Einträge mit dem Tag ‘Konsens’


Freund_innenschaften, Intersektionalität und Steubenville – Die Blogschau

23. März 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 194 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Alles nicht so einfach, findet Nadia in ihrem Text auf Shehadistan zu “Intersektionalität: Dünnes Eis“.

Urmilla von anders deutsch war bei der #aufschrei-Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung und berichtet davon.

Was hat Queerfeminismus mit Kapitalismuskritik zu tun? Beim audioarchiv gibt es einen Vortrag zum Thema auf die Ohren.

madame adam erzählt auf seinem Blog wie seine politische und feministische Politisierung vorwiegend über Musik stattfand.

Wenn Freund_innenschaften es nicht schaffen” – auf Undercover of Color gab es diese Woche einen Text über Freund_innenschaften, Gesellschaftskritik und das manchmal damit einhergehende Freundin_innenschaften-Ende.

Bei Identitätskritik gibt es “Anekdoten aus der Psychiatrie – Freundlichsein und Bäume knutschen“.

AufZehenspitzen schreibt anlässlich von Steubenville über r*p* culture und zeigt, wo sich deren Existenz auch in Österreich manifestiert.

Nadine schreibt auf ihrem Blog medienelite über Erwerbsarbeit, die Entgrenzung von Arbeit und “Nicht-Arbeit” und unauflösbare Widersprüche.

Katrin von reizende Rundungen berichtet von der ersten großen Veranstaltung für “Plus Size”-Bloggerinnen.

Hier gibt es einen offenen Brief an das Portal afroguide. Dieser kann auch mitgezeichnet werden.

Adria Richards, Entwicklering bei SendGrid, wurde gefeuert, da sie Fotos eines Typen veröffentlichte, der auf einer Konferenz sexistische Witze riss. Die ganze Geschichte hat femgeeks zusammengetragen.

Auf zu viel davon geht es um das Konstrukt Sex und da heißt es dann zum Beispiel:

zu versuchen, der sozialisation und der internalisierten kackscheisse und den tabus ein wenig und mehr zu entrinnen und w_orte zu finden, sich absoluten konsens als grundvoraussetzung für alles zu setzen. personen kennenzulernen, die das auch so sehen. den mut zu finden zu sprechen und ab_zu_sprechen und wertzuschätzen. auch wenn mal worte fehlen und die vielleicht holpern oder total schwer fallen.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Falsch reden, richtig rocken – kurz verlinkt

11. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 179 von 191 der Serie Kurz notiert

Gute Nachricht für eifrige Netsurfer_innen: Da sich zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, allerhand Lesenswertes bei uns eingefunden hat, gibt es diese Woche  “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 2.

Welche Auffassungen führen zu Street Harrassment? In letzter Konsequenz: die Überzeugung, das Recht dazu zu haben (Text auf Englisch).

Auch wenn die bekannte Zeitschrift Brigitte nicht gerade, hm,  Vorreiterin im Kampf gegen Körper- und Schönheitsnormen ist: In diesem Beitrag wird vieles, was Fat Shaming, aber auch Selbstakzeptanz ausmacht, schön auf den Punkt gebracht. Dazu passt auch das Interview mit der ARGE Dicke Weiber in der aktuellen Progress.

Laina Dawes hat ein Buch über ihre – teilweise ganz schön widrigen – Erfahrungen als Schwarzer weiblicher Metal-Fan geschrieben. Im Interview stellt sie es vor.

DIY, das selbst Herstellen von Dingen, ist hip. Dagegen sei an sich erstmal nichts einzuwenden, so Sarah Brown bei xojane - jedoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass entgegen des teilweise besonders “ethisch” daher kommenden Appeals vieler DIY-Blogs und Webseiten diese kaum einen ernsthaften Widerspruch zu Konsumismus und gängigen Weiblichkeitsvorstellungen bieten (Text auf Englisch).

An US-amerikanischer Pop- und Netzkultur Interessierte haben es wahrscheinlich mitbekommen: den Streit zwischen der – auch von Feminist_innen gefeierten – Rapperin Azealia Banks und Klatschblogger Perez Hilton, in dessen Verlauf Banks mit hetero/sexistischen Beleidigungen aufwartete.  Spannende Perspektiven auf diese Vorfälle, die über ein “Banks vs. Perez”-Tribunal hinaus gehen, gibt es bei  von Janet Mock bei xojane und von Edward Ndopu beim Crunk Feminist Collective (auf Englisch).

Der Freitag übersetzt einen Text von Kira Cochrane über voyeuristisches Paparazzi’eskes Mobbing per Creepshots (heimlich aufgenommene Fotos, in der Regel von sexualisierten Körperteilen/Motiven, die dann im Internet veröffentlicht werden). Fazit: “Da äußert sich Wut gegen eine eigenständige weibliche Sexualität. Sex und Frauen – das ist vollkommen in Ordnung, solange die Frauen passive Objekte sind. Doch sobald sie selbst über ihre Intimität bestimmen wollen und mit wem sie diese teilen, weckt das Hass.”

Sprache ist wichtig. Sprache verändert sich und uns. Und wer bestimmt, was “richtige” Sprache ist? Unter der pointierten Überschrift “Frauen, hört auf zu reden. Alte Männer mögen nicht, wie ihr sprecht” widmet sich Jezebel   dem Dauerbrenner (auf Englisch).

Wie kann sexueller Konsens – also das Herstellen von Einvernehmlichkeit -   in der Praxis aussehen?  Ein Vorschlag dazu sind “Ja, nein, vielleicht”-Listen: Sammlungen von von Tätigkeiten,  bei denen vermerkt werden kann, welche Dinge man sehr gern tut, mal ausprobieren würde oder was gar nicht in Betracht kommt. Ob man diese Listen nun ausfüllt und dann austauscht, gemeinsam ausfüllt und darüber redet oder einfach für sich selbst zur eigenen Inspiration verwendet – eine Fülle von Anregungen zur Kommunikation über Sex und für konkrete Action können sie auf jeden Fall bieten.  Scarleteen hat allerhand Vorschläge (auf Englisch).

Wie der Buchhandel Trivialromane als “Frauenliteratur” vermarktet, beschreibt DieStandard.

Termine:

Am 21. Januar an der Ruhr Universität, Bochum: Die Welt ist komplex – Genau wie du! Workshop zu sozialer Ungleichheit – in intersektionaler Perspektive

Im Jahr 2013 wird der erstmals der Marlies-Hesse-Nachwuchspreis des Journalistinnenbundes für Online-Beiträge vergeben. Alle Informationen dazu findet Ihr hier , Vorschläge werden bis 1. März 2013 angenommen.


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Feste, Filme, Fails und Forschung – kurz notiert

6. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 176 von 191 der Serie Kurz notiert

Das Missy Magazine hat letztens ein fulminantes Fest gefeiert. Die Musik dazu kam von Jolly Goods und Peaches. Hier ein paar Impressionen.

Ebenfalls zum Gucken und Hören: Im Film Familie trans*formieren erzählen mehrere Trans*leute davon, wie sie Elternschaft (er)leben.

Viel zu lesen haben wir mal wieder in der österreichischen diestandard gefunden:

So betrachtet sie den medialen Umgang mit den Musikstars Rihanna und Chris Brown und sieht Rihanna in der Kritik wegen ihrer Weigerung, das “perfekte Opfer” zu geben  (Hinweis: Beschreibung körperlicher Gewalt).

Welche_r noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, wird von diestandard  mit  Buchtipps versorgt.

Einer Studie nach sind in Deutschland Frauen vom Pflegerisiko und der damit zusammenhängenden Altersarmut deutlich stärker betroffen als Männer.

“Die Kriminalisierung von Aufenthaltsehen ist für die Fremdenpolizei ein mächtiges Mittel, um binationale Ehen und deren Lebensumfeld zu kontrollieren”, sagt die Politkwissenschaftlerin Irene Messinger.

Die Einführung der “anonymen Entbindung” in Österreich war offenbar eine sinnvolle Maßnahme: Kindestötungen in Österreich nach der Geburt im letzten Jahrzehnt um die Hälfte gesunken, Babyklappen werden viel seltener in Anspruch genommen.

Mehr aus Österreich: Mitte Oktober wurde im brut Wien das Stück „Assassinate Assange“ aufgeführt, das Julian Assange als Opfer einer Verschwörung darstellt. Agate S. kommt in der Malmoe zu einem klaren Urteil:  “Die Aufregung um Angela Richters Assange-Stück förderte abermals die üblichen Abwehrmechanismen und Verharmlosungsstrategien [bezüglich sexualisierter Gewalt] zu Tage und soll hier als Beispiel für die Widerwärtigkeit des gesamtgesellschaftlichen Verharmlosungsdiskurses dienen.”

Spektakuläre Aktion *gegen* rape culture: Facebook-User_innen kaperten die Social Media-Auftritte der bekannten  Unterwäschefirma Victoria’s Secret, um für das Konsenskonzept zu werben und damit Vergewaltigungen entgegen zu treten.  Quintessenz der Aktion:  “While we can’t expect a message that is empowering for women to come from a brand like Victoria’s Secret, we can make it come from their hashtag. This campaign has only begun.”

Jutta Hartmann erklärt am Beispiel Schule, wie Heteronormativität wirkt_hergestellt wird.

Stellenausschreibung: Das FrauenComputerZentrumBerlin e.V. (FCZB) sucht eine Systemadminstratorin!

Termine:

Am kommenden Samstag in Berlin: Lookism & fat Empowerment Tagesworkshop (flt* only). Los geht es um 12 Uhr im Projektraum H48,  Hermannstr.48 Berlin Neukölln, 2.Hinterhof 2.Stock (barrierefrei). Anmelden könnt ihr euch unter sabberglibberflutsch@googlemail.com. Hier der Link zum Facebook-Event.

Damit es nicht still wird um die inhaftierten russischen Aktivistinnen: Am 12.12. soll eine weltweite Lesung für Pussy Riot stattfinden.

Buchpremiere von “Frauenkörper neu gesehen” am 14.12. um 19.30 Uhr in der Urania, Berlin: Laura Méritt und Autorinnen reden und diskutieren über Weiblichkeit, Geschlechtervielfalt, Körpernormierungen und mehr.


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Weltweit wehren und Wissen erwerben (und dabei gute Musik hören) – kurz verlinkt

5. September 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 166 von 191 der Serie Kurz notiert

Contentwarnung: In einigen der folgenden Meldungen und den entsprechenden verlinkten Texten wird sexualisierte Gewalt thematisiert.

Leider beginnen wir heute mit einer traurigen Nachricht: Die Künstlerin, Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Gudrun Ankele ist verstorben.

Die neue an.schlaege ist draußen zum Thema ”Feministische Arbeitsutopien” inklusive einem tollem Artikel über “Fünf Jahre Mädchenmannschaft!“. Vielen Dank dafür!

Auf xojane schreibt Lesley, warum es ok ist, den eigenen Körper nicht rund um die Uhr zu lieben – und warum diesbezügliche Forderungen nicht automatisch empowernd sind.

Ein neues Projekt namens It gets fatter (“Es wird fetter”) befasst sich aus einer queeren Perspektive mit Körpernormierungen und Dickenfeindlichkeit und kämpft für ein positiveres Körpergefühl. Eines der ersten Videos behandelt das Thema Gesundheit und Dicksein.


It Gets Fatter – Health & Fatness from It Gets Fatter on Vimeo.

Es gibt nun eine Online-Petition zur Anerkennung der Verbrechen gegen die “Trostfrauen”.

In den USA hat der Wahlkampf begonnen. Auf ihrem derzeit laufenden Parteitag werben die Demokrat_innen dabei insbesondere um die Stimmen von Schwulen und Lesben, meint queer.de beobachtet zu haben.

Eigenartig, was der NDR so unter “Gleichstellung von Mann und Frau” zu verstehen scheint, findet die taz. Außerdem berichtet sie über die Pläne von EU-Justizkommissarin Viviane Reding für eine Frauenquote in den Aufsichtsräten von Konzernen. Und die taz zum Dritten: beleuchtet die aggressive maskulistische Kampagne gegen feministische Perspektiven in der Wikipedia.

Wie die ohnehin eher virtuelle Trennung zwischen Online- und “echter” Belästigung von Gamerinnen sich bisweilen auflöst, steht bei npr.

Dass sich Todd Akin den hanebüchenen Mist vom angeblichen Schwangerschaftsabwehrmechanismus des Körpers nach einer Vergewaltigung nicht komplett selber ausgedacht hat, legt dieStandard dar. Außerdem berichtet dieStandard über zwei interessante Untersuchungen und deren Ergebnisse – einmal zum Ehegattensplitting, einmal zu weiblichen Führungskräften.

Die Neuregelung des gemeinsamen Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern kommentiert Edith Schwab, Vorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter.

Wie die Ideen hinter ‘Open Source’ unsere Welt verändern, erläutert Programmiererin und Bloggerin Alex Bayley im Interview mit derStandard.

Einen Unterstützungsbrief an die inhaftierten Aktivistinnen der Band Pussy Riot schreiben? Hier ist eine nützliche Anleitung, wie vorzugehen ist, damit er auch richtig ankommt.

Immer immer wieder: tödliche Gewalt gegen Schwarze Trans*-Frauen. The Root fragt sich: Wo bleibt eigentlich der kollektive Aufschrei?

Professur trotz besserer Qualifikation nicht bekommen – Juristin klagt wegen Diskriminierung. Skandalös dabei auch: Die Gleichstellungsbeauftragte wurde mittels Disziplinarverfahren gezwungen, ihre Aussage zurückzuziehen, dass die Mutter diskriminiert worden sei, berichtet die Zeit Online.

Call for Music: Die nächste Riot Grrrl Berlin-Compilation steht ins Haus, und eure Musik sollte unbedingt dabei sein.

Nach dem Klick noch allerhand Termine: (weiterlesen …)


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Mitfahren bei rape culture? Die Allgemeine Zeitung zeigt wie es geht

24. August 2012 von Sabine

Die Autorin Silvia Meixner der Allgemeinen Zeitung gibt „Expertentipps“ für die Kommunikation bei Mitfahrgelegenheiten wieder. Klingt erstmal harmlos und ein bisschen nach Sommerloch. Was sie schreibt ist allerdings gar nicht harmlos. Bei Tipps und Tricks für vergnügliche Fahrten mit unbekannten Menschen, die unnötig wie banal sind, kommt sie zum Punkt „Der erste Eindruck zählt“ und da wird es dann krass:

„Ferner sollten sich Frauen nicht zu freizügig kleiden, denn ein tiefes Dekolleté oder ein allzu kurzer Rock wecken beim Fahrer vielleicht Gedanken, auf die man ihn gar nicht bringen wollte.“ – Silvia Meixner, AZ

Ganz nebenbei schreibt die Autorin auf was Knigge-Expertin, Vera Reich, ihr  sagt. Frauen müssen es besser wissen, denn wenn sie „allzu“ kurze Röcke tragen oder sich „zu freizügig“ kleiden, käme der Fahrer vielleicht beim Anblick dessen auf Gedanken, die Frauen unter Umständen gar nicht wollten. Also besser anders kleiden. Frau Meixner, von welchen Gedanken wird da eigentlich genau gesprochen? Und sind die “Gedanken” erstmal da, was dann? Trauen Sie sich, diese zu Ende zu formulieren? Meinen Sie etwa auch, dass Frauen* – wir Sexobjekte – selbst schuld sind, wenn uns etwas passiert, das wir nicht wollen? Dass wir von sexistischen Sprüchen bis hin zu Vergewaltigungen womöglich noch selbst die Schuld tragen, weil wir uns nicht ihren Tipps entsprechend kleiden? Dass Männer Opfer ihrer Selbst und ihrer Triebe seien, weil Kleider und Körper von Frauen* angeblich Signale aussenden, wir damit provozieren und unsere Worte oder ein einfaches Nein nicht mehr zählen?

Die Autorin hätte dies alles mindestens kritisieren können. Weitgefehlt sie verkauft es als Tipp für Frauen (sic!) und das ist perfide. Frauen* sind nicht schuld und müssen sich nicht erklären (Röcke und der ganze Scheiß, der da aufgezählt wird), wenn ihnen sexualisierte Gewalt und Sexismus widerfährt. Ganz egal unter welchen Umständen. Mal abgesehen davon, dass “mehr” Bekleidung auch nicht vor Übergriffen schützt. Vielmehr zeigt dies doch auch auf in welcher Gesellschaft wir leben, wo Vergewaltigungsmythen vorherrschen, Sexismus lebt und sexualisierte Gewalt noch immer verharmlost wird. Das nennt sich rape culture (und nicht Trick 17). Die Macht liegt beim Täter und einer Gesellschaft, die Gewalt an Frauen* abkanzelt und wir Tipps wie diese (siehe oben) lesen müssen.

Vielen Dank an die MM-Leser_in, die uns auf diesen Artikel aufmerksam gemacht hat.


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In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn Assange nicht als Vergewaltiger gilt?

24. August 2012 von Viruletta

(Für den folgenden Beitrag gilt eine Triggerwarnung: Thematisierung von Vergewaltigungsverharmlosungen und Schilderung vom Tathergang im zweiten Absatz.)

In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn das, was Julian Assange zwei Frauen angetan hat, nicht als Vergewaltigung gewertet wird? Achja, in einer Rape Culture. In einer Kultur, die uns lehrt, dass ein “Nein” auch mal ein “Ja” ist, dass Schweigen “Ja” impliziert, dass ein einmal gegebenes “Ja” ein “immer-Ja” ist, dass es sowas wie “überraschenden Sex” (“sex by surprise”) gibt und dass all das, so schreibt es euch doch bitte hinter die Ohren, keine Gewalt ist. In einer Kultur, in der Kläger*innen, sobald es um sexualisierte Gewalt geht, erstmal unter Generalverdacht stehen, und in der eine*n viel zu oft das Gefühl überkommt, dass es Verbündete nur für Täter*innen gibt.

Assange ist ein Vergewaltiger. Um sich darüber klar zu werden, genügt es, sich die Aussagen seines Verteidigers zu Gemüte zu führen. Im ersten Fall hat Assange eine Frau penetriert, während sie schlief – also ohne ihr Einverständnis. Da sie am Vortag konsensualen Sex gehabt hatten, fühlte Assange sich im Recht, sich weiterhin an ihrem Körper zu bedienen. Im zweiten Fall hatte Assange zunächst konsensualen Sex mit einer Frau, die sich jedoch wehrte, als sie feststellte, dass Assange versuchte sie ohne Kondom zu penetrieren. Als Reaktion hierauf drückte Assange sie nieder, setzte sich also explizit und gewaltvoll über ihren Willen hinweg. Auch hier fühlte er sich nach wie vor im Recht. Doch die Abwesenheit von Konsens ist sexualisierte Gewalt. Julian Assange ist ein Vergewaltiger.

Obwohl diese Fakten lange bekannt sind (wir berichteten schon vor knapp zwei Jahren darüber), spricht ein Großteil der Welt nach wie vor von einem Komplott. Erst kürzlich gewährte Ecuador Assange “diplomatisches Asyl” und ließ dabei völlig außen vor, dass Assange nicht aufgrund seiner Tätigkeiten für Wikileaks nach Schweden ausgeliefert werden soll. Assange wäre in Schweden kein politischer Gefangener, sondern ein wegen sexualisierter Gewalt angeklagter Mann. Aber anscheinend macht die Tatsache, dass er als der Kopf von Wikileaks gilt, Assange in den Augen der meisten vor Vergewaltigungsvorwürfen immun. (weiterlesen …)


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Über Konsens reden – aber richtig!

5. April 2012 von Helga

Unter dem Titel „Die Angst, Nein zu sagen“ beschrieb Annabel Wahba in der ZEIT letzte Woche aktuelle Diskussionen zum Thema sexuellen Missbrauch. Leider beginnen die Bauchschmerzen schon im einleitenden Satz:

Zwischen einvernehmlichem Sex und einer Vergewaltigung liegt eine Grauzone […]

Wie im Artikel ausführlich beschrieben, gibt es in der Tat eine rechtliche Grauzone. Leider arbeitet der Artikel aber ausschließlich mit dem deutschen Rechtsbegriff, statt diesen zu hinterfragen und auf andere Möglichkeiten einzugehen. So geht es um die Anschuldigungen an Julian Assange und die schwedische #prataomdet-Diskussion. Dass es in Schweden eben strafbar ist, wenn man Sex ohne Kondom hat, obwohl der/die Partner_in auf einem Gummi bestand, bleibt außen vor.

Ebenfalls völlig unerwähnt bleibt, dass in den vergangenen Jahren, über rechtliche Begriffe hinaus, neue Konzepte und Ideen zu Sexualität entwickelt wurden. Aus der alten Parole „Nein meint Nein“ ist „nur ein enthusiastisches Ja meint Ja“ geworden, bereits 2008 erschien Yes Means Yes von Jaclyn Friedman und Jessica Valenti. Das Zustimmungskonzept verschiebt den Fokus auf die Einvernehmnlichkeit des Sex – damit Grauzonen gar nicht erst entstehen.

Weg von derzeitigen Rechtsbegriffen geht auch das Konzept der Definitionsmacht. Danach gelten auch Taten als sexualisierte Gewalt, die vom Gesetz nicht erfasst werden, unerwünschte Zungenküsse etwa. Statt der komplexen Debatte um „Grau­zonen“ und Grenzüberschreitungen gerecht zu werden und sie voran­zu­treiben, bleibt der Artikel leider bei der Grenze „Nein“.

Nur angerissen wird die Frage nach Erwartungen und Machtverhältnissen. „Männer müssen immer wollen“ und „Frauen die Sex geben“ sind zwei Annahmen, die dem offenen Umgang mit Sexualität gegenüberstehen. Aber auch Abhängigkeiten und das Gefühl, jemandem Sex zu schulden, spielen eine Rolle. Wie das real aussehen kann, zeigt ironischerweise das deutsche Recht: Erst 1997 wurde Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt, erst seit 2004 ist es auch ein Offizialdelikt, der unabhängig von einer Anzeige verfolgt werden muss. Vorher war jede_r Verheiratete zum Sex verpflichtet. Schließlich behauptet der Artikel:

Dabei wird Sex nach einem »Nein« der Frau, selbst wenn sie es im letzten Moment ausgesprochen hat, vor Gericht immer als Vergewaltigung gewertet.

Ein „Nein“ reicht leider auch in Deutschland noch lange nicht aus, immer wieder müssen Opfer erklären, warum sie sich nicht stärker gewehrt haben.

Insgesamt wiederholt der Artikel ein Muster, das in Konsensdebatten immer wieder zu beobachten ist: Zwar sind die meisten Menschen (auch Männer!) in der Lage, über Sex subtil zu kommunizieren. Sobald das Wort „Vergewaltigung“ fällt, werden wieder „eindeutige“ Signale eingefordert. Wenn wir ernsthaft über „das Grauzonen-Problem“, Grenzverletzungen und sexuelel Gewalt reden wollen, müssen wir weiter denken!


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Muschiballett, Konsensdebatten und viel Lesestoff – kurz verlinkt

7. März 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 142 von 191 der Serie Kurz notiert

Die Debatte um enthusiastischen Konsens und ob Frauen vergewaltigen können, führt discipline and anarchy weiter.

Auf die Probleme, auf die behinderte Frauen mit Kinderwunsch stoßen, weist die Süddeutsche hin. Morgen gibt es dazu auch eine Infoveranstaltung der Netz­werk­frauen Bayern.

Neuer Monat, neuer Lesestoff: die neue an:schläge zum Thema „Gehirn“ ist da und die aktuelle aep  (Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft) mit dem Titel „rolle rückwärts – rolle vorwärts“ ist ebenfalls erschienen.

Serielle Monogamie sei „schlechte Propaganda“ befindet DNLee im Scientific American Blog. Die Ratschläge richteten sich vor allem an Frauen und seien damit nur eines: sexistisch.

Sarah Diehl schreibt im Prager Frühling über Selbsthilfe bei fehlendem Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen.

Filia.die Frauenstiftung sucht für ihren Mädchenbeirat junge Frauen im Alter von 14 bis 20 aus dem Norden Deutschlands. Wer Interesse hat, kann das Be­wer­bungs­formular (als pdf auf der Internetseite) bis zum 26. März ausfüllen und abschicken.

Schon vom letztem Jahr aber immer noch aktuell: Interview mit Gerdrun vom Muschiballet in der Jungle World.

Die NDR Info-Sendung „Frauenbewegung im Islam“ könnt Ihr im Podcast nachhören.

Mehr Bewußtsein von Journalist_innen zum eigenen Weißsein wünscht sich Noah Sow und fragt im Migazin: „Sich ins 21. Jahrhundert zu begeben, wie soll das Nachteile haben?“

Zähe Aufarbeitung eines alten „Frauenthemas“: Seit 14 Jahren wird in Dortmund ein Denkmal für die Opfer der Hexenverfolgung geplant. Doch immer wieder gibt es Ärger mit der Stadtverwaltung und der evangelischen Kirche, so die Welt.

Unterirdisch bleibt auch der Frauenanteil in den Medien. Gerade einmal 17 Prozent machen sie in den Nachrichten aus – und die Hälfte der Berichterstattung widmet sich Angela Merkel, berichtet der Media Tenor.

Im Konflikt zwischen FIFA und dem Iranischen Fußballverband (wir berichteten) hat es endlich eine Einigung gegeben. Wie die Ärztezeitung schreibt, wird ein neues Hijab-Modell eingeführt, das sich beim Ziehen öffnet und damit beiden Verbänden genehm ist.

Passend zum morgigen Internationalen Frauen(kampf)tag geht die Junge Welt der Frage auf den Grund, ob Clara Zetkin, die Erfinderin des Frauentags, eine Anti­femi­nistin gewesen ist und befindet: Quatsch!

Nach dem Klick noch drei Termine (einer mit Reisestipendien nach Argentinien) (weiterlesen …)


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Nur Konsens ist Sex

14. Dezember 2011 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 21 von 27 der Serie Der Kommentar

Leonie Kapfer, 25, hat in Wien Ernährungswissenschaften studiert und arbeitet beim feministischen Monatsmagazin an.schläge als Redakteurin. Dabei recherchiert sie gerade für die nächste Ausgabe der an.schläge über die wundervolle Welt der Orgasmen und findet Feminist_innen sollten sich endlich wieder mehr mit dem Thema Sex auseinandersetzen. Für die an.schläge schrieb sie auch den Text: “Nur Konsens ist Sex“, den sie uns als Gastbeitrag zur Verfügung stellt.

Was ist eigentlich los mit dem heterosexuellen Geschlechtsverkehr? Wie kann es sein, dass Männer wie Strauss-Kahn, Assange und Kachelmann denken, sie hätten einvernehmlichen Sex, obwohl ihr Gegenüber das ganz anders sieht? Wer eine Antwort auf diese Frage will, muss sich genauer mit dem Konzept „Konsens“ beschäftigen.

Unsere heutige Idee von einvernehmlichem Sex beinhaltet einzig die Abwesenheit eines Neins. Wer nicht Nein sagt, meint Ja. Schweigen wird so ungewollt zur Zustimmung. In dieser Vorstellung existieren aber zahlreiche Grauzonen. Was tun, wenn ein/e SexualpartnerIn nicht in der Lage ist, ein Nein zu formulieren? Sei es, dass sie unter Drogeneinfluss steht oder andere Umstände eine verbale Kommunikation verhindern.

Was bloßes „Nein heißt Nein“ in der Praxis bedeutet, zeigt etwa ein erschütternder Fall in Paderborn. Dort hat ein 48-jähriger Mann über Jahre hinweg eine psychisch kranke Frau vergewaltigt. Der Richter sprach den Mann jedoch frei, da sein Opfer keinen Widerstand geleistet hatte.

So wichtig der Slogan „Nein heißt Nein“ auch war und ist – um wirklich konsensuellen Sex zu haben, bedarf es mehr. „Bevor ich wusste, was passiert, war er in mir. Kein Vorspiel, keine Warnung, kein Konsens. Es tat weh und weher, und es hörte auch nicht auf zu schmerzen, und selbst heute tut es noch weh, wenn ich daran denke, dass ich damals zu schüchtern und zu verstört war, um Nein zu sagen.“ So beschreibt US-Comedian Margaret Cho ihr erstes Mal. Ein Einzelfall ist diese Geschichte mit Sicherheit nicht. Grenzüberschreitungen dieser Art passieren immer wieder, und die Schuld wird letztlich den Frauen gegeben, denn sie hätten ja Nein sagen können. Unsere angebliche sexuelle Befreiung ist auf ein Nein zusammengeschrumpft.

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Die radikalfeministische Grundschule und Weiße Integrationsverweigerung – kurz notiert

1. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 132 von 191 der Serie Kurz notiert

Eine Online-Umfrage der Frauenseiten Bremen hat ergeben, dass “fast 50 Prozent aller befragten Frauen und Mädchen negative Erfahrungen im Internet gemacht und Belästigungen, Anmache und Sexismus erlebt” haben.

In Kairo wurde die äygyptisch-amerikanische Journalistin Mona Eltahawy von der Polizei misshandelt und sexuell belästigt, berichtet derStandard. Sie war während der neuen Proteste gegen das Militärregime auf dem Tahrirplatz gewesen.

In den 1990ern gab es eine radikalfeministische Grundschule für Mädchen in Wien. DieStandard führte ebenfalls ein Interview mit einer ehemaligen Schülerin.

Wenn über Musik von Frauen* geredet wird, fällt immer auch der Begriff “Riot Grrrl” im gleichen Atemzug. Ganz so, als gäbe es EIN Label für Musik von Frauen*, während für die selbstgemachte Musik von Männern* stets viele Labels zur Hand sind. Kritik an dieser Vereinnahmung gibt es bei Pitchfork zu lesen.

“Wann hat es das schon einmal gegeben in unserer nach wie vor verklemmten Vereinbarkeitsrepublik? Eine Frau bekommt einen Führungsjob, nicht obwohl, sondern weil sie Kinder hat!”, schreibt die Berliner Zeitung.

Mutlu Ergün berichtet bei Philibuster über die Ergebnisse neuester Studien: Millionen Weiße Deutsche verweigern die Integration!

In der neuen Ausgabe der feministischen Zeitschrift Anschläge, hat Autorin Leonie einen Kommentar zu konsensualem Sex geschrieben. Lesenswert!

Radio Corax Halle interviewte Gesa Mayer und Robin Bauer zu Monogamie als gesellschaftlicher Norm, nachzuhören bei Freie Radios. Die beiden halten heute im Rahmen der Ringvorlesung “que(e)r_einsteigen” einen Vortrag zum gleichen Thema.

Das Männer-Fußballteam von Amerikanisch-Samoa gewinnt sein erstes offizielles Länderspiel – 2:1 gegen Tonga. Nach dem Sportlichen zur Geschlechterpolitik: Auf dem Platz stand mit Johnny Saelua eine Fa’afafine, die in der Kultur Polynesiens “als Mann geboren … als Frau aufgezogen” werden, wie queer.de berichtet.

Eine aktuelle Kampagne gegen institutionalisierten Rassismus seht ihr hier:

Mann hat nette Ratschläge an Frauen, dieses Mal in der Süddeutschen: Um im Job voranzukommen und sich männlicher Raumnahme zu entziehen, sollen sie einfach die gleichen Verhaltensweisen an den Tag legen. Tipp 1: Nicht mehr lächeln!

Terminhinweise nach dem Klick

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