Einträge mit dem Tag ‘Kultur’


„vital signs“ – „Lebenszeichen“

4. Dezember 2015 von Hannah C.
Dieser Text ist Teil 24 von 31 der Serie Die Feministische Videothek

Bereits 1995 gab es den Film „vital signs“ („Lebenszeichen“), von David Mitchell & Sharon Snyder (deutsche Untertitel von Rebecca Maskos) , der sich mit der us-amerikanischen (weißen) Krüppelbewegung befasst und einen Diskurs nachzeichnet, der so lebendig und laut ist, wie er zu unterdrücken versucht wird.
Es sprechen bekannte Aktivist_innen wie Cheryl Marie Wade, Mary Duffy und Harlan Hahn und andere behinderte Menschen.

 

 


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Prekäre Kunst: Protest & Widerstand

10. September 2015 von Charlott

Ab diesem Samstag geht es los: Unter der großen Überschrift „Prekäre Kunst: Protest & Widerstand“ wird es in Berlin im restlichen September eine Ausstellung sowie eine Veranstaltungsreihe (mit Symposium, Film, Spoken Word und Musik) geben, die sich mit Rassismus/ Sexismus (und deren intersektionalen Verknüpfungen) im Berliner Kulturbetriebs auseinandersetzen. So heißt es in der Ankündigung:

Insbesondere Schwarze Künstlerinnen und Kuratorinnen sowie Künstlerinnen und Kuratorinnen of Color sind im Berliner Kunst- und Kulturbetrieb, mit wenigen Ausnahmen, weder Entscheidungsträgerinnen noch gibt es eine gewichtige Anzahl von selbstgestalteten Räumen, in denen sie sich präsentieren können beziehungsweise sich repräsentiert fühlen. Schwarze Frauen und Frauen of Color erfahren die Strukturen des Kunst- und Kulturbetriebs nicht nur als rassistisch, sondern auch als geschlechterdiskriminierend und erleben so ihr Arbeitsfeld „Kunst“ in mehrfacher Hinsicht als ausschließend und prekär.
Anhand der Frage nach Möglichkeiten der Aneignung, Unterwanderung oder dem Produzieren alternativer Kontexte soll ein Dialog über die verschiedenen Strategien entstehen, wie kulturschaffende Schwarze Frauen und Frauen of Color strukturellem Rassismus, Alltagsrassismus, Sexismus und den Erfahrungen von Marginalisierung und Nicht-Repräsentation im weißen Kunstbetrieb entgegenwirken (können). Gleichzeitig soll darüber beraten werden, inwiefern (Kunst-)Räume wirkliche Inklusion ermöglichen können und welche solidarischen Praxen dafür Voraussetzung sind. „Prekäre Kunst: Protest & Widerstand“ möchte diskriminierende Strukturen und Repräsentationspraktiken markieren, aufbrechen und langfristig verändern.

Zum Auftakt gibt es am 12.09. um 19 Uhr die Eröffnung – mit Artist Talk – der Ausstellung „The Company We Keep“ von Meloday LaVerne Bettencourt, Karina Griffith und Lerato Shadi. Die Ausstellung ist im Anschluss vom 13.9.-16.10.2015 immer Mi.-Sa. von 16-19 Uhr geöffnet.

Die weiteren festen Termine:

Fr., 18.9.2015, 19 Uhr: Spoken Word mit Bahati, Chantel C, NJ

Mi., 16.9.2015, 19 Uhr: Film + Gespräch ERIS (36 min., UK 2012, engl.), Regie: Claire Hooper, Publikumsgespräch mit der Schauspielerin Danielle Marie Shillingford. (engl.)

Sa. und So., 26.9.-27.9.2015: Symposium mit Vorträgen von Dr. Onur Suzan Nobrega (Race, Precarity And Artistic Labour In Berlin), Sandrine Micossé-Aikins (Being is one thing… – Protest und Widerstand), Iris Rajanayagam (Die Illusion der Post-Gender und Post-Racial Gesellschaft. Weiße Räume öffnen?! Von Repräsentationskritik zu Selbstrepräsentation – Möglichkeiten und Grenzen. Praxiserfahrungen einer Kuratorin of Color), Julia Lemmle (I am a white academic feminist artist. I´ve got no reason to cry); Filmvorführung und Diskussion zu „Die Umzüge“ von Karina Griffith und „PAST PRESENT TENSE“ von Christa Joo Hyun D´Angelo sowie Podiumsdiskussionen zum einen zu Wann Protest, wann Widerstand? mit Dr. Daude, Micossé-Aikins, Dr. Nobrega und die Abschlussdiskussion mit Bettencourt, D´Angelo, Dr. Daude, Griffith, Lemmle, Micossé-Aikins, Dr. Nobrega, Rajanayagam, Shadi, moderiert vom Kuratorinnenteam (Dr. Stacie CC Graham, Katharina Koch, Anne Kohl).

So., 27.09.2015, 20 Uhr: Musik mit three women (Jeannine Mayani / Gonza Ngoumou / Bona Ngoumou)

Lesetipp:


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Schwarzer Frost – Roman

31. Juli 2015 von Gastautor_in

SchwarzRund schreibt schon ihr Leben lang, seit einem Jahr bloggt sie nun zu Mehrfachdiskriminierung und Eis-Essen. Ihre Novelle „Quasi“ kam vor einigen Monaten raus. Sie liebt es zu bloggen und Projekte so autark wie irgendmöglich umzusetzen, weil sie so Geschichten erzählen kann, die auch 1:1 bei dem_der Lesenden ankommen. Jetzt schreibt sie einen Roman: Schwarzer Frost. Die ersten Kapitel sind schon geschrieben, einen ersten Eindruck gab es in Videoform. Wir freuen uns, mit dieser Leseprobe hier einen weiteren Einblick in ihren queeren afropolitanen Roman geben zu können. Damit der Roman realisiert werden kann, braucht Schwarzrund finanzielle Unterstützung.

Schwarzer Frost – Roman

Manchmal wusste Tue nicht so recht ob die Routine des Bandlebens wirklich lebendiger war wie jene des Laden Alltags. Gerade wenn beides ineinander floß, erstickte die gleichzeitige Langeweile beide Tätigkeiten ihre Gedanken, beides führte zu belastender unkreativer Stille in ihren Gedanken. Beides war grauer Routinekleber, beides war Alltag.

Ihr Gesäßknochen drückten gegen das harte Sitzpolster des Barhockers, der Coffeeshop des Kreativ.Bürohauses roch nach alten Lilien und geschäumter Milch. Die Muskeln auf ihrer Stirn zogen sich schmerzhaft zusammen bei jedem Klingeln des Türmelders. Eine nicht enden wollende Anreihung gleich aussehender weißer Menschen betrat das Kaffee, die pragmatische Routine verhinderte jedes Denken.
„Hmmm“ sagte der weiße Mann vor ihr, studierte die Schilder hinter ihr, nutzte die Gelegenheit um die kleinen Löckchen zu betrachten die sich aus ihrer Kopfhaut heraus gekämpft hatten.

Sie schwieg. Nachdrücklicher wiederholte er „Hmm!“ und sah sie auffordernd an. Die Knochen schmerzten, ihre Genervtheit wandelte sich langsam zur Wut, ließ die Schale der lethargischen Langsamkeit fallen und brachte Kraft und Zorn zu ihr.“Einen Kaffee, vermute ich?“ Ihre Zunge war zu träge um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ihr Körper zu routiniert darin die Maske der Gelassenheit zu spielen. Er sah ihr in die Augen, teilnahmslos, sie fühlte sich wie ein Tier das von einem Zoo Besucher ohne großes Interesse angestarrt wurde, sich in ein Objekt verwandelte nur um im Strom der Eindrücke aus der Erinnerung des Betrachtenden zu verschwinden. Er starrte, hielt den Blick ohne jeden Anflug von Freundlichkeit und brummte ein langes, „Hm…“. Die Luft zog sich durch ihre Zahnlücke, eins. Die Luft entwich zwischen den Backenzähnen, zwei. Ihre Augen drehten zur Decke, drei. Weiteratmen: Luft. Blicken, Routine.

Sie griff seinen Kopf und schlug ihn in die Auslage, das Glas zersprang und seine Gehirnmasse sickerte in die vertrockneten Bagel.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, sie sah ihn an. Entschieden sagte er: „Ich nehme einen Americano. Zum mitnehmen.“ Sie nickte, machte ihm einen Filterkaffee und kassierte einen Latte Macchiato. Das kleine Schildchen „zum halben Preis“ stellte sie in die Vitrine vor die Bagel und reinigte die Glasvitrine. Er verlies den Coffeeshop, die Stille ergriff erneut das leere Cafe. Statt des Gesichtes starrte nun das weiße Blatt sie an, ihr Stifte kreiste über den Zeilen. Sobald ein Wort ihr Gehirn streifte, schrieb sie es nieder, in unzusammenhängender Rheinfolge, in der Hoffnung Zeilen zu finden die später auf einer Gitarrenline zu Musik wurden.

Die Stunden sickerten durch Papier,
kaum Bezug zum Ort kaum Bezug zum hier,
Die Stunden sickerten durch mich-
und du trägst und du trägst und hörst mich nicht.
Die Anzeige blinkt es ist gleich viertel vor vier,
er notiert die Zeit, der nächste Zug fährt ein.
Der Weg, nur ein Bruchteil – Zahlenreihen!
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Fat-Acceptance-Grundlagen, Mono-Kultur-Landschaft und Sex mit Frauen – die Blogschau

30. Mai 2015 von accalmie
Dieser Text ist Teil 279 von 295 der Serie Die Blogschau

Ein neuer Monat, eine neue Fatty Fun Fashion Challenge, in der dicke_fette Modebegeisterte Fotos von ihren Outfits teilen: Im Mai ist das Motto ganz frühlingsgerecht „Grün“.

„Es ist ja so, als dicke Frau, die sich weigert sich verschämt ganz unten in die Hierarchie von Körpern und Schönheit einzuordnen, die kein Interesse daran hat ihr Gewicht zu reduzieren, die sich nicht verstecken will, da passe ich einigen Leuten nicht in den Kram.“ Alex kommentiert bei Some girls* are bigger than others dickenfeindliche Debatten, die unter dem Mantel plötzlich verspürter Gesundheitsbedenken (anderer, unbekannter Leute) daherkommen, und erklärt in einem weiteren Beitrag auch noch einmal ein paar Fat Acceptance-Grundlagen.

Auch Katrin von Reizende Rundungen stellt noch einmal eine Fat Acceptance-101-Service-Leistung zur Verfügung: „Fat Acceptance möchte dicke_fette Menschen dabei unterstützen wieder selbstständige Entscheidungen für sich und ihre Körper treffen zu können.

Zwischengeschlecht kritisiert die „Unsichtbarmachung der realen, zwangsoperierten Zwitter und ihrer spezifischen Anliegen“, unter anderem im Zuge des #IDAHOT.

Über den Umgang mit chronischen Krankheiten, die Frage, was es überhaupt bedeutet „krank“ zu sein und die (Re-)Aktion von und auf Mitmenschen schreibt samchills.

Merle Stöver analysiert die oft von Panik und_oder Wut gezeichneten Debatten um Lust und Begehren bei Frauen*, lesbischen Sex und Sexarbeiterinnen.

umstandslos, magazin für feministische mutterschaft, diskutiert „Der Staat im Uterus. 40 Jahre Fristenlösung in Österreich“.

Im Blog In_Frage_Stellen: Musik findet ihr eine tolle Übersicht über Musik_Kunst-Veranstaltungen im Mai und Juni 2015, und weitere Tipps können gerne gegeben werden, um die Liste noch zu vergrößern.

„Ein Paradigmenwechsel mit Hindernissen“: Zum (Mangel an) Diversität in der deutschen Kulturlandschaft machen Lisa Scheibner und Bahareh Sharifi vom Bündnis kritischer Kulturpraktiker*innen eine Bestandsaufnahme bei Mind The Trap.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Pitch Perfect 2: A-Ca-müsant, A-Ca-usbaufähig

18. Mai 2015 von accalmie
Dieser Text ist Teil 19 von 31 der Serie Die Feministische Videothek

[Inhaltshinweis: (Milde) Spoiler für Pitch Perfect 2]

Bridesmaids, The Heat, Pitch Perfect (und nun offenbar auch Mad Max) – Hollywood-Blockbuster, in denen Frauen nicht nur die Hauptrollen spielen, sondern auch andere Interessen als die Jagd nach einer heterosexuellen romantischen Zweierbeziehung haben, sind noch immer eher spärlich gesät. Der erste Teil von Pitch Perfect, der sich um die Frauen-A-Capella-Gruppe „Barden Bellas“ dreht, kam 2012 ins Kino und wurde zum unvermuteten Hit. Pitch Perfect 2, der am 15. Mai anlief, setzt letztlich da an, wo der erste Film aufhörte.

Die Barden Bellas haben mittlerweile drei nationale Titel für ihre Sangeskünste gewonnen und stehen wieder auf der Bühne. Fat Amy (dargestellt von Rebel Wilson) hat eine, nun ja, „Wardrobe Malfunction“ bei einem Stunt und zeigt der Welt was passieren kann, wenn man keine Unterwäsche trägt und die Hose reisst. Die Barden Bellas sollen daraufhin aufgelöst werden, es sei denn – und man hinterfragt die Logik hier am besten einfach nicht – sie gewinnen den internationalen A-Capella-Wettbewerb in Kopenhagen und werden Weltmeisterinnen. Wie man sich denken kann, passieren auf dem Weg nach Kopenhagen lustige Dinge, Probleme müssen gelöst und Lieder und Choreographien einstudiert werden, und darüber hinaus stellt sich für jede Barden Bella die Frage, wie es nach dem College-Abschluss weitergehen soll.

Quelle: Wikipedia.

Quelle: Wikipedia.

Während sich das Narrativ im ersten Teil noch stark an der Ent­wick­lung von Beccas (dargestellt von Anna Kendrick) und Jesses Be­zieh­ung orien­tier­te, spielen die ro­man­ti­schen Be­ziehun­gen der Bar­den Bel­las in Pitch Perfect 2 eine er­fri­schend ne­ben­säch­li­che Rol­le. Gezeigt werden vor­nehm­lich die Un­ter­stütz­ung durch Be­­­zieh­­ung­s­­­part­­­­ner und die un­be­darft-über­for­der­ten Ver­­­su­­che Ben­­jis, mit der Barden-Bella-Nach­wuchs­sänger­in Emi­­ly zu flir­­­ten, bis die­­­se selbst die Ini­­­tia­­ti­­­ve er­­­greift. Im Zen­­­trum stehen aber im­­­mer die Be­­­zieh­­ung­en der Bar­­­den Bel­­­las zu­­­einan­­­der und Fra­­­gen der per­­­sön­­­li­­chen (Weiter-)Ent­­wick­­­lung. Den Bechdel-Test besteht Pitch Perfect 2 also wieder mit Leich­tig­keit. Pitch Perfect 2 wurde zudem von Frauen ge­schrie­ben und pro­du­ziert, und Eli­za­beth Banks (die die Kommentatorin Gail spielt) führ­te Regie.

Pitch Perfect 2 ist lustig: Die deutsche A-Capella-Gruppe und größte Barden-Bella-Konkurrenz „Das Sound Machine“ wurde zielsicher mit Youtube-Sternchen Flula Borg besetzt und hart akzentuiert, und auch sonst geben sich einige bekannte Gesichter die Ehre, angefangen von Keegan-Michael Key, John Hodgeman und David Cross über diverse Greenbay Packers-Spieler und Snoop Dogg, hin zu Christina Aguilera, Robin Roberts, Rosie O’Donnell und Rosie Perez. Es beweist sich ebenfalls erneut, dass Witze über Deutschland immer ziehen und dass es amüsant bleibt, Uncoolness liebevoll in Szene zu setzen. Pitch Perfect 2 tut gut daran Fat Amy stärker in den Mittelpunkt zu rücken, und Sexismus und Misogynie werden auch in dieser Fortsetzung persifliert.

Genau hier zeigt sich aber das übliche Problem: Das allein reicht nicht. Bei Think Progress hat Jessica Goldstein schon beschrieben, warum „racism for comic relief“, also der Einsatz von rassistischen Witzen und Klischees, auch in Pitch Perfects Fortsetzung in die Hose ging. Ich hoffte beim Gucken immer wieder, dass diese Witze irgendwann aufgelöst würden – also, dass ein Charakter einen solchen lakonisch kommentiert, dass irgendwann peinlich berührte Stille herrscht in einer Szene oder durch eine Aktion das Gegenteil des Gesagten bewiesen wird. Bei Sexismus-Satire, die Pitch Perfect (beide Teile) ganz gut drauf hat, funktioniert das ja auch. Hier bleibt Flo (dargestellt von Chrissie Fit), die neue Barden Bella aus Guatemala, allerdings ein rassistisches Latina-Klischee, die ausschließlich und allein für komödiantischen Effekt von ihren Fluchterfahrungen erzählen darf. Auch Lilly (dargestellt von Hanna Mae Lee) muss weiterhin die leise, schüchterne, aber heimlich kampferprobte und leicht angsteinflößende asiatisch-amerikanische Barden Bella mimen.  (mehr …)


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Gemeinsames Sorgerecht, ‚Passing‘ und Vorsätze für 2015 – kurz verlinkt

8. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 267 von 355 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Das Portal Filmlöwin ist gelauncht: „Mit einer ausschließlich feministischen Perspektive will FILMLÖWIN Filmen von und über Frauen nicht nur zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, sondern auch einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in der Filmproduktion leisten und für die Themen Sexismus und Diskriminierung von Frauen im Spielfilm sensibilisieren.“

Gemeinsames Sorgerecht per default? Klingt erst mal gut und nach geteilter Verantwortung. Was das praktisch jedoch bedeuten kann, beschreibt Sarah Jäggi in der ZEIT anhand eines Beispiels aus der Schweiz.

Die antifaschistische Zeitung LOTTA hat einen Sonderdruck zum Schwerpunktthema Antifeminismus heraus gegeben.

In Stuttgart findet ein Gynäkologe, der ambulante Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, keine neuen Klinikräume. Fundamentale ChristInnen schüchtern potentielle Vermieter_innen ein, berichtet die taz.

Vanja wurde in der taz zur Kampagne für eine dritte Option interviewt: „Ich bin weder Mann noch Frau“.

englischsprachige Beiträge

„Don’t change, just because your body does.“ ist das Motto von butchbaby. Nach eigenen Angaben: „The first androgynous alternity pregnancy wear for queer individuals.

[Inhaltshinweis: Cissexismus, Suizid] Zu Leelah Alcorn, einer siebzehnjährigen Trans*frau, die sich Ende Dezember das Leben nahm, und den Reaktionen auf ihren Tod, schrieb A Cunt Of One’s Own.

I AM (HEAR) ist ein Videoprojekt von Olympia Perez für Black Girl Dangerous im Rahmen des „MagniFLY! A Video Visibility Project For Trans Women of Color“:

Vor dem Büro der Schwarzen Bürger_innenrechtsorganisation NAACP in Colorado Springs explodierte am Dienstag eine Bombe.

Zum gestrigen Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris schreibt Richard Seymor bei Jacobin.

Auf ravishley schreibt Jetta Rae über das Konzept von „passing“ in einem bestimmten Geschlecht („We want to live our truth, but that requires “living,” which may necessitate mimicry. Some women get their hair cut like Tina Fey to look attractive—others to avoid harassment when outside of their homes.“), über Frauenbilder, die eh nur für wenige erfüllbar sind, und warum sie nicht mehr (ständig) trotzdem versucht diese zu erreichen.

Vor 80 Jahren veröffentlichte National Geographic einen Artikel mit dem Titel „Manless Alpine Climbing: The First Woman to Scale the Grépon, the Matterhorn and Other Famous Peaks Without Masculine Support“ – das Bitch Magazine nimmt u.a. das Jubiläum zum Anlass, um in die Geschichte von Bergsteigerinnen und Klettererinnen zurück zu schauen.

Ein Schwarzer James Bond? Zeter! Mordio! Kulturverfall! Zu den rassistischen Reaktionen auf den Vorschlag, Idris Elba als den neuen 007 zu besetzen, berichtete Shakesville.

Und zu guter Letzt: Bei der Washington Post erzählen feministische Aktivist_innen, was sie in 2015 zu erreichen hoffen.

Termine Berlin und Halle

15.01. 2015 in Halle: Mädchenmannschafts-Autorin Sabine Mohamed spricht zu  „Schwarzer Feminismus in Deutschland – Black Feminism is not white feminism in Black face„.

30. und 31.1. 2015 Berlin: Fachtagung „Audre Lorde’s Germany„.


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Gesucht: Genießbare Abendunterhaltung

18. Dezember 2014 von Naekubi
Dieser Text ist Teil 4 von 7 der Serie Die Emanzipation der Banane

Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.

Das Thema „gute Unterhaltung“ lässt mich nicht los. Jetzt, wo es wieder kalt und dunkel ist, bewege ich mich noch weniger aus dem Haus. Stattdessen sitze ich abends zu Hause, eingemummelt in Decken, und stopfe mich voll. Nicht nur mit Keksen, Lebkuchen oder Plätzchen, sondern mit Medien. Bücher, Serien, Filme. Blöd nur: Es schmeckt mir nicht mehr so wie früher. Filme und Serien, die ich früher bedenkenlos zu mir nahm, finde ich heute eklig und bisweilen ungenießbar. Sind die Medien schlechter geworden? Das denke ich nicht. Aber meine Perspektive hat sich verändert – ich bin älter geworden, was mit gewissen Begleiterscheinungen einher geht: Zum Beispiel, dass ich nicht mehr alles unkommentiert konsumiere, was mir vorgesetzt wird.

Früher, ja früher, da war das anders. Als ich jünger war, störte es mich nicht, wenn alte Klischees aufgewärmt und billige Tropoi verwendet wurden. Etwa wenn bei den Schlümpfen oder anderen Zeichentrickserien im Stammensemble genau eine Frau oder ein Mädchen war. AsiatInnen kamen nur als böse Ninjas vor oder als BesitzerInnen von China-Restaurants. Damals machte mir nichts aus, es war schließlich immer schon so gewesen, das war der Normalzustand. Gleichzeitig fiel es mir nicht einmal auf, wenn ausnahmsweise doch ein Mädchen Protagonistin war, wie bei „Clarissa“. Hauptsache, die Serie war unterhaltsam und bunt. Als Kind und Jugendliche ist man noch leicht zu beeindrucken. Konsumieren bedeutet schließlich, alles zu schlucken – was ich sehr zuverlässig und bereitwillig tat.

Mit dem Alter verfeinert sich der Gaumen und man lässt sich von künstlich aufgebauschten Produkten voller Farbstoffe und billiger Zutaten nicht mehr beeindrucken. Und es wird einfach umso deutlicher, wie langweilig, formelhaft und mies die Rezeptur vieler Medien ist. Nehmen wir zum Beispiel Firefly – eine zum Bedauern vieler Geeks kurzlebige Science-Fiction-Serie von Joss Whedon, die in einem amerikanisch-chinesischen Universum in der Zukunft spielt. Damals fand ich die Serie gut und unterhaltsam. Heute, beim nochmaligen Besehen frage ich mich, wie um alles in der Welt es mir nicht auffallen konnte, dass es für ein amerikanisch-chinesisches Zeitalter kaum chinesisch oder asiatisch aussehende ProtagonistInnen und StatistInnen gab. Chinesisch ist reduziert auf Flüche, die die ziemlich weiße Crew hin und wieder äußert. Oder Sherlock: So sehr ich die BBC-Serie schätze, so bescheuert fand ich den Teil „The Blind Banker“, wo wieder mal die olle asiatische Drachenlady als Bösewichtin und eine zarte Lotusblume als Köder herhalten mussten. Gähn.

Die Kekse von früher schmecken nicht mehr so wie damals, weil sie nicht so gut waren wie ich immer gedacht hatte. Und nicht nur mir geht es so: Erst letztens unterhielt ich mich mit meinem Schwesterherz über genau dieses Thema. Wir stellten fest, dass uns unsere Freizeitbeschäftigung durch Sexismus vermiest wurde. Was ich bei Serien und Filmen erlebte, sah sie bei Manga und Anime. Seit Jahrzehnten wird sie mit denselben stereotypen Frauenfiguren genervt, zuletzt von einem Anime über Fahrradfans namens Yowamushi Pedal: „Ich hab mich auch gefragt, wieso es in diesem Road Racing Club keine Mädchen gibt… und wieso das einzige Mädchen, das totale Fahrradenthusiastin ist, NICHT SELBST FÄHRT!!!“ Auch in Manga und Anime sind Frauen gerade in gemischten Ensembles häufig nur Dekoration, das „Token-Mädchen“ oder Love Interest. Selbst ein großer Cast von weiblichen Figuren bringt nicht viel, wenn es sich um einen Harem-Anime handelt – wenn also alle Frauen hinter dem einzigen Kerl her sind. Großartig. Die guten Angebote muss man daher mit der Lupe suchen, und selbst dann ist nicht alles perfekt. Ich greife nach jedem Strohhalm, wenn es um Unterhaltung geht.

Da wäre zum Beispiel die Serie Selfie mit John Cho und Karen Gillan, die ich trotz des fürchterlichen Titels unterhaltsam finde. Gillan spielt Eliza Dooley, eine (scheinbar) oberflächliche, Social-Media-abhängige junge Frau, die von Marketing-Guru Henry Higgs (Cho) bessere Manieren lernen und ein neues, besseres Image erhalten soll. Das klingt erst einmal nach „älterer Mann bringt dummer junger Frau etwas bei“, doch das legt sich sehr bald. Die beiden werden als vielschichtige Personen in einer Freundschaft gezeigt. Ich mag John Cho als „romantic interest“ in dieser romantischen Komödie, denn wo gab es das das letzte Mal? Eben. Bezeichnenderweise wurde die Serie nach einer Staffel abgesetzt und die Chancen stehen schlecht, dass sie von einer Online-Plattform gerettet werden könnte. Boo-fucking-hoo. Zumindest die verbleibenden Folgen werden online veröffentlicht.

Eine andere Serie, die ich persönlich gut gemacht und unterhaltsam finde, ist Black-ish – sie versucht, die Schwarze Familien-Sitcom wiederzubeleben. Doch anders als die früheren Formate widmet sich die Serie dezidiert Fragen und Lebenswirklichkeiten von Afro-AmerikanerInnen, ohne dass man sich als Nichtangehörige/r ausgeschlossen fühlt oder keinen Zugang erhält. Die MacherInnen im Hintergrund treffen den Ton meistens sehr gut, die Witze haben ein gutes Tempo und Niveau erreicht, was auch an der hervorragenden Auswahl der KinderdarstellerInnen liegt. Diese Serie scheint auch von der Quote her ein großer Erfolg zu sein und ich hoffe auf weitere Folgen, schließlich ist der Winter noch lang.

Das sind derzeit genau zwei für mich genießbare Serien von einem Buffet an Medienangeboten aus dem Jahr 2014, das anscheinend nur aus altem Weißbrot von vorvorgestern besteht. Was mich dabei auf die Palme bringt, ist die offensichtliche Faulheit und Ideenlosigkeit der sogenannten Kreativen. Ich habe es satt, wenn Kreative schlicht und ergreifend zu den immer selben Rezepten greifen. Niemand muss das Rad neu erfinden, aber ein wenig Mühe geben erwarte ich schon. Es braucht nicht die x-te Story von dem weißen, männlichen, heterosexuellen Helden, der die Welt rettet und am Ende das Mädchen kriegt.

Ich wünsche euch allen deshalb ein inklusiveres Jahr 2015, in dem es mehr Charaktere mit unterschiedlichsten Lebenswelten auf den Bildschirm schaffen und weniger von den ollen Kamellen.


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informatives. die kulturhete

15. Juli 2014 von Gastautor_in

Crosspost von Techno Candy mit freundlicher Genehmigung. Frederik twittert auch!

kulturhete, die. Hetero oder hetera der/die in kulturarbeitenden milieus auftritt und sich durch den beruf des/der kulturarbeiter/in sowie durch biokonsum von selbstkritischer positionierungsdenkleistung sowie privilegienaufarbeitung befreit glaubt.

allgemeines

Die k. muss nicht weiß sein, ist es jedoch häufig. In vielen fällen kommt fehlender blick für die eigene weiße, europäische positionierung zu ihren vielfältigen attributen hinzu. Die k. interessiert sich für geschichten, die das weiße subjekt ins zentrum stellen und ihm zur deutungsmacht verhelfen, sie liebt es, weiße frauen und nicht-heten sowie nicht-weiße charaktere unterschiedlicher geschlechter und sexualitäten in witzfiguren zu formen und begeistert sich für unterdrückung stützende diskurse. Diskurse sind wichtiger als menschen, tiere und lebensrealitäten. Die k. definiert diskurse wie folgt: Ein diskurs ist a) etwas, das foucault geschrieben hat und das von der k. richtig gut verstanden wurde b) etwas, das ihre artverwandten, die linken typen, manchmal beim bier besprechen c) etwas, das in einem artikel der alnatura-kundenzeitung steht oder schonmal stand.

körper

Der körper der k. ist meist ein cis körper. Viele k. müssen sich nicht über funktion oder bedeutung ihres körpers bewusst werden, daher erleben sie schauspielunterricht nicht als zweigeschlechtliche zurichtung. Sie sprechen gern und detailgenau über menschliche fortpflanzung und teilen ungefragt mit wann sie dieser mit anderen k. gemeinsam nachgegangen sind und welche ergebnisse zu erwarten sind. Beliebt ist außerdem, sich gegenseitig mit informationen zu diät- und fitnessprogrammen sowie kritischem feedback zu normabweichenden körper(funktione)n zur schaffung und erhaltung der ciskörper zu verhelfen.

religion

Die meisten k. glauben an die errungenschaften der aufklärung und schrecken nicht dafür zurück die menschenrechte zur gewaltvollen verteidigung ihrer öden meinungen heranzuholen. Regelmäßig schrecken sie davor zurück, aufklärung und menschenrechte kritisch zu googlen oder zu hinterfragen.

auftreten

Die k. hat geschmacklich viele überschneidungen mit stilvorgebenden hipstern, wartet aber 6-10 monate, bis sie sich deren vorschläge aneignet und paart sie gekonnt mit staubigen huldigungen deutscher alter männer (marx, kant, goethe, kinksi).

arbeitsmoral

die k. liebt arbeit und hasst geld. Sie wird selten angemessen bezahlt und trägt ihre armut mit stolz. Sie arbeitet hart an sinnlosen projekten und wendet unermüdlich aussichtslose perspektiven an (s. Religion). Die k. tut alles, um sich von anderen prekarisierten klassen abzugrenzen, will aber gleichzeitig auch nicht zur mittelklasse gehören. Sie kämpft, je nach herkunft, um die anerkennung der mittelklasse oder will den eigenen mittelklasse-stallgeruch um jeden preis verlieren. Wie auch immer sich der persönliche kampf gestaltet, bleibt die mittelklasse der bezugrahmen. Wird der bezugsrahmen sichtbar gemacht, reagiert die k. mit dem gesichtsausdruck eines müden paarhufers.

legitimierung

Kritischem hass oder anderen reflektionsangeboten begegnet die k. mit unterschiedlichen strategien. Entweder nimmt sie alle kritik an und verstaut sie dann in der hintersten schublade ihres denksystems, um sie nie wieder hervorzuholen, oder so kontert sie mit der oben beschriebenen selsbtpositionierung als künstler/in, die von definition aus von allem betroffen ist und den schutz der meinungsfreiheit genießt. Meinungsfreiheit gilt insbesondere für meinungen, die niemanden interessieren, niemandem weiterhelfen oder allen, außer anderen kulturheten, wurstegal sind.

gefahren

solidarität ist von dieser gruppe nicht zu erwarten. Auch hier fühlt sich die k. aufgrund ihrer beschäftigung mit griechischen tragödienstoffen, der stellvertreteridentifikation mit christoph schlingensief sowie ehrgefühlen angesichts der eigenen prekarität, von der pflicht zu solidarischen handlungen und leistungen befreit. Weil die k. ihre eigene existenz als politisches arbeiten begreift, wird jeder atemzug zur politischen handlung und daher werden konkrete hilfreiche oder stützende aktivitäten als überflüssig abgelehnt. Die k. sieht konkrete politische arbeit als unironische dopplung an und wendet sich mit gerümpfter nase von jener ab.


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Konservativer Kuchen, empowernde Musik, obdachlose Familien – die Blogschau

24. Februar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 238 von 295 der Serie Die Blogschau

Du brauchst keine Vagina um eine Frau zu sein – das Mem zum teilen und verbreiten gibt es bei Trouble X. Als Bonus dazu wichtige Links zu (sexualisierter) Gewalt und One Billion Rising.

Keine Ausreden mehr von wegen „wir wollten ja, aber wir kannten keine_n“: das Bündnis Mind The Trap hat eine Liste von Wissenschaftler_innen und Kulturschaffenden zu den Themen Migration, Ableismus, Rassismus, Postkolonialität und Repräsentation.

„Und während garstige, engstirnige Konservative ihren ollen Kuchen verteidigen, essen wir™ Torte“ – Teariffic will gar nix abhaben von normativen Trockengebäck.

Jayrôme hat eine tolle Playlist mit empowernden Songs von Trans* und genderqueer Musiker_innen zusammengestellt – genau genommen schon zwei.

Danger! Bananas stellt vor und empfiehlt: das soeben veröffentlichte Dossier „Asian Germany“ von der Heinrich-Böll-Stiftung.

„Der „Defekt“, wenn es ihn denn gibt, ist auf Seiten desjenigen, der das öffentliche Verbreiten seiner Angst als vermeintliche Stärke tarnt, und unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung Hass und Verachtung predigt.“ – Sandra Charlotte reichert über Heterosexismus und sein mediales Schaulaufen.

Über (mangelnden) Mutter- und Kinderschutz für obdachlose Familien berichtet Hinz & Kunzt – zwar mit ein paar problematischen Abgrenzungen, aber ein wichtiges Thema.

Die Inititative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt fragt: Wie kümmern wir uns eigentlich um sexualisierte Gewalt – individuell, gesellschaftlich und juristisch?

Anders deutsch hat in verschiedenen Blogbeirägen eine Menge Filmrezensionen zur Berlinale geschrieben.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Stellungnahme des Bündnisses kritischer Kulturpraktiker_innen

20. Februar 2014 von Gastautor_in

Theateraufführungen, Ausstellungen, Installationen – Welches Publikum erreichen sie? Welche Personen werden immer wieder ausgeschlossen? Über dieses Thema und Ansätze zur Öffnung von Angeboten sollten Anfang Januar bei der Tagung „Mind the Gap“ diskutiert werden. Die Tagung an sich aber re_produzierte direkt wieder alle Ausschlüsse, die sie betrachten wollte. Das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen schrieb eine Stellungnahme.

Anfang dieses Jahres fand am Deutschen Theater Berlin die Tagung “Mind the Gap” statt, die sich den „Zugangsbarrieren zu kulturellen Angeboten und Konzeptionen niedrigschwelliger Kulturvermittlung” widmen wollte. In der Ankündigung begründeten die Veranstalter_innen, dass „gerade junge Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund aus nicht westlichen Herkunftsländern, Menschen mit Behinderung und viele Menschen mit geringen Einkünften klassische Kultureinrichtungen besonders selten“ besuchen.

Bereits hier stellt sich die Frage, nach welchen Gesichtspunkten und wie präzise die Begriffe und Konzepte ausgewählt sind, die von den Tagungsleiter_innen verwendet werden. So werden im gesamten Tagungskontext und gerade auch im Tagungsrückblick Begriffe wie „Milieu“, „Kunst“, „Migrationshintergrund“, „Behinderung“ unreflektiert gebraucht, welche jedoch gerade in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften längst als problematische, Differenz festschreibende Kategorien diskutiert werden. Folglich ist es notwendig, mit viel präziseren Begriffen zu arbeiten, um strukturelle Ausschlüsse wie Rassismus, Klassismus und Ableismus und ihre Wirkungen als “Gap”-Erzeuger zu analysieren und schließlich Methoden zu ihrer Überwindung zu konzipieren.

Denn auf der Basis von vereinfachenden Begriffen, wie sie etwa bei der o.g. Tagung verwendet werden, folgern die beteiligten Sprecher_innen, dass es darum ginge, Barrieren durch “niedrigschwellige Kulturvermittlung” zu beheben. Und hier zeigt sich ein problematischer Ansatz, der per se von einem Defizit bei den einzelnen Bevölkerungsgruppen ausgeht, da ihnen Unkenntnis oder Ferne zu Kunst, Kultur und Bildung unterstellt wird. Einerseits werden also sämtliche Individuen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen, Bezügen und Verortungen als eine “Gruppe” festgeschrieben und darin “kunstaffinen”, “gebildeten” Besucher_innen von Kultureinrichtungen gegenübergestellt. Da andererseits “niedrigschwellige Kulturvermittlung” als Heilmittel zur Überwindung der “Gaps” vorgeschlagen wird, bleibt der wichtigste Bearbeitungsbereich unangetastet: die Programme, Inhalte und das Personal der Kulturinstitutionen selbst.

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