Einträge mit dem Tag ‘Karriere’


Wie Firmen “unauffällig Chefinnen verhindern”

13. Dezember 2011 von Anna-Sarah

Ich hatte hier ja mal ein bisschen an Heide Oestreichs Schreibtonfall rumgemäkelt. Letzte Woche hat Oestreich dann in der taz einen Beitrag über die Frauenquote bzw. über die äußerst, nun ja, flexible Handhabung dieses Instruments seitens der Politik gebracht, und den finde ich dann doch ziemlich lesenswert: Unter dem Titel “Erfolgreich Chefinnen verhindern” legt sie auf originelle Weise dar, welche Mechanismen mit dazu beitragen, dass Frauen im Job oftmals weitgehend von bestimmten Positionen ausgeschlossen bleiben – obwohl es doch immer heißt, auf den so genannten Führungsebenen gelte einzig das Leistungsprinzip und Frauen hätten strukturell doch die gleichen Möglichkeiten, dort “etwas zu werden”, wie Männer; wenn ihnen keine glanzvolle Karriere gelänge, wollten oder könnten sie wohl halt einfach nicht so recht. (Anmerkung: Ich persönlich lese aus Gründen selten Kommentare in bestimmten öffentlichen Foren, jedenfalls nicht gründlich, auch nicht in der taz online, deshalb kann ich den “Härtegrad” diesmal nicht vollständig einschätzen – ich vermute jedoch aufgrund bisheriger Erfahrungen mit (Anti-)Diskriminierungsthemen dort, dass eine Triggerwarnung für die Kommentarsektion möglicherweise angebracht sein könnte. Die üblichen Nazivergleiche sind jedenfalls auch am Start.) Anhand von zehn To-do-Punkten gibt sie (fiktiven?) Personalverantwortlichen eine Liste von sarkastisch-satirischen Ratschlägen an die Hand, durch deren Befolgung sich der berufliche “Aufstieg” von Frauen wie erwünscht  verhindern lasse. Zum Beispiel:

4. Allgemeine Abwehr von weiblichen Führungskräften

Untersuchen Sie, ob die Bewerberin beim ersten Wind schon umfällt: Seien Sie aggressiv: “Warum um Himmels willen sollen wir Sie einstellen? Sie haben doch nichts zu bieten.” So sieben Sie junge Talente ohne Sozialkompentenz aus. Tritt eine Frau anders auf, als Sie erwartet haben, nämlich forsch und selbstbewusst, müssen die Alarmglocken klingeln: Wollen Sie einen so schwierigen Charakter in der Abteilung haben?

Denken Sie auch an die Kunden: Würden die wirklich diese (oder eine) Frau akzeptieren?

Machen Sie neumodischen Quatsch nicht mit: keine Präsentation oder gar ein Konfliktgespräch als Aufnahmetest. Da schneiden Frauen oft besser ab als im Gespräch, in dem Männer gern ihren allgemeinen Durchblick präsentieren.

Wenn Frauen schnell zum Punkt kommen und konkret Lösungen anbieten: Bedenken Sie, dass das für eine Führungsaufgabe irrelevant ist. Hat diese Frau den großen Überblick, den es für den Chefposten braucht?

Unterschätzen Sie keinesfalls Qualifikationen, die eher Menschen ohne Familienpflichten vorweisen können: Auslandsaufenthalte, lange Publikationsliste, Kongresse. Leider sind Frauen da ja oft schwächer bestückt.

Ich behaupte einfach mal: In dieser “Bedienungsanleitung” ist fieserweise garantiert für jede berufstätige Frau was dabei, das ihr irgendwie bekannt vorkommt…


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Geschlechtergerechte Sprache, Karrierefrauen und Hausarbeit – Kurz Notiert

24. November 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 130 von 138 der Serie Kurz notiert

Das österreichische feministische Monatsmagazin an:schläge präsentiert eine brandneue Homepage. Ein Abo ist strengstens zu empfehlen!

Die New York Times ist in ihrer Wortwahl oftmals mehr als daneben: Da wird Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch von Kindern auch mal “Sex” genannt. Nun wagt die Zeitung einen kritischen Blick auf die eigene Berichterstattung.

Von minimalen Erfolgen berichtet das Handelsblatt: Der Frauenanteil in den Vorstandsetagen der weltweit größten Unternehmen ist seit 2004 einer US-Studie zufolge um 1,1 Prozentpunkte gestiegen. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen liege der Anteil bei 13,8 Prozent. Vorangetrieben wurde der Anstieg vor allem von Ländern, in denen eine Frauenquote existiert.

Zur Konstruktion von Geschlecht über die Stimme schickte uns @midnite8lue noch folgendes Video:

Erst in die Schule gehen, dann Abitur machen und schließlich studieren – für Marie Christine Lanfermann war das alles nicht ganz so einfach. Fehlende Rampen für den Rollstuhl, ewig-lange Anträge und Mobbing im Volontariat sind nur einige der Schwierigkeiten, von denen sie derWesten berichtet hat.

Ein dpa-Text über das Frauenproblem der Wikipedia geisterte dieser Tage durch diverse Medien, von heise bis zur Mitteldeutschen Zeitung. „Freundschaftsbänder und Schuhdesigner“ seien Themen, die (mangels Autorinnen) bisher noch ver­nach­lässigt seien. Helfen soll ein einfacherer Texteditor, sowie explizite Ein­la­dungen an Frauen. Ebenfalls angesprochen wird auch die „garstige Atmosphäre“ – wie sie verbessert werden soll, steht aber leider nicht im Artikel.

Im Mai erst erschien eine Auswertung des US-Fernsehens, nach der 2008 Frauen in Filmen deutlich unterrepräsentiert aber übersexualisiert waren. Jetzt ist auch die Auswertung von 2009 da, geändert hat sich nichts, so die Los Angeles Times.

Die Uni Graz hat eine hilfreiche Anleitung zum geschlechtergerechten Formulieren (PDF).

Leigh Alexander schreibt über Computerspiele und das als Frau. Für manche immer noch eine Neuigkeit, für sie selber nur noch eines: ermüdend. Denn trotz ihrer jahrelangen Arbeit wird sie immer wie auf „die Frau die über Computerspiele schreibt“ reduziert oder, schlimmer, als Auskunft für Genderthemen bemüht, wenn es doch nur darum geht, eine Entschuldigung für Vorurteile einzuholen. „Genug davon!“ meint sie bei Kotaku.

Stichwort Mythos “neue Väter”: Den Großteil der Hausarbeit verrichten immer noch Frauen, so Spiegel Online.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die erschreckend hohen Häufigkeiten, mit denen Mädchen und Frauen mit Behinderungen sexualisierte Gewalt erfahren.

Termine nach dem Klick (weiterlesen …)


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Karriere: Alles richtig zu machen, hilft Frauen nicht

21. November 2011 von Helga

Eine Frau im Businesskostüm und eine Frau im Businessanzug geben sich ein High Five. Darüber steht: Like men, only cheaper. Darunter steht: If you don't like it, help us right it.„Frauen arbeiten halt öfter Teilzeit, wollen gar nicht Karriere machen und haben eh das Falsche studiert.“ Wenn es um das Gender Pay Gap geht, kommen derartige Erklärungen schneller als das Amen in der Kirche. Diesen Annahmen gehen seit einiger Zeit Nancy M. Carter und Christine Silva auf den Grund und zerlegen eine nach der anderen.

Im letzten Jahr zeigten sie auf, dass Frauen bereits ab dem ersten Tag im Job weniger Geld verdienen als Männer – bei gleichen Karriereambitionen. Auch die oft zitierte Erziehungsauszeit spielte da noch keine Rolle. Eine damals in den Kommentaren aufgeworfene Frage beantworten Carter und Silva in einer neuen Studie. Verhalten sich Frauen vielleicht anders? Nein, so die Autor_innen. Selbst „alles richtig zu machen“ helfe Frauen einfach nicht so viel wie ihren männlichen Kollegen.

Dieses Mal untersuchten sie die Verhaltensstrategien von über 3.000 MBA-Absolvent_innen, die nach ihrem Abschluss durchgängig Vollzeit gearbeitet hatten. Als mögliche Karrierestrategien zählen sie z.B. das Sichtbarmachen der eigenen Erfolge, das Übernehmen möglichst vielfältiger Aufgaben oder Ausschau zu halten nach besseren Stellen im eigenen Unternehmen und außerhalb.

Die größten Karrieresprünge schafften Männer, die eine Vielzahl an Strategien verwendeten. Für Frauen sah das Bild leider düsterer aus: „Alles richtig zu machen“ zahlte sich nicht aus, sondern bedeutete die gleiche Entwicklung wie „etwas zu machen“. Und wieder einmal schnitten sie, gemessen an den gleichen Strategien, durchweg schlechter ab als ihre Kollegen.

Die Strategien, die am meisten halfen, spiegeln oberflächlich betrachtet alte Klischees wieder. Frauen müssen mehr auf ihre Erfolge aufmerksam machen, während Männer ihre Arbeit mit nach Hause nehmen oder in eine andere Firma wechseln – eine Strategie, die bei Frauen sogar vergleichsweise Ein­kommens­ein­bußen bedeutete. Aber: Die befragten Frauen gaben sogar häufiger als Männer an, auf ihre Erfolge zu verweisen. Bescheiden waren sie auch nicht, wenn es um Gehaltsverhandlungen ging. Es zahlte sich nur nicht in Gehaltserhöhungen aus.

Wichtig seien die Ergebnisse vor allem für Firmen und Organisationen so Carter und Silva. Sie müssten kritischer schauen, dass (unbeabsichtigte) Vorurteile nicht die Einstellungsprozesse beeinflußen. Außerdem müssten neue Wege gefunden werden, um Stereotype nicht in Personalentscheidungen einfließen zu lassen. Wann das tatsächlich Frauen mit Karriereambitionen hilft, bleibt abzuwarten.


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Ladyfeste, Queer Music History und falsche Feminist_innen – kurz verlinkt

28. Juli 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 114 von 138 der Serie Kurz notiert

„Ich war für das Recht auf Abtreibung, ich konnte nur nicht verstehen, warum jemand eine Spätabtreibung vornehmen lassen würde“ – Dana Weinstein erzählte Mother Jones, warum sie doch eine späte Abtreibung hatte und wie schwierig das heute bereits in den USA ist.

Die Washington Post berichtet ebenfalls über dieses Thema und stellt den Gynäkologen LeRoy Carhart vor. Vor 20 Jahren brannten Abtreibungsgegner seine Farm nieder, aus Angst vor weiteren Mordanschlägen leben er und seine Angestellten mit einer Reihe an Vorsichtsmaßnahmen.

“Wenn am Sonntag in New York das Gesetz zur Legalisierung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare in Kraft tritt, wird es eine Rekordzahl von Trauungen geben”, berichtet dieStandard.at.

Wundervolle Aufnahmen hat The Boston Big Picture von der Fußballweltmeisterschaft 2011.

Queer Music History 101: Texte, Audios, Bilder – alles über die Geschichte queerer und queerender Musik.

Das Public Insight Network und Ms. Magazine rufen Betroffene sexualisierter Gewalt dazu auf, ihre Geschichten zu erzählen.

Schlampige Übersetzung oder sogar böswillige Verfälschung? Jezebel berichtet, dass das vermutliche Opfer von Dominique Strauss-Kahn nie sagte, hinter seinem Geld her zu sein. Tatsächlich sind ihre Aussagen konsistent, Strauss-Kahns Anwälte äußern sich inzwischen nicht mehr dazu.

Zeit zum Schmunzeln: Thought Catalog stellt verschiedene Typen von Feminist_innen vor. Pandagon.net antwortet mit einer Liste typischer “Fauxminists” (auch: False Feminists – Falsche Feminist_innen).

Die leitende Geschäftsführerin von Facebook, Sheryl Sandberg, setzt sich für die Gleichbehandlung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ein. Allerdings mit sehr fragwürdigen Mitteln, wie Nerve.com zurecht kritisiert.

Solltet ihr vom 16-18. September in Rom sein – ab zum Ladyfest!

LADYFEST 2011 – SPOT vom LadyFest Rome auf Vimeo.

Um Slutwalks in Lateinamerika (dort Marchas de las putas genannt) geht es in einem Audiobeitrag von onda, der Agéncia radiofónica Latinoamérica-Europa.

Soft skills besitzen und für Selbstdarstellung sorgen sind, so heißt es oft, die Karrierestrategien. Aber nur für Männer, heißt es bei der Wirtschaftswoche. Denn Frauen werden damit nicht mehr als Individuen wahrgenommen, sondern mal wieder als Repräsentantinnen ihres Geschlechts, so eine Studie der TU Berlin. Ein weiterer „weiblicher Karrierefehler“: Probleme lösen wollen, statt sich auf Kosten anderer zu profilieren.

Immer wieder angekündigt – bis heute nicht auf dem Markt. Für Deutschlandradio Kultur hat Sigrun Damas die Geschichte der Pille für den Mann nacherzählt.

Der Spiegel schreibt über Pakistans neue Außenministerin, Hina Rabbani Khar, und die Vorurteile und den Sexismus, der ihr entgegenschlägt. Und titelt dann selbst „Die Schöne und die Generäle“.

Eine alte Studie hat Wired (die US-Blogausgabe) ausgegraben. Danach werden heterosexuelle Männer durchaus von Schwulenpornos angetörnt – aber nur diejenigen, die eine Abneigung gegen Homosexuelle zu Protokoll gaben.


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Karrierefrauen, Strickistinnen und Demonstrantinnen – Kurz Notiert

23. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 98 von 138 der Serie Kurz notiert

Laut SpiegelOnline ließ Lady Gaga einen Deal mit einer US-amerikanischen Super­marktkette platzen, weil das Unternehmen Politiker_innen unterstützt, die sich gegen die Rechte von Homosexuellen aussprechen.

In einem Artikel in der Welt vertritt die selbstständige Beraterin und ehemalige Direktorin für Regierungsbeziehungen bei der Microsoft Deutschland GmbH Anke Domscheit-Berg die These, dass “Frauenkarrieren” häufig an den antiquierten Rollenbildern von männlichen Vorgesetzten scheitern.

Eine Gruppe saudischer Frauen hatte vor einigen Wochen eine Initiative namens „Baladi“ (Mein Land) gegründet, um das Wahlrecht für Frauen in Saudia Arabien zu fordern. Der Vorstoß zum Frauenwahlrecht wurde allerdings geblockt, berichtet dieStandard.at.

Im Interview mit dem SZ Magazin zeigt sich Michelle Rodriguez als tough. Trotzdem kommt der Artikel nicht ohne Entwarnungsfloskeln wie „Persönlich hat Rodriguez nichts gegen Männer“ aus. Oder eine noch bessere Erklärung für den Umstand, als erwachsene Frau selbstbewusst und schlagfertig aufzutreten: „Vielleicht wird man so, wenn man eine harte Kindheit hatte wie sie“.

Mexiko und seine Abtreibungsgesetze: Jedes Jahr sterben in Mexiko Tausende von Frauen infolge von illegal und stümperhaft durchgeführten Abtreibungen, andere werden zu Haftstrafen verurteilt. Der Grund dafür sind zum einen die restriktiven Abtreibungsgesetze, zum anderen die hohe Zahl an ungewollten Schwangerschaften. Trotz des Verbotes haben 2006 über 800.000 Frauen abgetrieben, berichtet Jennifer Dresel für das Gunda Werner Institut.

Am 19. März gingen über 10.000 Menschen bei der Frauentagsdemonstration in Wien (Österreich) auf die Straße. DieStandard.at hat dazu eine Bilderstrecke und berichtet ebenfalls in Bildern über die ”KnitHerStory“-Aktion (wir berichteten). Sehr unerfreulich: Obwohl die Kunst noch bis zum 26. März genehmigt sind, seien die Mehrheit der Werke laut der beteiligten Künstlerinnen entfernt worden sein.

Morgen, am 24. März, wird eine Gruppe von Straßenprostituierten von der Ravensberger Straße in Dortmund vor das Dortmunder Rathaus zu ziehen, um dort gegen die Schließung des Straßenstriches zu demonstrieren.

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für März, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.

Zum Schluss noch ein Buchtipp:

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Die Bücher über den jeweiligen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.

libri Anja Nordmann (2011): “Alltäglicher Feminismus” jetzt bestellen


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Ellenbogenkapitalismus im Schlafzimmer

30. November 2010 von Adele
Dieser Text ist Teil 27 von 35 der Serie Muttiblog

In seiner Focus-Kolumne erklärt uns Uli Dönch, warum die Frauen-Quote feige und falsch ist:
Wer das Phänomen verstehen wolle, müsse tiefer graben. Das dann folgende ist tatsächlich auf einem Niveau unterhalb der Grasnarbe… Natürlich sind die Frauen man wieder selbst schuld, wenn sie nicht bereit sind 65 bis 70 Stunden in der Woche zu arbeiten, dann wird das halt nix mit dem Vorstandsposten. Was schließen wir daraus? Man muss nur 70 Stunden in der Woche arbeiten, und übermorgen ist man im Vorstand eines DAX-30-Unternehmen, ist also ganz einfach.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Der Aufsichtsratschef der Commerzbank Klaus-Peter Müller fragt im Interview zu Recht, wieviel Frauen tatsächlich für solche Posten zur Verfügung stünden. Die Schlüsse, die Dönch daraus zieht, sind natürlich Quatsch.

Zuerst einmal sind ein paar Vorstandsposten, die mit Frauen besetzt sind, zwar ein nettes Symbol, aber sind nur für einen verschwindend geringen Teil der weiblichen Bevölkerung erreichbar oder erstrebenswert. Das gilt im übrigen ebenso für den männlichen Teil der ArbeitnehmerInnen. Auch die wenigsten Männer haben einen Posten im Vorstand (70 Stunden die Woche zu arbeiten, scheint also doch nicht zu reichen…). (weiterlesen …)


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Meine Karriere oder deine Karriere?

14. April 2010 von Adele
Dieser Text ist Teil 24 von 35 der Serie Muttiblog

Ich hatte ja versprochen, auch darüber zu schreiben, wie es ist, als Mutter einen Job zu suchen. Bisher war es ziemlich frustrierend, da auf über 30 Bewerbungen keine einzige Einladung zu einem Vorstellungsgespräch kam. Immer nur Absagen mit der Begründung, dass sich für einen anderen Bewerber entschieden wurde, dessen Profil besser auf die Stelle passen würde. Für mich gab es für meine Schwierigkeiten, einen Job zu finden, drei Erklärungsansätze: Die Krise, der Standort und das Kind.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Dann war ein ehemaliger Kollege von mir mit seiner Doktorarbeit fertig und hat mit genau einer Bewerbung meinen Traumjob gehabt. Damit wäre die Begründung „Wirtschaftskrise“ also schonmal einigermaßen ausgeschlossen. Blieb also „Standort“ und „Kind“.

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Aber nicht das Kinderkriegen vergessen!

14. November 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 21 von 42 der Serie Meine Meinung

In einem kürzlich erschienenen Artikel auf huffingtonpost.com mit dem Titel “Don’t Forget to Have Kids” gibt die Autorin Mika Brzezinski jungen Frauen nicht nur Karriere-Tipps, sondern warnt auch davor, zu lange mit der Familienplanung zu warten, denn “einen Job zu finden ist hart, aber den Mann fürs Leben zu finden ist noch viel härter.”

Unter den ersten sieben Ratschlägen findet man bekannte Weisheiten wie “Liebe, was du tust”“Habe keine Angst und stelle dich unbequemen Situationen” und “Lerne, mit Kritik umzugehen und von deinen Fehlern zu lernen”, aber auch problematische Aussagen wie “Du musst stets bemüht sein, dich von unten nach oben zu arbeiten und so lange unten zu bleiben, bis deine Zeit kommt” und “Du musst unter extremen Bedingungen hart und vor allen Dingen viele Stunden arbeiten”. Eine Kurzanleitung für’s Leben gibt Brzezinski dann mit ihrem fünften Ratschlag:

Fifth, you must know how to make the most out of all your talents. That means if you’re brilliant, lead with your brains. If you’re savvy, go with your gut. And if you are luckier than me and are born beautiful, at least make sure you wash your hair regularly and wear a clean blouse.

(zu deutsch: Fünftens musst wissen, wie du das Beste aus deinen Talenten machen kann. Das heißt: Wenn du brilliant bist, dann benutze dein Gehirn. Wenn du gesunden Menschenverstand hast, gehe nach deinem Bauchgefühl. Und wenn du mehr Glück hattest als ich und hübsch geboren wurdest, achte darauf, zumindest regelmäßig dein Haar zu waschen und eine saubere Bluse zu tragen.)

Ihr letzter (und wie sie betont auch wichtigster) Ratschlag an die vielen jungen Frauen ist allerdings, vor lauter Konzentration auf die Karriere doch nicht zu vergessen, einen Mann zu suchen, ihn zu heiraten und Kinder zu bekommen (und, wie ich annehme, in dieser Reihenfolge).

Äh. Wie bitte?

In Brzezinski’s Welt gibt es anscheinend nur heterosexuelle Frauen, die 60 Stunden in der Woche arbeiten würden, heiraten wollen, einen Kinderwunsch haben und sich gerne belehren lassen, nicht zu “vergessen” Kinder zu bekommen, denn andere Frauen werden in diesem Text nicht angesprochen. Trotzdem formuliert sie ihre Tipps als universelle Lebensweisheiten für die gesamte Frauenwelt und entwirft somit eine Lebensanleitung für junge Frauen, welche nur mit der Triade Mann-Kinder-Karriere perfekt scheint. Damit blendet sie andere Lebensrealitäten völlig aus, wobei sich die Frage stellt, was mit jenen Frauen ist, die keine Kinder möchten und/oder Frauen lieben und/oder den Kinderwunsch einfach gerne in die Ferne schieben?

Auf doubleX.com spricht Amanda Marcotte noch einen anderen wichtigen Punkt an:

Telling women that having kids is the most important thing they can do makes the deliberately childless laugh at you, but for women who can’t have kids, it’s much like telling them they aren’t even real women.

(zu deutsch: Frauen zu erzählen, dass Kinderkriegen das allerwichtigste sei, was sie tun können, lässt die bewusst Kinderlosen vielleicht über dich lachen, aber für all jene Frauen, die keine Kinder haben können, ist es, als würde man ihnen sagen, dass sie keine richtigen Frauen wären.)

Und selbst Frauen, die Kinder&Heirat durchaus in Betracht ziehen, könnten einige von Brzezinski’s Tipps befremdlich finden: Neben dem lächerlichen Ratschlag an all die hübschen und vermeintlich nicht so hellen Frauen, doch stets eine frische Bluse zu tragen, frage ich mich, wie hilfreich es sein mag, Durchhaltevermögen und harte Arbeit zu propagieren, wenn die Arbeitswelt selbst keine gerechten Strukturen bereitstellt: Bekanntlich kommt es doch weniger auf Können sondern oftmals auf informelle Netzwerke an, von denen Frauen weniger profitieren als Männer. Gut ausgebildete und fleißige Frauen gibt es zur Genüge – an ihrer Bereitschaft hart zu arbeiten kann es also nicht liegen. Anstatt eine Arbeitswelt zu kritisieren, die familienunfreundlich ist und in der frappierende Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen herrschen, werden Frauen dazu angehalten “unter extremen Bedingungen hart und viel zu arbeiten”. Doch soziale Ungleichheiten werden nicht einfach nur durch harte Arbeit beseitigt.

Neben all den Ratschlägen, die Missstände in der Arbeitswelt kaum thematisieren und völlig an der Lebensrealität vieler Frauen vorbei gehen, habe ich eigentlich nur noch eine Frage:

Was ist eigentlich mit den Männern?

Ich warte noch auf den Tag, an dem ich über einen Artikel stolpere, der Männer dazu aufruft, ein frisches Hemd zu tragen, sich ordentlich anzustrengen und nicht zu vergessen, früh zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen.


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Was wollen Frauen mit Macht

24. September 2009 von Barbara

Petra Steinberger hat in der gestrigen Süddeutschen Zeitung einen lesenswerten Text zum Dauerbrenner-Thema “Frauen und Macht” geschrieben. Ein paar Ausschnitte daraus:

Beispielsweise stieg in den letzten dreißig Jahren der Prozentsatz an Frauen, die Humanmedizin studieren, von 29 auf beängstigende 61 Prozent; der Frauenanteil in den Bereichen Wirtschaft und Soziales wuchs von 27 auf 49 Prozent …  Sind das tatsächlich Indizien dafür, dass Frauen endlich ganz oben angekommen sind?

Man muss nun erst einmal ein wenig hinter die Zahlen schauen. Dann stellt man schnell fest, dass das so beeindruckend nicht ist. Es mag sein, dass Frauen besser lernen, aber in die erlesene Riege der Professoren schaffen es immer noch nur wenige – obwohl sich das in den nächsten Jahrzehnten ändern mag.

Beobachtungen dieser Art werden vielleicht durch mehrere Studien ergänzt, die festgestellt haben, dass Frauen umso unglücklicher werden, je erfolgreicher sie sind. Weltweit. Oft, weil sie sich zu viel vornehmen. Einst ging es um die Sorge um das Heim. Jetzt ist die Welt noch dazugekommen.

Warum wollt ihr die Macht überhaupt, fragen manche Männer. Und was wollt ihr mit ihr? Sie ist nichts, die Macht, sie macht höchstens krank, dick und Magengeschwüre. Das mag sein. Aber man muss sie erst einmal ausprobieren können, um sich denn vielleicht gegen sie zu entscheiden.

Und dann vielleicht etwas Neues entdecken.


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Warum lieb sein nichts bringt

6. Mai 2009 von Helga

Ganze vier Jahre waren sie lieb und nett, geändert hat sich nichts. Nun haben die deutschen Erzieherinnen Nase gestrichen voll und gehen auf die Straße, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Tausende Erzieherinnen und einige Erzieher werden einem Aufruf von ver.di und GEW folgen und in den Warnstreik gehen. Bei gleichbleibender Bezahlung wird das Anforderungsprofil an ihren Beruf wird immer anspruchsvoller. Auf der einen Seite sollen die Kinder schon vor der Schule anfangen zu lernen, auf der anderen Seite erfordern Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten eine differenzierte Betreuung. Mehr arbeitende Mütter werden in Zukunft mehr Kitaplätze brauchen, nicht zuletzt dank der neuen Unterhaltsgesetzgebung.

Erzieherin ist dabei ein “typisch weiblicher” Dienstleistungsberuf: viele Teilzeitkräfte, schlechte Bezahlung, die körperliche Anstrengung wird unterschätzt und die Beschäftigten machen bisher alles mit. Doch Angepassheit hat noch nie weitergeholfen.

Die Erzieherinnen, die jahrzehntelang sehr brav waren, sind inzwischen kämpferisch. Mehrere Tausend traten in den vergangenen zwei Jahren in die Gewerkschaften ein; als einzige DGB-Gewerkschaft verzeichnete die GEW deshalb sogar einen Mitgliederzuwachs.

Die Arbeitgeber beklagen nun, die Streiks kämen überraschend und man hätte sich nicht einmal abstimmen können. Deutlicher kann man kaum zugeben, dass man vier Jahre lang geschlafen hat.


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