Einträge mit dem Tag ‘Kinder’


Wissenschaftler sind auch nur Menschen (und manchmal weiblich)

25. Juni 2010 von Helga

In dem us-amerikanischen Projekt Drawings of Scientists zeichnen Siebtklässler_innen Bilder von Wissenschaftler_innen vor und nach dem Besuch des Fermilabs, eines Forschungszentrums für Teilchenphysik. Außerdem beschreiben sie ihre Erwartungen, bzw. ihr Einstellung nach dem Besuch.

Von einem Kind gezeichnete Bilder mit einer Beschreibung in Englisch darunter- Links das *vorher* Bild eines Mannes in weißem Laborkittel mit schwarzer rechteckiger Brille und Erlenmeyerkolben in der Hand | Rechts das *nachher* Bild einer Frau in rosa Pulli und lila Hose mit kinnlangen braunen Haaren und pinkem Lippenstift

So beschrieben viel mehr Kinder Wissenschaftler_innen als „normale Personen” nach dem Besuch und die Anzahl der Laborkittel verringerte sich gewaltig. Außerdem gab es noch einen weiteren Effekt, berichtete das Blog Restructure!:

  • Among girls (14 in total), 36% portrayed a female scientist in the “before” drawing, and 57% portrayed a female scientist in the “after” drawing.
  • Among boys (17 in total), 100% portrayed a male scientist in the “before” drawing, and 100% portrayed a male scientist in the “after” drawing.

Unter den Mädchen erhöhte sich der Anteil der gezeichneten Wissenschaftlerinnen von rund einem Drittel auf über die Hälfte aller Zeichnungen. Die Jungen zeichneten durchweg Wissenschaftler, vorher wie nachher. Diese (unwissenschaftlichen) Ergebnisse decken sich mit denen einer britisch-australischen Studie, die Sechs- bis Achtjährige untersuchte. Auch dort zeichneten Jungen niemals Wissenschaftlerinnen, Mädchen äußerst selten und bei die meisten Kinder zeichneten Weiße, selbst wenn sie es selbst nicht waren.

Von einem Kind gezeichnete Bilder - Links das *vorher* Bild eines Mannes in weißem Laborkittel mit schwarzer Brille und Erlenmeyerkolben mit giftgrüner in der Hand | Rechts das *nachher* Bild einer Frau in blauem Pulli und schwarzer Hose mit schulterlangen braunen Haaren

Ob das Bild des weißen, etwas älteren, verrückten Wissenschaftlers tatsächlich Auswirkungen hat auf das Interesse von Kindern an der Wissenschaft, bleibt erstmal ungeklärt. Auch ob die Kinder sich tatsächlich niemand anderes darunter vorstellen oder bewußt auf das Klischee zurückgreifen ist umstritten. Ein spannendes Experiment schlägt Geek Feminism-Kommentator_in maggie vor:

I suspect that if they were asked to draw a nurse, the boys would all draw females. It would be interesting to see if they took a field trip to a hospital with a lot of male nurses working, if they would continue to draw the nurse as female.

Auf Deutsch: Ich denke, dass die Jungen alle Frauen zeichnen würden, wenn sie gebeten werden, Krankenschwestern zu zeichnen. Es wäre interessant zu sehen, ob sie weiterhin Frauen zeichnen, wenn sie ein Krankenhaus besucht haben, in dem eine Menge männlicher Krankenpfleger arbeiten.


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Schnipp, schnapp, Klitoris ab

21. Juni 2010 von Helga

Gerade haben wir noch einmal auf die Kampagne von Terre des Femmes hingewiesen, die sich für bessere medizinische Versorgung beschnittener Frauen einsetzen. Dass Operationen im weiblichen Genitalbereich nicht nur in vermeintlich rückständigen Ländern vorgenommen werden, beweist eine Studie aus den USA. Dort publizierten Ärzt_innen die Ergebnisse ihrer Forschung von Klitorisreduktionen an kleinen Mädchen, dabei ist ein Detail gruseliger als das andere.

Bereits die Krankheit, die behandelt werden soll, ist umstritten. Bei der sogenannten Klitorishypertrophie ist die Klitoris „ungewöhnlich groß oder penisähnlich” – schon die Abgrenzung von normal und krankhaft ist nicht klar und liegt eher im Ermessen des Betrachters. In den meisten Fällen ist sie ein Symptom eines intersexuellen Syndroms. Physische Beeinträchtigungen aufgrund einer großen Klitoris sind allerdings sehr selten, als Grund für die Reduktion wird daher meist die mögliche psychische Beeinträchtigung der Mädchen während ihrer Entwicklung angeführt. Dabei überschätzen Eltern und Ärzt_innen aber die unter Kindern stattfindenden Doktorspiele, denn bisher gibt es keine Belege für derartige negative Folgen.

Wohl aber, dass die Operationen die Mädchen traumatisieren und selbst die neuen, „weniger invasiven und nervenerhaltenden” Methoden mehr zerstören als helfen. Wie bei Genitalverstümmelungen drohen regelmäßige Infekte, Inkontinenz und Probleme beim Sex. Ästhetik, Angst vor sozialer Ausgrenzung aufgrund gesellschaftlich-traditioneller Vorgaben und Beharren auf der Unbedenklichkeit der Prozedur – die Beweggründe sind ebenfalls die gleichen. Die Abgrenzung von guten Reduktionen und schlechter Verstümmelung beruht mehr auf wir versus die.

In der bereits 2007 erschienen aber nun erstmals kritisch beleuchteten Studie wurde dann ein noch höheres(!) Level an medizinischer Fragwürdigkeit erreicht. Darin beweisen die Forscher_innen die „Harmlosigkeit” einer neuen Reduktionstechnik, bei der die Spitze der Klitoris abgetrennt und nach der Reduktion des Schaftes wieder aufgenäht wird. Zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit wurde den Mädchen anschließend mit Fingernägeln, Q-Tips und Minivibratoren an der Klitoris und dem weiteren Intimbereich herumgedrückt, um den Blutfluss und das „Gefühl” zu überprüfen. Ein Vorgang, der auch noch jährlich wiederholt werden soll. Mit dem Etikette „Forschung” werden auf einmal Vorgänge salonfähig, die ansonsten unter sexuellen Missbrauch fallen.

Als ob dies alles noch nicht schlimm genug wäre, fielen den Kritikerinnen Alice Dreger und Ellen K. Feder noch weitere Probleme auf: So klärte man die Eltern der Studienteilnehmerinnen vermutlich nicht über die möglichen negativen Folgen auf, sondern empfahl die Reduktionen entgegen aller Forschungsergebnisse als Mittel, die gesunde Entwicklung zu gewährleisten. Schließlich fehlte auch noch die Erlaubnis des Institutional Review Boards (IRB), das Forschungsprojekte auf ihre ethische Unbedenklichkeit abklopft. Ein Umstand der zumindest diese unglaubliche Studie erklärt. Darüber hinaus ein Anstoß, medizinische Praktiken stärker kritisch zu hinterfragen und die eigene Vorurteile zu überprüfen.


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Es geht ums Geld, Kinder. Ums Geld.

3. Dezember 2009 von Helga

Bisher hieß es häufig, Frauen seien weniger risikofreudig als Männer bei der Geldanlage oder investierten es einfach mehr in Schuhe. Eine neue Studie zeigt, dass die Gründe dafür nicht biologisch sind.

Vielmehr haben Frauen oft weniger Einkommen und Vermögen. „Bei gleichen finanziellen Grundvoraussetzungen zeigen Männer und Frauen die gleiche Neigung zu riskanten Anlageprodukten“, sagt Nataliya Barasinska, Mit-Autorin der Studie. […] oft sind gerade riskantere Anlagemöglichkeiten erst dann sinnvoll, wenn ein gewisser Kapitalbetrag eingesetzt wird – das liegt etwa an hohen Gebühren zur Depotführung und am hohen Nominalwert vieler Wertpapiere.

Teilzeitarbeit, Karriereaussetzer, eine letzte unerklärte Lücke, aber die Unterschiede im Geldbeutel beginnen bereits im Kindesalter. Jungen erhalten mehr Taschengeld als Mädchen, berichtet die Zeit.

Während Jungs durchschnittlich 19,08 Euro im Monat bekommen, müssen sich Mädchen im Schnitt mit 16,13 Euro begnügen.


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Hilfe, die Prinzessinnen kommen

7. Oktober 2009 von Helga

Lange war die Simpsons-Folge mit geschlechtergetrenntem Mathe-Unterricht, bei dem die Mädchen mehr über ihre Gefühle, denn über Arithmetik lernten, nur Fiktion. Jetzt ist es endlich soweit: Kleine Jungen und Mädchen in Deutschland können endlich “geschlechtergerechte” Diktate schreiben. Wie taz.de berichtet gibt es die neuen Lernbücher des Pons-Verlags in zwei Auflagen.

“Weil Mädchen anders lernen”, prangt es in rosa auf dem neuen Lernhilfebuch. […] Auf dem Cover sieht man zwei feenhafte Mädchen mit Engelskostüm und goldener Krone, die sich kichernd umarmen. Für Jungs gibt es eine separate Edition: in blau, auf der ein Foto von sechs kleinen Kerlen zu sehen ist, mit schmutzigen Knien und Fußball in der Hand.

Und weil rosa noch nicht genug ist, drehen sich die “Mädchen-Aufgaben” um Meerjungfrauen und Prinzessinnen. Motivation und Konzentration von Mädchen werden gefördert durch Aufgaben wie “Wörter zaubern” und “Regenbogenwörter schreiben”. Ob es sich bei letzterem um Haupt-, Tu- oder Phantasiewörter handelt bleibt unklar. Dass Jungs in den Mädchenbüchern kaum vorkommen, ist da die kleinste Überraschung. Wenn doch, wird es richtig übel:

Im rosa Mädchenbuch für Diktate will ein Mädchen nicht mehr mit “Puppen spielen”. Sie nimmt sich einen Fußball und schießt ein Tor. Doch: “Dann kommt Bianca mit einem Malbuch. Schnell wird Anna wieder zum Mädchen.”

Will man damit der steigenden Beliebtheit von Mädchenfußball Rechnung tragen? Einige Geschichten kommen immerhin in beiden Ausgaben vor. Nicht ohne sich ein weiteres Mal zu blamieren…

“Nina zieht in der Halloweennacht mit seinen (sic) drei Freunden von Haus zu Haus.”


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Und da war das Kind weg

27. Juni 2009 von Helga

Nicht erst seit der Tode von Kevin und Lea-Sophie nehmen die Jugendämter Eltern mit Problemen die Kinder öfter weg, berichtet Zeit.de. Von der Politik wird dies als Erfolg gefeiert, inzwischen habe sich eine “Kultur des Hinschauens” etabliert. Doch nicht alle sind dieser Meinung:

Seit Jahren weisen Sozialarbeiter auf die stetige Zunahme familiärer Notlagen und Krisen hin und fordern, darauf mit dem Ausbau präventiver Hilfen zu reagieren. Das Gegenteil geschieht, jedenfalls in armen Kommunen. Gerade dort, wo es aufgrund der Bevölkerungsstruktur am nötigsten wäre, können sich die Kommunen keine gut ausgestattete Jugendhilfe leisten.

So gibt es heute nur noch wenig Geld für präventive Maßnahmen, außerdem trauen sich immer weniger Eltern, diese in Anspruch zu nehmen, aus Angst, ihre Kinder zu verlieren. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz und am schlechtesten stehen am Ende die Kinder da.

Inobhutnahmen und Sorgerechtsentzüge sind gravierende Eingriffe in das Leben von Familien. Für alle Beteiligten und besonders für die Kinder bedeuten sie eine traumatische Erfahrung, selbst wenn sie ihrem Schutz dienen. Und was wird dann aus diesen Kindern? Die allermeisten kehren doch in ihre Familien zurück und dann werden endlich ambulante Hilfen gewährt, nicht zuletzt auch, um die hohen Kosten einer längeren Unterbringung zu vermeiden.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Jugendämter zu wenig Personal haben. Wird der Rotstift angesetzt, sind Erziehungshilfen trotzdem immer die ersten Streichkandidaten.

Über ihre Erlebnisse in einem Familienzentrum berichtet auf Zeit.de Elisabet Cantero.


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Warum lieb sein nichts bringt

6. Mai 2009 von Helga

Ganze vier Jahre waren sie lieb und nett, geändert hat sich nichts. Nun haben die deutschen Erzieherinnen Nase gestrichen voll und gehen auf die Straße, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Tausende Erzieherinnen und einige Erzieher werden einem Aufruf von ver.di und GEW folgen und in den Warnstreik gehen. Bei gleichbleibender Bezahlung wird das Anforderungsprofil an ihren Beruf wird immer anspruchsvoller. Auf der einen Seite sollen die Kinder schon vor der Schule anfangen zu lernen, auf der anderen Seite erfordern Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten eine differenzierte Betreuung. Mehr arbeitende Mütter werden in Zukunft mehr Kitaplätze brauchen, nicht zuletzt dank der neuen Unterhaltsgesetzgebung.

Erzieherin ist dabei ein “typisch weiblicher” Dienstleistungsberuf: viele Teilzeitkräfte, schlechte Bezahlung, die körperliche Anstrengung wird unterschätzt und die Beschäftigten machen bisher alles mit. Doch Angepassheit hat noch nie weitergeholfen.

Die Erzieherinnen, die jahrzehntelang sehr brav waren, sind inzwischen kämpferisch. Mehrere Tausend traten in den vergangenen zwei Jahren in die Gewerkschaften ein; als einzige DGB-Gewerkschaft verzeichnete die GEW deshalb sogar einen Mitgliederzuwachs.

Die Arbeitgeber beklagen nun, die Streiks kämen überraschend und man hätte sich nicht einmal abstimmen können. Deutlicher kann man kaum zugeben, dass man vier Jahre lang geschlafen hat.


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Bloß kein Mädchen

4. Mai 2009 von Helga

Mädchen sind weinerlich und manipulierend, stehen auf pinke Sachen, aber immerhin sind sie ruhig. Für Amy Wilson Grund genug, sich schon während der Schwangerschaft kein Mädchen, sondern einen weiteren Jungen zu wünschen, wie sie auf CNN.com beschreibt.

Die Story-Highlights:

  • Mom of two boys knows their clothes, toys, Matchbox-car skids on wallpaper
  • She gets worried after finding out she’s pregnant with a girl
  • Fears girls are more complicated, might watch mermaid movies
  • Also worries how to protect daughter from “mean girls in sixth grade”

Dass viele ihrer Befürchtungen auf Klischees basieren, ist Wilson durchaus klar. Ihre Nichte macht sich gerne die Finger schmutzig. Leider reflektiert sie darüber hinaus nicht weiter. Dass sie selbst anscheinend nicht in die Geschlechterstereotype passt — geschenkt. Ob sie ihre Jungen jemals versichert hat, sie dürften auch mit Puppen spielen, wenn sie wollten, bleibt ungeklärt.

Neben den Zicken aus der sechsten Klasse (dass ihre Söhne verprügelt oder abgezogen werden könnten, scheint sie weniger zu beunruhigen) macht ihr die allgemeine Erwartungshaltung der Gesellschaft an Mädchen schon weit vor der Geburt Angst. Egal wie sehr sie sich anstrengen würde, es wäre nie gut genug. Doch anstatt sich dagegen aufzulehnen, fällt sie zunächst selbst in diese Falle und sieht sich versagen, obwohl sie bisher nur das Ultraschallbild besitzt. Um dann geht sie erstmal shoppen, damit ihre Tochter nicht in Schimpf und Schande gelb und grün gekleidet ihre ersten Monate überstehen muss.

Die Tochter ist inzwischen 16 Monate alt, ob sie wirklich ein Fan von pinkem Spielzeug ist und wenig Aufmerksamkeit braucht, wird leider nicht erwähnt. Gefunden über jezebel.com, von denen auch folgendes Zitat ist:

What’s troubling about the author’s rationale is not that she doesn’t want a girl – fair enough – but that all her reasons seem to be founded on a contempt for girls that she’s not examining. (And at the risk of overthinking, there are worse things than being in a culture where baby girls are valued.)


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Bildung beeinflusst Eltern

27. Januar 2009 von Barbara

“Arbeitslosigkeit kann das Kinderkriegen fördern”. Schon ein paar Tage alt, diese Meldung zu einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), bei der Männer und Frauen aus unterschiedlichen europäischen Wohlfahrtsstaaten untersucht wurden. Das DIW hat herausgefunden, dass Frauen mit einem höheren Bildungsgrad schneller nach der Geburt eines Kindes zurück in den Beruf gehen würden als weniger gut ausgebildete Frauen.

DIW-Familienexperte Christian Schmitt: “Joblosigkeit geht einher mit drohenden finanziellen Engpässen, die eine Familiengründung auf eine unsichere Basis stellen. Das schreckt Frauen je nach Bildungsgrad in unterschiedlichem Maße vom Kinderkriegen ab”. Gut ausgebildete Frauen hätten neben der Sorge, wieder zurück in den Beruf zu finden, auch Angst davor, sich von ihrem Partner abhängig zu machen. Im Gegenzug zeigten arbeitslose Männer wenig Bereitschaft für eine Vaterschaft, da sie befürchteten, die Familie nicht ernähren zu können. Das immer noch traditionelle und konservative Rollenverständnis wurde als mögliche Ursache für dieses Verhalten genannt.


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