Einträge mit dem Tag ‘Lesbische Paare’


Blau ist eine warme Farbe

23. April 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 78 von 128 der Serie Die Feministische Bibliothek

Eine Begegnung, ein Lächeln – um die Schülerin Clementine ist es geschehen. Doch wer eine kitschige Liebes­geschichte mit flatternden rosa Herzen erwartet, wird von „Blau ist eine warme Farbe“ auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

blau ist eine warme farbe

Die Graphic Novel der französischen Zeichnerin Julie Maroh ist düster und beklemmend. Nur ab und zu sticht das Blau durch die sonst farblich gedeckten Zeichnungen – die blauen Haare von Emma, das blaue Tage­buch von Clementine. Die Kunst­studentin Emma wird zu Clementines großer, einziger Liebe; die Tage­buch­einträge führen durch ihre Geschichte, die rück­blickend erzählt wird. Als Emma am Anfang der Erzählung Clementines Tage­buch in der Hand hält, sind bereits viele Jahre seit der ersten Begegnung ver­gangen und Clementine bereits gestorben.

Das Original „Le Bleu est une couleur chaude“ wurde 2010 ver­öffentlicht und seitdem in elf Sprachen übersetzt. Es ist eine einfühlsame, ehrliche Erzählung über zwei junge Frauen, die ohne beschönigende Schnörkel auskommt: Unsicher­heiten, Verzweiflung, kurze Momente des Glücks, Verletzungen, Erwachsen­werden und Homofeindlichkeit. Im Mittelpunkt steht der Alltag junger Menschen, die jenseits von hetero begehren, inklusive der harten Realität des Verstoßen­werdens von den eigenen Eltern, Mobbing in der Schule. Aber da sind auch die wichtigen Momente des Zusammen­halts, der Freund­schaft.

Ich habe die englisch­sprachige Version des Buches in wenigen Stunden verschlungen. Es ist ein bedrückendes Buch, weil der Tod und der Schmerz so dominieren. Aber es berührt, gerade weil Zuneigung in diesem Buch so komplex, so ehrlich beschrieben wird.

Die Graphic Novel unterscheidet sich im übrigen sehr vom gleich­namigen Film, der im letzten Jahr in Cannes die goldene Palme gewann. Julie Maroh, die in ihrem knapp 160-seitigem Werk nur auf wenigen Seiten explizite sexuelle Handlungen darstellt, kritisiert auf ihrem Blog die heteronormative Ästhetik der wohl an ein hetero-Publikum gerichteten langen und ausgiebigen lesbischen Sex­szenen im Film.


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Spermaspender klagt Vaterschaft bei lesbischem Paar ein

4. Juni 2013 von Maria
Dieser Text ist Teil 15 von 20 der Serie Feminismus im Recht

In einem vielbeachteten Urteil hat der Bundesgerichtshof vor wenigen Wochen die Rechte „biologischer“ Väter weiter gestärkt. Aus den Informationen der Pressemitteilung des BGH lebten der Kläger und die Mutter des Kindes beide jeweils mit ihren Partner_innen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Der Kläger hatte der Mutter ein Gefäß mit seinem Sperma zur Verfügung gestellt und sie hatte die Insemination vorgenommen. Später war man sich offenbar uneins, ob der Spender über seine Rolle hinaus Vaterpflichten übernehmen sollte. Um eine Vaterschaftsanerkennung des Spenders zu verhindern, hatte ein anderer Mann als sogenannter Sperrvater das Kind als seines anerkannt.

Dagegen wendete sich nun der Kläger erfolgreich. Nach geltendem Recht ist das alles keine größere Überraschung, denn der biologischen Vaterschaft wird ein hoher Wert beigemessen und die Regeln im BGB dazu sind relativ klar. Einzige Frage hier war, ob ein Spender, der der Mutter nicht, wie es der Gesetzestext charmant formuliert „während der Empfängniszeit beigewohnt“ hat (§ 1600 Abs. 1 Nr. 2 BGB), die Vaterschaft anfechten kann. Natürlich kann er das, entschied nun der BGH. Der einzige Fall, in dem das anders sein könnte, ist der Fall einer Spermaspende, wenn ein hetero lebendes Paar Sperma eines Dritten nutzt und von Anfang an alle darüber einig sind, dass der Partner der Frau und nicht der Spender Vater sein soll (§ 1600 Abs. 5 BGB).

Schade nur, dass es im Gesetz keine solche Regelung für lesbische Paare gibt. Die Anfechtung der Vaterschaft setzt voraus, dass zwischen dem „Sperrvater“ und dem Kind keine sozial-familiäre Beziehung besteht und der Anfechtende leiblicher Vater ist (§ 1600 Abs. 2 BGB). Weil es allein um die Vaterschaft geht, spielt die sozial-familiäre Beziehung der Partnerin der Mutter zum Kind hier keine Rolle. Um das lesbische Paar ging es also nie wirklich.

Eine Elternschaftsanerkennung der Partnerin der Mutter ist nicht möglich, sie bleibt auf die Adoption des Kindes ihrer Partnerin (sogenannte Stiefkindadoption) verwiesen. Dafür braucht es in der Regel aber die Einwilligung des Vaters. Laut Frankfurter Rundschau will er die allerdings nicht geben.


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