Einträge mit dem Tag ‘Kindesmissbrauch’


Gegen den Backlash – kurz verlinkt

24. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft

Was verleitet Menschen dazu, Verfasserinnen von Social-Media-Beiträgen zu beleidigen? Wie gehen die betreffenden Frauen damit um und welche Maßnahmen für einen besseren Kommunikationsstil im Netz werden als sinnvoll erachtet? diestandard weiß mehr.

Ein Antrag einer der beiden inhaftierten Frauen der Punkband Pussy Riot auf Haftaufschub ist am Mittwoch von einem russischen Gericht abgelehnt worden.

Pola Kinski hat ihr Buch bei Talkmaster Reinhold Beckmann vorgestellt. Der Spiegel berichtet. Malestreammedialer Raum für Überlebende sexualisierter Gewalt ist selten – daher (mit entsprechender Contentwarnung) hier verlinkt.

Rosa Parks wird die erste afro-amerikanische Frau sein, die mit einer Statue im US-amerikanischen Kapitol vertreten ist (Text auf Englisch).

Teilnehmerinnen gesucht:Im Rahmen des aktuellen AVIVA-Projektes Lokale Geschichte(n) können jüdische und muslimische Frauen, insbesondere aus Berlin-Kreuzberg,  die Biographien jüdischer bzw. muslimischer Frauen (optimalerweise gegenseitig) aus dem Bezirk recherchieren und ihre eigene Reportage zu “ihrer” Frau verfassen.

DIE LINKE lobt anlässlich des Internationalen Frauentages 2013 zum dritten Mal den Clara-Zetkin-Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden. Die Mädchenmannschaft war letztes Jahr nominiert, gewonnen hatte das ebenfalls sehr tolle Projekt STAY.

Im Tagesspiegel schreibt Simone Dede Ayivi gegen den rassistischen Backlash in den Feuilletons an.

A propos Bücher: 21 Autorinnen, die mensch kennen sollte (hauptsächlich englischsprachig), stellt afriPOP vor (Text auf Englsich).

Typen, die sich selbst als “good guy” (einer von den Guten) bezeichnen, können s.e. smith gestohlen bleiben – bei xojane erklärt sie, warum (Text auf Englisch).

An Berliner Schulen ist Homophobie stark verbreitet, so eine aktuelle Studie.

Über den “empathy gender gap”, also das unterschiedlich ausgeprägte gegenseitige Einfühlunsgvermögen von männlich und weiblich sozialisierten Menschen, schreibt Maya Dusenbery bei Feministing. Und was das Problem dabei ist (Text auf Englisch).

Hip Hop ist eine reine Männerwelt und Frauen, die rappen, kann man an einer Hand abzählen? World Hip Hop Women: From The Sound Up beweist das Gegenteil, und stellt ein Mixtape kostenlos zum Download zur Verfügung.

Termine:

Am 25.1. in Düsseldorf: Becoming Queer Party im Rahmen des Togetherfests (hier das Facebook-Event)

Am 6.2. in Essen: Fortbildung Bitches, Quings und Mackertum: Geschlechterbilder vs. Gleichberechtigung im Hip Hop (hier das Facebook-Event)

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Keine Ahnung von Wissenschaft – die Wissenschaftsredaktion von ORF.at

21. Februar 2012 von Helga

Kausalität und Korrelation sind zwei ähnlich klingende Wörter. Das muss man den Redakteur_innen von science.ORF.at lassen. Die Bedeutung ist aber fundamental verschieden. Kausalität bedeutet, dass A die Ursache von B ist. Korrelation bedeutet, dass A ein Indikator für B ist. Gerade in einer Wissenschaftsredaktion sollte mensch sich dessen bewußt sein.

Bei science.ORF.at fehlt es anscheinend an diesem Basiswissen. Gepaart mit Sexismus kommt dann solch Mist wie heute heraus, der Opfern noch die Schuld in die Schuhe schiebt. Es geht um eine Studie, die sich mit Misshandlung von Kindern beschäftigt, die „geschlechteruntypisches“ Verhalten zeigen. Tatsächlich sind diese Kinder mehr psychologischem, physischem und sexuellem Missbrauch ausgesetzt, auch das Risiko einer post-traumatischen Belastungsstörung ist erhöht. Ge­schlechts­untypisches Verhalten sei ein Indikator für spätere Probleme, schreiben die Wissen­schaftler_innen in Pediatrics.

Wie lautet nun die Überschrift? „Mädchenspiele können Gesundheit gefährden“. Warum Mädchenspiele mit geschlechtsuntypischem Verhalten gleichgesetzt werden? Keine Ahnung, vielleicht die „männlich ist Standard“-Falle. Dabei sind Mäd­chen­spiele für Mädchen sogar völlig ungefährlich. Im Gegenteil, es geht um kein einziges Spiel, das die Gesundheit gefährdet – die Misshandlungen werden von Täter­_innen begangen, an den Kindern. Trotzdem schreibt der erste Absatz den Kindern und damit den Opfern noch einmal die Verantwortung zu:

Wenn Buben mit Puppen und Mädchen Indianer spielen, dann drehen sie nicht nur geläufige Stereotype um, sondern setzen damit auch ihre Gesundheit aufs Spiel. Denn sie bekommen von ihrer Umgebung so viel negatives Feedback, dass sich das massiv auf ihr Selbstbewusstsein auswirken kann.

Dass es sich dabei um Missbrauch und Misshandlung dreht, unterschlägt der Ausdruck „negatives Feedback“ leider auch. Sondern erweckt noch den Eindruck, wenn sie sich nur „normal“ verhalten würden, könnten sich die Kinder schützen. Ob geschlechtsuntypisches Verhalten eine Reaktion auf Missbrauch ist oder in ihn auslöst, ist allerdings ungeklärt. Und selbst wenn es letzteres ist, liegt die Schuld immer noch bei den Täter_innen.

Mit ihrer Forschung wollen die Wissenschaftler_innen übrigens das Risiko für Kinder minimieren, die Geschlechterstereotypen nicht entsprechen – die Redaktion von ORF.at macht Ihnen das Leben leider nur noch schwerer.


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Echte Kerle

29. April 2011 von Gastautor_in

Patrick Pricken kann sich schlecht einschränken. Darum bloggt er über Politik, Religion, Gesellschaft, Sexualität, kritisches Denken, Bücher, Filme und rezensiert nebenher noch Twilight und Biokrieg kapitelweise. Beeinflusst werden die Beiträge durch seine Vorliebe für Wissenschaft und Skepsis und seine ideologischen Wurzeln im Humanismus und Feminismus. Einen direkten Bezug zu letzterem gab es bei der Kampagne der DNA-Stiftung, deren Name sich von Demi Moore (D) und (N) Ashton Kutcher (A) ableitet. Die Stiftung hat Filme mit prominenten Kerlen gedreht, um auf Zwangsprostitution von Minderjährigen und Menschenhandel aufmerksam zu machen, und dazu ganz tief in die Stereotypenkiste gegriffen. Aber seht selbst:

Habt ihr am Ende auch gestutzt?

Das ist ein Film der DNA-Stiftung von Demi Moore und Ashton Kutcher, die sich mit einer ganzen Reihe solcher Videos gegen sexuelle Ausbeutung und den Handel von Minderjährigen einsetzen. Ein weiteres Beispiel:

Ich halte diese Filme für ziemlich misslungen.

Erstens ist der vermeintliche Humor viel zu weit von der Botschaft entfernt. »Echte Kerle kaufen keine Mädchen« kommt wie aus dem Nichts und ergibt auch im Nachhinein nicht wirklich Sinn. Hier ist das Konzept zu weit getrieben wurden.

Zweitens habe ich hier ein ähnliches Problem wie bei dem Old-Spice-Typen: es wird ein ganz bestimmter Stereotyp von Männlichkeit gefeiert, der Bier trinkt, das Bügeleisen für Sandwiches missbraucht und ansonsten nur hart und cool und unnahbar ist. Das ist ein schädlicher Stereotyp, der nichtsdestotrotz positiv besetzt ist. Hier werden keine Bilder ironisiert, sondern hier sollen Typen vor dem Bildschirm »Fuck Yeah« sagen, weil diese Männlichkeit erstrebenswert ist. Männer sollen so sein und Frauen sowas wollen. Anders als bei Old Spice finde ich es aber noch problematischer, diese Stereotypen mit Sexhandel zu verknüpfen.

Drittens ist das Thema von Prostitution leider nicht dasselbe wie Vergewaltigung. Bei Vergewaltigungen wird gerne den Überlebenden gesagt, sie sollten vorsichtiger sein. Dort habe ich begrüßt, wenn sich Kampagnen mal gegen die Täter richten. Bei Prostitution aber sind die Freier in meinen Augen ohnehin oft die Schuldigen. Hier wäre es vielleicht angebrachter, mal die systemischen Bedingungen zu beleuchten, wie man das ja auch mit Rape Culture (ansatzweise) tut. Vor allem stört mich, dass dieselbe Begründung eben auch bei Prostitution mit Erwachsenen verwendet wird, und dass Organisationen gegen Menschenhandel (vor allem in den USA) gerne jede Form von Prostitution über einen Kamm scheren und jeder Frau im Sexgewerbe nur eine Opferrolle zusprechen und kein Mitspracherecht. Darum finde ich »Real Men don’t Rape« angemessener als »Real Men don’t buy Girls« – zumal bei der ersteren Kampagne eben nicht die typischen Rollenklischees transportiert werden.

Gleichzeitig weiß ich aber, dass auch in der legalen Prostitution immer mehr junge Gesichter nachgefragt werden und entsprechend auch minderjährige oder gerade nicht mehr minderjährige Mädchen und Frauen ins Land geschleust werden, um den zahlenden Männern dienlich zu sein. Und gegen diese abgefuckte Situation muss man etwas tun. Ich bin theoretisch pro Prostitution, wenn es wirklich mehr oder weniger freie Entscheidungen sind, die in dieses Geschäft führen, aber in der Realität ist das leider lange nicht der Regelfall. Dadurch wird der Fehlschlag dieser sicher teuren Werbekampagne aber noch schmerzhafter.

(Dieser Text erschien ursprünglich auf p-pricken.de.)


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Trotz allem

9. Juli 2009 von Helga

StoppschildStatt einer Webseite mit Kinderpornografie soll künftig ein Stoppschild im Internet zu sehen sein. So erklärte es Familienministerin Ursula von der Leyen in mittlerweile unzähligen Pressekonferenzen. Im Internet schlugen die Wellen dabei hoch wie nie zuvor. Die Petition gegen das Zugangserschwerungsgesetz erreichte mit 134.000 Unterzeichnern einen neuen Rekord. Am 18. Juni nahm der Bundestag einen Vorschlag an, der deutlich vom ursprünglichen Gesetzesvorschlag abweicht. Vorgesehen ist, dass das BKA eine Sperrliste erstellt und diese an Internetprovider mit mehr als 10.000 Kunden weitergibt. Die Provider müssen daraufhin den Zugang zur Seite erschweren, Stoppschilder aufstellen und anonymisierte Zugriffsstatistiken an das BKA zurückschicken. Überprüft werden soll die Liste von ein Gremium mit fünf Experten, wobei mindestens drei die Befähigung zum Richteramt haben müssen.

Der Verein Trotz Allem, der sich um Frauen mit sexualisierten Gewalterfahrungen kümmert, wandte sich nach der Verabschiedung mit einem offenen Brief an von der Leyen:

Entgegen aller Experten Meinungen haben Sie es geschafft ein unnützes und sinnloses Gesetz durchzuboxen.
Ihre Aussage „das wollen wir nicht sehen”, ist sehr wohl bei uns angekommen. Aber als Familienministerin ist es Ihre Verantwortung und Ihre Pflicht genau dort hinzusehen und alles in Ihrer Macht stehende zu tun sexualisierte Gewalt an Kindern zu verhindern.

Der Verein hatte seine Meinung bereits im Mai in einem offenen Brief (PDF) dargelegt. Sie argumentieren, dass niemand zufällig auf den Seiten lande und die meisten völlig anders organisiert seien. Außerdem lassen sich die Sperren leicht umgehen lassen und, einmal vom Seiteninhaber entdeckt, diesen nur warnen. Schließlich stünde die betroffenen Server in Ländern mit Gesetzen gegen Kinderpornografie und die Auswertung der Zensurlisten anderer Länder habe ergeben, dass auch viele andere, legale Seiten gesperrt werdn. Trotz allem e.V. stellte daher folgende Forderungen:

  • Die Seiten sollen nicht gesperrt, sondern vom Netz genommen werden
    Opferschutz muss immer vor Täterschutz gehen – Internetseiten sperren heißt Täterschutz!
  • Polizei und BKA müssen mehr und gut ausgebildetes Personal bekommen, um die Täter zu ermitteln
  • Es muss mehr Geld für Präventionsarbeit zur Verfügung gestellt werden
    Wir brauchen qualifizierte Pädagogen/-innen, Therapeuten/-innen und Schulsozialarbeiter/-innen
    Personelle Verstärkung insbesondere auch für die Jugendämter
  • Erhöhung des Strafmaßes für Täter
  • Dass die Bundesregierung tatsächlich über keinerlei Kenntnisse zu den Länderstandorten oder dem Ausmaß der kommerziellen Verbreitung verfügt, ergab im Juni eine Anfrage der FDP-Fraktion. Der Verein Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (MOGIS), der sich gegen die Verwendung des Begriffs Kinderpornographie wendet und “dokumentierten Kindesmissbrauch” vorzieht, hat ferner die polizeiliche Kriminalstatistik von 2009 ausgewertet:

    Am erfreulichsten ist folgender Fakt: Trotz erhöhten Ermittlungsdruckes ist die Fallzahl für die Straftat 1316 “schwerer sexueller Kindesmissbrauch zur Herstellung und Verbreitung” im Jahr 2008 auf 81 Fälle gesunken (von 103 im Jahr 2007).


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