Eine werdende Mutter schreibt auf fuckermothers einen offenen Brief an “die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung”: “Deutschland und meine Brüste.”
Anlässlich des Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung schrieb Jule über die Begegnung mit einer jungen Frau, die auf Grund einer Hirnschädigung im elektrischen Rollstuhl sitzt.
„Ich bin die Böse“ stellt Anne Schüssler anläßlich der Urheberrechtsdebatte fest und fordert, endlich einen Dialog über Vorschläge zur Reform zu beginnen. Autorin Petra van Cronenburg schämt sich angesichts von „Wir sind die Urheber“ und fordert ebenfalls andere Ansätze.
Geschlecht und Sexualität in Schulbüchern werden weiterhin heteronormativ dargestellt, so DasEndeDesSex.
Der Lesben- und Schwulenverband Niedersachen und Bremen informiert: “Mit den Stimmen von CDU und FDP hat der Niedersächsische Landtag heute die Ergänzung von Art.3 Abs. 3 der Landesverfassung um das Merkmal der sexuellen Identität abgelehnt. Die Regierungsparteien sprechen damit Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender den Schutz vor Diskriminierung ab.”
Anders Deutsch kommentiert es kritisch, wenn marginalisierte Gruppen ihre Unterdrückung als “besonders ausgeblendet darstellen und behaupten, dass bei anderen Machtverhältnissen viel mehr getan wird”: “Wozu immer wieder Opferhierarchien?”
Dieser Text ist Teil 151 von 153 der Serie Kurz notiert
Auf It’s pronounced metrosexual findet ihr eine Liste mit Privilegien, die cis-Menschen haben. („Cis“ bedeutet, dass deine Geschlechtsidentität mit dem dir bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt).
Nachdem seit Jahresbeginn 54 Frauen von Ehemännern oder Lebensgefährten ermordet wurden, beginnt in Italien nun die Bewegung „Wenn nicht jetzt, wann?“ mit einer landesweite Kampagne gegen das „Frauenmassaker“, berichtet dieStandard.
Ebenfalls auf dieStandard findet ihr einen Artikel zu #ichhabenichtangezeigt. Passend dazu: Was ist Konsens? Auf Slut Walk Seattle ist es in einigen handlichen Stichworten knackig erklärt.
Wenn es nicht so traurig wäre… Ein Satire-Video zum republikanischen “Krieg gegen Frauen” in den USA:
Die New York Times hat ein langes Essay über die Kriminalisierung von „schlechten“ Müttern in den USA. Dort werden immer öfter Frauen verklagt und ins Gefängnis geschickt, wenn sie ihr ungeborenes Baby Embryo „in Gefahr bringen“. Die meisten der dazu herangezogenen Gesetze waren nie dafür gedacht, aber werden nun immer häufiger dazu benutzt, Schwangere (und potentiell jeden gebärfähigen Menschen) ihrer bürgerlichen Rechte zu berauben.
Toll! Es gibt nun auch Girls Rock Camps in Bremen und München (Facebook Link)!
In Jerusalem fand der erste SlutWalk statt. Einen tollen Bericht inklusive Fotos findet ihr auf dem Riot Grrrl-inspirierten Blog von Badass.
Das Buch von Cordelia Fine gibt es nun endlich auch auf Deutsch! „Die Geschlechterlüge“: Biologie als Neurosexismus.
Die Männlichkeitsdebatte geht weiter: In der Zeit nimmt Ilse Lenz, Professorin für Geschlechterforschung, den „Mythos männerhassende Feministinnen“ auseinander.
Die EU-Agentur für Grundrechte will mittels einer Umfrage mehr über die Lebenssituation und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen erfahren. Auf der Seite könnt ihr rechts unter “Select Language” deutsch auswählen, um die Umfrage auszufüllen. Leider bleiben die Fragen im “Mann/Frau” Schema verhaftet, obwohl trans* explizit angesprochen werden.
Die Kriegsreporterin berichtet in der taz von der Pro-Quote Party in Hamburg, auf der rund 200 Journalistinnen zusammenkamen, die eine Quote für Frauen in Führungspositionen fordern. Zu der Party sind auch einige wenige SpOn-Alphamännchen aufgetaucht und haben sich – wer hätte das gedacht? – auch dementsprechend daneben benommen.
Ein Zeichen hat am Wochenende die Türkische Gemeinde in Deutschland gesetzt, berichtet die tagesschau. Für die Besetzung des Vorstands gilt künftig eine Frauenquote, genauer gesagt, eine Geschlechterquote. Davon kann sich Kristina Schröder wirklich mal eine Scheibe abschneiden!
In Nordfriesland werden Hebammen nun zum zweiten Mal durch einen Hilfsfonds unterstützt, um trotz der gestiegenen Versicherungskosten arbeiten zu können. Während die CDU dies für überflüssig hält, berichtet der Inselbote, dass in der Niebüller Klinik die Hebammen darauf angewiesen sind.
Terence Eden will von der Technikbranche nicht länger überall halb-nackte Frauen vorgesetzt bekommen – nicht zuletzt, weil es für weibliche und schwule Geeks nie halb-nackte Männer zum Anschauen gäbe.
Nachdem Jenna Talackova vom Miss Universe Canada-Wettbewerb ausgeschlossen wurde, weil sie nicht als “Frau geboren wurde”, darf die Transfrau nun doch daran teilnehmen.
In der Express Tribune kritisiert Amber Darr das neue Gesetz gegen Säureangriffe in Pakistan. Zwar stelle es endlich die Angriffe unter Strafe, vergesse aber völlig die Opfer. Gesellschaftlich und wirtschaftlich schon schlechter gestellt, biete es den Frauen keine Möglichkeiten, ihr Leben wieder herzustellen. Wieviel Arbeit hier noch zu tun ist, zeigt auch die Kontroverse um den Daily Express Kolumnisten Javed Chaudry, der einen Täter unterstützt.
In ihrem Roman beschreibt Helen Walsh eine junge Mutter, die eine postpartale Depression fast in den Selbstmord treibt. Im Interview in der ZEIT erzählt sie, wie es ihr selbst erging.
Barbara Vinken ist eine feministische Autorin, die viel über Mode, Liebe, Pornographie, dekonstruktiven Feminismus, Flaubert und die deutsche Mutter geschrieben hat. Im Interview mit ihr auf Hate geht es u.a. um den Mythos der deutschen Mutter.
Sina’s Blogberichtet über die Situation von Sexarbeiterinnen in der Schweiz.
Im Blog des Missy Magazin: Ein sehr lesenswertes Interview “zum Umgang des Strafrechts mit sexualisierter Gewalt”.
queernews.atberichtet über die geplante Belgrader Regenbogenparade am 2. Oktober und den damit verbundenen Aufruf von Amnesty International.
anarchieundlihbeschreibt über Kommentare, Moderationspolitik und Trolle. Danke dafür.
affectionista schreibt über Frauen im Filmgeschäft und beklagt vor allem, dass es ihrer Beobachtung nach oft Frauen sind, die gegen andere Frauen arbeiten: “ungleich gestellt”
Feminismus, Politik und Alltag heißt ein neuer Blog, dessen Einstandsartikel wir euch gerne ans feministische Herz legen würden.
Ja, und dann waren da ja noch diese Wahlen in Berlin. Die Piraten sind ins Abgeordnetenhaus eingezogen und das ist ein guter Anlass für die feministischen Blogs, mal wieder über die Genderfrage zu diskutieren. Nach dem Klick folgen ein paar ausgewählte Beiträge zum Thema. Und Termine gibt’s auch noch. Ganz ohne Piraten. (weiterlesen …)
So ziemlich genau vor einem Jahr erschütterte eine Reihe von Selbstmorden unter Teenagern in den USA die US-amerikanische Gesellschaft. Rund zehn Jungen zwischen 13 und 19 Jahren nahmen sich innerhalb eines Monats das Leben, weil sie massiven homophoben Mobbings ausgesetzt waren. Die Kampagne “It gets better“, die LGBT-Jugendlichen Mut machen sollte, versprach, dass “alles besser werden würde” (das Projekt selbst erntete neben einer Menge Lob auch Kritik, z.B. von der queeren Theoretikerin Jasbir Puar).
Vor einigen Wochen veröffentlichte die National Coalition of Anti-Violence Programs (NCAVP) nun ihren aktuellen Hate Violence-Report (PDF), in dem Gewaltverbrechen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Queers (LGBT*Q) und HIV-Infizierte in den USA dokumentiert und als Hassverbrechen – so genannte hate crimes - sichtbar gemacht werden. Hate crimes sind (Gewalt-)Verbrechen an Menschen auf Grund ihrer zugeschriebenen oder selbstgewählten Identität.
Der Report zeigt auf, was viele bereits vermuteten: Im Vergleich zu 2009 wurden 2010 13% mehr Hassverbrechen gegen LGBT*Q und HIV-Infizierte gemeldet – insgesamt 2.503 Betroffene. Die Zahl der Morde stieg um 23% von 22 auf 27 an. Von hate crimes betroffen sind überdurchschnittlich oft Transgender und People of Color¹, insbesondere Transgender of Color. Die Täter_innen, meist zwischen 19 und 39 Jahre alt, setzen sich zu zwei Dritteln aus Männern und einem Drittel Frauen zusammen – nur eine einzige Tat wurde von einer Trans Person verübt. Zu den am häufigsten ausgeübten Übergriffen gehören verbale Belästigungen, Diskriminierung, Einschüchterungen und tätliche Angriffe (mit und ohne Waffen).
Die NCAVP betont jedoch, dass die Statistiken wohl nicht die Realität abbilden: Die genaue Anzahl der Verbrechen gegen LGBT* und HIV-Infizierte lässt sich kaum ermitteln. In Gefängnissen oder in (ländlichen) Gegenden, in denen es keine oder schwer erreichbare Anti-Gewalt Anlaufstellen gibt, können die Taten auch nicht aufgezeichnet werden – und landen somit nicht im Report.
Dieser Text ist Teil 105 von 153 der Serie Kurz notiert
Eine saudische Frau hat sich “erdreistet” Auto zu fahren, was in Saudi-Arabien immer noch verboten ist. Nachdem sie eine Facebook-Kampagne startete, die Frauen aufforderte, sich an einem bestimmten Tag selbst ans Steuer zu setzen, wurde sie verhaftet.
Die New York Times hat eine Serie über LGBT*-Jugendliche (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender) gestartet, die von ihrem “Coming Out” erzählen.
Französische Feministinnen protestieren gegen den grassierenden Sexismus im Land – und sind empört, dass sich so wenig geändert hat seit Simone de Beauvoir, berichtet der Freitag.
Vor 17 Jahren schrieb Ingeborg Stadelmann die „Hebammensprechstunde“. Inzwischen ist das Buch über eine halbe Million Mal gekauft worden. Im Magazin der Süddeutschen erklärt sie nun, welcher Druck auf Müttern heute lastet.
In einer US-amerikanischen Sendung wurde mit versteckter Kamera getestet, wie Menschen auf homophobe Kommentare reagieren, die in ihrem unmittelbaren Umfeld getätigt werden, z.B. wenn die Kellnerin das lesbische Paar und ihre Kinder öffentlich beschimpft. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, das Video allerdings sehenswert.
Dieser Text ist Teil 34 von 48 der Serie Meine Meinung
Heute ist Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHO). Heute vor 21 Jahren wurde Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation gestrichen und damit nicht länger als Krankheit geführt. Weltweit finden heute unzählige Aktionen gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Queers und Intersex statt. In mehreren (auch deutschen) Städten starten sogenannte Rainbow-Flashmobs, in Berlin gibt es zusätzlich einen Aktionstag der Gruppe “Queer in Bewegung”. Jena kann sogar mit einem einwöchigen Festival aufwarten. Chapeau!
Während viele Betroffene, Aktivist_innen und Gleichgesinnte am IDAHO Akzeptanz und Gleichberechtigung einfordern bei gleichzeitiger Erhöhung der Sichtbarkeit von nicht ausschließlich heterosexuellen Lebensweisen, lohnt es sich dennoch, einmal die Perspektive zu wechseln. Nämlich auf diejenigen, die sich in einer heteronormativen Welt meistens sehr wohl fühlen: heterosexuell lebende Cisgender. Neben all den Annehmlichkeiten der herrschenden Gesetzgebung, stellt sich der Alltag für sie relativ unbeschwert dar. Unbeschwert, weil diese Menschen keinen neugierigen Blicken ausgesetzt sind und keine Angst vor Diskriminierung und Gewalt bezüglich der eigenen Sexualität und (zugeschriebenen) Geschlechtszugehörigkeit haben müssen. Sie können anderen distanzlose und intime Fragen zu deren sexuellen Vorlieben, Familienplänen und Lebensrealitäten stellen. Sie können LGBT*I und Queers nach Aussehen und Habitus kategorisieren und bewerten, ohne, dass diese ständigen Othering-Prozesse sanktioniert würden.
Kurz gesagt: Heterosexuelle, deren binäre Geschlechtszugehörigkeit nie in Frage gestellt wird, leben in einer Welt, die für sie eingerichtet ist. Sie leben entlang einer willkürlich gesetzten Norm, die die Welt in “Mann” und “Frau” einteilt, während sich beide konstruierten Geschlechter auch noch hauptsächlich gegenseitig toll finden müssen. Diese Heteronormativität ist für alle, die ihr nicht gerecht werden können oder wollen mit schmerzlichen Ausschlüssen, Diskriminierung und Gewalt verbunden, mindestens jedoch mit Einschränkungen, die (ausschließlich) heterosexuell lebende Männer und Frauen nicht erfahren. Und weil diese Norm suggeriert, es sei normal, die Welt in Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität zu denken, hinterfragen die meisten Heteros diese, also auch ihre eigene, konstruierte Normalität nicht. Die Unsichtbarkeit der Heteronormativität lässt viele in einer Blase aus Selbstverständlichkeit agieren, die natürlich nicht für andere gelten darf. “Ich finde es unangenehm, dass Homosexuelle ihr Privatleben öffentlich leben müssen”, sagt das Heteropärchen, während es ungeniert in der Straßenbahn rumknutscht. “Kinder brauchen Vater und Mutter”, sagt das getrennte Heteropärchen, während es über die Höhe des Unterhaltes streitet.
Auch ohne Beziehungskontext fallen Heteros oft unangenehm durch Ignoranz und Borniertheit auf: “Wer ist denn bei euch Mann oder Frau?”, “Habt ihr richtigen Sex?”, “Boah, das ist doch total traurig, meine/n Partner/in ständig verstecken zu müssen” – Es wäre auf jeden Fall schon mal wesentlich besser ohne diese dämlichen Fragen und Sätze. Ich würde mich auch riesig darüber freuen, wenn Heteropärchen nicht ständig meiner Partnerin und mir die Sitze in der U-Bahn streitig machen oder unseren Sitzplatzgewinn mit verständnislosen Blicken à la “Hallo, wir sind Heteros, wir gehören zusammen, wir müssen immer alles zusammen machen, auch sitzen” kommentieren würden. Ich wäre entzückt, bekäme ich kein Pfeifen, kein Lechzen, kein Gaffen. Es wäre der Sechser im Lotto, ich könnte meine Sexualität ohne Kommentare und Wertungen leben. Kommentare und Wertungen, die es nicht gäbe, würde diese fiese Heteronormativität nicht den Hetero-Horizont so stark einschränken. Ich hab’s ja schließlich auch geschafft, mal über den Tellerrand zu schauen.
Es gibt Tage, da finde ich Heteros und ihr selbstverständliches Dasein doof. Da bin ich undifferenziert, neidisch, traurig, gemein, belustigt und all diese Dinge, obwohl ich es besser weiß: dass bei weitem nicht alle so sind und Heteros auch nichts dafür können, dass sie von einem System profitieren, das sie sich nicht ausgesucht haben. Trotzdem wirken so viele daran mit, indem sie davon ausgehen, Heterosexualität sei normal und sich entsprechend verhalten. Als lesbische Frau kann ich mich in den seltensten Fällen auf meine gesellschaftlich akzeptierte Normalität berufen. Und solange dieses Ungleichgewicht existiert, das so viele Menschen (auch Heteros) einschränkt und gegen das viel zu wenige protestierten, ist es manchmal okay, Heteros doof zu finden. Oder die richtigen Fragen zu stellen.
Dieser Text ist Teil 104 von 153 der Serie Kurz notiert
Noch ein paar Stunden kann die Petition “Stop the ‘Kill the Gays’ Law Now” (deutsche Version: “Stoppt das Anti-Homosexuellen Gesetz in Uganda“) unterschrieben werden. Diese fordert den ugandischen Präsidenten Museveni dazu auf, ein Veto gegen das Gesetz einzulegen, das lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Lebensweisen unter Todesstrafe stellen würde.
Kristina Schröder hat es sich zum Ziel gesetzt, die finanziellen Hilfen bei der künstlichen Befruchtung aufzustocken, um “ungewollt kinderlose Paare besser zu unterstützen”. Auf die Frage, ob auch Homosexuelle davon profitieren, antwortet die Familienministerin ausweichend. Julia Seeliger bringt es in der Tazauf den Punkt: “Lesben und Schwule sind ungewollt kinderlos, von Staats wegen.”
Fundstück der Woche und passend zum Muttertag auf thesocietypages.org: Mutter und Tochter vereint in Glückseligkeit – und zwar beim Saubermachen!
Lori von feministing.com macht sich Gedanken über den Tod Osama Bin Ladens und die teils skurrilen Reaktionen wie Freude und Jubel. Sie analysiert, welche Rolle Gender dabei spielen könnte und verlinkt ein sehenswertes Video, in dem Kinder zum Tod Bin Ladens befragt werden.
Das Projekt Deaf Not Dumb hat ein wunderbares Rap-Video in Gebärdensprache gemacht und prangert die diskriminierende Annahme an, dass gehörlos oftmals mit dumm gleichgesetzt wird.
Der Forschungsbereich Gender & Medien der Universität Wien hat einen Call for Pape(doc) ausgerufen: ”GFM Best Publication Award Gender&Medien”. Eingereicht werden können wissenschaftliche Aufsätze in deutscher oder englischer Sprache, die im Jahr 2010 publiziert worden sind. Deadline: 31. Mai 2011.
Südafrika hat eine vergleichsweise progressive Verfassung und war das erste Land Afrikas, welches die Homoehe 2006 erlaubte. Dass Gesetze nicht gleichzusetzen sind mit gesellschaftlicher Akzeptanz von öffentlich gelebter Liebe jenseits der heteronormativen Matrix, zeigt die anhaltende Gewalt gegen Lesben (und Schwule und Bisexuelle), die ihre Sexualität offen leben. Im US-amerikanische Time Magazin wurde am Internationalen Frauen(kampf)tag über die so genannten “korrigierenden” Vergewaltigungen (corrective rape) berichtet, bei denen Frauen, die lesbisch sind oder dafür gehalten werden, von Männern vergewaltigt werden, um sie – der kruden Logik der Vergewaltiger nach - zur Heterosexualität “umzuerziehen” und so von ihrem “Lesbischsein” zu “heilen”.
Offiziellen Zahlen nach sind seit 1998 Dutzende von lesbischen Frauen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung vergewaltigt und ermordet worden. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher geschätzt, auch auf Grund der Tatsache, dass homophob motivierte Verbrechen im südafrikanischen Strafjustizsystem nicht anerkannt sind. Selten wird Anklage erhoben, noch seltener kommt es zu Verurteilungen von Straftäter_innen. Die Polizei ignoriert gar Hilferufe, wie in einem verstörenden Video von nt-v beschrieben wird (Trigger-Warnung!).
Eine Gruppe feministischer/lesbischer Aktivist_innen um Ndumie Funda, die Gründerin der Organisation Luleki Sizwe, startete Ende 2010 eine Online-Petition, die bisher 170.000 Unterschriften aus 163 Ländern zählt. Diese wurde, wie queernews.atberichtet, letzte Woche dem südafrikanischen Parlament übergeben.
Gemeinsam mit über 100 weiteren NGO-Vertreter_innen aus Cape Town und den umgebenden Townships zog sie am 14. März zum Parlament Südafrikas, um vor dem Parlamentsgebäude eine Kundgebung und anschließend ein lange erwartetes Treffen mit Vertreter_innen des Justizministeriums abzuhalten.
Luleki Sizwe fordert nun, dass “korrigierende” Vergewaltigungen offiziell als Hate Crime (“Hassverbrechen”) klassifiziert und somit strafbar werden. Die Aktivist_innen setzen sich generell dafür ein, dass Gewalt gegen LGBTI stärker in den Fokus gerückt wird. Das Parlament Südafrikas sprach sich nun dafür aus in Zusammenarbeit mit Ministerien und NGOs an einem nationalen Aktionsplan gegen “korrigierende” Vergewaltigungen zu arbeiten. Bis Mai 2011 hat Luleki Sizwe nun Zeit, Daten zum Thema zu sammeln. Danach wissen wir mehr.
Über das Videoprojekt “It gets better”, dass queeren beziehungsweise LGBT*-Jugendlichen Mut machen soll im Umgang mit Diskriminierung, hatten wir schon an anderer Stelle berichtet.
Nun hat sich Rebecca Drysdale, lesbische Comedian und “Time Travelling Lesbian” aufgemacht, die Coolness dieses Projekts auf eine neue Qualitätsstufe zu heben. Sie schrieb einen Song und machte daraus ein Musikvideo.