Einträge mit dem Tag ‘Krieg’


Männer als Opfer sichtbar machen – aber richtig

2. September 2011 von Helga

3 Vergewaltigungen und sexualisierte Gewalt als Mittel im Krieg sind alt, aber erst langsam werden sie explizit wahrgenommen und geahndet. So verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Juni 2008 die Resolution 1820. Seither gilt sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten als eigener Straftatbestand.

Im Guardian erschien vor kurzem eine Reportage von Will Storr, der in Uganda eine oft übersehene und verschwiegene Gruppe von Opfern besuchte: Vergewaltigte Männer (Triggerwarnung!). In drastischen Worten beschreibt er die Grausamkeiten, die sie erlitten haben und die psychischen wie physischen Probleme, die sie danach begleiten.

Leider hakt der Artikel an einigen Stellen. So werden das Tabu „männliche Opfer“ und der Stereotyp des starken Mannes einseitig afrikanischen Gesellschaften zugeschrieben. Dass diese Probleme auch im Westen bestehen, wird verschwiegen. Dabei gehören sie zu den Gründen eines weiteren Problems, dass Storr beklagt: Viele Hilfsorganisationen konzentrierten sich zu sehr auf weibliche Opfer und Kinder, teilweise würde versucht, die Definition von Vergewaltigungen auf Frauen zu beschränken. Wie problematisch Männlichkeitsbilder sind, lässt sich hier nur erahnen. Dazu gehörte auch die Reflektion über die männlichen Täter, die aber völlig fehlt.

Einen anderen Grund lässt er einen Betroffenen ebenfalls nur kurz ansprechen:

“There’s a fear among them that this is a zero-sum game; that there’s a pre-defined cake and if you start talking about men, you’re going to somehow eat a chunk of this cake that’s taken them a long time to bake.”

Da gibt es Angst [unter den Hilfsorganisationen], dass es ein Nullsummenspiel ist; dass es da einen vorgefertigen Kuchen gibt und wenn man anfängt über Männer zu reden, wird ein Stück des Kuchen rausgeschnitten, den zu backen es sie eine lange Zeit gekostet hat.

Dabei sind Hilfsprogramme für Menschen bis heute deutlich schneller gestrichen als Hilfsprogramme für Banken. Und es hat sehr lange gedauert, bis der Kampf gegen sexualisierte Gewalt ernst genommen wurde. Nun auch männliche Opfer ernst zu nehmen wird ebenfalls dauern – und nur erfolgreich sein, wenn eine kritische Betrachtung von Männlichkeit und männlichen Stereotypen erfolgt.


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Alphamädchen an die Front!

20. Oktober 2010 von Katrin
Dieser Text ist Teil 29 von 41 der Serie Meine Meinung

Am Wochenende war ich im Rahmen meiner Arbeit für den Lehrstuhl Politische Theorie an der Durchführung des Kongresses “Offiziersausbildung für das 21. Jahrhundert” beteiligt. Veranstaltet von der Clausewitzgesellschaft und der Humboldt-Universität zu Berlin befassten sich etwa 130 Männer zwei Tage lang mit der Frage, welche Herausforderungen die Kriege des 21. Jahrhunderts an die Ausbildung von Offizieren stellen. In Retrospektive an Carl von Clausewitz, der in Vom Kriege beschrieb, was gute Kriegsführung bedeutet, und in Betrachtung der Geschichte der Militärausbildung in Deutschland, sollte eine Vision entworfen werden, wie Nato und Bundeswehr auf neue Herausforderungen, zum Beispiel in Afghanistan oder in den schweren Konflikten in Afrika, vorbereiten.

Bundeswehr-Fotos
(Bild via Bundeswehr-Fotos)

Professor Herfried Münkler, der mit seinem Buch Die Neuen Kriege (Video der Bundeszentrale für Politische Bildung) beschrieben hat, was genau das Neue und Gefährliche an den Kriegen des 21. Jahrhunderts sind, diskutierte mit diesen – hauptsächlich älteren – Männern, es wurden Vorträge von Wissenschaftlern und von Kommandeuren gehalten, und von wissenschaftlichen Kommandeuren und Generälen. Die wenigen Frauen im Publikum waren größtenteils mitgereiste Gattinnen. Nur vereinzelt mischte sich auch einmal eine Frau in die Diskussion ein. Für jemanden wie mich war die Sache zwar überaus spannend, weil ich Einblicke in eine mir sonst fremde Welt bekam, aber ich fragte mich auch, was das für eine moderne Zukunft sein soll, wenn Frauen beim Militär nach wie vor so selten sind.

Ehrlich, was diese Sache angeht, müssen wir echt mal aus den Puschen kommen. Wolf-Dieter Löser, Generaloberst vom Nato Defence College war so mutig, in seiner Vision der neuen Soldat_innen eine Frau zu wählen, die diese Vision verkörperte. Und jetzt kommt’s: Keiner der alten Herren monierte das! Man will uns kluge, junge Frauen gerne dort! Aber wollen wird das denn auch?

Frauen sind friedlich. Frauen an der Waffe? – Nur für ganz hartgesottene Mannweiber denkbar, oder? Krieg? ihhh bäh! Mal ehrlich: Wir drücken uns vor dieser Herausforderung. Während wir Role Models in Hülle und Fülle entwerfen, in die Chefetagen drängen und in die Parlamente, obwohl die Hälfte der Macht in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für uns eine selbstverständliche Forderung ist, drücken wir uns vor einem Engagement im Militär. Warum? Wegen der Kinder? Aber wollen wir nicht, dass Männer und Frauen in Bezug auf die Kinder gleichgestellt werden? Wegen des Pazifismus? Aber müssen wir nicht dafür Verantwortung übernehmen, dass die Krisen in der Welt, die Neuen Kriege, bei denen Vergewaltigungen von Zivilisten-Frauen durch die Kriegsparteien an der Tagesordnung sind, dass diese Konflikte gelöst werden? Dass sie auch in unserem Sinne gelöst werden? Geht das nicht uns alle an?

Eine ganze Reihe Frauen wird seid einigen Jahren als “Alphamädchen” gehandelt und wir sind selbstbewusst, klug, gut gebildet und scheuen uns nicht vor Herausforderungen. Oder doch?

Natürlich ist es eine rein persönliche Entscheidung, welchen Lebensweg jede von uns geht. Genauso persönlich, wie die Entscheidung zwischen Männern und Frauen, wer in der Babyzeit zu Hause bleibt. Doch wenn eine ganze Masse sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält und dieses Verhalten unter der Zielsetzung von Gleichstellung ein politisches Problem wird, dann sollten wir uns vielleicht doch einmal ganz ernsthaft selbst fragen, ob wir uns eine Karriere beim Militär nicht doch vorstellen können.


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Dokumentation des Grauens: Gewalt im Kongo

7. Oktober 2010 von Magda

Die Horrornachrichten aus dem Kongo, ein Land gebeutelt von den Kongokriegen und den bis heute andauernden Konflikten im Ostkongo, überschlugen sich in den letzten Monaten. Die Details zu den Greueltaten von 1993 bis 2003, inklusive der Mittäterschaft anderer afrikanischer Staaten wie Ruanda und Uganda, sind in dem gerade erschienen 550-seitigen UN-Bericht dokumentiert und sparen keine menschliche Untat aus: Folter, brutale sexuelle Gewalt, Mord.

Das Einsetzen von systematischer sexualisierter Gewalt als Kriegswaffe ist kein neues oder seltenes Phänomen (siehe: “Sexuelle Gewalt in Simbabwe“). In Kriegen wie im Kongo werden Frauen wie Kinder – zunehmend auch Männer – systematisch Massenvergewaltigungen ausgesetzt. Ob lokale Milizen oder die nationale Armee, Vergewaltigung wird als Zeichen von Macht und zur Demoralisierung der Bevölkerung eingesetzt. Und es wirkt.

Die scheinbar vergangenen Kriegserfahrungen der 1990er sind auch heute noch bittere Realität. Die Zeit berichtet, dass Ende Juli und Anfang August dieses Jahres in 13 Dörfern in der Provinz Nord-Kivu binnen weniger Tage 242 Frauen und Kinder vergewaltigt wurden. Im Laufe des Augusts wurden 260 weitere Vergewaltigungen in anderen Teilen von Nord-Kivu sowie in der Provinz Süd-Kivu registriert. Aus Angst vor Rache und erneuter Gewalt hatten die Bewohner_innen eines Dorfes in Nord-Kivu die in der Nähe stationierten Blauhelmsoldaten (die Friedenstruppen der UN) nicht zur Hilfe gerufen.

Nun haben die UN Fehler und Versäumnisse im Kongo zugegeben. So sollen nun vermehrt Patrouillen durch die Blauhelmsoldaten stattfinden, um die Kontakte zur Bevölkerung zu verbessern. Laut dieStandard.at wurde ein kongolesischer Milizenführer am Dienstag festgenommen – ein “erster, wenn auch kleiner Erfolg”.

Am 16. Oktober finden in Köln und Berlin Solidaritätsaktionen statt, die den Zusammenhang zwischen Militarisierung, Krieg und sexualisierter Gewalt sichtbar machen sollen. Mehr Informationen gibt es im Aufruf Solidarisch mit Kongo (PDF), unter MarcheMondiale oder info[at]marchemondiale.de.


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Im Namen der Freiheit: Neun Jahre Afghanistan-Krieg

9. September 2010 von Magda

Der Spiegel berichtet in einem aktuellen Artikel über ein Frauenhaus in Masar-i Sharif (Nord-Afghanistan) und gibt einen düsteren Einblick in die Situation afghanischer Frauen knapp neun Jahre nach Einmarsch der US-amerikanischen Truppen im Oktober 2001. Der so genannte “Krieg gegen den Terror” und die im Rahmen dieses Krieges durchgeführte Operation Enduring Freedom (“Operation andauernde Freiheit”) hat so einige ihrer hoch angepriesenen Ziele nicht erreicht. Die unter dem Deckmantel von Menschen- und ja, insbesondere Frauenrechten! – eingesetzte Strategie hat den Afghanerinnen, wenn überhaupt, nur theoretisch genutzt. Der systematischen Entrechtung der Frauen durch das Taliban-Regime (1996 – 2001) wurde zwar mit der neuen Verfassung von 2004 entgegengesteuert (sogar eine Frauenquote gibt es im Parlament), aber “es sind vor allem die Frauen in den Städten, die von den Entwicklungen profitieren”, so Reinhard Erös, Gründer der Entwicklungshilfe-Organisation “Kinderhilfe Afghanistan”, in einem Artikel der Sueddeutsche. Mehr als 85 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebt allerdings in ländlichen Gebieten.

In unzähligen Interviews aus der Dokumentation Rethink Afghanistan (Teil 5: The Women of Afghanistan) wird deutlich, wie es um die Mehrzahl der afghanischen Frauen im Jahre 2010 steht: Die Frauenquote im Parlament von 25% ist zwar von der Verfassung vorgeschrieben, verhindert allerdings nicht, dass Kandidatinnen, die sich um ein politisches Amt bemühen, mit teils gewalttätigem Widerstand rechnen müssen. Unter dem Taliban-Regime wurden Afghaninnen bekanntlich zu Menschen zweiter Klasse. Eine Verbesserung ist aber auch heute und insbesondere in ländlichen Gebieten nicht festzustellen. Im Gegenteil: Hinzugekommen ist ein Krieg, der neben einer ungeheuerlichen Armut eine Vielzahl an neuen sozialen Problemen hervorbrachte. Selbstmordattentate waren noch vor der amerikanischen Invasion gänzlich unbekannt. Die Mehrzahl der Ehen wird erzwungen; Vergewaltigungen bleiben ungeahndet oder enden mit der Bestrafung des Opfers; häusliche Gewalt hat zugenommen und die Kindersterblichkeit ist unverändert hoch. Einige, wie Reinhard Erös, sprechen von einer Verschlechterung der humanitären Situation seit 2001. Der Human Rights Watch Bericht (2009) zum Thema Frauenrechte in Afghanistan skizziert ein trauriges Bild in allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere in Bildung und Rechtssprechung.

Time Cover 08/2010: "Was passiert, wenn wir abziehen"

Die Situation der afghanischen Bevölkerung in dem nun offiziell teuersten und längsten Krieg in der Geschichte der USA findet weltweit Aufmerksamkeit: Auf dem August-Titel des US-Magazins Time prangte das Bild einer afghanischen Frau ohne Nase. Daneben war zu lesen: “Was passiert, wenn wir abziehen.” Die 19jährige Bibi Aisha, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann floh und der zur Strafe Nase und Ohren abgeschnitten wurden, gab diesem Krieg ein erschreckendes Gesicht. Die Überschrift ist angesichts der Realitäten in Afghanistan der reinste Hohn. Aishas Geschichte ereignete sich zu einer Zeit, in der amerikanische und auch deutsche Truppen schon jahrelang in Afghanistan stationiert waren. Weder die Militärpräsenz noch die unzähligen Hilfsorganisationen konnten die Lage der afghanischen Bevölkerung radikal verändern. Operation Enduring Freedom? Die Tatsachen sprechen dagegen.


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Sport, Glaube, Gay Magazine, Gewalt gegen Frauen, neue Männer, Photoshop-Disaster und Feminist Rapper

23. April 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 80 von 138 der Serie Kurz notiert

DieStandard.at: “Sexuelle Ausbeutung wird als Waffe in allen bewaffneten Konflikten eingesetzt.”

Spiegel: Bruder bittet Mo’Nique um Vergebung für sexuellen Missbrauch.

BBC: Bergsteigerinnen, die die 14 höchsten Berge bezwingen.

MsMagazine: Dorothy Height, aktiv in der amerikanischen Bürger_innenrechtsbewegung, ist verstorben.

TheF-Bomb: Feminismus und christlicher Glaube schließen sich nicht aus.

Gefühlskonserve: “Ich bin ein echter Mann und mich nerven die Eigenschaften, die diese Gesellschaft für mein Geschlecht vorsieht.”

Schwulissimo: Marokkos erstes Gay Magazin wird vielleicht verboten.

MsMagazine: Eine kritische Analyse zum Trend unretuschierter Fotos von Stars und Models.

Bitchmagazine: Feminist Rapper, Teil drei! (Teil zwei leider verpasst, gibt es hier)


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Schwanger in der Kriegszone

18. Dezember 2009 von Magda

Auf religiondispatches.org berichtet Kathryn Joyce von einer in Fallujah (Irak) stationierten Marinesoldatin namens Amy, die schwanger wurde und sich für einen Abbruch entschied. Amy hatte nun folgende Möglichkeiten:

a) Sie erzählt ihrem/ihrer Vorgesetzten, dass sie schwanger ist und hofft auf medizinische Versorgung in einem Militärkrankenhaus. Auf Grund der starken Präsenz der AbtreibungsgegnerInnen im amerikanischen Kongress dürfen Militärkrankenhäuser Abtreibungen allerdings nur im Falle von Lebensgefahr, Vergewaltigung oder Inzest durchführen. Dies ist also keine Option.

b) Amy könnte auch einen medizinischen Ausgang in Fallujah beantragen und auf eigene Faust ein Krankenhaus suchen, welches Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Abhängig vom Gebiet kann dies mehr oder weniger sicher sein.

c) Oder: Amy wird zurück zu ihrem Heimatstandort nach North Carolina geschickt, wo sie privat eine Abtreibungsklinik finden muss.

Soldatin in Anbar Province 2006. US Army photo by Lance Cpl. Clifton D. Sams

Soldatin in Anbar Province 2006. US Army Foto von Lance Cpl. Clifton D. Sams

In jedem Fall müssen Frauen wie Amy mit Konsequenzen oder gar Karriereeinbüßen rechnen.

So kann Amy beispielsweise abgemahnt werden, weil sie unerlaubten Sex hatte. Zwar existiert der so genannte “sex ban” im Militär nun offiziell nicht mehr; auf Grund von diversen Einschränkungen findet er dennoch immer noch Anwendung. Nicht überraschend sind überdurchschnittlich viele Frauen von diesen Verwarnungen betroffen, da man nun einmal nur Frauen ansehen kann, wenn Sex Konsequenzen hat. Bei einer Verwarnung schwinden selbstverständlich die Chancen auf eine Beförderung bzw. kann dies sogar das Ende von Amy’s Karriere bedeuten. Als Frau in einem männlich dominierten Beruf ist man darüber hinaus eventuell auch Spott und Vorwürfen ausgesetzt, die darauf hinauslaufen, dass Frauen “ja nun einmal nichts im Militär zu suchen hätten”.

Aus diesen Gründen hat Amy mehrmals versucht, selbst eine Abtreibung durchzuführen. Mit online bestellten pflanzliche Abtreibungsmitteln und dem Putzstock ihres Gewehrs versuchte sie ein erstes Mal, einen Abbruch durchzuführen. Nach dem zweiten missglückten Versuch erzählte sie einer Vorgesetzten von ihrer Schwangerschaft und lieferte sich selbst ins Militärkrankenhaus ein, von dem sie in die USA ausgeflogen werden sollte, um dort privat eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Als man ihr dann mitteilte, dass sie dafür abgemahnt wird, dass sie Sex in einem Kriegsgebiet hatte, führte sie in der gleichen Nacht noch einen nun “erfolgreichen” Schwangerschaftsabbruch durch.

Nachdem ein/e Psychater/in ihr in der Konsequenz bescheinigte, dass sie unter Depression und PTSD (posttraumatic stress disorder = posttraumatische Belastungsstörung) leide, erwirkte Amy ihre eigene Entlassung aus dem Dienst.

“They convinced themselves that anyone who would do a self-abortion is crazy,” Amy says. “It’s not a crazy thing. It’s something that rational, thinking women do when they have no options.”

(Zu deutsch: “Sie glaubten, dass eine Frau, die selbst eine Abtreibung durchführt, verrückt sein muss,” sagt Amy, “aber es ist keine verrückte Sache. Es ist etwas, was rational denkende Frauen tun, wenn sie keine Optionen haben.”)


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Wieder nur Verliererinnen

3. Juli 2009 von Helga

Die Stellung und das Leben der Frauen verbessern. Das war eines der Argumente, um Saddam Hussein zu stürzen. Doch wie die Deutsche Welle neulich berichtete, ist genau das Gegenteil eingetreten.

Bis Anfang der achtziger Jahre hätten die Irakerinnen zu den bestausgebildeten, emanzipiertesten Frauen der arabischen Welt gehört, erklärt Nadje Al-Ali. Doch die Diktatur, der iranisch-irakische Krieg und besonders das ab 1990 verhängte Sanktionsregime hätten bewirkt, dass hunderttausende Irakerinnen ihre Arbeitsplätze und Bildungschancen verloren. Die Invasion 2003 und die anschließenden Gewaltexzesse hätten diese Entwicklung noch einmal beschleunigt.

Mädchen gehen nicht mehr zur Schule aus Angst vor Entführungen oder weil die Familie es sich einfach nicht leisten kann. Gewalt in Familie und Ehrenmorden an Frauen bleiben unbestraft. Die amerikanischen Truppen setzen die Frauen unter Druck, Informationen über ihre männlichen Verwandten und deren (Terror-)Absichten herauszugeben. Insgesamt 800.000 Witwen müssen ihre Familien alleine durchbringen. Auch die Entwicklung der irakischen Politik verheißt nichts Gutes für die Frauen:

Noch gilt im Irak das alte, einheitliche Personenstandsrecht von 1959, das trotz vieler frauenfeindlicher Veränderungen während der Diktatur Saddam Husseins nach Ansicht engagierter Frauenrechtlerinnen immer noch recht fortschrittliche Elemente enthält. Doch der Artikel 41 der neuen irakischen Verfassung sieht vor, dass die Iraker ihren Personenstand künftig nach Maßgabe ihrer Religion oder ihres eigenen Ermessens individuell entscheiden sollen. Die bisherigen Erfahrungen in anderen arabischen und islamischen Ländern haben gezeigt, dass solcherart gespaltenes Personenstandsrecht für Frauen meist von Nachteil ist: denn es wird nicht klar definiert, welche Interpretationen des islamischen Rechtes zum Tragen kommen sollen und wer die Interpretationshoheit innehaben soll.

Die gute Nachricht: Viele Irakerinnen organisieren sich in Frauenorganisationen und engagieren sich für Verbesserungen. Doch der ständige Kampf, der von außen in das Land getragen wird, macht ihnen das Leben schwer. Für sie kein Grund aufzugeben.


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Anklage gegen Radovan Karadžić

24. August 2008 von Barbara

Groß war die Überraschung, als Radovan Karadžić, der frühere Präsident der Republika Srpska und Anführer der serbischen Bosnier in den Neunzigern, in Belgrad aufgefunden wurde. Über Jahre hatte er dort eine Zweitidentität als Heiler etabliert. Spätestens als sein weißer Rauschebart ab war und seine Haare zur alten Frisur zurückgefunden hatten, war auch die Erinnerung wieder hellwach: Radovan Karadžić gilt als mutmaßlicher Kriegsverbrecher. Bereits 1996 wurde vom UN-Kriegsverbrechertribunal ein Haftbefehl gegen ihn erlassen; nun beginnt der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, Serge Brammertz, mit der Anklage gegen den 1945 in Montenegro geborenen Mann.

Die Frauenrechtsorganisation medica mondiale fordert Brammertz in einem offenen Brief auf, den “Straftatbestand der sexualisierten Gewalt als eigenständigen Punkt in die Anklage gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadžić aufzunehmen”. Mit dem offenen Brief sollen auch Einzelpersonen und Organisationen ermuntert werden, sich diesem Appell an den Chefankläger anzuschließen. Monika Hauser, Gründerin und Vorstandsmitglied von medica mondiale sieht Karadžić als Verantwortlichen für die Massenvergewaltigungen in der bosnischen Stadt Foča oder Vergewaltigungen in den Lagern wie Omarska oder Keraterm. Es geht ihr um Wiedergutmachung:

„Das individuelle Vergewaltigungs-Trauma wird potenziert durch das Stigma der Vergewaltigung, das sich in sozialer Ausgrenzung zeigt. Die Opfer dieser Verbrechen werden dazu verdammt, mit den Konsequenzen individuell umgehen zu müssen, wenn ihnen die volle Anerkennung der Schwere und des Ausmaßes von Kriegsvergewaltigungen verweigert wird. Eine klare, konsequente, sichtbare und entschlossene Verfolgung der Täter spielt eine entscheidende Rolle in der Anerkennung dieser Verbrechen; sie ist eine Grundvoraussetzung für jeden Heilungsprozess. Diese Frauen haben ein Recht auf Wiedergutmachung.“

Einen Brief an Chefankläger Serge Brammertz findet man auf der Website von medica mondiale.


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