Einträge mit dem Tag ‘Liebe heute’


Warum Monogamie eine schlechte Idee ist

29. Juni 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 25 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Die These ist nicht neu: Partnerschaften zerbrechen ihre Langlebigkeit an dem Vorsatz der Monogamie. Menschen seien einfach nicht dazu gemacht, mit nur einem Sexualpartner auf Dauer glücklich zu werden, behaupten Christopher Ryan und Cacilda Jeth. Das Autorenpaar hat in den USA gerade das Buch “Sex at Dawn: The Prehistoric Origins of Modern Sexuality” veröffentlicht, in dem allerlei Studien aus Natur- und Geisteswissenschaften für ihre These herhalten müssen. Aber sind prähistorische Gesellschaftsentwürfe und ein Blick auf Artverwandte, wie die Bonobo-Affen stichhaltig genug, um die Monogamie als Konstrukt abzumahnen?

Im Interview mit Salon erklärt Psychologe und Autor Ryan die Hintergründe, in denen Penisformen, Hodengrößen und Spermaspuren eine große Rolle spielen, mich persönlich aber nicht sonderlich überzeugen. Gegenfrage: Sagt die Größe meiner Klitoris ebenfalls etwas über meine mangelnde Monogamie-Fähigkeit aus?! Super, dann kann ich es beim nächsten Mal darauf schieben: “Sorry, Schatz, aber hättest du dir meine Klit mal genauer angesehen, hättest du wissen können, dass Fremdgehen in meiner Natur liegt…”

Ich kenne Ryan und Jeths Buch nicht, weiß aber, dass die Ehe und vor allem die Liebesehe ein soziales Konstrukt ist, nach dem unsere Gesellschaft besser funktionieren soll. Denn wo bitte kämen wir hin, wenn jede und jeder wild in der gegend rumvögeln würde? (Ironie!) Zu einem Haufen vaterloser und damit staatlich zu versorgender Kinder. Monogamie ist vor allem Sexual- und Bevölkerungspolitik. Was jedes Paar für sich entscheidet, ist deren Angelegenheit, auch wenn die meisten es lieber für sich behalten, wenn sie eine offene Beziehung führen. Und die Gegenentwürfe zur Monogamie sind facettenreich: One-Night-Stand, Seitensprung, Affäre, Polygamie als Beziehungskonzept – da muss man sich erst mal drüber klar sein, wo Sex aufhört und Betrug anfängt und ob sexuelle Freiheit wirklich immer ein Nachteil für die Beziehung sein muss – partnerschaftliches Einverständnis vorausgesetzt.

Was mich wundert: Wenn es in einer Beziehung sexuell nicht gut läuft, wird gerne darauf verwiesen, dass Partnerschaft so viel mehr sei als Bettakrobatik. Wenn dann aber woanders geturnt wird, dann hängt plötzlich doch die Beziehung dran? Verkehrte Welt!

Die Frage ist, wann geschieht Sex aus echter Lust auf das Fremde, Unbekannte und wann doch eher, um der eigenen Eitelkeit zu genügen, sich zu beweisen, ich kann jede_n haben? Oder weil es einfacher ist, das Abenteuer außerhalb des eigenen Bettes zu suchen, statt sich die Mühe zu machen, die heimische Spielweise aufzurüsten. Ich war nie lange genug in einer Beziehung, um sexuelle Monotonie zu empfinden aber wenn ich die Gelegenheit spürte, fremd gehen zu können, dann fühlte ich mich auch in der Beziehung sexuell nicht ausgelastet und das fiel dann meistens noch unter die 3-Monats-Testphase einer neuen Beziehung. Wie sich die Lust auf Sex mit anderen in einer über Jahren gewachsenen Partnerschaft sowohl körperlich als auch emotional anfühlt, kann ich nicht beurteilen – aber ich bin dagegen, Menschen in ein monogames Korsett zu zwängen, weil es gesellschaftlich verlangt wird. Und noch mehr bin ich dagegen, Männer wegen ihrer Hodengröße oder prähistorischen Jägerlateins von der Monogamie-Pflicht zu entbinden, Frauen aber im Gegenzug immer noch das Märchen von der Liebe und dem Sex zu erzählen – denn sie leben nicht immer glücklich und zufrieden bis in alle Ewigkeit.


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Arschlecken!

24. Juni 2010 von Susanne
Dieser Text ist Teil 2 von 11 der Serie Die Farbe Lila

Zurzeit öffne ich meinen Briefkasten sehr vorsichtig. Ich linse erst mal hinein. Sehe ich nur Werbeprospekte und Rechnungen, greife ich erleichtert zu. Klemmt aber zwischen den weiß-nüchternen Umschlägen von Banken und Behörden wieder einmal ein großes Kuvert aus Büttenpapier, atme ich tief ein und noch tiefer aus. Aber es hilft ja nichts, ich nehme den feinen Umschlag heraus. Also, wer zur Hölle stellt sich als nächstes in den sommerlichen nie enden wollenden Reigen der Heiratswilligen?

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Nie hätte ich gedacht, schon mit Anfang 30 erste Alterserscheinungen zu bekommen, aber dass ich sommers meine Wochenenden auf Hochzeiten verbringe, ist genau eine solche altersbedingte Erscheinung. Und fast so lästig wie Akne in der Pubertät.

Anfangs dachte ich noch, mein einziges Problem mit Hochzeiten sei das Ding Ehe an sich – so ganz von dieser Einrichtung überzeugt bin ich immer noch nicht. Die Ehe als staatlich legitimierte und finanziell geförderte Form des Zusammenlebens: Was bitte ist daran romantisch? Und die Eheschließung als Moment, bei dem die Frau sich vom Vater an den Zukünftigen übergeben lässt und seinen Namen annimmt – weibliche Selbstbestimmung sieht anders aus. Aber je öfter ich den Wandel der Braut zwischen Einladung und Ja-Wort mitbekomme, desto mehr sehe ich noch ein anderes Problem: dass Hochzeiten für Frauen zur konsumfixierten Leistungsschau geworden sind.

Und zwar jetzt gar nicht einfach so: Wer hat die geilere Location, das bessere Geschirr, das schönere Kleid vom bekannteren Designer. Nein, viel subtiler, denn natürlich orientiert sich niemand an anderen Menschen, Stichwort Individualität und so. Der Wettbewerb läuft eher unter dem Motto: Wer schafft es, seinem Traum einer perfekten Hochzeit so nahe wie möglich zu kommen? Egal ob dieser Traum im Landhaus-, Mittelalter-, Romantik- oder irgendeinem anderen Stil gehalten ist. Die Hochzeitsindustrie ist auf jeden Geschmack vorbereitet und setzt mit der Realisierung dieser Träume jedes Jahr fast zwei Milliarden Euro um.

Früher zahlte der Vater der Braut die Hochzeit, wobei „früher“ relativ ist, auch auf so einer Hochzeit war ich im letzten Jahr. Heute jedenfalls zahlen viele Brautleute selbst, und da auch Frauen ganz selbstverständlich Geld verdienen, darf es gern etwas teurer werden. Dann leistet man sich bestickte Platzkärtchen, weiße Tauben und eine mehrstöckige Torte mit Marzipanrosen als absolute Basics für „den schönsten Tag im Leben“, „den man schließlich nur einmal feiert.“ Also gleich noch den spitzenumrangten Torbogen für die Freiluft-Hochzeit gemietet und das – heute wieder zwingend weiße – Kleid doch maßanfertigen lassen.

Freundin P. jedenfalls, die in diesem Sommer ebenfalls heiratet, beschwerte sich bereits, dass es allein schon ziemliche Überwindung koste, eine einfache, handgeschriebene Einladungskarte zu verschicken. „Sogar meine Mutter redete mir ein, ich solle ins Grafikstudio gehen. Meine Mutter, die barfuß auf einem Acker geheiratet hat! Im Studio bekomme man auch das allertollste Papier, sogar parfümiertes“, erzählte sie augenverdrehend. „Arschlecken!“ schloss sie auf ihre von mir sehr geschätzte direkte Art, „ich klopp doch nicht mein sauer verdientes Geld für so einen reaktionären Scheiß raus.“

Ihre Parole Arschlecken! will ich seit unserem Gespräch jeder Braut zurufen, deren Einladung mich erreicht. Leider bin ich nicht abgebrüht genug, diejenige zu sein, die ihnen „den schönsten Tag im Leben“ versaut. Also gehe ich am Wochenende auf die nächste Hochzeit. Der schöne Sommer.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz)


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Liebe im Kopf

26. Oktober 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 36 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

LovemeorLeavemeLove me or leave me – was wäre das Leben einfach, wenn sich solche Pauschalregeln durchsetzen ließen. Doris Guth und Heide Hammer haben aber mit der gleichnamigen Aufsatzsammlung niemandem ein Ultimatum stellen wollen. Vielmehr geben sie elf AutorInnen die Gelegenheit „Liebeskonstrukte in der Populärkultur“ aufzudecken. In der Einleitung schreiben die Herausgeberinnen:

In der Perspektive des Cultural Studies verfolgen wir die changierenden Bewegungen zwischen dem überaus intimen, persönlichen Bereich der Liebesbeziehungen und ihren gesellschaftlichen wie medial vermittelten Faktoren.

Dabei können die Konstruktionen so leicht enttarnbar sein wie in deutschen Lifystylezeitschriften oder der us-amerikanischen Serie „The L-Word“, in deren Mittelpunkt eine lesbische FreundInnen-Community“ steht. Oder sie stellen feministische Grundthesen in Frage, wie die Annahme, Frauen in liberalen Gesellschaftssystemen wären durch die Schaffung „privater“ (weiblicher) und „öffentlicher“ (männlicher) Räume stärker benachteiligt als Frauen eines kommunitaristischen Gemeinwesens. Die Anthropologen Eva Illouz und Eitan Wilf belegen ihre Thesen anhand einer vergleichenden Studie us-amerikanischer und israelischer Frauenzeitschriften. Andere AutorInnnen konzentrieren sich auf den eigenen Kulturkreis und untersuchen zum Beispiel die Liebesdiskurse im deutschsprachigen Rap.

Was als rein wissenschaftliche Lektüre beginnt, erweitert sich im weiteren Verlauf des Sammelbandes zur populärkulturtypischen Diskursanalyse eines Diedrich Diederichsen. Wen das in seinem auf Stringenz gepolten akademischen Denken verunsichert, den dürfte Stephanie Kiesslings Beitrag auflächeln lassen. In „These foolish things remind me of you – eine kleine Verschwörungstheorie der Dinge“ gibt sie – begleitet von wunderbaren Illustrationen – dem Begehren des Sammelns einen emotionalen Fetisch-Anstrich als Zeichen romantischer Liebessehnsüchte.

Ähnlich unkonventionell nähert sich Sissi Szabó literarischen Liebeskonstrukte. Ihr „automatischer copy-paste-Schreibworkshop“ zeigt in der ihr eigenen Sprache alltägliche Kommunikationskanäle von Liebenden auf.

Mit „Love me or leave me“ setzen die Herausgeberinnen Guth und Hammer ganz bewusst auf die individuellen Formate ihrer AutorInnen. Dadurch entsteht ein vielseitiger Blick auf die unterschiedlichen Herangehensweisen, die von der Populärkultur begünstigten Konstruktionen zu hinterfragen. Die gleiche Wirkung erzielt die Wahl der behandelten Medien, die von Zeitschriften und Musik, über Fernsehen und Film bis hin zur Literatur reicht. Dass auch internationale Perspektiven – nicht zuletzt in Ruby Sicars Beitrag über die Queerness in südasiatischen Filmen – eine Rolle spielen, ist ein weitere Pluspunkt für die Sammlung.
„Love me or leave me“ wird auch diejenigen ansprechen, die bisher eher wenig Berührung mit dem Hinterfragen gängiger „Liebes-Codes“ in der Populärkultur hatten, oder gerade erst anfangen, sich damit zu beschäftigen. Für alle anderen halten die teilweise originellen Forschungsansätze sicher trotzdem neue Erkenntnisse bereit.

Erschienen bei Campus, 231 Seiten, 24,90 Euro

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Das Buch über diesen Link zu bestellen unterstützt die Mädchenmannschaft.

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Nekrophile AIDS-Prävention

8. September 2009 von Verena

Die Initiative Regenbogen e.V., ein Verein für AIDS-Prävention, hat sich eine neue Kampagne ausgedacht. Weil die Anzeigen mit in Verhüterlis gekleidetem Obst und Gemüse nicht mehr richtig auffielen, musste was Radikales her. Unter dem Motto „Aids ist ein Massenmörder“ werden nun Schurken der Geschichte zum personalisierten HIV-Virus. Egal ob Saddam Hussein, Josef Stalin oder Adolf Hitler – auf Plakaten und im Video zeigen sich heiße nackte Girls in geschlechtlicher Umarmung mit dem Bösen.

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Spiegel Online berichtet, dass die Kampagne vor allem in Großbritannien und den USA für Proteste sorge:

Der Spot “stigmatisiere die Menschen, die HIV-positiv sind und die ohnehin einer großen Diskriminierung und Ignoranz ausgesetzt” seien, sagte eine Sprecherin des National Aids Trust, der die Aktionen zum Welt-Aids-Tag in Großbritannien koordiniert.
Die Organisation befürchtet, dass die Botschaft des Spots die Menschen davon abhalte, sich testen zu lassen – die HIV-Positiven sowie die Erkrankten würden selbst zu Massenmördern stigmatisiert. Zudem wird kritisiert, dass die Videos keine Informationen über Präventionsmöglichkeiten enthielten

Nicht nur liefert die Anzeige keine Informationen, wie man sich schützen kann, auch impliziert sie eine massive Geschlechterdiskriminierung: Die Frau ist Opfer der Ansteckung, der Mann der böse Überträger. Gleichzeitig assoziieren die Bilder und vor allem der Spot eine heiße, unverbindliche Sexnacht – als seien nur unvorsichtige One-Night-Stand-Fans gefährdet, sich mit HIV zu infizieren. Dass das Virus auch auf anderen Wegen und durchaus in Partnerschaften übertragen werden kann, wird hier außer Acht gelassen. Und bitte, wenn es schon um Sex geht, dann müssen Brüste und Hintern der Frau genauso in Szene gesetzt werden, wie ihre lustverzerrte Mimik… als ob Nekrophilie, also Sex mit Toten, Spaß mache…

Wie aber kann gute Anti-AIDS Werbung aussehen? Der Hinweis auf die Nutzung von Kondomen erscheint in diesem Zusammenhang unerlässlich. Und den Ernst des Themas mit Aufmerksamkeit und gegebenenfalls Humor zu paaren, ist nicht leicht. Aber vielleicht ist die Orientierung an die AIDS-Prävention Werbung der 90er Jahre lohnenswerter, als der missglückte Griff in historische Mottenkisten.


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Sommer in den Blogs

18. Juli 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 42 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Julia Seeliger war bei Polycamp in Groß Köris. Wie das so war, erzählt sie hier. Das Camp geht noch bis morgen.

Wusstet ihr, dass Skispringerinnen nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen? Wer bis eben genauso ahnungslos wie ich war, kann sich im Mädchenblog belesen.

I heart digital life mit einem ganz profanen, aber dafür umso spannenderen Technikhinweis: Die Website des Feministischen Instituts Hamburg kann jetzt auch rss!

Für die zwitschernde Langeweile zwischendurch: Die Kaltmamsell hat einen Heterotest gefunden.

Für die große Langeweile lohnt sich der Klick zu kopfundherz, da gibts nämlich eine Übersicht über lesbische web Serien. Prokrastination galore.

Am Schluss noch schnell noch ein Terminhinweis: Side glance erinnert ans Girls Geek Dinner in Stuttgart am 23. Juli.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Zwei verliebte Pinguine fliegen durch die Nacht

6. Juni 2009 von Anna
Dieser Text ist Teil 37 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Trotz der Pfingsttage war einiges los in den Blogs. Eine kleine Auswahl findet ihr hier:

Ich persönlich finde ja die Geschichte um die zwei schwulen Pinguin-Papas sehr rührend. Der Väterblog berichtet darüber, aber stellt auch eine Studie vor, die herausgefunden hat, dass kinderlose Männer glücklicher als Väter seien. Hoffen wir das beste für die Pinguine!

Süüüüüüüüüß!
(Bild über Radio Bremen - wer mehr davon sehen will, klickt darauf.)

Dazu passt eine Umfrage, die die Techniker Krankenkasse durchgeführt hat und über die dieStandard.at informiert. Demnach empfinden Hausfrauen und –männer mehr Stress als Manager. Außerdem bei dieStandard.at gefunden: Die FPÖ fordert ein Gesetz gegen „zu Homosexualität anspornende Informationen für Minderjährige“.

Da anzunehmen ist, dass die Studierenden der Havard University alle schon volljährig sind, wird die FPÖ die Einführung des Lehrstuhls für „lesbian, gay, bisexual and transgender studies“ dort hoffentlich mit Fassung tragen (gefunden bei kopfundherz).

Lila Rose, 20 Jahre alt, studiert nicht in Havard sondern an der University of California. Da ihr Studium sie nicht genug auszulasten scheint, ist sie nebenbei aktive Abtreibungsgegnerin und filmt heimlich Beratungsgespräche in Abtreibungskliniken. Der Mädchenblog berichtet über den „Pro Life Spitzel“.

Leider ohne geschickte Überleitung, aber trotzdem lesenswert: Antje Schrupp entdeckte diese Woche ungeahnte Gemeinsamkeiten mit Ulla Schmidt, beide „machen nichts aus sich“. Und was kann eine Frau schon taugen, die nichts aus sich macht?

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Produktion und Reproduktion

1. Juni 2009 von Anna

Über die aus westdeutscher Sicht vermeintlich vorbildlich gleichberechtigten DDR-Frauen gab es diese Woche in der Zeit einen interessanten Artikel zu lesen. Darin heißt es unter anderem:

„Die starke, emanzipierte Genossin? Fehlanzeige. Die Familienpolitik der DDR war auf ein traditionelles Bild der Frau ausgerichtet. Das einzig Neue daran: Frauen mussten nun das Doppelte leisten. Produktion und Reproduktion, so nennt Babett Bauer diese Aufgaben. Die Historikerin hat im Familiengesetzbuch der DDR nachgelesen, dass die Aufgaben der Frau sogar gesetzlich geregelt waren: “Die Frau sollte ihre berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit, die immer in Zusammenhang mit dem Aufbau der sozialistischen Gesellschaft stehen musste, mit der Mutterschaft vereinbaren können. Von Vaterschaft ist hingegen nie die Rede.”“

Oder, etwas kürzer zusammen gefasst:

„Was heißt schon Emanzipation. Natürlich sind wir alle arbeiten gegangen. Aber die Kinder in die Krippe gebracht, abgeholt, der Haushalt, das blieb an uns hängen.“

In der DDR fand so politisches Engagement teilweise quasi unter umgekehrten Vorzeichen statt: Gerade die Frauen, die sich dafür entschieden, zu Hause zu bleiben – „auch und gerade, um ihre Kinder von den Institutionen der ideologischen, staatlichen Erziehung fernzuhalten“ – setzten damit mehr oder weniger direkt ein politisches und gesellschaftliches Statement und „kamen so auch mit der westdeutschen Frauenbewegung in Kontakt“.

Heutzutage profitieren jedoch Frauen wie Männer von der in der DDR sowohl verordneten als auch halbherzigen Emanzipation. So ist zum Beispiel für die Kinderbetreuung eine andere, bessere Infrastruktur vorhanden als im Westen, Hort- bzw. Kitaplätze sind keine Mangelware. Auch das Selbstverständnis sei bei beiden Geschlechtern ein anderes:

„Daniel Erler ist Mitautor der Studie, die sich mit der Lebenssituation und den Perspektiven junger Frauen in den neuen Bundesländern auseinandersetzt, und erklärt: “Das Selbstverständnis der jungen Frauen im Osten ist sehr viel stärker am Arbeitsmarkt orientiert. Beruf und Familie schließen sich nicht aus, sondern gehören zusammen.“

Außerdem seien Ost-Männer „offener gegenüber arbeitenden Frauen“.

Und weiter heißt es:

„Darüber hinaus zieht das Argument, dass Männer im Westen gerne anführen, ihr höheres Gehalt nämlich, im Osten einfach nicht. Die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern sind im Osten sehr gering, zeigt die Studie “Frauen machen neue Länder”. Und wenn es selbstverständlich ist, dass beide Partner arbeiten, ist es auch selbstverständlich, dass beide Partner den Haushalt erledigen.“

Daniel Erler gibt sich allerdings optimistisch:

„In diesem Fall bewegt sich der Westen auf den Osten zu. Denn das Selbstverständnis der jungen Frauen im Westen ändert sich in diesem Punkt natürlich auch.“

Sein Wort in wessen Ohr auch immer.


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weiblich und schwul

28. Mai 2009 von Verena

Auf entlegenen Wegen
In veregneten Städten
Nach vernebelten Feten
In zertreten Beeten
An beschädigten Theken
Auf ungezählten Planten
Im täglichen Leben
Könnt ihr schwulen Mädchen begegnen

Ich dachte, was Fettes Brot über „Schwule Mädchen“ singen, sei der künstlerischen Freiheit geschuldet. Dass uns schwule Mädchen und Frauen, sogenannte Girlfags, tatsächlich im täglichen Leben begegnen, weiß unsere Leserin Ili. Selber eine Girlfag will sie für mehr Aufklärung und Präsenz sorgen – damit über den Suchbegriff „Schwule Mädchen“ eben nicht nur der Song von Fettes Brot auftaucht. Auf ihrer Internetseite schreibt sie:

Ich möchte mit dieser Seite die Frauen erreichen, die “schwul fühlen” und sich (auch sexuell) zu schwulen/bisexuellen Männern hingezogen fühlen.
Das heißt: Nicht Frauen, die einfach “nur”
- Schwule heiß finden und/oder gerne Schwulen-Pornos sehen
- sich einen schwulen besten Freund wünschen oder die es
schade finden, dass ihr bester Freund schwul ist, weil “Schwule
die besseren Männer” sind. Für eine GirlFag sind Männer oft nicht
interessant, obwohl sie schwul sind, sondern eben weil sie es
sind. (es ist also nicht “schade”, dass er schwul ist, sondern
gerade das Interessante!)

Der Mädchenmannschaft hat sie ein paar weitere Fragen beantwortet Zum Weiterlesen bitte klicken
(weiterlesen …)


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Ein Weckruf aus Schweden: „Bitterfotze“

27. Februar 2009 von Katrin
Dieser Text ist Teil 23 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Heute ist es endlich so weit: Der Roman „Bitterfotze“ von Maria Sveland erscheint im Buchhandel (und ihr könnt fünf Exemplare gewinnen – siehe unten).

Der Titel macht neugierig: Was hat es damit auf sich? „Bitterfotzig“, so nennt sich Svelands Ich-Erzählerin Sara, wenn sie strukturelle Ungerechtigkeiten, die sie aufgrund ihres Geschlechts oder aufgrund ihrer Mutterrolle erfahren muss, nicht einfach mit einem zuckersüßen Lächeln hinnimmt und so tut, als sei alles in bester Ordnung, wie das von den meisten Frauen erwartet wird. Indem sich Sveland selbst so betitelt, nimmt sie herablassenden Männer-Urteilen in kluger Voraussicht ihre Munition, wie sie im Interview mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch erzählt, wo das Buch erscheint:

„Sowohl »verbittert« als auch »Fotze« sind beides Wörter, die von Männern genutzt werden, um Frauen und Mädchen zu diffamieren. Ich habe erwartet, dass man mich und mein Buch genauso abstempeln würde, da das ja immer passiert, wenn Frauen sich nicht der Norm entsprechend verhalten. Ich habe mein Buch also so genannt, damit es niemand anderes tut.“

Sveland greift die Wut und Verzweiflung im Bauch vieler junger Frauen selbstbewusst auf. Sie seziert akribisch den scheinbar normalen und wenig aufregenden Alltag einer Mutter, geht zurück in die Vergangenheit, in die Kindheit der Tochter eines abwesenden und tyrannischen Vaters, der auf seine ewig kochende und putzende Frau wenn er einmal da war nichts als Psychoterror ausübte. Sveland lässt die Leserschaft mit den Augen eines kleinen Mädchens zuschauen, wie die Mutter alles erträgt und sich in einen Putzzwang völlig zurückzieht, auch für die Tochter unerreichbar. Wenig später lässt die Autorin ihre LeserInnen in die Haut einer erwartungs- und hoffnungsvollen Jugendlichen schlüpfen, die es für selbstverständlich hält, ebenso wie ihre männlichen Altersgenossen wild herum zu probieren. Den Stempel der „Hure“ trug sie alsbald auf ihrer Stirn.

Im weiteren Verlauf schlüpfen wir mit ihr in die Rolle einer jungen Frau, die sich verliebt und eine Beziehung versucht – mit mäßigem Erfolg: Der Kerl treibt uns schon beim Lesen völlig in den Wahnsinn, weil er seinen Kontrollwahn nicht im Griff hat und über-anhänglich ist. Und als Sara mit ihrer Arbeit als Journalistin immer wieder gegen die verhärtete Wand aus mittelmäßig arbeitenden Männern rennt, die sie ignorieren oder herabwürdigen, platzt uns irgendwann komplett der Kragen.  Deswegen applaudieren wir begeistert, wenn Sara ihren bescheuerten Kollegen am Ende bloßstellt, indem sie für alle laut hörbar erklärt: „Dennis hat mir gerade erzählt, dass er früher zu thailändischen Prostituierten gegangen ist, und das hat mir nicht gefallen“.

Ja, das Buch nimmt seine LeserInnen gefangen. Man beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, wofür man Sveland nur sehr dankbar sein kann. Scheinbar unauffällige Alltags-Situationen werden entlarvt: Es ist nicht das persönliche Problem einer Frau, wenn sie mit der Kinderbetreuung überfordert ist. Nein, es ist ein strukturelles Problem, ein gesellschaftlicher Irrglaube an Gleichberechtigung, der sich darin manifestiert, dass Frauen weiterhin von riesigen Schuldgefühlen geplagt werden, wenn sie sich die gleiche Freiheit herausnehmen, wie Männer es ohne mit der Wimper zu zucken machen. Die Schuld, die Last, die Verantwortung – zum Großteil geschultert von Frauen und immer noch zu wenig von Männern – zeigen sich an den Stellen, an denen Sveland vermeintlich kühle Statistiken zitiert. Männer sind innerhalb einer Ehe psychisch gesunder, als als Single, bei Frauen ist es genau umgekehrt. Zufall? Daran glaubt Sveland nicht, sie sieht eine Menge gesellschaftliche Strukturen und Normen, die zu solchen Double Standards führen, sie ist Feministin:

„Feminismus heißt, dass man sich der ungerechten Strukturen zwischen Frau und Mann bewusst ist. Davon gibt es auch heute noch viele. Und natürlich sollte es nicht nur bei dem Bewusstsein bleiben, sondern man muss auch dagegen kämpfen. Für mich ist Feminismus keine private Meinung, sondern eine politische Haltung. Ich persönlich habe viele Jahre lesen, diskutieren, analysieren und nachdenken müssen, bis ich diese Haltung auch wirklich begründen konnte und nun weiß, wie uns Machtverhältnisse beeinflussen. Am meisten kämpfe ich gegen die Ignoranz und Leugnung von Diskriminierung – denn sie sind die ärgsten Feinde des Feminismus.“ (aus einem Brigitte.de-Interview von Susanne)

Am Ende ist das Buch dennoch vorsichtig optimistisch. Geschlechtergerechtigkeit in Beziehungen ist eben keine Selbstverständlichkeit, sie auszuhandeln eine anstrengende Aufgabe für jeden gemeinsamen Tag.

Erschienen bei KiWi Paperback, 272 Seiten, 8 Euro 95.
Eine Leseprobe aus “Bitterfotze” gibt’s hier.

Interviews und Rezensionen

- Interview mit Sveland auf kiwi-verlag.de

- Susanne interviewte Sveland für Brigitte.de

- Rezension von Dirk Knipphals auf taz.de

- Rezension von Heide Oestreich auf taz.de

Gewinnen!
Mit freundlicher Unterstützung des Verlages Kiepenheuer & Witsch haben wir etwas zu verlosen: Schreibt uns bis Montag, 12 Uhr eine Mail an gewinnen(at)maedchenmannschaft.net und ergattert eines von fünf Exemplaren von Maria Svelands „Bitterfotze“!

Nachtrag:
Hier kannst du nachsehen, wer gewonnen hat.

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Ehe für alle

9. Februar 2009 von Susanne

Hier ein toller Kampagnen-Film für die Legalisierung der Ehen homosexueller Paare in den USA. Obwohl ich selber Heiraten so mittel-wichtig finde, denke ich, dass die Ehe nicht ein Privileg für Frau-Mann-Paare sein sollte, sondern dass es alle dürfen müssen. Auch hier in Deutschland:

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