Einträge mit dem Tag ‘Kleidung’


Hotpants, Miniröcke und was du sonst noch (nicht) anziehen darfst

7. Juli 2015 von Charlott

Für alle, die es bisher verpasst haben: Es ist Sommer. Es ist warm. Viele Menschen entscheiden sich für geringere Textilmengen am Körper. Und wie eigentlich jedes Jahr flammt die Debatte auf: Was geht zu weit? Was darf in Schulen getragen werden? So heißt es in einem Brief an die Eltern von Schüler_innen einer Schwarzwälder Realschule:

[…] in letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind. Diese Entwicklung stimmt uns nachdenklich und wir haben entschlossen, dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen. […] Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes. Wir wollen damit ein kleines Stück zu einem gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden.

An wen sich diese Kleidungsvorschrift richtet ist klar: Mädchen. Dies ist natürlich ein Muster der sommerlichen Schulkleidungsdiskussionen, die ja nicht kontextlos stattfinden, sondern sich einreihen in rape culture, victim blaming und weitere sexistische_rassistische_klassistische_fatshamende Körper- und Kleidungspolitiken. In den Erläuterungen heißt es dann oftmals, dass sich Schüler aufgrund der Kleidung nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten – aber auch Lehrer abgelenkt seien. Und anstatt sich nun zu fragen, was diese Lehrer eigentlich an einer Schule machen, wird die Verantwortung für alles bei den Mädchen abgeladen, sie sollen sich nicht ‚aufreizend‘ (was soll das eigentlich hier genau sein?) kleiden. Lehrer und Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.

Doch Kleidungsvorgaben kommen auch im anderen Gewand, wenn zum Beispiel ein Gymnasium in Bayern Schülerinnen anhält keinen Minirock zu tragen, da in unmittelbarer Nachbarschaft Geflüchtete untergebracht sind. Es könne zu „Missverständnissen“ kommen. In diesem Fall wird ebenfalls die Verantwortung auf den Mädchen abgeladen und Jungen/ Männer als geradezu hilflos dargestellt, doch geht dies einher mit rassistischen und anti-muslimischen Zuschreibungen, die ein klares Täterbild zeichnen und geflüchte Jungs/Männer als Aggressoren markieren. (Sicher ist Täter sind immer die Anderen.)

Welche „gesellschaftliche und soziale Werte“ sind es also, die gelebt werden sollen? Kleidungsvorschriften – explizite und implizite – sind zu dem nichts, was sich auf Schulen begrenzt. Wie Körper be_ oder ent_kleidet wahrgenommen werden, wird ständig reguliert, sanktioniert, kommentiert: Welche Körper dürfen (ungestraft) fast überall freie Oberkörper zeigen? Welche Arten von Kopfbedeckungen werden akzeptiert? Was für Kommentare ziehen welche Körper in Hotpants nach sich? Wem wird nahegelegt sich im öffentlichen Raum wenig zu bedecken? Und wem wird eigentlich das Gegenteil suggeriert? Hierbei verknüpfen sich Diskriminierungen hinsichtlich Geschlecht, Körperform, Religion, race und so weiter.

Oftmals wird so getan als wären bestimmte Kleidungsstücke und das Nichtverdecken von Körperstellen noch einmal eine besondere Einladung zu übergriffigem Verhalten: Damit meine ich nicht ausschließlich sexualisierte Übergriffe, sondern auch das allgemeine Kommentieren anderer Körper, ungefragte Hinweise dazu wie sich zu kleiden wäre, Bemerkungen/ Blicke/ Geräusche beim Entblößen dicker Oberarme, Zeigen und Starren auf Narben, die sonst unter Stoff bleiben.

Doch selbst wenn man als Person, die all diese Erwartungen versucht zu navigieren, sich entschließt längere Kleidung zu tragen, ist nicht viel gewonnen: Denn das Fenster von dem, was ‚akzeptabel‘ ist, ist minimal und es gelten auch nicht die gleichen Anforderungen an alle. Kleidung, die bei muslimischen Mädchen, als ‚zu lang‘, ‚zu viel‘ kommentiert wird, kann an anderen Personen als vollkommen legitim gelten. Frauen sollen zu dem schon auch sich in bestimmte Blicke einordnen, irgendwie ’sexy‘ sein – aber eben auch nicht zu sehr und eigentlich darf es nicht so aussehen, als wäre viel Arbeit in dieses ’sexy‘-Sein geflossen. Und dicke_fette Menschen sollen bitte nicht wirklich ihre Körper zeigen, wenn sie dann aber sich mit längerer Kleidung schwitzend im öffentlichen Raum bewegen, heißt es: Ist das nicht warm?

In diesem Gesamtzusammenhang finden auch das Hotpants-Vebot und die Mini-Rock-Tipps statt. Mädchen wird direkt an der Schule beigebracht: Nicht die Gesellschaft um euch ist das Problem, sondern ihr mit eurer Kleidung seid verantwortlich für jegliche Gedanken und Übergriffe. Angesetzt wird wie so häufig eben nicht beim (in diesem Fall) zugrunde liegenden Sexismus, der Mädchen als sexualisierte Objekte, und den rassistischen Zuschreibungen, die potentielle Tätergruppen festschreibt. Stattdessen ’nachdenkliche‘ Elternrundschreiben.


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„Just go inside!“ – 2 Jahre nach dem Einsturz von Rana Plaza

24. April 2015 von Charlott

Heute jährt sich zum zweiten Mal der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Dhaka, Bangladesh. In der Fabrik produzierten Menschen Kleidung für Marken wie Benetton, Mango, C&A, Kik und Primark. Es starben 1,134 Menschen. Viele mehr wurden schwer verletzt. Tote und Verletzte, die es nie hätte geben dürfen. Die Arbeiter_innen wurden bereits am Vortag nach Hause geschickt, nachdem einigen von ihnen Risse in den Wänden aufgefallen waren und bereits Beton auf sie nieder rieselte. Rana Plazas Baustruktur war an sich sehr schwach, mehrere illegale Etagen waren aufgesetzt. Generatoren, die bei Stromausfall einsprangen, um keinen Produktionsausfall zu haben, zerrütteten durch die Vibrationen das Gebäude weiter. Doch am nächsten Tag sollten die Arbeiter_innen wiederkehren – ansonsten würde ihnen ihr Monatsgehalt nicht gezahlt. In dem Buch „Women in Clothes“ berichtet Reba Sikder, eine der Textilarbeiter_innen, in einem Interview über den 24. April 2013:

The next morning [on the 24th] when I came, I saw that many of my coworkers are standing outside the building and everybody is in fear – wether they should go inside or not. I was standing with them outside, too, and then some of them were going inside and then our middle management, they started screaming at us, yelling, „Just go inside! Why are you standing here? You have to go inside.“ One of our production managers was slapping female workers -Go inside- and they are threating us that if we don’t go inside, we will lose our job and they will not pay our salary. And then we went inside, and I saw that nobody even started work because people wer talking more … What is going to happen? There was a crack in the building. Then our general manager announced that everybody should go back to work because there is a rush for shipment – the buyer is putting pressure. He says we have to hit our production target, then we can go home. We start our work because, you kknow, they are shouting at us, and I think I worked twenty minutes and then the power was gone. And within two or three minutes they start the generator, and when they start the generator I hear this huge sound, like BOOM, and everything collapsing. My coworkers ran to the stairs and I was following them, and then I fall, and I’m stuck under a machine.

Reba Sikder verdiente in der Rana Plaza Fabrik 90 Dollar im Monat. Sie arbeitete dort von 8 Uhr morgens bis 10 uhr abends, sieben Tage die Woche. In dem Interview betonte sie, dass sie bisher keine finanzielle Entschädigung erhalten hat (und natürlich auch, dass diese nicht den Verlust ihrer Mitarbeiter_innen, die sie als Schwestern und Brüder benennt aufrgund des engen und vielen Zusammenarbeitens und das Trauma der gesamten Erfahrungen vergessen machen könnte). Bis heute hat der „Rana Plaza Donors Trust Fund“, der von der Internationalen Arbeiter_innen Organisation (ILO) eingerichtet wurde, nicht die 30 Millionen Dollar erhalten, die benötitgt würden, um alle Familien ansatzweise gerecht (Was ist hier schon Gerechtigkeit…) zu entschädigen. Die Clean Clothes Campaign führt eine Liste mit allen Firmen, die sich beteiligen sollten und zeigt, wer bishe zahlte und welche Summen. Arbeiter_innen haben außerdem in dieser Woche in Bangladesh bei Demonstration nochmals auf diesen Missstand hingewiesen.

Und Rana Plaza ist selbstverständlich kein kontextloser Einzelfall. Fabriken dieser Bauart gibt es weiterhin. Die Arbeitsbedingen vieler Arbeiter_innen in der Textilindustrie gleichen denen von Rana Plaza und die Sicherheit und körperliche Versehrtheit dieser wird tagtäglich weiter aufs Spiel gesetzt, in einem globalen Rennen um ‚billige‘ Produktionskosten und hohe Gewinnmargen.


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Ein Buch nach dem anderen: Frauen und Kleidung; Genitalien und Meinungen

21. April 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 99 von 126 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

Women in Clothes (Blue Rider Press/ Penguin UK, 2014) wird von Sheila Heti, Heidi Julavits and Leanne Shapton herausgegben und zunächst ist festzustellen: Dieses Buch ist wunderschön, das Cover ist sehr ansprechend, das Papier fässt sich toll an und das gesammte Layout ist überzeugend. In dem Buch soll nicht eine einzige These zur Beziehung von „Frauen“ und „Kleidung“ verfolgt werden, stattdessen lassen die Herausgeberinnen mehr als 600 Personen zu Wort kommen bzw. graphisch etwas beitragen. Es werden mögliche Beziehungen ausgelotet – durch eine Umfrage, Fotoessays, kurze Geschichten und Inteviews. Unter den Beteiligten finden sich auch so prominente Namen wie Roxane Gay, Tavi Gevinson, Cindy Sherman, Kim Gordon, Rachel Kushner, Elif Batuman und Miranda July. Doch besonders lang hängen bleiben Beiträge, wie das Interview mit Reba Skider, einer der Arbeiter_innen, die den Zusammensturz der Rana Plaza Fabrik in Bangladesh überlebte oder das Gespräch mit Juliet Jacques, die über Weiblichkeits-Doppel-Standards für trans Frauen spricht. Einige der weiteren Themen: Religion und Kleidung, ‚unnatürliches‘ Make-up, Erinnerungen, Einkauferlebnisse, Düfte, Politik und Style. Das Buch lässt sich kaum zusammenfassen, aber es lohnt sich auf jedenfall durchzublättern.

Ein von @half_book_and_co gepostetes Foto am

In Love and In War

To my daughter I will say,
‚when the men come, set yourself on fire‘.

In teaching my mother to give birth (Flipped Eye, 2011) schreibt die Dichterin Warsan Shire über Trauma, Liebe, Körper, Gewalt, girlhood und Exil. Die Gedichte sind gleichermaßen direkt und komplex, auf der Oberfläche simpel, unter dieser mit noch vielen Bedeutungsebenen und zu entdeckenden Momenten gespickt.

Im Gegensatz dazu sind die Gedichte von Patricia Lockwood in Motherland Fatherland Homelandsexuals (Penguin Books, 2014) selten direkt, sondern verstricken sich erst einmal in sexuell aufgeladenen mythischen Schilderungen von Animorphen, Rehen und Hornissen. In ihrem direktestem (und bekanntesten) Gedicht „Rape Joke“ heißt es „The rape joke is that if you write a poem called Rape Joke, you’re asking/ for it to become the only thing people remember about you.“ – und würde eine diese Vorhersage wahr werden lassen, wäre das definitiv nicht gerechtfertigt, trotzdem aber sollte auch betont werden, dass „Rape Joke“ tatsächlich eines der stärksten Gedichte in dem Band ist, tief berührend und roh und clever zugleich.

Außerdem las ich endlich Let them talk! What genitals have to say about gender. A graphic survey von Yori Gagarim (edition assemblage, 2014). In diesem kleinen Buch im Hosentaschenformat werden wundervoll, diverse, humorvolle Zeichnungen von Genitalien mit Kommentaren zum Komplex ‚Gender‘ kombiniert. Diese Genitalien haben viele Meinungen und hier bekommen sie eine Stimme, sie stellen fest „The story is great, but it’s completely made up“, fragen „What’s that got to do with me?“ und die Leser_innen können auf jeder Seite neu innehalten. Das Buch ist auf Englisch, am Ende werden aber alle Aussagen und das Nachwort ins Deutsche übersetzt.

Im Netz gelesen

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Lach doch mal, Integration und Schönheit – die Blogschau

19. September 2012 von Sabine
Dieser Text ist Teil 177 von 295 der Serie Die Blogschau

Aufgrund technischer Probleme war die Blogschau am vergangenen Samstag (16.09.12) leider nicht vollständig. Hier nun Klappe die 2.:

Warum die Benennung der neuen Berliner Integrationsbeauftragten eher nicht integrierend wirkt und 13 der 14 Migrant_innenvertreter_innen die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung zur Neubesetzung boykottiert haben, das steht auf anders deutsch.

Zeitungen kämpfen online um Klicks, um ihre Angebote zu finanzieren. Lucie schaut sich in der Süddeutschen um: Mario Barth erhält bald eine Kolumne und body shaming im Hot-or-Not Stil sind auch dabei. Es soll fresh („freche Schreibe“) sein und ist letztendlich doch „nur Spaß“.

Hobbit nimmt sich hingegen ein Skalpell und zerlegt einen sexistischen Witz in seine Einzelteile – so was sollte obligatorisch in die Lehrpläne aufgenommen werden.

Antje Schrupp findet Norm entsprechende Körper aus Modejournals banal, die Frage des Aussehens ist jedoch eine ganz wichtige. Die Wahl der Kleidung kommuniziere nämlich Standpunkte, Wertehaltungen und dafür gebe es einen guten Grund.

Die Denkwerkstatt fragt: „Wo sind die Feministinnen“ in Österreich und kommt dabei zu einem spannenden Ergebnis.

„Aber, ich als Frau…“  Derailing, wer kennt es nicht? Hier einige Argumente der Entgegnung.

Kattascha hat einen ausführlichen Artikel über das Ehrenamt, Motivationen und mitgliederfreundliche Strukturen am Beispiel der Piraten geschrieben.

„Gemütlich sitzen da Kind und Eltern beisammen, das aufgeschlagene Buch vor sich, sie reden über Alltagsrassismus, das Kind lauscht aufmerksam den Ausführungen der Eltern mit ihren kultur- und sozialwissenschaftlichen Studienabschlüssen.“ Mit Kindern sollte geredet werden, warum manches trotzdem unnötig ist, findet sich bei Dr. Mutti. [Text ist mit Triggerwarnung: N-Wort einmal in Anführungszeichen, 1. Absatz]

Und noch ein paar Termine:

Von heute, dem 19. September an bis zum 29. veranstaltet Zwischengeschlecht.info Proteste gegen Zwangsoperationen an Inter­sexuellen und Infoabende in Leipzig, Dresden und Halle.

Gestern startete der Film Call me Kuchu über die ugandische LGBT-Community seine Tour durch die Kinos in Deutschland, Zwischenstop heute ist z.B. Frankfurt.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Facebookspeak und Recht feministisch untersucht – die Blogschau

3. September 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 126 von 295 der Serie Die Blogschau

Die Missy hat eine neue Gastbloggerin. Maria Wersig (schon einmal in den WWW Girls vorgestellt) bloggt zu Recht und Geschlecht. Schon der erste Beitrag macht Lust auf mehr!

Unterwäsche, T-Shirt, Pulli … die Liste der Kleidungsstücke die wir täglich am Körper tragen ist lang. Grund genug, eine feministische Perspektive aufs Klamotten kaufen zu entwickeln. Mehr dazu auf post_gedanken.

Abtreibungen sind in Polen derzeit nur in wenigen Fällen wie nach eienr Vergewaltigung erlaubt. Die Forderung einer Bürger_inneninitiative nach einem Kompletverbot scheiterte jetzt knapp im Parlament. Ein Gegenvorschlag zur Liberalisierung des Gesetzes scheiterte ebenfalls, so dieStandard.at.

Luise Pusch hat sich nicht nur bei Facebook angemeldet – nun untersucht sie in ihrem Blog das „Facebookspeak“, bzw. die deutschen Übersetzungen auf Genderaspekte.

Letzte Woche berichteten wir von einem Beschwerdebrief an Kinderspielzeughersteller Jako-o. Inzwischen ist die Antwort angekommen, heißt es auf Manu bloggt. Die im Katalog vorhandene Gendersubversivität (Jungen rocken Showbühnen und belegen Brötchen!) hatte Moritz anscheinend nur nicht mitbekommen… Vor dem nächsten Katalog darf er dann den „Produktmanagern, Fotografen und Grafikern“ bei der Arbeit zusehen.

Um „Religion und Männlichkeiten in der Moderne. Neue interdisziplinäre und transnationale Forschungsperspektiven (18. bis 20. Jahrhundert)“ geht es in Jena vom 14. bis 16. September, so das ZtG Blog. Die Anmeldedeadline ist aber bereits der 6. September!

Die Wiener ARGE Dicke Weiber trifft sich wieder – am 9. September in der FZ-Bar.

Am 18. September behandelt der Münster-Tatort „Zwischen den Ohren“ das Thema Intersexualität. Die Kritiker_innen sind mittel bis stark begeistert, zwischengeschlecht.info bleibt erstmal gespannt.

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Die BILD mahnt Sexismus an und andere Kuriositäten – die Blogschau

23. April 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 111 von 295 der Serie Die Blogschau

Diese Woche war mächtig viel los in der Blogosphäre. Einmal tief durchatmen und die Lese­brille raus­geholt:

Der Mädchenblog ärgert sich, das mit Kristina Schröder nur noch Familien- und nicht Frauenpolitik an der Tages­ordnung ist und welche Aus­wirkungen das hat.

Auf andersdeutsch geht es um Männer, Frauen, Kälte­empfinden und hetero­nor­mativen Zu­schreibungen.

anarchie und lihbe hat eine Broschüre von der Frauen­­abteilung der Stadt Wien gefunden, die „Sicher­heits­tipps für Frauen und Mädchen“ zusammen­ge­stellt hat und fragt, warum wir in einer Gesell­schaft leben, in der Menschen lediglich beigebracht wird, nicht ve­rgewaltigt zu werden. Besser wäre die Bot­schaft: Vergewaltige nicht!

The Gurkenkaiser hat einen interessanten Text geschrieben: „Geschlecht und Praxis, Geschlecht und Technik und die Kritik an Ge­schlechter­sozialisations­theorien„.

Lucy schreibt auf ihrem Blog Nahtzugabe über DIY, Crafting und Handarbeiten. Vor einiger Zeit bekam sie vom Stuttgarter Frech-Verlag die Anfrage, ob sie es sich vorstellen könnte, „auf einer größeren Plattform im Internet über [ihr] Hobby zu berichten.“ Das Honorar: Ruhm und Ehre und ein Buch pro Monat. Eine Frechheit, wie Lucy zu Recht befindet.

Auf Klirrr hofft Lucie auf eine sexismusfreie Berichterstattung der anstehenden Fussball-WM der Frauen, obwohl diese mit der von einschlägigen Zeitschriften beworbenen Bikini-Diät-Rasier-Saison zusammenfällt.

Ninia La Grande ist genervt von der neuen Badminton Kleiderordnung:

Ab Mai dürfen Badminton-Spielerinnen auf gehobenem Leistungsniveau nur noch in Röcken oder Kleidern spielen. Damit Badminton endlich, endlich etwas „attraktiver“ rüberkommt. Lob an den deutschen Verband: Der wehrt sich momentan noch gegen die Regelung.

@habichthorn von Just Another Female Blogger hat noch einmal die re:publica 2011 zu­sammen­gefasst.

Julia Seeliger war ebenfalls auf der re:publica und hat eine eigene De­finition zum (politischen) Cyber­feminismus geschrieben.

Sina ärgert sich über die aktuelle EMMA, in der mit allen Mitteln versucht wird, Prostituierte zu patho­logi­sieren.

Svenja von Svenja and the City freut sich, dass sie im neuen Motorrad-Abenteuer Magazin auftaucht.

Paula und Deef haben einen sehr persönlichen Podcast zu Bisexualität gemacht und ein­gesendete Fra­gen be­antwortet.

Onyx von Gedankensalat hat ein wenig herumgestöbert und „ein erschreckend großes Sammelsurium an widerlicher und sexistischer Werbung“ gefunden. Achtung: Sexistische Kackscheiße ohne Ende.

Schafott hat drei Gründe für die ein­geschränkte politische Freiheit der chinesischen Bürger­_innen zusammen­ge­tragen.

Das Kotzende Einhorn weist auf die skurrille Bericht­erstattung der BILD hin, die auf investigativ-journalistische Art und Weise frauen­ver­achtende Struk­turen im Autonomen Zentrum Kalk aufdeckte. Dass das Autonome Zentrum lediglich kritisch mit dis­kriminierenden Struk­turen umgeht und an­erkennt, dass diese auch in einem herr­schafts­kritischen Raum kaum weg­zudenken sind, hat die BILD nicht verstanden. Und dass gerade die BILD auf Sexismus auf­merksam macht, setzt der Ge­schichte noch die Kro­ne auf.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Web­sphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutsch­sprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Frischer Lesestoff aus der Blogosphäre

8. Januar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 72 von 295 der Serie Die Blogschau

Die Feiertage und die freien Tage haben der Blogosphäre anscheinend echt gut getan, denn es war viel los in der letzten Woche:

Vorsätze fürs neue Jahr trägt die Zahlenzauberin zusammen. Statt Diätkuren gibt es Tipps für ein besseres Körpergefühl!

Die Sammelmappe berichtet von altem Ärger mit Trollen und verlinkt auf Karla Orange’s Gespräch mit einem Troll (die gerade leider aufgehört hat zu Bloggen).

Unsere Wahl zum Bloggermädchen des Jahres kommentiert …Kaffee bei mir? Mehr Google-Treffer und die Genderdiskussion des letzten Jahres sprechen für mehr Bewußtsein und Interesse an Bloggerinnen.

Eine Petition gegen Zwangsoperationen an zwischengeschlechtlichen Neugeborenen erreichte über 1000 Unterzeichner_innen, trotz missverständlichem Petitionstextes. Zwischengeschlecht.org will daher vor der Sommerpause noch einmal eine juristisch wohlbegründete neue Petition erstellen.

Antje Schrupp hat sich gerade eben die Streitkultur zwischen Männern und Frauen angeschaut und stellt fest: Männer vermeiden Konflikte mit Frauen oft. Eine Sache die sich ändern muss! Grund war übrigens die letzte Männerkolumne in der taz.

Wann ist Kleidung eigentlich altmodisch? Der Frage geht bloggen statt blocken nach und stellt fest, dass es vielmehr um Akzeptanz in der Gesellschaft geht, aber auch die eigene Einstellung.

In Chile steht das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen auf dem Prüfstand, berichtet queernews.at. Drei Paare klagen beim Verfassungsgericht dagegen, zwei wollen ihre in Kanada, bzw. Argentinien geschlossenen Ehen anerkennen lassen.

Neuen Lesestoff stellt das VÄTERBlog vor: Das Buch „Die Ritter des Möhrenbreis“ erzählt Geschichten von Vater und Sohn.

Svenja and the City findet beim TÜV Erinnerungen an ihr früheres Leben.

Gemischte Gefühle hinterlässt Rihannas und Eminems neue Single „Love the Way You Lie“ bei der denkwerkstatt. Das Lied bezieht sich auch auf die Erfahrungen Rihannas, deren Exfreund Chris Brown sie bekanntlich verprügelte. Außerdem gibt es schon mal einen Ausblick auf den Weltfrauentag im März, der dieses Jahr das 100-jährige Jubiläum mit sich bringt.

Apropos Musik: MTV wird Bezahlfernsehen und warum das in Zeiten von YouTube durchaus eine Chance hat, erläutert Gast-Bloggerin Ann-Kathrin beim Missy-Magazine.

Mehr zum Hören gibt’s bei den Freien Radios in diesem Interview mit Svenja vom mädchenblog.

Schließlich noch ein Hinweis an Leser_innen von Fernsehblogs: Take These Lies ist umgezogen.

In der nächsten Woche gibt es noch drei Termine:
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Aktivismus, Bravo, Sex, Kinderbekleidung, schwule Männer, Rabenmütter und Steinigung im Iran

12. August 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 63 von 343 der Serie Kurz notiert

Jessica Valenti schreibt über ein wichtiges Thema: Wie viel ist uns feministischer Aktivismus wert?

Die Jungle World hat eine Analyse zur Darstellung von Homosexualität in der Jugendzeitschrift „Bravo“.

Schwule Männer sind auch heute noch vom Blutspenden ausgeschlossen, weil sie zu einer HIV-Risikogruppe gehören, berichtet Tagesschau.

Auf feministe findet ihr einen ausführlichen und persönlichen Beitrag zum Thema „sluthood“ („Schlampentum“), der mit vielen der gängigen Mythen und Vorurteilen aufräumt.

Auf Heise gibt es einen Bericht zum Thema „Rabenmütter

Eine amerikanische Studie nimmt arbeitenden Müttern von Kleinkindern das schlechte Gewissen: Selbst wenn Kinder schon unter einem Jahr außerhalb betreut werden, gebe es keine nachteiligen Effekte auf die Entwicklung.

Anne Roth macht auf eine Kolumne von Mely Kiyak aufmerksam, die sich in die Situation einer Frau versetzt, die zur Steinigung verurteilt worden ist. Es geht um Sakineh Ashtiani, der im Iran Ehebruch vorgeworfen wird, wofür sie im Mai 2006 erstmalig verurteilt wurde. Eine weltweite Protestkampagne hatte die Hinrichtung im Juli 2010 verhindert. Das Todesurteil wurde jedoch noch nicht aufgehoben – die Petition könnt ihr hier unterschreiben.

Sociological Images freut sich über ein Geschäft, das geschlechtsneutrale Kleidung für Kinder anbietet.


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Homo-Ehe, Alleinerziehende, Weltärztinnenkongress, LGBT im TV, Merkel, Transsexualität und Al-Jazeera

5. August 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 62 von 343 der Serie Kurz notiert

Gestern wurde entschieden, dass das kalifornische Verbot der Homo-Ehe diskriminierend sei und somit gegen die US-Verfassung verstößt (wir berichteten). Die Entscheidung tritt allerdings noch nicht in Kraft.

Spiegel online nennt Fakten zum Stand der Alleinerziehenden in Deutschland und ihrem Alltag. Interessant: 90 Prozent sind Frauen; der Anteil an alleinerziehenden Vätern sank seit 1996 um drei Prozent.

Über den Weltärztinnenkongress in Münster berichtete die Ärzte-Zeitung. Dort tauschten sich die Ärztinnen über Probleme, wie für Frauenkörper unpassende OP-Instrumente, und die möglichen Auswirkungen der „Verweiblichung der Medizin” aus. Auch die spezifischen Probleme in verschiedenen Ländern wurden angesprochen, so sterben etwa in Indien überdurchschnittlich viele Frauen durch Verbrennungen.

Feministing hat sich den GLAAD-Report zur Repräsentation von LGBT im US-amerikanischen Fernsehen angeschaut. Fazit: Es geht bergauf!

Ines Kappert in der taz über Merkel, die Flucht der CDU-Männer in die Wirtschaft, Privilegien und die Tabuisierung von Männlichkeit.

Der Freitag berichtet über Lea T, das erste transsexuelle Supermodel.

Sociological Images kommentiert die jahrzehntelange nature/nurture Debatte und plädiert mit einem interessanten Beispiel über Gehirne und Gewalttäter_innen für mehr Austausch der Vertreter_innen beider Richtungen.

Die Jungle World hat ein Interview mit Judith Butler u.a. über Antisemitismus, den Christopher Street Day und die politische Verantwortung von Homo-, Bi- oder Transsexuellen.

Ebenfalls in der Jungle World: In der Redaktion des arabischen Senders Al-Jazeera aus Katar erregt ein Streit um Dresscodes für Mitarbeiterinnen Aufsehen.

Am 25. Mai hatten die fünf Sprecherinnen ihren Rücktritt aus der Nachrichtenredaktion eingereicht (…). Anlass für ihren Schritt waren die neuen muslimischen Bekleidungsvorschriften, die männliche Chefs ihnen aufzuzwingen versucht hatten.


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Applaus für… Lubna al-Hussein

10. September 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 8 von 39 der Serie Applaus für

Lubna al-Hussein ist Wirtschaftswissenschaftlerin, Journalistin und Uno-Sprecherin und trägt gerne Hosen – eine Straftat im Sudan. Jedes Jahr verstoßen 43.000 Frauen dagegen und werden zu Peitschenhieben plus Geldstrafe verurteilt. Von einer Justiz, „die im Regelfall aus zwei Männern bestehe, einem Polizisten – Kläger, Staatsanwalt und Zeuge in Personalunion – und einem Richter“. Doch al-Hussein hielt das Gesetz für veraltet und verzichetete sogar auf ihre Immunität, um einen beispiellosen Prozess zu führen. Der Fall erregte weltweite Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch ihren eigenen Einsatz:

Sie zelebrierte „ihren“ Prozess. „Die Journalistin Lubna lädt Sie zu ihrer Auspeitschung ein“, war der Betreff einer ihrer zahlreichen E-Mails. Vor Gericht erschien sie in denselben weiten grünen Hosen, die sie vor den Kadi gebracht hatten. Für den letzten Prozesstag ließ sie gedruckte Einladungskarten aussenden, dementsprechend drängten sich Aktivisten und Diplomaten im Gerichtssaal.

Am Ende wurde al-Hussein zu einem Monat Gefängnis verurteilt, auf die alternative Geldstrafe verzichtete sie. Die umgerechnet 150 Euro hat nun eine regierungsnahe Journalistenvereinigung gezahlt, berichtet dieStandard.at. Ob das reicht, um das ramponierte Image der sudanesischen Regierung zu reparieren und ob das Kleidungsgesetz abgeschafft wird, bleibt fraglich.


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