Einträge mit dem Tag ‘Intervention’


Rechts gegen Rechts, #shirtstorm, Schnulzen gegen Ebola – kurz verlinkt

19. November 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 262 von 343 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Aktion „Rechts gegen rechts“ in Wunsiedel. „Lachen ist Macht“, Gewalt aber auch: Im bisherigen Jahr 2014 wurden in Deutschland bereits mehr Angriffe gegen Geflüchtete verübt als in den beiden Jahren zuvor – und zwar zusammen gerechnet.

Beim kulturradio des RBB kann nun auch online die Sendung „Alltagsrassismus in Deutschland“ nachgehört werden, wo unter anderem Sharon Dodua Otoo und Kübra Gümüşay sich zu Wort melden. Es geht es unter anderem um die vermeintlich harmlosen Fragen wie „Woher kommst du wirklich?“, Auswirkungen von politischen Debatten über Asyl, die Kinderbuchdebatte und #schauhin. (Inhaltshinweis: N-Wort ausgesprochen)

„Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.“, sagt Lann Hornscheidt in der FAZ in einem Artikel über Sprachformen, Geschlecht und gewaltvolle Reaktionen. (Inhaltshinweis: Reproduktion vieler Hasskommentare, Gewaltandrohungen etc.)

englischsprachige Links

Bei Race Traitor schrieb Tamara K. Nopper einen offenen Brief an „weiße Antirassist_innen“ und erklärt, warum diese Selbstbezeichnung ein Widerspruch in sich ist.

Johnetta Elzie berichet bei Ebony über die traumatisierenden Erlebnisse während der fortdauernden Proteste gegen rassistische Polizeigewalt im US-amerikanischen Ferguson, denen die Polizei dort extrem martialisch und gewaltvoll begegnet: „When I close my eyes at night, I see people running from tear gas in their own neighborhood. […] I didn’t expect to go from a peaceful protester trying to attend a vigil for a young teen gunned down, to a modern day freedom rider. But I am prepared to stay the course and fight as long as we must.“

Dr. Matt Taylor, einer der European Space Agency (ESA)-Wissenschaftler_innen des Rosetta-Projekts, löste mit einem sexistischen Hemd, das er zunächst bei der Live-Übertragung der Landung trug, Kritik aus. STEM Women schrieben zum „#shirtstorm“ und zu alltäglichem Sexismus in MINT-Bereichen.

„Where Are Our Elders?“ – Anlässlich des Todes von Leslie Feinberg fragt sich Sunny Drake, wie viel Platz in aktivistischen Communities eigentlich für ältere und alternde Menschen, für die Vorgänger_innen ist.

Es ist wieder mal so weit: Bob Geldorf hat seine Showbiz-Freund_innen angerufen und rettet jetzt Afrika. Denn was hilft besser gegen Ebola (und alles andere Leid) als Singen und CD-Verkäufe?  Wirklich nichts dazugelernt?, fragt AfricaIsACountry.

Das TIME Magazine lässt über Wörter abstimmen, die für das Jahr 2015 verboten gehören. Mit auf der Liste: Feminismus. Nun haben sie sich entschuldigt (aber auch nichts an der Liste geändert). Bust schreibt über den Vorfall.

Termine in Berlin

Kein Platz für Rassismus – Anti-Geflüchteten-Demos stören in Buch und Berlin-Marzahn:

Vom 26.11. bis 29.11. findet das Festiwalla 2014 statt, eine Programmübersicht findet Ihr hier.

Die MIND THE GAP-Ausstellung mit Arbeiten der Schweizer-Jüdischen Künstlerin Elianna Renner wird am 21.11.2014 eröffnet.

Der Film ID-Without Colors wird am 20.11. um 19 Uhr (OmU) bei Frauenkreise Berlin gezeigt, Choriner Straße 10, 10119 Berlin. Im Anschluss gibt es eine Diskussion.


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„Songs of Gastarbeiter“, Gewaltandrohungen und Kriminialisierung antifaschistischer Proteste – kurz verlinkt

11. Juni 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 245 von 343 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Josef S. sitzt seit vier Monaten in Untersuchungshaft in Wien, weil er als angeblicher „Rädelsführer“ der antifaschistischen Proteste gegen den im Januar durchgeführten Burschenschaftlerball angeklagt ist. Über den Mangel an Beweisen und fabrizierte Vorwürfe, die für das Gericht trotzdem keine Schwierigkeit darzustellen scheinen, berichtet Der Spiegel.

Aktivistinnen veranstalteten in der Wiener Secession eine Intervention gegen Kolonialismus, Rassismus und Sexismus und sprachen mit dieStandard.at über die Notwendigkeit, anwesend zu sein.

Der Frauenverband Courage war bei der Präsentation des 18. Grundrechte-Reports dabei, wo es auch um die Aberkennung des Gemeinnützigeitsstatus des Verbands ging.

Die Frauenstiftung filia ruft angesichts der aktuellen Flutverheerungen auf zur Unterstützung für Frauengruppen auf dem Balkan.

Die Purple Velvet International Female Hip Hop Tour mit Sookee, Shirlette Ammons, Lex LaFoy & DJ Doowap, nobigbutL & DJ Boogie Dan ist zu Ende gegangen. Ein Video fasst ein paar Eindrücke zusammen.

Ein Mann hat die taz aufgrund einer Ausschreibung, die sich ausschließlich an Frauen mit Migrationshintergrund richtete, verklagt – und Recht bekommen. Das Arbeitsgericht Berlin hat der Klage des Mannes tatsächlich entsprochen, berichtet der Tagesspiegel.

Hengameh Yaghoobifarah hat für das Migrazine die Musik-Compilation „Songs of Gastarbeiter“ besprochen.

englischsprachige Beiträge

„Wenn Du aufhörst, etwas zu fühlen“: Reni Eddo-Lodge schrieb über Depressionen und Angstzustände.

Gerade läuft in den USA die zweite Staffel der Serie „Orange Is The New Black“ an. Der New Yorker schreibt über die katastrophalen Zustände in einem der realen Gefängnisse (Riverhead), in dem gedreht wurde, und die Kampagne „Humanity Is The New Black“.

Reporting Around R. Kelly’s Child Shows Depth of Trans Ignorance“ stellt Kat Callahan fest und zeigt anhand eines Artikels auf, wie Medienberichterstattung gewaltvoll misgendered und Stereotype re_produziert.

Shakesville wendet sich gegen die Rhetoriken a la „Beachte die Drohungen im Netz doch einfach nicht“, „Wenn du darauf eingehst, dann machst du doch nur, dass sie weiter machen“; stattdessen fordert sie: „And because I can talk about it, I’m going to. We need to talk about this. Those of us who can.“ [Inhaltshinweis: Beschreibung von Gewalt(androhungen)]

Die Autorin und Cartoon-Zeichnerin Alison Bechdel hat für den The New Yorker ein Skizzenbuch angefertigt. Es geht um eine verflossene Liebe und wie diese Erinnerungen Jahre später eine immer noch treffen. Eine schöne Skizze für den Sommer.

Termine in Berlin und Hamburg:

Am 12.06.2014 in Hamburg: Vom Recht auf Selbstbestimmung – Sexarbeit und Migration. Vortrag und Diskussion.

Vom 14. 06. bis 10.08.2014 in Berlin: What is queer today is not queer tomorow. Ausstellung und Veranstaltungen.


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Gratis-Entwicklungshilfe, goldene Facepalmen und siruptriefende Pfannkuchen – die Blogschau

11. Januar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 234 von 295 der Serie Die Blogschau

„Wir sind gekommen, um euch eine helfende Hand zu reichen und kostenlos Nachhilfe zu geben, man könnte es auch Entwicklungshilfe nennen“- das Bündnis Mind The Trap intervenierte eindrucksvoll bei einer fragwürdigen Tagung über Zugangsbarrieren zu Kulturproduktionen. Es gibt auch ein Video von der Aktion zu sehen.

Rambling Rose wagt die Prognose: „Der Trend zur Definitionshoheit weisser (Medien-)mac_h_ker hält an. Sie wollen auch 2014 entscheiden, was rassistisch und/oder sexistisch ist.“ Ganz vorne mit dabei in Sachen Nichtrassismus und -sexismus: Comedy mit natürlich besten Absichten.

In der TV-Talkshow Beckmann ging es vorgestern unter dem Titel “Was ist schon normal? Leben mit behinderten Menschen” um Inklusion. Während und nach der Sendung wurde heftig auf Twitter über die Gäste und Inhalte diskutiert. Die Leidmedien haben ein paar Meinungen zusammengetragen.

mara vom Futblog erzählt darüber, wie anders in ihrem Umfeld mit der Liebesbeziehung ihres Bruders umgegangen wird als mit ihren eigenen: „heute weiss ich, dass meine sexualität kein thema war weil es etwas ungewisses ist, etwas womit sie keine erfahrung haben, weil ich schlicht und ergreifend nicht heterosexuell bin.“

Warum „sich jetzt einmal alle (egal welcher Sexualpräferenz) in einer Schlange anstellen und die güldene Facepalme an Norbert Blüm überreichen“ dürfen, sagt C. Rosenblatt beim Ein Blog von Vielen.

„‚Wenn unsere Kinder homosexuell werden, sterben wir alle aus” ist das neue “wenn die Erde keine Scheibe mehr ist, fallen wir alle runter‘.“- Fabienne Vesper über #idpet und das Klima, in dem diese Petition stattfindet.

„Danke, dass ich deine Wichsvorlage sein darf, nicht wahr?“ – Naekubi hat sich mit den Rassisten und Sexisten von Amy & Pink rumgeschlagen. Auf dass ihr die Löffel niemals ausgehen mögen!

Bei Don’t degrade Debs, darling! berichtet die Auorin: „Es ist nun über 6 Monate her, dass ich bei der Polizei meine Anzeige gemacht habe. Seit dem warte ich. Ich bin geübt, aber nicht besonders gut im Warten und ich merke, wie dieses scheinbare EsGeschiehtNichts an mir nagt.

Steinmädchen betrachtet das neue Projekt Heimwegtelefon kritisch: „Das Heimwegtelefon reproduziert viele Mythen und die Arbeit, die Frauen seit Jahrzehnten in Gruppen und Institutionen gegen Diskriminierung und Gewalt leisten wird völlig übergangen. Es wird nicht auf Wissen zurückgegriffen, das Feministinnen mühsam angeeignet haben und immer immer wieder wiederholen.“

Katrin erklärt in ihrem Blog Reizende Rundungen zunächst in englischer, dann in deutscher Sprache, warum in der Aufforderung, Menschen nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen, oftmals eine Riesenportion Fatshaming enthalten ist: „Denn ja, natürlich sollte man niemals nur nach dem Aussehen beurteilen, weder wegen dem Stil, den Haaren, den Klamotten oder dem Körper eines Menschen. Aber, und hier kommt ein sehr großes aber, man sollte das nicht nur nicht tun, weil sich unter dem „hässlichen“ ein schönes Inneres verbergen könnte. Sondern man sollte das generell nicht tun, egal was man darunter zu erwarten hat!“

Warum Jay vom Virtual Rereat Center einen Sonntag im Monat in der Küche verbringt und einen haufen zusätzliche Teller angeschafft hat: „Ich lade eine Runde feministischer Spaßverderber_innen ein, um gemeinsam Spaß haben zu können. Wir achten gemeinsam darauf, eine Stimmung zu schaffen, mit der sich alle wohl fühlen, statt von anderen als diejenigen wahrgenommen zu werden, die schlechte Stimmung verbreiten. Wir versuchen füreinander Platz zu schaffen, um miteinander Platz nehmen zu können.“

„Abseits von cismännlichem Technik-Expertenmackertum Probleme mit Rechnern, Computern, Maschinen bequatschen, Erfahrungen austauschen, Fragen beantworten und die sprichwörtliche “Hilfe zur Selbsthilfe” anbieten“ – das gibt’s am 17.1. und ab dann jeden dritten Freitag im Monat, erzählt riot_nrrrd. Denn dann findet bei TrIQ (Glogauerstraße 19, Hinterhof, 10999 Berlin) eine Computersprechstunde für alle interessierten Trans*, Inter*, Lesben und Frauen* statt.

Und auch das hier bitte schon mal fett im Kalender anmarkern: Am 19. Januar 2014 im FAQ Infoladen (barrierearm), ab 15:30: Vortrag und Spoken Word der Aktivist*innengruppe FatUp!

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Formen der Transphobie, ideologische Regenbögen, erfolgreiches Wehren – die Blogschau

4. Januar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 233 von 295 der Serie Die Blogschau

Fleischhauerfail Teil 567 – Jayrôme C. Robinet zeigt zu diesem Anlass noch mal auf, was es mit dem Begriff und der Lebensrealität Transphobie auf sich hat.

Bestürzende Nachrichten aus der deutschen Bildungspolitik: Weit über 40.000 (!) Menschen haben bereits die menschenverachtende Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ unterschrieben. Karnele macht aufmerksam, informiert über Hintergründe und fordert zu Interventionen auf.

L-talk berichtet über das neue Anti-Homosexualitäts-Gesetz in Uganda: „Das neue Gesetz stellt nicht nur Homosexualität unter Strafe bis zu lebenslanger Haft. Es bedroht auch Menschen, die von homosexuellen Handlungen “wissen” oder sie “unterstützen” und dies nicht den Behörden anzeigen. Dieser Straftatbestand gefährdet eine ganz neue Gruppe von Menschen und setzt Verwandte und das gesamte soziale Umfeld massiv unter Druck.“

Till Westermayer hat sich durch die „500 wichtigsten deutschen Intellektuellen“, gekürt vom Magazin Cicero, geklickt und macht ein paar Beobachtungen darüber, was dieses Ranking „über den deutschen Diskurs verrät“.

„Aber was mir fehlt sind diese anderen Geschichten. Diese Geschichten, in denen wir uns erfolgreich wehren, und dass gar nicht so wahrnehmen können“, schreibt Steinmädchen: „Es fehlt mir, dass wir gegenseitig wahrnehmen, was wir eh schon tun und was wir tun könnten. (…) Ich möchte hören, wie ihr es schafft, scheiß Situationen zu verändern.“

Und noch eine Leseempfehlung vom Steinmädchen: Bei can I say no…? gibt es seit letztem Herbst „feminismus. antikapitalismusdingens. befindlichkeiten. essen.“

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Interventionen, Männlichkeiten und Batgrrrls – die Blogschau

2. November 2013 von Magda
Dieser Text ist Teil 226 von 295 der Serie Die Blogschau

Auf tea-riffic mach sich Heng Gedanken über Team- und Selbstverantwortung. Wie viel Team­verantwortung ist gut, so dass die eigenen Interessen und Wünsche nicht zu sehr in den Hinter­grund geraten? Was mache ich mit meinem schlechten Gewissen, wenn ich mal etwas absage, um meine Zeit anders zu verbringen?

Auf anarchieundlihbe geht es um’s Passing, Misgendern und Männlichkeit.

Halloween-Fans, aufgepasst: Jedes Jahr glauben Menschen, dass rassistisches Blackface geeignete Halloween-Kostüme darstellen. Schon 2009 reagierte die Aktivistin und Künstlerin Noah Sow mit folgender cooler Aktion und verkleidete sich als weiß-deutscher Journalist, nämlich Günter Walraff. Ziemlich knorke finde ich auch dieses Batgrrrl-Outfit!

Geekiges Futter für die Ohren! Ein neuer nrrrdz-Podcast ist draußen zum Thema: „hacken in der menstruations­hütte.

Lara Fritzsche, Redakteurin des SZ-Magazins, gibt die 5.000 Euro eines katholischen Medien­preises an das Bündnis für sexuelle Selbst­bestimmung weiter – wir berichteten ebenfalls.

weird – das Stadtmagazin für lesbische Frauen in Bielefeld feiert ihren 6. Geburtstag! Feministischen Glück­wunsch :)

Nadine macht sich auf medienelite Gedanken zu Interventionen in Diskriminierungen: „was sind interventionen in diskriminierungen für mich? wann macht intervention welchen sinn für mich?“

Die Töchter Regalias schreiben: Für neue Kinder- und Jugend­literatur jenseits der Gender­normen.

Grimgrrrl denkt über gender. oder so nach: „mein körper ist aufgeladen mit bedeutungen. ist eine leinwand für alle möglichen bilder, die andere von mir erschaffen_entstehen lassen.“

Für alle Spontanen: Heute Abend findet in Berlin im Rahmen der Bundes­frauen­konferenz der LINKEN eine Podiums­diskussion zum Thema „Hollaback! Kampf gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie im öffent­lichen Raum“ statt. Mit dabei sind Vertreter_innen von Hollaback Dresden, PinkStinks, Discover Football und Mädchenmannschaft.

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Theorie in der Praxis – Interventionen in diskriminierende Sprachhandlungen

24. Juli 2012 von Nadine

Sprache schafft Welt, stützt Strukturen, re_produziert diese und macht unsichtbar, schließt aus und übt Gewalt aus. Jede Diskriminierung durch Sprache ist ein Marker dafür, wer in der Lage ist, diese Diskriminierung auszuüben, wer davon betroffen ist und wer keine Worte für eine angemessene Reaktion hat. Sprache und wer sie wie benutzt gibt Auskunft über gesellschaftliche Machtverhältnisse und machtvolle Diskurse. Das Buch „Feminismus schreiben lernen“ vom Arbeitskreis Feministische Sprachpraxis versucht auf dieser Grundlage sprachliche Ansätze zu entwickeln, die eine Grundlage für Interventionen in diskriminierende Sprachhandlungen bieten und hat spannende dekonstruktivistische Ansätze der Gesellschaftsanalyse im Gepäck. Vor allem Sexismus wird als Strukturkategorie neu ausgeleuchtet und aus­differenziert, so dass verschiedenste soziale Positionierungen, die durch Sexis­mus hervorgebracht werden sicht- und sprechbar gemacht werden.

„Feminismus schreiben lernen“ und die intensive Auseinandersetzung mit den In­halten durch Student_innen waren das Fundament für mehrere kreative Inter­ven­tions­projekte, die mittlerweile auch online zu bewundern sind. Nachfolgend stellen wir einige davon vor.

in_frage_stellen: Wie der Name bereits anklingen lässt, fokussiert sich dieses Pro­jekt auf das Stellen von Fragen. Fragen die zum Denken anregen, die intervenieren, die Strukturen sichtbar machen, die Fassungs­losigkeit_en sprechbar machen wollen. Fragen, die „in_frage_stellen“. Das Projekt verfügt über ein Glossar, das regelmäßig erweitert wird und eine ausführliche Sexismus-Definition, um mög­lichst vielen diese Form des Widerstandes und der Kritik zugänglich zu machen. Par­ti­zi­pa­tion in Form von Kommentaren, Kritik und Anregungen, Gedichten, Bildern, Fragen ist ausdrücklich erwünscht und wird mit Freude erwartet.

tuRbulente w_ORte: Dieses Projekt versammelt Gedichte und gesprochene Versatz­stücke, die sich unter anderem kritisch mit Migratisierungsprozessen aus­ein­an­der­setzen. Wie werden Menschen als „Migrant_innen“ vor- und hergestellt, zu „Migrant_innen“ gemacht? Wie schreibt sich diskriminierende Sprache in das Selbst und in die Strukturen, von denen wir umgeben sind, ein? Was haben Akzente, Dialekte und rollende Rs damit zu tun?

Who is missing and why?: Die Student_innen sind der Frage nachgegangen, welches Bild von Wissenschaft und Wissenschaftler_innen durch die Ausstellung von Skulpturen und Portraits im und um das Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin herum hergestellt wird. Sie haben Recherchen zu 93 repräsentierten Personen durchgeführt, die Ergebnisse in einer Broschüre veröffentlicht, die auch auf der Webseite heruntergeladen werden kann. Zu 9 Personen (u.a. Alexander von Humboldt und Otto Hahn) fertigten sie Kärtchen an und klebten sie neben die offiziellen Darstellungen oder auf die Skulpturen, legten Flyer und Broschüren aus. Nach nicht mal 48 Stunden waren alle Kärtchen verschwunden und die Broschüren lagen im Müll. Die Uni-Leitung ließ die Interventionen entfernen und verwischte die Spuren ihrer eigenen Normierungen, Ausschlüsse und Weglassungen. Sehr bezeichnend.

Sprache und Diskriminierung: Als Interventionsform hat sich dieses Projekt zum Ziel gesetzt, Textauszüge aus verschiedenen, wissenschaftlichen Texten auf sprachliche Diskriminierungsformen und auf Realisierungsformen von Sexismus zu untersuchen und auf diese aufmerksam zu machen. Ebenfalls sollen Alternativen zu diesen diskriminierenden Sprachhandlungen vorgestellt werden.

Alltagsalternativen: Die Student_innen hatten es satt ständig mit sexistischen Sprüchen konfrontiert zu werden und haben sich schlagfertige Antworten überlegt. Diese können bereits im entsprechenden Format für Sticker und Flyer auf der Seite heruntergeladen werden und sind somit perfekt zum Weiterverteilen und Intervenieren im Alltag geeignet.


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