Einträge mit dem Tag ‘Island’


Lesestoff zum Wochenende

5. Juni 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 89 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Heute vom sonnigen Vernetzungstreffen „Frauen im Net”, die spannendsten Beiträge aus der feministischen Blogosphäre der letzten Woche:

In den Geschichten von der honigsüßen Welt berichtet Lori vom linken Jugendkongress in Hamburg. Im Workshop „Yes means Yes” ging es um Grenzen und selbstbestimmte Sexualität.

Die denkwerkstatt hat sich den österreichischen Frauenbericht 2010 durchgelesen:

Frauen verdienen weniger und leisten mehr unbezahlte Arbeit, Migrantinnen schneiden noch schlechter ab.

Den zweiten Familienreport des deutschen Bundesfamilienministeriums kommentiert der VÄTER Blog.

Zwischengeschlecht.info weist auf einen Text von Joke Janssen hin, der sich mit dem Umgang der Gender- und Queer Studies mit intersexuelle Menschen beschäftigt hat.

Auch im Juni gibt es bei der Missy wieder eine Gastbloggerin: Nadine von Medienelite und der Mädchenmannschaft. Los ging’s mit Alkohol und alten Rollenbildern.

Auf seoulmate fragt sich Gitte, welches Verhalten uns zu „uns” macht und was „sich verbiegen” bedeutet.

Neue Bundespräsident_in wird nicht Ursula von der Leyen, sondern Christian Wulff. Dass dahinter erstaunlich viele Emotionen auf Seiten der männlichen Politiker stehen, beobachtete Antje Schrupp.

Warum wir heutzutage noch nicht post-gender sind erläutert zeitspuk.de .

Feministische Fans amerikanischer TV-Serien aufgepasst, mit previously… gibt es eine neue Sendung im Dresdner coloRadio. Natürlich auch online zum Nachhören und Abonnieren als Podcast.

Zum Schluss noch eine Nachricht aus Island: Wie queernews.at berichtet, werden dort künftig mehr Eizellenspenden erlaubt. Bisher musste der Samen dann vom Partner der zukünftigen Mutter stammen – homosexuelle Paare, Singles und heterosexuelle Paare, bei denen beide Partner Probleme mit der Fruchtbarkeit haben, wurde so quasi verboten, Kinder zu bekommen.


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Island sagt: Nix Big Penis, jetzt Big Ladies

28. April 2009 von Meredith
Dieser Text ist Teil 12 von 42 der Serie Meine Meinung

Island hat die Konsequenz gezogen. Am Sonntag hat das Land gewählt und die ursprünglich provisorische Regierung von Jóhanna Sigurðardóttir bestätigt. Die Koalition der Sozialdemokraten und Links-Grünen erhielt über 50 Prozent der Stimmen und das bei einer historisch hohen Wahlbeteiligung. Die Unabhängigkeitspartei, deren Politik die Hyperfinanzkrise in den letzten Jahren gefördert hatte, erlitt extreme Stimmverluste.

Die geringe Größe Islands beförderte ursprünglich den finanziellen Kollaps des Landes. Das gesamte Land verwandelte sich ab Anfang des Jahrzehnts innerhalb kürzester Zeit in eine Art Hedgefond; von 2002 bis 2007 verfünfzigfachte sich die Zahl der ausländischen Anleihen in isländischen Händen. Isländische Banker galten international als besonders talentiert und vor allem als schnell, was Auffassungsgabe und Handlungsfähigkeit betrifft. Geschwindigkeit war dann auch das Alleinstellungsmerkmal bei der Implosion der isländischen Wirtschaft – und ist es auch jetzt, wo sich die Insel aus dem Schlamassel zu befreien bemüht.

Während gerade in Europa die Reformen eher schleppend voran gehen und sich die Politik eher um Systemstabilisierung bemüht, rückständige Sektoren stützt und Banken rettet, deren Verantwortungslosigkeit für jeden Arbeitslosengeldempfänger das Ende seiner Zuwendungen bedeuten würde, manifestiert sich in Island ein eindeutiger Wille zum Wandel. Die Entschlossenheit und das Tempo, mit dem das geschieht, liegen vielleicht auch daran, dass es nur 350.000 Einwohner gibt auf der „Kriseninsel“, wie sie in den Medien genannt wird. Da spricht es sich eben schnell herum, wenn sich etwas ändern muss.

Und es ändert sich enorm viel gerade. Die neue Premierministerin Jóhanna Sigurðardóttir ist nämlich nicht nur eine linksgerichtete Politikerin, die einen radikalen politischen Umbruch verspricht und sich für einen EU-Beitritt Islands stark macht. Sie ist eine Frau und bekennende Lesbe. In einem Staat, der laut der prominenten Unternehmerin Halla Tomasdottir unter dem „Big Penis Complex“ seiner männlichen arbeitenden Bevölkerung leidet, und wo prügelnde, Hochprozentselige Männlichkeit die Alltagskultur dominiert (zumindest laut jedem einzelnen Islandbeobachter) – kommt das einer Revolution gleich. Erstmals wird hier ein treibender Faktor der Finanzkrise benannt und zur Verantwortung gezogen: eine größenwahnsinnige, laute, Angebermentalität die vor allem von jungen und nicht ganz so jungen Männern in den Manageretagen kultiviert wird. Dass es auch Frauen mit Big Penis Syndrom gibt und dass auch Frauen von der Spekulation der letzten Jahre profitiert haben, steht ganz außer Frage. Aber in der isländischen Entwicklung deutet sich zumindest ein kultureller Wandel an.

Und sie zeigt, dass diese Krise das Ende vieler Übel bedeuten kann: Für Machokultur und für verantwortungslose Hybris. Allerdings nur, wenn die Situation eben als Chance begriffen wird für einen Gesinnungswandel, für nachhaltige Konzepte und für Frauen, die jetzt die Gelegenheit zur Gestaltung ergreifen müssen. Das dauert in Ländern, die mehr als eine Drittelmillion Einwohner besitzen vielleicht etwas länger – möglich sein sollte es aber allemal. Und dafür ist jede und jeder Einzelne von uns zuständig.


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