Einträge mit dem Tag ‘Islam’


Kurz verlinkt: rassistische Werbetafeln, männliche Legofiguren und studentische Prostituierte

2. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 96 von 152 der Serie Kurz notiert

In Anatolien demonstrierten Frauen für das Recht auf Minirock. Sie richteten sich gegen die Aussage eines Theologieprofessors, der behauptete, dass Frauen, die sich „aufreizend“ kleiden, sich nicht wundern sollten, wenn sie vergewaltigt würden. Frauengruppen liefen Sturm und stellten richtig: Ob Minirock oder Voll­verschleierung, Schutz vor Missbrauch und Vergewaltigung bieten beide Klei­dungs­stücke nicht.

Die FAZ stellt in einem Video die Rollstuhltennisspielerin Katharina Krüger vor. Sie ist mit 20 Jahren bereits fünfmalige deutsche Meisterin und hat auch an den Paralympics 2008 teilgenommen. Vom Fußgängertennis unterscheidet sich Roll­stuhl­tennis übrigens nur in einer Regel: Der Ball darf zweimal aufkommen.

In New York City wurde eine rassistische Anti-Abtreibungswerbetafel mit Aufschrift „Der gefährlichste Ort für ein afroamerikanisches Kind ist der Mutter­leib“ aufgehangen. Diese wurde nach massivem Protest wieder ab­ge­nom­men!

Warum sind die Standardfiguren in Legosets eigentlich so oft männlich? Diese Frage trieb Melitta Walter um und das Spiegel TV Magazin ging ihr nach. Ob Bauarbeiter oder Polizist, fast jeder Beruf wird mit männlichen Figuren aus­ge­liefert, eine Professorin findet sich erst in der Phantasiewelt „Atlantis“. Wer sich mehr Vielfalt wünscht, muss sie leider selbst herstellen.

Im März vergangenen Jahres preschte die Telekom als erstes deutsches Un­ter­nehmen vor und gab sich eine Frauenquote (wir berichteten). Anastassia Lauter­bach übernahm daraufhin die Spitzenposition im Produkt- und In­no­va­tions­bereich. Jetzt wurde sie entlassen, nachdem sie zuvor bereits von der Tele­kom degradiert worden war, berichtet Spiegel Online.

Eine Kritik zur PartypolitikLadies trinken für lau” gibt es auf feministing.

Auf Direkte Aktion könnt ihr einen Beitrag zur „studentischen Pros­titu­tionsliteratur“ lesen, die die Lebensrealität von geschätzt 100.000 10.000 Studierenden in Deutschland beschreibt, die neben ihrem Studium im Sexgewerbe arbeiten: „Prostitution in einer prekarisierten und globalisierten Arbeitswelt“.

Britische homosexuelle Muslim_innen kämpfen für ihr Recht auf Ehe und sprechen mit BBC über Glauben, Sexualität und die so genannte nikah, ein muslimischer Ehevertrag. Muslimah Media Watch berichtet ebenfalls.

Fallopian Falafel – אשת חיל - ist ein unkommerzielles feministisches Fanzine in Jerusalem, welches im Mai 2007 erstmalig erschien. Es handelt von Femi­nis­men in Israel und thematisiert alle Formen von Unterdrückung. Leider hat die Herausgeberin Hadass S. Ben-Ari den letzten Call für das Magazin ausgerufen und hofft nun auf rege internationale Beteiligung – die Themen sind frei wählbar. Mehr Infos gibt es auf der Homepage.

Barbara Streidl war anlässlich zum 100. Internationalen Frauentag zu Gast bei einer Diskussionsrunde zum Thema “Ohne Gleichstellung keinen Fortschritt” im Willy-Brandt-Haus.


Facebook | |


Frauen als Motor demokratischen Wandels in Nordafrika

28. Februar 2011 von Franziska

In den letzen Wochen sind Millionen von Menschen in der arabischen Welt für Frei­heit und Demokratie auf die Straßen gegangen, um für ein Ende von Korruption und Will­kür­herr­schaft einzusetzen. Zur Über­raschung manches West­lers sind Frauen ganz vorne mit dabei – jung und alt, verschleiert und un­verschleiert. Sie sind mittlerweile zum Symbol des Auf­standes geworden. Nun ist es wichtig, dass die Stimmen der Frauen in den angestoßenen Trans­formations­prozessen in Ägypten und Tunesien auch gehört werden. In den aktuellen Ver­handlungen domi­nieren jedoch erneut die alten männlichen Eliten. Europa sollte die Be­teiligung der mutigen und engagierten Frauen­bewegungen an den politischen Re­formen in Tunesien und Ägypten unterstützen. Ohne die Gleich­berechtigung der Geschlechter ist ein dauer­hafter demo­kratischer Wandel zu einer wirklich offenen und gerechten Ge­sell­schaft nicht denkbar. Dies war An­lass und Moti­vation einen direkten Aus­tausch zwischen Frauen­recht­lerinnen aus Tunesien, Ägypten und der EU zu initiieren, welcher am 15. Februar 2011 im Euro­päischen Parlament in Straßburg in Ko­operation mit Ana Gomes (Fraktion der Pro­gressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten) mit dem Titel “Women for trans­formation” stattfand. Diskutiert wurden die Rolle und Chancen von Frauen in den Reform­prozessen der beiden Länder, sowie die Mög­lich­keiten für eine konkrete Unter­stützung von Frauen­rechts-Organisationen seitens der EU. Das ganze fand virtuell statt – per live Zu­schaltung und Skype.

Die Teilnehmerinnen unterstrichen, dass gerade im Hinblick auf die bisherige Situ­ation von Frauen die Revolutionen in Tunesien und Ägypten als politischer Be­freiungs­schlag gegen politische Marginalisierung betrachtet werden muss. Frauen sind wichtige Ak­teure im demo­kratischen Trans­formations­prozess, da kaum eine andere ge­sell­schaft­liche Gruppe größeres Inte­resse daran hat, dass sich die Ver­hältnisse tat­sächlich ändern – aber auch daran, dass die bunten Massen­proteste nicht in re­ak­tionären Is­la­mis­mus abgleiten. Eine zentrale Forderung von manchen tunesischen Frauen­organisationen ist daher zum Beispiel eine religiös neutrale Ver­fassung. Außer­dem lenkten die Teil­nehmer­innen die Auf­merk­sam­keit auf den Bedarf einer recht­lichen Gleich­stellung von Mann und Frau in den Ver­fassungs­re­formen, sowie die Einführung von Anti-Dis­kriminierungs­klauseln.

Grundsätzlich gilt, dass die Stellung von Frauen in der Ge­sell­schaft ein Grad­messer für den Erfolg des Trans­formations­prozesses ist. Gleich­zeitig muss jedoch fest­gestellt werden, dass die politischen Akteure, welchen den Reform­prozess aus­handeln, der­zeit allein Männer sind. So ist im ägyptischen Rat für die Ver­fassungs­reform keine Frau zu finden. Die EU sollte daher auch das neue Ge­sicht Nord­afrikas, welches junge Menschen und gerade auch Frauen sind, adressieren. Die Dis­kussions­teil­nehmer­innen forderten deshalb die Europäer im Rahmen der Konferenz dazu auf, eindringlich auf eine politische Beteiligung der Frauen hin­zu­wirken. Kurz­fristig heißt das vor allem: Frauen­organisationen und andere Akteure dabei unter­stützen, um Frauen zur aktiven Teilnahme an den bevorstehenden Wahlen zu ermuntern und sie beim Auf­bau der nötigen Infrastruktur zu unterstützen.

Beratung zu Reformen müsste geschlechtersensibel durchgeführt werden. Eben­so müssen die Europäer darauf hinwirken, dass die neuen, freien Medien nicht wie bisher männlich dominiert werden. Jour­na­list­innen haben viel dazu beizutragen, die Medien der arabischen Welt vom Regierungs­sprach­rohr zu Ab­bildern der neuen gesellschaftlichen Verhältnisse zu machen. Mittel­fristig sollte die EU die Bildungs- und Berufs­chancen der Frauen zu Prioritäten ihrer Politik gegen­über der Region machen.


Facebook | |


Manifesten mit Kübra

24. Februar 2011 von Verena

Einen Hingeh-Tipp für die BerlinnerInnen gibt es heute: Die Buchpremiere zum MANIFEST DER VIELEN

Das Manifest der Vielen ist Gegengift und Pflichtlektüre: Um sich nicht abzuschaffen, muss Deutschland sich neu erfinden. Dreißig profilierte Autorinnen und Autoren schreiben über ihr Leben in Deutschland, über Heimat und Identität, über ihr Muslim- oder Nicht Muslim-Sein anlässlich der Sarrazin-Debatte. Ergebnis ist eine Vielfalt der Stimmen für “das Eigenrecht gelebten Lebens” (Hilal Sezgin). Ein Abend mit Gesprächen, Lesung, Bar und Clubabend: Tanz den Sarrazin!

Mit dabei ist neben Hilal Sezgin, Feridun Zaimoglu und Mely Kiyak auch unsere Kolumnistin Kübra Gümüsay.
Los geht es um 19.30 im Maxim Gorki Theater. Eintritt 12 Euro


Facebook | |


Neues aus der muslimischen Trendethnie

20. Januar 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 6 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

Bin ich eine Sadistin? Schlummert tief in mir eine andere Kübra? Denn warum sonst geißele ich mich immer wieder mit schlechten Hetzartikeln in deutschen Wochenmagazinen?

Jedenfalls erwischte ich mich kürzlich wieder dabei, wie ich einen solchen Artikel las. Ich wäre fast vom Stuhl gekippt, ging es doch tatsächlich endlich einmal um das noch nie zuvor besprochene Tabuthema Ehrenmord und das Sexualleben „muslimischer“ Jugendlicher in Deutschland (man ist bekanntlich nicht mehr türkisch oder arabisch, sondern nur noch muslimisch).

Wirklich gut wird der Artikel, als er es schafft, durch das ständige Wiederholen einen direkten Zusammenhang zwischen Islam und Ehrenmorden zu kreieren. Das heißt im Klartext: Ehrenmorde wird man nur dann los, wenn man den Islam los wird. Dabei haben Ehrenmorde oft mehr mit der Tradition als mit der Religion zu tun – die Ehrenmorde sogar verbietet. Viele junge Mädchen argumentieren mit ihrer Religion gegen herrschsüchtige Väter und Brüder. Aber nein. Hier schreibt schließlich eine, die es wissen muss. Sie kommt aus dem besagten Kulturkreis. Ergo: Sie besitzt einen Freischein für Undifferenziertheit.

Und das ist schade, weil die Autorin über etwas Wichtiges schreibt. Es gibt Familien und Gesellschaftskreise, die ihre Ehre vom Jungfernhäutchen der Töchter abhängig machen und, um diese Ehre zu retten, auch körperliche Gewalt ausüben würden. Und jeder dieser Fälle ist eine Tragödie.

Schon mit 16 Jahren fuhr ich an Wochenenden zu interreligiösen Veranstaltungen und Dialogprogrammen und erzählte Tagung aus, Tagung ein die gleiche Leier: Nein, Ehrenmorde sind kultur- und traditionsabhängig. Sie sind mit dem Islam eigentlich unvereinbar. Aber natürlich ist jede Religion schon einmal für Gewalt instrumentalisiert worden: das Christentum, welches Nächstenliebe predigt, ebenso der friedfertige Buddhismus. Überall dieselben Fragen, deshalb auch dieselben Antworten. Auch im Fernsehen und sämtlichen Talkshows.

„Muslime kommen unglaubwürdig rüber“, sagte mir eines Tages ein Freund. „Einerseits betonen sie, wie unislamisch Ehrenmorde sind, andererseits findet man immer wieder Fälle, bei denen Religion als Motivation angeführt wird.“ Dass sich in vielen deutschen Städten Muslime seit Jahren aktiv gegen Ehrenmorde und für eine Trennung von Religion und Tradition einsetzen, wusste er nicht. Ehrenmorde sind auch nicht die einzige Tradition, für die der Islam missbraucht wird. Gewalt in der Ehe, schwache Frauenrollenbilder und belastend hohe Erwartungshaltungen an Männer sind nur einige der Missstände.

Wir Muslime müssen diese Missstände weiter diskutieren, intensiver als bisher. Nicht jedoch mit Fingerzeigenden auf Dialogveranstaltungen, wo wir glauben, der Islam als Ganzes stehe auf dem Prüfstand, und uns deshalb sofort in Verteidigungshaltung begeben. Sondern souverän, kritisch und selbstbestimmt innerhalb der muslimischen Communities. Dafür brauchen wir Foren und Formen. Und dann kann die kleine Sadistin in mir ruhen.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


Facebook | |


Warum ich gern die dicke Anna wär

16. Dezember 2010 von Kübra
Dieser Text ist Teil 4 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

Auch ich wurde in der Schule mit schlecht geschriebenen Jugendbüchern über Mobbing gequält – von Erwachsenen, die uns Jugendliche voll gut verstanden. Eines der Mobbingbücher handelte von Anna, einem fülligeren Mädchen, das von seinen Mitschülern geärgert wird. Irgendwann passiert ganz viel Drama. Am Ende wird Anna selbstbewusst. Happy End. Langweilig. Eine Szene aber blieb mir im Kopf hängen:

Als Anna mit ihrem neuen Selbstbewusstsein ins Schwimmbad geht, ruft ein Junge „Fette Anna!“ und lacht sie aus. „Fett schwimmt oben!“, ruft Anna zurück. Und lacht auch. Er ist irritiert. Dann lachen sie zusammen und werden Freunde. Frei nach der Pausenhofregel: Wenn dich jemand auslacht, dann lach mit. Denn das kommt souverän rüber.

So einfach ist das. Im letzten Jahr war ich in den Religionsleistungskurs einer Schule eingeladen. Das Thema war der Islam und ich das lebende Beispiel. Der Lehrer, gleichzeitig Leiter der Schule, stellte mich der Klasse so vor: „Das ist Kübra, sie ist Muslimin, aber trotzdem ganz nett.“ Einen Moment der Stille. Betretenes Schweigen. Da fing ich an zu lachen, die Klasse mit mir mit. Und auch der Lehrer, wenn auch zögerlich. Letztendlich hatten wir viel Spaß. Hat man ja sonst kaum in der Schule.

Auch mit meinen – muslimischen wie nichtmuslimischen – Freunden witzeln wir im Alltag über die geheimen Waffenlager unter meinem Kopftuch oder die verrückte Terrorhysterie. An Flughäfen flüstern wir „Terror“, „Bombe“ und „Trainingscamp“.

Sobald aber Muslime mit Fremden, mit Kritikern vor allem, über den Islam, ihre Religion, diskutieren, ist erst mal Schluss mit Humor. Das Thema ist so persönlich, privat und emotional geladen, dass viele von uns verkrampfen.

Fast automatisch gehen wir auf Verteidigungskurs und sehen uns als Vertreter der Religion, die sich der ganzen Welt erwehren müsse. Und ja, wir kennen auch den Vorwurf, der daraus resultiert: Muslime seien humorlos. (weiterlesen …)


Facebook | |


Stoppt die Zwangsislamisierung!

18. November 2010 von Kübra
Dieser Text ist Teil 2 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

Kübra Yücel, 22, ist Kolumnistin bei der Tageszeitung (taz), schreibt als freie Journalistin für verschiedene Publikationen und betreibt den Blog ein-fremdwoerterbuch.com. Sie studiert Politikwissenschaften in Hamburg und zuvor in London. Kübra ist Gründungsmitglied von Zahnräder, einem Netzwerk von engagierten und aktiven Muslimen und Musliminnen. Wir begrüßen Kübra ganz herzlich auf der Mädchenmannschaft und freuen uns auf ihre Kolumne “Das Wort zum Freitag”.

Eine Morddrohung habe ich erhalten. Meine erste. Ich sollte mich wohl geehrt fühlen. Eine Morddrohung ist ein Ritterschlag für jeden Meinungsmacher. Wer heutzutage was auf sich hält, schmückt sich mit seinen Kritikern und vor allem mit seinen Bedrohungen. Je gefährdeter die Person und Meinung, desto wichtiger wird man. Danke. Aber nun zum Thema.

Aus gegebenem Anlass – quasi als Dankeschön – schließe ich mich meinen Kritikern an und fordere einen Stopp der Islamisierung Europas. Auch ich finde es erschreckend, wie viele Menschen nun plötzlich zu “Muslimen” gemacht werden.

Unauffällige Bürger Deutschlands, die sich bis dato nie mit Religion oder dem Islam beschäftigt hatten, bekommen plötzlich ein “Muslim”-Etikett verpasst. Zack! Zum Beispiel meine atheistische iranische Freundin, die von vielen Deutschen pauschal unter der Kategorie “Muslimin” geführt wird. Deswegen muss sie ihnen gegenüber ihre Partygänge und ihren Alkoholkonsum verteidigen. Oder ein türkischer laizistischer Bekannter, dem kein Schweinefleisch mehr angeboten wird. Die beiden wurden quasi zwangsislamisiert und hocken nun in einem Boot mit praktizierenden Muslimen. Und wie viele andere müssen nun auch sie geradestehen für eine Religion, die sie weder kennen noch kennen wollen. (weiterlesen …)


Facebook | |


Selber kämpfen, statt befreit zu werden

20. Oktober 2010 von Helga

Auf Muslimah Media Watch beschwert sich Sara Yasin über die Berichterstattung wenn es um muslimische Frauen geht. Statt sie in all ihren Facetten darzustellen, beschränken sich viele Medien auf Nachrichten über Kopftücher oder Burkas. Auch auf Deutsch fördert eine Google-Suche nach „muslimische Frauen“ vor allem Geschichten über Unterdrückung und ihre Kleidung zu Tage. In ihrem Artikel stellt sie daher z.B. die Organisation Sisters in Islam vor, die sich für die Rechte der Frauen in Malaysia einsetzt.

Wer genau hinschaut, findet weitere Beispiele, wie muslimische Frauen für ihre Rechte kämpfen. In Saudi-Arabien etwa nutzen Aktivistinnen Facebook, um auf den Missbrauch bei Vormundschaften hinzuweisen. Dort müssen alle Frauen einen männlichen Vormund haben, meist übernehmen die Eltern oder der Ehemann diese Rolle. Dies, so die Aktivistinnen, dürfe aber kein Freifahrtschein sein, die Wünsche und Rechte der Frauen zu ignorieren. Vormunde können etwa das Erbe einbehalten oder Hochzeiten verhindern. Die bestehenden Gesetze gegen Übervorteilungen oder Nötigungen seien daher endlich anzuwenden, so die arab news.

Im Ms. Magazine stellt Rafia Zakaria muslimische Aktivistinnen vor, die sich gegen Steinigung als Strafe einsetzen. So ist aus den Sisters in Islam inzwischen die internationale Musawah-Bewegung hervorgegangen, die sich für Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung einsetzt. Auch weisen muslimische Forscherinnen und Theologinnen wie Ziba Mir-Hosseini wiederholt daraufhin, dass die Gründe für Steinigungen und Gewalt in gesellschaftlichen Traditionen, nicht der Religion zu finden sind.

Hissa Hilal hat es in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Kontest „Dichter für Millionen“ fast bis zum DSDS-Superstaräquivalent geschafft. Nun hat sie ein Buch zusammengestellt, das 95 Gedichte enthält. Verfasst von Beduinen-Dichterinnen und eines der wenigen Zeugnisse über das Leben der Bediunnen vor den 50er Jahren. Damit hat sie wieder einmal für Kontroversen gesorgt – diesmal über die Generationengrenzen hinweg, wie Fatima Bahloul auf altmuslimah.com feststellt. Ob es davon jemals eine deutsche Übersetzung geben wird?


Facebook | |


Blogschau: It’s all about the bitchy protest!

9. Oktober 2010 von Nadine

Für viel Begeisterung sorgte bereits am vergangenen Wochenende der Auftritt der Niqabitches in Paris. Nach dem Burka-Verbot in Frankreich sei das der erste subversive Protest gegen gesetzlich legitimierten antimuslimischen Rassismus, berichtet Ein Fremdwörterbuch. Den Niqabitches könnt ihr auch auf Twitter folgen.

Unsere Leserin Anna weist uns noch auf das “Islamic Fashion Festival” in Monte Carlo hin. Das Festival macht nach Kuala Lumpur und Jakarta nun das erste Mal in Europa Station, um mit Mode Stereotypen und Vorurteilen zu begegnen. Daumen hoch!

Wie bereits beim letzten Genderissimi berichtet, waren Annina, Tessa und Julia in Kairo beim Young Media Summit, das “[den] Austausch und [die] Vernetzung zwischen jungen Medienschaffenden aus der arabischen Sprachregion und Deutschland” fördern soll. Auf der Seite des Young Media Summit und bei Annina (Teil 1, 2, 3) könnt ihr die Eindrücke der Teilnehmer_innen nachlesen und erfahrt, welche Menschen hinter den jeweiligen Blogs stecken. Viel Spaß!

Das Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung stellt sich gegen Ausgrenzung und fordert Demokratie statt Integration. Fast 2500 Menschen haben die Stellungnahme bereits unterzeichnet, ihr könnt euch ebenfalls am Protest gegen (antimuslimischen) Rassismus und Xenophobie beteiligen, per Unterschrift und/oder ausgedrucktem Flyer oder Poster.

Watch Salon berichtet von der Quotendiskussion bei der CSU in Bayern. Die 40-Prozent-Quote wird nicht für alle Parteiämter gelten, so wie ursprünglich geplant. Denn besonders JU-Vizechefin Katrin Poleschner wurde nicht müde, die Rhetorik von der Quotenfrau wieder aufzukochen (sic!), nach dieser Frauen gar nicht ausreichend qualifiziert sein können und nur qua Geschlecht diese Position erreichen.

Auf L-Talk gibt es ein Interview mit Antje Wagner über lesbische Literatur. Wagner liest außerdem heute Abend bei der lesbisch-schwulen Lesenacht in Frankfurt am Main.

Das European Pro-Choice Network hat einen Offenen Brief an Antreibungsgegner_innen verfasst. Wer den Brief unterzeichnen will kann das mit einer Email an prochoicenet [ät] yahoo [punkt] com tun. (via Mädchenblog)

Termine:

Nächste Woche findet im Haus der Kulturen der Welt ein Festival über lateinamerikanische Weiblichkeit statt. “Grenzgängerinnen” will den Blick für das Erbe des Kolonialismus und exotisierende Vorstellungen von Frauen in postkolonialen Ländern schärfen und nimmt dabei auch die Darstellungen über u.a. Frida Kahlo und Evita Perón unter die Lupe.

Am 25. Oktober veranstaltet das Berliner Gender- und Technikzentrum ein Symposium zu Gender und Diversity. Expert_innen stellen den aktuellen Forschungsstand vor und Vertreter_innen aus Wirtschaft, Technik und Politik diskutieren, wie Gender- und Diversity-Konzepte ihren Weg in die Praxis finden (können).

Noch mehr Termine findet ihr hier. Dort könnt ihr auch weitere Termine und Veranstaltungen in die Kommentare posten.


Facebook | |


So geht das mit dem Klartext reden: Mulimische Girls gegen Sarrazin

13. September 2010 von Meredith

Thilo Sarrazin und sein “Das wird man wohl sagen dürfen”-Deutschland sorgen ja schon seit ein paar Wochen dafür, dass alle so tun können, als würden sie über etwas debattieren. Bei mir sorgt das wiederum bisher für ausschließlich schlechte Laune, doch jetzt ist auf youtube ein Film aufgetaucht, der mein ganzes Menschenbild wieder zu erstrahlen gebracht hat und dass ich für einen guten Wochenstart allen ans Herz legen möchte.
In diesem Video versucht der rechtsgerichtete Blogger Michael Stürzenberger, mit zwei muslimischen jungen Frauen in der Münchner Fußgängerzone über Sarrazins Behauptungen zu diskutieren. Medienkompetent, schlagfertig und leidenschaftlich nehmen die beiden den unverschämten Menschen mit dem Mikro (“Fastenmonat interessiert mich doch gar nicht”) auseinander (und spielen währenddessen auf dem Iphone): Wie war das nochmal mit eurer so genannten Intelligenzverteilung, ihr Deutschlandretter?


Facebook | |


“Soldatinnen Gottes – Die Frauen der Hamas”

3. September 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 10 von 10 der Serie Frauen & Religion

Schon Anfang August lief die sehenswerte Dokumentation “Soldatinnen Gottes – Die Frauen der Hamas“. Die palästinensische Regisseurin Suha Arraf begleitete vier Frauen der Hamas in ihrem Alltag und zeigt, was jene Frauen bewegt, die selbst die Märtyrer-Tode der eigenen Söhne feiern.

Die Hamas ist Partei, Terrororganisation und soziales Netzwerk zugleich. Wie alle radikal ideologisierten Gemeinschaften investiert sie viel Kraft in die Indoktrinierung nachfolgender Generationen. Es sind vor allem die Frauen – Mütter, Lehrerinnen und Studentinnen – die die nächste Generation von Hamas-Anhängern aufziehen und ihnen das ideologische Rüstzeug vermitteln.

Zur Annährung an das Thema ist ein Fokus auf die sozialen Probleme im Gazastreifen unerlässlich: Vier von fünf Bewohner_innen leben unterhalb der Armutsgrenze, die Abdeckung von Grundbedürfnissen wie Zugang zu Wasser ist nicht immer gewährleistet. Der Gazastreifen gehört zu den dichtestbesiedelten Gebieten der Welt (4000 Menschen pro Quadratkilometer) und ist seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas 2007 nahezu vollständig durch Ägypten und Israel abgeriegelt. Die Situation im Palästinensergebiet bietet demnach einen idealen Nährboden für fatalistische Gruppierungen, die die Wut und Verzweiflung der im Durchschnitt sehr jungen Bevölkerung für sich auszunutzen wissen.

Teil 1 (weitere Teile findet ihr auf Youtube.)

Link via bubizitrone.


Facebook | |



Anzeige