Einträge mit dem Tag ‘Interview’

Die Emma-Besetzungscouch

Tuesday, June 24th, 2008 von Susanne

Das Deutschlandradio Kultur fragt seit einigen Wochen verschiedene Frauen, wer die Emma-Nachfolge von Alice Schwarzer antreten und wie es mit dem Feminismus weitergehen soll. Bereits im Interview waren schon Bascha Mika von der Tageszeitung und Tissy Bruns vom Tagesspiegel und haben Vorschläge gemacht, welche Kandidatin oder welcher Kandidat auf die Emma-Besetzungscouch gehören.

Heute ab 14:07 Uhr geb auch ich in der Sendung “Radiofeuilleton” meinen Senf zum Thema dazu und in den nächsten Wochen werden noch viele weitere Kommentare folgen, unter anderem auch von Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray. Auf die Gespräche, ebenfalls zum Nachhören als mp3, werden wir dann an dieser Stelle hinweisen.

Nachtrag 1. Juli:
Auch die Statements von Journalistin und Autorin Ingrid Kolb und von Rapperin Lady Bitch Ray kann man jetzt online anhören. Interessante Info bei Lady Bitch Ray: Sie und Alice Schwarzer sind lose zu einem Gespräch verabredet, Alice Schwarzer will auf einer Hiphop-Veranstaltung diskutieren, Lady Bitch Ray lieber bei Beckmann oder Kerner.

„Wir brauchen dringend Solidarität unter Feministinnen“

Wednesday, June 11th, 2008 von Barbara

Im Interview mit maedchenmannschaft.net sprechen Sabine Scherbaum und Waltraud Pomper von DIE FRAUEN über Ziele und Zukunft ihrer Partei.

Wofür steht die Feministische Partei DIE FRAUEN?

Die Feministische Partei DIE FRAUEN steht für eine feministische Politik. Diese basiert auf drei Faktoren:

a) Wir wollen mehr Macht für Frauen. Dies ist ein Gebot der Demokratie und Gerechtigkeit. Frauen müssen die Macht haben, selbst an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen mitzuwirken – und zwar in einem Umfang, der ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

b) Wir wollen eine Überwindung der Ungerechtigkeiten, die vor allem darauf beruhen, dass Frauen die überwiegende Mehrheit der unbezahlten Versorgungsarbeiten verrichten und dadurch von der angemessenen Verteilung der gesellschaftlichen Macht und des wirtschaftlichen Reichtums ausgeschlossen sind.

c) Unsere Vision ist ein Wertewandel hin zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft, in der das gleichwertige Miteinander aller Lebensweisen im Mittelpunkt des politischen Handelns steht. Wir gehen davon aus, dass die Verwirklichung dieser feministischen Vision Voraussetzung dafür ist, dass eine Welt jenseits der Politik von Kriegen, Umweltzerstörung und Gewalt ermöglicht werden kann.

Wie hat sich das politische Klima seit Angela Merkels Einzug ins Kanzleramt und die damit verbundene Große Koalition hinsichtlich Ihrer Themen verändert? Begreift eine Frau an der Macht, unterstützt von Ministerinnen und besonders einer starken Familienministerin, feministische Themen besser?

Natürlich hat es eine Bedeutung für Frauen, dass wir in Angela Merkel erstmals eine Frau als Bundeskanzlerin haben. Sie versteht es mit unterschiedlichen Positionen, konstruktiv umzugehen. Doch Frau-Sein ist kein politischen Konzept. Feministische Themen bleiben bei ihr unberücksichtigt, frauenparteiliche Äußerungen werden von ihr nicht vernommen. Das ist auch nicht verwunderlich, denn gerade in ihrer Partei herrschen in den Köpfen traditionelle Geschlechterbilder.

Und was unsere starke Familienministerin anbelangt: Sie lässt auf eine Einstellung schließen, dass mit mehr Kinderbetreuung schon alles getan wäre. Sie thematisiert nicht, dass Frauen schon viel früher benachteiligt werden und nicht erst dann, wenn sie Kinder haben. Wir müssen Frau von der Leyen Anerkennung dafür zollen, dass sie die Thematik “Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für Männer” ernsthaft und gegen den massiven Unwillen ihrer Parteikollegen öffentlich angestoßen hat. Dennoch wird sich mit den von der Regierungskoalition beschlossenen Maßnahmen nichts an der geschlechtsspezifischen Aufteilung unserer Gesellschaft ändern.

Was muss sich ändern in der bundesdeutschen Politik? Welche innenpolitischen Baustellen sehen Sie? Welche Themen gehören wieder in den Fokus?

Ein erster wichtiger Schritt sind sofortige Maßnahmen zur Erhöhung der Repräsentanz von Frauen. Dass dies mit Hilfe von Quoten schnell umgesetzt werden kann, ohne dass Politik und Ökonomie zusammenbrechen, hat die norwegische Regierung bereits bewiesen. Die Sichtbarmachung von Frauen bedarf lediglich des politischen Willens. Den Gegnerinnen von Quoten ist entgegen zu halten: Auch momentan werden Posten nicht auf Grund von Qualifikation vergeben, sondern in erster Linie auf der Basis des “Old-Boys”-Netzwerk, angetrieben von wirtschaftlichen und politischen Machtinteressen. Männer haben noch nie Skrupel gehabt, einen Posten anzunehmen, den sie nur auf Grund von “Beziehungen” angeboten bekamen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gleichstellung von Reproduktions- und Erwerbsarbeit. Diese Diskussion bezieht alle aktuell drängenden Probleme mit ein: Professionalisierung und angemessene Bezahlung für Arbeiten im Zusammenhang mit Kinderbetreuung und Pflege, Abschaffung der so genannten geringfügig Beschäftigung, Einführung einer existenzsichernden Grundsicherung, die Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit.

Wir wollen auf allen Ebenen der Gesellschaft eine Veränderung zu gewaltfreier Konfliktbewältigung, gerechtem Interessensausgleich, eben eine Kultur, in der jeder Person unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft oder Nationalität gleichwertige Chancen und Lebensbedingungen zustehen.

Derzeit ist eine Debatte von altem und modernem Feminismus in den deutschen Medien im Gange. Wie stehen Sie zum so genannten “Wellness-Feminismus” der jüngeren Generation?

Es gibt für uns keine Trennung in “alten” oder “modernen” Feminismus. Feminismus will in erster Linie gleiche Rechte für Frauen und Männer. Davon kann keine Rede sein, solange so profane Forderungen wie “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit” noch nicht verwirklicht sind. Die diskriminierende Bezeichnung “Wellness-Feminismus” ist u. E. nur eine Neuauflage des alten Tricks aus der Mottenkiste des Patriarchats, der da heißt: Männer müssen Frauen gar nicht fertigmachen, das besorgen die schon selbst. Dabei sind Frauen immer dann erfolgreich gewesen, wenn sie sich nicht auseinander dividieren ließen, in alt und jung, arm und reich, schön oder nicht, Karriere- oder Hausfrau…, siehe die Erkämpfung des Wahlrechts und die Erfolge der Frauenbewegung in den 70er Jahren.

Gibt es – vergleichbar mit den JuSos – auch JuFrauen in Ihrer Partei? Wie halten Sie den Kontakt zur jungen Generation?

Ja, die gibt es, aber es sind viel zu wenige, viel zu wenig junge und viel zu wenig alte, überhaupt viel zu wenige, und das liegt daran, dass wir uns Öffentlichkeit nicht erkaufen können wie es in unserem System so üblich ist. Wir haben eben nicht den Anteil an Macht und Geld, der uns auf Grund unserer Arbeitsleistung zusteht, und freiwillig werden uns Männer bzw. patriarchal denkende Frauen – wie Frau Merkel – diesen Anteil nicht geben. Wir brauchen daher dringend Solidarität unter Feministinnen – Feminismus eben.

Die Frauen, der Sex, das Neue

Thursday, May 29th, 2008 von Susanne

Über das Genderblog bin ich auf ein Interview mit der Sexualforscherin Ulrike Brandenburg aufmerksam geworden und kann es nur zur Lektüre empfehlen. Sie sagt so interessante Sachen wie:

“Die Vorgängergeneration erkämpfte sich das ‘Nein’ zum Sex, das heißt das Nein zu dem, was sie nicht wollen. Danach kam eine Zeit, in der die Beratungsstellen voll waren von lustlosen Paaren. Es stellte sich die Frage, wie kommen wir aus dem Dilemma wieder heraus? Und das ist das Erfreuliche an dem neuen Rollenverständnis: Das ‘Ja’ der Frau kommt jetzt aus einer Offensivposition heraus. Sexualhistorisch betrachtet war diese bislang dem Mann vorbehalten.”

Und mit Blick auf Charlotte Roches Buch “Feuchtgebiete”:

“Ich finde es trotzdem angenehm, dass ich mich heute nicht gleich wieder entrüsten muss, dass sie so auftritt. Ich finde es wundervoll, dass eine gewisse moralisierende Sicht einfach mal vom Tisch gefegt wird. Wenn Charlotte Roche ‘ficken’ und ‘Möse’ sagt, hat das längst nicht mehr diesen abwertenden Charakter, den wir damit noch verbinden - Frauen entwerten oder Frauen als Objekte betrachten. So erlebe ich das bei Roche nicht. Hier findet eine provokante Neubesetzung von Bedeutung statt.”

“Das ganze Mann-Frau-Denken aufgeben”

Monday, May 26th, 2008 von Susanne

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Spengler sagt in einem sehr interessanten Interview mit der Süddeutschen Zeitung, Frauen seien in Sachen Karriere immer noch zu wenig ehrgeizig und müssten selbstbewusster werden. Und auch unser Frauen- und Männerbild müssten wir überdenken:

Spengler: Das Klischee hält sich hartnäckig, dass Frauen zu schwach oder zu zickig für Führungspositionen seien. Zudem wird oft behauptet, Frauen müssten ihre nicht vorhandene Männlichkeit durch übertriebene Härte kompensieren. Diese Stereotypen müssen wir aufgeben. Dazu müssen wir die männlichen Entscheider in diesem Thema ausbilden.

(…)

SZ: Frauen tun sich ab einer bestimmten Position schwer, spezielle Förderangebote anzunehmen, um nicht hilfsbedürftig zu erscheinen. Mit Recht?

Spengler: Das ist falscher Stolz am falschen Platz. Noch besser wäre es, wenn wir das ganze Mann-Frau-Denken aufgeben würden. Es ist doch bestürzend, dass im Handwörterbuch des Personalwesens unter dem Stichwort “Besondere Arbeitnehmergruppen” immer noch Frauen genannt werden. Solange das in unseren Köpfen drin ist, erreichen wir nichts.

Rock-Emanze

Wednesday, May 14th, 2008 von Susanne

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie dieses Spiegel-Interview mit Lucy van Org Anfang April an uns vorbeigehen konnte. Zufällig bin ich jetzt noch mal drauf gestoßen und empfehle es hiermit unbedingt zur Lektüre. (Doch, doch, auch alte Sachen können Spaß machen!)

(Foto über Übermutter)

“Jede Frau muss für sich herausfinden, was sie am stärksten erregt”

Monday, May 12th, 2008 von Susanne

In der Mai-Ausgabe des Psychologie-Magazins Emotion gibt es ein sehr gutes Interview mit der Sexualforscherin Beverly Whipple. Sie spricht über weiblichen Sex, Orgasmen und über die Erforschung der weiblichen Sexualität, die erst Anfang der Achtziger(!) richtig in Gang kam.

Here she comes again

Saturday, May 3rd, 2008 von Susanne

Eva Herman is back! Und mit ihr ein drittes Prinzip. Das “Eva-Prinzip” und das “Prinzip Arche Noah” hatten wir ja schon, jetzt geht’s um alles: “Das Überlebensprinzip. Warum wir die Schöpfung nicht täuschen können” heißt Hermans neuestes Buch - ein 196 Seiten langes Interview zwischen ihr und Friedrich Hänssler, in dessen Verlag das Buch auch erscheint. Und zwar übermorgen, aber Auszüge erschienen bereits in der Bild-Zeitung.

Auch mit ihrem dritten Buch verleumdet Eva Herman ihren gesamten bisherigen Lebenslauf, plädiert für das Dasein als Mutter und Ehefrau, haut aber doch jährlich ein Buch raus und beschreibt darin jeweils (reuevoll?), wie sie früher Job und Familie verband. “Das Überlebensprinzip” ist persönlicher als alle ihre Bücher davor, so erzählt sie beispielsweise über ihre Mutterschaft:

„Niemals werde ich den Tag vergessen, an dem die Omi des Kleinen freudig bei mir im Dienst anrief und stolz berichtete, dass mein Sohn seine ersten Schritte getan hatte. So sehr ich mich darüber auch freute, so tieftraurig war ich als Mutter: Ich war nicht dabei gewesen, als mein einziges Kind laufen lernte.“

Und über ihre eigene Mutter:

„Ich machte sie für einige Zeit meines Lebens verantwortlich, dass sie uns Kinder öfter vernachlässigte, weil sie in unserem Hotel hart arbeiten musste. Sie tat damals nur, was sie tun musste, und sie hatte oft ein schlechtes Gewissen dabei und vor allem Sehnsucht nach uns, doch hatte sie gar keine andere Wahl. Und sie ahnte auch nicht, wie sehr sie uns fehlte und dass wir manchmal wirklich außerordentlich unter der Trennung litten.“

Doch nicht nur der Muttermythos wird hier ein weiteres Mal beschworen, Eva Herman stellt nun all ihre Thesen noch deutlicher als zuvor in einen göttlichen Zusammenhang:

„Mein Mann ist mir eine große Hilfe. Er unterstützt mich, wo er nur kann. Und er selbst hat den Weg zu Gott ebenfalls gewählt. Wir können stundenlang durch die Natur laufen, am Wasser sitzen oder auf den Gipfel eines Berges wandern, um dort innezuhalten und zu beten.”

Und:

„Es gibt mehrere Ziele, die mich leiten. Das größte und wichtigste ist, Gottes Willen zu respektieren und seine Schöpfung zu lieben und zu achten. Das ist unsere grundsätzliche Aufgabe hier auf Erden.”

Abschließend verrät Eva Herman der Bild-Zeitung bzw. ihrem Interviewer noch, sie bete für Alice Schwarzer. Warum?

„Alice Schwarzer hatte, als zum ersten Mal öffentlich über meine Thesen diskutiert wurde, hinter meinem Rücken eine Denunziation im großen Stil losgetreten. (…) Seit einiger Zeit bete ich für Alice Schwarzer. Wer seinen Gegnern in Liebe begegnet, kann mit Hilfe des Himmels Gutes erreichen. Ich bete für ihre Erkenntnis.“

Na dann.

“Feminismus ist eine böse Ziege”

Friday, April 18th, 2008 von Susanne

Die Ladys von Missy haben mit Rapperin, Radiomoderatorin und Labelbetreiberin Fiva MC einen Abend im Berliner “Barbie Deinhoffs” verquatscht und gemeinsam überlegt, wie sich der Feminismus besser vermarkten lasse. Diese erfrischende Plauderei ist im Bavarian Open Radio nachzuhören, mit der interessanten Ankündigung “Feminismus ist eine böse Ziege”.

Über Missy Magazine

Neue deutsche Mädchen im Interview

Thursday, April 3rd, 2008 von Susanne

Die beiden Autorinnen des Buches “Neue Deutsche Mädchen“, Jana Hensel und Elisabeth Raether haben dem Online-Feuilleton satt.org ein interessantes Interview gegeben. Lest selbst, an dieser Stelle nur zwei Fragen nebst Antworten zu Charlotte Roche und jungen Feminismus als Ausschnitt:

Eine Frage zu Charlotte Roches Buch “Feuchtgebiete”: Ist dieses Buch wichtig für den Feminismus (…)?
Jana Hensel:
Zugegebenermaßen habe ich das Buch noch nicht gelesen, aber was mir auf jeden Fall gefällt ist, dass sich mit Charlotte Roche eine Frau zu Wort meldet, der man den Feminismus nicht schon an der Nasenspitze ansieht. Sie ist jung, klug und erfolgreich und außerdem feministisch. Elisabeth und ich kommen ja auch aus dem Leben und nicht aus dem Gender-Seminar.

Da das Modell Schwarzer/Emma offensichtlich ausgedient hat: Wen seht Ihr als neue role models? Wen wünscht Ihr euch? Wie sieht “moderner Feminismus” aus?
Jana Hensel:
Ich glaube schon, dass das Modell Charlotte Roche zukunftstauglich ist. Also, dass Frauen aller Couleur den Feminismus zum Thema machen sollten, sodass sich das Wort Feminismus von selbst erledigt. Ich mag es, ehrlich gesagt, nicht besonders. Es klingt nach Bewegung, Kampf, schlechtem Gewissen und Besserwisserei. Ich vermeide es, so oft es geht.

Och, wir finden Feminismus ja ein ganz großartiges Wort und assoziieren mit Feministinnen auch eher Charlotte Roche als “schlechtes Gewissen und Besserwisserei”.

We’re all feminists: Tegan & Sara

Monday, March 31st, 2008 von Barbara

(c) Zündfunk Im Interview mit dem Zündfunk des Bayerischen Rundfunks sprechen die kanadischen Zwillinge und Musikerinnen Tegan and Sara Quin über Frauen in der Musikszene und Feminismus. Sara erklärt ganz wunderbar, warum sie sich als Feministin auf der Bühne sieht:

“Schaut man sich die Definition von Feminismus an, wird klar, dass wir eigentlich alle Feministen sind. Auch die Männer – jeder ist ein Feminist. Ich glaube nicht, dass es viele Menschen gibt, die wirklich meinen, dass Frauen weniger wert sind als Männer. Viele verstehen nur die Bedeutung von Feminismus falsch. Denn: Ich möchte das Recht haben, zu wählen, den Job machen, der mir gefällt. Und mich nachts sicher fühlen. Für diese Dinge steht der Feminismus. Deshalb sind die meisten Menschen Feministen. Sie wissen es bloß nicht.”

Das ganze Interview gibt es zum Nachhören im Zündfunk-Podcast.