Einträge mit dem Tag ‘im Politikbetrieb’


Das Geschlecht der Rente mit 63

7. März 2014 von Maria
Dieser Text ist Teil 17 von 18 der Serie Feminismus im Recht

Werbeplakat an einem Bahnhof für das Rentenpaket. Groé Überschrift: "Nicht verschenkt, sondern verdient."

„Nicht geschenkt, sondern verdient“ – so bewirbt derzeit die Bundesregierung den Gesetzentwurf für Änderungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung, der bis zum Sommer beschlossen werden soll. Demnach soll unter anderem ein weiteres Erziehungsjahr (sogenannte Mütterrente) für Kinder der Jahrgänge vor 1992 eingeführt werden, sowie die Möglichkeit für besonders langjährig Versicherte bestimmter Jahrgänge, vorzeitig abschlagsfrei in Rente zu gehen.

Was zunächst fair klingt – nach einem langen und vermutlich auch anstrengenden Berufsleben in den verdienten Ruhestand zu gehen – ist beim näheren Hinsehen eine Regelung, von der überwiegend Männer profitieren. Die angekündigten Regeln der sogenannten Rente mit 63 sind für die Mehrzahl der Frauen dieser Generation nicht erfüllbar. Frauen verfügen seltener über die erforderlichen 45 Beitragsjahre. Nach Informationen der Deutschen Rentenversicherung Bund waren rund 86 Prozent der Versicherten, die im Jahr 2012 die Möglichkeit der Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch genommen haben, Männer. Das liegt unter anderem daran, dass politische und rechtliche Rahmenbedingungen in Westdeutschland vom Alleinernährermodell ausgingen und die klassische Frauenbiographie durchbrochen ist von Kinderbetreuungszeiten und Teilzeitarbeit. Hinzu kommt, dass die Versicherten, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, ohnehin bereits über überdurchschnittliche Rentenansprüche verfügen. Frauen finden sich aber häufiger als langjährig versicherte Männer unter den Geringverdienenden, die sich einen vorzeitigen Ruhestand nicht leisten können – also möglichst lange weiterarbeiten sollten, um die Rente zu steigern.

Die Berücksichtigung von Kinderbetreuung in der Rente ist für die nun besserzustellenden älteren Jahrgänge von Frauen sinnvoll und bricht die starke Orientierung der Rente an der Erwerbstätigkeit etwas auf, die die klassische Frauenbiografie eher benachteiligt. Das weitere Erziehungsjahr kann aber die Benachteiligung von Frauen bei den angekündigten Regeln der sogenannten Rente mit 63 nicht annähernd kompensieren.

In der aktuellen Diskussion fällt auf, dass viele politische Akteure dieses geschlechterpolitische Problem auch benennen. Schlussfolgerungen werden daraus aber nicht gezogen. Der Gesetzentwurf sieht „keine Hinweise“ auf unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer. Grund genug für Frauen, zum 8. März darüber öffentlich zu diskutieren, was sie verdient haben – und was sie angeblich geschenkt bekommen.


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Antisemitische Briefe, “Unterdrückte Mehrheit” und Ausschlüsse – kurz verlinkt

19. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 223 von 242 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Im Juli 2013 fand  in der Roten Flora in Hamburg der Kongress smash it all_smash sexism zum Themenkomplex Sexismus und sexualisierte Gewalt statt. Jetzt ist beim Feministischen Institut Hamburg ein Kongressbericht erschienen.

“Christiane Taubira vertritt eine Politik, die Privilegien in Frage stellt.”, schreibt Lena Müller bei der FAZ und zeigt auf mit welchen Anwürfen sich die französische Justizministerin auseinandersetzen muss.

In der Radiosendung Zeitpunkte des rbb gab es einen schönen Beitrag zur Ausstellung und dem Buch “Daima. Images of Women of Color in Germany”. Der Beitrag kann noch bis Sonntag angehört werden.

Monika Schwarz-Friesel und ihr Team haben über 14.000 antisemitische Briefe an den Zentralrat der Juden und Israels Botschaft in Berlin analysiert. Die Jüdische Allgemeine interviewt sie zu den Ergebnissen und der emotional aufreibenden Arbeit.

Moch bis zum 15. März kann die “Kieler Erklärung” unterschrieben werden, die dazu auffordert “umgehend eine bundeseinheitliche Lösung zur Übernahme der Kosten ärztlich verordneter Verhütungsmittel für Frauen und Männer mit geringem Einkommen zu finden”.  Die Erklärung soll im März 2014, 20 Jahre nach der Anerkennung des Menschenrechts auf Familienplanung durch die Internationale Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung in Kairo, der Bundesregierung übergeben werden. (Mehr zur Bevölkerungskonferenz in Kairo und reproduktive Rechte erfahrt ihr in unserem Podcast.)

Der Tagesspiegel berichtet über Einstiegs- (und auch Auststiegs-)Beratungen für Sexarbeiter_innen. Neben dem verwirrenden Benutzen der maskulinen Formen gibt es auch einiges anderes Kritikwürdiges am Artikel; dennoch gibt er einen Einblick.

englischsprachige Links

In den letzten zwei Wochen ging der Film Majorité Opprimée (Unterdrückte Mehrheit) durch das Internet und erfreute sich großer Beliebtheit, wurde zig-Mal geteilt und als “augenöffnend” hinsichtlich von Sexismus-Erfahrungen gefeiert. Dabei reproduziert der Film in erster Linie Rassismus, Klassismus und auch Misogynie, schreibt der Guardian. Worauf weder dieser kritische Text, noch die meisten anderen eingehen: Filmfigur Pierre klagt am Ende nicht etwa eine sexistische Gesellschaft an, sondern sagt, “I can’t take this fucking feminist society anymore”, und gibt damit dem ganzen Film auch noch eine ziemlich explizite anti-feministische Wendung.

Julia Jordan-Zachery schrieb bei For Harriet: “For the Tribe of Black Mothers Who Bury Their Murdered Children“.

We have come together as black feminists to commemorate Stuart Hall who died on 10 February, 2014.“, heißt es bei Media Diversified. Sara Ahmed, Gargi Bhattacharyya, Yasmin Gunaratnam,Vera Jocelyn, Patricia Noxolo, Pratibha Parmar, Ann Phoenix, Nirmal Puwar und Suzanne Scafe schreiben dort über ihre Erinnerungen an Hall und seine Einflüsse als Denker.

Zwar ein etwas älterer Artikel, aber die Informationen werden ja nicht alt. Bei Feminspire also gibt es Antworten auf die uralte Frage: Wie finden Menschen mit Brüsten, die einen BH tragen wollen, am einfachsten die richtige Größe heraus?

Gestern wäre Audre Lorde 80 Jahre alt geworden (wir berichteten). Bei Colorlines wurden Zitate von ihr zusammengetragen.

Für das Bitch Magazine hat Tina Vasquez eine ausführlichen (aber in erster Linie US-zentrischen) Text über cissexistische Ausschlüsse in bestimmten feministischen Strömungen, Akteur_innen, und deren Einflüsse geschrieben. (Hinweis: Beschreibung von Zwangs-Outings und Hass-Nachrichten – und beware of the comments…)

Bis zum 9. März werden künstlerische Werke jeglicher Art für eine Ausstellung mit dem Titel “WHAT IS QUEER TODAY IS NOT QUEER TOMORROW” unter der folgenden Prämisse gesucht: “We are seeking creative work aiming at contextualizing, destabilizing, criticizing, enhancing, beautifying and in any way engaging with given trajectories of »queerness« in brave, playful, funny, loving, disturbing, nauseating or any other number of ways.” Mehr Informationen gibt es bei Facebook.

Termine in Berlin

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Feministische Politik ist mehr als Kosmetik

6. November 2013 von Maria

Im Moment verhandelt die zukünftige Große Koalition darüber, wie eine Frauenquote für Aufsichtsräte aussehen könnte oder ob man Veränderungen beim Elterngeld beschließt. Feministische Wissenschaftlerinnen fordern in einem aktuellen Aufruf (PDF) einen Blick auf die breiteren gesellschaftlichen Zusammenhänge von Ungleichheit und Ausgrenzung. Sie stellen fest: „Die Gleichstellungspolitik der letzten Jahre hat sich hingegen weitgehend auf kosmetische Korrekturen beschränkt. Der emanzipatorische Gehalt feministischer Kritik muss deshalb wieder neu erstritten werden!“

In dem Aufruf, der sich als offener Brief an Politiker_innen richtet, wenden sich die Autorinnen unter anderem gegen Prekarisierung der Arbeitswelt, die vielfachen Benachteiligungen von Menschen mit Sorgearbeit und eine rassistische Migrationspolitik. Der sehr lesenswerte Aufruf formuliert einen Anspruch an das Zusammenleben in einer „globalisierten Gesellschaft“ und stellt fest, dass die Politik „bei den sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Rechten aller Menschen“ ansetzen muss. Die Autorinnen wollen die feministische Debatte neu entfachen und laden deshalb Menschen aller Geschlechter auf, ihren Aufruf mitzuzeichnen. Hierfür genügt eine E-Mail an feministische_initiative@gmx.de


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Lesen, tanzen, essen – kurz verlinkt

9. Januar 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 177 von 242 der Serie Kurz notiert

Gute Nachricht für eifrige Netsurfer_innen: Da sich zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, allerhand Lesenswertes bei uns eingefunden hat, gibt es diese Woche  “Kurz verlinkt” gleich zweimal. Hier Teil 1.

Das Rosa-Mayreder-College stand stets an der Schnittstelle von akademischem und aktivistischem Feminismus. Warum die Einrichtung nun schließt und wie es weitergeht, erklärt Gründerin Ursula Kubes-Hofmann.

Der Jahresbericht von Hollaback! International ist da und informiert über Street Harrassment, also Belästigung und Übergriffigkeiten im öffentlichen Raum (Text auf Englisch).

MALMOE und Migrazine nehmen in einem gemeinsamen Schwerpunkt die bereits seit den 1990er-Jahren geführte und stark polarisierte Debatte um Homophobie und Sexismus der Dancehall-Szene genauer unter die Lupe, um ein differenzierteres Bild zu zeichnen.

Profeministische Männerbewegungen? Klingt erstmal gut, hat aber mächtige Haken. Amanda Marcotte analysiert, was das Problem ist (Text auf Englisch).

A Propos Männerprobleme: Männer essen einem US-amerikanischen Psychologen zufolge nicht nur mehr Fleisch als Frauen, sie begründen ihr Verhalten auch anders: Der Fleischkonsum mache sie männlich.

Um Schönheitswahn nach der Geburt geht es in der Berliner Zeitung.

Die taz führte ein Interview mit einer Autorin und dem Mitbegründer des NoNo Verlags für nicht normative Kinderbücher.  Ebenfalls in der taz: “Kotzen vor Wut” darüber, dass sexualisierte Gewalt in Deutschland und überall auf der Welt noch zu wenig Empörung hervorruft.

Südkorea hat mit Park Geun-hye seine erste Präsidentin gewählt. In ihrem Wahlkampf kündigte Park an, im Falle ihrer Präsidentinschaft eine “Revolution der Frauen” in Gang zu setzen, versprach finanzielle Unterstützung für Kinderbetreuung und Anreize für Firmen, mehr Frauen einzustellen. Man darf gespannt sein.

Termine:

Das Team von Slutwalk Münster ist in einem Neuausrichtugnsprozess. Welche_r dabei mitmachen will, kann sich auf Facebook über die weiteren Treffen informieren.

Am 10. Januar im Südblock, Berlin: Rosa Radikale – Visionäres und Impulse aus der Schwulenbewegung der 1970er. Buchvorstellung, Diskussion und tanzbare Tuntenlounge

Am 13. Januar im Jubez, Karlsruhe: Tagung / Konferenz Die Care-Seite der Krise. Gesellschaftliche Hintergründe und politische Strategien.

 


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Unverheiratet und in der Politik? Homosexuell. Oder nicht?

17. Juli 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 49 von 55 der Serie Meine Meinung

Sind Politiker_innen der CDU homosexuell? Ich weiß es nicht und es ist mir ehrlich gesagt egal. Was mir nicht egal ist, ist die derzeitige Hetzjagd auf Menschen, die sich „nicht outen“ oder, genauer gesagt, einfach keine Angaben über ihre sexuelle Identität machen.

Dass der Antrag auf Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare Ende Juni im Bundes­tag scheiterte, war keine Überraschung. Dass dabei die FDP gegen einen Par­tei­tags­be­schluss stimmte, war auch keine Über­raschung. Dass vermutlich auch homo­sexuelle Ab­geordnete gegen das Gesetz stimmten, sollte niemanden über­raschen – der­zeit arbeitet auch das Familien- und Frauenministerium nicht daran, die Lage von Familen und Frauen zu verbessern.

Das alles ist aber kein Freifahrtschein, jetzt Menschen zwangsweise zu outen, bzw. Gerüchte über ihre sexuelle Orientierung zu verbreiten. Das ist kein „neuer Um­gang“ mit Homosexualität, der diese nicht länger tabuisiert, wie Niggemeier schwafelt. Es ist Sensationsgeilheit und Respektlosigkeit. Und in dem Moment wo ein vermeintlich schwuler Mann als „Klemmschwester“(!) bezeichnet wird, ist es auch Beleidigung. Ein „befreiter Umgang mit Schwulen und Lesben“ bedeutet zu re­spek­tieren, wenn Menschen sich nicht als solche bezeichnen wollen.

Warum sie das nicht tun, ist ihre Entscheidung. Vielleicht ist es ihnen unangenehm. Vielleicht sind die Label falsch und sie sind asexuell oder bisexuell oder… Vielleicht haben sie noch nicht das passende gefunden. Vielleicht verweigern sie einfach nur die Einordnung ihrer sexuellen Identität. Ja, das private ist politisch. In einer Welt, in der der Standard Heterosexualität ist, die jederzeit und allerorten inszeniert wird, fällt die Abweichung auf. Trotzdem und gerade deshalb ist dies zu re­spek­tieren. Die Alter­native wäre, wieder Schub­laden aufzumachen und jeden Mensch in eine zu quet­schen, ob sie passt oder nicht. Dabei ist es für diskriminierte Grup­pen und Per­so­nen die Grund­lage ihrer Emanzipation, mit Selbst­be­schreibungen statt Fremd­zu­wei­sungen zu arbeiten.

Und am Ende ist es völlig egal, ob und mit wem Abgeordnete ins Bett gehen. Gegen die gleichen Rechte von homosexuellen Paaren zu stimmen ist diskriminierend, von allen Abgeordneten. 309 haben es getan, 12 sich „enthalten“ und 39 (aus allen Parteien) waren gar nicht erst gekommen. Schlimm genug.

(via Karnele)


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Zu niedriger Blutdruck? Bestes Gegenmittel: News von Kristina Schröder

11. Juli 2012 von Anna

Es ist mal wieder Zeit für einen Artikel über unsere Frauenministerin Kristina Schröder.

Diese ist seit ein paar Tagen wieder in den Schlagzeilen. Da wäre zum einen die brillante Idee, Ausgangssperren für Jugendliche einzurichten. Konkret sollen Jugendliche unter 16 Jahren sich ohne Erziehungsberechtigte nicht länger als 20 Uhr auf einer öffentlichen Veranstaltung aufhalten dürfen, wenn dort Alkohol ausgeschenkt wird. Schröder will damit dem Alkoholmissbrauch von Jugendlichen entgegen wirken. Diese Regelung würde nicht nur Konzerte, sondern zum Beispiel auch Weihnachtsmärkte betreffen. Was Schröder anscheinend nicht weiß: Die Abgabe von Alkohol an Jugendliche unter 16 ist jetzt schon verboten (der Verzehr bzw. dessen „Gestattung“ übrigens auch). Steht im Jugendschutzgesetz.

Der zweite Grund für die ein oder andere Schlagzeile ist eine, hm, nennen wir sie „interessante“ Personalentscheidung, die Schröder getroffen hat. Eva Maria Welskop-Deffaa, die Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Chancengleichheit im Familienministerium (jap, die haben sowas dort) ist Anfang Juli im zarten Alter von 53 Jahren in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden.

Diese Entscheidung ist deswegen interessant, weil – so berichtet es zumindest die taz – bekannt gewesen sein soll, dass Schröder und Welskop-Deffaa nicht besonders gut mit einander ausgekommen sein sollen. Es wird vermutet, dass Weskop-Deffaa sich zu stark für das eingesetzt hat, was ihr Job war: Gleichstellung.

Die taz schreibt:

So machte sie sich für eine starre Frauenquote in Führungsposten stark, während Schröder auf ihrer Flexi-Quote beharrt. Die Kritik am Gleichstellungsbericht unterstützte die Abteilungsleiterin, die Ministerin hat das Papier nicht einmal entgegengenommen. Auch bei familienpolitischen Fragen vertrat Welskop-Deffaa am Schluss Positionen, die der Ministerin widersprachen. In Reden warnte [sie] Frauen davor, wegen der Familienphase zu lange aus dem Beruf auszusteigen: Frauen, denkt an eure Rente! Schröder will da eher „keine Vorschriften“ machen und auch kein Vorbild für Frauen sein.

und bei Spiegel Online lesen wir: (mehr …)


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Feministinnen sind sauer. Mal wieder.

6. Juli 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 47 von 55 der Serie Meine Meinung

Liebe Zeit,

erst neulich mussten wir Euch schreiben, weil Ihr da was mit „dem Femi­nis­mus“ nicht verstanden hattet. Jetzt greift ihr die Kontroverse um Anne-Marie Slaughter auf und schon wieder stell’ ich fest: Griff in die Klischeekiste. In The Atlantic hatte Slaughter vor kurzem geschrieben „Why women still can’t have it all“ und da gingen tatsächlich bei Feministinnen die Alarmglocken an. Denn das ist meist bio­lo­gisti­scher Bullshit, wie ihn auch die New York Times in ihren Trendpieces regelmäßig aufgreift.

Neun Bilder mit weinenden Babies und überforderten weißen Müttern in schicker Arbeitskleidung.

Bullshitbilderbingo von Jessica Valenti

Der Artikel von Slaughter war nun erstaunlich gut, am Ende aber lief es auch wieder auf „Mütter wollen halt bei ihren Kindern sein“ hinaus. Klar, darüber regten sich Feministinnen auf, mit differenzierter Diskussion hat dieses Argument soviel zu tun wie die Mädchen­mannschaft mit Gleit­creme. Aber Feminist­innen hatten auch eine Reihe anderer Kritik­punkte, von denen Ihr leider keinen einzigen aufgreift. So hätte der Artikel lauten müssen „Warum eine weiße Frau ohne gesundheitliche Probleme, aber mit Ehemann und zwei Söhnen und extrem guter Aus­bildung eines Tages feststellt, dass trotz extrem guter Bezahlung ein Job doof sein kann, wenn er mindestens 60 Wochen­stunden erfordert und das sogar noch für humane Arbeits­zeit gehalten wird“. (mehr …)


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Vagina, Vagina, Vagina, Vagina, Vagina…

20. Juni 2012 von Magda

… sagt mensch nicht! Zumindest nicht, wenn es nach dem Repräsentanten­haus in Michigan (USA) geht. Mitten in den hitzigen Debatten zu zwei Gesetzes­entwürfen, die die Einschränkung von Abtreibungs­rechten im US-amerikanischen Bundes­staat Michigan vor­sahen (und letztendlich leider erfolgreich beschlossen wurden), erhielt eine Politikerin für mindestens einen Tag Hausverbot im Repräsentanten­haus.

Warum? Lisa Brown, demokratische Abgeordnete, wagte (!) es, in ihrem Rede­beitrag, in dem sie die Gesetzes­entwürfe kritisierte, das Wort ‘Vagina’ aus­zusprechen. Vagina? Ja! Vagina!

“Ich fühle mich geschmeichelt, dass Sie sich so um meine Vagina sorgen. Aber Nein heißt Nein.”

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Offiziell hieß es dann später, dass es gar nicht um das Wort Vagina ging. Von “Netiquette” und “Würde” einhalten war zum Beispiel die Rede. Quasi eine nette Umschreibung für “Sag nicht Vagina!!!”

Dann ging’s zack-zack: Aus Protest performte Brown vor dem Parlaments­gebäude die berühmten Vagina Monologe, gab mit Eve Ensler (Ideengeberin für die Vagina Monologe) Inter­views und brachte tausende Menschen auf die Straße, die sich für Abtreibungs­rechte und für das öffentliche Aussprechen von korrekten anatomischen Bezeichnungen (VAGINA!) ein­setzten, ganz im Sinne von: Wer Vagina nicht hören mag, darf schon gar nicht über sie be­stimmen.


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Schlecker, die Frauen und die FDP: Eure Freiheit ist unsere Armut

29. März 2012 von Meredith

Als heute Abend klar wurde, dass es für die Beschäftigten von Schlecker keine Transfergesellschaft geben wird, sondern nur die Arbeitsagenturen, die dann Tausende von schlecht ausgebildeten Frauen zu irgendwelchen staatlich subventionierten Maßnahmen verdonnern dürfen, als klar wurde, dass sich eine winzige Partei (hallo FDP, vier Prozent bundesweit) durchsetzen konnte gegen alles, was gerecht oder wenigstens menschlich wäre, eine Partei, die sich ehrlich gesagt sonst kaum noch durchsetzen kann, ist eines klar geworden: Frauen sind in diesem Land immer noch weniger wert, und je ärmer sie sind, je sozial prekärer ihre Lage, desto egaler sind sie der regierenden Koalition. Und Frauenleben müssen in diesem Land offenbar dafür herhalten, dass Politiker ihre Prinzipientreue demonstrieren dürfen. Billig genug sind sie.

Wir haben es bei der Diskussion um die Rente gesehen, in der deutlich wurde, dass Tausenden von Frauen die Altersarmut droht und diese Bundesregierung keinerlei Interesse daran hat, das zu ändern. Und jetzt Schlecker: Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen. Die FDP hat in diesem Land nur noch etwas zu melden, weil niemand Lust auf Neuwahlen hat. Die FDP hat sich weder in der Eurofrage durchsetzen können, noch in sonst irgendwelchen kostenspieligen Rettungsmaßnahmen, die in den letzten drei Jahren von der Bundesregierung ausgegangen sind. Wenn aber ein paar tausend Frauen gerettet werden sollen, die ohnehin von ihrem Arbeitgeber systematisch ausgebeutet wurden, dann darf sich diese kleine Scheißegalpartei auf einmal durchsetzen.

Die Frage, ob Deutschland eine Parteienlandschaft ohne Liberalismus verträgt, wird ja zur Zeit oft diskutiert. Mich interessiert gerade, wieviel Menschenfeindlichkeit in einer Parteienlandschaft ungestört zu Hause sein darf. Aber solange es nur Frauenfeindlichkeit ist, bleibt die Demokratie ja offenbar entspannt.


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Wird Sigmar Gabriel anworten?

29. März 2012 von Helga

Seit Mittwoch sind es nicht nur Politikerinnen, denen Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt werden: „Trauen Sie sich als frisch gebackener Vater die Leitung des Bundestagswahlkampfes zu?“ und „Mehr noch: Kann ein junger Vater Kanzler werden?“ – das wollen die Unterzeichnerinnen eines offenen Briefes von SPD-Politiker Sigmar Gabriel wissen. Eine davon ist Anke Domscheit-Berg, die in der deutschen Politik Nachholbedarf sieht:

Die taz berichtete schon am Dienstag über die Aktion und verwies auf die immer gleichen Fragen und Debatten, denen sich in den letzten Jahren hochrangige Politikerinnen ausgesetzt sahen. Ob Kristina Schröder oder Andrea Nahles, gerade in der Politik gelten Kinderbetreuung und Familienpflichten als „Frauensache“. Das wollen die Initiatorinnen nun ändern.

Sie haben eine wunderbare Chance, als Vorsitzender der SPD das Leitbild einer partnerschaftlichen Familie öffentlich wirksam vorzuleben und ihm damit neue Wege zu bahnen. Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Chance wahrnehmen. Dürfen wir uns auf Ihre Antwort freuen?

Bisher ist die Reaktion leider verhalten. Statt die Chance wahrzunehmen und ein gesellschaftliches Umdenken anzustoßen, gibt es von Seiten der SPD keine offizielle Antwort. Im Gegenteil, so schreibt die taz, wurde die Aktion „intellektuell unterkomplex“ genannt. Fortschritt und echte Geschlechtergerechtigkeit sehen anders aus!

Inzwischen ist der offene Brief auf openpetition.de erschienen und kann dort von Interessierten mitunterzeichnet werden.


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