Einträge mit dem Tag ‘Interview’


Bloggerinnen im Interview

16. Februar 2010 von Susanne

Nachdem in der Serie “Meinungsmacher” von dctp.tv bisher nur männliche Netzpersönlichkeiten zu Wort gekommen sind, gibt es jetzt endlich auch zwei Bloggerinnen in der Gesprächsreihe: Anne Roth von annalist.noblogs.org und Esther Slevogt von nachtkritik.de erzählen von ihrer Arbeit im Netz, Anne Roth spricht auch speziell über Frauen im WWW (ca. ab Minute 18):

Etwas irritierend bei der Zusammenstellung der Interviews: Jedes Video wird mit einem besonderen Merkmal des Blogs versehen, zum Beispiel das mit Udo Vetter vom Lawblog als “Der bloggende Anwalt” oder das mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org als “TAZ reloaded”. Anne Roth, die über Terrorismus und den “Krieg gegen den Terror” schreibt, wird als “Eine Bloggerin” vorgestellt. Warum, das weiß wohl nur dctp.tv allein.


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“Das Geschlecht ist komplex”

26. Januar 2010 von Magda

Im Tagesspiegel ist heute ein Interview mit Paula-Irene Villa, Professorin für Soziologie/Gender Studies an der Universität München, erschienen. Darin berichtet sie, welche theoretische Richtungen die Gender Studies seit 1985 eingeschlagen haben, nachdem die erste Professur mit Geschlechterschwerpunkt an der FU Berlin eingerichtet wurde, was unter Intersektionalitäten zu verstehen sei und wie die Gender Studies zu den Naturwissenschaften stehen.

Hier ein kleiner Ausschnitt:

Ein Begriff, der seit einiger Zeit oft fällt, ist „Intersektionalität“, also das Zusammenspiel der Faktoren Ethnizität, Klasse und Geschlecht. Allerdings wurde von „race, class and gender“ schon viel früher gesprochen, vor allem in der US-amerikanischen Frauenforschung. Was ist jetzt neu daran?

Vieles daran ist gar nicht so neu, die Betonung von „race, class and gender“ ist ein roter Faden der Geschlechterforschung. Wir erleben jetzt eine Fortsetzung der älteren Debatten, die in Deutschland viel verzagter geführt wurden als in den USA. Doch der Zusammenhang von ethnischer Zugehörigkeit, von Klasse und Geschlecht muss immer wieder neu und vor allem entlang der aktuellen gesellschaftlichen Situation bestimmt werden. Wir leben heute schließlich in einer anderen Welt als vor 30 Jahren. Es geht auch immer darum, sich über die strukturellen Trennlinien der Moderne klar zu werden: Aufgrund welcher Unterscheidungen – eben weiß oder schwarz, arm oder reich, Mann oder Frau – entstehen Machtverhältnisse und Hierarchien?

Wie kann man sich eine Intersektionalitätsstudie konkret vorstellen?

Es gibt zum Beispiel viele Untersuchungen im Bereich Schule, etwa Pisa. Wenn Sie empirisch verstehen wollen, wie sich Schulleistungen ergeben, können Sie sich nicht nur auf ein Merkmal konzentrieren. So können wir nicht generell sagen: Mädchen sind in den letzten Jahrzehnten in Deutschland Bildungsgewinnerinnen und Jungen sind Bildungsverlierer. Das stimmt zwar irgendwie, aber es stimmt eben nicht in dieser pauschalen Allgemeinheit. Die anderen Faktoren – Familienhintergrund und Herkunft – müssen mitbedacht werden. Wir alle sind geprägt von Mehrfachpositionierungen.

Das Interview bringt insbesondere in Hinblick auf die Debatte “Jungs sind die Verlierer des Bildungsystems” Licht ins Dunkel. lantzschi von Medienelite hatte dazu vor einiger Zeit schon mal folgende interessante Bemerkung geschrieben:

Und ist es letztendlich nicht bemerkenswert, dass in den besagten Studien über die Benachteiligung von Jungen und jungen Männern in der Bildung kaum bis nichts darüber erwähnt wurde, dass hauptsächlich Jungen, junge Männer mit Migrationshintergrund und/oder aus bildungsfernen Schichten kommend, von diesen Benachteiligungen betroffen sind? Dass diese Benachteiligungen nicht allein eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, sondern in der Verschränkung der Merkmale Gender/Race/Class ist? (…)

Na klingelt’s? Richtig! Sie haben erkannt, dass hier eine benachteiligte Gruppe von Menschen von einer konservativen Regierung institutionalisiert wird, um der Geschlechtergerechtigkeit Lebe wohl zu sagen.


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Feminismus als umfassende Lebensweise

14. Dezember 2009 von Verena

Es ist immer wieder gut, festzustellen, dass wir nicht alleine sind. Überall auf der Welt basteln Frauen an ihrem feministischen Output. Grrrl Zines sind dabei nur ein Bestandteil der Do-It-Yourself-Kultur und mit Verbreitung des Internet auch eine großartige Gelegenheit, Schere und Klebstoff online zu verwenden.
Die Frauen vom Wiener Projekt fiber. werkstoff für feminismus und popkultur, geben seit 2002 nicht nur ihr Magazin fiber heraus. Sie organisieren Kulturveranstaltungen, unter anderem das rampenfiber-Festival und zeigen online Präsenz.

Als ihr erklärtes Ziel nennen die Macherinnen die kritische Auseinandersetzung mit Dominanzkulturen und Machverhältnissen durch Sichtbarmachung des Verborgenen oder des an den Rand-Gedrängten. Die Populärkultur ist ihr Terrain; die darin transportierten Werte hinterfragt fiber. und bemüht sich um Entwürfe neuer Bedeutungsmuster:

Selbstbehauptende und selbstbewusste Weiblichkeitskonzepte, die herkömmliche Geschlechterkonzeptionen unterwandern, sollen fokussiert und bewusst gestärkt werden. Wir verstehen Feminismus als umfassende Lebensweise und Praxis.

Als Printmagazin erscheint fiber. zweimal jährlich mit einem bestimmten Themenschwerpunkt, neben diversen anderen Features, Interviews und Rezensionen. Über den Themenschwerpunkt entscheidet das Kollektiv – wie überhaupt fiber. großen Wert legt auf die Einbeziehung und Berücksichtigung zahlreicher Personen für die Produktion. Im Interview mit der Mädchenmannschaft erzählen die MacherInnen, wie ihre Hefte entstehen:

Aufgebaut sind wir als basisdemokratisches Redaktionskollektiv mit aktuell neun Personen plus drei Gestalter_innen. Nach der Themenfindung im Redaktionskollektiv wird ein Call über verschiedene Mailinglisten geschickt und aus dem, was dann eingesandt wird, entsteht dann die neue fiber. Wichtig und besonders an der fiber ist also, dass es nicht nur Beiträge der Personen aus dem Redaktionskollektiv gibt, sondern dass viele, immer wieder verschiedene Personen in Form von Artikeln und Bildbeiträgen an den Inhalten und dem Aussehen des Magazins beteiligt sind.

Den Rest des Interviews, die neue fiber mit dem Schwerpunkt „dazwischen“ und mögliche Weihnachtsgeschenke, lest ihr nach dem Klick
(weiterlesen …)


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Vom Leben im Patriarchat

5. Oktober 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 35 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Titelbild HerrschaftszeitenAls wir uns entschlossen, „Herrschaftszeiten!“ in der feministischen Bibliothek zu besprechen, lautete der Untertitel des Sammelbands noch: „Vom Leben im Patriarchat“. Nun steht „Vom Leben unter Männern“ auf dem lilafarbenen Einband – hm, na sowas…

Dabei geht es in den Berichten der 85 Frauen aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport genau darum: Um ihre Erfahrungen im patriarchalisch gefärbten Alltag. Das sind kurzweilige und unterhaltsame Anekdoten wie die der ehemaligen Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff, die der ständigen „Fräulein“-Anrede ihres Chefs ein trotziges „Pascha“ entgegen setzte. Oder Schwimmweltmeisterin Petra Dallmann, die eine Diskobekanntschaft aufgrund ihrer sportlichen und akademischen Erfolge in die Flucht schlug. Aber auch nachdenkliche Beiträge, wie die von Moderatorin Dunja Haylali oder Ingrid Mühlhauser, Professorin für Gesundheitswirtschaft, die die Unterdrückung der Frau im medizinischen Diskurs darstellt.
Und dann sind da die zahlreichen Frauen aus Politik und Wirtschaft, die die bekannten Fakten aufzählen: Frauen verdienen 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen; Frauen haben die besseren Schul- und Uniabschlüsse, machen aber trotzdem weniger Karriere; Frauen sind in Führungspositionen sämtlicher Branchen unterrepräsentiert.

Die ehemalige Artdirektorin und heutige Professorin für Visuelle Kommunikation Friederike Girst hat ein Buch herausgegeben, das ein Sammelsurium an Meinungen, Erfahrungen und Strategien bereit hält. Egal ob als zynische Fiktion, informative Analyse oder grundsätzlicher Rundumschlag, gemein ist allen Portraitierten die Auffassung, egal wie sehr die Emanzipation der Frau das Patriarchat bereits zurück gedrängt hat, nach wie vor besteht Handlungsbedarf. Neben Texten der Portraitierten gibt es zahlreiche Bilder und Collagen diverser Künstlerinnen, in denen das Thema des Buches visuell verarbeitet wird.

(Geschlechts)-Uhren umstellen, zum Kuckuck! - Die Künstlerin Rosalie hat eine eindeutige Bildsprache

(Geschlechts)-Uhren umstellen, zum Kuckuck! - Die Künstlerin Rosalie hat eine eindeutige Bildsprache

Das Spannende an Girsts Buch: Die Portraitierten stammen aus unterschiedlichen Altersklassen und Berufen – und sind keineswegs überzeugte Feministinnen. Viel eher finden sich Texte, in denen die Urheberin anfangs erklärt, sie hätte eigentlich nie eine Benachteiligung erfahren, bis auf, ja vielleicht… und dann springt der Gedankenmotor an und es finden sich doch noch einige Belege patriarchaler Alltagsstrukturen. Herrschaftszeiten“ erfordert Offenheit und Toleranz beim Lesen. Denn jede Frau wird sich hier angesprochen, dort widersprochen fühlen. Aber so vielseitig weibliche Lebensentwürfe und -Realitäten sind, so vielfältig sind auch die feministischen Ansätze. Neben den „üblichen Verdächtigen“ Thea Dorn, Iris Radisch oder Silvana Koch-Mehrin kommen auch Frauen zu Wort, die in den aktuellen Feminismus-Diskussionen sonst keine Rolle spielen.

Diese zeitweilige Unvoreingenommenheit macht die Lektüre ungemein abwechslungsreich und spannend. Gleichzeitig stellt sie aber auch die Frage, was tun mit all diesen Eindrücken? Und lohnt es sich, dieses Buch von vorne bis hinten „durchzuackern“, oder reicht der ein oder andere unverbindliche Blick auf diese oder jene Episode. Und wo die LeserIn gerade noch herzhaft über den absurden Witz Katja Kullmanns lachen musste, fordert der nächste Beitrag schon wieder stirnrunzelnde Betroffenheit. Denn bei der allgemeinen Kurzweiligkeit der Portraits, ein Text wie der von Jutta Ditfurth über die Biografieverfälschung Ulrike Meinhofs, liest sich in diesem Sammelsurium irgendwie fehl am Platze. Und das zeigt eine mögliche Schwäche des Buches, der Kritik am Ungleichgewicht von Frauen und Männern nicht genügend Kanonenfutter zu liefern: Denn in der Fülle aus Humor und Fakten, Anspruch und Schulterzucken geht die inspirierende Konsequenz schon mal unter.

Wer das aber im Hinterkopf behält, der wird ein gut durchmischtes Buch lesen können, das viele unterschiedliche Gesichtspunkte und Herangehensweisen aufzeichnet und sich vor allem für diejenigen eignet, die bei den Begriffen „Feminismus“ und „Patriarchat“ sonst dankend abwinken. Nach einigen Seiten aus diesem Buch dürfte sich manche voreingenommne Meinung ändern.

Erschienen bei DuMont, 312 Seiten, 16,95 Euro

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Das Buch über diesen Link zu bestellen unterstützt die Mädchenmannschaft.

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Renate Schmidt über Frauen- und Familienpolitik

30. Juli 2009 von Susanne

Die ehemalige (unter Rot-Grün) Familienministerin Renate Schmidt spricht im Interview über den Ausbau der Kinderkrippen, über Kinderarmut, alleinerziehende Eltern, Gleichberechtigung von Müttern und Vätern und über ihren Abschied aus dem Bundestag am 27. September:

Schmidt fordert auch eine verbindliche Frauenquote in der Privatwirtschaft – hat sie doch selbst die Erfahrung machen müssen, dass die freiwilligen Selbstverpflichtungen, die sie in ihrer Zeit als Ministerin mit den Unternehmen vereinbart hatte, keinerlei Wirkung auf die Chancengleichheit von Frauen im Berufsleben hatte.


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Die Kunst, keine perfekte Mutter sein zu wollen

14. Juli 2009 von Susanne

Unser Leser Daniel macht uns auf ein interessantes Interview aufmerksam, das Spiegel Online mit der US-Autorin Ayelet Waldman geführt hat. In ihrem Buch “Bad Mother” schreibt sie darüber, wie Frauen sich selbst unter einen wahnsinnigen Druck setzen, die perfekte Mutter sein zu wollen. Im Gespräch erklärt sie dieses gesellschaftliche Phänomen so:

Es ist für Frauen extrem schwer, beruflich ambitioniert zu bleiben und sich gleichzeitig im Privatleben zu verwirklichen. Wenn wir karriereorientierten Frauen diesen Teil unserer Identität hintanstellen, dann wollen wir wenigstens, dass sich das Opfer auch lohnt. Unsere Kinder sollen also Superkinder sein – nicht nur um ihrer selbst willen, sondern auch um unseretwillen.

(…)

Nach Ihren Erfahrungen sind es vor allem Mütter, die es – auch im Alltag – anderen Müttern schwer machen, die mäkeln und kritisieren.
Absolut. Ich bin noch nie auf offener Straße von einem Mann kritisiert worden, weil ich mit den Kindern etwas falsch gemacht hätte, so was machen nur Frauen. Ich glaube, wir Mütter sind so geplagt von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen, dass wir uns besser fühlen, wenn wir andere Mütter abmahnen können.

Ayelet Waldmann wurde in den USA bekannt und eine verhasst öffentliche Person, als sie in einem Artikel schrieb, sie liebe ihren Mann mehr als ihre Kinder. Im Gespräch mit Spiegel Online erzählt sie von den vielen Hass-Emails, die sie bekam – aber auch von einer Einladung ins Weiße Haus, bei der sie der US-Supermutter Nr. 1 ihr Buch schenkte mit der Widmung: “Danke, dass Sie uns alle so schlecht aussehen lassen.”

Dank an Daniel für den Link!


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44 Tote wegen verletzter Ehre

6. Mai 2009 von Susanne

Die kurdische Frauenrechtlerin Nebahat Akkoc sagt im Interview mit der Taz, das Massaker im türkischen südosttürkischen Mardin sei ein sogenannter Ehrenmord:

Ein Cousin wollte selbst die junge Frau heiraten. Gemäß der Tradition hätte er das Vorrecht gehabt. Aber die Familie des Mädchens gab sie einem anderen Bewerber. Der Cousin und seine Familien fühlten sich übergangen und in ihrer Ehre verletzt. Es kann aber auch sein, dass weitere Gründe eine Rolle spielten.

Das Mädchen hat bei der Frage, wen sie heiratet, nicht mitzureden?
Gerade in ländlichen Gegenden leben patriarchale Traditionen fort. Viele Mädchen können sich ihre Ehepartner nicht selbst aussuchen, sondern müssen den Mann heiraten, den ihre Familie ausgewählt hat. Und wenn sie sich widersetzen, müssen sie mit Gewalt rechnen.

Ist das immer noch so? Immerhin hat die türkische Regierung in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Reformen die Rechte der Frauen gestärkt.
Wir sind in den letzten Jahren wirklich ein gutes Stück vorangekommen: Gesetze haben sich geändert; Frauen, die sich an uns wenden, haben jetzt die Möglichkeit, Polizeischutz zu bekommen, wenn sie es wünschen. Zugleich stoßen wir noch immer auf Widerstände, wenn es gilt, die Gesetzesänderungen in die Tat umzusetzen.

Die Türkei muss – will sie wirklich EU-Mitglied werden – unbedingt einen riesen Schritt nach vorn machen, Richtung Gleichberechtigung. Akkoc sagt, dass immer noch viele Staatsanwälte und Polizeibeamte Gewalt an Frauen nicht ahnden, oder dass es zwar ein Programm gegen die sogenannten Ehrenmorde gibt, gleichzeitig aber kein Geld für deren Umsetzung bereitgestellt wird.

Nebahat Akkoc arbeitet bei der Stiftung Kamer in Diyarbakir.


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Die zentrale Frage “Wer bin ich?”

28. März 2009 von Susanne

Die Künstlerin Cindy Sherman hat der Süddeutschen Zeitung ein schönes Interview gegeben. Einen Auszug gibt es hier, das ganze Interview könnt ihr im SZ am Wochenende oder auf sueddeutsche.de lesen.

Eigentlich sind Sie ja eine Lieblingskünstlerin der sogenannten “gender studies”, die sich mit weiblichen Rollenklischees beschäftigen. Sie stellen festgefügte Identitätsmodelle in Frage.
Ja, aber man kann nicht steuern, wie andere deine Bilder sehen. Ich habe das aufgegeben. Manchmal besuche ich einen meiner Sammler zu Hause und sehe eine Arbeit von mir über dem Bett hängen . . .

. . . etwa die “Sex Pictures”? Wo man Sie gar nicht sieht, nur bestimmte künstliche Körperteile, zum Beispiel die von Sexpuppen?
Genau. Und dann denke ich: Oha, da hat jemand aber wirklich etwas falsch verstanden. Die “Sex Pictures” sind wirklich grauenhaft, eklig. Und der findet das auch noch sexy! Ich denke dann so bei mir: Das erzählt mir mehr über dich, als ich wissen will.

Aber wo kommt dieser Hang zum Rollenspiel denn her? Sie haben ja das Spiel mit der eigenen Identität schon in ganz jungem Alter thematisiert. In ein Fotoalbum schrieben Sie in den Sechzigern unter jedes Kinderbild von ihnen mit Krakelschrift: “That”s me”, das bin ich.
Ja. Das Verkleiden ist ein universeller Habitus, denke ich. Ich habe von vielen Frauen gehört, die sich als Kinder verkleidet haben. Das ist ein zutiefst menschliches Verlangen. Es ist vielleicht nicht gerade üblich, so ein Buch zu machen, so etwas unter die Fotos zu schreiben – aber schon Kinder wollen sich doch immerfort selbst erkennen. Sie schauen sich Gruppenporträts an, etwa aus der Schule, und dann zeigen sie mit dem Finger drauf und sagen: Da bin ich. Für mich war die Frage aber immer eher: Wer bin ich? Mag ich mich so oder lieber anders?


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Da war doch noch was…

7. Februar 2009 von Verena

Das Männermagazin FHM hat gewählt: Die Top 100 unsexiest women 2009. Platz Eins belegt Charlotte Roche. Daraufhin hatten wir bereits Mitte der Woche überlegt, ob uns das eine Beileidsbekundung wert sei. Für FHM, nicht Charlotte Roche. Das war es aber nicht, denn erstens sind die Leser der FHM ihre eigene Testosteron-Gang und zweitens tauchen in den Top Ten neben Charlotte Roche so unterschiedliche Frauen wie VIVAne und Bäckersfrau Gülcan Kamps, Politikerin Andrea Ypsilanti oder Spielerfrau Claudia Effenberg auf.

Charmant gelöst hat das die Süddeutsche Zeitung. Unter der nach Berechtigung fragenden Überschrift „Wen interessiert sexy?“ gewinnt sie der Top Ten ganz andere Qualitäten als sexy sein ab: Der liebesbeschwindelten Susanne Klatten zum Beispiel den Gang an die Öffentlichkeit.

Wer besitzt schon so viel Mumm, das alles öffentlich zuzugeben? Die 45-jährige Geschäftsfrau hat sich nicht erpressen lassen, ist an die Öffentlichkeit gegangen und hat in Kauf genommen, ihr Ansehen zu verlieren. Sie hat dabei nur gewonnen. Mit Sex-Appeal hat das nichts zu tun – aber mit Mut und Selbstbewusstsein.

Oder Britney Spears, die sich nach diversen Peinlichkeiten nun wieder obenauf präsentiert.

Das war doch auch alles nicht so einfach – als Kind von der Mutter in den Disney-Club geschickt, als Teenie dann der Weltruhm – da wird ein Absturz doch mal erlaubt sein, ohne dass man gleich unsexy ist.

Nicht zu vergessen die Frage, was Religion (Madonna) oder Politik (Andrea Ypsilanti) mit sexy sein zu tun hätten. Selbst Feminismus scheint in den Augen der FHM-Leser nicht völlig unsexy zu sein – Immerhin belegt Alice Schwarzer Rang 96 und wäre damit heißer als Kate Moss (Platz 62) oder Heidi Klum (Platz 36).

Und dann ist das noch Claudia Effenberg auf Platz Sieben. Als „schrill, schrecklich und schauderlich“ hat die FHM-Jury die Outfitauswahl der Fußballergattin bewertet.
Die Süddeutsche versucht ein Argument zur Ehrenrettung:

Man könnte der ehemaligen Frau Strunz zugute halten, dass sie es schon so lange mit Stefan Effenberg aushält. Auch eine Leistung.

Na, wenn der gute Herr Effenberg jetzt mal nicht sein FHM-Abo kündigt.


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Geschlechter abschaffen

16. Januar 2009 von Katrin

Die Grüne Jugend hat im November eine Fachforen-übergreifende Arbeitsgemeinschaft gegründet mit dem Titel “Geschlechter abschaffen”. Das klingt doch nach einer spannenden Idee.
Im Interview mit der Mädchenmannschaft erklärt der Sprecher des Fachforums LesBiSchwul, Stephan Siepe, wie es dazu kam und was das Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist.

Du hast eine AG “Geschlechter abschaffen” in der GRÜNEN JUGEND gegründet, wie kamst du auf die Idee?
Stephan Siepe: Die Idee kam mir beim Schreiben eines Artikels über Transidentität und das “Transsexuellengesetz”. Ich fragte mich: Diese Menschen möchten ihr rechtliches Geschlecht ändern und bekommen dabei so viele bürokratische Probleme, weshalb machen wir es diesen Menschen so schwer? Wieso müssen wir die Menschen überhaupt zwingen sich in ein festes Geschlecht einzukategorisieren. Einerseits führt dies nämlich zu vielen Problemen für die Individueen, gleichzeitig ist aber auch die zwei-geschlechtliche Einkategorisierung aller Menschen wissenschaftlich gesehen unmöglich. Ein großer Teil der Menschen passt schlichtweg nicht in dieses Frau/Mann-Schema und was ist mit denen?

Wie stellst du dir das vor: Die Geschlechter abschaffen? Was versprichst du dir davon?
Ich bin mir darüber bewusst, dass biologische Geschlechter stets existieren werden. Doch ich sehe auch kein Problem in den Körpern der Menschen, sondern in dem sozialen Geschlecht, oder vielmer was wir daraus machen. Dieses zwingt uns stets eine bestimmte Identität auf. Jungs werden von klein auf als rationale und dominante und Mädchen als emotionale und  zurückhaltende Wesen erzogen. Wer aus dem Schema herausfällt wird komisch angesehen. Wenn wir uns dieser gesellschaftlicher Tatsachen bewusst sind, wesehalb ziehen wir dann nicht die Konsequenz und versuchen die Geschlechterbilder aufzubrechen? Die Leute würden in größerer Freiheit und in mehr Unabhängigkeit leben. Alle Menschen sollen eine eigene Identität finden und diese nicht aufgezwungen bekommen!

Hältst du das für ein realisierbares Ziel? Wer könnte daran interessiert sein, das jenseits eurer AG politisch zu unterstützen?
Bei dieser Frage muss ich die Gegenfrage stellen: Wann wollen wir die Geschlechtergrenzen endlich konsequent abschaffen, wenn nicht jetzt? Die Frauenbewegung hat vieles erreicht. Ich bin Teil einer anderen Generation und dankbar für diese Errungenschaften, die hart zu erkämpfen waren. Wir müssen nun unsere Schlüsse ziehen aus den Erkenntnissen der Gender Studies und des wissenschaftlichen Feminismus und das ist für mich: Geschlechter abzuschaffen. Die Realisierung dieser Erkenntnis wird ebenfalls hart zu erkämpfen sein, doch gerade daher müssen wir nun endlich damit anfangen! Die Idee müssen wir nicht nur in Frauengruppen hineintragen, sondern in alle Gender-interessierten Verbände, aber auch in die Medien, in die Schulen und auf die Straße.

Gibt es nicht dringendere Themen auf der geschlechterpolitischen Agenda? Sollte nicht erst die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern bekämpft werden, bevor man sie “abschafft”?
Wenn wir wissen, dass vorgefertigte Geschlechterbilder immer zu Diskriminierung führen, dann können wir diesen Punkt überhaupt nicht auslassen. Frauen müssen politisch und gesellschaftlich gefördert werden. Aber für eine wirkliche Gleichberechtigung müssen wir ebenfalls die Frauenpolitik öffnen für eine gemeinschaftliche Genderpolitik. Frauenförderung allein wird niemals die gesellschaftlichen Rollenbilder aufbrechen können. Wir haben in unserer Gesellschaft erkannt, dass Frauen genauso viel können wie Männer auch, nun sollten wir versuchen, nicht mehr die Geschlechterunterschiede zu sehen, sondern den Menschen der eigentlich dahinter steckt.


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