Einträge mit dem Tag ‘Lesbengeschichte’


Happy Birthday! 10 Jahre Lesbengeschichte.org

3. November 2015 von Gastautor_in

10 Jahre Lesbengeschichte.org, ein mehrsprachiges Online-Portal zur Geschichte und Filmgeschichte lesbischer Frauen_Trans. Die Mädchenmannschaft gratuliert! Hier veröffentlichen wir die Pressemitteilung der beiden Gründerinnen Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger.

Postkarte: lesbengeschichte.org.

Zum 10-jährigen Jubiläum des mehrsprachigen Online-Portals lesbengeschichte.org im November 2015 zieht Ingeborg Boxhammer, Historikerin und eine der beiden Gründerinnen, eine positive Bilanz über das Webprojekt, das in dieser Form einzigartig ist: „Von Anfang an wurde das Portal, das kostenlos und werbefrei mehrsprachige Inhalte zu Lebensgeschichte und zu Lesbenfilmgeschichte anbietet, mit wohlwollender Aufmerksamkeit und Interesse begleitet. Wir freuen uns, dass unsere Seiten aus allen Teilen der Welt angeklickt werden.“

Die Politikwissenschaftlerin Christiane Leidinger erläutert zum Ziel des Projekts: „Historische Entwicklungen werden nach wie vor dominant aus einer heterosexuellen Perspektive gedacht. Auch Persönlichkeiten in der Geschichte wird stets Heterosexualität unterstellt. Mit dem Portal schreiben wir Lesben kritisch in die Geschichte ein und machen sie sichtbar. Die Texte beschreiben individuelle Lebensgeschichten und kollektive Zusammenhänge frauenliebender Frauen und Trans* und betten diese in gesellschaftliche Entwicklungen ein.“

Dabei betont Leidinger zur kritischen Perspektive auf Geschichte: „Problematische Aspekte in Biografien von Lesben, beispielsweise koloniales Engagement, rassistische, behindertenfeindliche sowie klassistische oder antifeministische Denkweisen und Publikationen, müssen genauso benannt werden wie homosexuellen-emanzipatorische oder feministische Aktivitäten. Nur so lässt sich aus Geschichte lernen und gemeinsam für eine bessere Zukunft streiten.“

Das Portal umfasst rund 100 Texte in teilweise bis zu elf Sprachen (Schwerpunkt: Deutsch, Eng- lisch, Spanisch, außerdem: Französisch, Niederländisch, Russisch, Finnisch, Türkisch, Portugiesisch, Rumänisch und Slowakisch) und bietet weitere lesben(film)historische Informationen.

Das No-Budget-Projekt lebt ausschließlich vom freiwilligen Engagement der anfänglich vier, inzwischen 17 AutorInnen, 35 ÜbersetzerInnen, der Unterstützenden und der beiden Heraus- geberinnen. Unter „biografischen Skizzen“, einem Herzstück des Portals, können rund 50 Porträts von Frauen/Trans* entdeckt werden, die frauen*bezogen lebten. Teilweise waren sie gesellschafts- politisch oder subkulturell, manche – wie Johanna Elberskirchen (1864-1943) – feministisch und homo-sexuellen-emanzipatorisch engagiert. Außerdem bietet der Internetauftritt Hintergrundbeiträge zu „Politik & Subkultur“, zu „Regionalgeschichte“ (inkl. Ausflugstipps) sowie zu „erinnern & gedenken“: Informationen über Gedenktafeln und Dokumentationen von Gedenkfeiern für lesbische Frauen. Geografische und zeitliche Schwerpunkte der Beiträge liegen auf Deutschland und der Schweiz Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Weitere Rubriken ermöglichen das Stöbern in einer einschlägigen Zitatesammlung und in einer Bildergalerie mit Porträts und anderen Fundstücken. Unter „Aktuelles“ sind Termine, Neuerscheinungen und erinnerungspolitische Debatten nachverfolgbar.

Zu den Portalinhalten führt Christiane Leidinger aus: „Kritische Geschichtsbetrachtung heißt auch, mit Mythenbildung aufzuräumen: Seit 2009 bauen wir den Bereich zu ‚Lesben und Nationalsozialismus’ aus. Damit wollen wir einerseits der Vorstellung entgegenarbeiten, Lesben seien systematisch mit einem entsprechenden Haftgrund in Konzentrationslagern interniert worden. Dieser Mythos hält sich ebenso hartnäckig wie andererseits die von schwuler und heterosexueller Seite vertretene Ansicht, Lesben seien in keiner Weise verfolgt worden. Deshalb fassen wir die zahlreich bestehenden Forschungslücken und zentralen Erkenntnisse zusammen, um eine differenzierte Sicht zu ermöglichen.“

Für den Filmbereich ergänzt Ingeborg Boxhammer: „Die Website bietet seit Bestehen eine Lesbenfilmchronik, eine 440 Filme umfassende Liste deutschsprachiger (Ko-)Produktionen sowie Statistiken zur Quantität der Repräsentation im Film. Bislang gibt es keine vergleichbar umfassende Auflistung von Spielfilmen, mit der die explizit oder implizit dargestellte Anziehung zwischen Frauen* berücksichtigt wird.“

Die beiden Portal-Bereiche Film und Geschichte sind durch zahlreiche interne Links miteinander verbunden – mögliche Ansatzpunkte, um sich auf den Seiten treiben zu lassen.

Als wichtigstes Ziel für die Zukunft nennen die beiden Gründerinnen Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger die aufwändige webseiten-technische Anpassung für mobile, aber auch weitgehend barrierefreie Nutzung und laden zur Mitarbeit ein: „Wir freuen uns über weitere Mitstreitende: Autor*innen, Übersetzer*innen, Webdesigner*innen, Kontaktvermittler*innen – und über Spenden in jedweder Höhe genauso wie über Anregungen und Hinweise.

Berlin und Bonn im September 2015, Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger


Facebook | |


Dossier: Grenzen überwinden? 25 Jahre Wiedervereinigung

6. Oktober 2015 von Charlott

Was gibt es hier zu feiern?

Was gibt es hier zu feiern?

Anfang Oktober feierte sich Deutschland – aufgrund des 25. Jubiläums der ‚Wiedervereinigung‘ in mehrtägigen Jubelveranstaltungen. In Frankfurt am Main wurde so vom 2. bis 4. Oktober zu einem so genannten Bürgerfest unter dem Motto „Grenzen überwinden“, das „die Vielfalt in Deutschland erlebbar“ machen soll, geladen – gleichzeitig wurden allerorts Grenzen geschlossen und Angriffe auf Geflüchtete und deren Unterkünfte werden täglich gemeldet. Weitere Schlagworte zur Party: Deutschland präsentiere sich „modern, vielseitig, aufgeschlossen und tolerant“.

Diesem weiß-deutschen, nationalistischen Erinnerungstaumels und der verzerrten Selbstdarstellung Deutschlands setzen wir bei der Mädchenmannschaft eine Themenwoche entgegegen. Diese findet ihr nun hier noch einmal zusammengefasst im Dossier.


Facebook | |


Lesbisch_queere Bücherwelten: Lesbisches Leben vor 100 Jahren, in Männerkleidung

17. Juni 2015 von Julia
Dieser Text ist Teil 103 von 125 der Serie Die Feministische Bibliothek

Rezension zu Stefanie Zesewitz: Donaunebel

DonaunebelTheo ist eine handwerklich begnadete Bestatterin, und sie liebt Frauen. Das geht im Wien der Jahre 1914 bis 1920 gut, so lange Theos Arbeitgeber, ihre zahlreichen Verehrerinnen und die Polizei sie für einen Mann halten. Theo wurde als Junge großgezogen. Als Erwachsene definiert sie sich tendenziell als Frau – „tendenziell“, da sie sich in Hinblick auf Geschlecht eigentlich wenig mit Selbstdefinitionen befasst. Sie behält ein männliches Erscheinungsbild bei, wohl wissend, dass ihre beruflichen Ambitionen ihr keine andere Wahl lassen. Außerdem fühlt sie sich wohl in Männerkleidung, und praktisch ist sie obendrein. Dazu kommt: Liebesbeziehungen zwischen Frauen stehen unter Strafe.

Die Situation spitzt sich zu, als Theo Aglaja kennen und lieben lernt, eine russische Adlige, deren Eltern in der russischen Revolution ermordet wurden. Aglaja ist verheiratet, und weder ihr Ehemann noch ihr Bruder tolerieren ihr unabhängiges, werktätigen Leben und ihre Beziehung zu Theo. Theo wird schließlich angeklagt „Unzucht wider die Natur“ betrieben zu haben und zu Gefängnishaft verurteilt. Sie kann eine Haftverkürzung erwirken – allerdings unter der Auflage, sich unverzüglich in psychiatrische Behandlung zu begeben …

Einige der interessantesten Aspekte in Zesewitz’ neuem Historienroman Donaunebel werden eher nebensächlich abgehandelt und bleiben auf emotionaler Ebene farblos: was es heißt, im Falle Aglajas, zur Ehe gezwungen zu werden; ebenso Theos Erfahrung, als Kind und Erwachsene Geschlecht entgegen den Konventionen zu leben und aufgrund dessen verurteilt und zwangspsychiatrisiert zu werden. Positiv gewendet ließe sich sagen, dass die Leser_innen gefragt sind, ihre eigenen Erfahrungen und/oder ihre Fantasie zu mobilisieren. Dennoch: Etwas mehr Ausführlichkeit und Tiefe und einige Hinweise mehr hätten der vielversprechenden Story gut getan.

Gelungen sind indessen diese kleinen Irritationen, die ganz nebenbei entstehen, wenn männliche und weibliche Ansprachen an Theo sich ablösen: je nachdem, wo und mit wem Theo gerade kommuniziert, ob mit ihrer Liebsten, einem Psychiater oder ihrem Arbeitskollegen. Donaunebel überzeugt zudem durch eine fast kriminalistische Spannung, detail- und stimmungsreiche Alltagsbeschreibungen und eine fraglos originelle historische Geschichte lesbischen Lebens, voller unerwarteter Wendungen.


Facebook | |


Studien zu „Übergewicht“, Rassismus in Kitas und Universitäten, Game of rape culture Thrones – kurz verlinkt

20. Mai 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 281 von 340 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links:

Die Beratungsstelle für Opfer rassistischer, antisemitischer und rechtsextremer Gewalt in Berlin – ReachOut – hat eine Broschüre herausgegeben: „Grundlagen für eine diskriminierungsfreie Pädagogik im Kindergarten“.

Es wir derzeit eine Publikation über die letzten 30 Jahre ISD/jüngere Schwarze Bewegung in Deutschland vorbereitet. Für ein Kapitel zu „Black & Queer“ gibt es eine Umfrage, um so viele Erfahrungen wie möglich abzubilden.

Vice interviewt einige der Mitglieder von Rawiya, einem Kollektiv von Dokumentar-Forografinnen aus verschiedenen arabischen/ nord-afrikanischen Ländern.

Der Tagesspiegel berichtet von der Veranstaltung mit Angela Davis und Gina Dent in der Werkstatt der Kulturen. Auch die Aktivist_innen vom Oranienplatz haben ein Statement zum Besuch der beiden Aktivistinnen in Berlin geschrieben. Die Geflüchtetenbewegung sei die soziale Bewegung des 21. Jahrhunderts, sagt Davis in nachfolgendem Interview:

Kennt ihr eigentlich schon das Portal lesbengeschichte.org? Die mehrsprachige Webseite stellt lesbische Geschichte, Kultur, Biographien, Filme… vor.

Bei der Grassroots Akademie ist ein Statement von Kien Nghi Ha nachzulesen zu rassistischen Strukturen im deutschen Unibetrieb.

Folter und Misshandlungen durch die Bundespolizei – deckten Mitwisser den Täter?„, fragt ProAsyl.

Englischsprachige Links:

[Spoiler für Game of Thrones] The Mary Sue erklärt, warum sie nicht weiter für Game of Thrones werben werden.

„Overlooking these women’s contributions doesn’t just misrepresent the era, it’s also helped solidify philosophy’s status as a white men’s club.“ – The Atlantic schreibt über das Projekt Vox, bei dem Wissenschaftler_innen und Student_innen Texte und Übersetzungen von Philosophinnen aus dem 17. Jahrhundert zusammenstellen und Vorschläge für ein Curriculum erstellen.

Schlechte Filmideen überall: Disney will tatsächlich die Geschichte eines weißen, us-amerikanischen Vaters verfilmen, der im Sudan eine Flagge in den Boden rammte um seiner Tochter ein Königreich zu geben (just like colonialism never happened), schreibt Madame Noire. Janet Mock wirft außerdem einen Blick auf den neuen Film ‚Aloha‘ und der Tradition von Aneignung und Unsichtbarmachung von Kanaka Maoli (den Native Hawaiians) im us-amerikanischen Film.

Fünf Gründe, warum die omnipräsenten Studien zur „Übergewichts-Epidemie“ die Existenz einer solchen „Epidemie“ nicht wirklich beweisen, nennt Melissa A. Fabello bei eveydayfeminism.

Die Studentin Emma Sulkowicz wurde durch einen Kommilitonen vergewaltigt. Daraufhin trug sie auf ihren Wegen über den Campus monatelang eine Matratze mit sich, um ein visuelles Statement auch gegen den Umgang ihrer Uni mit dem Vorfall zu setzen. Nun hat Sulkowicz ihr Studium beendet – und die Matratze war auch in der Abschlusszeremonie dabei, berichtet Mashable.

Termine in Wien, Göttingen und Berlin

23. Mai, Berlin: Fett voll feiern – eine fette Party im So36.

5./6. Juni, Wien: Femcamp, eine Konferenz mit feministischen Perspektiven, die von den Beiträgen ihrer Teilnehmer_innen lebt

12./13. Juni, Göttingen: Das Antifee Festival startet in die nächste Runde

22. Juni, Berlin: Fachtagung zum Thema Postkolonialismus, die sich intensiv mit der kolonialen Geschichte Berlins und deren Aufarbeitung zu beschäftigen wird


Facebook | |



Anzeige