Einträge mit dem Tag ‘Homosexualität’


Neues aus der Blog-Welt

20. März 2010 von der Maedchenmannschaft

Was war los in den Blogs? Wir haben mitgelesen:

US-Außenministerin Hillary Clinton meint, in Sachen Gleichberechtigung wäre die Welt vorangekommen. diestandard.at zitiert die Politikerin, die keinesfalls die Hände in den Schoß legen möchte: “Zu verdanken haben wir das der harten Arbeit mutiger Frauen und Männer. Das ist aber nicht das Ende der Geschichte. Es ist höchstens das Ende des Anfangs.”

Comicfigur mit langen Haaren am Schreibtisch, die einen Brief schreibt. To the authors of porn for women: Your book features pictures of hot, clothed guys cooking, doing laundry, and vacuuming. The idea seems to be that my deepest fantasies like the rest of my life likely revolve around housework. So I wanted towrite and clarify: In my porn, people FUCK.

Comicstrip zum Thema "Porn for women"

Einen tollen Comic über das, was Frauen gerne in Pornos sehen möchten, haben wir bei xkcd.com gefunden (siehe oben).

Der Genderblog berichtet über eine Gruppe von Leuten, die an ihrer vierten Konferenz über antisexistische Praxen arbeiten. Inhaltlich geht es darum: “Schwerpunkte der nächsten Konferenz sollen wie in den letzten Jahren der Umgang mit und der Kampf gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt sein.”

Bei Moderne Mädchen geht es um die DSF-Dokumentation “Tabubruch – Der neue Weg von Homosexualität im Fußball” von Aljoscha Pause, die mit dem Grimme-TV-Preis ausgezeichnet wurde.

Im Zündfunk lief ein Beitrag über den ganz normalen Wahnsinn, den Mütter mit Kindern erdulden müssen (unsere Muttibloggerinnen können ein ähnliches Lied singen). Im dazugehörigen Blog wurde viel diskutiert – und auch unter der Gürtellinie gepöbelt.

Auf bzw-weiterdenken gibt es einen Artikel von Mithu Sanyal über das Buch “McSex. Die Pornofizierung unserer Gesellschaft”, das die niederländische Journalistin Myrthe Hilkens verfasst hat. Mithu Sanyal denkt dabei auch über ihre Erfahrungen mit Pornofilmen nach: “…fiel mir auf, dass ich noch nie in meinem Leben einen Porno geguckt und auch nur eine sehr rudimentäre Vorstellung davon hatte, wie ich das nachholen sollte”.

Bei starke-meinungen.de bloggt Margaret Heckel über die Quote anlässlich der Neuigkeiten über die Telekom, die ja nun quoten-bereit ist. Und sie analysiert das Geschrei, das über das Reizthema Quote hierzulande jederzeit und an allen Orten aufkommt, als typisch deutsches Problem:

“In keinem dieser Länder ist die “Quotenfrau”-Diskussion so ausgeprägt wie bei uns. Aber schließlich gibt es auch in keinem dieser Länder den Kampfbegriff “Rabenmutter”, mit dem Mütter sich gegenseitig das Leben schwer machen.

Ladies, vergesst den Quatsch mit den “Quotenfrauen”. Jede braucht mehr als die Finger beider Hände, um unfähige Männer zu nennen, die trotzdem befördert werden und es nach oben schaffen. Einmal oben angekommen, wird niemand mehr darüber reden, diejenige sei eine “Quotenfrau”.  Männer haben sich diesen Schwachsinns-Begriff ausgedacht, damit die Frauen sich gegenseitig darüber zerfleischen!”

Beim Piratenweib wurde eine Hommage an die feministische Linguistin Luise F. Pusch veröffentlicht.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Kurz gefreut, geärgert oder hinterfragt

12. März 2010 von der Maedchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 49 von 50 der Serie Kurz notiert

Wir gratulieren: Am 8. März wurde Anke Domscheit mit dem Frauenpreis des Landes Berlin ausgezeichnet (wir berichteten). Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel sagt sie: “Eine Frau gilt entweder als Mäuschen – oder als karrieregeil und aggressiv. Ich entscheide mich definitiv für aggressiv und karrieregeil“.

In einem Artikel im Guardian schaut Charlotte Raven in die 1990er zurück, wo ihre Generation dem Feminismus den Rücken kehrte und kritisiert die heutige Generation an Frauen, die im Sinne von Sex Sells denken, sie könnten alles tun.

Ebenfalls im Guardian diskutiert Lionel Shriver die Relevanz von Betty Friedans’ 1963 erschienenen Beststellers The Feminine Mystique in Hinblick auf Betty Draper, eine Figur der US-amerikanischen Serie Mad Men.

Laut einem Artikel in der Zeit scheint der Preis für die Eingliederung von Frauen in die Arbeitswelt darin zu bestehen, dass die neuen Frauenjobs oft schlechter bezahlt und abgesichert sind: Zwei von drei Niedriglohnstellen sind “Frauenjobs”.

Fünf lesbische Frauen sprachen mit dieStandard.at über ihr Selbstverständnis, nervige Fragen, Vorurteile und Geschlechterklischees: Die vielen Arten lesbisch zu sein.

Indiens erstes Lesbenmagazin heißt Jiah – For the Woman with Heart. Seit Januar 2010 ist es auf dem virtuellen Markt erhältlich und soll viermal im Jahr erscheinen, ab kommenden Jahr auch in Druckform (via L-Mag)

Rudi Assauer hat nichts gegen Homosexuelle, aber im Fußball hätten sie doch nichts zu suchen, so die taz. Warum sagt er nicht genau, aber in der Debatte um schwule Schiedsrichter hat seiner Meinung nach anscheinend die Homosexualität dem Ansehen des DFB geschadet – und nicht der Missbrauch und die Belästigung von Kollegen.

Der Einfluss von Hormonen und Genen auf die (sexuelle) Entwicklung ist bis heute ein Feld mit vielen Fragezeichen. Nach der Untersuchung eines Halbseitenzwitterhuhns tragen die Gene nun einen Punktsieg davon, berichtet orf.at. Halbseitenzwitter haben jeweils eine weibliche und eine männliche Körperhälfte und das unabhängig vom Hormonspiegel, sondern aufgrund der in den Zellen vorhandenen Geschlechtschromosomen.


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Kurz und knapp zum Wochenanfang

22. Februar 2010 von der Maedchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 44 von 50 der Serie Kurz notiert

Die Islamdebatte geht weiter. Hilal Szezgin kommentiert in der Taz:

“So unterschiedliche AutorInnen wie die Islamwissenschaftler Katajun Amirpur und Navid Kermani, die Migrationsforscherin Yasemin Karakasoglu, die Journalistin Mely Kiyak, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu und ich haben bereits unzählige Male unser Unbehagen an einer Islam-Debatte dargelegt, die falsch verallgemeinert, unzumutbar polemisiert und ein wohlfeiles Ventil für jene Ressentiments bietet, die man früher Ausländerfeindlichkeit nannte und heute oft die Form von Islamfeindlichkeit annehmen.”

Matthias Franz, Organisator des Kongresses “Neue Männer – muss das sein?” hat der Taz ein Interview gegeben, in dem er über die Probleme spricht, die die Auflösung des traditionellen männlichen Rollenmodells mit sich bringt.

Wie dieStandard.at berichtet, wird die im März stattfindende Parlamentswahl im Irak wahrscheinlich die letzte Chance auf eine echte Beteiligung von Frauen am politischen Prozess sein. Diese Wahl wird die letzte sein, bei der es eine Frauenquote von 25% gibt.

Ebenfalls auf dieStandard.at fragt sich Ina Freudenschuss, was der Kampf um Frauenrechte mit Homosexuellen-Aktivismus zu tun hat? Sie findet: Eine ganze Menge!

An US-amerikanischen Universitäten kämpfen junge Frauen gegen Sex vor der Ehe und befinden: Das ist “echter” Feminismus! Und wenn man doch mal “sündige Gedanken” hat? Die Abstinenz-Aktivistinnen raten: Einfach mal einen tüchtigen Spaziergang einlegen, wie der Spiegel.de berichtet.

Happy Birthday: Die Pille wird 50!

Und: This is what a feminist looks like (via)- Feminismus Österreich-Style:


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Interessantes kurz erwähnt

18. Februar 2010 von der Maedchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 43 von 50 der Serie Kurz notiert

dieStandard.at berichtet über den Weggang von Siemens’ Diversity Managerin Jill Lee, die für mehr Farbe und vor allem auch mehr Frauen in den Führungsetagen des Unternehmens sorgen sollte. Lee sei bei ihrer Aufgabe auch auf Widerstand gestoßen und habe sich mehr Unterstützung gewünscht, heißt es.

Judith Liere kritisiert im Uni-Spiegel den Boom der Pornoliteratur von Studentinnen. Die Autorinnen gäben sich frech und feministisch, aber genau das seien sie eben nicht.

Der Freitag übersetzt Ruqaya Izzidiens Artikel aus dem Guardian, in dem junge Muslima aus der “heiratstechnischen Defensive” locken will.

Eva Simon begibt sich im Freitag auf die Suche nach alternativen Familienmodellen. Denn auch wenn die Politik noch an Mama, Papa, Kind festhält, leben sehr viele Menschen schon ganz anders.

John Mayer, bekannt für seine verbalen Eskapaden, antwortet auf die bereits dumme Frage des Playboy, ob “Schwarze Frauen auf ihn stehen würden” mit der Aussage, dass sein Geschlechtsteil bisher eher als “white supremacist” agiert hat. Solcher sexistischer und rassistischer Mist macht sprachlos? Glücklicherweise sind Jay Smooth ein paar passende Worte eingefallen und erklärt im folgenden Video außerdem, warum die einseitig fokussierte Kritik auf Mayer’s Kommentaren von den wirklichen Problemen ablenkt: (weiterlesen…)


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Neue Gesetze in Uganda

17. Dezember 2009 von Helga

Ein Schritt vor und einen zurück, so kann man die derzeitige politische Entwicklung in Uganda beschreiben. So wurde einerseits letzte Woche die Genitalverstümmelung von Frauen unter Strafe gestellt, wie die BBC berichtete. Künftig drohen eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren oder sogar lebenslänglich, sollte das Opfer durch die Prozedur sterben.

Andererseits werden die Gesetze, die Homosexualität unter Strafe stellen, wohl weiter verschärft. Danach droht Homosexuellen die Todesstrafe (wenn sie HIV-positiv sind), wie auch jeglicher Bericht über Homosexualtität verboten wird, außer dem Ankreiden vermeintlicher Homosexueller – das muss künftig jede_r machen. Insgesamt sind es nun schon 38 Staaten in Afrika, die Homosexualität verfolgen. Doch dahinter könnten Kräfte vom anderen Ende der Welt stecken, so ein Bericht im Guardian:

In March, Bahati met several prominent anti-gay US Christian activists who attended a conference in Uganda where they pledged to “wipe out” homosexuality. The conference featured Scott Lively, president of California’s anti-gay Abiding Truth Ministries and co-author of The Pink Swastika, a book claiming that leading Nazis were gay. Also there was Don Schmierer, on the board of Exodus International, which promotes the “ex-gay” movement, believing people can change their sexuality and be redeemed. The third extremist evangelical to attend was Caleb Lee Brundidge, who is linked to Richard Cohen who believes that psychotherapy can “cure” homosexuality.

Zu Deutsch: Im März traf Bahati [der Abgeordnete der das Gesetz vorschlug] auf einer Koferenz in Uganda verschiedene prominente Aktivisten der US-amerikanischen Anti-Schwulenbewegung, die dort schwuren Homosexualtität “auszuradieren”. Ein Teilnehmer der Konferenz war Scott Lively, Präsident der kalifornischen Abiding Truth Ministries, die sich gegen Schwule richtet, und Koautor des Buches “The Pink Swastika”, in dem er behauptet, führende Nazis seien schwul gewesen. Ebenfalls anwesend war Don Schmierer, aus dem Vorstand von Exodus International, Verfechter der “Ex-Schwulen-Bewegung”, die behauptet, Homosexuelle könnten ihre sexuelle Identität ändern und bekehrt werden. Der dritte evangelikale Extremist war Caleb Lee Brundidge, der Verbindungen zu Richard Cohen besitzt, welcher glaubt, Psychotherapie könne Homosexualität “heilen”.


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Applaus für… einen mutigen Zehnjährigen

23. November 2009 von Magda
Dieser Text ist Teil 10 von 13 der Serie Applaus für

In den USA ist es in manchen Schulen morgendliches Ritual, den so genannten Pledge of Allegiance (Schwur zur Treue) aufzusagen, der wie folgt geht:

I pledge allegiance to the flag of the United States of America and to the republic for which it stands: one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.

(zu deutsch: “Ich schwöre Treue zur Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika und der Republik für diese sie steht: Eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle.“)

Genau diesen letzten Satz findet der zehnjährige Will Phillips aus Arkansas scheinheilig: In einem Land, in dem Homosexuelle in den meisten Staaten keine Toleranz erwarten können – geschweige denn heiraten dürfen – kann man nicht von “Freiheit und Gerechtigkeit für alle” sprechen. So weigert sich der pfiffige kleine Junge jeden Morgen aufzustehen und den Spruch zu rezitieren bis man wirklich von Gerechtigkeit für alle sprechen kann und erntet dafür den Zorn seiner LehrerInnen und MitschülerInnen. Mit so viel Mut landet man dann auch auf CNN:


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Gut gebloggt, Leute

14. November 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 34 von 51 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Eine Kritik an der neuen Health Care in den USA gibt es im Mädchenblog: Ein Schwangerschaftsabbruch kann künftig nicht mehr über die Krankenkasse finanziert werden.

Dass eine homosexuelle Frau in Frankreich endlich ein Kind adoptieren darf, ist eine Nachricht auf queernews.at.

Über den Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen und ein deswegen stattfindendes Aktionswochenende in Frankfurt informiert der Antisexismus Blog Berlin.

In ihrem nagelneuen Blog Büro für besondere Maßnahmen schreibt mo jour über ein Vorstellungsgespräch, das zu keinem Job führte.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Männer in Röcken und Frauenbrowser

7. November 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 32 von 50 der Serie Kurz notiert

Zum Schluss der Woche noch ein paar Links aus aller Welt, die liegengeblieben sind:

Gute Nachricht aus Pakistan: Dort wird sexuelle Belästigung künftig stärker bestraft, so Feminist News. Die Höchststrafe wird von einem auf drei Jahre erhöht und erlaubt Geldstrafen bis 500.000 paktistanische Rupien (rund 4000 Euro).

In Uganda und Ruanda geht es in die andere Richtung: Neue Gesetze gegen Homosexualität sehen Strafen bis zur Todesstrafe vor. Selbst das Verschweigen der sexuellen Identität wäre zu bestrafen. Mama Cash über den Widerstand der Coalition of African Lesbians und LGBTI-Aktivisten.

Der Weltspiegel berichtete über einen Mann, der in Rock und High Heels durch Breslau spaziert:

“Ich mache das nicht einfach so, da steckt ein Gedanke hinter: Ich zeige der Gesellschaft, dass der Mensch komplizierter ist als sie denkt. Ich habe nur ein Leben, und das werde ich nicht in einer einzigen Rolle verbringen. Ich lasse mich nicht als Mann programmieren, das beleidigt mich.”

Oft sind Bildergalerien nur billige Klickstrecken, die taz zeigt, dass es auch spannender geht: 12 Wahlplakate einer Ausstellung, die den Wandel von Rollenklischees in 90 Jahren Frauenwahlrecht zeigen. Bis zum 28. November ist die Ausstellung noch in der Nordhorner Stadtbücherei zu sehen.

Und zweimal die Schweiz: Das Magazin im Interview mit Michèle Etienne. Sie hat das Netzwerk GetDiversity gegründet, das Frauen in Verwaltungsräte vermittelt.

Über einen “Frauenbrowser” berichtet der Tagesanzeiger. Für i heart digital life der Lacher des Tages, Ti_Leo ist ebenfalls nicht überzeugt. Wie der Internet Explorer auf den bei Frauen so beliebten Macs laufen soll, erläutert der Artikel leider nicht.

Zum Schluß über Geek Feminism noch der Happiness Hat:

Happiness hat from Lauren McCarthy on Vimeo.


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Mama, Mama, Kind und Papa, Papa, Kind

23. Juli 2009 von Susanne

Im Bundesjustizministerium wird heute eine längst überfällige Studie zur rechtlichen Situation von gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern vorgestellt und diskutiert. 240 Seiten lang ist die Studie geworden, schreibt die Süddeutsche Zeitung, gefüllt mit unzähligen Defiziten der deutschen Gesetzgebung. Die damit der Realität im Schneckentempo hinterherschleicht, denn immer mehr homosexuelle, vor allem lesbische Paare entscheiden sich, – per künstlicher Befruchtung und Samenspende – eigenen Nachwuchs zu bekommen.

Doch der Partner, der nicht mit einer Eizelle oder seinen Samen beteiligt ist, wird nach der Geburt nicht automatisch ein Elternteil – wie es z.B. in Schweden, Spanien, Südafrika oder einigen US-Staaten üblich ist. Hierzulande stehen Paare wie Ursula und Stephanie, deren Beispiel in der SZ beschrieben ist, vor einem Haufen Probleme:

Zwar hat die 40-jährige Ursula, nachdem sie im vergangenen Jahr mit der 31 Jahre alten Stephanie eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen ist, das sogenannte kleine Sorgerecht für Emil und Hannah, doch das reicht für vieles nicht aus: In welche Schule Emil bald gehen soll, darf Ursula ebenso wenig entscheiden, wie sie seine Geburt beim Standesamt anmelden konnte. Ist Stephanie krank, hat Ursula nicht die Möglichkeit, einen freien Tag zu nehmen, um auf Emil und Hannah aufpassen zu können – anders als jeder rechtliche Vater. Den Anspruch, Elternzeit zu beantragen, hat Ursula ebenfalls nicht. Und wenn Stephanie etwas zustoßen würde, dürften die Kinder von Rechts wegen nicht bei ihr bleiben.

Die einzige rechtliche Möglichkeit, die Ursula hat, ist eine sogenannte Stiefkind-Adoption, Dafür muss sie ihre “Fähigkeit zur Elternschaft” beweisen. Das bedeutet: Gehaltsnachweis, Führungs- und Gesundheitszeugnis, und das Jugendamt überprüft, ob es tatsächlich eine Mutter-Kind-Beziehung gibt. Letzteres ist ein übliches Verfahren, wenn Eltern nach einer Trennung mit neuen Partner_innen zusammenleben, die das Kind adoptieren wollen.

“Die Stiefkind-Adoption entspricht nicht der Situation der lesbischen Paare. Hier wird das Kind schließlich in die Beziehung hineingeboren”, sagt auch der LSVD-Sprecher Manfred Bruns, der als ehemaliger Bundesanwalt am Bundesgerichtshof schon vielen lesbischen Müttern geholfen hat, wenn sie Schwierigkeiten mit der Stiefkind-Adoption hatten. Die Liste seiner Beratungsfälle ist lang: Mal soll für das Kleinkind ein Pfleger bestellt werden, bis es alt genug ist, selbst über die Stiefkind-Adoption zu entscheiden, mal sieht man keinen Sinn in der Adoption, da doch der biologische Vater bekannt ist. Trotzdem hat bis jetzt – auf kurz oder lang – jede Stiefkind-Adoption geklappt. Auch wenn dabei sichtbar wird, wie vermeintlich tolerante Menschen das Thema überfordert: “Es besteht eine große Offenheit für verschiedene Lebensentwürfe”, so Bruns, “aber bezüglich Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gibt es immer noch große Vorbehalte.”

Justizministerin Brigitte Zypries fordert deshalb, unterstützt von SPD-, FDP- und Grünen Politikerinnen, eine Reform des Adoptionsrechts – in der nächsten Legislaturperiode.


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