Einträge mit dem Tag ‘Irak’


Blick zurück für den Blick nach vorn – Frauen im Mittleren Osten

23. Januar 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 59 von 82 der Serie Die Feministische Bibliothek

Rotes Buchcover mit einem Bild auf dem ca. 20 Mädchen und junge Frauen zu sehen sind.Mit den Revolutionen in Tunesien und Ägypten vor knapp einem Jahr ist auch eine weitere Frage immer wieder aufgetaucht: Wie steht es um die Frauen in Nordafrika, bzw. dem Mittleren Osten? Das Buch “Women and the Family in the Middle East” beleuchtet historische Entwicklungen, von den zwanziger Jahren bis in die Achtziger. Betrachtet werden zehn Länder, vom Irak über Ägypten bis zum Sudan, sowie die Palästinensischen Autonomiegebiete. Außen vor bleiben die Länder “ohne westlichen Einfluß” und Kolonialzeit, der Jemen und Saudi-Arabien, trotzdem ist dies schon ein weites Feld. Darüberhinaus werden die Themen Familie, Arbeit, Religion, Krieg & Revolutionen, Identität und Gesundheit & Erziehung betrachtet – eine umfassende Analyse gibt es daher nicht.

Stattdessen gleicht das Buch einem Puzzle, in dem sich wissenschaftliche Abhandlungen, persönliche Berichte und Fiktion in Form von Gedichten und Geschichten abwechseln. Die einzelnen Texte sind, so verschieden sie auch sind, stets gut zu lesen und verständlich. Der Versuch, das Buch in einem Rutsch zu lesen, muss an der Vielfalt der Themen allerdings scheitern. Umso mehr Sinn macht es, sich einzelne Texte herauszusuchen und mit dem heutigen Stand zu vergleichen. So wurde etwa in Libyen die radikale Gleichstellung von Männern und Frauen geplant. Dass es dazu niemals kam, zeigt nicht zuletzt die aktuelle Situation.

The problem with “starting from reality” is that, without a clear policy of change, one tends to get stuck there. (Das Problem mit dem „Beginn in der Realität“ ist, dass man ohne klare Vorgaben zur Veränderung stecken bleibt.) (mehr …)


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Neues vom arabischen Frühling

14. Juni 2011 von Helga

Gestern wurde im Libanon ein neues Kabinett mit immerhin 30 Minister_innenposten angekündigt. Nur dass diesmal keine einzige Ministerin nominiert wurde. Nicht mal mehr die beiden letzten „Deko-Ministerinnen“ sind dabei, kritisiert Nadine Moawad von nasawiya und fragt sich, wie sich Frauen von diesem System noch vertreten fühlen können.

Sara Mously hat für den Freitag Samar Badawi interviewt. Die 32-Jährige Saudi-Araberin kämpft für das Frauenwahlrecht bei den kommenden Kommunalwahlen und folgt damit Protestlerinnen wie Manal Al Sharif, die ihre Landsfrauen via Facebook dazu aufgefordert hatte, am 17. Juni das geltende Autofahrverbot zu brechen.

Bisher blieben sie in der Öffentlichkeit unsichtbar, selbst während der Revolution: Die Frauen in Libyen. Esther Saoub hat sich auf die Suche gemacht und berichtet für tagesschau.de über einer Gruppe Sanitäterinnen. Dabei ist ihre Situation ganz besonders gefährlich.
Gegenüber der BBC erzählen festgenommene Soldaten Gaddafis, dass sie zu Massen­vergewaltigungen gezwungen wurden. Ähnliches beschreiben auch syrische Deserteure, so die Jerusalem Post.

Im Irak sind während einer Demonstration für Demokratie Frauen­recht­ler­innen belästigt und angegriffen worden, berichtet das Ms Magazine. Hintergrund der Proteste ist das Verstreichen der 100-Tage-Frist von Premier­minister al-Maliki, in der wichtige Reformen eingeleitet werden sollten – geschehen war aber nichts.


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Mehr Demokratie – mit und von Frauen!

15. März 2011 von Helga

Nicht nur bei den Revolutionen in Ägypten und Tunesien haben Demonstrantinnen und Aktivistinnen eine wichtige Rolle gespielt – auch in anderen Ländern gibt es derzeit noch Proteste und Frauen sind aktiv dabei. Für Demokratie und für Frauenrechte.

So begannen die Konflikte in Libyen mit einem Sit-In von Richter_innen, Anwältinnen und Anwälten. Das Radio Netherlands stellt die Anwältin Salwa Bugaigis vor, sie ist die Organisatorin des Sit-Ins und arbeitet weiter in der Rebellenbewegung.

Der Common Ground News Service erläutert die Geschichte der Frauenbewegung in Bahrein, sowie ihre aktuelle Arbeit. Erst 2002 erhielten die bahreinischen Frauen das Wahlrecht, bis zu den Wahlen in 2014 wollen Aktivistinnen noch mehr Unterstützung der Regierung haben, Frauen in die Politik zu integrieren. Ebenfalls dort gibt es ein Porträt von Tawakkul Karman, die der je­me­ni­ti­schen Demo­kra­tie­be­wegung ein Gesicht verleiht.

Weiter südlich haben die Proteste bereits Erfolg gehabt: der Südsudan erreichte gerade nach einem Referendum seine Unabhängigkeit vom Nordteil des Landes. Awid hat Manal Allagabo, Koordinatorin der Strategischen Initiative für Frauen am Horn von Afrika zur neuen Lage im Süden befragt. Die von der südsudanesischen Übergangsregierung beschlossenen Vorgaben für Gleichberechtigung seien ein guter Anfang, so Allagabo, sie durchzusetzen erfordere aber weiter die Aufmerksamkeit der Frauenrechtsorganisationen. Im Zuge der Aufstände gegen den Staats­präsidenten/Dik­ta­tor al-Baschir war es auch zu sexualisierter Gewalt gegen Aktivist_innen gekommen.

Im Irak geht derweil der Kampf um Frauenrechte weiter, erläutert noch einmal die New York Times. Außer der Frauenministerin gibt es inzwischen keine Mi­nist­er­innen mehr und Parlamentarierinnen beschweren sich, da sie von ihren Kollegen und Parteien von Debatten und Sitzungen ausgeschlossen werden.

Das Ms. Magazine hat schließlich einige Details und ein Video zu der De­mon­stration und den Übergriffen auf dem ägyptischen Tahrirplatz:

Internationaler Frauentag in Tahrir von Lauren E. Bohn auf Vimeo.


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Protest im Irak: Feminist_innen demonstrieren mit

4. März 2011 von Magda

Auch im Irak hat sich in den vergangenen Wochen eine massive Protestbewegung ausgebreitet. Eher zurückhaltend wird in den deutschen Medien berichtet, obwohl es bei den Protesten vor einer Woche mindestens neun Todesopfer und etliche Verletzte gab. Die Protestierenden richten sich gegen Korruption, prangern die Misswirtschaft und das Versagen der Politik an und kämpfen für die Gewährleistung einer ausreichenden Strom- und Wasserversorgung.

Am heutigen Freitag soll es in Bagdad und anderen irakischen Städten wieder Proteste geben – mit dabei sind irakische Feminist_innen, u.a. von der Organization of Women’s Freedom in Iraq (OWFI). Yanar Mohammed, die Präsidentin der Organisation, berichtet auf dem Ms. Magazine Blog von den Demonstrationen der vergangenen Woche.

Auch heute gehen Feminist_innen wieder auf die Straßen, um dafür zu sorgen, dass Frauen laut und sichtbar bei den Protesten vertreten sind.


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“Schweden ist das Saudi Arabien des Feminismus” – Neujahrsnews

6. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 61 von 243 der Serie Kurz notiert

Aktuelle feministische Veranstaltungen, Proteste, Filme, Ladyfest-Treffen und Austellungen im Januar findet ihr hier. Ihr könnt immer noch unser Bloggermädchen 2010 wählen und wer unsere liebreizenden Stimmen hören möchte, checkt unseren Femcast “In bed with Mädchenmannschaft“.

Nach dem Erdbeben in Haiti vor fast einem Jahr ist die Zahl der Vergewaltigungen in dem Inselstaat massiv gestiegen, berichtet Spiegel Online.

Geraldine Doyle, die dank eines Posters zu einer Symbolfigur des Feminismus in den USA wurde, ist verstorben.

Geraldine Doyle, die dank eines Posters zu einer Symbolfigur des Feminismus in den USA wurde, ist verstorben.

Das Aus für das Interdisziplinäre Instituts für Frauen und Geschlechterstudien (IZFG) in Greifswald? Nein: In letzter Minute sprang das Rektorat ein. Es geht (vorerst) weiter.

Fabelhafte Frauen: Der Freitag hat ein Portrait über Emma Ihrer, die “Arbeiterinnen-Führerin”. Bitch Magazine schreibt über die US-amerikanische Dichterin Maya Angelou.

Gegen Hacker-Stereotype: Auf wired.com gibt es ein Portrait über die Haecksen, eine Hackerinnen-Gruppe, die sich auch auf dem Chaos Computer Club (CCC) Congress traf.

Auf dem US-amerikanischen MTV lief eine Sendung über Abtreibung mit dem Titel “No Easy Decision” – Jessica Valenti und Shelby Knox urteilten: Eine überraschend gute Sendung!

Schon eine Woche alt, aber doch noch einen Lacher wert: Julian Assange befindet, dass “Schweden das Saudi Arabien des Feminismus” und er ein “Opfer vom revolutionärem Feminismus” sei. Mehr auf Feministing.


CNN berichtet über eine neue Sendung im afghanischen Fernsehen. Dort erzählen Frauen über die weit verbreitete Gewalt und den Missbrauch, die sie erfahren haben – geschützt durch eine Maske.

Laut Bikya Masr wehren sich ugandische Frauen gegen neue Sicherheitsvorschriften. Aus Angst vor Bomben und Terroristinnen, sollen BH’s und damit die Brüste besonders abgetastet werden. Aktivistinnen werten das als Belästigung und verlangen stattdessen mehr Metall- und Bombendetektoren in öffentlichen Gebäuden.

Ebenfalls auf Bikya Masr: Nachdem sogar das irakische Frauenministerium von einem Mann geleitet werden soll, wollen Politikerinnen mehr Druck auf ihre Parteien ausüben, weitere Kandidatinnen für Ministerposten vorzuschlagen. Neun Posten sind im Kabniett von Nuri al-Maliki noch unbesetzt. Er habe auf Kandidatinnen gedrungen, von den politischen Gruppen aber nur einen Vorschlag bekommen, zitierte ihn n-tv.

Ach ja: Frauen liiiieben Salat.


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Kurz und knapp zum Wochenanfang

22. Februar 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 18 von 243 der Serie Kurz notiert

Die Islamdebatte geht weiter. Hilal Szezgin kommentiert in der Taz:

“So unterschiedliche AutorInnen wie die Islamwissenschaftler Katajun Amirpur und Navid Kermani, die Migrationsforscherin Yasemin Karakasoglu, die Journalistin Mely Kiyak, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu und ich haben bereits unzählige Male unser Unbehagen an einer Islam-Debatte dargelegt, die falsch verallgemeinert, unzumutbar polemisiert und ein wohlfeiles Ventil für jene Ressentiments bietet, die man früher Ausländerfeindlichkeit nannte und heute oft die Form von Islamfeindlichkeit annehmen.”

Matthias Franz, Organisator des Kongresses “Neue Männer – muss das sein?” hat der Taz ein Interview gegeben, in dem er über die Probleme spricht, die die Auflösung des traditionellen männlichen Rollenmodells mit sich bringt.

Wie dieStandard.at berichtet, wird die im März stattfindende Parlamentswahl im Irak wahrscheinlich die letzte Chance auf eine echte Beteiligung von Frauen am politischen Prozess sein. Diese Wahl wird die letzte sein, bei der es eine Frauenquote von 25% gibt.

Ebenfalls auf dieStandard.at fragt sich Ina Freudenschuss, was der Kampf um Frauenrechte mit Homosexuellen-Aktivismus zu tun hat? Sie findet: Eine ganze Menge!

An US-amerikanischen Universitäten kämpfen junge Frauen gegen Sex vor der Ehe und befinden: Das ist “echter” Feminismus! Und wenn man doch mal “sündige Gedanken” hat? Die Abstinenz-Aktivistinnen raten: Einfach mal einen tüchtigen Spaziergang einlegen, wie der Spiegel.de berichtet.

Happy Birthday: Die Pille wird 50!

Und: This is what a feminist looks like (via)- Feminismus Österreich-Style:


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Schwanger in der Kriegszone

18. Dezember 2009 von Magda

Auf religiondispatches.org berichtet Kathryn Joyce von einer in Fallujah (Irak) stationierten Marinesoldatin namens Amy, die schwanger wurde und sich für einen Abbruch entschied. Amy hatte nun folgende Möglichkeiten:

a) Sie erzählt ihrem/ihrer Vorgesetzten, dass sie schwanger ist und hofft auf medizinische Versorgung in einem Militärkrankenhaus. Auf Grund der starken Präsenz der AbtreibungsgegnerInnen im amerikanischen Kongress dürfen Militärkrankenhäuser Abtreibungen allerdings nur im Falle von Lebensgefahr, Vergewaltigung oder Inzest durchführen. Dies ist also keine Option.

b) Amy könnte auch einen medizinischen Ausgang in Fallujah beantragen und auf eigene Faust ein Krankenhaus suchen, welches Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Abhängig vom Gebiet kann dies mehr oder weniger sicher sein.

c) Oder: Amy wird zurück zu ihrem Heimatstandort nach North Carolina geschickt, wo sie privat eine Abtreibungsklinik finden muss.

Soldatin in Anbar Province 2006. US Army photo by Lance Cpl. Clifton D. Sams

Soldatin in Anbar Province 2006. US Army Foto von Lance Cpl. Clifton D. Sams

In jedem Fall müssen Frauen wie Amy mit Konsequenzen oder gar Karriereeinbüßen rechnen.

So kann Amy beispielsweise abgemahnt werden, weil sie unerlaubten Sex hatte. Zwar existiert der so genannte “sex ban” im Militär nun offiziell nicht mehr; auf Grund von diversen Einschränkungen findet er dennoch immer noch Anwendung. Nicht überraschend sind überdurchschnittlich viele Frauen von diesen Verwarnungen betroffen, da man nun einmal nur Frauen ansehen kann, wenn Sex Konsequenzen hat. Bei einer Verwarnung schwinden selbstverständlich die Chancen auf eine Beförderung bzw. kann dies sogar das Ende von Amy’s Karriere bedeuten. Als Frau in einem männlich dominierten Beruf ist man darüber hinaus eventuell auch Spott und Vorwürfen ausgesetzt, die darauf hinauslaufen, dass Frauen “ja nun einmal nichts im Militär zu suchen hätten”.

Aus diesen Gründen hat Amy mehrmals versucht, selbst eine Abtreibung durchzuführen. Mit online bestellten pflanzliche Abtreibungsmitteln und dem Putzstock ihres Gewehrs versuchte sie ein erstes Mal, einen Abbruch durchzuführen. Nach dem zweiten missglückten Versuch erzählte sie einer Vorgesetzten von ihrer Schwangerschaft und lieferte sich selbst ins Militärkrankenhaus ein, von dem sie in die USA ausgeflogen werden sollte, um dort privat eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Als man ihr dann mitteilte, dass sie dafür abgemahnt wird, dass sie Sex in einem Kriegsgebiet hatte, führte sie in der gleichen Nacht noch einen nun “erfolgreichen” Schwangerschaftsabbruch durch.

Nachdem ein/e Psychater/in ihr in der Konsequenz bescheinigte, dass sie unter Depression und PTSD (posttraumatic stress disorder = posttraumatische Belastungsstörung) leide, erwirkte Amy ihre eigene Entlassung aus dem Dienst.

“They convinced themselves that anyone who would do a self-abortion is crazy,” Amy says. “It’s not a crazy thing. It’s something that rational, thinking women do when they have no options.”

(Zu deutsch: “Sie glaubten, dass eine Frau, die selbst eine Abtreibung durchführt, verrückt sein muss,” sagt Amy, “aber es ist keine verrückte Sache. Es ist etwas, was rational denkende Frauen tun, wenn sie keine Optionen haben.”)


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Wieder nur Verliererinnen

3. Juli 2009 von Helga

Die Stellung und das Leben der Frauen verbessern. Das war eines der Argumente, um Saddam Hussein zu stürzen. Doch wie die Deutsche Welle neulich berichtete, ist genau das Gegenteil eingetreten.

Bis Anfang der achtziger Jahre hätten die Irakerinnen zu den bestausgebildeten, emanzipiertesten Frauen der arabischen Welt gehört, erklärt Nadje Al-Ali. Doch die Diktatur, der iranisch-irakische Krieg und besonders das ab 1990 verhängte Sanktionsregime hätten bewirkt, dass hunderttausende Irakerinnen ihre Arbeitsplätze und Bildungschancen verloren. Die Invasion 2003 und die anschließenden Gewaltexzesse hätten diese Entwicklung noch einmal beschleunigt.

Mädchen gehen nicht mehr zur Schule aus Angst vor Entführungen oder weil die Familie es sich einfach nicht leisten kann. Gewalt in Familie und Ehrenmorden an Frauen bleiben unbestraft. Die amerikanischen Truppen setzen die Frauen unter Druck, Informationen über ihre männlichen Verwandten und deren (Terror-)Absichten herauszugeben. Insgesamt 800.000 Witwen müssen ihre Familien alleine durchbringen. Auch die Entwicklung der irakischen Politik verheißt nichts Gutes für die Frauen:

Noch gilt im Irak das alte, einheitliche Personenstandsrecht von 1959, das trotz vieler frauenfeindlicher Veränderungen während der Diktatur Saddam Husseins nach Ansicht engagierter Frauenrechtlerinnen immer noch recht fortschrittliche Elemente enthält. Doch der Artikel 41 der neuen irakischen Verfassung sieht vor, dass die Iraker ihren Personenstand künftig nach Maßgabe ihrer Religion oder ihres eigenen Ermessens individuell entscheiden sollen. Die bisherigen Erfahrungen in anderen arabischen und islamischen Ländern haben gezeigt, dass solcherart gespaltenes Personenstandsrecht für Frauen meist von Nachteil ist: denn es wird nicht klar definiert, welche Interpretationen des islamischen Rechtes zum Tragen kommen sollen und wer die Interpretationshoheit innehaben soll.

Die gute Nachricht: Viele Irakerinnen organisieren sich in Frauenorganisationen und engagieren sich für Verbesserungen. Doch der ständige Kampf, der von außen in das Land getragen wird, macht ihnen das Leben schwer. Für sie kein Grund aufzugeben.


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Kampf um die Frauenstimme

30. Januar 2009 von Meredith

Morgen, am Samstag, finden im Irak landesweit Kommunalwahlen statt. In der New York Times ist nachzulesen, wie es dem weiblichen Wahlvolk damit geht.

Für das irakische Parlament gilt eine Frauenquote von 25 Prozent, doch für die kommunalen Räte nicht. Für diejenigen Frauen, die gewählt werden, wird es also ein harter Kampf, denn besonders gern gesehen sind sie von ihren männlichen Kollegen offenbar nach wie vor nicht.

Von 14.000 Kandidaten sind etwa 4.000 Frauen und sie müssen ziemlichen Mut aufbringen. Denn die politische Gewalt betrifft auch sie: Am Mittwoch wurde eine Politikerin von bewaffneten Milizen in ihrem eigenen Haus erschossen. Bisher sind Frauen von dezidiert politisch motivierten Angriffen zumindest körperlich verschont geblieben. Meist beschränkten sich ihre Gegner darauf, Wahlplakate zu verschandeln und Drohungen auszusprechen. Viele Frauen trauen sich daher nicht mal, Wahlplakate anzubringen oder sonst öffentlich für ihr Kampagnen zu werben – sie organisieren stattdessen eher private Veranstaltungen.Wer etwa ganz traditionell von Haus zu Haus geht, beweist schon einen extrem großen Willen.

Die Stimmung ist so schlecht, dass auch erfolgreiche, gebildete Frauen teilweise resignieren:

Bushra al-Obeidi, a law professor at Baghdad University, has rebuffed all efforts to persuade her to become a candidate. She feels the odds are stacked against women, starting with laws she views as discriminatory and derogatory toward women — one allows a rapist to largely escape punishment if he marries his victim. Ms. Obeidi also has little faith in the commitment to gender equality among the current political leadership, which is dominated by religious parties.“I assure you,” she said, “they are against women. They are lying to us.”


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Angst vor dem Namen auf einem Wahlplakat

23. Januar 2009 von Susanne

Focus Online berichtet über irakische Frauen, die bei den Wahlen für das Parlament und die Provinzverwaltungen eigentlich kandidieren möchten, sich aber nicht trauen. Denn obwohl es für diese Wahlen eine 25-Prozent-Quote für Frauen gibt, müssen diese bei einer Kandidatur mit Gewalt rechnen. Die Frauen erscheinen bei den Wahlen 2009 zum ersten Mal mit ganzem Namen auf den Wahllisten, wo früher nur das Symbol ihrer Partei zu sehen war. Das macht sie persönlich angreifbar:

Frauen haben nach der Verfassung zwar die gleichen Rechte wie die Männer, was Wahlen, Eigentum und Gerichtsfähigkeit betrifft. Doch in der irakischen Gesellschaft herrschen tiefe Meinungsverschiedenheiten über ihre Rolle und die des Islams.

(…)

Inzwischen wird schon befürchtet, dass gar nicht genug Frauen antreten werden, um die 25-Prozent-Quote zu erfüllen. Für Said Arikat, Sprecher der UN-Mission im Irak, ist dieses Phänomen nicht überraschend: „Manche Statistiken zeigen, dass Frauen in den Ländern, die von geschlossenen zu offenen Wahllisten übergehen, nicht so gut damit fahren.“ Allerdings kann nach seiner Einschätzung die Umstellung auch für Männer schwierig sein: „Zu Wahlen im Irak anzutreten, erfordert Mut und Engagement von allen Kandidaten.“

(…)

Die frühere irakische Frauenministerin Nirmin Othman, die inzwischen Umweltministerin ist, äußert Verständnis für die Angst vieler Frauen. Gleichwohl sei die Teilnahme an den Wahlen wichtig, um den Irak weiter zu verändern. „Wir brauchen Frauen in Bezirkstagen, Provinzverwaltungen und im Parlament – einfach überall, wenn wir wollen, dass unsere Belange bei der Entscheidungsfindung gehört werden“, sagt sie.


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