Einträge mit dem Tag ‘Kinder’


Glorifizierte Väter und tote Frauen in Musikvideos

12. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 61 von 152 der Serie Kurz notiert

Feministing berichtet wieder einmal vom Dreier schlechthin – Biologismus, Sexismus und Heteronormativität: Der Geruch von weiblichen Tränen soll den Testosteron-Spiegel von Männern sinken lassen, so eine neueste Studie. Nicht nur das: Weil Männer triebgesteuerte Wesen sind, die nur über Hormone zur Interaktion befähigt werden, wollen sie im Angesicht tränenreicher Frauen auch gleich keinen Sex mehr. Also Ladys, wenn ihr mal wieder kein Bock auf ‘ne schnelle Nummer mit ihm habt, einfach losflennen. </ironie off>

In der Huffington Post appelliert Joanne Herman dafür, bereits in der Schule Kinder und Jugendliche an Trans*Konzepte beziehungsweise Transsexualität heranzuführen, um ihnen eine freiere Wahl bezüglich ihres Genders und gegebenenfalls Geschlechtes zu ermöglichen und bereits trans* lebende junge Menschen zu empowern. Kritik an diesem Vorhaben übt Alex vom Bilerico-Project.

Dass Kindererziehung noch immer keine gleichberechtigte Aufgabe im Leben einer heterosexuellen Familie ist, ist keine Überraschung. Überraschend hingegen ist der Pathos, der ganze Artikel begleitet, wenn über Väter in Elternzeit berichtet wird, als sei die von Männern temporär geleistete Reproduktionsarbeit etwas, was mensch auf einen Podest stellen müsste. Melanie Rühl von der FAZ schien sich an ihrem Reportageobjekt offenbar nicht sattsehen und -schreiben zu können.

Vergangenen Sommer schrieben wir über die Geschlechtertrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln Jerusalems. Diese wurde nun vom Obersten Gerichtshof Israels für illegal erklärt, weiß dieStandard.at.

Nepal will laut Nachrichtenagentur AFP seinen Einwohner_innen bei der nächsten Volkszählung neben des obligatorischen Mann-Frau-Default auch Transgender zur Selbstbestimmung des Geschlechtes anbieten. Auch Indien soll 2011 eine Volkszählung mit sogenannter “third gender category” planen. Dies wurde aus Regierungskreisen allerdings noch nicht bestätigt.

Die Frauen in Kanye Wests neuem Musikvideo sind attraktive Leichen, derer sich die männlichen Protagonisten ganz selbstverständlich bemächtigen dürfen. Frauenfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt findet Melinda Tankard Reist allerdings überhaupt nicht sexy und fordert ihre Leser_innen dazu auf, eine entsprechende Petition mitzuzeichnen.

Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist erreicht. Ein Kampf dafür also obsolet. Wie lange haben sich Feminist_innen solche Sätze schon auf der Zunge zergehen lassen müssen? Laurie Penny analysiert auf NewStatesman den Mythos des Gleichberechtigungsmythos.

In seinem monatlichen Bericht über sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit fokussiert Gender Across Borders dieses Mal die jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zum Recht auf Abtreibung.

Erfolg für LGBT*-Aktivist_innen in den USA: Demnächst sollen auf allen Anträgen für Reisepässe Hinweise auf das Geschlecht der Eltern entfernt werden, um den verschiedenen Formen familiären Zusammenlebens Rechnung zu tragen, heißt es bei der Washington Post. Antragssteller_innen müssen also nicht mehr zwingend einen weiblichen und einen männlichen Elternteil angeben. Unklar ist noch, ob diese Änderung auf alle staatlichen Dokumente ausgeweitet wird.

Das Kinderhilfswerk Plan fordert die Vereinten Nationen auf, den 22. September zum Internationalen Mädchentag zu erklären. Hier könnt ihr die entsprechende Petition mitzeichnen und die zivilgesellschaftliche Organisation bei ihrem Vorhaben unterstützen.

Queer/feministische Termine für diese und nächste Woche findet ihr in unserer Übersicht für Januar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen, etc. mit herrschaftskritischem und emanzipatorischem Anspruch. Veranstaltungshinweise bitte mit Link an post[ät]maedchenmannschaft[punkt]net, auf unsere Facebook-Wall oder per Twitter an @grrrls_team.


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Homophobie im Rap, beim Fußball und in der CDU

23. Dezember 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 59 von 152 der Serie Kurz notiert

Einen Podcast mit der queer/feministischen Rapperin Sookee über HipHop, Sexismus, Homophobie aber auch progressiven Beispielen in der Rap-Musik findet ihr auf dem Ficko-Magazin.

Katar soll die Männerfußball-WM 2022 ausrichten. Homosexualität ist in Katar verboten und steht unter Strafe. Fifa-Präsident Joseph Blatter gibt lesbischen und schwulen Fans (bzw. den Spielern) gute Ratschläge zu diesem Problem: Abstinenz.

Über erste Erfolge der britischen Pink-stinks-Kampagne könnt ihr im Freitag lesen.

Ekelhaft: Unionsfraktionschef Kauder sagte in einem Interview mit der Berliner Zeitung, dass er nicht glaube, dass Kinder sich wünschten, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen. Die partnerschaftliche Verbindung von Homophobie und Populismus sorgt allerdings berechtigterweise für Kritik.

Das Gunda Werner Institut der Heinrich Böll Stiftung veröffentlichte ein Essay von Gitti Hentschel: “Friedens- und Sicherheitspolitik braucht Geschlechteranalysen”.

Auch in den USA wird Netzneutralität auf feministischen Seiten wie feministing.com diskutiert.


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Es ist rosa, es glitzert und Jungen mögen es auch!

18. Oktober 2010 von Helga

Eine wirklich schöne Geschichte hat Jezebel gerade vorgestellt. In der US-amerikanischen TV-Show new day war Familie Kilodavis zu Gast, deren jüngster Sohn Dyson am liebsten Kleider trägt, sowie alles was glitzert. Während es für Mädchen noch relativ einfach ist, Jungensachen zu machen, ist es umgekehrt fast unmöglich. Dass „Du Mädchen“ so zum Schimpfwort wird, ist eines der traurigen Symptome. Trotz aller Kritik und Anfeindungen ermöglichen Dysons Eltern es ihm aber, sich auszuprobieren und geschlechtsspezifische Vorgaben hinter sich zu lassen.

Im folgenden Video berichtet etwa seine Lehrerin, wie sich selbst die „Macho“-Lehrer der Schule als Ballettänzerinnen verkleidet haben, um Dyson zu unterstützen. Seine Mutter hat inzwischen ein Buch geschrieben, „My Princess Boy“, in dem sie von ihren Erfahrungen berichtet und sich gegen Mobbing einsetzt. Taschentücheralarm ist spätestens dann angesagt, wenn Dysons großer Bruder Dkobe erzählt, dass er erst Angst hatte, sein Bruder könne gehänselt werden. Für ihn sei es aber wichtiger, dass Dyson glücklich wird, dann sei er auch glücklich.

Wie Jezebel-Kommentatorin tattooedjunecleaver anmerkt, bedeutet eine Vorliebe für rosa Kleider und Glitzer zunächst einfach eine Vorliebe für rosa Kleider und Glitzer, nicht mehr. Doch das Ignorieren von Geschlechterkonventionen ist bis heute schwierig. So berichtete die FAZ gerade über eine Frankfurter Boutique, in der Männer Frauenkleidung und -schminke ausprobieren können, so etwa Monika:

Wichtig sei ihm vor allem, möglichst wenig aufzufallen, möglichst authentisch wie eine Frau auszusehen, sagt der 65 Jahre alte Mann. Mit Sexualität oder Homosexualität habe dieser Wunsch nichts zu tun, manchmal fühle er sich als Frau einfach wohler.

Seine Ehefrau konnte mit diesem Wunsch nichts anfangen, wie wohl die meisten Deutschen. Aber vielleicht sind Dyson Kilodavis und seine Familie ein Zeichen einer neuen, offeneren Zeit. Es wäre schön.


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Aktivismus, Bravo, Sex, Kinderbekleidung, schwule Männer, Rabenmütter und Steinigung im Iran

12. August 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 55 von 152 der Serie Kurz notiert

Jessica Valenti schreibt über ein wichtiges Thema: Wie viel ist uns feministischer Aktivismus wert?

Die Jungle World hat eine Analyse zur Darstellung von Homosexualität in der Jugendzeitschrift “Bravo”.

Schwule Männer sind auch heute noch vom Blutspenden ausgeschlossen, weil sie zu einer HIV-Risikogruppe gehören, berichtet Tagesschau.

Auf feministe findet ihr einen ausführlichen und persönlichen Beitrag zum Thema “sluthood” (“Schlampentum”), der mit vielen der gängigen Mythen und Vorurteilen aufräumt.

Auf Heise gibt es einen Bericht zum Thema “Rabenmütter

Eine amerikanische Studie nimmt arbeitenden Müttern von Kleinkindern das schlechte Gewissen: Selbst wenn Kinder schon unter einem Jahr außerhalb betreut werden, gebe es keine nachteiligen Effekte auf die Entwicklung.

Anne Roth macht auf eine Kolumne von Mely Kiyak aufmerksam, die sich in die Situation einer Frau versetzt, die zur Steinigung verurteilt worden ist. Es geht um Sakineh Ashtiani, der im Iran Ehebruch vorgeworfen wird, wofür sie im Mai 2006 erstmalig verurteilt wurde. Eine weltweite Protestkampagne hatte die Hinrichtung im Juli 2010 verhindert. Das Todesurteil wurde jedoch noch nicht aufgehoben – die Petition könnt ihr hier unterschreiben.

Sociological Images freut sich über ein Geschäft, das geschlechtsneutrale Kleidung für Kinder anbietet.


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Wissenschaftler sind auch nur Menschen (und manchmal weiblich)

25. Juni 2010 von Helga

In dem US-amerikanischen Projekt Drawings of Scientists zeichnen Siebt­klässler­_innen Bilder von Wissenschaftler_innen vor und nach dem Besuch des Fermilabs, eines Forschungszentrums für Teilchenphysik. Außerdem beschreiben sie ihre Erwartungen, bzw. ihr Einstellung nach dem Besuch.

Von einem Kind gezeichnete Bilder mit einer Beschreibung in Englisch darunter- Links das *vorher* Bild eines Mannes in weißem Laborkittel mit schwarzer rechteckiger Brille und Erlenmeyerkolben in der Hand | Rechts das *nachher* Bild einer Frau in rosa Pulli und lila Hose mit kinnlangen braunen Haaren und pinkem Lippenstift

So beschrieben viel mehr Kinder Wissenschaftler_innen als „normale Personen” nach dem Besuch und die Anzahl der Laborkittel verringerte sich gewaltig. Außerdem gab es noch einen weiteren Effekt, berichtete das Blog Restructure!:

  • Among girls (14 in total), 36% portrayed a female scientist in the “before” drawing, and 57% portrayed a female scientist in the “after” drawing.
  • Among boys (17 in total), 100% portrayed a male scientist in the “before” drawing, and 100% portrayed a male scientist in the “after” drawing.

Unter den Mädchen erhöhte sich der Anteil der gezeichneten Wissenschaftlerinnen von rund einem Drittel auf über die Hälfte aller Zeichnungen. Die Jungen zeichneten durchweg Wissenschaftler, vorher wie nachher. Diese (unwissenschaftlichen) Ergebnisse decken sich mit denen einer britisch-australischen Studie, die Sechs- bis Achtjährige untersuchte. Auch dort zeichneten Jungen niemals Wissen­schaftler­innen, Mädchen äußerst selten und bei die meisten Kinder zeichneten Weiße, selbst wenn sie es selbst nicht waren.

Von einem Kind gezeichnete Bilder - Links das *vorher* Bild eines Mannes in weißem Laborkittel mit schwarzer Brille und Erlenmeyerkolben mit giftgrüner in der Hand | Rechts das *nachher* Bild einer Frau in blauem Pulli und schwarzer Hose mit schulterlangen braunen Haaren

Ob das Bild des weißen, etwas älteren, verrückten Wissenschaftlers tatsächlich Auswirkungen hat auf das Interesse von Kindern an der Wissenschaft, bleibt erstmal ungeklärt. Auch ob die Kinder sich tatsächlich niemand anderes darunter vorstellen oder bewußt auf das Klischee zurückgreifen ist umstritten. Ein spannendes Experiment schlägt Geek Feminism-Kommentator_in maggie vor:

I suspect that if they were asked to draw a nurse, the boys would all draw females. It would be interesting to see if they took a field trip to a hospital with a lot of male nurses working, if they would continue to draw the nurse as female.

Auf Deutsch: Ich denke, dass die Jungen alle Frauen zeichnen würden, wenn sie gebeten werden, Krankenschwestern zu zeichnen. Es wäre interessant zu sehen, ob sie weiterhin Frauen zeichnen, wenn sie ein Krankenhaus besucht haben, in dem eine Menge männlicher Krankenpfleger arbeiten.


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Schnipp, schnapp, Klitoris ab

21. Juni 2010 von Helga

Gerade haben wir noch einmal auf die Kampagne von Terre des Femmes hingewiesen, die sich für bessere medizinische Versorgung beschnittener Frauen einsetzen. Dass Operationen im weiblichen Genitalbereich nicht nur in vermeintlich rückständigen Ländern vorgenommen werden, beweist eine Studie aus den USA. Dort publizierten Ärzt_innen die Ergebnisse ihrer Forschung von Klitorisreduktionen an kleinen Mädchen, dabei ist ein Detail gruseliger als das andere.

Bereits die Krankheit, die behandelt werden soll, ist umstritten. Bei der sogenannten Klitorishypertrophie ist die Klitoris „ungewöhnlich groß oder penisähnlich” – schon die Abgrenzung von normal und krankhaft ist nicht klar und liegt eher im Ermessen des Betrachters. In den meisten Fällen ist sie ein Symptom eines intersexuellen Syndroms. Physische Beeinträchtigungen aufgrund einer großen Klitoris sind allerdings sehr selten, als Grund für die Reduktion wird daher meist die mögliche psychische Beeinträchtigung der Mädchen während ihrer Entwicklung angeführt. Dabei überschätzen Eltern und Ärzt_innen aber die unter Kindern stattfindenden Doktorspiele, denn bisher gibt es keine Belege für derartige negative Folgen.

Wohl aber, dass die Operationen die Mädchen traumatisieren und selbst die neuen, „weniger invasiven und nervenerhaltenden” Methoden mehr zerstören als helfen. Wie bei Genitalverstümmelungen drohen regelmäßige Infekte, Inkontinenz und Probleme beim Sex. Ästhetik, Angst vor sozialer Ausgrenzung aufgrund gesellschaftlich-traditioneller Vorgaben und Beharren auf der Unbedenklichkeit der Prozedur – die Beweggründe sind ebenfalls die gleichen. Die Abgrenzung von guten Reduktionen und schlechter Verstümmelung beruht mehr auf wir versus die.

In der bereits 2007 erschienen aber nun erstmals kritisch beleuchteten Studie wurde dann ein noch höheres(!) Level an medizinischer Fragwürdigkeit erreicht. Darin beweisen die Forscher_innen die „Harmlosigkeit” einer neuen Reduktionstechnik, bei der die Spitze der Klitoris abgetrennt und nach der Reduktion des Schaftes wieder aufgenäht wird. Zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit wurde den Mädchen anschließend mit Fingernägeln, Q-Tips und Minivibratoren an der Klitoris und dem weiteren Intimbereich herumgedrückt, um den Blutfluss und das „Gefühl” zu überprüfen. Ein Vorgang, der auch noch jährlich wiederholt werden soll. Mit dem Etikette „Forschung” werden auf einmal Vorgänge salonfähig, die ansonsten unter sexuellen Missbrauch fallen.

Als ob dies alles noch nicht schlimm genug wäre, fielen den Kritikerinnen Alice Dreger und Ellen K. Feder noch weitere Probleme auf: So klärte man die Eltern der Studienteilnehmerinnen vermutlich nicht über die möglichen negativen Folgen auf, sondern empfahl die Reduktionen entgegen aller Forschungsergebnisse als Mittel, die gesunde Entwicklung zu gewährleisten. Schließlich fehlte auch noch die Erlaubnis des Institutional Review Boards (IRB), das Forschungsprojekte auf ihre ethische Unbedenklichkeit abklopft. Ein Umstand der zumindest diese unglaubliche Studie erklärt. Darüber hinaus ein Anstoß, medizinische Praktiken stärker kritisch zu hinterfragen und die eigene Vorurteile zu überprüfen.


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Es geht ums Geld, Kinder. Ums Geld.

3. Dezember 2009 von Helga

Bisher hieß es häufig, Frauen seien weniger risikofreudig als Männer bei der Geldanlage oder investierten es einfach mehr in Schuhe. Eine neue Studie zeigt, dass die Gründe dafür nicht biologisch sind.

Vielmehr haben Frauen oft weniger Einkommen und Vermögen. „Bei gleichen finanziellen Grundvoraussetzungen zeigen Männer und Frauen die gleiche Neigung zu riskanten Anlageprodukten“, sagt Nataliya Barasinska, Mit-Autorin der Studie. […] oft sind gerade riskantere Anlagemöglichkeiten erst dann sinnvoll, wenn ein gewisser Kapitalbetrag eingesetzt wird – das liegt etwa an hohen Gebühren zur Depotführung und am hohen Nominalwert vieler Wertpapiere.

Teilzeitarbeit, Karriereaussetzer, eine letzte unerklärte Lücke, aber die Unterschiede im Geldbeutel beginnen bereits im Kindesalter. Jungen erhalten mehr Taschengeld als Mädchen, berichtet die Zeit.

Während Jungs durchschnittlich 19,08 Euro im Monat bekommen, müssen sich Mädchen im Schnitt mit 16,13 Euro begnügen.


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Hilfe, die Prinzessinnen kommen

7. Oktober 2009 von Helga

Lange war die Simpsons-Folge mit geschlechtergetrenntem Mathe-Unterricht, bei dem die Mädchen mehr über ihre Gefühle, denn über Arithmetik lernten, nur Fiktion. Jetzt ist es endlich soweit: Kleine Jungen und Mädchen in Deutschland können endlich “geschlechtergerechte” Diktate schreiben. Wie taz.de berichtet gibt es die neuen Lernbücher des Pons-Verlags in zwei Auflagen.

“Weil Mädchen anders lernen”, prangt es in rosa auf dem neuen Lernhilfebuch. […] Auf dem Cover sieht man zwei feenhafte Mädchen mit Engelskostüm und goldener Krone, die sich kichernd umarmen. Für Jungs gibt es eine separate Edition: in blau, auf der ein Foto von sechs kleinen Kerlen zu sehen ist, mit schmutzigen Knien und Fußball in der Hand.

Und weil rosa noch nicht genug ist, drehen sich die “Mädchen-Aufgaben” um Meerjungfrauen und Prinzessinnen. Motivation und Konzentration von Mädchen werden gefördert durch Aufgaben wie “Wörter zaubern” und “Regenbogenwörter schreiben”. Ob es sich bei letzterem um Haupt-, Tu- oder Phantasiewörter handelt bleibt unklar. Dass Jungs in den Mädchenbüchern kaum vorkommen, ist da die kleinste Überraschung. Wenn doch, wird es richtig übel:

Im rosa Mädchenbuch für Diktate will ein Mädchen nicht mehr mit “Puppen spielen”. Sie nimmt sich einen Fußball und schießt ein Tor. Doch: “Dann kommt Bianca mit einem Malbuch. Schnell wird Anna wieder zum Mädchen.”

Will man damit der steigenden Beliebtheit von Mädchenfußball Rechnung tragen? Einige Geschichten kommen immerhin in beiden Ausgaben vor. Nicht ohne sich ein weiteres Mal zu blamieren…

“Nina zieht in der Halloweennacht mit seinen (sic) drei Freunden von Haus zu Haus.”


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Und da war das Kind weg

27. Juni 2009 von Helga

Nicht erst seit der Tode von Kevin und Lea-Sophie nehmen die Jugendämter Eltern mit Problemen die Kinder öfter weg, berichtet Zeit.de. Von der Politik wird dies als Erfolg gefeiert, inzwischen habe sich eine “Kultur des Hinschauens” etabliert. Doch nicht alle sind dieser Meinung:

Seit Jahren weisen Sozialarbeiter auf die stetige Zunahme familiärer Notlagen und Krisen hin und fordern, darauf mit dem Ausbau präventiver Hilfen zu reagieren. Das Gegenteil geschieht, jedenfalls in armen Kommunen. Gerade dort, wo es aufgrund der Bevölkerungsstruktur am nötigsten wäre, können sich die Kommunen keine gut ausgestattete Jugendhilfe leisten.

So gibt es heute nur noch wenig Geld für präventive Maßnahmen, außerdem trauen sich immer weniger Eltern, diese in Anspruch zu nehmen, aus Angst, ihre Kinder zu verlieren. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz und am schlechtesten stehen am Ende die Kinder da.

Inobhutnahmen und Sorgerechtsentzüge sind gravierende Eingriffe in das Leben von Familien. Für alle Beteiligten und besonders für die Kinder bedeuten sie eine traumatische Erfahrung, selbst wenn sie ihrem Schutz dienen. Und was wird dann aus diesen Kindern? Die allermeisten kehren doch in ihre Familien zurück und dann werden endlich ambulante Hilfen gewährt, nicht zuletzt auch, um die hohen Kosten einer längeren Unterbringung zu vermeiden.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Jugendämter zu wenig Personal haben. Wird der Rotstift angesetzt, sind Erziehungshilfen trotzdem immer die ersten Streichkandidaten.

Über ihre Erlebnisse in einem Familienzentrum berichtet auf Zeit.de Elisabet Cantero.


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Warum lieb sein nichts bringt

6. Mai 2009 von Helga

Ganze vier Jahre waren sie lieb und nett, geändert hat sich nichts. Nun haben die deutschen Erzieherinnen Nase gestrichen voll und gehen auf die Straße, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Tausende Erzieherinnen und einige Erzieher werden einem Aufruf von ver.di und GEW folgen und in den Warnstreik gehen. Bei gleichbleibender Bezahlung wird das Anforderungsprofil an ihren Beruf wird immer anspruchsvoller. Auf der einen Seite sollen die Kinder schon vor der Schule anfangen zu lernen, auf der anderen Seite erfordern Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten eine differenzierte Betreuung. Mehr arbeitende Mütter werden in Zukunft mehr Kitaplätze brauchen, nicht zuletzt dank der neuen Unterhaltsgesetzgebung.

Erzieherin ist dabei ein “typisch weiblicher” Dienstleistungsberuf: viele Teilzeitkräfte, schlechte Bezahlung, die körperliche Anstrengung wird unterschätzt und die Beschäftigten machen bisher alles mit. Doch Angepassheit hat noch nie weitergeholfen.

Die Erzieherinnen, die jahrzehntelang sehr brav waren, sind inzwischen kämpferisch. Mehrere Tausend traten in den vergangenen zwei Jahren in die Gewerkschaften ein; als einzige DGB-Gewerkschaft verzeichnete die GEW deshalb sogar einen Mitgliederzuwachs.

Die Arbeitgeber beklagen nun, die Streiks kämen überraschend und man hätte sich nicht einmal abstimmen können. Deutlicher kann man kaum zugeben, dass man vier Jahre lang geschlafen hat.


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