Einträge mit dem Tag ‘Kinder kriegen’


Die rosa Brotdose meines Sohnes

11. November 2015 von Melanie
Dieser Text ist Teil von 45 der Serie Muttiblog
Die rosa Brotdose

Die rosa Brotdose meines Sohnes

Montag morgen, der übliche Trubel. Ich schmiere Butterbrote. Kind 1, 4 Jahre, besteht auf Erdnussbutter. Aber erstens finde ich, das Erdnussbutter eine Süßigkeit ist und fürs Wochenende und zweitens ist in seiner Nachbargruppe ein Kind mit Nussallergien. Sicher ist sicher, aber das erste Drama hat schon begonnen. Mit vier Jahren ist er momentan nicht sehr empfänglich für  „Argumente“.

Ich lege also das Brot und seine halbe Banane wie jeden Morgen in die heißgeliebte, rosa Brotdose. „Ich will die rosa Brotdose nicht mehr mitnehmen!“

Das kommt unerwartet. Erst neulich hatte er gesagt, die anderen Kinder würden ihn auslachen oder sagen, er sei ein Mädchen. Ich bin dann zu seiner Erzieherin gegangen und habe sie drauf angesprochen. Sie selbst war verwundert und versprach, das Thema in der Morgenrunde noch mal anzusprechen.

Nun war ich bei dieser Morgenrunde nicht dabei. Minime kam nachmittags fröhlich auf mich zu gerannt und sagte: „Mama, Jungs dürfen auch rosa Brotdosen haben!“ (Dass sein Papa und ich das vorher auch gepredigt haben und ich ein kleines bisschen meine Autorität schwinden sah, weil die Worte der Erzieherin wohl mehr Einfluss haben als meine, lasse ich mal außen vor).

Ich dachte, damit hätte sich die Sache erledigt. Aber dem war wohl nicht so. Wie gesagt, ich weiß nicht genau, wie die Erzieherin an die Sache gegangen ist. Vielleicht hat sie so was gesagt wie: „Wisst ihr Kinder, es gibt keine Jungs- oder Mädchenfarben. Jeder darf jede Farbe haben“. Das hat dann vermutlich den gleichen pädagogischen Effekt, wie wenn ich meinen Kindern das Zähneputzen predige: Nachhaltigkeit gleich null. Die Botschaft kam offensichtlich nicht bei allen Kindern an.

Und da stand ich nun am Montag morgen vor einem verzweifelten und enttäuschten Jungen, der Angst hat seine heißgeliebte rosa Brotdose mit in den Kindergarten zu nehmen. Alles Zureden half nicht: „Schatz, Du weißt doch, dass rosa ne super Farbe ist, für alle Kinder! Und wenn Dich jemand ärgert, dann ist das schlechtes Benehmen und Du kannst der Erzieherin Bescheid sagen.“

Hat das mal bei eine_m von Euch funktioniert? Dass das Kind damit umgestimmt wird? Ich packte also sein Butterbrot in eine andere Dose und brachte ihn zum Kindergarten.

Ähnliche Szenen gab es mit seinen rosa Glitzerschuhen, die ihr vielleicht noch aus diesem Beitrag kennt. Im Sommer habe ich ihm ein rosa Kleidchen gekauft, ganz schlicht. Seine Augen leuchteten erst. Dann schlug er wild um sich, als ich ihm helfen wollte, es anzuziehen. Vermutlich begreift man auch schon mit vier, dass es verschiedene Abstufungen von „rosa ist nicht ok für Jungs“ gibt. Ich frage mich, wie lange seine rosa Zahnbürste noch bleiben darf.

rosa Zahnbürste

Die rosane ist von Minime

Ich geb es ja zu: Nach meinem Studium der Gender Studies war mir klar, das es nicht einfach werden würde, meine Kinder, in einer Welt, in der alle Menschen in Männer und Frauen unterteilt werden und unterschiedliche Rollen zugewiesen bekommen, geschlechtsneutral* zu erziehen.

Man hat mal eine kleine Umfrage gemacht und Eltern von Neugeborenen gefragt, für wie groß und schwer sie ihr Baby schätzen. Die Eltern von Mädchen schätzten ihre Babys kleiner und leichter ein, als sie 1. tatsächlich waren und 2. als gleich große und schwere Jungs, die man ihnen zeigte. Bei den Eltern von neugeborenen Jungen war es umgekehrt: Sie hielten ihre Babys für größer und schwerer als vergleichbar große Mädchen und auch, als sie tatsächlich waren.

Und jetzt sagt mir noch mal, dass die Gesellschaft keine Rolle spielt? Dass alles angeboren sei, was Mädchen zu Mädchen und Jungen zu Jungen macht. Immer wenn Eltern sagen: Also wiihir erlauben unseren Söhnen auch mit Puppen zu spielen oder unseren Mädchen mit Autos“ muss ich an Szenen denken wie

  • die Mama in der Krabbelgruppe, die vor Entzückung quietscht, weil ihre 18 Monate alte Tochter ihre Schuhe holt und gleich noch ein paar andere die dort rumstehen mit. „Sie steht auch schon auf Schuhe, ganz die Mutter“
  • der Vater auf dem Bolzplatz, der mit seinem zwei Jahre alten Sohn Tore schießt, während die ca. vierjährige Tochter am Rande steht und sehnsüchtig zu den Beiden rüber schaut, aber nicht dazu gerufen wird.

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht von anderen Eltern im Kindergarten, auf dem Spielplatz, im Turnverein oder bei der Krabbelgruppe Sätze höre wie „typisch Mädchen/Junge“.

Wenn ich mich daran zurück erinnere, wie ich Überzeugungsarbeit leisten musste, damit Minime eine Puppe und einen Puppenwagen bekommt. Oder mal was aus der Elfen- und Feen-Serie von Playmobil, nicht nur Ritter und Piraten. Oder als beim Kindergeburtstag die Seifenblasen mit Cars-Motiv automatisch in seinem GoodieBag landen, obwohl er viel lieber die Eiskönigin gehabt hätte.

Und auch der Kindergarten bietet auf dem Weg zu einer geschlechtsneutralen (oder sagen wir besser: -sensiblen) Erziehung Stolpersteine. Minime erzählt, dass sie in der Mittagsruhe (in der die kleinen Kinder noch Mittagsschlaf machen, die größeren eine „Pause“) oft von den Kindern mitgebrachte CDs hören oder Bücher lesen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Medien nicht danach geprüft werden, ob sie Genderklischees (von Rassismus und Co. ganz zu schweigen) reproduzieren. Zu Hause halte ich es oft wie Suse und lese Bücher mit vertauschten Rollen vor. Dann erst fällt auf, wie eklig 50er Jahre-mäßig nicht nur die Hauptcharaktere in ihren Geschlechterrepräsentationen sind. Und das bei recht aktuellen Büchern. Ich habe das mal bei den Olchis ausprobiert.

Im Kindergarten braucht es mehr als eine Morgenrunde, in der eine Erzieherin die Kinder ermahnt, niemanden für seine rosa-Vorliebe auszulachen. Deswegen muss nicht gleich die Puppenecke abgeschafft werden. Aber es gibt – siehe unten – tolle Tipps und Anregungen um eine offene Atmosphäre zu schaffen, in der alle Kinder ihre Interessen und Vorlieben ausleben können.

Ob ich da ein bisschen überempfindlich reagiere? Wenn mein Sohn einfach fröhlich oder genervt seine rosa Brotdose liegen lassen würde – damit käme ich zurecht. Aber am Montag morgen, da war er nicht fröhlich oder genervt, sondern zutiefst traurig und enttäuscht. Und das kann ich weder als Mutter, noch als Pädagogin gutheißen.

Es ist mir ein Rätsel, dass ich mit meinen Studienabschlüssen in Sozialpädagogik und Gender Studies nicht schon eher drauf gekommen bin. Zumal ich bereits für den Bereich Berufsorientierung von Jugendlichen solche Workshops für pädagogisches Personal konzipiert und durchgeführt habe und ja schon eine Weile als Freiberuflerin unterwegs bin. Vielleicht war es zu naheliegend und mein Sohn musste mich erst darauf bringen, aber:

Wer mich für Vorträge und Workshops zur gendersensiblen Pädagogik in Bildungseinrichtungen von der Kita bis zur Schule oder zur geschlechtersensiblen (andernorts wird geschlechterneutral verwendet) Erziehung einladen will: Ich freue mich auf Eure Nachricht an

gluecklichscheitern @ gmail.com

– und hier noch ein bisschen zu meinem fachlichen Hintergrund


Wer sich ebenfalls für geschlechtersensible Pädagogik interessiert, findet hier einige Literaturhinweise, Links und Materialien:

Bücher:

Almut Schnerring und Sascha Verlan (2014): Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees

Melitta Walter (2005): Jungen sind anders, Mädchen auch. Den Blick schärfen für eine geschlechtergerechte Erziehung


* geschlechtsneutral heißt für mich nicht, dass ich mein Kind als „Neutrum“ erziehen will, sondern das ich ihm alle Optionen offen halte.


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Heute ist internationaler Hebammentag

5. Mai 2015 von Melanie

Der internationale Hebammentag wird am 05.05. gefeiert und soll auf die Bedeutung der Hebammenarbeit hinweisen. Und gefühlt seit Jahren steht die Arbeit der Hebammen zur Diskussion:

Die Karte der Unterversorgung für Hebammenhilfe wächst und wächst, die Weiterführung der Berufshaftpflicht (ohne die eine Hebamme nicht praktizieren darf) ist ungewiss und das, obwohl die Vorteile durch Hebammenbetreuung klar auf der Hand liegen. Die Politik bewegt sich kaum, trotz Online-Petitionen und Protestmärschen, wie sie z.B. letztes Jahr statt gefunden haben.

Umso wichtiger ist es, die Hebammenarbeit oder die Elternproteste weiter zu unterstützen! Es kann nicht sein, dass Hebammen ihre Arbeit aufgeben müssen und vor allem dass Schwangere ohne Hebammenhilfe bleiben. Es geht nicht – nur – darum, ob Kinder gesund auf die Welt gebracht werden, sondern auch um das Recht der Schwangeren auf Wahl des Geburtsortes, empathische Schwangerschaftsbegleitung und Hilfe und Unterstützung im Wochenbett. Kurzum: um die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das Nicht-Pathologisieren von Schwangerschaft und Geburt.

Wieso sich an der Situation der Geburtshilfe und auf Seiten der Krankenkassen und Versicherungen so wenig tut, erklärt H. Hansen auf kleinerdrei. Was ihr tun könnt, damit das Thema auf der politischen und medialen Agenda bleibt? Zum Beispiel den Verein Hebammenunterstützung/ Motherhood  unterstützen, fehlende Hebammenhilfe auf der Karte der Unterversorgung eintragen, und Euch auf dem Laufenden halten und Aktionen und Meldungen teilen – in sozialen Medien, im RealLife oder wo auch immer.

Ihr wollt mehr über die Situation von Hebammen erfahren? Dann schaut auf der Seite des Deutschen Hebammenverbandes nach, lest den Blog von Anja „Von guten Eltern“ – sie ist selber Mutter und Hebamme und berichtet regelmäßig über die Situation in der Geburtshilfe. Oder stöbert hier in den alten Artikeln über Hebammen: zum Beispiel diesen, diesen, diesen oder diesen.

 


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Geburtshilfe – Keine Wahlfreiheit beim Geburtsort

25. Februar 2015 von Melanie

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück – So laufen die Verhandlungen der Hebammen mit den Krankenkassen und Versicherern. Die freie Wahl des Geburtsorts soll weiter eingeschränkt werden: Erhöhte Ausschlusskriterien für Hausgeburten (z.B. Überschreitung des errechneten Geburtstermins), das Ausbleiben einer 5%igen Vergütungssteigerung und das Damoklesschwert der zukünftigen Berufshaftpflicht verschlechtern die Situation in der Geburtshilfe massiv.

Dabei werden – wieder – die Rechte von Frauen*, über ihren Körper zu bestimmen, eingeschränkt. Schwangere haben damit nicht nur – realistisch betrachtet – keine freie Wahl des Geburtsortes mehr. Auch die Vor- und Nachsorge durch Hebammen ist davon betroffen – überlegen doch etliche Hebammen inzwischen, ihren Beruf aufzugeben. Im Kreißsaal wird die Situation auch nicht besser, die Überlastung der Hebammen durch die Begleitung mehrerer Geburten gleichzeitig führt öfter dazu, dass diese eigentlich wegen Überlastung den Kreißsaal schließen müssten.

Aber Selbstbestimmung von Frauen über ihre Körper oder die Rettung eines Berufsstands scheinen die Medien und Politik nicht mehr zu interessieren. Die Situation verschlechtert sich immer weiter.

Auf der Seite der Kampagne #meineGeburtmeineEntscheidung kann man Anregungen und Textbausteine finden, um sich bei den Krankenkassen zu beschweren, ebenso finden sich weitere Infos über die Problematik.


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Asylrecht, Diskussion mit bell hooks und Schwangerschaftsabbrüche – kurz verlinkt

13. November 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 219 von 337 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Wie tief der Antisemitismus in Deutschland auch 75 Jahre nach der (Reichs-)Pogromnacht noch verankert ist, hat eine Befragung von 6.000 Jüd_innen aus acht EU-Mitgliedsstaaten ergeben. Erschütternd ist unter anderem, dass 25% der Befragten in den vergangenen fünf Jahren darüber nachgedacht haben, die Bundesrepublik zu verlassen, weil sie sich hier nicht (mehr) sicher fühlen.

Die Spekulationen über die mutmaßliche Kindesentführung Marias durch eine Roma-Familie haben in Europa und den USA ganze Seiten gefüllt. Nun haben sich auch Vertreter des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und des Europäischen Zentrums für Roma-Rechte zu Wort gemeldet.

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen-Gerichtshofs haben Geflüchtete, die in ihrem Herkunftsland aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden, ein Recht auf Asyl in Europa. Diese Entscheidung könnte auch Einfluss auf deutsche Asylpolitik haben.

Das Leben in Sammelunterkünften für Geflüchtete ist immer auch mit Formen von Gewalt verbunden, bzw. ist an sich schon eine Form von Gewalt. Frauen und Kinder sind noch einmal spezifisch von Gewalt bedroht. Darum fordern Women in Exile & Friends die Abschaffung der Lager. Ihr könnt die Petition mitzeichnen.

Frauen in Deutschland bekommen immer weniger Kinder. Kein Wunder, denn wenn sie doch welche kriegen, werden sie nach wie vor hauptverantwortlich für die Sorgearbeit gemacht. Zahlen und Fakten hierzu liefert die tagesschau.

Gestern stellten Vetreter_innen der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ ein neues Gutachten zur Todesursache von Jalloh vor und erstatteten Anzeihe wegen Totschlags oder Mordes gegen unbekannte Polizeibeamte. Darüber berichtet neues deutschland.

Im Jahr 2000 erschien „Duvarlar-Mauern-Walls“, ein dreisprachiger Dokumentarfilm zu migrantisierten Perspektiven auf den Mauerfall, welcher auf Interviews aufbaute, die der Filmemacher Can Candan 190/91 führte. Der Film Mauern 2.0, der jetzt auch online zu sehen ist, interviewt eine Reihe der Protagonist_innen noch einmal zu ihren Gedanken zu Mauerfall, aktuelle Politiken und Rassismus.

Die Süddeutsche zeigt anhand von Ellen Ammann, wie Geschichtsschreibung funktioniert und an welche Widerstandskämpfer_innen erinnert wird – und welche viele eher in die Vergessenheit gedrängt werden.

Zwar bereits aus dem Jahr 2010, aber weiterhin ein wichtiger Text: Pablo Pineda hat einen Film über sein Leben gemacht, er heißt „Yo También“. In einem Interview erzählt er nun von seinem Leben mit der Genmutation Trisomie 21: „Es ist eine Kondition, ein Zustand. So wie der eine blond ist, habe ich eben das Down-Syndrom. Es ist viel mehr ein Charakteristikum als eine Krankheit“.

Beiträge auf Englisch

Sechs Webserien mit und über Lesben findet ihr auf fusion.net – besonders empfehlenswert: Between Women <3

Die MSNBC-Moderatorin (sowie Wissenschaftlerin, Autorin etc.) Melissa Harris-Perry und die Wissenschaftlerin und Aktivistin bell hooks sprachen in einem 90-minütigen Gespräch zu Black Female Voices – Who is Listening? – Auch wer_welche die Liveübertragung verpasst hat, kann das Video dankenswerterweise nach schauen!

Ein weiterer Artikel zu der Diskussion, wo einige der Kernthemen noch einmal aufgegriffen und analysiert werden, hat Sara Salem auf Neo-colonialism and its Discontents verfasst.

Why I Can Never Be a Proper German„, führt Özlem Gezer im SPIEGEL aus. Sie schreibt über die alltäglichen Anrufungen, die sie immer wieder an ihren Platz verweisen – und dabei natürlich diesen Platz erst einmal definieren.

Schwangerschaftsabbrüche sind nichts ungewöhnliches, aber sie sind mit so vielen Stigmata verbunden, dass nur selten darüber gesprochen wird. Beim NY Magazine erzählen 26 Frauen über ihre Beweggründe, Erfahrungen und Gedanken.

[Inhaltshinweis: Gewalt gegen Frauen, graphische Darstellung] Die griechische Filmemacherin Anastasia Bartzoulianou hat das Drehbuch zu „The Noir Project“, einem Film über häusliche Gewalt in einer Heterobeziehung, geschrieben. Das Team arbeitet u.a. mit European Anti-Violence Network, Woman’s Shelter in Thessaloniki und dem European Network Of Women zusammen. Für die Post-Produktion wird noch Geld benötigt.

Termine in Berlin, Bochum, Hamburg und Leipzig:

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Vom Scheiden und Scheitern

1. Juli 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 54 von 59 der Serie Meine Meinung

Liebe Medien, liebe Familienpolitiker_innen, liebe Menschen so im allgemeinen,

ich wollte mal kurz aber nachdrücklich eins festhalten: Meine letzte Beziehung ist nicht gescheitert. Sie ist vorbei, aber nicht gescheitert.

Wobei, lasst mich vielleicht doch ein bisschen weiter ausholen.

Wenn ich hier „Beziehung“ schreibe, meine ich damit eigentlich nur eine ziemlich klar festgelegte Form dessen, nämlich eine „herkömmliche“ Paarbeziehung, zwei Personen (oftmals sind 1 Frau* und 1 Mann* gemeint), Romantik/Liebe/Erotik, verbindliches, meistens exklusiv zweiermäßiges Miteinander. Das ist ja schon so das, was landläufig meistens mit „Beziehung“ gemeint ist. Warum es gerade im Kontext feministischen Handelns wichtig ist solche Eingrenzungen zu hinterfragen, dazu wird immer wieder viel Kluges gesagt, ich kann mir das an dieser Stelle also sparen, zumal ich mich hier jetzt auf Diskurse beziehe, die sich überwiegend um das oben beschriebene Beziehungskonzept drehen.

Worauf ich dabei hinaus will: Trennung und Scheitern sind nicht dasselbe. Jedenfalls für mich nicht, und ich weiß inzwischen dass es vielen so geht. (mehr …)


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Feiern, Fußball, facepalmen – kurz verlinkt

20. September 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 175 von 337 der Serie Kurz notiert

Wir können bei unserem 5. Jubiläum am kommenden Samstag eine Kinderbetreuung von 13 bis 19 Uhr anbieten und suchen noch nach Freiwilligen, die bei der Schicht 17-19 Uhr aushelfen möchten – meldet euch einfach unter veranstaltung[at]maedchenmannschaft.net. Falls ihr Kinderbetreuung benötigt, meldet euch am Tag der Party einfach am Mädchenmannschaft-Infostand, dort bekommt ihr alle Infos! Ihr könnt uns auch schon vorher eine E-Mail schreiben, wenn ihr Fragen habt: veranstaltung[at]maedchenmannschaft.net.

Wow: L-Talk hat zu Ehren unseres Jubiläums gleich mal eine ganze Mäd­chen­mann­schafts-Woche ausgerufen. Wir freuen uns auf spannende, solidarisch-kritische Beiträge!

Lineare Fortschrittserzählungen sind stets mit Vorsicht zu genießen, so auch in Sachen Sexismus. Wie dieser von Generation zu Generation weitergegeben wird, steht im Independent (auf Englisch).

Der Spiegel Online befasst sich mit Asexualität – ob sachkundig oder nicht, könnt ihr hier überprüfen.

Eine Gruppe junger Frauen hält ein Plakat hoch: We need feminism because we are NOT your mail order brides, the CURE to your YELLOW fever, your fantasy SEX TOYS or your subservient housewives. We are STRONG, INDEPENDENT and CAPABLE ASIAN AMERICAN WOMEN

Wir brauchen Feminismus, weil wir nicht deine Bräute aus dem Katalog, die Heilung für dein Gelbfieber, deine Sexspielzeuge oder deine unterwürfigen Hausfrauen sind. Wir sind starke, unabhängige und kompetente asiatisch-amerikanische Frauen. (via facebook)

Jessica Valenti, Gründerin von feministing.com, hat kürzlich ein Baby bekommen. Die vordringlichste Frage, die gewisse Medien daraufhin an die profilierte feministische Journalistin hatten: Wie sei sie eigentlich ihr „Schwanger­schafts­ge­wicht“ wieder losgeworden? (auf Englisch)

Julia Niemann rückt in der taz mal ein paar Dinge bezüglich der un­säg­lichen De­batte um früheres Kinderkriegen zurecht. Leider kommt auch ihr Artikel nicht ohne Bezugnahme auf den Mythos, dass Frauen* „früher“ glücklicher gewesen seien, aus (auf Englisch).

Geringes Einkommen, keine Aufstiegsmöglichkeiten, Teilzeit, Diskriminierung: Öster­reich­ische Frauen fühlen sich in der Arbeits­welt nicht wert geschätzt. Außer­dem, die Wissenschaft hat festgestellt: Inter­sektionalität is a thing. Die Huffington Post berichtet über eine Studie, nach der es Schwarzen Frauen beim beruflichen Aufstieg doppelt schwer gemacht wird – denn sie sind weder männlich noch weiß (auf Englisch). (mehr …)


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Qualifikation: kinderlos, wünschenswert: totale Verfügbarkeit

10. September 2012 von Melanie
Dieser Text ist Teil 37 von 45 der Serie Muttiblog

Dieser Text erschien kürzlich bereits auf Melanies Blog glücklich scheitern.

so, der erste monat arbeitslosigkeit ist rum. ich hab es mir nicht einfach vorgestellt, als mutter auf dem arbeitsmarkt, aber ein paar knüller, mit denen ich nicht gerechnet habe, gab’s trotzdem. nachdem ich mich von der vorstellung, was nettes an der uni zu finden (also nett im sinne von: nicht perfekt, nicht in der nähe, schon gar nicht unbefristet oder vollzeit, aber immerhin) innerlich schon getrennt habe, schaue ich inzwischen auch wieder in den bereich, den ich in meinem ersten leben verfolgt habe: sozialpädagogik. da, sollte man meinen, gibt es sie bestimmt: die teilzeitstellen im pendelbereich.

erste stellenanzeige, bei der ich dachte: super, klingt toll. aus der lokalzeitung, darum wenig informationen, nur dass es eine – theoretisch – feministische einrichtung ist, 25 std. pro woche arbeitszeit, aufgabe – betreuung von kindern und jugendlichen. ich ruf also an, um – so das vorhaben – mich über inhalte, vertragsdauer, tarif und so zu informieren.

ich: guten tag, ich rufe an wegen der ausgeschriebenen stelle. da steht 25 std., wie verteilen die sich denn so?

antwort: auf montags bis freitags von 9 bis 17 uhr.

ich: (rechne) – das sind aber 40 stunden?

antwort: ja, das sei nicht immer so vorhersehbar. manchmal müsste man auch bis in die abendstunden bleiben.

ich: und dann an allen fünf tagen? ich frage weil ich einen kleinen sohn habe. kinderbetreuung sei nicht das problem (hust), ich würd nur gern wissen, an wievielen tagen und wie lange ich welche bräuchte.

antwort: ja, hm, also meine kollegin hat grade gekündigt, weil sie einen zwei jahre alten sohn hat. also das glaub ich nicht, dass das geht. die einrichtung ist ja auch ein bisschen außerhalb…

ich: ???

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Musik, Musik, Musik und viel feministisches Empowerment – kurz verlinkt

29. August 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 169 von 337 der Serie Kurz notiert

Die Heinrich Böll Stiftung hat ein sehr lesenswertes Dossier zum Thema Theater und Diskriminierung zusammengestellt.

Für dieses großartige Fotoprojekt über Gewalt gegen Frauen müssen wir leider eine Triggerwarnung (Schilderung von Gewalterfahrungen, Abbildung von Tatorten und Tatwaffen) aussprechen, auch wenn es ansonsten wirklich ans Herz gelegt gehört.

Auf Zeit Online schreibt Carolin Emcke über die fehlende Gleichstellung homosexueller Paare im Bereich Ehe- und Familienrecht und kommt zu dem Schluss, dass nicht homosexuelle Eltern für Kinder problematisch sind, sondern vielmehr diejenigen, die die Homosexualität der Eltern für ein Problem halten.

Beim Audioportal Freier Radios könnt ihr euch einen Bericht über das diesjährige Ruby Tuesday Rock Hip Hop Camp anhören und runterladen. Enthalten sind interne Stimmen und viel Musik.

Noch mehr Musik: für das Projekt „re:composed“ haben 20 Musikerinnen historische Lieder der Frauen- und Arbeiter*innenbewegung neu interpretiert. Herausgekommen ist eine CD, die ihr nun kostenlos bei der Frauenabteilung der Stadt Wien bestellen könnt.

Musik, die Dritte: CBS hat die junge malaiische Musikerin Yuna interviewt.

Auch Adwoa Hackman ist wieder auf Tour! Weitere Infos gibt es unter www.adwoa.de.

Das US-Magazin Forbes verleiht Bundeskanzlerin Angela Merkel nun schon zum zweiten Mal den Titel der mächtigsten Frau der Welt.

Ein rechtswissenschaftliches Gutachten hat festgestellt, dass das geplante Betreuungsgeld gegen gleich drei Artikel des Grundgesetzes verstößt.

In Libyen ist vor kurzem bei der Einführung des neu gewählten Allgemeinen Nationalkongresses eine Moderatorin der Bühne verwiesen worden – weil sie kein Kopftuch trug. Global Voices über die Debatte danach.

Der Anteil der nichtbezahlten Überstunden ist bei Frauen deutlich höher als bei Männern, hat eine österreichische Studie ergeben.

The Karachi Voice stellt fünf Feministinnen aus Pakistan vor.

Kristina Schröder hat sich leider wieder mal erfolgreich gegen die Interessen von Frauen durchgesetzt; statt einer festen Quote wird es nur eine flexible Quote für Frauen in Unternehmen geben.

Seit Jahren verdichten sich die Hinweise, dass auch Männer jung Väter werden sollten. Ann Friedman in The Cut, über die Anerkennung der biologischen Uhr von Männern.

Termine in Hamburg, Gießen, Berlin, Braunschweig und Dortmund nach dem Klick: (mehr …)


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Die türkische Abtreibungsdebatte und lesbische Schundliteratur – kurz verlinkt

27. Juni 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 165 von 337 der Serie Kurz notiert

Der Frage, warum Kinder und Karriere immer noch so unvereinbar sind, hat sich Anne-Marie Slaughter für The Atlantic angenommen. Deutlich weniger gut ist das Titelbild dazu – Jessica Valenti hat die üblichen „trauriges weißes Kind mit überforderter Karrieremutter“-Bilder gesammelt.

Gruselalarm bei Sat.1: „Auf Brautschau im Ausland“ erfüllt so ziemlich jedes eklige sexistische und rassistische Klischee. Sogar bei Spiegel Online ist man entsetzt.

Apropos Rassismus. Anti-rassistische Kampagnen haben nicht das Ziel, dass weiße Menschen sich schuldig fühlen, betont xojane. Es geht darum, den existenten Rassismus aufzuzeigen, sich dessen bewußt zu werden und etwas dagegen zu tun.

Dazu hat auch Jay Smooth mal wieder ein exzellentes Video.

In der Türkei tobte in der letzten Zeit eine Debatte um das Abtreibungs­recht. Ministerpräsident Erdoğan wollte die Frist halbieren, hat nach dem massiven Protest von Frauenrechtler_innen aber die Pläne wieder begraben, berichtet dieStandard.at. Um Moral und Religion ging es in der Debatte dabei nicht, kommen­tiert Die Presse, sondern um die Kontrolle weiblicher Körper. Die kommt immer noch an anderer Stelle, so sollen Kaiserschnitte reguliert und auf „notwendige medizinische Fälle“ beschränkt werden.

Bis vor kurzem galt häusliche Gewalt noch als „Privatsache“. Diese Einstellung ändert sich zum Glück gerade, auch durch das Gewalt­schutz­gesetz. Die Berliner Zeitung berichtet über die Lage in Berlin, wo es immerhin 16.000 Fälle jährlich gibt. Was leider nicht ganz deutlich wird: Das Gesetz gilt auch für gleich­ge­schlecht­liche Paare und weitere häusliche Gemein­schaften, unabhängig vom Geschlecht der Zusammen­wohnenden.

Lesbische Pulp Fiction (also „Schund­literatur“ der 30er bis 50er Jahre) hat Retronaut zusammengetragen.

Die feministische Weltherrschaft, oder zumindest die Medienherrschaft, hatte das Manager Magazin vor kurzem in deutschen Vorstandsetagen ausgemacht. Schlechte Recherche meint dagegen der Verein Pro Quote und hält Zahlen dagegen. Also öfters 0 Prozent Frauenanteil, berichtet Meedia. Not-so-fun-fact: Alle der Vorzeigemedienlenkerinnen sind Töchter oder Ehefrauen von Medienmännern.

Seit diesem Jahr sind nicht nur eingetragene Lebens­partnerschaften sondern auch gleich­geschlechtliche Ehen im US-Bundesstaat Washington legal – so dass Mary Cheney endlich ihre Partnerin heiraten konnte. Dabei war auch ihr Vater Dick Cheney, der als Vize­präsident noch auf dem Verbot solcher Ehen bestanden hatte, so web.de.

Ein Buchtipp vom Nordic Africa Institute ist „Sexuality and Gender Politics in Mozambique“. Die post-kolonialistische Politik in Mosambik berücksichtige vor allem den patrilinear, also an der väterlichen Abstammung orientiert-lebenden Bevölkerungsteil – an den rund 40 Prozent der Bevölkerung in matrilinearen Familien gehe dies aber weitestgehend vorbei.

Erst noch eine gute Nachricht: Der rote Equal Pay Day-Beutel ist wieder erhältlich!

Und nach dem Klick die Termine. (mehr …)


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Für eine neue Arbeitskultur in Europa

27. Juni 2012 von Franziska

Salut,

seit zwei Jahren gehöre ich im Europaparlament zu den Abgeordneten, die tag­täglich versuchen, ihr Familien­leben mit kleinen Kindern und den stress­igen All­tag als Europa­abgeordnete unter einen Hut zu bringen.

Das Parlament verfügt zwar über eine eigene Kinder­betreuung, die täglich von 7.00 bis 19.00 Uhr geöffnet hat. Aller­dings habe ich mehrmals pro Woche Termine, die nach 18.30 Uhr beginnen und nicht selten bis 20.00 oder gar 21.00 Uhr dauern. Ich stehe dann immer vor der schwierigen Ent­scheidung, die Sitzung zu verpassen und somit politischen Ein­fluss zu verlieren oder mein Kind nicht zu sehen. Daher habe ich nun mit einigen anderen Ab­ge­ordneten, denen es ähnlich geht, eine Initiative zur besseren Verein­bar­keit von Familie und Ab­geordneten­all­tag gestartet.

Wir haben einen Brief (PDF) an den Vor­sitzenden der Konferenz der Aus­schuss­vorsitzenden geschickt, der für die Planung der Aus­schuss­sitzungen zuständig ist. Darin fordern wir, dass keine Ausschuss- und ähnlichen Sitzungen nach 18.30 Uhr angesetzt werden. Das ist nämlich nicht not­wendig, hat sich aber halt so eingebürgert.

Sicher denkt jetzt die eine oder andere von euch, dass es ihr genauso geht. Morgens das Kind in die Kita bringen und am Abend wieder abholen, zwischen­durch volle Leistung bei der Arbeit erbringen und dann noch sogenannte „quality time“ mit der Familie verbringen. Das erfordert ein hohes Maß an Koordination, starke Nerven und Stressresistenz. Leider lässt sich nicht immer jeder Termin auf die Minute planen, mal steht man im Stau oder der Fahrstuhl kommt ewig nicht. Und schon verschiebt sich alles.

Ich wünsche mir schon seit Langem, dass wir zu einer neuen Arbeitskultur finden, die es uns Müttern aber auch den Vätern erleichtert, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. In der man sich nicht dafür entschuldigen muss, dass man Kinder hat oder dass man schon wenige Wochen nach der Geburt wieder arbeitet, damit man keinen „Karriereknick“ erleidet. Warum muss man 50 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten, um die Karriereleiter zu er­klimmen? Kann man nicht auch mit reduzierter Arbeitszeit eine erfolgreiche Führungskraft sein? Warum müssen sich Karriere und Kinder gegenseitig behindern? Und warum ist die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eigentlich noch immer eine rein weibliche?

Diese und ähnliche Fragen stellt sich auch Barbara Streidl, die Mitgründerin der Mädchenmannschaft in ihrem neuen Buch „Kann ich gleich zurückrufen?“, das am 8. Juni erschienen ist und das ich euch ans Herz lege (PDF).

Ich würde mich über eine offene Diskussion mit euch freuen!

Viele Grüße aus Brüssel,
eure Franziska


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