Einträge mit dem Tag ‘Idiotie’


Wer ist hier eigentlich wir?

31. Mai 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 35 von 48 der Serie Meine Meinung

Über unsere Facebookseite kam der Hinweis auf die aktuelle Freundin und das „sommer special“. Wahrscheinlich ist das mal alles wieder nicht so gemeint, aber hier drängt sich der Eindruck auf, wir Meerjungfrauen (= die weiße schlanke Frau) schmückten uns mit Ethno-Accessoires im Großformat (= die fülligeren, nicht-weißen Frauen darum herum).

Bild aus der Freundin mit einer schlanken, weißen Frau in heller Kleidung, um sie herum fülligere, dunkelhäutige Frauen. Die Überschrift: Wir spielen Meerjungfrau

Screenshot von freundin.de

Liebe Freundin, ich finde das nur noch peinlich und ich will nicht in euer blödes „Wir Meerjungfrauen“ gehören und ich will, dass Ihr mit sowas aufhört. Der Kolonialismus ist seit Jahren out und das zu Recht. Inzwischen sollte auch Euch klar sein, dass all diese vermeinlich „orientalischen“ und „exotischen“ Menschen, wirklich Menschen sind. Die man, verdammt noch mal, auch wie Menschen behandelt. Aber stattdessen stellen sich Modezeitschriften weiter hin und benutzen nicht-weiße, nicht-schlanke Menschen als Hintergrunddeko, als Ethno-Accessoires, als Dinge. Im widerlichsten Fall dient Armut noch als die Leinwand, auf der der Luxusbekleidung mal so richtig gehuldigt wird. Das ist nicht originell, das ist respektlos und trotzdem wird es immer und immer wieder wiederholt. Hört auf damit!


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Ungarn: Konservative Sexualmoral in der neuen Verfassung

10. Mai 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 9 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Die BürgerInnen Ungarns haben kurz vor Ostern ein neues, noch größeres Geschenk von der rechtspopulistischen Regierungspartei Fidesz bekommen. Diesmal geht es nicht, wie zuletzt, um ein vage formuliertes, zum Missbrauch einladendes und die Pressefreiheit einschränkendes Mediengesetz, sondern schlechthin um eine ganz neue Verfassung. Und für Ministerpräsident Viktor Orbán lief alles sogar viel besser als noch im Januar, denn die Weltöffentlichkeit fühlte sich von mindestens drei arabischen Revolutionen und einer Atomkatastrophe völlig überfordert und erschöpft.

Zu Unrecht, denn die Sache ist wirklich ernst. (Immer noch laufende) EU-Ratspräsidentschaft hin oder her, bleibt Ungarn ein Land, wo mehrere gefährliche Tendenzen unserer europäischen Gesellschaften in einer unappetitlichen Mischung zusammenköcheln. Und das lässt sich am klarsten in der Präambel der neuen Verfassung von Fidesz lesen. Unter dem Motto „Gott segne die Magyaren“ spricht dieser kurze Text an diversen Stellen von der Größe der ungarischen Nation, die sich als Teil des „christlichen Europas“ verstehe. Die Kontinuität und Einheit der Nation sollen durch die verehrte Heilige Krone des ebenso Heiligen Königs Stefan symbolisiert werden.

Nationalkonservativer Wahnsinn? Das ist noch nicht alles. Die Ehe definiert die Präambel als Grundlage der Gesellschaft und als strikt heterosexuell. Sexuelle Identität oder Orientierung fehlen auf der Liste der Kriterien, nach denen nicht diskriminiert werden darf. Menschliches Leben wird wiederum als „heilig“ definiert – schon vor der Geburt. Ob Abtreibung mit dem Inkrafttreten der Verfassung nächstes Jahr noch legal sein wird, ist angesichts der lakonischen Formulierung ein Rätsel und gleichzeitig eine mögliche Aufgabe für das ungarische Verfassungsgericht, dessen Kompetenzen ebenfalls neu definiert wurden, um es schon bald mit Fidesz-Günstlingen neu besetzen zu können.

Innerhalb weniger Monate und nach einer Debatte, an der die demokratischen Oppositionsparteien nicht teilgenommen haben, ließ Orbán seine Abgeordneten, die die erforderliche Zweidrittelmehrheit ausmachen, über die Verfassung abstimmen. Kurz danach unterzeichnete der Staatspräsident, ebenfalls eine Orbán-Nominierung, wenig überraschend den Text. Und diese neue konservative Farce scheint tatsächlich gelungen zu sein.


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Rettung für die Männer: Der Schniblo-Tag

14. März 2011 von Verena

Ne, was ist die Welt ungerecht. Jedes Jahr müssen sich die armen Kerle am Valentinstag abmühen, um ihrer Liebsten mit Blumen, Geschenken und Essenseinladungen ihre Liebe zu beweisen. Denn, klar, ALLE Frauen finden das ROMANTISCH. Weil sich die Herren in ihren eigenen Bedürfnissen dabei aber übergangen fühlen, gibt es nun am 14. März ausgleichende Gerechtigkeit: Den Schniblo-Tag. Schniblo gleich Schnitzel und Blowjob. Jajaja! Hurra! Die Welt ist so einfach: Frauen wollen Blumen, Männer Blow-Jobs.

Einfach, wirkungsvoll und selbsterklärend ist dieser neue Feiertag dazu da, damit Ihr Frauen Eurem Holden endlich zeigen könnt, wie sehr Ihr ihn liebt. Keine Karten, keine Blumen, keine tollen Nächte des Ausgehens.. Der Name des Feiertages erklärt alles: nur ein Schnitzel (oder Steak) und ein Blowjob. Das ist alles.

Was mache ich bloß, wenn mein Freund Vegetarier ist? Und natürlich wünsche ich mir zum nächsten Valentinstag einen Cunnilingus. Was soll ich mit Blumen?

Nach dem Klick das Logo des Schniblo-Tages (Triggerwarnung!):
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Gepatzt

5. März 2011 von Verena

Was ist denn da los, dachten sich die Zuschauer des Independent Spirit Awards, der Ende Februar in Santa Monica stattfand. Denn eigentlich standen die Schauspieler Paul Rudd und Eva Mendes auf der Bühne, um das Beste Drehbuch zu prämieren, aber Rudd dachte sich wohl schnell eine eigene Szene aus und griff – wie originell und noch nie da gewesen – seiner Kollegin an die Brust. Wer jetzt nicht schon kotzt, tut das angesichts des Kommentars auf stern.de:

Von sexueller Belästigung auf der Bühne konnte angesichts von Mendes’ verzücktem Gesichtsausdruck aber wohl keine Rede sein. Sie schien Rudds Grabsch-Attacke regelrecht zu genießen

Aber wenn schon Drehbuch-Modus, dann bitte noch mehr Action. Um es kurz zu machen: Rosario Dawson stürmt aus dem Publikum auf die Bühne (die Buffet-Gabel noch in der Hand) und greift Rudd im Gegenzug in den Schritt (dessen Reaktion schwankte laut stern.de zwischen „Empörung und Freude“) und alle sind versöhnt? Ich weiß nicht. Ein Blick auf die ganze Szene, zeigt, dass zumindest ein Teil der Aktion nicht aus heiterem Gesitesblitz geschah:

Und im Interview mit Access Hollwood betreitet Dawson ihren Anteil als geplant. Aber sie sagt ein paar wahre Worte, wenn sie betont, dass sie als Frauenrechtlerin davon genervt gewesen sei, dass Rudd Mendes’ Brust „eine halbe Stunde lang begrabscht hat“.

Also nur ein kleiner Award-Gag, der ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist? Auch Latoya Peterson bemerkt auf racialicious.com, dass der kleine, ab­ge­sprochene Scherz, Mendes an die Brust zu greifen, in dem Moment ein feminist issue wird, in dem er übers Ziel hinausschießt: kurz und wie abgesprochen anzufassen oder noch ein paar Mal dran rumzukneten…

Ob der beherzte Griff von Dawason an Rudds Eier ausgleichende Gerechtigkeit schafft, sei mal dahin gestellt, denn generell finde ich, wie auch Jodi Jill auf examiner.com kommentiert, es eine total unpassende Aktion, bei einer Award Show im Jahr 2011 einer Frau derart an die Brust zu grapschen, um etwas „Spaß“ in die Präsentation zu bringen. Da muss es doch ein besseres Drehbuch geben.


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Pimmelspende und andere Après-Weihnachtsnummern

28. Dezember 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 11 von 20 der Serie Sex am Morgen

Spiegel Online kommentiert “Lulu – die Nuttenrepublik”, das aktuell an der Berliner Schaubühne gezeigt wird. Das Besondere: Regisseur Volker Lösch holt für seine Neu-Inszenierung von Frank Wedekinds “Lulu” Berliner Sexarbeiterinnen auf die Bühne. “Muschis aller Länder vereinigt Euch”, heißt es dort. Im Januar gibt es weitere Termine.

Der Freitag schenkt uns in der aktuellen Ausgabe eine “Weihnachtsnummer”. Auch online zu lesen als “Sex – eine schöne Bescherung” von Volkmar Sigusch oder “Das Edle der Wichsvorlage” von Michael Angele. Außerdem liest Andrea Rödig Alices Schwarzers “Der kleine Unterschied” als erotischen Roman.

Weil er sich nach eigener Aussage bei einer Oral-Sex-Szene mit dem HIV-Virus infiziert hat, fordert Pornodarsteller Derrick Burts generellen Kondom-Zwang beim Pornodreh, wie jezebel berichtet. Damit greift der 24-jährige Amerikaner indirekt die Adult Industry Medical Healthcare Foundation (AIM) an, die bislang regelmäßige HIV-Testnachweise für ausreichend hält, um beim Dreh auf Kondome zu verzichten.

Auf salon.com berichtet feministing-Autorin Chloe Angyal über ihre Erfahrungen mit chronischen Schmerzen beim Sex und Behandlungsmöglichkeiten. Die lohnen sich, denn wie Angyal ganz richtig sagt: “Sex ist nichts, mit dem du klar kommen musst, es ist etwas, das du genießen solltest”. Nach einer im Oktober veröffentlichten Studie des Center for Sexual Health Promotion der Universität von Indiana leidet jede dritte Frau beim Geschlechtsverkehr unter vaginalen Schmerzen.

Von unserem Leser Frank kommt der Tipp, dass Italiens Regierungspräsident Silvio Berlusconi die Marmorstatue des Kriegsgottes Mars vorm Regierungspalast aufrüsten lässt: mit einem neuen Penis. Denn der alte “war irgendwann einmal verloren gegangen”, wie sueddeutsche.de schreibt. Schön, wenn sich so einfach Ersatz besorgen lässt.

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass die Schweizer UBS Bank ihren Mitarbeiterinnen vorschreibt, welche Unterwäsche sie tragen. Knitterfrei und hautfarben soll sie sein – dem Image der Bank zuliebe. So kann UBS auch mit “untendrunter besonders schön” übersetzt werden. Übrigens eine Idee, die von der britischen Polizei auch schon verbreitet wurde. Die Polizisten sollten bitte unauffällige Unterwäsche unter ihren Uniformen tragen, hieß es via Spiegel Online im August.


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Don’t look back in Schröder: Die Blogschau, diesmal mit Familienministerinspezial

7. November 2010 von Meredith
Dieser Text ist Teil 60 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Juliane Wiedemeyer kommentiert die Gleichberechtigungsrunde bei Hart aber fair, an der auch unsere Lieblingsministerin und Frauensexversteherin Kristina Schröder teilgenommen hat. Zur Illustration von Sinn und Sinnlichkeit dieser Veranstaltung hat Juliane einfach mal den Anteil aller weiblichen Gäste in den Plasberg-Runden der letzten Wochen zusammen gestellt. Ich bin in Mathe nicht so gut, aber ich glaube, das ist so ziemlich ein Sechstel.

Und das mädchenblog schraubt die Einlassungen von Frau Schröder zum Thema Sex und die bösen sexfeindlichen Schwarzerfrauens netterweise gleich auseinander.

Apropos Frau Schröder, die sich ja kürzlich darüber beklagte, wie deutschenfeindlich dieses Deutschland mittlerweile sei. Boy George hat einen Tip für Sie, was wirkliche Diskriminierung ist. Aber darum sollen sich wahrscheinlich lieber die Feministinnen kümmern.

So, und jetzt mal was Geiles: Die nächste Missy-Release-Party in Berlin wird am 20. 11. von der zauberhaften Christiane Rösinger bespielt.
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Frauen sperren

19. Juli 2010 von Verena

Es war heiß in Berlin in den vergangenen Tagen. So heiß, dass manchem Politiker die sexuellen Gefahren, die im Internet lauern, mal wieder an den Hinterkopf klopften. Die taz berichtet, dass der Junge Union Berlin Politiker, Conrad Clemens, Netzsperrungen für Pornoseiten fordert, weil – is ja nix neues – diese die sexuelle Störanfälligkeit von Jugendlichen erhöhe. “Eskalation” oder “Generation Porno” sind die Stichwörter, die fallen, aber auch der Satz – obacht! – Pornos seien “immer frauenfeindlich”. Na, wenn das nicht mal ein triftiger Grund ist. Der Die Welt ist gar nicht so gegenüber antwortete Clemens auf die Nachfrage, ob denn auch feministische und schwule Pornos über dieses fiese Attribut verfügten:

Wenn keine Frau in dem Porno vorkommt, ist es natürlich auch nicht frauenfeindlich.

Merkwürdige Logik… dann wäre es doch viel einfacher, Frauen für Pornos zu sperren, statt Pornos im Netz…


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Polanski-Entschuldigungen und kein Ende

15. Juli 2010 von Helga

Fast schon ein wenig heimlich, mitten im weltweiten WM-Trubel, hat die Schweiz den Hausarrest für Roman Polanski aufgehoben. So berichtete die Tagesschau:

Zur Begründung teilte das Justizministerium mit, man habe nicht abschließend klären können, ob Polanski eine ihm 1977 auferlegte Strafe nicht bereits verbüßt habe.

Dass er der 13-Jährigen damals Alkohol und Drogen gab und sie anschließend vergewaltigte, dies zugab und schuldig gesprochen wurde, hat sich anscheinend rumgesprochen. Trotzdem wurde von Stars, Sternchen und Kommentator_innen unzählige Male sein Promibonus bemüht und das so offen wie sonst selten. Ungeachtet auch der Tatsache, dass Strafverfolgung heute nicht mehr auf dem Racheprinzip basiert, kann es darüberhinaus die Tagesschau nicht lassen, wiederholt zu bemerken:

Opfer forderte mehrfach Einstellung des Verfahrens […] Die Frau äußerte inzwischen mehrmals den Wunsch, das Verfahren solle eingestellt werden.

In einem Kommentar bei der taz setzt sich Kirsten Reinhardt mit diesem und den weiteren Euphemismen auseinander, die im Zusammenhang mit Roman Polanski gern verwendet werden:

[…] bleiben wir bei der Formulierung des “Sichvergehens”. Haben Sie dabei nicht auch einen kleinen Jungen im Kopf, der mit dem Finger in der Marmelade in der Speisekammer steht? Klingt das nicht wie ein Kavaliersdelikt? Ein kleines “Vergehen” eben?

[Achtung: Die Kommentare enthalten teilweise explizite Beschreibungen.]


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Jetzt hat der Feminismus auch noch Kachelmann auf dem Gewissen

30. Juni 2010 von Verena

Über Schuld oder Unschuld zu spekulieren, ohne das endgültige Urteil abzuwarten, das tun die Medien seit Wochen über den TV-Metereologen Jörg Kachelmann. Auch die ZEIT kaut den Vorwurf der Vergewaltigung ordentlich durch und spült ihn mit ein paar Schlucken Feminismus-Kritik runter.

Dabei steht für ZEIT-Autorin Sabine Rückert fest, dass Kachelmann auch bei einem Freispruch nicht länger den lustigen Wetteransager mimen könne, denn

Wer könnte dabei vergessen, dass der Mann vor der Wetterkarte mit dem Vorwurf einer Vergewaltigung kontaminiert ist? Oder dass er durch Gefühlskälte und Gewissenlosigkeit eine Frau in die äußerste Verzweiflung getrieben hat?

Interessant, dass die Journalistin die Motive der Anklägerin so genau zu beurteilen vermag. Auch wenn sie sich auf Aussageprotokolle und psychologische Gutachten bezieht, ihr Bericht zeichnet in erster Linie das Bild einer Frau, die auf den “Luftikus” Kachelmann emotional reingefallen ist.

Dort wartete auch die blonde Simone aus Schwetzingen. Elf Jahre auf Stand-by, sich an Versprechungen klammernd, auf bessere Zeiten hoffend. Sie war 26 Jahre alt, als sie Kachelmann nach einem Interview ihre Visitenkarte gab, knapp 37 Jahre, als sie ihn anzeigte. Andere Frauen heiraten in dieser Lebensspanne, bekommen Kinder, bauen Häuser, gehen ins Ausland, machen Karriere. Bei Simone tat sich nicht viel. Sie saß in Schwetzingen und blieb ihm treu. Reduzierte sogar ihre Arbeitszeit bei dem Privatradio deutlich, um noch einfacher abrufbar zu sein.

Und sie ist nicht die Einzige, nein ganze Wagenladungen an sich-in-seinem-Glanz-sonnender Damen habe er geblendet. Was natürlich nicht seine Schuld ist, sondern die der Frauen:

Wartete Aschenputtel früher auf den Märchenprinzen, so verzehrt es sich heute nach dem Mann vor der Kamera. So manche Kachelmann-Freundin, die sich jetzt als sein Opfer fühlt, wird mindestens ebenso Opfer ihrer eigenen Sucht geworden sein, von seinem Glanz zu profitieren. Wer schönen Schein wollte, hat ihn von Kachelmann bekommen. Viel mehr gab es nicht.

Plötzlich kommt die “Liebesrache” zur Sprache, die Verfolgung Kachelmanns durch “enttäuschte Frauen” und schwupps wird noch die Bibel herbeigeholt, mit der Geschichte von der “Vergeltungssucht der zurückgewiesenen Frau” aus dem 1. Buch Mose. Aber den Knaller bringt Rückert mit dem letzten Absatz ihres Artikels, in dem es doch eigentlich um die Frage ging, inwiefern es Kachelmann – den Nachweis seiner Unschuld vorausgesetzt – gelingen kann, seinen Ruf wiederherzustellen.

Die Akte Kachelmann ist deshalb auch ein Dokument weiblicher Selbsterniedrigung, in ihr stellen sich junge, attraktive Frauen unserer Zeit selbst dar wie die Mätressen eines Fürsten. Sie zeigt, dass 50 Jahre Feminismus zwar bewirkt haben, dass Männer sich heute bei Delikten gegen die weibliche Selbstbestimmung als wütende Strafverfolger betätigen, dass aber die Idee vom aufrechten Gang ganze Teile der Frauenwelt nicht erreicht hat.

Ja, also echt, sollen sich mal nicht so anstellen die Frauen…


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Frauen im Porno: Was wirklich nervt

7. April 2010 von Verena

Virginie Despentes könnte meine neue beste Freundin werden! Zwar habe ich weder ihr Buch Baise-Moi gelesen noch die Verfilmung gesehen, aber was sie in ihrem aktuellen Werk „King Kong Theorie“ schreibt, gefällt mir. Alternet veröffentlicht einen Auszug, in dem Despentes nach der Motivation öffentlicher Ächtung von Pornodarstellerinnen fragt. Im Grunde sind sie Schauspielerinnen wie alle anderen. Nur, dass sie eben statt der unsicher Verliebten mit den großen Augen die Sexwillige mit dem offenen Mund spielen. Ob Romantik oder Orgasmus – die Leinwand verkauft Fiktion.

Despentes wünscht sich unabhängige und selbstbewusste Pornoakteurinnen – nur leider verhindere das sowohl die Gesellschaft als auch die Industrie. Ein Porno ist nicht zwingend wie der andere. Es gibt sowohl die historische Entwicklung, als auch nationale Unterschiede – von den zig Sub-Kategorien mal abgesehen. Was Pornografie auf den gemeinsamen Nenner bringe sei die Zensur. Mit dem Totschlag-Argument „die Würde der Frau“ muss geachtet werden, werden sexuelle Handlungen, die Gewalt und Zwang beinhalten genauso in die Schmuddelecke verbannt wie gewisse Spielzeuge und Spielarten. Als ob wir nicht wüssten, dass das bloß gespielt ist. Und nein, wir wollen nicht, dass uns gegen unseren Willen Gewalt angetan wird und ja, wir können unterscheiden zwischen der unterwürfigen Haltung, die wir mal zugunsten unseres Liebesspiels einnehmen und unserer Position im Job. By the way: Wie Despentes ganz richtig bemerkt, so oder so brauchen wir nur den Fernseher anzuschalten, um Frauen in erniedrigenden Positionen zu finden.

Ach, Pornostars können auch andere Rollen vor der Kamera spielen: Michaela Schaffrath, ehemals Gina Wild - Foto via Wikipedia

Was die Zensoren vernachlässigen: Wie Frauen am Set behandelt werden. Die Bedingungen und Verträge, unter denen den Darstellerinnen kaum Rechte oder Selbstbestimmung eingeräumt werden, das interessiert den Staat nicht sonderlich. Lieber den Porno an sich als Teufelszeug verurteilen und die Frau, die damit ihren Lebensunterhalt bestreitet, am besten gleich mit. Denn als Pornodarstellerin hast du verschissen. Für Pornodarstellerinnen kommen kein anderen Rollen in Frage. Wenn sie einmal die willige Sklavin oder die unerbittliche Domina gegeben hat, wie bitte sollte sie dann die Rolle der fürsorglichen Mutter spielen? Erinnert sich noch jemand an den aufgeplusterten Skandal um Sibel Kekilli? Oder Michaela Schaffrath, die ihr Gina Wild Image einfach nicht los wird.

Aber genauso wie die Zensoren nur Augen für den vermeintlichen Objekt-Status der Frau im Porno haben, reduzieren auch die Männer, die das Porno-Biz kontrollieren, die Darstellerinnen auf dieses Niveau. Bitte, bitte mach mich geil, aber erwarte keine andere Belohnung als den Cumshot. Dass die Darstellerinnen außerhalb des „Drehbuchs“ eine Persönlichkeit haben, scheint hier niemandem in den Sinn zu kommen. Wer vor der Kamera das Sex-Objekt mimt, der kann in der Realität doch unmöglich ein handelndes Subjekt sein.

Dass Frauen, die mit Sex Geld verdienen, doppelt abgestraft werden, weil sie weder von dem Gewerbe noch von der Gesellschaft ernst genommen werden, ärgert Despentes. Zu Recht, denn nicht allein die Zensur beeinträchtigt die Selbstbestimmung von Pornoakteurinnen, die Doppelmoral schneidet noch schärfer.


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