Einträge mit dem Tag ‘Konsens’


Konsens – Basis jeder Form von Beziehung?

19. November 2013 von Nadine

Ich gehöre ehrlicherweise nicht zu den Menschen, die sich viele Gedanken um Konsens machen. Ich verstehe Konsens breiter als nur bezogen auf Sex_ualität, körperliche Nähe. In meinen Beziehungen habe ich oft die Grenzen anderer überschritten, konnte oft eigene nicht (gut) wahrnehmen, artikulieren und wahren, wurden meine Grenzen überschritten. Auch heute passiert mir das noch (wenn auch sehr viel seltener als früher). Mit dem Unterschied, dass Gespräche und Auseinandersetzungen darüber meistens möglich sind. Ich glaube nicht daran, dass Grenzüberschreitungen komplett aus Beziehungen verbannt werden können.

Leah hat für unser gemeinsames Buch einen Text über Beziehungen verfasst. Sie schreibt darin:

“für mich ist die basis jeder beziehung konsens. und das will gelernt werden, denn konsens ist nicht teil mehrheitsgesellschaftlicher vorstellungen von der ausgestaltung von kommunikation. [...] welche machtverhältnisse und hierarchien strukturieren unsere [...]beziehung_en? welche dynamiken entstehen daraus? wie können wir gemeinsam damit umgehen? wie wollen wir kommunizieren? wie kommen wir dahin, so miteinander kommunizieren zu können, wie wir es gerne wollen?”

Ergänzen möchte ich hier, dass Leah und ich eine breite Definition von Beziehungen haben, also nicht nur Liebes/romantische Beziehungen meinen, sondern auch die zu Freund_innen oder genereller formuliert: Menschen, die Teil unseres Lebens sind und auf die wir uns in unserem Alltag und in unserem Handeln immer wieder beziehen. Sei es referierend (im Sinne von: to refer to sb.), in der Interaktion und Austausch miteinander, durch Impulse, Ideen, Gedanken, oder oder… Also Menschen, die immer wieder “mitlaufen” im eigenen Handeln, ohne in der jeweiligen Situation physisch anwesend sein zu müssen und auch erstmal ungeachtet dessen, welche “interne” miteinander geteilte Position sie für mich innehaben (bspw. Partner_in, Freund_in, politische Verbündete, etc.) und wieviel und welche Form der Nähe ich mit ihnen teile. Menschen, zu denen wir uns in Beziehung setzen und mit denen wir zueinander in Beziehung stehen.

Leahs Fragen sind für die Ausgestaltung meiner Beziehungen fundamental. Sie eröffnen Raum für das Nachdenken über Konsens. Ein Konsens, der mehr umfasst als das “Vermeiden” oder den Umgang mit (sexualisierten, emotionalen, verbalen, physischen) Grenzüberschreitungen, Übergriffen und Gewalt innerhalb von Beziehungen. Trotzdem habe ich gemerkt, dass diese Fragen für mich kein bzw. selten ein “Thema” sind, das ich am Anfang und während und innerhalb einer Beziehung immer wieder auf die Agenda setze. Kein “Thema”, über das ich zunächst mit der Person gesprochen haben muss, um mich “danach” auf sie und Nähe einlassen zu können.

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Mit Kindern über Sex reden, #schauhin und Janelle Monáe im Portrait – kurz notiert

10. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 208 von 231 der Serie Kurz notiert

In der vergangenen Woche haben sich allerhand spannende Linktipps angesammelt – daher gibt es diese Woche “Kurz notiert” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Beiträge auf Deutsch

Im aktuellen De:Bug Magazin findet ihr einen Bericht über Janelle Monáe. Der Afrofuturismus, den sie als Künstlerin vertritt, ist hierbei mehr als eine Stilrichtung, schreibt das Magazin: “Das uniforme und disziplinierte Auftreten fordert den Respekt, der Schwarzen Frauen im Popbusiness nicht entgegengebracht wird, sondern – wie bei Monáe ersichtlich – hart erarbeitet und ständig verteidigt werden muss. Ihre Inszenierung ist eine Antwort auf die alltäglichen Diskriminierungen, denen Frauen, Schwarze und Angehörige der working class andauernd ausgesetzt sind”.

[Triggerwarnung: Detailierte Beschreibung von antisemitischer Gewalt und mehreren Morden.] An dem grausamen Mord von sechs Millionen Juden während des Holocaust sind nicht nur Männer beteiligt gewesen. Ein jüngst veröffentlichtes Buch zeichnet nun die Rolle der Frauen nach, die sich an dem Massenmord auf nicht minder brutale Weise beteiligt haben.

Jamie Schearer von der Initiative Schwarze Menschen, Journalistin Kübra Gümüsay und andere sprechen bei 3sat über Rassismus und #schauhin.

Im MIGAZIN ist ein Beitrag darüber erschienen, was es bedeutet, als geflüchtete Person in Deutschland zu leben; “In Deutschland leben über 200.000 geduldete Menschen, über die Hälfte von ihnen schon seit mehr als 10 Jahren. Ihr Leben ist von Fremdbestimmung, Rechtlosigkeit und staatlicher Kontrolle geprägt”. Von der Unterbringung in Containern am Stadtrand, über Residenzpflicht und Gutscheine statt Bargeld bis hin zu Kettenduldungen kommt die Autorin zu nur einem Schluss: Menschrechte scheinen für Asylsuchende in Deutschland nicht zu gelten.

In dem Film Klänge des Verschweigens versucht der Regisseur Klaus Stanjek der Geschichte seines Onkels Willi Heckmann nachzuspüren, der 1937 als Homosexueller in das KZ Dachau deportiert worden ist.

Die Stadt Frankfurt will die Förderung für das Archiv Frau und Musik, einer weltweit einmaligen Einrichtung und wichtigen internationalen Forschungsstätte, einstellen. Um das zu verhindern ist nun eine Petition erstellt worden. Unterschreiben könnt ihr hier.

“Die Menschen, “die vor Lampedusa ihr Leben verloren haben, sind ab sofort italienische Staatsbürger”, hat Italiens Premierminister Enrico Letta erklärt – und wollte damit offenbar Mitgefühl bekunden. Gleichzeitig gelten die Überlebenden der Katastrophe gemäß des von Silvio Berlusconis rechter Regierung eingeführten Migrationsgesetzes als “heimliche Immigranten”, müssen Strafen bis zu 5000 Euro zahlen und werden abgeschoben. Das kann man auch mit “nur ein toter Flüchtling ist ein guter Flüchtling” übersetzen.”, schreibt SpiegelOnline und nimmt damit Bezug auf die Geflüchteten, die vor der Küste Lampedusas ihre Leben verloren haben.

Beiträge auf Englisch (mehr …)


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Eine Frage des Blickwinkels – kurz notiert

4. September 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 202 von 231 der Serie Kurz notiert

Sharon Dodua Otoo erzählt beim an.schläge-Magazin von ihrer komplizierten Beziehung zum Feminismus – und wo jener seinen Blick dringend erweitern muss.

Bahnt sich auch in Deutschland eine größere Bewegung gegen die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften an?” fragt queer.de. Am 23. November findet in Leipzig jedenfalls schonmal ein  Kongress statt, auf dem so illustre Gestalten wie Eva Herman oder Thilo Sarrazin sich der Frage widmen: “Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz, Sexuelle Umerziehung” -  Grusel.

Diese zwar nicht brandneue, aber bisher wenig beachtete Erkenntnis erklärt vielleicht so manches: die Organisation FEMEN ist von einem Mann gegründet worden – und wird nach wie vor durch ihn kontrolliert [auf Englisch].

Starkoch Jamie Oliver hat es sich schon vor langer Zeit zur Mission gemacht, die Welt zu einem gesünderen Essverhalten anzuhalten. In seiner neuen Sendung serviert er nun eine gehörige Portion Klassismus, garniert mit einer bunten Auswahl an herkömmlichern Vorurteilen und abgerundet mit dem fehlgeleiteten Glauben, alle könnten gesund essen “wenn sie nur wollen!” [auf Englisch].

Hope Wabuke hat 99 Möglichkeiten zusammengestellt, Schwarzen Frauen Respekt entgegenzubringen [auf Englisch].

In Albanien ist es für Menschen, die bei ihrer Geburt als Frauen kategorisiert worden sind, unter bestimmten Umständen möglich, ein gesellschaftliches Leben als Mann zu führen. Die Fotografin Jill Peters hat mit einigen von ihnen eine Fotoreihe aufgenommen [auf Englisch].

Auf Racialicious hat die Gastautorin Karishma eine Liste mit 45 Women of Color in Science Fiction- und Fantasy-Filmen veröffentlicht [auf Englisch].

In us-amerikanischen Gefängnissen sitzen viele Frauen, die im Zuge des sogenannten “War on Drugs” (“Krieg gegen Drogen”) unschuldig dort gelandet sind. Der inzwischen verstorbene John Beresford hat im Jahr 2001 ein Buch veröffentlicht, in dem einige von ihnen zu Wort gekommen sind. Viele davon sitzen dort noch immer. Beim VICE-Magazin sind nun Auszüge daraus erschienen, die einige der Frauen vorstellen, die nun seit über zehn Jahren unschuldig gefangen gehalten werden [auf Englisch].

Auf feminspire wird erklärt, was daran so schwierig ist, wenn ein heterosexueller cis-Mann wie Macklemore zum Helden der LBTIQ-Bewegung stilisiert wird, nur weil er mal einen politischen Song geschrieben hat [auf Englisch].

Die Tänzerin Sara Wookey hat einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie einen erschütternden Einblick in ihren Arbeitsalltag gibt und erklärt, warum es wichtig ist, bestimmte Jobangebote auszuschlagen [auf Englisch].

[TRIGGERWARNUNG] Die taz berichtet über einen aktuellen Fall von Sl*tshaming, der gerade im Internet kursiert – und beleuchtet die gesellschaftlichen Hintergründe.

[TRIGGERWARNUNG] A Radical TransFeminist stellt in einem zweiteiligen Artikel nochmal einige Dinge zum Thema Konsens klar [auf Englisch].

[TRIGGERWARNUNG] Auf Free Thought Blog beschreibt eine Betroffene, wie sie trotz riesiger Beweislast durch Victimblaiming, Anschudligungen und übrgriffigen Verhalten von Polizisten dazu gedrängt wurde ihre V*rg*w*alt*g*ngs-Anklage zurückzuziehen. So sei sie nun auch eine der angeblichen “Falschbeschuldigungen” in der Statistik [auf Englisch].

Termine in Hamburg, Berlin, Mülheim a.d. Ruhr und Dortmund nach dem Klick (mehr …)


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Freund_innenschaften, Intersektionalität und Steubenville – Die Blogschau

23. März 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 194 von 243 der Serie Die Blogschau

Alles nicht so einfach, findet Nadia in ihrem Text auf Shehadistan zu “Intersektionalität: Dünnes Eis“.

Urmilla von anders deutsch war bei der #aufschrei-Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung und berichtet davon.

Was hat Queerfeminismus mit Kapitalismuskritik zu tun? Beim audioarchiv gibt es einen Vortrag zum Thema auf die Ohren.

madame adam erzählt auf seinem Blog wie seine politische und feministische Politisierung vorwiegend über Musik stattfand.

Wenn Freund_innenschaften es nicht schaffen” – auf Undercover of Color gab es diese Woche einen Text über Freund_innenschaften, Gesellschaftskritik und das manchmal damit einhergehende Freundin_innenschaften-Ende.

Bei Identitätskritik gibt es “Anekdoten aus der Psychiatrie – Freundlichsein und Bäume knutschen“.

AufZehenspitzen schreibt anlässlich von Steubenville über r*p* culture und zeigt, wo sich deren Existenz auch in Österreich manifestiert.

Nadine schreibt auf ihrem Blog medienelite über Erwerbsarbeit, die Entgrenzung von Arbeit und “Nicht-Arbeit” und unauflösbare Widersprüche.

Katrin von reizende Rundungen berichtet von der ersten großen Veranstaltung für “Plus Size”-Bloggerinnen.

Hier gibt es einen offenen Brief an das Portal afroguide. Dieser kann auch mitgezeichnet werden.

Adria Richards, Entwicklering bei SendGrid, wurde gefeuert, da sie Fotos eines Typen veröffentlichte, der auf einer Konferenz sexistische Witze riss. Die ganze Geschichte hat femgeeks zusammengetragen.

Auf zu viel davon geht es um das Konstrukt Sex und da heißt es dann zum Beispiel:

zu versuchen, der sozialisation und der internalisierten kackscheisse und den tabus ein wenig und mehr zu entrinnen und w_orte zu finden, sich absoluten konsens als grundvoraussetzung für alles zu setzen. personen kennenzulernen, die das auch so sehen. den mut zu finden zu sprechen und ab_zu_sprechen und wertzuschätzen. auch wenn mal worte fehlen und die vielleicht holpern oder total schwer fallen.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Falsch reden, richtig rocken – kurz verlinkt

11. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 178 von 231 der Serie Kurz notiert

Gute Nachricht für eifrige Netsurfer_innen: Da sich zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, allerhand Lesenswertes bei uns eingefunden hat, gibt es diese Woche  “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Welche Auffassungen führen zu Street Harrassment? In letzter Konsequenz: die Überzeugung, das Recht dazu zu haben (Text auf Englisch).

Auch wenn die bekannte Zeitschrift Brigitte nicht gerade, hm,  Vorreiterin im Kampf gegen Körper- und Schönheitsnormen ist: In diesem Beitrag wird vieles, was Fat Shaming, aber auch Selbstakzeptanz ausmacht, schön auf den Punkt gebracht. Dazu passt auch das Interview mit der ARGE Dicke Weiber in der aktuellen Progress.

Laina Dawes hat ein Buch über ihre – teilweise ganz schön widrigen – Erfahrungen als Schwarzer weiblicher Metal-Fan geschrieben. Im Interview stellt sie es vor.

DIY, das selbst Herstellen von Dingen, ist hip. Dagegen sei an sich erstmal nichts einzuwenden, so Sarah Brown bei xojane - jedoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass entgegen des teilweise besonders “ethisch” daher kommenden Appeals vieler DIY-Blogs und Webseiten diese kaum einen ernsthaften Widerspruch zu Konsumismus und gängigen Weiblichkeitsvorstellungen bieten (Text auf Englisch).

An US-amerikanischer Pop- und Netzkultur Interessierte haben es wahrscheinlich mitbekommen: den Streit zwischen der – auch von Feminist_innen gefeierten – Rapperin Azealia Banks und Klatschblogger Perez Hilton, in dessen Verlauf Banks mit hetero/sexistischen Beleidigungen aufwartete.  Spannende Perspektiven auf diese Vorfälle, die über ein “Banks vs. Perez”-Tribunal hinaus gehen, gibt es bei  von Janet Mock bei xojane und von Edward Ndopu beim Crunk Feminist Collective (auf Englisch).

Der Freitag übersetzt einen Text von Kira Cochrane über voyeuristisches Paparazzi’eskes Mobbing per Creepshots (heimlich aufgenommene Fotos, in der Regel von sexualisierten Körperteilen/Motiven, die dann im Internet veröffentlicht werden). Fazit: “Da äußert sich Wut gegen eine eigenständige weibliche Sexualität. Sex und Frauen – das ist vollkommen in Ordnung, solange die Frauen passive Objekte sind. Doch sobald sie selbst über ihre Intimität bestimmen wollen und mit wem sie diese teilen, weckt das Hass.”

Sprache ist wichtig. Sprache verändert sich und uns. Und wer bestimmt, was “richtige” Sprache ist? Unter der pointierten Überschrift “Frauen, hört auf zu reden. Alte Männer mögen nicht, wie ihr sprecht” widmet sich Jezebel   dem Dauerbrenner (auf Englisch).

Wie kann sexueller Konsens – also das Herstellen von Einvernehmlichkeit -   in der Praxis aussehen?  Ein Vorschlag dazu sind “Ja, nein, vielleicht”-Listen: Sammlungen von von Tätigkeiten,  bei denen vermerkt werden kann, welche Dinge man sehr gern tut, mal ausprobieren würde oder was gar nicht in Betracht kommt. Ob man diese Listen nun ausfüllt und dann austauscht, gemeinsam ausfüllt und darüber redet oder einfach für sich selbst zur eigenen Inspiration verwendet – eine Fülle von Anregungen zur Kommunikation über Sex und für konkrete Action können sie auf jeden Fall bieten.  Scarleteen hat allerhand Vorschläge (auf Englisch).

Wie der Buchhandel Trivialromane als “Frauenliteratur” vermarktet, beschreibt DieStandard.

Termine:

Am 21. Januar an der Ruhr Universität, Bochum: Die Welt ist komplex – Genau wie du! Workshop zu sozialer Ungleichheit – in intersektionaler Perspektive

Im Jahr 2013 wird der erstmals der Marlies-Hesse-Nachwuchspreis des Journalistinnenbundes für Online-Beiträge vergeben. Alle Informationen dazu findet Ihr hier , Vorschläge werden bis 1. März 2013 angenommen.


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Feste, Filme, Fails und Forschung – kurz notiert

6. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 175 von 231 der Serie Kurz notiert

Das Missy Magazine hat letztens ein fulminantes Fest gefeiert. Die Musik dazu kam von Jolly Goods und Peaches. Hier ein paar Impressionen.

Ebenfalls zum Gucken und Hören: Im Film Familie trans*formieren erzählen mehrere Trans*leute davon, wie sie Elternschaft (er)leben.

Viel zu lesen haben wir mal wieder in der österreichischen diestandard gefunden:

So betrachtet sie den medialen Umgang mit den Musikstars Rihanna und Chris Brown und sieht Rihanna in der Kritik wegen ihrer Weigerung, das “perfekte Opfer” zu geben  (Hinweis: Beschreibung körperlicher Gewalt).

Welche_r noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, wird von diestandard  mit  Buchtipps versorgt.

Einer Studie nach sind in Deutschland Frauen vom Pflegerisiko und der damit zusammenhängenden Altersarmut deutlich stärker betroffen als Männer.

“Die Kriminalisierung von Aufenthaltsehen ist für die Fremdenpolizei ein mächtiges Mittel, um binationale Ehen und deren Lebensumfeld zu kontrollieren”, sagt die Politkwissenschaftlerin Irene Messinger.

Die Einführung der “anonymen Entbindung” in Österreich war offenbar eine sinnvolle Maßnahme: Kindestötungen in Österreich nach der Geburt im letzten Jahrzehnt um die Hälfte gesunken, Babyklappen werden viel seltener in Anspruch genommen.

Mehr aus Österreich: Mitte Oktober wurde im brut Wien das Stück „Assassinate Assange“ aufgeführt, das Julian Assange als Opfer einer Verschwörung darstellt. Agate S. kommt in der Malmoe zu einem klaren Urteil:  “Die Aufregung um Angela Richters Assange-Stück förderte abermals die üblichen Abwehrmechanismen und Verharmlosungsstrategien [bezüglich sexualisierter Gewalt] zu Tage und soll hier als Beispiel für die Widerwärtigkeit des gesamtgesellschaftlichen Verharmlosungsdiskurses dienen.”

Spektakuläre Aktion *gegen* rape culture: Facebook-User_innen kaperten die Social Media-Auftritte der bekannten  Unterwäschefirma Victoria’s Secret, um für das Konsenskonzept zu werben und damit Vergewaltigungen entgegen zu treten.  Quintessenz der Aktion:  “While we can’t expect a message that is empowering for women to come from a brand like Victoria’s Secret, we can make it come from their hashtag. This campaign has only begun.”

Jutta Hartmann erklärt am Beispiel Schule, wie Heteronormativität wirkt_hergestellt wird.

Stellenausschreibung: Das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) sucht eine Systemadminstratorin!

Termine:

Am kommenden Samstag in Berlin: Lookism & fat Empowerment Tagesworkshop (flt* only). Los geht es um 12 Uhr im Projektraum H48,  Hermannstr.48 Berlin Neukölln, 2.Hinterhof 2.Stock (barrierefrei). Anmelden könnt ihr euch unter sabberglibberflutsch@googlemail.com. Hier der Link zum Facebook-Event.

Damit es nicht still wird um die inhaftierten russischen Aktivistinnen: Am 12.12. soll eine weltweite Lesung für Pussy Riot stattfinden.

Buchpremiere von “Frauenkörper neu gesehen” am 14.12. um 19.30 Uhr in der Urania, Berlin: Laura Méritt und Autorinnen reden und diskutieren über Weiblichkeit, Geschlechtervielfalt, Körpernormierungen und mehr.


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Weltweit wehren und Wissen erwerben (und dabei gute Musik hören) – kurz verlinkt

5. September 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 165 von 231 der Serie Kurz notiert

Contentwarnung: In einigen der folgenden Meldungen und den entsprechenden verlinkten Texten wird sexualisierte Gewalt thematisiert.

Leider beginnen wir heute mit einer traurigen Nachricht: Die Künstlerin, Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Gudrun Ankele ist verstorben.

Die neue an.schlaege ist draußen zum Thema “Feministische Arbeitsutopien” inklusive einem tollem Artikel über “Fünf Jahre Mädchenmannschaft!“. Vielen Dank dafür!

Auf xojane schreibt Lesley, warum es ok ist, den eigenen Körper nicht rund um die Uhr zu lieben – und warum diesbezügliche Forderungen nicht automatisch empowernd sind.

Ein neues Projekt namens It gets fatter (“Es wird fetter”) befasst sich aus einer queeren Perspektive mit Körpernormierungen und Dickenfeindlichkeit und kämpft für ein positiveres Körpergefühl. Eines der ersten Videos behandelt das Thema Gesundheit und Dicksein.


It Gets Fatter – Health & Fatness from It Gets Fatter on Vimeo.

Es gibt nun eine Online-Petition zur Anerkennung der Verbrechen gegen die “Trostfrauen”.

In den USA hat der Wahlkampf begonnen. Auf ihrem derzeit laufenden Parteitag werben die Demokrat_innen dabei insbesondere um die Stimmen von Schwulen und Lesben, meint queer.de beobachtet zu haben.

Eigenartig, was der NDR so unter “Gleichstellung von Mann und Frau” zu verstehen scheint, findet die taz. Außerdem berichtet sie über die Pläne von EU-Justizkommissarin Viviane Reding für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von Konzernen. Und die taz zum Dritten: beleuchtet die aggressive maskulistische Kampagne gegen feministische Perspektiven in der Wikipedia.

Wie die ohnehin eher virtuelle Trennung zwischen Online- und “echter” Belästigung von Gamerinnen sich bisweilen auflöst, steht bei npr.

Dass sich Todd Akin den hanebüchenen Mist vom angeblichen Schwangerschaftsabwehrmechanismus des Körpers nach einer Vergewaltigung nicht komplett selber ausgedacht hat, legt dieStandard dar. Außerdem berichtet dieStandard über zwei interessante Untersuchungen und deren Ergebnisse – einmal zum Ehegattensplitting, einmal zu weiblichen Führungskräften.

Die Neuregelung des gemeinsamen Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern kommentiert Edith Schwab, Vorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter.

Wie die Ideen hinter ‘Open Source’ unsere Welt verändern, erläutert Programmiererin und Bloggerin Alex Bayley im Interview mit derStandard.

Einen Unterstützungsbrief an die inhaftierten Aktivistinnen der Band Pussy Riot schreiben? Hier ist eine nützliche Anleitung, wie vorzugehen ist, damit er auch richtig ankommt.

Immer immer wieder: tödliche Gewalt gegen Schwarze Trans*-Frauen. The Root fragt sich: Wo bleibt eigentlich der kollektive Aufschrei?

Professur trotz besserer Qualifikation nicht bekommen – Juristin klagt wegen Diskriminierung. Skandalös dabei auch: Die Gleichstellungsbeauftragte wurde mittels Disziplinarverfahren gezwungen, ihre Aussage zurückzuziehen, dass die Mutter diskriminiert worden sei, berichtet die Zeit Online.

Call for Music: Die nächste Riot Grrrl Berlin-Compilation steht ins Haus, und eure Musik sollte unbedingt dabei sein.

Nach dem Klick noch allerhand Termine: (mehr …)


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Mitfahren bei rape culture? Die Allgemeine Zeitung zeigt wie es geht

24. August 2012 von Sabine

Die Autorin Silvia Meixner der Allgemeinen Zeitung gibt „Expertentipps“ für die Kommunikation bei Mitfahrgelegenheiten wieder. Klingt erstmal harmlos und ein bisschen nach Sommerloch. Was sie schreibt ist allerdings gar nicht harmlos. Bei Tipps und Tricks für vergnügliche Fahrten mit unbekannten Menschen, die unnötig wie banal sind, kommt sie zum Punkt „Der erste Eindruck zählt“ und da wird es dann krass:

„Ferner sollten sich Frauen nicht zu freizügig kleiden, denn ein tiefes Dekolleté oder ein allzu kurzer Rock wecken beim Fahrer vielleicht Gedanken, auf die man ihn gar nicht bringen wollte.“ – Silvia Meixner, AZ

Ganz nebenbei schreibt die Autorin auf was Knigge-Expertin, Vera Reich, ihr  sagt. Frauen müssen es besser wissen, denn wenn sie „allzu“ kurze Röcke tragen oder sich „zu freizügig“ kleiden, käme der Fahrer vielleicht beim Anblick dessen auf Gedanken, die Frauen unter Umständen gar nicht wollten. Also besser anders kleiden. Frau Meixner, von welchen Gedanken wird da eigentlich genau gesprochen? Und sind die “Gedanken” erstmal da, was dann? Trauen Sie sich, diese zu Ende zu formulieren? Meinen Sie etwa auch, dass Frauen* – wir Sexobjekte – selbst schuld sind, wenn uns etwas passiert, das wir nicht wollen? Dass wir von sexistischen Sprüchen bis hin zu Vergewaltigungen womöglich noch selbst die Schuld tragen, weil wir uns nicht ihren Tipps entsprechend kleiden? Dass Männer Opfer ihrer Selbst und ihrer Triebe seien, weil Kleider und Körper von Frauen* angeblich Signale aussenden, wir damit provozieren und unsere Worte oder ein einfaches Nein nicht mehr zählen?

Die Autorin hätte dies alles mindestens kritisieren können. Weitgefehlt sie verkauft es als Tipp für Frauen (sic!) und das ist perfide. Frauen* sind nicht schuld und müssen sich nicht erklären (Röcke und der ganze Scheiß, der da aufgezählt wird), wenn ihnen sexualisierte Gewalt und Sexismus widerfährt. Ganz egal unter welchen Umständen. Mal abgesehen davon, dass “mehr” Bekleidung auch nicht vor Übergriffen schützt. Vielmehr zeigt dies doch auch auf in welcher Gesellschaft wir leben, wo Vergewaltigungsmythen vorherrschen, Sexismus lebt und sexualisierte Gewalt noch immer verharmlost wird. Das nennt sich rape culture (und nicht Trick 17). Die Macht liegt beim Täter und einer Gesellschaft, die Gewalt an Frauen* abkanzelt und wir Tipps wie diese (siehe oben) lesen müssen.

Vielen Dank an die MM-Leser_in, die uns auf diesen Artikel aufmerksam gemacht hat.


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In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn Assange nicht als Vergewaltiger gilt?

24. August 2012 von Viruletta

(Für den folgenden Beitrag gilt eine Triggerwarnung: Thematisierung von Vergewaltigungsverharmlosungen und Schilderung vom Tathergang im zweiten Absatz.)

In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn das, was Julian Assange zwei Frauen angetan hat, nicht als Vergewaltigung gewertet wird? Achja, in einer Rape Culture. In einer Kultur, die uns lehrt, dass ein “Nein” auch mal ein “Ja” ist, dass Schweigen “Ja” impliziert, dass ein einmal gegebenes “Ja” ein “immer-Ja” ist, dass es sowas wie “überraschenden Sex” (“sex by surprise”) gibt und dass all das, so schreibt es euch doch bitte hinter die Ohren, keine Gewalt ist. In einer Kultur, in der Kläger*innen, sobald es um sexualisierte Gewalt geht, erstmal unter Generalverdacht stehen, und in der eine*n viel zu oft das Gefühl überkommt, dass es Verbündete nur für Täter*innen gibt.

Assange ist ein Vergewaltiger. Um sich darüber klar zu werden, genügt es, sich die Aussagen seines Verteidigers zu Gemüte zu führen. Im ersten Fall hat Assange eine Frau penetriert, während sie schlief – also ohne ihr Einverständnis. Da sie am Vortag konsensualen Sex gehabt hatten, fühlte Assange sich im Recht, sich weiterhin an ihrem Körper zu bedienen. Im zweiten Fall hatte Assange zunächst konsensualen Sex mit einer Frau, die sich jedoch wehrte, als sie feststellte, dass Assange versuchte sie ohne Kondom zu penetrieren. Als Reaktion hierauf drückte Assange sie nieder, setzte sich also explizit und gewaltvoll über ihren Willen hinweg. Auch hier fühlte er sich nach wie vor im Recht. Doch die Abwesenheit von Konsens ist sexualisierte Gewalt. Julian Assange ist ein Vergewaltiger.

Obwohl diese Fakten lange bekannt sind (wir berichteten schon vor knapp zwei Jahren darüber), spricht ein Großteil der Welt nach wie vor von einem Komplott. Erst kürzlich gewährte Ecuador Assange “diplomatisches Asyl” und ließ dabei völlig außen vor, dass Assange nicht aufgrund seiner Tätigkeiten für Wikileaks nach Schweden ausgeliefert werden soll. Assange wäre in Schweden kein politischer Gefangener, sondern ein wegen sexualisierter Gewalt angeklagter Mann. Aber anscheinend macht die Tatsache, dass er als der Kopf von Wikileaks gilt, Assange in den Augen der meisten vor Vergewaltigungsvorwürfen immun. (mehr …)


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Über Konsens reden – aber richtig!

5. April 2012 von Helga

Unter dem Titel „Die Angst, Nein zu sagen“ beschrieb Annabel Wahba in der ZEIT letzte Woche aktuelle Diskussionen zum Thema sexuellen Missbrauch. Leider beginnen die Bauchschmerzen schon im einleitenden Satz:

Zwischen einvernehmlichem Sex und einer Vergewaltigung liegt eine Grauzone […]

Wie im Artikel ausführlich beschrieben, gibt es in der Tat eine rechtliche Grauzone. Leider arbeitet der Artikel aber ausschließlich mit dem deutschen Rechtsbegriff, statt diesen zu hinterfragen und auf andere Möglichkeiten einzugehen. So geht es um die Anschuldigungen an Julian Assange und die schwedische #prataomdet-Diskussion. Dass es in Schweden eben strafbar ist, wenn man Sex ohne Kondom hat, obwohl der/die Partner_in auf einem Gummi bestand, bleibt außen vor.

Ebenfalls völlig unerwähnt bleibt, dass in den vergangenen Jahren, über rechtliche Begriffe hinaus, neue Konzepte und Ideen zu Sexualität entwickelt wurden. Aus der alten Parole „Nein meint Nein“ ist „nur ein enthusiastisches Ja meint Ja“ geworden, bereits 2008 erschien Yes Means Yes von Jaclyn Friedman und Jessica Valenti. Das Zustimmungskonzept verschiebt den Fokus auf die Einvernehmnlichkeit des Sex – damit Grauzonen gar nicht erst entstehen.

Weg von derzeitigen Rechtsbegriffen geht auch das Konzept der Definitionsmacht. Danach gelten auch Taten als sexualisierte Gewalt, die vom Gesetz nicht erfasst werden, unerwünschte Zungenküsse etwa. Statt der komplexen Debatte um „Grau­zonen“ und Grenzüberschreitungen gerecht zu werden und sie voran­zu­treiben, bleibt der Artikel leider bei der Grenze „Nein“.

Nur angerissen wird die Frage nach Erwartungen und Machtverhältnissen. „Männer müssen immer wollen“ und „Frauen die Sex geben“ sind zwei Annahmen, die dem offenen Umgang mit Sexualität gegenüberstehen. Aber auch Abhängigkeiten und das Gefühl, jemandem Sex zu schulden, spielen eine Rolle. Wie das real aussehen kann, zeigt ironischerweise das deutsche Recht: Erst 1997 wurde Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt, erst seit 2004 ist es auch ein Offizialdelikt, der unabhängig von einer Anzeige verfolgt werden muss. Vorher war jede_r Verheiratete zum Sex verpflichtet. Schließlich behauptet der Artikel:

Dabei wird Sex nach einem »Nein« der Frau, selbst wenn sie es im letzten Moment ausgesprochen hat, vor Gericht immer als Vergewaltigung gewertet.

Ein „Nein“ reicht leider auch in Deutschland noch lange nicht aus, immer wieder müssen Opfer erklären, warum sie sich nicht stärker gewehrt haben.

Insgesamt wiederholt der Artikel ein Muster, das in Konsensdebatten immer wieder zu beobachten ist: Zwar sind die meisten Menschen (auch Männer!) in der Lage, über Sex subtil zu kommunizieren. Sobald das Wort „Vergewaltigung“ fällt, werden wieder „eindeutige“ Signale eingefordert. Wenn wir ernsthaft über „das Grauzonen-Problem“, Grenzverletzungen und sexuelel Gewalt reden wollen, müssen wir weiter denken!


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