Einträge mit dem Tag ‘IDAHO’


Barack Obama, Frauen in der Musik und sexuelle Belästigung in Frankreich – kurz notiert

16. Mai 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 152 von 153 der Serie Kurz notiert

daStandard.at berichtet über Migrant_innen und ihre „Vorbildfunktion“ in bestimmten Berufen.

Barack Obamas Bekenntnis zur Homo-Ehe sorgte für weltweiten Jubel. Aber warum wird ein Bekenntnis, dass allen Menschen gleiche Rechte zustehen sollten, eigentlich mit einem “Danke” bedacht, fragt sich beispielsweise blackgirldangerous und zählt auf, welche Gruppen Obama in seinem “Selbstfindungsprozess zur Homofreundlichkeit” nicht mitbedacht hat.

Auf 20000Frauen gibt es Fotos von der Zeltstadt der Frauen in Wien zu sehen.

Menschen mit Namen, die nicht mit einer weißen, deutschen Person in Verbindung gebracht werden, sind häufiger rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt. Das stellt jedoch keinen hinreichenden Grund dar, diesen ändern zu lassen, entschied das Verwaltungsgericht in Göttingen und wies damit die Klage einer aserbaidschanischen Familie ab, nachzulesen bei welt.de

Shirley Manson, Frontfrau von Garbage, ärgert sich in einem Interview mit dem Musikmagazin NME über die Tatsache, dass mittlerweile zwar mehr Frauen im Musikbusiness repräsentiert sind, diese aber lediglich Feigenblätter in einem weiterhin männlich dominierten Umfeld sind.

Angrapschen in Frankreich derzeit legal, weil das Gesetz von jetzt auf heute gestrichen wurde. Ein Neues soll kommen, bis dahin gilt weitgehende Straffreiheit, berichtet die taz.

Fakten über die Situation von Frauen im Agrarsektor von Afrika hat africanfeminism.

Julia Lemmle und Atif Hussein von der antirassistischen Interventionsgruppe “Bühnenwatch” sprechen im Interview mit der taz über rassistische Darstellungspraxen an deutschen Theaterbühnen.

Die Festplatten der südafrikanischen Fotografin Zanele Muholi sind gestohlen worden, so Diva Magazine. Sie dokumentiert seit mehreren Jahren das Leben von Schwarzen Lesben.

Einen Monat dauerte es – dann schwappte der Elektronista-Blogbeitrag über eine Dell-Veranstaltung durch die Blogosphäre. Der Computerhersteller hatte einen „lustigen“ Moderator engagiert, der allen Männern riet, zu Hause ihren Frauen „halt die Klappe, Schlampe“ zuzurufen. Inzwischen hat die Firma sich entschuldigt, so Wired.

WORSE THAN QUEER ist nicht nur eine Zeile aus einem Bikini Kill Song, sondern auch der Name eines kleinen Riot Grrrl inspirierten Festivals, das im Januar 2012 zum ersten Mal in Nürnberg stattfand. Dessen Initiatorinnen, eve massacre und jessthreat, hatten die Idee, anlässlich dessen eine Compilation zu machen – eine Compilation mit einem Thema: Grrrls Drinking Songs.

Witnessed, ein Buchprojekt von und über Schwarze Autor_innen in Deutschland, startet einen neuen Finanzierungsversuch und bittet um eure Mithilfe.

Termine und eine Stellenausschreibung (weiterlesen …)


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Warum es manchmal okay ist, Heteros doof zu finden.

17. Mai 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 34 von 48 der Serie Meine Meinung

Heute ist Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHO). Heute vor 21 Jahren wurde Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation gestrichen und damit nicht länger als Krankheit geführt. Weltweit finden heute unzählige Aktionen gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Queers und Intersex statt. In mehreren (auch deutschen) Städten starten sogenannte Rainbow-Flashmobs, in Berlin gibt es zusätzlich einen Aktionstag der Gruppe “Queer in Bewegung”. Jena kann sogar mit einem einwöchigen Festival aufwarten. Chapeau!

Während viele Betroffene, Aktivist_innen und Gleichgesinnte am IDAHO Akzeptanz und Gleichberechtigung einfordern bei gleichzeitiger Erhöhung der Sichtbarkeit von nicht ausschließlich heterosexuellen Lebensweisen, lohnt es sich dennoch, einmal die Perspektive zu wechseln. Nämlich auf diejenigen, die sich in einer heteronormativen Welt meistens sehr wohl fühlen: heterosexuell lebende Cisgender. Neben all den Annehmlichkeiten der herrschenden Gesetzgebung, stellt sich der Alltag für sie relativ unbeschwert dar. Unbeschwert, weil diese Menschen keinen neugierigen Blicken ausgesetzt sind und keine Angst vor Diskriminierung und Gewalt bezüglich der eigenen Sexualität und (zugeschriebenen) Geschlechtszugehörigkeit haben müssen. Sie können anderen distanzlose und intime Fragen zu deren sexuellen Vorlieben, Familienplänen und Lebensrealitäten stellen. Sie können LGBT*I und Queers nach Aussehen und Habitus kategorisieren und bewerten, ohne, dass diese ständigen Othering-Prozesse sanktioniert würden.

Kurz gesagt: Heterosexuelle, deren binäre Geschlechtszugehörigkeit nie in Frage gestellt wird, leben in einer Welt, die für sie eingerichtet ist. Sie leben entlang einer willkürlich gesetzten Norm, die die Welt in “Mann” und “Frau” einteilt, während sich beide konstruierten Geschlechter auch noch hauptsächlich gegenseitig toll finden müssen. Diese Heteronormativität ist für alle, die ihr nicht gerecht werden können oder wollen mit schmerzlichen Ausschlüssen, Diskriminierung und Gewalt verbunden, mindestens jedoch mit Einschränkungen, die (ausschließlich) heterosexuell lebende Männer und Frauen nicht erfahren. Und weil diese Norm suggeriert, es sei normal, die Welt in Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität zu denken, hinterfragen die meisten Heteros diese, also auch ihre eigene, konstruierte Normalität nicht. Die Unsichtbarkeit der Heteronormativität lässt viele in einer Blase aus Selbstverständlichkeit agieren, die natürlich nicht für andere gelten darf. “Ich finde es unangenehm, dass Homosexuelle ihr Privatleben öffentlich leben müssen”, sagt das Heteropärchen, während es ungeniert in der Straßenbahn rumknutscht. “Kinder brauchen Vater und Mutter”, sagt das getrennte Heteropärchen, während es über die Höhe des Unterhaltes streitet.

Auch ohne Beziehungskontext fallen Heteros oft unangenehm durch Ignoranz und Borniertheit auf: “Wer ist denn bei euch Mann oder Frau?”, “Habt ihr richtigen Sex?”, “Boah, das ist doch total traurig, meine/n Partner/in ständig verstecken zu müssen” – Es wäre auf jeden Fall schon mal wesentlich besser ohne diese dämlichen Fragen und Sätze. Ich würde mich auch riesig darüber freuen, wenn Heteropärchen nicht ständig meiner Partnerin und mir die Sitze in der U-Bahn streitig machen oder unseren Sitzplatzgewinn mit verständnislosen Blicken à la “Hallo, wir sind Heteros, wir gehören zusammen, wir müssen immer alles zusammen machen, auch sitzen” kommentieren würden. Ich wäre entzückt, bekäme ich kein Pfeifen, kein Lechzen, kein Gaffen. Es wäre der Sechser im Lotto, ich könnte meine Sexualität ohne Kommentare und Wertungen leben. Kommentare und Wertungen, die es nicht gäbe, würde diese fiese Heteronormativität nicht den Hetero-Horizont so stark einschränken. Ich hab’s ja schließlich auch geschafft, mal über den Tellerrand zu schauen.

Es gibt Tage, da finde ich Heteros und ihr selbstverständliches Dasein doof. Da bin ich undifferenziert, neidisch, traurig, gemein, belustigt und all diese Dinge, obwohl ich es besser weiß: dass bei weitem nicht alle so sind und Heteros auch nichts dafür können, dass sie von einem System profitieren, das sie sich nicht ausgesucht haben. Trotzdem wirken so viele daran mit, indem sie davon ausgehen, Heterosexualität sei normal und sich entsprechend verhalten. Als lesbische Frau kann ich mich in den seltensten Fällen auf meine gesellschaftlich akzeptierte Normalität berufen. Und solange dieses Ungleichgewicht existiert, das so viele Menschen (auch Heteros) einschränkt und gegen das viel zu wenige protestierten, ist es manchmal okay, Heteros doof zu finden. Oder die richtigen Fragen zu stellen.


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Küssen für die Gleichberechtigung?

17. Mai 2010 von Nadine

Heute ist Internationaler Tag gegen Homophobie. Weltweit finden dazu Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen statt, um auf die noch immer währende Ungleichbehandlung von LGBT hinzuweisen und Gleichberechtigung einzufordern. 2010 steht der IDAHO (International Day against Homophobia) unter dem Motto “Religionen, Homophobie, Transphobie” und thematisiert damit die Stigmatisierung von LBGT-Lebensweisen sowie die Rechtfertigung von Gewalt, Zwangssterilisationen und Diskriminierung durch religiöse Vertreter_innen.

In den deutschen Medien und in der Mehrheitsgesellschaft findet der Tag so gut wie keine Aufmerksamkeit, lediglich in lesbischwulen und Trans* Kontexten können sich Interessierte informieren und an entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen. Das ist schade, denn es ist gerade mal 20 Jahre her, dass Homosexualität weltweit nicht mehr zu den psychischen Störungen zählt. Im Kampf gegen Diskriminierung und Intoleranz ist allerdings ein breites öffentliches Interesse gefragt. Hierzu muss ein Weg gefunden werden, die Mehrheitsgesellschaft von der Wichtigkeit der LGBT-Problematiken zu überzeugen und damit eine Breitenwirkung zu erzielen, die politisches Handeln notwendig macht. Von der tatsächlichen Gleichberechtigung kann nämlich auch in Deutschland keine Rede sein: Mehr als die Hälfte aller Deutschen lehnt die Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Lebensweisen ab.

Foto: Federico Navaro auf Flickr (CC-BY-NC-SA)

Da überrascht es, dass eine der rar gesäten Aktionen zum IDAHO erneut der flashmob-artige Kuss-Marathon “Protect every Kiss” in Berlin ist. Hauptorganisator ist Maneo, das schwule Anti-Gewalt-Projekt der Hauptstadt. Jedes Jahr sind Städte weltweit dazu aufgerufen, solch einen Kuss-Marathon zu veranstalten. Diese Protestform soll die Ungleichbehandlung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans* weltweit sichtbar machen. Wahrscheinlich soll sich die heteronormative Mehrheitsgesellschaft davon irgendwie angesprochen fühlen. Irgendwie ja, nämlich mit denselben abschätzigen, abwertenden und belustigten Reaktionen, die LGBT sonst so begegnen, wenn Intimitäten in der Öffentlichkeit ausgetauscht werden. Von wachsender Akzeptanz und Verständnis für die besondere Gefährdungslage von LGBT kann bei solch einer relativ inhaltsleeren Demonstration von Andersartigkeit keine Rede sein. Das bewusste Betonen des Anderen ist nichts, was diesen Kuss-Marathon von Marginalisierungstaktiken der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft unterscheidet, außer dass sich die sonst zu einer abweichenden Gruppe Konstruierten selbst als abweichend und anders konstruieren.

In diesem Jahr findet das Berliner Kiss-In vor der ugandischen Botschaft statt, um Solidarität mit den in afrikanischen Ländern bedrohten und verfolgten LGBT zu zeigen und gegen das geplante Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda zu protestieren. Statt politische Forderungen zu stellen, Heteronormativität und seine katastrophalen Folgen für queere Lebensweisen anzuprangern,  und die Unterstützung gesamtgesellschaftlich zu ermöglichen, wird Uganda als einziges zu beackenders “Homophobie-Feld” inszeniert, während die breite homophobe Mitte der Gesellschaft ausgespart bleibt. Nicht einmal das Motto des diesjährigen IDAHO wird ersichtlich. Sonst hätte Maneo das Kiss-In nämlich direkt vor Kirchen und fundamentalen christlichen Organisationen organisieren können, die maßgeblichen Einfluss auf homophobe Tendenzen in Afrika haben.

So wird Homophobie auch in diesem Jahr eher als Randproblem dargestellt. Schade um die vertane Chance.


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