Einträge mit dem Tag ‘Intersektionalität’


Equal Pay Day, Superfeministen und Unterstützung bei Panikattacken – Die Blogschau

19. März 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 294 von 295 der Serie Die Blogschau

Heute ist Equal Pay Day. Da Frauen durchschnittlich rund 21 Prozent weniger verdienen als Männer, könnte eine auch annehmen, dass sie die 79 Tage im Jahr „umsonst“ arbeiten. Der 19. März symbolisiert somit dieses Jahr den Verdienstausfall. Auf der Webseite zum Equal Pay Day findet ihr Informationen und eine Aktionslandkarte. Texte rund um das Gender Pay Gap und andere Fragen feministischer Ökonomiekritik habe ich hier bereits 2014 zusammengestellt: Holt die roten Taschen raus, es ist Equal Pay Day.

Anlässlich des 200. Geburtstag von Ada Lovelace gibt es in Paderborn die Ausstellung „Am Anfang war Ada. Frauen in der Computergeschichte“. Silke von den femgeeks hat sich diese genauer angeschaut und sie besprochen.

„Wir sind auf so vielen Ebenen in einem gewaltvollen System, dass wir den Blick füreinander verlieren.“ schreibt Diaspora Reflektionen über eigene Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen und die ihres Bruders.

bluespunk schreibt über Körperwahrnehmungen, Transitionen und darüber, dass der Körper nicht der Feind ist.

Eine Satire, die leider gar nicht so weit weg von der Realität ist: A++ Ranting verkündet die Verleihung des Preis für den Superfeministen des Jahres.

Don’t Degrade Debs schreibt über Dinge, die nicht sagbar scheinen aufgrund von Stigmatisierungen und Zuschreibungen:

Ich kann verrückt und Jüdin sein, aber zu behaupten, dass mir der Ekel-Kaugummi in den Haaren geklebt, weil ich, meine Wahrnehmung, mein Erleben und mein Schmerz als (dicke, lesbische) Jüdin in Deutschland, als Tochter einer Jüdin in Deutschland, als Teil einer jüdischen Familie in Deutschland pathologisiert werden, geht zu weit. Ich könnte auch als Nichtjüdin genauso verrückt sein und würde von dieser Gesellschaft genauso stigmatisiert werden, aber ich bin es als (dicke lesbische) Jüdin in Deutschland, als Tochter einer Jüdin in Deutschland, als Teil einer jüdischen Familie in Deutschland und glaube nicht, dass das das getrennt gedacht werden kann und will das auch nicht mehr. Aber das schreibe ich lieber nicht. Das aus dem Munde einer Verrückten, kann nur verrückt sein.

Wie kann man als außenstehende Person einen Menschen bestmöglichst durch eine Panikattacke begleiten? Ein Blog von Vielen hat ein „Alternativ-How-To“ veröffentlicht.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Rassismusforschung, Inklusion und Widersprüche – die Blogschau

7. November 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 287 von 295 der Serie Die Blogschau

Auf Ein Blog von Vielen schreibt Hannah einen offenen Brief an ihren Lehrer über (scheiternde) Inklusion, (fehlende) Achtsamkeitkeit, vermeintliche „politische Korrektheit“ und behindert werden:

Eine Behinderung im Leben zu haben, gilt als etwas Persönliches und nicht als etwas, das alle betrifft. Auch dann, wenn es nur eine Person ist, die damit lebt. Nie bezieht ihr meinen Kampf auf euch, unseren Umgang miteinander, unsere gemeinsame Sprache, unsere jeweiligen Sozialisierungen, unsere spezifischen Lebenserfahrungen, den Kontext, die Räume, die Themen und die Arbeiten, die wir produzieren und begutachten, sondern immer auf mich. Wenn ich Probleme habe, soll ich was sagen. Soll ich wissen, ich kann immer kommen.

Im Internet gibt es eine ganze Reihe von Orten, wo Stimmen und Erinnerungen von Überlebenden des Holocaust und Nationalsozialismus versammelt sind. intersubjektiven stellt Organisationen, Quellensammlungen und Archive vor.

die transgeniale f_antifa hat sich entschlossen auf * hinter den Begriffen trans sowie Mann und Frau zu verzichten und erkläutert ihre Entscheidung in einem Blogeintrag: „JETZT NEU! Ohne Sternchen!

Dieses Semester veranstaltet die TU Berlin eine Ringvorlesung zu Rassismusforschung. Auf sibiuanar schreibt Hendrik Zusammenfassungen/ Besprechungen der Veranstaltungen, so bisher zu den Vorrägen von Nora Räthzel zur Geschichte der Rassismusforschung in Deutschland, Urmila Goel zu Verflochtene Machtverhältnisse und Noa Ha zu Dekoloniale Theorie und Perspektiven auf Stadt.

Auf Stop! Talking. geht es nochmals um Identitäten und Intersektionalität: „Identity politics are an essential strategy. Identities are not essential.“

Wenn ihr mal wieder nach Fatshion-Blogs aus dem deutschsprachigen Raum sucht, dann könntet ihr auch mal Dressing Outside The Box vorbeischauen. Da verbloggt die 27-jährige Modedesignerin Isabelle wunderbare Outfits.

Auf Gott und Co schreibt Antje über die Podiumsdiskussion „Kopftuch-Debatte! Beschneidungsdebatte! Kirchenprivileg-Debatte? Zum Verhältnis von Staat und Religionen aus feministischen Perspektiven“ mit u.a. Yasemin Shooman und Hannah Tzuberi.

Noah Sow schreibt Lieferscheine für Gegengewalt bzw Widerstand, heute an den „Fitnessenthusiast“. (Edit: Beschreibung verändert, siehe Kommentar)

Auf Don’t degrade Debs, darling! gibt es gleich zwei tolle Beiträge: In „Die Lösung für alles Mögliche: Serien schauen!“ geht es um die Funktionen, die Seriengucken haben kann und in „Politik in Widersprüchen“ wird die Widersprüchlichkeit von sozialen Positionierungen seziert und gefragt, wie diese sinnvoll in Positionierungsdebatten eingebaut werden können.


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Rabenmütter, Meerjungfrauen, (keine) Lichterketten – kurz verlinkt

14. Oktober 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 297 von 361 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Wenn eine Mutter nicht mehr mit Kind(ern) leben möchte: Im ZDF gibt es einen Bericht über die Gründerin von Rabenmütter e.V.

Bei ZeitOnline schreibt Simone Dede Ayivi über Hilfe für Geflüchtete und Rassismus: „Hilfsbereitschaft schafft es leider nicht, unsere Köpfe von exotisierenden Bildern vom „Orient“, Vorurteilen über „die Araber“ und Ängsten vor „dem Islam“ zu befreien. Kuscheltiere zu überreichen und im Chor Ärzte-Lieder zu singen ist kein besseres Austreibungsritual als eine Lichterkette.“

Unterstützt die Kampagne zur Finanzierung des Drucks von Sharon Dodua Otoos Buch Synchronicity im englischen Original.

Der zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung ist online.

Englischsprachige Links

Bald ist Halloween. Und anstatt diskriminierender Kostüme empfehlen wir ein Meerjungfrauen-Makeup!

Eine der bekanntesten Trans*-Aktivist_innen Ecuadors, Diane Rodriguez, gab bekannt, dass ihr Freund schwanger ist und beide ihr erstes Kind erwarten.

Eine lesenswerte Liste bei Autostraddle: „12 Incredible Indigenous LGBTQ Women and Two-Spirit People You Should Know„.

Anlässlich des #NationalComingOutDay verlinkte die Aktivistin und Filmemacherin („NO! The Rape Documentary“) Aishah Shahidah Simmons ein Video von 1996: „In My Father’s House„. Im Video kommen Familie und Freund_innen zu Wort und Simmons bespricht (internalisierte) Homofeindlichkeit, Sexismus, sexualisierte Gewalt und ihre Abtreibung.

Why intersectionality can’t wait“ argumentiert Kimberlé Crenshaw bei der Washington Post fast dreißig Jahre, nachdem sie erstmals über das Konzept schrieb.

Termine in Frankfurt a.M. und bundesweit

Am 30. Oktober 2015 findet ALICE – Die LGBTI Karrieremesse für Juristen & Juristinnen in Frankfurt/Main statt.

Vom 26.10. bis 30.10.15 findet eine bundesweite Aktionswoche statt, in der an möglichst vielen Hochschulen und anderen öffentlichen Einrichtungen die öffentlichen Toiletten in all gender welcome Toiletten umgelabelt werden sollen.


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Von der Schwierigkeit nicht hetero zu sein und hetero zu kritisieren.

28. Juli 2015 von Nadine

In feministischen Kreisen™ hierzulande tut sich eine Kritik sehr schwer: Die Kritik an Hetero-Praxen, am Performen von Heterosexualität. Zum einen, weil die Kritik sich nicht ausschließlich an das abstrakte Etwas Heteronormativität richtet, sondern auch an _die_ Heten selbst, die mit ihren heterosexuellen Selbstverständlichkeiten rumnerven (z.B. Vergewaltigungswitzchen, ständiger Boyfriend- und Beziehungstalk, #notallheteros, umschweifende Raumeinnahme durch Austausch von Körperflüssigkeiten im öffentlichen Nahverkehr *no pun intended* oder Beengung von Wegen und Sitzplätzen durch Bilden einer symbiotischen Körpereinheit, vehementes Einfordern von Typenprivilegien zuerst für sich selbst und danach für alle anderen, Studieren und Erforschen von LGBT-Lebensrealitäten zur eigenen Belustigung, zum Aufpeppen des eigenen Seins oder zum Geld verdienen).

Kritisiert werden Hetero-Praxen und Performances in der Regel, um darauf aufmerksam zu machen, dass es außer Heten auch noch andere Menschen gibt, die ein Recht darauf haben, ein gutes Leben zu führen ohne das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder Nichtdiskriminierung in den Mülleimer zu werfen und dass dieses gute Leben eben auch davon abhängig ist, wer sich ständig als Normalität inszeniert ohne Rücksicht auf das Umfeld zu nehmen. Überraschenderweise wird von Heten, die Heteronormativität als Problem erkannt haben (und von sich selbst auch manchmal als Heten und nicht als Menschen sprechen können, z.B. weil sie überhaupt erst einmal wissen, dass sie Heten sind), in Fällen der Kritik an Konkretem meistens auf das Abstrakte verweisen: Strukturen. Da gibt es diesen bösen Staat, der macht, dass Schwule und Lesben nicht heiraten und nicht adoptieren dürfen (so eine Ungerechtigkeit!11!!1) und äääh ja Trans* und so diese Leute haben’s auch nicht einfach. Betroffenes Nicken.

Heten und ihr „LGBT*-Aktivismus“

Kritisiert wird von Heten oft nur das, was sie selbst für erstrebenswert erachten und anderen verwehrt wird: Heiraten und Kinder kriegen/großziehen/für sie sorgen/Familie haben, Vorstandsetagensessel, Ruhm. Insofern werden auch eifrig Gay Rights mitpropagiert, wird der Regenbogen gefeiert und manchmal empört getan, dass Lisa B. aus K. auf offener Straße zusammengeschlagen wurde, weil er_sie nicht ins Konzept passt von dem, was als Hetero gilt und damit in den Augen von passenden (im Sinne von: Passing/ durchgehen als…) Heten eine Gefahr darstellt. Wer sich als queere Person einreiht ins schöne Hetero-Leben mit den eigenen politischen Forderungen oder Betroffene_r von „wirklich schlimmer“ Diskriminierung ist, um ungefragt als Abziehbild ins Skandalös-Gutmensch-Hetero-Heftchen geklebt zu werden, hat vielleicht die Chance auf Solidarität. Alle anderen, die von Umverteilung (Geld, Zeit, Kapazitäten, politischen Prioritäten in aktivistischen Kämpfen) reden, naaaah…die müssma net anhörn. die tun wa extra. in dieses LGBT dings rein. und dafür hamm wa keene Zeit, weil wegen Vereinbarkeitsproblematik und so. Lieber noch ein bisschen rumjammern, dass das Thema feministische Mutterschaft immer so untergeht zwischen diesen kinderfeindlichen Queer_Feminist_innen, die alles dominieren. Und deshalb (jetzt erst recht!!!) als weiße, ableisierte, Mittelschichts-Hetera den 239. Blog einer weißen, ableisierten, Mittelschichts-Hetera lesen und verlinken, die von 50/50 (AS IF…) und rosa für Jungs plappert.

Kritik an Heteropraxen und Performances ist allerdings auch wegen einer anderen Sache nicht gern gesehene Gäst_in in hiesigen feministischen Debatten: In dieser Kritik würden auch Menschen mitgemeint werden, die sich nicht als Hetero definieren oder nicht als Hete gelesen werden, auch wenn sie sich so definieren. Damit würde die Hetero-Kritik Sexismus bzw. Bifeindlichkeit und Trans*diskriminierung reproduzieren. Um den Unmut über die Kritik zu äußern, die sich nicht an die eigene Person und die eigene Alltagspraxis zu richten haben darf, werden dann munter lesbenfeindliche, sexistische und derailende Behauptungen in die Diskussionsschale geworfen, die z.B. „Lesben sind Cis-Frauen, die auf Cis-Frauen stehen“, „Lesben hassen Menschen, die mit Männern(Sternchen) schlafen“, „Frauen(Sternchen) vorzuschreiben, wen sie lieben dürfen [AS IF… Anm. von mir], ist frauen(sternchen)feindlich“ oder kurz: „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?“ lauten.

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Kerngeschäft Feminismus: Nicki Minaj und weiße Solidarität

22. Juli 2015 von accalmie

Ganz ehrlich: Ich persönlich bin kein großer Nicki-Minaj-Fan. Es gibt ein, zwei Lieder, die ich nicht schlecht finde, und ansonsten wundere ich mich (nicht) darüber, dass andere Rapperinnen – Rapsody, Jean Grae, Sa-Roc, Rah Digga, Dai Burger, um nur ein paar Namen zu nennen – nicht halb so viel Aufmerksamkeit genießen. Das hat mit Minajs besonderem Flow, genreübergreifenden Stil und Vermarktungsgeschick zu tun, aber auch mit Minajs konventioneller(er) Schönheit und der einfachen Reduzierung ihrer sex-positiven Self-Empowerment-Message auf „Sexbombe“ für einen male gaze. In jedem Fall ist Nicki Minaj eine der erfolgreichsten Rapperinnen aller Zeiten und versteht – im Gegensatz zu Iggy Azalea, zum Beispiel – nicht nur ihr Handwerk, sondern auch die Geschichte des Rap/Hip Hop.

Ihr letztjähriger Hit, „Anaconda“, war nicht nur ein Charterfolg, sondern Minaj brach mit dem Video Rekorde. Etwas über eine Woche nach der Veröffentlichung hatte „Anaconda“ bereits 100 Millionen Zuschauer_innen; es war eines der erfolgreichsten Videos des Jahres. Auch ihr und Beyoncés „Feeling Myself“, das zwei der aktuell bekanntesten und erfolgreichsten Hip Hop- und Pop- Künstler_innen vereinte, resultierte in einem sehr beliebten Video, dessen Regie beide maßgeblich führten. „Anaconda“ wurde in diesem Jahr für einen MTV „Video Music Award“ (VMA) in den Kategorien „Best Female Video“ und „Best Hip Hop Video“ nominiert. „Feeling Myself“ ging leer aus, und „Anaconda“ wurde ebenfalls nicht in der wichtigen „Video of the Year“-Kategorie nominiert (wenngleich Beyoncés „7/11“ eine Nominierung erhielt). Bei Twitter hat Nicki Minaj dies kritisiert.

[Übersetzung: 1. „Wäre ich eine andere „Art“ von Künstlerin, wäre Anaconda nominiert für Beste Choreographie und auch für Video des Jahres.“ 2. „Wenn die „anderen“ Mädels Videos veröffentlichen, die Rekorde brechen und Auswirkungen auf Kultur haben, werden sie nominiert.“ 3. „Wenn dein Video Frauen mit sehr schlanken Körpern zelebriert, wirst du für „Video des Jahres“ nominiert.“ 4. „Ich bin nicht immer selbstbewusst. Nur müde. Schwarze Frauen beeinflussen Popkultur so sehr, aber werden selten dafür belohnt.“]

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Unsägliche Wahrheiten

17. September 2014 von Hengameh
Dieser Text ist Teil 85 von 131 der Serie Die Feministische Bibliothek

Heng ist freie Autorin, bloggt auf Tea-Riffic und twittert unter @sassyheng. Und wird künftig öfter für uns schreiben! Juchhu! Zuletzt erschien hier ein Crosspost ihres Beitrags zu #schauhin.

Weg von den Alphamädchen, hin zu den Unsichtbargemachten: Die britische Journalistin und Autorin Laurie Penny distanziert sich in ihrem neuen Buch „Unspeakable Things“ von ausgelutschten Feminismus-Diskursen, die vornehmlich weiße, heterosexuelle Cis-Frauen aus der Mittelschicht betreffen.

„This is a feminist book. It is not a cheery instruction manual for how to negotiate modern patriarchy, with a sassy wink and a thumbs-up. It is not a charming, comforting book about sex and shopping and shoes. I am unable to write any such thing. I cannot force a smile for you. As a handbook for happiness in a fucked-up world, this book cannot be trusted.“

(Freie Übersetzung: „Dies ist ein feministisches Buch. Es ist keine aufmunternde Anleitung zur Verhandlung des modernen Patriarchats, mit einem frechen Zwinkern und erhobenem Daumen. Es ist kein entzückendes, beruhigendes Buch über Sex und Shopping und Schuhe. Ich bin nicht in der Lage ein solches Buch zu schreiben. Ich kann für euch kein Lächeln erzwingen. Als ein Leitfaden für Glück in einer abgefuckten Welt kann sich dieses Buch nicht bewähren.“)

Bereits in der Einleitung macht Penny klar, dass sie sich vom neoliberalen Feminismus distanziert, zumal er von Klassismus betroffene Frauen*, Schwarze Frauen* und Women* of Color, Sexarbeiterinnen* und alleinerziehende Mütter* nicht nur ausschließt, sondern auch weiterhin unterdrückt.

Ihr Buch ist keine Anleitung für weiße Karrierefrauen, die Ehe, Job und Kinder unter einen Hut bekommen und für ihre Leistungen als Gute Frau(tm) belohnt werden wollen. Von vermeintlich feministischen Positionen gegen Pornographie und Sexarbeit distanziert sie sich auch. Vielmehr geht es um Wut. Wut auf die verbreitete Lüge, die besagt, dass Frauen* mittlerweile alles im Leben haben können. Gemeint sind damit natürlich nur jene privilegierte Frauen. All diejenigen, die nicht in das Bild passen, werden zum Schweigen gebracht, sollen ihre Wut schlucken und an ihr ersticken. (mehr …)


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„Americanah“: Chimamanda Adichie in Berlin

19. Mai 2014 von der Mädchenmannschaft

Am vergangenen Freitag stellte die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie ihren aktuellen Roman, „Americanah“, der nun ins Deutsche übersetzt wurde, in der Kulturbrauerei Berlin vor. Die Lesung stieß auf großes Interesse und wir, accalmie und Charlott, konnten uns glücklich schätzen Tickets ergattert zu haben.

Die Journalistin Susanne Weingarten moderierte das Panel und übersetzte Adichies Aussagen aus dem Englischen. Adichie trug nach einer Einleitung von Weingarten kurz die ersten Seiten des Romans vor, und wurde dann im Wechsel zu Lesungen von Passagen aus der deutschen Übersetzung Americanahs durch Anna Thalbach zu ihrem Werdegang, literarischem Wirken und politischen Positionen interviewt.

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Angesichts der Vielzahl von Literaturwissenschaftler_innen und antirassistischer Aktivist_innen im Publikum stellte sich recht früh die Frage, warum nicht eine_r jener angefragt worden war für die Moderation. Während Adichie und die Lesung von Americanah für Begeisterung sorgten, konnte Weingarten nicht nur mehrere Namen nicht aussprechen (womit sie den Rest des Abends kokettierte), sondern fand es auch sinnvoll, Adichie als „Modeikone“ vorzustellen, als eine Person, die „eigentlich zu jung“ sei, um solche Bücher schreiben zu können, und fragte gleich, welche Anekdoten der Schwarzen Protagonistin Americanahs denn alle aus dem Leben der Autorin stammten. Diese „Verwechslung“ von Lyrischem Ich und Autor_in passiert häufig, jedoch auffällig oft bei nicht-weißen, nicht-männlichen Autor_innen; denn obwohl biographische Bezüge bei Literaturanalysen sonst belächelt bis verpönt werden, sind jene bei nicht-weißen, nicht-männlichen Autor_innen wohl eine der Grundannahmen.

Adichie antwortete, dass ihr Leben nicht das der Protagonistin sei, sondern viel „langweiliger“ – gab dann aber ein Erfahrungsbeispiel zu Rassismus, das nicht im Buch vorkam: nämlich die Reaktion eines Professors während ihres Studiums in den USA, der in einem Seminar fragte, wer diesen – den besten – Aufsatz geschrieben habe, und als sie sich meldete, sehr überrascht aussah; ein Hinweis darauf, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass eine Schwarze Autorin besser schreiben könnte als ihre weißen Kommiliton_innen. (mehr …)


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DDR-Barbies, antirassistisches Kinderbuch, Free CeCe, Protest gegen Sarrazin – kurz verlinkt

26. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 231 von 361 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die aktuelle Ausgabe der an.schläge ist erschienen,  diesmal mit dem Schwerpunktthema Wohnpolitik, und wieder sind einige Beiträge online lesbar, z.B. das Interview mit einer lesbischen Bloggerin aus Jordanien.

Katrin Gottschalk und Margarita Tsomou widerlegen im Freitag die so steilen wie schlotterigen „Barbiefeminismus!“-Thesen, die von dort aus kürzlich die Runde machten (geschickter Move, diese kräftebindenen  These-Gegenthese-Zirkel, die in einer Staubwolke von Rabatz letztlich zurück auf Null führen… kennen wir ja auch von der taz) – zum Beispiel so: „Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, in der DDR wären Frauen und Männer gleichberechtigt gewesen.“

Die Tageschau berichtet: Bis Ende Juni 2014 soll es eine neue gesetzliche Regelung zur sukzessiven Adoption für nichthetero Paare geben – liberaler wird’s aber wohl nicht mit der Großen Koalition.

„‚Das Wort, das Bauchschmerzen macht‘ ist eine spannende Geschichte, die (nicht nur) Kindern zeigt, wie verletzend rassistische und diskriminierende Sprache ist. Aber auch, wie sich Eltern, Lehrer_innen und nicht zuletzt die Kinder selbst aktiv für ein respektvolles Miteinander einsetzen“- Nancy J. Dilla sammelt Funding, um ihr Kinderbuch gegen rassistische Sprache veröffentlichen zu können. Noch wenige Wochen könnt ihr das Projekt unterstützen!

Die Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung hat eine Broschüre über trans* Kinder und Jugendliche heraus gegeben. Sie kann hier herunter geladen und auch bestellt werden unter broschuerenstelle(at)senaif.berlin.de

Schon im letzten Jahr erschienen, aber (leider) immer aktuell: „Un_mögliche Bildung. Kritische Stimmen und verschränkte Perspektiven auf Bildungsun_gleichheiten.

englischsprachige Links

Ein weiteres wichtges Projekt, das auf Förderung angewiesen ist: die Dokumentation „Free CeCe“ über und gegen Gewalt gegen Transfrauen, von Laverne Cox und CeCe McDonald.

In Spanien mehren sich die Proteste gegen die kürzlich verschärfte regressive Abtreibungsrechtspolitik, berichtet der Independent.

Anita Little stellt im Ms. Magazine eine Reihe früher Schwarzer Feministinnen vor.

Aaminah Khan schreibt bei Black Girl Dangerous über Intersektionalität und auf welchen (unter anderem) rassistischen Narrativen der Vorwurf, dass Kritiken an weißem Mainstream-Feminismus „toxisch“ oder „Mobbing“ seien, aufbaut.

Bei Autostraddle geht es um das kolonialistische Erbe, welches der heterosexistischen Diskriminierung in einigen afrikanischen Ländern zugrunde liegt und beim kritischen Blicken dorthin oftmals unter den Tisch fällt.

Welche Veränderungen können feministische Bewegungen international bewirken? Ein Podcast beim Guardian widmet sich dieser Frage.

Der Guardian berichtet auch über die Pianistin Alice Herz-Sommer, die mit 110 Jahren als älteste bekannte Überlebende der Shoah verstorben ist.

Termine

Berlin: Heute um 19:30 Uhr im K-Fetisch findet die erste Veranstaltung der Reihe „Mir lebn ejbik – Wir leben ewig“ über Widerstand, Gedenken und Befreiung statt: „Frauen* im jüdischen Widerstand – die Meijdalach aus Bialystok.“

Auch in Berlin: Am 2. März (11 Uhr) will Thilo Sarrazin sein neues Buch im Berliner Ensemble vorstellen. Am 2. März findet daher auch eine Kundgebung dagegen auf dem Bertolt-Brecht-Platz statt – hier geht es zum Facebook-Event.

Vom 8. bis 13. März, ebenfalls in Berlin: die Berlin Feminist Film Week.

Das erste Kieler laDIYfest findet vom 18. bis 20. April 2014 statt. Spenden sind erwünscht!

Vom 12. bis 15. Juni  in Sachsen auf Gut Frohberg: Die frauensommerakademie*2014  – schon mal vormerken!


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Warum ich nicht länger mit weißen Menschen über race spreche

24. Februar 2014 von Gastautor_in

Why I’m no longer talking to white people about race“ veröffentlichte Reni Eddo-Lodge am vergangenen Samstag auf ihrem Blog No Comment. Reni Eddo-Lodge ist Autorin und Redakteurin, unter anderem bei den Black Feminists und der Feminist Times. Mit ihrer freundlichen Genehmigung haben wir den Text aus dem Englischen übersetzt.

Ich gehe nicht mehr mit weißen Menschen auf das Thema race ein. Damit meine ich nicht alle weißen Menschen, nur die große Mehrheit, die sich weigert die Tatsache strukturellen Rassismus’ und dessen Symptome zu akzeptieren. Ich kann mich nicht länger der Kluft emotionaler Entrücktheit widmen, die weiße Menschen zeigen, wenn eine Person of Color unsere Erfahrungen mitteilt. Man kann es in ihren Augen sehen, wie sie sich abschotten und verhärten. Es ist als ob Sirup in ihre Ohren gefüllt würde, der ihre Gehörgänge verschließt, sodass sie uns nicht mehr hören können.

Diese emotionale Distanzierung ist das Ergebnis, wenn man ein Leben führt, in dem einer_einem nicht bewusst ist, dass die eigene Hautfarbe die Norm ist, von der alle anderen abweichen. Im Bestfall wird weißen Menschen beigebracht nicht zu erwähnen, dass People of Color “anders” sind, da uns das beleidigen könnte. Sie glauben tatsächlich, dass ihre Lebenserfahrungen, die sie aufgrund ihrer Hautfarbe machen, universal sein können und sollten.

Ich kann mich einfach nicht mit deren Fassungslosigkeit und Abwehrhaltung beschäftigen, wenn weiße Leute damit ringen, dass nicht jede_r die Welt auf ihre Weise erlebt. Sie mussten niemals darüber nachdenken, was es bedeutet – im Sinne von Macht – weiß zu sein. Also interpretieren sie es als Affront, jedes Mal, wenn sie irgendwie an diese Tatsache erinnert werden. Die Reise dahin strukturellen Rassismus zu verstehen erfordert von People of Color Weiße Gefühle zu priorisieren. Ihre Augen werden glasig vor Langeweile oder größer vor Entrüstung. Ihre Münder beginnen zu zucken, wenn sie beginnen sich selbst zu verteidigen. Ihre Rachen öffnen sich, wenn sie versuchen zu unterbrechen; ein brennendes Verlangen, lauter als du zu sprechen aber nicht wirklich zuzuhören, denn sie müssen dich wissen lassen, dass du falsch liegst.

Selbst wenn sie dich hören können, hören sie dir nicht wirklich zu. Es ist als ob den Worten etwas zustößt auf dem Weg von meinem Mund zu ihren Ohren. Die Worte treffen auf eine Barriere der Verleugnung und kommen nicht weiter. Das ist emotionale Entrücktheit. Es ist nicht wirklich verwunderlich, denn sie haben nie gewusst was es bedeutet eine Person of Color als tatsächlich gleichwertig anzunehmen, mit Gedanken und Gefühlen, die genauso valide sind wie ihre eigenen.

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Girl Power, Genitalien und viele bunte Smarties – kurz verlinkt

16. Januar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 225 von 361 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links:

Im vergangenen Jahr vermutlich einer der Konsens-Ohrwürmer schlechthin: „I love it“ von Icona Pop. „Elektropop mit einer Ladung Girl Power, genauso sollte er aussehen“, findet Hengame Yaghoobifarah in der taz.

Während „die Situation“ der Hebammen noch seitens der Regierung aufgrund des hohen Protestes jetzt aber wirklich mal „beobachtet“ wird, verschlechtert sie sich zusehends dramatisch: „Ab Juli soll die Haftpflichtversicherung der Geburtshelferinnen wieder einmal steigen: um 20 Prozent. Für die meisten ist das existenzbedrohend„, so die Freie Presse.

Smartiegate neu aufgewärmt: „Die Frage, ob die „Pille danach“ künftig rezeptfrei abgegeben werden darf, zählt zu den Streitfragen der großen Koalition„, weiß RP Online. Und die schokoladene Facepalme der Woche geht hiermit an Jens Spahn.

Stellenausschreibung: Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt sucht „eine/n Mitarbeiter/in Presse/Öffentlichkeitsarbeit“!

Termin: Am 23. Januar ab 18:00 hält Kübra Gümüsay in Duisburg einen Vortrag über „Inklusion & Intersektionalität im feministischen Netz! Ist Feminismus nur für privilegierte weiße Akademikerinnen?“ Hier geht’s zum Facebook-Event.

englischsprachige Links:

Für die Zeitschrift Elle schrieb Janet Mock über die Genitalienfixiertheit, die Cis-Personen im Umgang mit Trans* Menschen oft an den Tag legen, über Entmenschlichung, und über die transformative Kraft, die mit Solidarität und Sisterhood einher geht.

Twitter_innen aufgepasst: Unter dem Hashtag #lifeofamuslimfeminist finden sich seit ein paar Tagen viele Erfahrungen, Rants oder Reflexionen muslimischer Feministinnen, die oftmals an viele Fronten gleichzeitig kämpfen müssen.

Golda Poretsky analysiert bei Body Love Wellness die Frage, warum „übergewichtige“ Kinder so ein großes Thema sind und antwortet: weil das so viel einfacher ist, als über Kinderarmut zu sprechen.

Ms Afropolitan kritisiert die eindimensionale Darstellung von Winnie Mandela im Film „Long Walk To Freedom“, der neuen Biographie über Nelson Mandela.

The Advocate berichtet mit Fotos von der Einweihung des ersten israelischen Mahnmals für diejenigen, die von den Nazis wegen ihrer „sexuellen Orientierung“ und Geschlechtsidentität verfolgt wurden, in Tel Aviv.

CeCe McDonald wurde kürzlich aus der Haft entlassen – warum sie dennoch nicht automatisch frei ist, erläutert Prison Culture.


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