Einträge mit dem Tag ‘Künstler_innen’


Prekäre Kunst: Protest & Widerstand

10. September 2015 von Charlott

Ab diesem Samstag geht es los: Unter der großen Überschrift „Prekäre Kunst: Protest & Widerstand“ wird es in Berlin im restlichen September eine Ausstellung sowie eine Veranstaltungsreihe (mit Symposium, Film, Spoken Word und Musik) geben, die sich mit Rassismus/ Sexismus (und deren intersektionalen Verknüpfungen) im Berliner Kulturbetriebs auseinandersetzen. So heißt es in der Ankündigung:

Insbesondere Schwarze Künstlerinnen und Kuratorinnen sowie Künstlerinnen und Kuratorinnen of Color sind im Berliner Kunst- und Kulturbetrieb, mit wenigen Ausnahmen, weder Entscheidungsträgerinnen noch gibt es eine gewichtige Anzahl von selbstgestalteten Räumen, in denen sie sich präsentieren können beziehungsweise sich repräsentiert fühlen. Schwarze Frauen und Frauen of Color erfahren die Strukturen des Kunst- und Kulturbetriebs nicht nur als rassistisch, sondern auch als geschlechterdiskriminierend und erleben so ihr Arbeitsfeld „Kunst“ in mehrfacher Hinsicht als ausschließend und prekär.
Anhand der Frage nach Möglichkeiten der Aneignung, Unterwanderung oder dem Produzieren alternativer Kontexte soll ein Dialog über die verschiedenen Strategien entstehen, wie kulturschaffende Schwarze Frauen und Frauen of Color strukturellem Rassismus, Alltagsrassismus, Sexismus und den Erfahrungen von Marginalisierung und Nicht-Repräsentation im weißen Kunstbetrieb entgegenwirken (können). Gleichzeitig soll darüber beraten werden, inwiefern (Kunst-)Räume wirkliche Inklusion ermöglichen können und welche solidarischen Praxen dafür Voraussetzung sind. „Prekäre Kunst: Protest & Widerstand“ möchte diskriminierende Strukturen und Repräsentationspraktiken markieren, aufbrechen und langfristig verändern.

Zum Auftakt gibt es am 12.09. um 19 Uhr die Eröffnung – mit Artist Talk – der Ausstellung „The Company We Keep“ von Meloday LaVerne Bettencourt, Karina Griffith und Lerato Shadi. Die Ausstellung ist im Anschluss vom 13.9.-16.10.2015 immer Mi.-Sa. von 16-19 Uhr geöffnet.

Die weiteren festen Termine:

Fr., 18.9.2015, 19 Uhr: Spoken Word mit Bahati, Chantel C, NJ

Mi., 16.9.2015, 19 Uhr: Film + Gespräch ERIS (36 min., UK 2012, engl.), Regie: Claire Hooper, Publikumsgespräch mit der Schauspielerin Danielle Marie Shillingford. (engl.)

Sa. und So., 26.9.-27.9.2015: Symposium mit Vorträgen von Dr. Onur Suzan Nobrega (Race, Precarity And Artistic Labour In Berlin), Sandrine Micossé-Aikins (Being is one thing… – Protest und Widerstand), Iris Rajanayagam (Die Illusion der Post-Gender und Post-Racial Gesellschaft. Weiße Räume öffnen?! Von Repräsentationskritik zu Selbstrepräsentation – Möglichkeiten und Grenzen. Praxiserfahrungen einer Kuratorin of Color), Julia Lemmle (I am a white academic feminist artist. I´ve got no reason to cry); Filmvorführung und Diskussion zu „Die Umzüge“ von Karina Griffith und „PAST PRESENT TENSE“ von Christa Joo Hyun D´Angelo sowie Podiumsdiskussionen zum einen zu Wann Protest, wann Widerstand? mit Dr. Daude, Micossé-Aikins, Dr. Nobrega und die Abschlussdiskussion mit Bettencourt, D´Angelo, Dr. Daude, Griffith, Lemmle, Micossé-Aikins, Dr. Nobrega, Rajanayagam, Shadi, moderiert vom Kuratorinnenteam (Dr. Stacie CC Graham, Katharina Koch, Anne Kohl).

So., 27.09.2015, 20 Uhr: Musik mit three women (Jeannine Mayani / Gonza Ngoumou / Bona Ngoumou)

Lesetipp:


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Samstagabendbeat mit Karen O. zu Nellie Bly

9. Mai 2015 von Charlott

Diese Woche (am 05. Mai) war der 151. Geburtstags der us-amerikanischen Journalistin Nellie Bly. Im Jahr 1864 geboren, schaffte sie es nicht nur in 72 Tagen um die Welt zu reisen, sondern bewies sich als herausragende investigative Journalistin, u.a. bei ihrem Undercover-Einsatz im „Women’s Lunatic Asylum“ auf Blackwell’s Island. Zum Anlass ihres Geburtstag verfasste Karen O. (auch Sängerin bei den Yeah Yeah Yeahs) diesen kleinen Song:


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Erschwingliche Verhütungsmittel, Rap gegen rape culture und ein Anti-Trolling-Lexikon – kurz verlinkt

1. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 276 von 333 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Der pro-familia-Bundesverband hat beim Bundestag eine Petition für die Sicherung des Zugangs zur Verhütung auch für Menschen mit geringem Einkommen eingereicht, die heute letztmalig mitgezeichnet werden kann.

„Rassistische Skandale, Misshandlungen, Eskalation und Repression, die Beobachter_innen und Zeug_innen trifft: eine Bestandsaufnahme österreichischer Polizeigewalt“ schrieben Marlene Brüggemann und Olja Alvir für Progress.

Jetzt neu im Kino: der DreamWorks-Film „Home – Ein smektakulärer Trip“. Warum das erwähnenswert ist? Weil mit diesem erstmals (ja traurig) ein Schwarzes Mädchen als Protagonistin im Mittelpunkt steht. Hengameh Yaghoobifarah bespricht den Film auf Poligold.

Schüler_innen des Robert-Wetzlar-Berufskollegs in Bonn wehren sich gegen einen (extrem) rechten Lehrer. Einem der Schüler wurde von der Schulleitung, der die Burschenschaftsmitgliedschaften des Lehrers bekannt waren, daraufhin mit einem Schulverweis gedroht, berichtet die taz.

„Schlampige Arbeit, vorschnelle Festlegungen, übersehene Beweise“: Die Südwest Presse kommentiert die Polizeiarbeit in Baden-Württemberg bezüglich des NSU und des Ku Klux Klan.

dieStandard porträtiert Anna Fischer-Dückelmann, eine der ersten praktizierenden Gynäkologinnen und Bestseller-Autorin.

Die interaktive Plattform www.ronja-verdient-mehr.at, entwickelt vom Jahoda-Bauer Institut aus Linz, „zeigt Benachteiligungen von Frauen im täglichen Leben auf und soll den oft abstrakten Zahlen und Statistiken Leben einhauchen“.

Das Underdog Fanzine hat ein Interview mit der Orgagruppe des laDIYfest Kiel geführt.

Das Kunstmagazin Monopol interviewt die Galeristin Barbara Gross die seit vielen Jahren vor allem Kunst von Frauen zeigt. Leider sagt sie auch Sachen wie „Die Menschen müssen die Erfahrung machen, das Frauen genauso viel wert sind, wie Männer. „, in dem Interview finden sich dennoch spannende Anekdoten aus dem Kunstbetrieb: „Männer wollten die Kunst Maria Lassnigs beispielsweise nicht kaufen, da sie als Frau hätte schwanger werden können und dann hätte sie ja nicht mehr gearbeitet. Sie war damals über 70, das muss man sich mal vorstellen. Ich habe mich gefragt, ob sich diese Leute die Kunst überhaupt anschauen.“

Englischsprachige Beiträge

Die „BomBaebs“ Uppekha Jain und Pankhuri Awasthi rappen gegen rape culture in Indien:

Bei Medium werden 25 Frauen und Events rund um die Arbeiterinnenbewegungen in den USA vorgestellt und oftmals weiterführendes (teils Unterrichts-)Material verlinkt.

Sarah Seltzer hat für FlavorwireBeyond Mansplaining: A New Lexicon of Misogynist Trolling Behaviors“ zusammengetragen.

Dickenfeindlichkeit und Fatshaming wirkt sich negativ auf die Gesundheit dicker_fetter Menschen aus – Shakesville kommentiert die neue Studie des University College London.

Termin

Am 2.4. in Berlin, Südblock: Party Support #RomaDay.


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Dickes_Fettes Empowerment, Nice-Guy-Seximus und Asylpolitik – kurz verlinkt

14. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 268 von 333 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Magda spricht im Interview mit Raum für Notizen (ALEX Berlin) über Dickenfeindlichkeit, Queer_Feminismus und das Musikmachen.

Wenn rechtspopulistische Kreise gewinnen: Zu den Debatten um Sexualpädagogik und Antidiskriminierung“ schreibt Heinz-Jürgen Voß auf Das Ende des Sex.

kritisch-lesen.de hat ein Interview mit der Wissenschaftlerin und Aktivistin Silvia Federici übersetzt und veröffentlicht. Es geht um Care-Arbeit und ihren Stellenwert in emanzipatorischen Debatten.

Und noch ein tolles Interview: Christine Stonat von Weird hat mit Künstler_in Yori Gagarim über seine_ihre Arbeit gesprochen.

Interview Nr. 4 in der heutigen Linksammlung: ein kurzes Gespräch mit Undine de Rivière, Pressesprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen, hat Anne Hünninghaus für pressesprecher.com geführt.

Fußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus ist vergangene Woche zur Weltschiedsrichterin gewählt worden, berichtet die HAZ. Herzlichen Glückwunsch!

Das Migazin erläutert, welchen Einfluss die angestrebten Staatsverträge mit muslimischen Religionsgesmeinschaften in Berlin und Niedersachsen auf das Kopftuchverbot für Lehrerinnen haben könnten.

Der rbb berichtet: Hunderte Geflüchtete protestierten jahrelang in Berlin gegen die deutsche Asylpolitik – auf dem Oranienplatz und in einer besetzten Schule. Im vergangenen Jahr sagte der Senat ihnen eine umfassende Prüfung ihrer Einzelfälle zu. Das vorläufige Ergebnis: Nur drei der Geflüchteten erhalten Bleiberecht. (Siehe dazu auch unser Dossier Asyl, Flucht und Protest.)

„Charlie Sein oder Nichtsein?“ – die Süddeutsche Zeitung trägt Stimmen zusammen.

Englischsprachige Links

Ein sehr beeindruckender Poetry Slam von drei Teenagern, die in 3,5 Minuten (fast) alle Themen auf den Tisch packen: Armut, Rassismus, Ausbeutung, Homofeindlichkeit und (sexualisierte) Gewalt.

Vom 15. bis 21. Juni findet das ShanghaiPRIDE Film Festival statt. Beiträge können eingereicht werden!

Michael Tedder schreibt bei Pitchfork über „Nice Guy“-Sexismus im (Alternative/Indie)Rock – propagiert auch von dem extrem erfolgreichen Popmusiker Ed Sheeran.

Unterschiede in medialen Berichterstattungen zu den Anschlägen in Paris und den Anschlägen in Nigeria kommentiert Matt Schiavenza bei The Atlantic.

Termine in Berlin und Frankfurt am Main

15.01. in Berlin: „„…dass Frauen da nicht viel zu sagen haben und eigentlich an den Kochtopf gehören.“ – Geschlechterstereotype im Blick auf das Netzwerk des NSU“: NSU-Watch lädt ein zu einer Diskussionsveranstaltung im Projektraum/Hermannstr. 48 (Facebook-Link).

17.01. in Berlin: „Oury Jalloh – Oranienplatz – Ohlauer Strasse. The Impact of European Refugee Policy in Europe„. Anlässlich des zehnjährigen Jahrestages des Todes von Oury Jalloh findet eine szenische Lesung von The Most Unsatisfied Town von Amy Evans und eine Podiumsdiskussion statt.

22.01. in Berlin: Lesung der senegalesischen Schriftstellerin Ken Bugul. (FB-Link)

30.01. in Frankfurt: Storytelling Salon – Vier Geschichten über „Bewegung“: Eine Auftaktveranstaltung zum dritten Black History Month in Frankfurt.


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Gedenken an Pogrome, feministische Kämpfe in der DDR – kurz verlinkt

12. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 261 von 333 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Bei der Jüdischen Allgemeinen beschreibt Margot Friedländer, wie sie als 17-jährige die antisemitischen Pogrome am 9. November 1938 und deren Nachwirkungen in Berlin erlebte: „Hitler müsste eines Tages gehen, dachten wir. Irgendwann würden die Deutschen nicht mehr hinnehmen, was man uns Juden antat. Doch dieser Tag kam nicht. Nach der »Reichskristallnacht« wurde uns unmissverständlich klar: Niemand würde uns helfen.“

Feminismus-Geschichte in Deutschland wird immer wieder sehr perspektivisch sehr beschränkt erzählt, z.B. auch als eine vor allem west-deutsche Geschichte. Katrin Gottschalk schreibt in der Frankfurter Rundschau über feministische Auseinandersetzungen in der DDR und Wende-Enttäuschungen.

Das maiz, das Autonome Zentrum von & für Migrantinnen in Linz, wird zwanzig Jahre alt. migrazine spricht mit den drei Gründerinnen Tania Araujo, Luzenir Caixeta und Rubia Salgado über die Geschichte des Zentrums, Reflexionen und die Zukunft, die u.a. die Gründung der „Universität der Ignorant_innen“ bereithält.

Und noch ein Geburtstag: Das Bielefelder Online-Magazin weird feiert 7-jähriges Bestehen:

englischsprachge Links

Nach wie vor ist Kunst eine sehr männlich dominierte Domäne. Und auch im Rückblick werden meistens jene Frauen, die tätig wurden, nicht in den Kanon aufgenommen, bleiben ganz unerwähnt oder Männer eignen sich die Werke an. Flavorwire stellt dafür 10 abstrakte Künstlerinnen.

Noch mehr Künstlerinnen stellt Hyperallergic vor: „The Women Tagging and Painting the Streets of Bogotá„.

Die Naturwissenschaften sind gar nicht männlich dominiert?! Das zumindest behauptete ein Artikel in der New York Times, der sich auf eine aktuelle wissenschaftliche Studie bezieht. Ein Beitrag auf slate.com nimmt diesen Quatsch super auseinander und erklärt noch einmal, was das Problem an der Auswertung der Studie sei.

Termin

Am 21. und 22. November in Berlin, Ballhaus Naunynstraße: „Performing Back“ (Facebook-Link), eine künstlerische Auseinandersetzung von Simone Dede Ayivi mit der Kontinuität deutscher kolonialer Vergangenheit.


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Falsche Körper? Falsche Welt! – kurz verlinkt

22. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 259 von 333 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Charlotte Wiedemann schreibt in der taz über den Wert weißen Lebens vor dem Hintergrund internationaler Geflüchtetenbewegungen, IS, Syrien, Irak, Ebola und den Weltkriegen: „Syrien und Irak: Die Toten in ein und derselben Region sind von ganz unterschiedlicher Wertigkeit – je nachdem, welches Verhältnis der Westen zu den Mördern hat. […] Wer auf einer Weltkarte sieht, welche Länder die meisten Flüchtlinge aufnehmen, könnte glauben: Der Wert des Lebens gilt mehr außerhalb von Europa.“

„Polemiken gegen den „Genderismus“ und „political correctness“ sind nicht neu, zeugen aktuell jedoch davon, wie ein aggressiver Antifeminismus versucht, politisch an Einfluss zu gewinnen“: Der Beitrag „Antifeministische Allianzen“ des Antifaschistischen Infoblatts ist nun auch online verfügbar.

Den Aktivist_innen in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin droht wieder eine Räumung, berichtet heute ganz aktuell die taz. Eine Pressemitteilung der Bewohner_innen findet ihr auf asylstrikeberlin.

englischsprachige Links

Alok Vaid-Menon schreibt bei MTV über das Aufwachsen in einer Gesellschaft, die nur genau zwei Geschlechter zu lässt, wenn eine_r selbst keinem dieser Geschlechter angehört: „This is not a story about being born in the wrong body. This is the story of being born in the wrong world. This is the story of being told who we are without our consent.“

Die US-amerikanische Spielentwicklerin Brianna Wu schreibt über die Hass- und Mobbingkampagne #gamergate gegen sie und andere profilierte Gamerinnen – und beschreibt, welche massiven Anstrengungen die Hater unternehmen, um diese Frauen persönlich zu schädigen, nicht „nur online“, sondern auch im „realen Leben“.

Bei Dazed gibt es ein Interview mit der finnischen Fotokünstlerin Liu Susiraja.

Mae Carol Jemison, die erste afroamerikanische Astronautin, hatte vorige Woche Geburtstag. Zu diesem Anlass twitterte Afropunk das Video der Keynote, die Jemison im Frühjahr auf der Women of Color Task Force Conference gehalten hatte.

Jezebel berichtet über „die erste und bisher einzige“ Trans*frau bei der New Yorker Feuerwehr, Brooke Guinan, und ihren Einsatz gegen Diskriminierung.

Anlässlich der australischen National Week of Deaf People (nationalen Woche der gehörlosen Menschen) berichtet Sarah Kienbort im Guardian über die Vorteile von Gebärdensprachen und die Erfahrungen, die sie als hörende Mutter einer gehörlosen Tochter macht.

In Dänemark, so ist bei Gay As Us nachzulesen,  haben neue Richtlinien die medizinische Situation für trans Personen verschlechtert.

Beim Guardian schreibt Chimamanda Ngozi Adichie über ihren Weg zu einem feministischen Selbstverständnis.

Termine in Berlin, Mannheim

Berlin: Elektronischer Donnerstag im Schwuz – your local girl gang! (Facebook-Link)

Mannheim: Am 25.November findet die Protestkundgebung „Reclaim the Night – Wir fordern die Nacht zurück“ (Facebook-Link) statt.


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Künstlerinnen des neuen Jahrtausends

5. September 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 84 von 121 der Serie Die Feministische Bibliothek

The-Reckoning-Cover-JPG_335WMit The Reckoning – der Abrechnung – ist ein Sammelband überschrieben, der einen Blick in das Schaffen zeitgenössischer Künstlerinnen wirft. Und nicht nur der Titel gibt sich kämpferisch: Als Illustration des Covers wurde ein Standbild aus Pipilotti Rists Video-Installation Ever Is Over All aus dem Jahr 1997 gewählt. In dieser schlägt Rist mit einer blumenförmigen Metal-Stange auf Autos ein. Die Zerstörung des männlich konnotierten Statussymbols durch die Frau mit der Blume in der Hand im blauen Sommerkleid, rote Schuhe.

Im Jahr 2007 hatten die Autorinnen Eleanor Heartney, Helaine Posner, Nancy Princenthal und Sue Scott bereits den Band After the Revolution: Women Who Transformed Contemporary Art veröffentlicht. In diesem betrachteten sie (us-amerikanische) Künstlerinnen, die seit den 1960igern aktiv waren und als wegweisend mit ihren Arbeiten gelten können. Fünf Jahre später nun wollten die vier Antworten auf die Frage der Kunsthistorikerin Linda Nochlin suchen: „Nach der Revolution kommt die Abrechnung. […] Was genau wurde erreicht, was hat sich verändert?“

Insgesamt präsentieren sie dafür 25 Künstlerinnen, die sie in vier Kategorien eingeordnet haben: Bad Girls („Schlechte Mädchen“, thematisiert werden hier vor allem Sexualität, Begehren, Objektifizierung), Spellbound („Verzaubert“, das subversive Unterlaufen von weiblich (negativ) konnotiertem Verträumtsein, „Passiv“sein), Domestic Disturbances („Häusliche Aufruhr/ Störungen“, Blicke in die häusliche Pshäre ) und History Lessons („Geschichtsstunden“).

Dabei merken die Autorinnen auch bereits in der Einleitung an, dass ihnen bewusst ist, dass sich die einzelnen Künstlerinnen nicht immer ganz fein säuberlich so katalogisieren lassen, viel mehr ginge es ihnen darum (thematische) Eckpunkte aktueller feministischer Kunst aufzuzeigen. So wird jede dieser vier Sektionen mit einem Einleitungstext eingeführt, der wichtige Themen diskutiert und Verbindungen zu den künstlerischen Vorgänger_innen aufbaut. Anschließend werden die einzelnen Künstlerinnen jeweils reich bebildert vorgestellt. Die Texte sind gut verständlich geschrieben, geben Kontext, erklären Herangehensweisen und erlauben auch Kunst-Neulingen einen spannenden Einstieg in das jeweilige künstlerische Schaffen.  Sicher wäre bei einigen Porträts eine etwas kritischere Auseinandersetung wünschenswert gewesen, aber definitv ist das Buch ein super Ausgangspunkt für die Auseinandersetzungen mit aktueller feministischer Kunst, werden doch Künstlerinnen verschiedener Herkünfte, Positionierungen und künstlerischen Verortungen mit ihren unterschiedlichen Medien präsentiert und in Bezug zueinander gesetzt.

Und wenn das Buch zugeklappt wird, weiß eine auf jeden Fall mehr über: Ghada Amer. Cecily Brown. Tracey Emin. Katarzyna Kozyra. Wangechi Mutu. Mika Rottenberg. Janine Antoni. Cao Fei. Nathalie Djurberg. Pipilotti Rist. Jane und Louise Wilson. Lisa Yuskavage. Kate Gilmore. Justine Kurland. Klara Liden. Liza Lou. Catherine Opie. Andrea Zittel. Yael Bartana. Tania Bruguera. Sharon Hayes. Teresa Margolles. Julie Mehretu. Kara Walker. Und zu mindestens was diese Künstlerinnen bisher erreicht haben und wie sie weiterhin Kunst ver_ändern.

Eleanor Heartney, Helaine Posner, Nancy Princenthal, Sue Scott. 2013. The Reckoning. Women Artists of the New Millennium. Prestel. 256 Seiten.


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Chimamanda Ngozi Adichie, Solange Knowles, Tupoka Ogette, Ana Mendieta – kurz verlinkt

22. Mai 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 242 von 333 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Bereits im März berichtete Tupoka Ogette im RBB über die alltäglichen Rassismus-Erfahrungen, die sie in Berlin macht.

Die Wanderausstellung Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen setzt sich mit den Verbrechen des NSU in den Jahren 2000 bis 2007 sowie der gesellschaftlichen Aufarbeitung nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrundes im November 2011 auseinander.

englischsprachige Beiträge

Über Sexismus innerhalb von emanzipatorischen Bewegungen: Bei Black Girl Dangerous beschreibt La Stephanie, warum sie die United Farm Workers verlassen musste.

Cecily McMillan, die bei einer Demo im Rahmen von Occupy Wall Street durch den sexualisierten Übergriff eines Polizisten verletzt wurde, wurde nun verurteilt – wegen des angeblichen Angriffs auf besagten Polizisten.

(CW: Bilder mit Blut) Mit der Aktion We wish Ana Mendieta was still alive (Wir wünschten, Ana Mendieta wäre noch am Leben) erinnerten_protestierten_performten Künstlerinnen vor der Galerie, in der eine Ausstellung mit Werken desjenigen Mannes läuft, der Mendieta mutmaßlich getötet hat.

Im Anschluss an die Lesung von Chimamanda Ngozi Adichie hat Peggy Piesche auf Facebook einen offenen Brief an die Autorin veröffentlicht.

Anlässlich eines aufsehenerregenden (anscheinenden) Streits zwischen Solange Knowles und Jay-Z schreibt Jasmine N. Salters bei For Harriet über öffentliches Amüsement auf Kosten Schwarzer Frauen.

Nur dreizehn Prozent der Autor_innen bei Wikipedia sind Frauen. Das Ms. Magazine berichtet über Autorinnenschaft als feministischen Aktivismus.

Bei BitchMedia werden entmenschlichende Aspekte des „Mythos Starke Schwarze Frau“ diskutiert und geschichtlich eingebettet.

Termine in München, Salzburg, Würzburg

Würzburg, 24. Mai: Vortrag von Magda Albrecht “(Mein) Fett ist Politisch” im Rahmen des FemFest Würzbug.

Salzburg, 26. Mai: Eröffnungsveranstaltung des Grrrl Zine Archiv (Facebook-Link)

München, 30. Mai bis 1. Juni: 7. Trans*-Tagung München, Anmeldung bis 23. Mai möglich.


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Ein „menschlicher Zoo“ in Norwegen, Erinnern an den Holocaust und queere Kunst in Armenien – kurz verlinkt

30. April 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 240 von 333 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Das Programm für die diesjährige Frauen*FrühlingsUni (F*FU14) ist nun online und die Anmeldung eröffnet! Programm, Anmeldung und weitere Infos findet ihr hier.

Auf dem Oranienplatz in Berlin protestieren immer noch Geflüchtete. Dieser Protest sollte wegen des anstehenden Myfest geräumt werden… Doch nun gibt es doch eine Einigung, berichtet die taz.

englischsprachige Links

Am 27. April jährten sich in Südafrika die ersten Wahlen nach dem Ende der Apartheid zum 20. Mal. In einer Woche, am 07. Mai, werden die nächsten Wahlen stattfinden. Mail&Guardian hat genauer hingesehen, was einige der größeren/ bekannteren Parteien auf dem Papier zu Gender/Frauenrechten/LGBTI-Rechten etc. verkünden – und wie sich diese Themen in sonstiger Rhetorik oder Taten ausdrücken.

Can a misogynistic country have a female president? Brazil proves that the answer is yes.„, schreibt und beschreibt die brasilianische Journalistin Vanessa Barbara bei der New York Times. [Inhaltshinweis: Misogynie, body policing und rape culture]

Im nächsten Monat wird in Norwegen ein „menschlicher Zoo“ eröffnen. Bitte was?! Ja, laut den Künstlern soll diese Aktion – ein Re-Enactment kolonialer Ausstellungsformen – Diskussionen zu Rassismus und dem kolonialen Erbe initiieren. Bwesigye bwa Mwesigire analysiert auf This Is Africa wie diese Aktion rassistische Stereotypen stattdessen re_produziert und in einer weiterhin rassistisch strukturierten Gesellschaft nicht funktionieren kann, sondern nur mehr Gewalt ausübt.

Barbara Eder interviewte das Künstler_innen- und Aktivist_innenkollektiv Queering Yerevan über ihre Aktionen, die Zurückeroberung des öffentlichen Raums und den Begriff „Queer“ im armenischen Kontext.

Zum noch immer unklaren Verbleib der 243 von „Boko Haram“ entführten Schülerinnen in Nigeria schrieb allAfrica.com. Auf Twitter werden unter den hashtags #BringBackOurDaughters und #BringBackOurGirls weitere Informationen und Aktionen kommuniziert. [Inhaltshinweis: Misogynie, Gewalt und rape culture]

In einem Fotoprojekt stellen Schwarze Mädchen Porträts von Frauen nach, die als Vorbilder fungieren – von Audre Lorde bis Gabby Douglas.

Anlässlich des Yom HaShoah (Holocaust Tags) in Israel schreibt The Mamafesto über ihre Familiengeschichte und die Bedeutung von Erinnerung.

Termine in Berlin, Bremen, Frankfurt a.M., München:

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Elektro, Herrenclubs und die Krise der Männlichkeit – kurz notiert

24. April 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 193 von 333 der Serie Kurz notiert

10 Pionierinnen elektronischer Musik und queere Musik_erinnen of Color, die ihr unbedingt kennen solltet.

In Boston sind durch einen Terroranschlag auf den Boston Marathon mehrere Menschen gestorben. Die Medien berichteten ohne Unterlass – leider nicht ohne Rassismen zu bemühen, wie Bitch Magazine berichtet.

Obwohl immer behauptet wird, dass wir in einer hypersexualisierten Gesellschaft leben, wird anscheinend nur sehr selten ehrlich über Sex gesprochen. Eine neue Webseite soll dem entgegenwirken, berichtet Salon.com.

Der Guardian widmet sich „The Sessions„, einem Film, der Behindertwerden und Sex thematisiert. Ebenfalls im Guardian: Ein Bericht über #ShoutingBack, das Pendant zu #Aufschrei in Großbritannien.

Eine neue Ausgabe des Zines Masculine Femininities wurde veröffentlicht.

In Oldenburg wurde einer Frau der Wunsch auf die „Pille danach“ verwehrt.

100 Prozent Mann sammelt Positionen, die noch nie von Frauen eingenommen wurden. Welcome to the Herrenclubs!

Der Guardian hat einen Nachruf auf Bi Kidude, der ersten Sängerin Zanzibars, veröffentlicht.

„Die im Anschluss an den #Aufschrei geführte Debatte über die Krise von Männlichkeit ist eine Form altbewährten Konservatismus“, schreibt Claire Horst für Analyse & Kritik.

Disney hat die hauseigenen Prinzessinnen einem Redesign unterzogen: Nach wie vor finden sich kaum Charaktere of Color unter den Figuren und Heldinnen wie Mulan oder Pocahontas wurden mit dem neuen Make Over weiß „gewaschen“, kritisiert sparksummit.com.

Eine Modelagentur warb vor einer Klinik für Essstörungen in Schweden um neue Klientinnen, berichtet dieStandard.at.

In Hamburg fand vergangenes Wochenende erstmals eine Frauenflüchtlingskonferenz statt. Die Junge Welt sprach mit Eylem Silan, die sich in der Vorbereitungsgruppe engagierte.

Eine Highschool-Studentin wurde von ihrem Direktor bedroht, weil sie eine Anti-Verhütungsmittelveranstaltung an ihrer Schule öffentlich kritisierte.

Servicepost für Cis-Frauen auf autostraddle.com: Mit Trans*frauen interagieren, ohne ständig Transphobie zu reproduzieren.

Zimbabwe hat mit einer überwältigenden Mehrheit für einen Entwurf gestimmt, nach der nun Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte in der Verfassung Eingang findet.

Auf addicting.info finden sich zehn verschiedene Begriffe, die eigentlich viel besser passen würden als „Pro Life„, ein Begriff mit dem sich Abtreibungsgegner in den USA schmücken.

Body Love Wellness kritisiert den aktuellen Werbeclip von Dove.

Termine in Berlin und Gießen findet ihr nach dem Klick

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