noch mehr Frauen erreichen ließen. Ich war fasziniert von der Möglichkeit, Menschen vermitteln zu können, dass man Kunst und Kultur unabhängig von Bildung und Geldbeutel genießen kann und dass sie das Leben bereichern. Die Blogtechnik kam genau richtig – jetzt ließ sich das ohne geografische (und Geschlechter-)Grenzen ausweiten.

Mein jetziges Blog schätze ich aber auch als journalistische Ergänzung: Ich kann persönlicher werden, habe mehr Platz für Glossen und Kommentare, mehr Raum für Hintergründe und muss keine Rücksichten auf Anzeigenkunden nehmen. Ich fing mit diesem letzten Blog an, um besser mit LeserInnen kommunizieren zu können. Inzwischen gibt es auch ein eigenes Blog zu meinem neuen Buchprojekt über Vaslav Nijinsky, wo ich all die Informationen anbiete, die in ein Buch nicht passen.

Worüber schreibst du?
Mit dem Blog „cronenburg“ verfolge ich ein doppeltes Ziel: Auf der einen Seite bringt es mich als Buchautorin und Übersetzerin näher an meine LeserInnen. Ich erzähle also aus meinem Arbeitsleben, von dem, was das Schreiben mit mir anstellt, was professionelles Schreiben ausmacht. Auf der anderen Seite habe ich so viele Informationen aus der Buchbranche, dass ich sie gern mit Interessierten teilen möchte. Obwohl ich grundsätzlich für Menschen schreibe, interessiert mich als Frau natürlich der weibliche Blickwinkel.

Gerade unsere Branche wirft eine Menge unbequemer Fragen auf: Warum lesen angeblich fast nur noch Frauen Bücher? Warum werden im 21. Jahrhundert in der Unterhaltungsliteratur vorwiegend Manuskripte mit eher reaktionären Rollenbildern eingekauft (die „starke“ Frau sucht ja doch nur den Märchenprinz) – und zwar meist von Frauen für Frauen? Wohin und warum verschwinden die Frauen, die heute in Buchberufe strömen (80% der Auszubildenden sind weiblich), wenn es ums Karrieremachen geht? Wie kann es sein, dass in der frauenstarken Buchbranche der Gender Pay Gap bis zu 36% beträgt? Wie bekommen wir Jungen und Männer zum Lesen? Schreiben und lesen Frauen anders als Männer? Wie frei sind Schriftstellerinnen in ihren Frauenrollen im Leben wie im Beruf heute wirklich?
Mir hat vor allem die Studie „MehrWert“ von den BücherFrauen die Augen geöffnet – solche Themen möchte ich ebenfalls vertiefen. (weiterlesen …)


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