Einträge mit dem Tag ‘LesMigraS’


Archäologische Ausgrabungen in Treblinka, Anti-Street-Harassment Woche und weiterer Widerstand – kurz verlinkt

3. April 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 229 von 231 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Der Berliner CSD bennent sich in Stonewall Berlin um. LesMigraS macht in einer Erklärung deutlich, dass die Umbenennung allein nicht genügt und zeigt auf, wie eine neue Stonewall-Bewegung aussehen würde.

Mit dem Magazin progress spricht Christina Antonakos-Wallace über den Dokumentarfilm “with wings and roots”, der die Geschichten migratisierter Menschen in Berlin und New York erzählt.

“Sie tragen pinkfarbene Saris und pinkfarbene Knüppel, belagern Polizeistationen und Regierungsgebäude, blockieren Straßen und stürzen Politiker: Die Frauen der Gulabi Gang setzen sich in Indien gegen die Herrschaft der Männer zur Wehr.”, schreibt SpiegelOnline.

Bei der ZEIT wird die Feministin Anita Augspurg vorgestellt, die sich unter anderem während des 1. Weltkriegs für Frieden und internationalistischer Perspektiven einsetzte, für Frauenrechte und gegen patriarchale Strukturen (wie die Ehe) antrat und 1923 in Bayern die Ausweisung Hitlers wegen Volksverhetzung beantragte.

Und die neue Ausgabe der an.schläge ist erschienen. Auch online lässt sich wie immer einiges nachlesen zum Titelthema Abtreibung beispielsweise ein Interview mit der Gründerin von Women on Web und Women on Waves und zwei Erfahrungsberichten.

englischsprachige Links

Archäolog_innen haben in Treblinka erste physische Beweise für Gaskammern freigelegt. Mehr Infos zu Treblinka gibt es hier.

Diese Woche ist Anti-Street Harassment Week. Das finden Aktionen in vielen Ländern der Welt statt. Für Deutschland gibt es zum Beispiel eine Facebookseite mit Informationen.

In der Erzählung um die mexikanisch-amerikanische Arbeiter_innen-Bewegung steht César Chávez im Mittelpunkt, so ist ihm auch ein neuer Film mit passendem Titel gewidmet: “César Chávez: An American Hero”. Doch was ist eigentlich mit den Aktivistinnen? Colorlines beschäfftigt sich mit deren Engagement und der Herausschreibung aus der Geschichte.

Feministing schreibt über mexikanische indigene Frauen und wie deren reproduktive Rechte auf vielen Ebenen aus sexistischen und rassistischen Gründen missachtet werden.

Termine

08.-13.04. in Köln: FrauenFilmFestival.

Und schon einmal den Terminkalender zücken: Im Mai geht die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie auf Lesereise in Deutschland und der Schweiz.


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Wiederholte Polizeigewalt an Trans* of Color

5. November 2013 von Gastautor_in

Wir veröffentlichen hier mit freundlicher Genehmigung und Bitte um Weiterverbreitung die Pressemitteilung von LesMigraS, dem Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Lesbenberatung Berlin e.V., und GLADT e.V.. Beide Organisationen nehmen darin Stellung zu aktuellen Vorfällen von Polizeigewalt, Rassismus und Trans*diskriminierung von Polizeibeamten anlässlich einer Kundgebung gegen Polizeigewalt gegen Asylsuchende. Unten findet ihr Kontaktdaten der Berliner Polizei für Beschwerden und Kritik.

Am 23. Oktober 2013 wurde einer unserer Mitarbeiter zusammen mit drei weiteren Protestierenden auf einer Kundgebung gegen die Polizeigewalt und die Festnahmen von Aktivist_innen des Flüchltlings-Protestcamps am Oranienplatz (Berlin-Kreuzberg) festgenommen. Während des etwa einstündigen Polizeigewahrsams verhielten sich die Polizist_innen Trans* diskriminierend und gewaltvoll gegenüber unserem Kollegen. Dabei wurden seine Grundrechte , die zu wahren jegliche staatliche und ausführende Gewalt laut Grundgesetz verpflichtet ist, stark missachtet und verletzt.

Unser Mitarbeiter wurde auf Grund von Racial Profiling (rassistischer Kontrolle) festgenommen. Er erfuhr massive rassistische und transphobe Diskriminierung und Gewalt durch die Berliner Polizist_innen. Dies geschah durch Beleidigungen sowie erniedrigender, respektloser rassistischer und transphober Behandlung inklusive mehrfach versuchter Genitaluntersuchungen. Statt einem diskreten und respektvollen Verhalten wurde die Transidentiät unseres Kollegen zu einem Spektakel und diente der Belustigung der Polizeibeamt_innen. Er wurde viele Male wiederholt gefragt, ob er ein Mann oder eine Frau sei, obwohl er diese Frage bereits damit beantwortet hatte, dass er ein Trans* Mann ist. Einer der Polizisten sagte mehrere Male zu seinen Kolleg_innen, dass sie die Hosen unseres Mitarbeiters runterziehen sollten, damit die Polizist_innen feststellen könnten, ob er ein Mann oder eine Frau sei. Andere Polizeibeamten lachten über diese Bemerkung selbstgefällig. Die Aussage unseres Mitarbeiters zu seiner Geschlechtsidentität reichte offenbar den Polizeibeamt_innen für die Aufnahme der Personalien nicht und so kündigten sie letztendlich an, dass sie eine Prüfung seiner Genitalien vornehmen müssten. Unser Kollege wies die Polizeibeamt_innen darauf hin, dass in seinem Pass ein Eintrag über sein vermeintliches Geschlecht vermerkt ist und sie dort nachsehen könnten. Dennoch beharrten die Polizeibeamt_innen auf eine Prüfung seiner Genitalien. Es ist offensichtlich, dass diese transphobe Schikane nicht der Polizeiarbeit diente. Wir sind entsetzt darüber und verurteilen diese Polizeigewalt!

Laut anderen uns berichteten Diskriminierungsfällen, ist die versuchte erzwungene Genitaluntersuchung von Trans-Personen durch Polizist_innen unter dem Vorwand der Feststellung der Geschlechtsidentität kein Einzelfall, sondern institutionalisierte semi-legale Gewalt. Sie liegt im individuellen Ermessenspielraum der Polizist_innen, wenn Name und/oder Geschlecht in Ausweisdokumenten ihrer Einschätzung nach nicht zu dem Aussehen bzw. der selbstbestimmten Geschlechtsidentität passen. Auch dieser Maßnahme liegt transphobe strukturelle Gewalt zugrunde. Auf die Forderung, dass unser Mitarbeiter nur von einer Polizeibeamtin oder einem_einer Trans*Polizisten_in die körperliche Untersuchung gewähren würde, erwiderten die Polizeibeamt_innen in einem zynischen Tonfall, dass es keine Trans* Personen bei der Polizei gäbe. Dies ist eindeutig falsch und transdiskriminierend.

Neben der transphoben Diskriminierung und Gewalt, die unser Kollege über sich ergehen lassen musste, wurde er außerdem von den Polizeibeamt_innen bei der Festnahme und während des Polizeigewahrsams rassistisch behandelt. So duzte ihn ein Polizeibeamter und sagte, „Was ist diese Sache, die du Transphobie nennst, Alter?“ Daraufhin erwiderte unser Mitarbeiter, dass der Polizist ihn weder duzen dürfe noch generell mit ihm so sprechen dürfe. Der Polizeibeamte erwiderte daraufhin: „Ich tue es dennoch. Was willst du dagegen tun? Wirst du weinen?“

Wir verurteilen all dieses respektlose, gewaltvolle, schikanierende und herabwürdigende Verhalten der Polizeibeamt_innen aufs Schärfste! Jeder Mensch hat ein Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung. Trotz des offiziellen Diskriminierungsverbots von Trans*Menschen erfahren Trans*Menschen immer noch in allen Bereichen der deutschen Gesellschaft Gewalt und Diskriminierung. Diese Gewalt und Diskriminierung passiert auf der Straße, durch strukturelle Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt oder im Schulwesen, durch die Nichtanerkennung und Verweigerung selbstbestimmter Geschlechtsidentität von staatlichen Institutionen. Sie geschieht durch die Verweigerung von adäquater Gesundheitsversorgung, durch Gesetze, die die medizinisch-psychologischen Pathologisierungen von Trans*Menschen erzwingen, um Namen und/ oder Personenstand in offiziellen Ausweisdokumenten zu ändern.

Trans*Sein ist keine Krankheit, sondern Transphobie bzw. Trans* Diskriminierung ist ein krankmachendes und gewaltvolles Diskriminierungsverhältnis. Trans* Diskriminierung ist eine Form von Gewalt, da sie die Würde und körperliche Unversehrtheit von Personen verletzt, sie einschränkt, meist psychische Narben hinterlässt und gesundheitliche sowie finanzielle Folgen hat. Trans* Diskriminierung und Transphobie stärken ein Zwangssystem von zwei Geschlechtern, die bei Geburt zugewiesen werden. Gladt und LesMigraS verstehen unter Transphobie und Homophobie jegliche verbale, physische, institutionelle und / oder strukturelle Gewalt, die sich gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und queere Lebensweisen von Menschen richtet.

Transphobie, Trans*Diskriminierung und Homophobie sind keine individuellen Probleme der Betroffenen, sondern müssen, ebenso wie z.B. Rassismus oder Diskriminierung gegen Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, auf gemeinschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Ebene angegangen und verhindert werden.

LesMigraS und Gladt stellen in Kooperation mit KoP (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt) folgende Forderungen:

  • Wir fordern eine öffentliche Stellungnahme und die Klärung des Vorfalls seitens des Polizeipräsidiums unter der Leitung von Herrn Klaus Kandt zu der rassistischen und trans* diskriminierenden Behandlung durch Polizeibeamt_innen der Berliner Polizei.
  • Wir fordern die Berliner Polizei dazu auf, Verantwortung für die Diskriminierungen und Gewalt, die ihre Mitarbeiter_innen ausüben zu übernehmen, Konsequenzen aus dem diskriminierenden und gewaltvollen Verhalten ihrer Mitarbeiter_innen zu ziehen und Maßnahmen durchzuführen, die verhindern, dass trans*diskriminierende, rassistische, homophobe und andere diskriminierende Vorgehens- und Verhaltensweisen, weiterhin ungehindert geschehen können.
  • Wir fordern die Polizei auf, die selbstbestimmte geschlechtliche Identität (von Trans* und Inter*-) Menschen uneingeschränkt zu respektieren und derartiges diskriminierendes und gewaltvolles Verhalten, insbesondere Genitaluntersuchungen unverzüglich einzustellen!
  • Wir fordern die Berliner Polizei auf, ihre Mitarbeiter_innen durch spezialisierte Fachkräfte auf Mehrfachdiskriminierungen in Fortbildungen und Schulungen zu Trans* Diskriminierung, Gewalt und Diskriminierung gegen intergeschlechtliche Menschen, Homophobie und Mehrfachdiskriminierung im Allgemeinen zu sensibilisieren.
  • Wir fordern die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdedienststelle für die Meldung polizeilicher Diskriminierung und Gewalt.

Diese Pressemitteilung wird von folgenden Organisationen unterstützt:
ReachOut- Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, TransInterQueer e.V. (TrIQ), Schwulenberatung Berlin gGmbH, Sonntags-Club e.V., ABqueer e.V. und comot* bewegungskulturen & soziale arbeit.

Beschwerden und Kritik an den Berliner Polizeipräsidenten Klaus Kandt:
Tel.: (030) 4664-900002 / Fax: (030) 4664-900098

oder an das zentrale Beschwerdemanagement der Berliner Polizei:
Tel.: (030) 4664-900140/-900141/-900142
Fax: (030) 4664-900198
E-Mail: pprir4@polizei.berlin.de


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Berliner Politik zückt den Rotstift: Gesundheits- versorgung von Frauen, Lesben und Trans* gefährdet

7. Mai 2013 von Nadine

Der Lesbenberatung Berlin sollen mitten im laufenden Haushaltsjahr Gelder in der Höhe von 15.000 Euro gestrichen werden. So entschied vor einigen Tagen die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales nach einem Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses. Zusammen mit weiteren 15.000 Euro, die dem Familienplanungszentrum Balance gekürzt werden, sollen die Zuwendungen einem neuen Projekt zur psychologischen Betreuung von wohnungslosen Frauen zur Verfügung gestellt werden.

Somit treffen die Einsparungen ausgerechnet zwei Projekte, die ihre Angebote insbesondere auf Frauen/Lesben/Trans* Gesundheit ausrichten, obwohl Mittel beispielsweise aus der Wohnungslosenhilfe zur Förderung des neuen Projektes herangezogen werden könnten. Die Lesbenberatung Berlin schreibt zur Situation in einer offiziellen Mitteilung:

Die Berliner Abgeordneten vernachlässigen mit ihrer Entscheidung die Gesundheitsversorgung von Lesben, bisexuellen Frauen und Trans* und schränken die schon jetzt nicht ausreichenden finanziellen Mittel massiv ein. Gerade auch für LBT*, die Mehrfachdiskriminierung erfahren, ist die Lesbenberatung Berlin e.V./ LesMigraS mit ihrem Angebot und dem Fokus auf Rassismus, Trans*Diskriminierung und Homophobie, und ihrer Arbeit gegen strukturelle Diskriminierung und Gewalt auf vielen gesellschaftlichen Ebenen in Berlin und anderen Bundesländern diese Landes nahezu allein stehend. Klient_innen und Nutzer_innen suchen gezielt die Lesbenberatung auf, weil sie unsere Arbeit und unsere Ansätze schätzen. Diese, sich über 30 Jahre bewährte Arbeit wird nun, durch die Kürzungen des Senats für Gesundheit und Soziales und den Berliner Abgeordneten, mit Füßen getreten.

[...]

Da das neue Projekt des Abgeordnetenhauses z.T. die gleiche Zielgruppe bedient, werden Gelder nur umverteilt und nicht neu zur Verfügung gestellt. So muss eine lesbische wohnungslose Frau womöglich auf ihr wöchentliches Gruppenangebot in der Lesbenberatung verzichten, das dazu beiträgt, soziale Isolation zu
überwinden, die durch die Folgen von Diskriminierung und Gewalt hervorgerufen wurde. Die beiden Einrichtungen können sich also nur ergänzen. Beide Einrichtungen sind aufeinander angewiesen und können nur als Netzwerk funktionieren. Identität kennt kein Entweder-Oder. Krisenarbeit auch nicht. Ohne die Finanzierung der Lesbenberatung wird diese Zusammenarbeit untergraben. Die Lesbenberatung als unverzichtbare Schnittstelle zwischen Präventions- und Krisenarbeit in Berlin wird ausgehebelt.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband, ein Dachverband, dem die Lesbenberatung angehört, formuliert ebenfalls drastisch:

Frei nach dem Motto “Frauen sollen für Frauen blechen” sollen jetzt beide Organisationen ihre psychosozialen Angebote für Frauen zusammenstreichen, damit woanders ein neues Angebot für wohnungslose Frauen entstehen kann. Sowohl die Lesbenberatung als auch das Familienplanungszentrum unterstützen unter anderem Frauen in Krisensituationen, um sie vor Obdachlosigkeit zu bewahren. Wenn nötig vermitteln sie in Einzelfällen Plätze in Krisenwohnungen. Will man durch die Streichungen Klientinnen für die neue Beratungsstelle schaffen?

Skandalös ist die Entscheidung der Berliner Politik neben den genannten Gründen auch vor dem Hintergrund der schleichenden Kürzungen im psychosozialen und Antidiskriminierungs-/Antigewalt-Bereich der letzten Jahre, obwohl der Bedarf solcher Anlaufstellen stetig zunimmt. Das Vertrauen in staatliche Institutionen zur Bekämpfung von Diskriminierung und Betreuung von Betroffenen ist gering, wie kürzlich eine Studie, die die Lesbenberatung/LesMigraS durchgeführt hat, bestätigte. Umso deutlicher stehen Politiker_innen in der Verantwortung, die bestehenden Angebote mit weiteren Ressourcen auszustatten.

Die betroffenen Projekte wollen die geplanten Kürzungen nicht hinnehmen und setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, die drohende Finanzierungslage abzuwenden. Oppositionsparteien in Berlin haben bereits ihre Unterstützung zugesichert. Auch Rechtsmittel werden aktuell geprüft.

Die Lesbenberatung hat eine Online-Petition eingerichtet, die ihr mitzeichnen könnt, um den öffentlichen Druck auf die Berliner Politik zu erhöhen. Außerdem sammelt die Organisation 1000 Gründe für die Berliner Politiker_innen, warum die Arbeit der Lesbenberatung wichtig ist und auf keinen Fall gekürzt werden darf. Mehr denn je ist die Lesbenberatung auf Spenden angewiesen.


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#Aufschrei aus der Wissenschaft: Sexismus existiert!

14. Februar 2013 von Nadine

Wissenschaftler_innen der Uni Bielefeld haben sich in die “Sexismus-Debatte”, die durch #aufschrei massenmedienwirksam initiiert wurde, eingeschaltet und stellen fest, dass bisher kaum Fakten aus Studien in den massenmedialen Diskurs einfließen. Das verwundert nicht, wird doch, wenn Machtverhältnisse und Diskriminierungen thematisiert werden, immer wieder versucht “das Problem” kleinzureden und als Einzelfall abzutun. Nicht als systematisch und einer Gesellschaft inhärent zu behandeln. Sexismus (und andere Machtverhältnisse) zu kritisieren, ist schwer, da Machtverhältnisse in ihren Artikulations- und Realisierungsformen darauf ausgerichtet sind, möglichst “unsichtbar” zu bleiben. Sie sind normalisiert. Auch Erkenntnisse, die in der Akademie generiert werden, um Machtverhältnisse zu kritisieren, sind darauf angewiesen breit rezipiert und anerkannt zu werden. Nicht nur das. Neben der Anerkennung benötigt es Schlussfolgerungen und Forderungen, die in der politischen Praxis dazu führen, Machtverhältnisse nicht nur zu thematisieren, sondern auch auf Veränderungen hinzuwirken und Interventionen zu ermöglichen.

So lesen sich die zitierten Fakten aus der Uni Bielefeld für viele Queer_Feminist_innen, die seit Jahren Sexismus kritisieren, erstmal nicht weiter überraschend:

Tatsächlich sind Frauen weit häufiger das Ziel sexueller Belästigung: Etwa 30 bis 50% der berufstätigen Frauen und demgegenüber etwa 10% der berufstätigen Männer sind von sexueller Belästigung betroffen (European Commission, 1998). Ergebnisse aus einer repräsentativen Umfrage in der Deutsch- und Westschweiz (Strub & Schär Moser, 2008) zeigen, dass sich diese Zahlen in den letzten 10 Jahren kaum verändert haben: 28% der befragten Frauen und 10% der Männer erlebten in ihrem bisherigen Arbeitsleben sexuelle Belästigung. Dabei zeigte sich auch, dass für Frauen drei Viertel der belästigenden Situationen von Männern ausgehen, meist von einzelnen Männern, auch von Gruppen von Männern oder gemischten Gruppen (Männer und Frauen), selten jedoch von Frauen allein. Für Männer geht ungefähr die Hälfte der sexuell belästigenden Situationen ebenfalls von Männern aus (einzeln oder in Gruppen), nur ein Viertel von Frauen und ein Viertel von gemischten Gruppen. Konstellationen, in denen Männer Opfer und Frauen Täterinnen sind, sind damit natürlich ernst zu nehmen, aber vergleichsweise selten. In den weitaus häufigsten Fällen sexueller Belästigung sind die Opfer Frauen und die Täter Männer.

[...]

Sexuelle Belästigung kann (…) auch nicht darauf zurückgeführt werden, dass Frauen überempfindlich seien und Männer eigentlich in guter Absicht handelten. Vielmehr stimmen Männer und Frauen weitestgehend überein, wenn es um die (Un-)Angemessenheit bestimmter Verhaltensweisen geht. Männer, die sich trotzdem unangemessen verhalten, tun dies aus Rücksichtslosigkeit oder Feindseligkeit – in jedem Fall aber tun sie es in aller Regel wissentlich.

Trotzdem warten die Wissenschaftler_innen im Kontext der aktuellen Diskussion mit Gegenargumenten auf, die Betroffene unterstützen und sensibilisieren können, bestimmte Derailing-Strategien, Mythen und Täter-Opfer-Umkehrungen zu erkennen und diesen (zumindest verbal) entgegen zu treten. Journalist_innen sollten sich solche Zwischenrufe aus der Wissenschaft ausdrucken und ihren Ordner “Kritische Berichterstattung” heften, soweit vorhanden (lesen und einprägen nicht vergessen!). Vielleicht ergeben sich daraus auch ein paar Expert_inneninterviews und Gegenartikel, die nicht immer wieder Diskriminierungen reproduzieren und den Status Quo rechtfertigen.

Kritisiert wurde an dieser Form der Studien, wie sie die Uni Bielefeld zum Teil zitiert, dass von Sexismus betroffene Menschen (in diesem Fall Frauen) in Versuchen Diskriminierungen ausgesetzt wurden, um Erkenntnisse zu generieren. Es ist überhaupt traurig und macht wütend, dass Betroffene Erlebnisse aus dem eigenen Alltag erneut durchleben müssen, damit der merkbefreiten Mehrheit, die Sexismus verharmlost oder leugnet, überhaupt etwas an Wissen präsentiert werden kann, das sie (wenn überhaupt) anerkennen. Die vergangenen Jahrhunderte Feminismus reichen dazu wohl leider nicht.

Wer sich weiter mit Studien zum sexistischen Normalzustand informieren möchte, dem_der sei der ausführliche Artikel von Helga bei Femgeeks empfohlen oder die umfangreiche Studie zu Gewalt- und (Mehrfach)diskriminierungserfahrungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* in Deutschland, die LesMigraS durchgeführt hat.


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Twilight, Feminismus in Marokko und Comic-Ladys

3. Februar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 93 von 231 der Serie Kurz notiert

Twilight-Fans und Nicht-Fans aufgepasst: GeekMom erklärt, wie man mit Hilfe von Twilight eine Diskussion über Beziehungen, Sex und Liebe initiieren kann.

Bereits im Oktober schrieben wir über die Massenvergewaltigungen im Kongo. DieStandard.at berichtet von erneuten Massenvergewaltigungen. Der mutmaßliche Auftraggeber war ein hochrangiger Armeeoffizier, der seinen Soldaten befohlen haben soll, den Tod eines Kameraden in dieser Weise zu „rächen“.

Schüler_innen der King City Public School in Toronto planten, am Opposite Gender Dayin Kleidung des jeweils anderen Geschlechts zu kommen. So sollte jede_r sich besser in das Leben der anderen einfühlen und sich mit Geschlechterrollen auseinandersetzen. Nachdem Eltern darüber aufgebracht reagierten, wurde die Aktion abgeblasen so milkboys. Unter Aktivist_innen sind solche Tage ebenfalls umstritten, hier lautet die Kritik aber, dass Transphobie verstärkt werden könnte.

Im Januar berichteten wir über die neue Frauenorganisation „UN Women”. Wie der Guardian nun schreibt, steht das Budget der Organisation allerdings noch in den Sternen und die Besetzung ist bisher noch sehr schmal. Die Verpflichtung der Vereinten Nationen, sich mehr um die Belange von Mädchen und Frauen zu kümmern, muss noch in die Tat umgesetzt werden.

Der Transmann TQ spricht auf Racialicious über Körper, Sex und Sexualität.

Jungle World: Marokkanische Feministinnen engagieren sich für die Gleichstellung von Frauen und gegen patriarchale Strukturen. Unter ihnen gibt es Frauenrechtlerinnen, die nach einem Weg suchen, der feministische Ansätze mit der Ethik des Islam vereinen soll.

Kopftücher sind so unterschiedlich wie ihre Trägerinnen. Eine 65jährige Tschetschenin erzählt auf daStandard.at, wie ihre Landsfrauen das Gebot der “Bedeckung” auslegen.

Das Blog 500 Photographers stellt jede fünf Fotograf_innen vor, darunter die iranische Künstlerin und Journalistin Newsha Tavakolian. Deutschen Leser_innen ist sie vielleicht aus dem Stern bekannt; Sie widmet sich besonders Frauenrechten.

Ladies Making Comics weist auf den Black History Month hin, besonders auf die Schwarzen Frauen in der Comic-Szene und bittet um Mithilfe: Bis zum Ende des Februar sollen alle im Women in Comics Wiki gelisteten Künstlerinnen einen eigenen Eintrag haben. Hier gibt’s noch mehr zum Black History Month.

Stellenagebot: LesMigraS, der Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Lesbenberatung Berlin, sucht zum 15. Mai 2011 eine_n Mitarbeiter_in für die Antidiskriminierungs- und Antigewaltarbeit.

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für Februar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.


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