Einträge mit dem Tag ‘Jugendkultur’


8 Gründe, warum wir Hobbyhorse lieben

19. Mai 2017 von der Mädchenmannschaft

Das Internet ist manchmal wundervoll. Z.B. steht man morgens auf und auf einmal sind überall Videos von Mädchen, die mit ihren Steckenpferden tänzeln, springen, lachen. Das ganze nennt sich Hobbyhorse und in Finnland gibt es tatsächlich Meisterschaften. Nadia und Charlott waren gleich voll auf begeistert. Unseren Enthusiasmus wollen wir gern mit euch teilen. Darum nun hier zum Wochenende hin unsere Gründe, Hobbyhorse zu feiern:

1. „Hier können Mädchen frei sein. Hier gibt es keine Jungs, die ihnen sagen, was sie zu tun haben“, argumentiert Alisa Aarniomaki in einem Video. Denn auch wenn sich einige vielleicht lustig machen, beim Hobbyhorse haben sich Mädchen einen Raum geschaffen, den sie so ausgestalten, wie es ihnen gefällt.

2. Die kleine Reeta erzählt im Hobbyhorse Revolution-Trailer dass die meisten Leute ihr Hobby typischerweise als „Baby-like“ und „peinlich“ bezeichnen – eine typische Vorgehensweise wenn es darum geht eher Mädchen-besetzte Freizeitbeschäftigungen, Spielzeug und DIY zu deklassieren (etwas, worin auch vermeintliche Feminist_innen oft ganz groß sind). Die Hobbyhorse-Gang lässt sich davon nicht beirren, und auch wir finden: Feminitätsfeindlichkeit ist Dreck! Wir wollen lieber female Empowerment und Girl Power!

3. Hobbyhorse ist vielleicht ein Wettkampfsport, aber das hindert die Mädchen nicht daran, sich gegenseitig zu unterstützen, eigenes Wissen weiterzugeben und sich aufzubauen: „I am trying to bring out what is good in her. So she can see it, too.“

4. Hoch springen, ausgeklügelte Choreographien für die Dressur merken und dann basteln die Sportlerinnen ihre Pferde auch noch zu meist selbst. Anleitungsvideos auf Youtube können dann schon einmal über 28.000 mal angesehen werden.

5. „Hobbyhorse Revolution“ ist vor allem auch eine Ode an die Freund_innenschaft. „Du bist mit Deinen Freunden zusammen“, betont Elsa Salo, die nach der Scheidung ihrer Eltern jahrelang vor allem in ihrer Hobbyhorse-Squad Kraft und Halt gefunden hat. Wie sorgsam und unterstützend die Mädchen miteinander umgehen: Allein dafür haben wir ganz viel Liebe!

6. Mutig sein. Und einfach mal einen Scheiß auf alles geben: „Andere Leute finden das erstmal sehr bizarr, vor allem wenn sie es zum ersten Mal sehen“, erklärt Taija Turkki, die als Hobbyhorse-Coach aktiv ist. „Die denken, dass wir denken, dass die Pferde echt sind – was wir natürlich nicht tun.“ Mariam Njie, in Hobbyhorse-Kreisen sehr bewundert und fast schon eine Sport-Veteranin in diesem Feld, schämte sich lange für den Sport und betrieb ihn vorwiegend heimlich. Die Doku schildert ihren Weg von „Shame“ zu „Pride“ und steht damit stellvertretend für etwas, was viele junge Mädchen durchleben.

7. Keine strikten Regeln, keine pompösen Zeremonien, stattdessen volle Kraft voraus in den sozialen Medien und eine ordentliche Portion female bonding: Es geht beim Hobbyhorsing insbesondere um kreative Freiheit und eine außerordentliche Vorstellungskraft betont Alisa Aarniomaki. Mehr Witchcraft in einer Sportart geht eigentlich kaum noch!

8. Selbst die Filmemacherin Selma Vihunen, deren Kurzfilm Pitääkö mun kaikki hoitaa? 2015 für einen Oscar nominiert war, hat sich anfangs noch über Hobbyhorse kaputt gelacht – gleichzeitig wollte sie aber mehr über dieses Phänomen erfahren, was letzten Endes zu ihrem Filmprojekt führte. Kaum steckte sie in den Dreharbeiten, verfiel sie dem Charme der Bewegung: „It kind of opened a whole new universe. It just was like a therapy for me and a second life.“ Heute lacht sie nicht mehr über Hobbyhorsing, sondern ist selbst Fan der Community, und das merkt man der Doku an: „There’s some special freedom in the community, I think. Maybe it’s the skill of using your imagination and also allowing other people to use theirs and kind of interacting in the level of people’s imaginations. Maybe there’s something in that that develops people’s ability to accept difference and just to be more open-minded.“

Die Doku über den Sport und seine Subkultur von Vihunen lief Ende März in Finnland im Kino an. Wir können zumindest den Trailer schon Mal genießen:


Facebook | |


Let’s dance, Ambivalenz! Feministisch Musikhören

16. September 2013 von Anna-Sarah

Als ich mit elf, zwölf Jahren endgültig aufhörte, die  BRAVO zu lesen,  hatte ich einen ziemlich gemischten Musikgeschmack entwickelt. Michael Jackson und Madonna hatte ich seit Jahren verehrt, nun gesellten sich Eurodance-Hits aus den Radiocharts dazu, während all das von Grunge, Crossover und Punkrock ergänzt und dann abgelöst wurde. So ungefähr mit 14 abonnierte ich das VISIONS Magazin und war einige Jahre lang ziemlich up to date in den Genres, die mich damals interessierten – zumindest in jenen Bereichen, über die dort geschrieben wurde.

Spätestens hier kommt die Ambivalenz ins Spiel. Man mag  grinsen über die Einserschülerin vom niedersächsischen Lande, die sich in ihrem aufgeräumten Kinderzimmer an Rage Against The Machine  erfreut.  Andererseits ist die Herablassung musikhörenden Mädchen gegenüber sexistisch und adultistisch. Faustregel der Popmusik: Musik, die Mädchen mögen = minderwertige Qualität. Alternativ: Die Musik ist gut, das kleine Mädchen hört sie aber verachtenswerterweise aus den falschen Gründen. Zu diesem Phänomen ist bereits einiges Kluges geschrieben worden, u.a. von der – hallo Ambivalenz – mit Recht umstrittenen Journalistin Julie Burchill. Es war eine der Ursachen, warum  ich einige Jahre später die VISIONS wieder abbestellte. Es nervt halt massiv, wenn man immer wieder merkt, dass man als sachkundige Konsumentin eines Produkts, für das man jeden Monat flammenden Herzens viel Geld ausgibt, weder mitgedacht noch wertgeschätzt wird. Über meine sekundenlange Verwirrung angesichts  von Bandporträt-Überschriften wie „Deine Freundin wird sie lieben!“ musste ich selber lachen.

Auch bei mir war mein Musikgeschmack lange Zeit ein wichtiger Aspekt meiner Identität. Vieles von der Musik, die ich damals hörte, spiegelte – so fühlte es sich für mich an – die Frustration und Wut über den Gesamtzustand(tm) wider, die auch ich zu dieser Zeit empfand. Diese Musik war nicht sonderlich feministisch. Und doch war sie der Soundtrack zur Herausbildung meines widerständigen, feministischen Selbst. (mehr …)


Facebook | |


Frauen mit Bart – Selbstinszenierung und Ironisierung im Web 2.0

24. November 2010 von Katrin

„Flickernde Jugend“: Was Jungen und Mädchen mit ihren durchschnittlich 13 Stunden pro Woche im Internet für eine Bilderwelt erzeugen, wurde nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Bild: Libri.deHeutige Jugendliche sind mit dem Internet aufgewachsen. Sie gehen anders damit um, als die heute 30-Jährigen oder ältere Generationen. Manchmal ist ihr Umgang damit für uns schwer verständlich, manchmal fast verstörend: Wenn Jugendliche in der U-Bahn auf einen Menschen einschlagen und davon triumphierend ein Handy-Video machen, das sie bei Youtube einstellen, erschüttert uns das. Vielleicht kommt es uns auch so vor, als würden die jungen Frauen heute nur noch sexuell aufgeladene Profilbilder von sich ins Internet stellen? Prügelnde Jungen, sexy Playboy-Häschen – Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in den Bildern der Jugendlichen? Was machen die da eigentlich die ganze Zeit, wenn sie – wie Studien ergeben – im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche im Internet sind? „Flickernde Jugend – rauschende Bilder. Netzkulturen im Web 2.0“ heißt eine frisch herausgegebene Untersuchung über das Verhalten von Jugendlichen in den typischen Online-Bild-Plattformen wie Flickr und Youtube. Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Universität Frankfurt, hat mit ihrem Team die Plattformen besucht und akribisch durchstöbert. Sie legen erstmals eine Studie vor, die nachzeichnet, was Jugendliche im Netz mit Selbst- und Fremdbildern inszenieren.

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung ist, dass ein großer Teil der Jugendlichen, die sich über bewegte und unbewegte Bilder im Netz zeigen, sich an sogenannten Stars orientiert. Ihre Posen, ihre Mimik, ihre Maskerade – all das gilt als Schablone für Jugendliche, wenn sie zum Beispiel ein Profilbild von sich bei Facebook oder ein Selbstporträt bei Flickr einstellen. Anders gesagt: die Pose ist für heutige Jugendliche größtenteils so selbstverständlich, wie Händeschütteln. „Wesentlicher Bestandteil der digitalen Jugendkultur ist die körperbetonte sinnliche Selbstdarstellung“ schreiben Richard und ihr Team. Die Visitenkarte des „Ich“ im Netz wird in einem aktiven Prozess gestaltet. Noch Interessanter wird die Untersuchung an dieser Stelle, wenn sie auf die Unterschiede bei Jungen und Mädchen eingeht.

Men act – Women appear
„Men act – Women appear“ heißt ein Leitsatz von John Berger, der die Repräsentation von Gender in Bildern oder im öffentlichen Leben auf einen Nenner zu bringen versucht. Die WissenschaftlerInnen scheinen diesen Leitsatz in der „flickernden. Jugend“ wieder zu finden: Weibliche User ironisieren zum Beispiel mittels gespielter Weiblichkeit und Niedlichkeit, wie zum Beispiel ein unschuldig-schief gelegtes Köpfchen, die geltende Norm von Weiblichkeit. Damit seien Frauen, so die These, in der Lage, Stereotype gezielt zu unterwandern und zu brechen. Männern hingegen sei das verwehrt. Sie träten nicht um der bloßen Erscheinung wegen auf eine Bildfläche, sondern um einer Tätigkeit Willen. Wenn sich also eine sehr große Zahl von Frauen als „kleines Mädchen“ inszeniert, so wird hier ein spielerischer, stereotypbrechender Umgang mit dem Selbstbild angenommen. Wenn Männer sich als „starke Männer“ inszenieren, gibt es keine subversiven Momente in ihrer Darstellung. Vielleicht liegt es daran, dass junge Männer häufiger gesichtslos bleiben, als junge Frauen? (mehr …)


Facebook | |



Anzeige