Einträge mit dem Tag ‘Homosexualität’


Samstagabendbeat mit Angel Haze

26. Oktober 2013 von Sabine

Angel Haze Bild: Flickr CC/ Phillip Nguyen http://www.flickr.com/photos/pnguyen83/Es ist die letzte Abfahrt. Wer die großartige US-amerikanische Rapperin Angel Haze nicht kennt, sollte spätestens jetzt reinhören. Anschnallen bitte nicht vergessen. Ihr aktuellster Remix von Mackelmores & Ryan Lewis “Same Love” Version stellt die Frage, wer für wen sprechen kann und welche Stimme fehlt. Mackelmores Lied “Same Love” wurde zu großen Teilen als Hymne für die gleichgeschlechtliche Liebe und Ehe gefeiert. Schöne Sprache, schönere Bilder und die Liebe eines schwarzen Mannes, der schwul ist und am Ende des Musikclips sehen wir Trauringe. Macklemore selbst ist weiß und heterosexuell. Irgendwie ist es nett.

Und dann kommt Angel Haze. Ihre Version von “Same Love” knallt und sofort ist klar, was fehlte. Ihre Wörter sind gewaltig, sie schießen ins Herz. Es ist ihre Geschichte, ihre Sexualität, ihr Finden zu sich, dem Begehren und den damit verbundenen Ausschlüssen, und der homophoben Gewalt. Es ist Tagebuch, nicht so schön wie wir uns das Leben vielleicht wünschen, sondern verletzlich, intim und zart.

Wir bekommen es zu spüren, wenn sie in ihren Zeilen rappt:

“Hi Mom/ I’m really scared right now but I have to…/ At age 13 my mother knew I wasn’t straight/ She didn’t understand but she had so much to say/ She sat me on the couch, looked me straight in my face/ She said, ‘You’ll burn in hell or probably die of AIDS,”

“Hi Mom/ Ich habe gerade richtig Angst, aber ich muss…/ Mit 13 Jahren wusste meine Mutter, dass ich nicht Hetero war/ Sie verstand es nicht, aber hatte so viel zu sagen / Sie setzte mich auf das Sofa, schaute mir direkt ins Gesicht/ Sie sagte: “Du wirst in der Hölle brennen oder wahrscheinlich an AIDS sterben,”

Worte, die in der Seele brennen, Luft anhalten lassen, weil es weh tut. Haze lässt sich nicht in Identitäten eingrenzen und rappt gegen Kategorisierungen ohne wegzuwischen, was da an Schmerz und Verletzungen ist:

“No, I’m not gay/ No, I’m not straight/ And I sure as hell am not bisexual/ Damn it, I am who I am when I am it.”

“Nein, ich bin nicht homosexuell/ Nein, ich bin nicht heterosexuell/ Und ich bin todsicher nicht bisexuell/ Verdammt, ich bin wer ich bin, wenn ich es bin.”

Haze ist versöhnlich, weil sie an den Wandel glaubt, dass sich Einstellungen ändern und Akzeptanz kommen wird. “Same Love” hat diese Interpretation gebraucht, nicht weil sie die beste Version wäre, sondern weil eine Stimme fehlte. Angel Haze nimmt uns in ihren intimen Ort, in ihre Kindheit, und legt sie offen.

Es ist sicherlich nicht voreilig zu sagen, dass mit diesem Lied, das Lied des Jahres geschrieben wurde. Die Rapperin ist ZWEIUNDZWANZIG! Das ist irgendwie krass, weil ihre Texte so viele Leben spiegeln und Tiefe haben. Und vielleicht ist das so, wenn Menschen nicht in normierten Bereichen leben. Vielleicht auch nicht. Sie ist zumindest eine Rapgöttin. Ihr neues Album “Dirty Gold” steht schon in den Startlöchern.

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Heterosexualität ist eine (schlechte) Angewohnheit.

25. September 2013 von Viruletta

Als ich 12 Jahre alt war, habe ich mich zum ersten Mal in meine damalige beste Freundin verliebt. Wir hatten eine ziemlich intensive Beziehung. Obwohl wir täglich schon neun Stunden lang nebeneinander in der Schule saßen, haben wir uns anschließend noch Briefe geschrieben, jeden einzelnen Nachmittag. Den neuen Brief habe ich am nächsten Morgen stets mit einem Kribbeln entgegengenommen; jedes Mal standen ein paar weitere, mir bisher unbekannte Geheimnisse drin, mit jedem Brief wuchs unsere Verbundenheit ein Stück. Das alles war für uns normal™ – andere machten das auch und in den meisten der Briefe war immerhin von Jungen die Rede, die wir toll fanden. Also kein Grund zur Sorge. Alles noch im (heterosexuellen) Rahmen. Nach einiger Zeit stellte ich dann aber mit Schrecken fest, dass die Art, wie ich an sie dachte, sich verändert hatte. Da war plötzlich nicht mehr nur Bewunderung und vorsichtige Zuneigung, nein, irgendwie fühlte ich mich auch zu ihr und ihrem Körper hingezogen, auf eine ganz neue Art und Weise. Kleine Berührungen jagten Stromstöße durch meinen Körper, manchmal freute ich mich die letzten zwei Schulstunden lang auf unsere Umarmung zum Abschied. Ich träumte auch von ihr, in meinem Kopf begann sie mehr und mehr Raum einzunehmen, und um zu dieser Zeit von irgendeinem Jungen zu schwärmen, musste ich mir schon etwas aus den Fingern saugen.

Das Ganze verunsicherte mich zutiefst. Was war da los mit mir? Ich war doch nicht etwa lesbisch? Ich bekam plötzlich Angst vor mir selber und meinen Gefühlen. Ich war verwirrt, wusste nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte. Wenn sie es merken würde, würde sie bestimmt nicht mehr meine Freundin sein wollen. Und was würden die anderen aus der Klasse mit mir machen? Ich hätte damals so gerne mit irgendwem darüber geredet, aber ich wusste nicht mit wem. Das Internet gab es leider noch nicht, zumindest nicht in meiner Welt. Alles, was ich wusste, hatte ich zum einen aus dem Sexualkundeunterricht, in dem kein Wort über derartige Gefühle verloren worden war. Und aus der Bravo, in der andere Jugendliche immer wieder Fragen über Sex, Liebe und Begehren stellten. Ich durchwühlte alle Ausgaben, die ich zu diesem Zeitpunkt besaß, und in einer von ihnen fand ich einen Leserinnenbrief, in der ein Mädchen, das etwas älter war als ich, dasselbe “Problem” zu haben schien. Auch sie war in ihre beste Freundin verliebt. Ich glaube es war, ganz klischeemäßig, Dr. Sommer, der ihr antwortete. Ich erinnere mich bis heute an seine Antwort, sie lautete sinngemäß: “Mach dir keine Sorgen, so gut wie alle Mädchen verlieben sich irgendwann einmal in die beste Freundin. Das heißt nicht, dass du nicht heterosexuell (= normal™) bist. Die Pubertät ist eine Zeit voller widersprüchlicher Gefühle. Du darfst das Ganze nur nicht zu ernst nehmen, dann geht es vorbei, versprochen”. Diese Antwort erleichterte mich ungemein. Puh, dann war ja alles gut, ich musste jetzt also nur noch ein bisschen durchhalten, dann würde ich mich irgendwann auch wieder in einen Jungen verlieben. Wie Alle Anderen Mädchen™ auch.

Und Dr. Sommer hat Recht behalten; die Gefühle sind irgendwann weniger geworden und dann anschließend ganz verblasst. Er hat auch damit Recht behalten, dass ich mich irgendwann wieder in Jungen verliebt habe. Das Ganze ist jetzt mehr als zehn Jahre her, dazwischen liegen viele Verliebtheiten, einige Liebeleien und auch ein paar Beziehungen. Alles, was ich davon als “ernster” erachtet habe, ist auf einer heterosexuellen Basis passiert. Und trotzdem bin ich auch immer wieder in Frauen* verliebt gewesen. Nur dass ich diese Gefühle nie wirklich ernst genommen, geschweige denn weiter verfolgt habe. Wenn ich heute zurück blicke, dann frage ich mich, ob das anders gelaufen wäre, wenn in der Antwort von Dr. Sommer damals etwas anderes gestanden hätte. Wenn ich mit irgendeiner Person hätte reden können, die mir gesagt hätte, dass es nicht nur normal™ ist, wenn diese Gefühle mal kommen und gehen – sondern auch, wenn sie bleiben. Wenn ich nicht zu Beginn meiner sexuellen Orientierungsphase eingetrichtert bekommen hätte, dass Verliebtheitsgefühle gegenüber Frauen* etwas sind, was ich nicht ernst nehmen sollte. Dass das einfach Verwirrungen sind, ganz im Gegenteil zu meinen heterosexuellen Liebesgefühlen, die Ausdruck von wahrer™ Zuneigung und Begehren sind. (mehr …)


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Gute Vorbilder und Widerstand, der sich nicht unterkriegen lässt – kurz verlinkt

22. August 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 164 von 252 der Serie Kurz notiert

Im Nono Verlag ist ein neues Buch erschienen. Es trägt den Titel “Trans*_Homo. Differenzen, Allianzen, Widersprüche” und ist ein Begleitbuch zu einer Ausstellung, die von August bis November 2012 im Schwulen Museum in Berlin zu sehen sein wird.

Eine Nachricht, die wütend macht: Da in den letzten Jahren mehr Frauen als Männer Abschlüsse an iranischen Universitäten gemacht haben, sollen dort ab dem kommenden Jahr über 70 Bachelorstudiengänge nur noch für Männer zugänglich sein, berichtet dieStandard.at.

Der US-amerikanische Republikaner und Abtreibungsgegner Todd Akin hat mit bizarren Aussagen über Vergewaltigungen für Entrüstung gesorgt. (Hier gilt eine Triggerwarnung: Verharmlosung von sexualisierter Gewalt.) Jessica Valenti hat passende Reaktionen dazu zusammengestellt. Kate Clancy hat dazu noch etwas „wirkliche“ Wissenschaft zu Schwangerschaften nach Vergewaltigungen.

Nerdy Feminist hat darüber reflektiert, dass dicke Charaktere in Kinderserien und -filmen so gut wie immer negativ besetzt sind, und Kinder dadurch schon früh an Fatshaming heran geführt werden.

Trotz der Verurteilung zu zwei Jahren Lagerhaft lassen sich Pussy Riot nicht unterkriegen. Weitere Mitglieder der Band haben am Wochenende ein Lied zu dem Urteil ins Internet gestellt:

Apropos Pussy Riot: Die New York Times wirft die Frage auf, weshalb Pussy Riot in der “westlichen” Berichterstattung eigentlich so gut wegkommen, obwohl sie gegen Dinge protestieren, die auch im “Westen” noch zum Alltag gehören.

Die Herrenpflegeproduktmarke Axe macht wieder die Art von Werbung, die wir von ihr kennen (und kein bisschen lieben).

Die ARD wirft einen Blick in die Zeit um 1900. Die Ausstellung „Der Gelbe Schein“ behandelt Frauenhandel, Zwangsprostitution und Sexarbeit aus wirtschaftlicher Not zu dieser Zeit.

Jezebel berichtet anhand eines Interviews mit Rihanna, wie kompliziert die Gefühle von Personen sein können, die Gewalt in Beziehungen erleben mussten – und rät dazu, dass wir besser hinhören sollten, auch wenn uns das Gesagte vielleicht nicht immer gefällt.

Noch etwas Schönes zum Schluss: Weil sein fünfjähriger Sohn gerne Kleider und Röcke trägt, und damit in der Süddeutschen Provinz relativ allein darsteht, hat Nils Pickert beschlossen, sich ihm anzuschließen um ein gutes Vorbild für sein Kind darzustellen. Bitte mehr davon!

Terminhinweis für morgen, den 23. August. In Kiel ist Tag der Offenen Tür beim Frauennotruf.


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Applaus für… Dänemark

8. Juni 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 24 von 31 der Serie Applaus für

Gestern hat Dänemark die gleichgeschlechtliche Ehe ermöglicht, berichteten Konnys Lesbenseiten. Nachdem es bereits vor 23 Jahren Vorreiter bei der Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaften war, haben homosexuelle Paare nun die gleichen Rechte und Pflichte wie heterosexuelle. Ihre Lebenspartnerschaften werden automatisch zu Ehen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es weiterhin eingetragene Lebenspartnerschaften für Lesben und Schwule – in der Schweiz und Deutschland sind gleichgeschlechtliche Ehen aber möglich, wenn in einer bestehenden Ehe ein Mensch seinen Geschlechtseintrag ändern lässt.


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Sexismus, Rassismus – von allem zu viel: Die Blogschau

3. März 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 146 von 259 der Serie Die Blogschau

Ohne Axe hätten FeministInnen nur halb so viel zu tun. Bezugsgruppe Beckham kommentiert die jüngste Kampagne der Deo-Stinker. Und die jüngste H&M-Unterwäschenkampagne kriegt auch einen geklebt.

Sexistische Kackscheisse passiert natürlich nicht nur in der Werbung, auch die Comics sind prädestiniert, weibliche Körper in einer Art und Weise darzustellen, die nicht nur Anatomie-Experten kotzen lässt. Die Eschergirls kotzen mit.

Den Unternehmerinnen und KünstlerInnen des Berliner Sigmaringer 1-Zentrums droht die Räumung. Am 8. März wird über den Kauf des Gebäudes entschieden. Im Blog gibt es alle Infos, warum der Erhalt des Zentrums dringend notwendig ist.

Wolkenkuckucksblog macht sich anhand dieses Beitrags auf Social Images Gedanken über die mangelnde Diversität sogenannter Mamablogs

Das Ende des Sex äußert sich zur Stellungsnahme des deutschen Ethikrates zur Intersexualität und bemängelt nicht nur die bedenkenswerte medizinische Terminologie, mit der Intersexualität noch immer als Krankheit stigmatisiert wird sondern auch die Laxheit im Umgang mit dem medizinischen Forschungsstand an sich.

Über ihre geschlechtsangleichende Operation berichtet Michaela Werner in ihrem Blog – inklusive Blick vom Krankenhausbett aus und Podcast.

Richtig miesen Rassismus hat High On Clichés gefunden: Der Jahreskalender der Deutschen Polizeigewerkschaft greift mit grotesk überzeichneten Stereotypen von Schwarzen und Migrant_innen völlig daneben. Aber Rassismus? Nah!

Auch Afrika Wissenschaft ärgert sich über rassistische Stereotype, gefunden in der Modefotostrecke des aktuellen Missy Magazines. Die haben mittlerweile auch schon drauf reagiert.

Das Missy Magazine dagegen freut sich über ihren März-Blogger: Hans-Georg Nelles vom Väter-Blog, passend zur aktuellen Ausgabe, in der der Feminismus mit Eiern näher begutachtet wird.

“Hate Crime vs. Hate speech?”, fragt Karnele und berichtet über die Anklage dreier Lesben in den USA, die einen Schwulen zusammen geschlagen haben sollen – nicht aus Schwulenfeindlichkeit sondern als Reaktion auf dessen rassistische Beschimpfungen.

Queernews berichtet über die Entscheidung des philippinischen Supreme Court, die Homosexualität eines Richters nicht als unmoralisch zu werten.

Die Aktion, mit der mehr 350 Journalistinnen vergangene Woche eine Quote von 30 Prozent Frauenanteil in redaktionellen Führungspositionen gefordert haben, habt ihr wahrscheinlich mitbekommen. Antje Schrupp hat den Aufruf nicht unterzeichnet. Warum und was sie stattdessen tut, erklärt sie in ihrem Blog.

Eine neue Folge von previously ist da: der Radiosendung, die TV-Serien auf ihren Umgang mit Sexismus, Rassismus etc untersucht. Die früheren Folgen + Transkripte findet ihr ebenfalls jeweils auf der Startseite.


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Ehe, Kinder und die üblichen Klischees – die Blogschau

14. Januar 2012 von Verena

reischan macht sich Gedanken um das über-einen-Kamm-Scheren von Feminist_innen und appelliert daran, den Männern die Definitionsmacht darüber, was Feminist_innen sind oder nicht sind aus der Hand zu nehmen.

Die Zahlenzauberin darf zu Recht angeben: Mit einem gestickten “Riots Not Diets”.

denkwerkstatt veröffentlicht den ersten Teil ihres Interviews mit Raewyn Connell, einer der Mitbegründerinnen der akademischen Männlichkeitsforschung.

fuckermothers berichtet über das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wonach Deutschland das einzige OECD-Land – von 23 – ist, das die Erwerbstätigkeit beider Eltern steuerlich behindert; Stichwort Ehegattensplitting.

Noah Sow schildert die kurze, gruselige Unterhaltung in einer Umkleide: Darf ich Ihnen den Rücken eincremen?

West-Östliche Diva erzählt vom Neujahrsempfang der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin, in der sie mit ihrer Freundin nicht nur den Altersdurchschnitt senkt sondern sich auch über diversen “Orientalistenquatsch” und drei weiße Männer – u.a. Peter Scholl-Latour – auf dem Podium ärgert.

Die australische Get Up! Kampagne wirbt mit einem Video gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Ehen

Um die Ehe geht es auch bei Teresa Bücker, die für die FAZ-Community unser Verständnis von der Ehe hinterfragt. Wo ist dort zwischen öffentlichen Reaktionen wie ‘hoffnungslos romantisch’ und ‘hoffnungslos gestrig’ noch Platz für die freie Entscheidung einzelner?

Die kleine Ethnologin nimmt Stellung zu einem SZ-Artikel, der über ein jüngst in der USA erschienenes Buch über Michelle Obama berichtet und eifrig die Klischees der Politikergattin bedient.

Puzzlestücke kotzt über den offensichtlichen Sexismus sogenannter Friend-Zones, in denen Männer die Harmlosen und Frauen die Bösen sind. Passt exellent zu Nadines Text über Nice-Guys. (mehr …)


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Homo- und Transsexualität? Laut FSK für 12-Jährige unzumutbar

2. Dezember 2011 von Nadine

Am kommenden Donnerstag kommt “Romeos” in die deutschen Kinos, ein Film über den transsexuellen Jugendlichen Lukas, der sich in Fabio verliebt. Der Film behandelt Homo- und Transsexualität und die Ausgrenzungserfahrungen, die Jugendliche machen, die es im heteronormativen System nicht so leicht haben. Ungeachtet dessen ist “Romeos” ein Film über Jugendliche für Jugendliche wie jeder andere Jugendfilm auch. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sieht das allerdings anders und gibt “Romeos” erst ab 16 Jahren frei. In der Begründung für das Urteil heißt es:

[Der Film behandelt] ein schwieriges Thema, welches für die Jüngsten der beantragten Altersgruppe, die sich in diesem Alter in ihrer sexuellen Orientierungsphase befinden, sehr belastbar sein könnte. Das Thema selbst ist schon schwierig für 12- bis 13-Jährige und die Schilderung einer völlig einseitigen von Homosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen. Die explizite Darstellung von schwulen und lesbischen Jugendlichen und deren häufige Partner(sic!)wechsel können verwirrend auf junge Zuschauer(sic!) wirken, [...] Der Film spiegelt eine verzerrte Realität wider, die Kinder aufgrund keiner oder zu geringer Erfahrungen nicht erkennen können.

Oh mein Gott. Sie sind schwul. Sie sind lesbisch. Sie sind transsexuell. Sie haben Sex mit wechselnden Menschen. Und es kommen Heterosexuelle nur als Nebenfiguren vor. Wie verstörend. Wie unrealistisch. U.N.Z.U.M.U.T.B.A.R.

Anhand dieses kleinen Zitates ließe sich wunderbar der heterosexistische und transphobe Bias der Jugendkommission des FSK seitenlang herausarbeiten und dekonstruieren, am einfachsten geht das allerdings, wenn wir die Argumentationslogik einfach mal umdrehen:

[Der Film behandelt] ein schwieriges Thema, welches für die Jüngsten der beantragten Altersgruppe, die sich in diesem Alter in ihrer sexuellen Orientierungsphase befinden, sehr belastbar sein könnte. Das Thema selbst ist schon schwierig für 12- bis 13-Jährige und die Schilderung einer völlig einseitigen von Heterosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen. Die explizite Darstellung von heterosexuellen Jugendlichen und deren häufige Partner(sic!)wechsel können verwirrend auf junge Zuschauer(sic!) wirken, [...] Der Film spiegelt eine verzerrte Realität wider, die Kinder aufgrund keiner oder zu geringer Erfahrungen nicht erkennen können.

Zum Glück gibt es Filme wie “Romeos” und hoffentlich findet er an der FSK vorbei den Weg zu jungen Menschen unter 16 Jahren.


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Sexistisch in den Advent und anderes Erhellendes in der Blogschau

26. November 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 137 von 259 der Serie Die Blogschau

denkwerkstatt regt sich über die Titelgeschichte des Magazings profil auf, wonach jede zweite Österreicherin an den Rückzug zu Kindern und Küche denke. Was das für die finanzielle Sicherheit dieser Frauen bedeutet ist klar: Vertrauen in die Partnerschaft.

paper cuts überlegt, warum sie sich als “beinharte Feministin” bezeichnet, obwohl sich ihr referentieller Lesekonsum in Grenzen hält. Aber statt Theorie hat sie jahrelange praktische Erfahrung damit, was es heißt “ein Mädchen” zu sein. Und ein paar Wünsche für eine besser Zukunft außerdem.

Ein Fremwörterbuch hinterfragt – nicht zum ersten Mal – Rassismus als Randproblem und als in der rechten Szene verortetes Problem. Zwar setze langsam eine stärkere Sensibilisierung unter “Migranten, Deutschen mit Migrationshintergrund und engagierten autochtonen Deutschen”, aber was wir brauchen ist die ehrliche Auseinandersetzung in der Mehrheitsgesellschaft.

Piratenweib hält Ausschau nach Weihnachtsgeschenken und entdeckt jede Menge sexistische Kackscheisse. Das zieht jede Menge Fragen nach sich, zum Beispiel warum sexistische Werbung Männer ins Lächerliche zieht und Frauen ins Sexuelle?

In würgende Weihnachtsstimmung bringt sich auch kopfweh statt rausch mit einem Blick auf die Werbung für den nahenden Axe Weihnachtskalender. Jaja, die Geschenke von unseren Freunden der Deo-Vermarkung sind uns ohnehin die liebsten…

Die kleine Ethnologin hat sich durch die Zeitungen und ihre Darstellung von Frauen in der rechten Szene gelesen und kommentiert die Berichte auf SpOn, in der Sz und taz.

Astrodicticum Simplex geht in Deckung angesichts pink-mit-grusel Spielsachen, die Mädchen Wissenschaft näher bringen sollen. Das ist auch ein gutes Beispiel für Clarke’s Law for Girls’ Toys.

Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner war gerade in Deutschland zu Besuch und hat in unterschiedlichen Interviews eine Erhöhung der Autorinnenquote bei Wikipedia gefordert. Warum es nicht so leicht ist, in dem Männerclub einen Pumps auf den Boden zu kriegen, erklärt Andreas Kemper  im Blog von der Freitag.

Adrians Blog wägt die Vorteile einer (pro)feministischen Männerorganisation ab. Neben theoretischen Aspekten wie Reflexion und Männlichkeitsforschung könnten Demos und Engagement in Gruppen und im Netz auch aktionistisches Potential entfalten.

Anarchie und Lihbe berichtet, wie sie der sexuellen Belästigung während ihrer Ägyptenreise mit einer hässlichen Gummifratze begegnete. Lustig ist das nicht, eher verwirrend und von nachdenklichen Fragen begleitet.

Genderverrückt nennt sich ein neues Gender-Blog, geschrieben von jemandem “meist als männlich gelesen” mit dem Ziel “ohne Pathos und eher der Konvention gerecht: Hegemoniale Männlichkeit dekonstruieren, männliche Identität queeren.”

So Let’s Have A Baby zeigt ein Schauspiel in drei Akten: SAT 1 und die Frage, warum Homos eigentlich keine Kinder adopieren können. In den Hauptrollen: eine lesbische Frau, ein schwuler Mann und zwei – das Gesetz Gottes – vertretende Christen.

Und noch ein aktueller Termin:

Am 1. Dezember stellen im Audimax der Uni Halle ab 19 Uhr  Gesa Mayer und Robin Bauer in ihren Vorträgen die Monogamie sowohl in hertero- als auch homosexuellen Beziehungen als romantisiertes Ideal in Frage.


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„Aktion Libero“ gegen Homophobie im Fußball

16. November 2011 von Nicole


Wir haben das Thema Homophobie/Homosexualität im Fußball – und zwar Männer- wie Frauenfußball – schon häufiger behandelt, zuletzt anlässlich der etwas zwanghaften Heterooutings deutscher Nationalspieler. Die aktuelle Meldung dazu allerdings geht in eine andere Richtung: David Testo, US-amerikanischer Profifußballer in der zweiten kanadischen Liga, sprach im Fernsehen über seine Homosexualität. Er wird mit den Worten „Es ist unglaublich schwierig, als Profisportler zu leben und schwul zu sein“ zitiert, zu lesen ist außerdem, dass seine Trainer und Mitspieler schon seit einigen Jahren wüssten, dass er schwul sei.

Zum heutigen 16. November gibt es nun einen Aktionstag in zahlreichen Sportblogs, die gemeinsam auf die besonderen Verhältnisse im Fußball in Sachen Homophobie aufmerksam machen wollen: „In den meisten Bereichen der Gesellschaft bedeutet Homosexualität keinen Nachteil für Karriere und Position. Ausgerechnet in der beliebtesten Sportart ist das anders: Der Fußball bleibt spießig.“

Eine weiße FUßballspielerin auf grünem Rasen, daneben die Kästen lesbisch (zeigt auf sie) rund (zeigt auf den Ball) grün (zeigt auf den Rasen)Nun erscheint mir persönlich das Ausspielen von Fußball gegen andere gesellschaftliche Bereiche immer ein wenig schwierig, klingt es doch schnell so, als wäre dies das einzige Feld, in dem es noch Diskriminierung von Homosexuellen gibt (Prominente offen lesbische Politikerin? Anyone?). Aber das soll nun nicht den Blick auf die Aktion selbst und ihr Anliegen verstellen. Weiter heißt es in der Stellungnahme:

„In einer Zeit, in der es angesagt ist, sich vor allem zu seiner ‚Normalität‘ zu bekennen, unaufgefordert und ausdrücklich, ist es überfällig, der Vernunft mehr Stimmen zu geben: Wir sind uns bewusst, dass auch wir als Sportblogger(innen) ein Teil des Systems Fußball sind, und mitverantwortlich für den Tenor. Es mag seltsam klingen, weil es so selbstverständlich ist, aber es ist uns ein Anliegen, klar zu sagen: Wir sind gegen Homophobie! Auch im Fußball.“

Am heutigen Aktionstag erscheint zeitgleich in vielen Sportblogs die Stellungnahme gegen Homophobie, zudem soll es zahlreiche einzelne Texte zum Thema geben. Der gute Gedanke dahinter: Menschen mit Interesse an Sport werden in ihrer täglichen Weblektüre auf das Thema Homophobie gestoßen. Davon erhoffen sich die Initiator_innen der Aktion zumindest ein Nachdenken.

Mehr Infos auf der Website der Aktion: www.aktion-libero.de


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Hetero-Outing im Fußball

31. Oktober 2011 von Nicole


Philipp Lahm hat‘s getan und jetzt auch Arne Friedrich: Prominente Fußballer outen sich als heterosexuell. Genau genommen tun sie das ja die ganze Zeit: mit jedem Kuss auf den Ring („Ich bin verheiratet und liebe meine Frau.“) oder jeder Wiegegeste („Ich bin Papa.“) beim Torjubel, jedem Bild vom Oktoberfest mit Freundin im Dirndl oder bei den Einblendungen von Spielerfrauen auf den Tribünen. Aber das wird nicht als heterosexuelles Outing wahrgenommen, es ist ja schließlich die „Normalität“ (wie schon kürzlich hier geschildert). Die aktuellen Hetero-Outings der Fußball klingen hingegen so: „Ich bin nicht schwul.“ oder, im Fall von Arne Friedrich: „Mein Freund ist nicht schwul.“

Begleitet werden diese Statements immer von einem grundsätzlichen Bekenntnis zu Toleranz und Weltoffenheit, dennoch hinterlassen sie einen äußerst schalen Beigeschmack – klar ist es okay, wenn andere homosexuell sind, ich kenne zwar keine, und ich bin’s NICHT. Die Ambivalenz dieser Art von Toleranz lässt sich gut ablesen an zwei kurz aufeinanderfolgenden Sätzen aus dem „offenen Brief“ von Arne Friedrichs langjähriger Freundin Linn Rödenbeck:

„Was ich als am Schlimmsten empfinde, ist die Art und Weise, in der über das Thema gesprochen wird.  Es stellt Homosexualität als etwas Widernatürliches oder Schlechtes dar. […] Natürlich ist es anstrengend, immer wieder zu beteuern, dass der eigene Partner auch wirklich nicht schwul ist.“

Einen schönen Text dazu, der dem schalen Beigeschmack eine ironische Note gibt, könnt ihr bei Lizas Welt lesen. Hier wird gefordert: Schluss mit dem „was die Genderforschung ‚Homonormativität‘ nennt“. Die Heteros gehen endlich in die Offensive!  (Anmerkung der Redaktion/Triggerwarnung: Die Autorin hat auf einen Text verlinkt, der thematisch zu diesem Beitrag hier gut passt, wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass das verlinkte Blog sowohl bei unserer Leser_innenschaft – siehe Kommentarthread zu diesem Text –  als auch redaktionsintern umstritten ist.)


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