Einträge mit dem Tag ‘Kachelmann’


Öffentlich-rechtliche Fernsehsender: Macht endlich euren Job.

11. Februar 2013 von Viruletta

Seit Beginn der #aufschrei-Debatte wird an vielen Orten verstärkt über Sexismus diskutiert. Auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern (ARD, ZDF und den dritten Programmen). Zumeist allerdings in einer Art und Weise, die einer die Nackenhaare aufstellt (RW=Redewendung). Auf change.org ist deshalb einen Petition gestartet worden. Sie fordert von den öffentlich-rechtlichen Sendern: “Klärt endlich angemessen über den Sexismus in dieser Gesellschaft auf!”.

Eigentlich kann es gar nicht oft genug betont werden: Sexismus ist Alltag. Jeden Tag. Auf der Straße. In sämtlichen gesellschaftlichen Einrichtungen. Von der Familie über die Schule bishin zu Behörden jeglicher Art. Und – ganz vorne mit dabei – auch in den Medien. Umso wichtiger eigentlich, dass über das Thema mal wieder gesprochen wird. Aber leider hat die Vergangenheit gezeigt: wenn in den Medien über Sexismus gesprochen wird, dann wird meist auch zugleich Sexismus reproduziert. Und es ist ein gefährlicher Irrglaube, anzunehmen, dass sich dieser Umstand auf private Fernsehformate im Stil von RLT2 beschränkt. Im Gegenteil; die öffentlich-rechtlichen Sender haben hier in den vergangenen Monaten eine traurige Vorreiter*innenrolle eingenommen. (mehr …)


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Opfer-Abo.

16. Januar 2013 von Charlott

Ich hatte in meinem Kopf schon einen halben Artikel. Ich wollte über die Verleihung des “Unwort des Jahres” berichten, kurz beschreiben, welches Wort es geworden ist und dann den Anlass nutzen um über die Kampagne der “Initiative für Gerechtigkeit bei sexuelle Gewalt” für das Wort “Opferindustrie” zu schreiben. Stattdessen eine freudige Überraschung – Überraschung auch deswegen, da die meisten Mainstream-Medien Vorschläge wie “Opferindustrie” und “Opfer-Abo” ent_wähnten. Also aus ihrer Berichterstattung wegließen. Unsichtbar machten.

Zwar wurde nicht die von der Initiative vorgeschlagene “Opferindustrie” gewählt, aber das aus dem gleichen Kontext stammende “Opfer-Abo”. Die Jury begründet die Wahl wie folgt:

Im Herbst 2012 sprach Jörg Kachelmann in mehreren Interviews (z.B. im Spiegel vom 8.10.2012) davon, dass Frauen in unserer Gesellschaft ein „Opfer-Abo“ hätten. Mit ihm könnten sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltigung – gegenüber Männern durchsetzen. Das Wort „Opfer-Abo“ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein. Das hält die Jury angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei nur bei 3-4 % der Fällen zu einer Anzeige und einem Gerichtsverfahren kommt, für sachlich grob unangemessen. Das Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer. Die Jury urteilt damit in keiner Weise darüber, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können und somit auch nicht über den Fall Kachelmann. Sie kritisiert vielmehr einen Wortgebrauch, der gängige Vorurteile in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen bestätigt. Ausdrücke dieser Art drohen letztlich den zivilgesellschaft-lichen und juristischen Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise zu beeinflussen.

Und warum freue ich mich nun über die Wahl? Es hat ein Begriff geschafft, der gerade durch feministische Kritik problematisiert wurde. Die Wahl zeigt ein Wort auf, welches zum einen durch die auch in Deutschland herschende rape culture ermöglicht wird (vor allem in der ständigen Re_produktion) und zum anderen diese Kultur mit verfestigt. Die Begründung kritisiert dies eindeutig. Es geht hier nicht um ein ästhetisch wenig ansprechendes Wort, sondern gegen den sexistischen Normalzustand.


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Von und mit anderen lernen und kämpfen – kurz notiert

13. Dezember 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 177 von 260 der Serie Kurz notiert

Die bsz berichtet in einem dreiteiligen Beitrag über die Ergebnisse der Jahrestagung des Bündnisses der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (bufas): Von Rechten und Pflichten, Internationale Rechte und Pflichten, Straßenstrich – Situation und Zukunft.

(Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt.) In Frankreich haben 343 vergewaltigte Frauen* ein Manifest gegen das Schweigen veröffentlicht, in dem sie ihre Betroffenheit öffentlich machen.

Die Berichterstattung über den Vergewaltigungsfall Dominique Strauss-Kahn ist von Beginn an ein Graus und scheint sich leider in derselben Art und Weise fortzusetzen, wie Africa Is A Country belegt. (englisch)

Die Petition gegen Racial Profiling braucht noch mehr Unterstützer_innen:

(englisch)

Die zimbabwische Aktivistin Fungai Marichori schreibt über herrklären durch einen weißen Mann, aber auch über ihre Kritik an vielen global orientierten feministischen Bewegungen. Gegenstand ihrer Kritik sind weiß-angeführten Bewegungen, deren Aktivistinnen zwar mit Frauen im globalen Süden zusammenarbeiten wollen, aber keinerleit Anstrengungen eingehen, mit Women of Color bei ihnen zu kooperieren. (englisch)

Frauen* arbeiten nicht nur unter schlechteren Arbeitsbedingungen als Männer*, sondern sind auch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, berichtet dieStandard.

In Ilmenau hat die AG Diversity und Amnesty eine Soliaktion für Pussy Riot veranstaltet. (PDF)

Termine

19. Dezember 2012 im Landgericht Frankfurt: um 13:00 Uhr beginnt der nächste Teil des Prozesses gegen Kachelmann und die Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt plant wieder Aktionen. Macht mit! [Edit: Die Verhandlung wurde auf den 30. Januar verschoben.]

09. Januar 2013 in Berlin: das Spinnboden Lesbenarchiv & Bibliothek e.V. bietet einen Kurs zum kreativen Schreiben an.


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Viel Kackscheiße, aber noch mehr berechtigte Wut – die Blogschau

20. Oktober 2012 von Viruletta
Dieser Text ist Teil 178 von 265 der Serie Die Blogschau

Kathrin Rönicke hat auf derFreitag einen furchtbar unsäglichen Artikel über Noah Sows Buch “Deutschland Schwarz Weiß” geschrieben, der die Überschrift “Du sollst Deine Leser nicht beschämen” trägt. side-glance hat daraufhin einen öffentlichen Leser*innenbrief an Rönicke geschrieben und takeoverbeta erklären, wofür es sich bei der ganzen Sache wirklich zu schämen gilt. laufmoos macht deutlich, wie problematisch es ist, wenn Personen wie Rönicke eine Diskursmacht zukommt, und warum es bezeichnend ist, dass an eben jener Stelle nicht stattdessen ein Text von Noah Sow steht.

Die Distelfliege berichtet passend dazu von den Erkenntnissen, die sie aus einem Critical Whiteness-Workshop mitgenommen hat, und erklärt was an dem Ansatz (vorallem von weiß positionierten) so oft missverstanden wird.

Bäumchen kotzt sich über Heteras aus, die anderen ständig dazu raten, sich irgendwas in ihre Vagina einzuführen, und analysiert die politische Dimension des Ganzen.

Aktivist*innen haben die Nigerianische Botschaft in Deutschland besetzt, um auf die Rolle der Nigerianischen Regierung im Zusammenhang mit den Abschiebungen afrikanischer Asylsuchender aus Deutschland und Europa aufmerksam zu machen. Der Refugee Strike Berlin hat eine Pressemitteilung dazu veröffentlicht.

tut_nur_so berichtet von Übergriffen, die auch in der Öffentlichkeit, auch in vermeintlichen Schutzräumen und auch in der Gegenwart von Freund*innen immer wieder stattfinden.

Sabine hat ja bereits einen tollen Artikel über die neuen Dimensionen an Kackscheiße im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen veröffentlicht. Das Steinmädchen hat ebenfalls über die Übergriffe bei ZDF Neo gebloggt, und die Spreemietze erzählt, wie schmerzhaft es ist, sich als Betroffene Kachelmann und seine Frau bei Jauch auf der Couch ansehen zu müssen. Alle verlinken weitere Beiträge zu dem Thema und queer.de tut ein paar Tage später trotzdem so, als wäre Volker Beck der erste und einzige, der sich des Themas annimmt. Karnele bezeichnet das zurecht als Lehrstück in Sachen Blogosphäre.

Auch Medienelite kotzt sich, wenn auch aus anderem Grund, über den momentanen Zustand der feministischen Blogosphäre aus.

queer_sehen hat das neue Video der Popsängerin P!NK auseinander genommen, und erklärt, warum es so problematisch ist, wenn Gewalt als erotisch und der Übergang zwischen beiden als fließend dargestellt wird.

Termine und ein Call for Geektum: (mehr …)


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