Einträge mit dem Tag ‘Internet’


Warum anonym hassen, wenn es auch viel glaubwürdiger geht!?

1. August 2016 von Charlott

„Menschen, die Hasskommentare ins Netz setzen, tun dies doch nur, weil sie sich hinter der Anonymität verstecken können.“ Dieses Argument und ähnliche gibt es immer wieder zu hören, wenn über den „Hass im Internet“ diskutiert wird. Häufig sind es zum Beispiel Politiker_innen, die insistieren, dass die Möglichkeit der Anonymität eine der wichtigen Ursachen für den produzierten Hass seien. Sicher wittern diese da ein dankbares Politfeld oder sind fest eingenommen von dominanten Überwachungsdiskursen, die suggerieren, dass mehr Überwachung zu mehr Sicherheit führe.

Ich selbst habe mich auch immer wieder in solchen Diskussionen wiedergefunden und meine immer gleichen Argumente vorgetragen: A) Selbst wenn Anonymität eine entscheidene Rolle hätte dahingehend, ob jemand einen Hasskommentar postet, so ändert dies ja auch noch nichts an den vorhandenen diskriminierenden und hassenden Gedanken (die die Person natürlich auch offline mit sich trägt). B) Ich halte es für gefährlich Anonymität an sich als das Gefährliche einzustufen und nicht auch zu betrachten, wie wichtig gerade auch für Menschen, die von (Mehrfach)Diskriminierungen betroffen sind Anonymität (oder das, was dieser nahe kommt) sein kann. C) Die Anonymitäts-These widerspricht sowieso meinen Erfahrungen und den Erfahrungen vieler Aktivist_innen, die ich kenne. Wie viele Fälle kenne ich/ habe ich selbst erlebt, in der von der Hasskommentare schreibenden Person vom Namen bis zum Arbeitgeber alles bekannt war? Oder beispielsweise die Person unter gleichem Kunstnamen auch öffentlich Vorträge hält (für die Polizei sie aber trotzdem bei Anzeige niemals auffindbar ist)?

Das Argument, dass etwas der Erfahrungswelt nicht entspreche, wird natürlich häufig als anekdotisch abgebügelt. Eine aktuelle Studie der Universität Zürich aber unterfüttert die Annahme, dass sich zum Schreiben von Hasskommentaren bei weitem nicht ständig hinter einer anonymen Fassade versteckt wird, sondern ganz im Gegenteil. In der Pressemitteilung zu den Forschungsergebnissen heißt es:

Wieso sollten sich Verfasser von Hassposts, die ihren Protest als moralische Pflicht rechtfertigen und sich für eine gerechte Sache einsetzen, verstecken? Zudem kann ein Online-Hasser davon ausgehen, dass sein aggressives Verhalten kaum je geahndet wird.

Auch zeigt die Studie auf, dass das Posten unter Klarnamen Vorteile hat. Die postenden Personen würden als glaubwürdiger wahrgenommen werden und erhöhten ihre Chancen Menschen in ihrem Umfeld ebenfalls zu motivieren.

Diese Studien-Ergebnisse werden auch in kommenden Diskussionen nützlich sein, denn die Debatte um Hass und Gewalt im Netz (und wie diesem begegenen) ist noch lange nicht abgebrochen. Doch leider arbeitet die Studie (oder zu mindestens die Pressemitteilung) mit einem sehr weiten Hassbegriff, der sexistisch_rassistisch_ableistische Gesellschaftsstrukturen kaum in den Blick rückt. Als Betroffene von Hassrede werden da „Politiker und Prominente, Unternehmen und Organisationen sowie Menschen bestimmter Nationalitäten und sozial Benachteiligte“ aufgezählt. Konkrete Motivationen bei den Schreibenden wie Rassismus, Cis-Sexismus oder Antisemitismus hingegen bleiben quasi unbenannt.

Letzten Endes werden die wenigstens Feminist_innen von dem Kern-Ergebnis der Studie überrascht sein, denn wo Typen wie Matussek lange Zeit regelmäßig Geld dafür erhielt seinen Sexismus und Rassismus in großen Medien zu verbreiten, verwundert es doch wenig, wenn viele andere auch gern mit ihrem Namen für ihren Hass einstehen.


Zum Weiterlesen
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Stiftung Zurückgeben, Rücktritt von Sara Ahmed und feministische Ideen zum Internet – kurz verlinkt

2. Juni 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 318 von 333 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Sankofa, eine neugegründete bilinguale Berliner Kita für Kinder zwischen 1 und 6 Jahren, die sich insbesondere für die Bedürfnisse von Kindern afrikanischer Herkunft einsetzt, ist auf der Suche nach Sponsoren und Spenden: Jede kleine Spende ist gern gesehen!

Im Auftrag des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestages wird derzeit eine deutschlandweite Onlinebefragung durchgeführt. Es geht um die Frage, wie Jüdinnen_Juden in Deutschland aktuell die Stimmung einschätzen und inwieweit sie gegebenenfalls Feindlichkeit wahrnehmen und erleben. Die Umfrage richtet an die jüdische Bevölkerung ab 16 Jahren, die überwiegend in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt hat.

Erneut unterstützt die Stiftung ZURÜCKGEBEN künstlerische und wissenschaftliche Vorhaben jüdischer Frauen. Jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben, können sich ab sofort für den Förderpreis 2016 der Stiftung bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Juli 2016.

Als am 30. Mai auf einer Fachveranstaltung der SPD Bundestagsfraktion über das geplante Bundesteilhabegesetz diskutiert wurde – wie zumeist ohne Menschen, die von diesem Gesetz direkt betroffen sind, nahmen Sigrid Arnade und Raul Krauthausen die Bühne ein und fragten „Für wen ist dieses Gesetz eigentlich?“:

Die österreichische Hochschulschüler_innenschaft hat ein Positionspapier zum Umgang mit Geschlechtseintrag und Namen von inter* und trans Personen an Hochschulen verfasst. Auf dem Tumblr NaGeH, dem dazugehörigen Twitter-Account und unter dem Hashtag #NaGeH werden zu dem Erfahrungen von inter* und trans Personen geteilt.

Im Sommer geht Women in Exile wieder auf Bootstour, um auf die anhaltende Forderung zur Abschaffung der Lager für Geflüchtete hinzuweisen. Im Missy Magazine schreibt die Gruppe über die Idee der Tour, geplante Aktionen und Hintergründe.

Englischsprachige Links

Professorin für Race and Cultural Studies Sara Ahmed verlässt die Goldsmiths Universität in London: „Sometimes we have to leave a situation because we are feminists.“

Mashable berichtet über die neue Kollektion von Bindern der LGBTQ-geführten Firma GC2b, die es nicht nur in den Größen XXS bis 5XL gibt, sondern auch noch in fünf verschiedenen Hauttönen von hellem beige zu dunklem braun.

GenderIT hat eine Ausgabe zusammengestellt, die sich mit „Feminist Principles of the Internet“ beschäftigt ausgehend von Diskussionen der Konferenz „Imagine a Feminist Internet“, die 2014 in Manila stattgefunden hatte. Im Editorial guckt Dhyta Caturani auf die Ergebnisse dieser Konferenz und was seit dem geschah. Carolin Tagny schreibt zu „Feminism online in West and Central Africa: Identities and digital colonisation„, Florencia Goldsman zu „The Do-It-Yourself Feminist Internet: Cyber feminist actions from Latin America“ und Anita Gurumurthy mit Nandini Chami zu „Data: The new four-letter word for feminism„.

Termine in Augsburg und Berlin
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Warum ich nicht mehr über ‚Hate Speech‘ diskutieren will

11. Mai 2015 von Charlott

In den letzten Wochen habe ich mir wieder einmal über Hate Speech, also Hassrede, im Internet Gedanken gemacht. Anlass war die Veröffentlichung der Broschüre „‚Geh sterben!‘. Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet“ durch die Amadeu Antonio Stiftung. Allerdings geht es mir hier gar nicht um die konkreten Inhalte dieser einen konkreten Publikation – sie brachte nur für mich dieses Konzept zurück in den Fokus und ich habe darüber nachgedacht, warum der Begriff so ein Unwohlgefühl bei mir auslöst.

Ja, ich mag Hate Speech nicht – also natürlich zum einen die Akte, die mit dem Konzept gemeint sind (wie überraschend, ich mag es nicht bedroht und beschimpft zu werden), aber eben auch den Begriff ‚Hate Speech‘ an sich. Mich stört, dass der Begriff schnell relativ entpolitisiert verwendet werden kann. Dann wird plötzlich über die ‚Debattenkultur‘ im Internet diskutiert und nicht mehr über Macht- und Diskriminierungsverhältnisse. Ich möchte dies einmal etwas ausführlicher erläutern:

Häufig wird von Hate Speech gerade dann gesprochen, wenn es um die Anerkennung von Gewalterfahrungen in ‚offiziellen‘ Kontexten geht, wie beispielsweise in juristischen Verfahren oder partei-politischen Diskussionen, wenn es um Gesetze oder deren Umsetzung geht. Manchmal auch dann, wenn es um die Verantwortung von kommerziellen Seiten-Betreiber_innen im Netz geht (Facebook, Twitter, etc.). Der Bezug ist nicht selten ein rechtsstaatlicher ohne jemals zu hinterfragen, welche Gewalt eigentlich vom Rechtsstaat ausgeht, welche Personen überhaupt auf Schutz durch den Staat realistisch hoffen können, für wen Anzeigen eine Möglichkeit wären. Dies ist eben auch gut möglich, da sich nicht immer genau angeguckt wird, wer eigentlich besonders von Hasskommentaren, Bedrohungen, etc. im Internet betroffen ist.

In einem Artikel beim Tagesspiegel, der die Debatte um Hate Speech aufnimmt, heißt es im Teaser: „Netz-Debatten sind oft von Drohungen und Hetze geprägt – und manchmal greift der Hass in die analoge Welt über.“ Auch wenn im Text dann einige Beispiele genannt werden, die weitere Strukturen sichtbar machen (bspw. Rassismus), so zeigt die Rahmung doch genau das, was ich immer wieder beim Thema Hate Speech beobachte. Ganz schnell können alle irgendwie gemeint sein, eigentlich könnte jede_r Opfer von Hate Speech werden. Die Diskussion ist anschlussfähig an liberale Vorstellungen, dass eben alle Personen von Hass betroffen sind. Alle sind gleich vor dem ‚Hate Speech‘-Paradigma. Und darüber hinaus werden Betroffene und Täter_innen gleichermaßen individualisiert: Betroffene dadurch, dass ein Blick auf die zugrundeliegenden diskriminierenden Strukturen auch ausbleiben kann und stattdessen dort die einzelne Person, die angefeindet wird, steht. Und die Täter_innen? Die hassen, sie leben eine Emotion aus. Auch etwas, was eher im Individuum verortet wird.

Es gibt natürlich auch Beiträge, die dezidiert auf Strukturen achten, aber häufig erlebe ich eine Loslösung der Erfahrungen aus größeren Zusammenhängen und eine damit einhergehende Entpolitisierung der Diskussion. Als ich im Februar bei einer Podiumsdiskussion über „Gewalt im Netz“ sprach, betonte ein Diskutant, dass Menschen einfach daran erinnert werden müssten, dass an der anderen Seite der Leitung eben auch Menschen sitzen. (Dies würde der ‚Debattenkultur‘ zuträglich sein.) Doch genau da liegt das Problem, wenn ‚unfreundliche Formulierungen‘, schlecht gesetzte Emoticons und Hate Speech frei ineinander übergehen, dann können auch solche entpolitisierten Vorschläge eingebracht werden. Doch exisitieren die rassistischen_hetero_sexistischen_ableistischen Aussagen im Netz ja gerade weil Menschen wissen, dass andere Personen es lesen werden. Wie ein Kommentator mal am Ende seines Hass-Rants unter einen Artikel vermerkte: „Naja ihr werdet es nicht freischalten, aber wenigstens musstet ihr es lesen.“

Warum also brauchen wir überhaupt den Begriff Hate Speech, wenn dieser sich doch so sehr anbietet zum Verwässern? Warum Diskriminierungen nicht direkt benennen und die strukturellen Auswirkungen von Sprache in den Vordergrund heben? In einem anderen Kontext schrieb Sharon:

Mehr und mehr fällt mir auf, dass die Art, wie wir über rassistische Diskriminierung nachdenken, sprechen und schreiben, den Schwerpunkt auf bestimmte Merkmale der Betroffenen legt: “Er wurde von der Polizei angehalten, weil er Schwarz ist”, “Sie wurde angegriffen, weil sie einen Hijab trug” usw. Man bekommt den Eindruck, dass “Schwarz sein” oder “Hijab-Träger_in sein” irgendwie bedeutsamer für den Bericht über die geschehene Ungerechtigkeit ist als die Tatsache, dass der_die Täter_in rassistisch ist.

Bei Hate Speech bleibt zwar der Fokus auf dem_der Täter_in, allerdings auf der Emotion ‚Hass‘ und auch wieder nicht auf dem Rassismus, Sexismus, Klassismus etc. der sprechenden/ schreibenden Person.

Ich verstehe den Begriff Hate Speech als Versuch unterschiedlich motivierte Angriffe unter einem Überbegriff zu sammeln, doch für mich macht dies das Konzept oftmals unpräzise und erschwert die genaue Analyse. Wenn fast jede im Internet aktivere Person eine Hate-Speech-Geschichte zur Hand hat – was genau ist dann die Aussage? Statt diesem überstülpenden Begriff wünsche ich mir, dass doch häufiger konkret die diskriminierenden Strukturen und Rahmen beim Namen genannt werden, und nicht erst in der nachgeschobenen Erklärung, die auch schnell herausgekürzt werden kann. Bei Debatten über Gewalt im Netz (ob dabei konkret Hate Speech gesagt wird, oder dies nur implizit mitschwingt) sollte es selbstverständlich werden, dass Diskriminierungen und Anfeindungen aufgrund beispielsweise feministischer Positionen nicht im gleichen Atemzug wie unhöfliche Antworten in Foren zu Autoteilen diskutiert werden.


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Gewalt im Internet – Brauchen wir neue Gesetze?

17. Februar 2015 von Charlott

Die meisten, die sich durch das Internet bewegen und zu feministischen/ anti-*istischen Themen und Problemen äußern, kennen es: Hassvolle Tweets, Emails mit Drohungen, Fake-Profile mit den eigenen Angaben, Stalking und viele andere Formen von Gewalt im Netz. Manchmal muss eine_r sich nicht einmal sonderlich gesellschaftskritisch äußern. In einigen Räumen reicht es schlicht und ergreifend als von einer weißen männlichen Hetero-Norm abweichend erkannt zu werden und schon ändert sich die Kommunikation.

Doch wie damit umgehen? Welche Maßnahmen ergreifen? Viele, die sich dazu entscheiden, rechtliche Schritte einzuleiten, können von schlechten Erfahrungen berichten: Die Anzeigen werden nicht ernst genommen. Das, was im Internet geschieht, wird als harmlos betrachtet, als kaum real. Können neue, konkreter auf Umstände im Netz eingehende Gesetze da weiter helfen? Oder reichen die bisherigen gesetzlichen Regelungen aus und es liegt viel mehr am Umgang mit der Thematik durch Polizei und Justiz? Für wen können Gesetze überhaupt eine gute Lösung darstellen? Wer ist ausgeschlossen? Und was bedeutet der mögliche staatliche Eingriff ins Internet?

Am Mittwoch werde ich zu diesem Thema mit Dagmar Freudenberg (Vorsitzende Kommission Strafrecht des Deutschen Juristinnenbundes), Katja Keul (MdB Bündnis 90/Die Grünen, Sprecherin für Rechtspolitik) und Julian Jostmeier (Community-Mitglied Puplixphere) in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin ab 19 Uhr diskutieren.

Die Veranstaltung wird als Livestream auf www.gwi-boell.de und www.boell.de/stream übertragen.


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Prekarisierung, § 23 und der Staat als gewalttätiger Akteur – kurz verlinkt

9. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 248 von 333 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Eine bemerkenswerte Berlinerin, Zeitzeugin, Aktivistin und Antifaschistin: Inge Lammel musste als Jüdin während des Zweiten Weltkriegs nach Bristol und sagt im Interview mit der Berliner Zeitung: „Man ist achtsam geworden. Und doch, es gibt immer Menschen, denen andere egal sind. Man sieht gerade, wie die Flüchtlinge behandelt werden.“

Anfang Juni hatte in Berlin ein Bündnis ein Plakat an einem Haus angebracht, welches an den NSU-Bombenanschlag 2004 in Köln erinnern sollte. Den Spruch „NSU: Staat & Nazis Hand in Hand.“ ließ die Polizei entfernen. (Wir schrieben darüber.) Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates nun ein, berichtet MiGAZIN.

Eine weitere Gerichtsentscheidung kommt aus den Niederlanden: Dort wurde nun auch gerichtlich festgeschrieben, dass es sich beim „Zwarten Piet“ um eine rassistische Karikatur handelt. (Hinweis: Abbildung von Blackface)

Das Bündniss gegen Rassismus hat einen offenen Brief an die Berliner Senatsinnenverwaltung zum §23 des Aufenthaltsgesetz verfasst, der auch noch unterzeichnet werden kann.  Es wird u.a. gefordert, den politisch aktiven Geflüchteten aus Berlin gemäß § 23 AufenthG den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu gewähren.

Women in Exile kritisieren den Bundestagsbeschluss zur deutschen Asylpolitik und fordern Protest, damit der Gesetzesentwurf im Bundesrat gekippt wird.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie werden im Juli und August die Autorinnen Mona Motakef, Julia Teschlade und Christine Wimbauer über Prekarisierung bloggen.

Der Bundestreffen Solifonds der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), will Menschen eine Teilnahme ermöglichen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation sonst nicht kommen können. Auf ihrer Seite erklärt die ISD, wo der Zuschuss beantragt werden kann und wohin gespendet werden kann, um den Fonds zu unterstützen.

Das Webportal Mein Geschlecht ist online. Trans*, inter* und genderqueere Jugendliche finden dort bundesweite Anlaufstellen, können ihre Geschichte erzählen und voneinander lernen.

englischsprachige Beiträge

Sichtbarkeit – gerade auch im Internet – ist doch was tolles?! Shanley Kane zeigt auf, wie diese Annahme nicht für alle Menschen gilt, und wie oft Sichtbarkeit auch mit Gewalt einhergeht.

Fast zwei Drittel der ruandischen Parlamentarier_innen sind Frauen. Der Guardian schreibt über diesen Fakt und was das bedeutet.

Lauren Chief Elk zum International Violence Against Women Act  und Gewalt durch den Staat, denn in der weltweiten Diskussion um Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird häufig der Staat als gewalttätiger Akteur ausgeblendet.

„Yes, obesity is ok.  The rights to life, liberty and the pursuit of happiness are not size dependent, they are inalienable.  Fat people have the right to exist in fat bodies without shame, stigma, bullying or oppression.“ – Dances with Fat antwortet auf einen New York Times Artikel, der die Frage stellte, „Is Obesity OK?“.

Wenn über sexualisierte Gewalt in Euphemismen gesprochen wird, wem nützt das etwas? Ganz sicher nicht den Betroffenen, stellt Soraya Chemaly fest.

Luvvie schreibt bei TheGrio über die aktuelle Personalpolitik beim US-amerikanischen feministischen Blog Jezebel und darüber, was diese mit Respekt und Intersektionalität zu tun hat.

Die Schauspielerin Doon Mackichan erläutert im News Statesman ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber Stories, in denen Gewalt gegen Frauen zur Unterhaltung dient.

Termine in Berlin, Frankfurt a.M. und Göttingen:

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Ausstiege bei Pussy Riot, ‚Pille danach‘ rezeptfrei, Valentinstag in Indien – kurz verlinkt

12. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 229 von 333 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachiges

Warum Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa, einst die beiden berühmtesten Pussy-Riot-Mitglieder, mittlerweile nicht mehr Teil des Kollektivs sind, erklärt die Gruppe in einem offenen Brief über radikalen Aktivismus, politische Dilemmata und Grundsatzkonflikte, den der Freitag abgedruckt hat: „Das institutionalisierte Eintreten für andere kann es sich kaum erlauben, die fundamentalen Normen und Regeln zu kritisieren, die der modernen patriarchalen Gesellschaft zugrunde liegen. Als institutioneller Teil der Gesellschaft kann eine solche Interessenvertretung nicht mit dem Regelsystem der Gesellschaft brechen.“

In Chemnitz werden abends die akustischen Signale an Ampelanlagen abgeschaltet – Grund: Lärmschutzbedenken. Die Signale sollten allerdings eigentlich blinden und sehbehinderten Menschen mitteilen, ob eine Ampel auf grün oder auf rot steht. Die sächsische Freie Presse berichtet.

Hallo bundesdeutsche Gesundheitspolitik, es wird Zeit, dem internationalen Konsens nachzuziehen – die „Pille danach“ muss rezeptfrei werden. Dies fordert auch eine Petititon an Gesundheitsminister Gröhe: Rezeptfreie „Pille danach“ zulassen! Da nicht nur Frauen schwanger werden könne, betrifft Notfallverhütung allerdings nicht nur deren Selbstbestimmung. (Und ich hätte auch unterschrieben, wenn die „Pille danach“ Abtreibung wäre.)

Englischsprachiges

Nicht alle der hier vorgestellten Aktionen finden wir gleichermaßen super, aber eine nette Übersicht ist es dennoch: PolicyMic zeigt „23 inspirierende feministische Digitalkampagnen, die die Welt veränderten“.

Valentinstag? Kitsch, Konsum und multinormativer Pärchen-Overkill fällt vielen von uns wohl als erstes (und einziges) dazu ein. Abhängig vom kulturellen Kontext kann man das jedoch auch teilweise anders oder jedenfalls komplexer einordnen, so Deeksha Sivakumar bei Sociological Images: Sie schreibt über die Funktion des Valentinstag als Jugendrebellion in Indien.

A propos Normen: Elternschaft jenseits der Gleichung 1 Vater + 1 Mutter lässt sich nicht nur denken, sondern auch leben, und zwar bisweilen ganz „legal-formal“.  So weist die Geburtsurkunde eine neugeborenen Kanadierin nun drei Eltern aus.

Die Schriftstellerin Zadie Smith beteiligt sich an Protesten gegen den Umgang mit geflüchteten Frauen in Großbritannien, insbesondere gegen ein berüchtigtes Auffang- und Abschiebelager in Bedfordshire. Der Guardian berichtet.

Termine in Berlin, Bonn und anderswo:

Ab 18. Februar 2014 immer dienstags von 18:00 – 19:30 Uhr in der Mädchenberatung, Berlin-Wedding:Körperkreise – in Bewegung den Körper (wieder/ neu) entdecken für junge Frauen* (Alter 17-27 Jahre), die sexuelle Gewalt erlebt haben und Lust haben, sich auf eine Körperreise in Bewegung einzulassen!“ Infos gibt es per Mail unter wriezener[at]wildwasser-berlin.de; hier geht es zum Facebook-Event.

Gleich eine ganze Fundgrube von spannenden Terminen gibt es bei Lesbengeschichte – zum Beispiel einen Abend über „Drei zwiespältige homosexuellenemanzipatorische Vorkämpferinnen“, Johanna Elberskirchen, Theo Anna Sprüngli  und Emma Trosse, am 6. März in Berlin oder die montagliche Filreihe „Queer Monday“ in Bonn.


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Beyoncé, Magazine, Trolle, Airbags – kurz verlinkt

29. Januar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 227 von 333 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links:

Im Juni findet die Frauen*FrühlingsUni 2014 statt, und es können noch Beiträge eingereicht werden: „Wir möchten Feminismen im gelebten Alltag, ihre Erfolge, aber auch Schwierigkeiten sowie Möglichkeiten zur feministischen Intervention aufspüren. Alles, was Brücken zwischen Alltag, Wissenschaft und Politik schlägt und den Fokus auf das Thema richtet, ist willkommen.“

Spiegel Online schreibt: „Sexuelle Belästigung ist ein Problem bei der Bundeswehr, wie eine Studie der Truppe zeigt. Wie mit den Beschwerden der Frauen umgegangen wird, darüber verliert sie allerdings kaum ein Wort. Die Grünen kritisieren: Entsprechende Fragen wurden aus dem Papier gestrichen.“

englischsprachige Links:

Amina Doherty schreibt beim African Women’s Development Fund darüber, wie Popkultur das (feministische) Selbstverständnis beeinflussen kann: „Popular culture has a unique capacity not only to raise awareness, but to build bigger constituencies for social justice and women’s rights and ultimately to meet people where they are“- hier Teil 1 und dort Teil 2.

A propos Pop: Gerade wurden die Grammys verliehen, und Beyoncé war auch dabei, und natürlich wurde ihr Auftritt aus verschiedenen Perspektiven analysiert, gefeiert und kritisiert. Zum Beispiel von Jen von xojane, die sich gegen an Mütter gerichtetes Sexualitäts-Policing ausspricht. Und Akiba Solomon schreibt bei Colorlines über den Einsatz verstörender Zitate im Song „Drunk in Love“.

Die aktuelle Ausgabe von Popaganda, dem Podcast des Bitch Magazine, steht unter dem Motto „Don’t just hate media—make media“ und featuret Interviews mit drei profilierten Zeitschriftenmacherinnen, die auch einzeln anzuhören sind.

Viele Social-Media-aktive Menschen haben sich inzwischen an diversen Versionen des Gotye-Hits „Somebody that I used to know“ erfreut – vielleicht war auch die Interpretation von Azora Telford in Gebärdensprache dabei.

„Trollen geht es nicht darum zu provozieren, sondern darum, Frauen zum schweigen zu bringen“ – Steph Guthrie erklärt im TedxTalk, waum die Aufforderung, Trolle nicht zu füttern a.k.a. Übergriffe im Internet einfach zu ignorieren, höchst problematisch ist. Und was stattdessen getan werden könnte.

Und hier noch ein erbauliches Video für den Feierabend.

Außerdem ein Termin in Dresden am 1. Februar um 14:30: We give birth, we decide! – Solidaritätsveranstaltung für Abtreibungsrechte in Spanien und Deutschland.


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Nächsten Freitag Konferenz in Berlin: Energize, Polarize, Mobilize

15. März 2013 von der Mädchenmannschaft

Unter diesem Motto „Energize, Polarize, Mobilize. Menschenrechte. Beteiligung. Aktivismus. Internet“ veranstaltet die Heinrich-Böll-Stiftung am kommenden Freitag, den 22. März 2013 eine internationale Workshopkonferenz.

„Was sind die Werkzeuge und Trends, die Chancen und Herausforderungen für den Aktivismus im Jahr 2013?“

Das ist die zentrale Frage, um die es gehen wird. Welche neue Möglichkeiten haben Aktivist_innen zu kommunizieren und zu mobilisieren? Welche Chancen und Herausforderungen bieten digitale Technologien?

Es wird Panels geben, die diese Fragen in unterschiedlichen Bereichen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und diskutieren werden. Angefangen von:

  • Wie lässt sich Aktivismus in eine politische Aktion übersetzen?
  • Feministische Bündnisse über Grenzen hinweg, welche gemeinsamen Kämpfe, Strategien zeigen sich?
  • Internetfreiheit vs Regulation und Überwachung, welche Methoden gibt es, wie können Aktivist_innen sich schützen?
  • Bis hin zu Panels, die eben jener Frage nach Meinungsfreiheit sowie den Menschenrechten auf den Grund gehen möchten.

Es sind spannende, mutige Aktivist_innen aus rund 20 Ländern dabei u.a.:

Jillian York, key note speaker, Electric Frontier Foundation
Elisabeth Ngari, Women in Exile, Deutschland
Jérémie Zimmerman, Internet-Bürgerrechtler, La Quadrature du Net
Maya Indira Ganesh, Tactival Technologie Collective
Reem Al-Masri, 7iber.com, Jordanien
Sheena Gimase Magenya, Sister Namibia, Windhoek
Vera Franz, Open Society Foundations, New York
Miss Kaewmala, thaiwomantalks.com, Thailand
Christian Mihr, Reporter ohne Grenzen, Berlin
Borka Pavicevic, Gründerin des Centre for Cultural Decontamination, Belgrad

Gemeinsam mit Digitale Gesellschaft e.V. und Reporter ohne Grenzen e.V. sind wir Kooperationspartner_innen dieser Konferenz.

Mehr Informationen findet ihr hier.


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GenderCamp 2012 – wie war’s?

24. Mai 2012 von Magda

Vom 17. bis 20. Mai hat das diesjährige GenderCamp stattgefunden, ein Barcamp für Feminismus in der Digitalen Gesell­schaft. Zur Erinnerung: Das GenderCamp ist eine politische Bildungs­ver­anstaltung rund um Feminismus – Queer – Gender – Netzkultur – soziale Netzwerke – Netzpolitik – digitales Leben. Es lehnt sich an das Prinzip des „BarCamps“ an. In diesem Jahr fand es zum dritten Mal im ABC Bildungs– und Tagungszentrum in Hüll bei Hamburg statt.

Nadine und ich waren unter den rund 60 Teilnehmer_innen, die im ländlichen Hüll mehr als drei Tage zu unter­schiedlichen Themen diskutierten. Die meisten Session-Ideen wurden erst auf dem Camp entwickelt und in der morgendlichen Session­planung vor­geschlagen. Entstanden ist ein grandioser Mix aus Sessions, der viele Gelegen­heiten bot, ganz neue feministische Felder oder Perspektiven kennen­zulernen.

Diskutiert wurde über: feministische Projekte im Netz, dominantes Rede­verhalten (dazu werde ich noch einen Text schreiben), Veganismus, Speziezismus, Körpernormen, Fanfiction, feministischer Aktivismus in nicht­feministischen Geek/MINT-Spaces, Troll­bekämpfung, Elternschaft, Ehe, Identitäten im Netz, BDSM & Feminismus, Justiz und Macht­strukturen, Asexualität, Repro- und Erwerbs­arbeit, Craft­blogging, Synthetische Kultur, My Little Pony, Kinder(betreuung), Empowerment im Netz, Feministische Netz­politik, Hierarchien im Netz, Spiritualität, feministische ‚Bubbles‘, Barriere­freiheit im Netz und auf dem Camp, Profeministische Männer*gruppen, Derailing, Netzfeminismus, Polizei & Sexismus und über die Gründung einer #hackerflauschkommune. Auch Bastel- und Rollen­spiel­workshops konnte mensch auf dem GenderCamp besuchen.

Eine Übersicht über (fast) alle Sessions findet ihr im Programm (da sind noch nicht alle Protokolle verlinkt), die Protokolle zu den einzelnen Sessions könnt ihr auf gendercamp.posterous.com nachlesen. Wer gute Link­tipps sucht zu unter­schiedlichen gesell­schaftlichen Macht­verhältnissen und zu einigen Begriffen, die in queer_feministischer Praxis & Theorie eine Rolle spielen, freut sich über unsere Schmöker-Ecke.

Ich muss meine Gedanken noch sortieren, andere Teilnehmer_innen waren schneller und haben ihre Ein­drücke bereits ver­bloggt:


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Not a Boy? Click here!

16. März 2012 von Nadia

Gestern bekamen wir einen heißen Web-Tipp per Mail, und was soll ich sagen: Tja, ich war irgendwie ganz negativ fasziniert beim Anblick der Kinderspielwiese Clever Dragons im Internet. Als spielerisches Lernportal konzipiert, setzt es (ganz fortschrittlich – hoho) auf  Geschlechtertrennung statt Ko-Edukation. Auf der Startseite wird schon mal direkt angekündigt: „Smart Fun for Boys“. Und für alle Fälle gibt es rechts oben den Button „Not a Boy? Click here…“. Klickt einfach mal drauf und erlebt Euer rosa Wunder!

(Besten Dank an Stefan von Loopkid für den Hinweis!)

 


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