Einträge mit dem Tag ‘Homofeindlichkeit’


Viele Hashtags, viel Aktivismus: #rpTEN, #NichtMeinGesetz und #YesAllWampen – kurz notiert

12. Mai 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 316 von 340 der Serie Kurz notiert

Das Missy Magazine veröffentlichte anlässlich des Anti Diät Tages, der letzte Woche am 6. Mai gefeiert wurde, mehrere Texte zum Thema Diäten, Dicksein und Fat Empowerment, auf Twitter entstand der Hashtag #YesAllWampen:

Ziemlich viel berechtige Kritik und einen waschechten Shitstorm hat sich Maxdome eingefangen, weil das Videoportal die schwul-lesbische Rubrik wegen „Familienfreundlichkeit“ entfernt hatte (Familie ist halt hetero, ne?).

Seit fast 20 Jahren lebt May Ayim nicht mehr. An ihrem Geburtstag, am 3. Mai 2016, fand in der Kapelle des Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin eine Gedenkveranstaltung für die Dichterin statt.

Die Jüdische Gemeinde in Berlin gedachte am Yom HaShoah der Ermordeten und des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943.

@abilitywatch twittert seit Tagen unter dem Hashtag #nichtmeingesetz von der Demonstration gegen das viel kritisierte Bundesteilhabegesetz: nichtmeingesetz.de. Aktivist_innen wie Raul Krauthausen haben letzte Nacht teilweise angekettet am Reichstagsufer ausgeharrt, um weiterhin auf die Kritik aufmerksam zu machen.

Interview von Riot Rrradio mit Magda über die Rezeption von dicken Körpern, Diäten und wie sich Stress auf Körper auswirken kann.

Josefine Matthey war bei der diesjährigen re:publica (#rpTEN) und sprach über Körper im Netz: „Every BODY dance now!“

Termine deutschlandweit:

11. bis 27. Mai: Die Rapperin FaulenzA ist im Mai viel mit Konzerten und Workshops in Lüneburg, Wendland, Braunschweig, Berlin, Schwerin, bei Erfurt und Bremen unterwegs.

9. Mai bis 4. Juni in Hannover: Feministische Veranstaltungsreihe „Rabatz macht Terz“ u.a. mit einem Vortrag von Hengameh Yaghoobifarah zum Thema „Kulturelle Aneignung“ und einem Vortrag von Magda zum Thema „I’m Fat, Let’s Party! Interventionsmöglichkeiten und fetter Aktivismus“.

13. Mai in Dortmund: „Die gefährlichste Frau Amerikas“: Emma Goldman.

3. September in Edinburgh (Schottland): Black Feminism, Womanism and the Politics of Women of Colour in Europe.


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„Und was sagen die Kinder dazu?“ Kinder lesbischer, schwuler und trans-Eltern kommen zu Wort

8. Februar 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 116 von 125 der Serie Die Feministische Bibliothek

Normalerweise reagiere ich eher gereizt, wenn über Lesben_Trans_Schwule gesprochen wird, so nach dem Motto: „Ist das eigentlich normal, kann mensch das Kindern antun, Familie ist Mutter-Vater-Kind, Untergang des Abendlandes, bla bla bla…“.

Buchcover von: "Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später! Neue Gespräche mit Töchtern und Söhne lesbischer, schwuler und trans* Eltern.Das Buch „Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später! Neue Gespräche mit Töchtern und Söhnen lesbischer, schwuler und trans* Eltern“ (Querverlag, 2015) nimmt Bezug auf diesen Diskurs, bietet alternatives Wissen (besonders für diejenigen, die mit dem Thema bisher weniger zu tun hatten) und lässt in erster Linie die Kinder zu Wort kommen: Es ist eine kluge Idee der Autorinnen Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach, mal diejenigen zu befragen, um deren Wohl sich deutsche Konservative stets sorgen: jene Kinder und Jugendliche, die in Elternhäusern aufwachsen bzw. aufgewachsen sind, die nicht der heternormativen Norm entsprechen.

2005 erschien die erste Version des Buches, damals mit Erfahrungsberichten von Kindern schwuler und lesbischer Eltern. Vor wenigen Monaten – zehn Jahre später – erschien das Nachfolgebuch. Die Kinder von damals wurden erneut interviewt, hinzugekommen sind neue Gespräche mit Kindern von trans-Eltern. Insgesamt 34 Kinder vom Grundschulalter bis ins junge Erwachsenenalter berichten über ihr Aufwachsen, eigene Lernprozesse, über Kämpfe in Schulen und im Freund_innenkreis, erzählen von Krisen sowie von schönen, stärkenden Momenten. Die größte Gruppe der interviewten Kinder sind in Deutschland geboren und haben lesbischen Eltern. Besonders spannend finde ich das Buch, weil die aktuellen sowie die damaligen Interviews abgedruckt sind. Das gibt den Kindern und jungen Erwachsenen die Möglichkeit, auf ihre damaligen Aussagen Bezug zu nehmen und zu reflektieren.

Beeindruckt war ich von der Ehrlichkeit und dem Reflexionsvermögen vieler Kinder (vielleicht bin ich aber auch zu selten mit Kindern zusammen, um zu wissen, dass viele Kinder diese Eigenschaften pflegen und dann im Prozess der Älterwerdens verlieren…?). Viele der Kinder können die Kommentare ihrer (cis-hetero-) Lehrer_innen, Mitschüler_innen, Verwandten oder der Eltern anderer Kinder sehr gut als das einordnen, was sie sind: diskriminierend, verletzend, ungerecht. Auffällig ist, dass viele Kinder sensibilisiert sind für unterschiedliche gesellschaftliche Normen: „Was heißt denn schon ’normal‘?“ ist keine seltene Frage. Und doch wird ab und zu die eine oder andere normative Aussage mit Vehemenz vertreten. Widersprüchlichkeiten bleiben.

Einige der Kinder machen sich viele Gedanken um ihr eigenes Begehren, möchten sich nicht festlegen und erkennen es als selbstverständlich an, dass Menschen unterschiedliche Partner_innen verschiedener Geschlechter in ihrem Leben lieben können. In den einzelnen Interviews werden Strategien sichtbar, wie Kinder mit der Tatsache umgehen, dass ihre Eltern stets als „anders“ oder „besonders“ betrachtet werden. Manche sind sehr offensiv und wehren sich gegen nervige Kommentare, andere sprechen ungern mit Außenstehenden über ihre Familie, wobei deutlich wird, dass dies weniger mit Scham, sondern mehr mit der Unlust zu tun hat, sich ständig mit den diskriminierenden Kommentaren der Umwelt zu befassen. Nur wenige richten ihren Zorn gegen ihre Eltern und machen deren Begehren dafür verantwortlich. Die meisten sind dankbar, von ihren Eltern sehr früh gelernt zu haben, dass die Welt komplexer ist, als das Durchschnittskinderbuch mit Mutti-Vati-Kind vermuten lässt. Abgerundet wird das Buch mit einem kurzen Überblick zum wissenschaftlichen Diskurs zum Thema LGBTQ-Elternschaft und einer Literaturliste, u.a. mit Büchern für Kinder und Jugendliche.

Die Lektüre des Buches macht Mut. Deutsche Konservative sollten sich weniger um das Wohl der Kinder sorgen, sondern sich eher darauf gefasst machen, dass mehr und mehr pfiffige Kids heranwachsen werden, die traditionelle Ideen vom Miteinander leben und lieben in Frage stellen.


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Heldinnen des L(i)ebens – Lesbische Schweizerinnen über siebzig erzählen…

14. September 2015 von Julia
Dieser Text ist Teil 109 von 125 der Serie Die Feministische Bibliothek

Rezension zu Corinne Rufli: Seit deser Nacht war ich wie verzaubert. Frauenliebende Frauen über siebzig erzählen.

Wie es sich vor der Frauen- und Lesbenbewegung als frauenliebende Frau lebte, mit welchen Selbstbildern, gegen welche Widerstände, mit welchem Alltag und wie es sich anfühlte, darüber ist herzlich wenig bekannt. Corinne Rufli hat nun ein wunderbares Buch veröffentlicht, das elf frauenliebende Frauen – nicht alle verwenden für sich die Bezeichnung lesbisch –, die heute allesamt über siebzig sind, zu Wort kommen lässt. Sie leben in der Schweiz, sind mehrheitlich auch dort aufgewachsen (teils auch in Süddeutschland), erlebten ihre Jugend in den 1950er Jahren.

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Es gibt unglaublich viel zu lernen – und Lesbischsein bzw. Frauen lieben ist ‚nur‘ ein Aspekt, um den sich das Erzählte dreht. Die Züricherin Liva Tresch, heute zweiundachtzig, berichtet davon, wie es war, in den 1950er Jahren in der Schweiz aufzuwachsen – als uneheliches Kind, bei Pflegefamilien, auf einem Bäuer_innenhof, mit diversen Jobs, äußerst prekär, und sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Greifbar wird eine massive Herabwürdigung von Mädchen und Frauen, eine alltäglich erlebte patriarchale Gewalt und Freiheitsbeschränkung; dies gilt erst recht für jene, die ‚aus der Landwirtschaft‘ stammten und zusätzlich mit klassenbezogener Herabsetzung und ökonomischer Ausbeutung konfrontiert waren.

Was ebenso nachfühlbar wird, ist die fast schon als vollkommen zu bezeichnende Unsichtbarkeit lesbischen Lebens und eine massive Stigmatisierung, die nicht ohne Folgen blieb für das eigene Selbstwertgefühl. Wie es sich dennoch und im Verlauf der Jahrzehnte zunehmend besser – in den neu entstehenden Szenebars und politischen Gruppen – lesbisch leben ließ, auch das zeigen die Erinnerungen Treschs. Sie lebte Liebesbeziehungen mit Frauen und erschloss sich die entstehende Züricher Homosexuellen- und Frauenszene. Sie nahm die Arbeit in einem Fotogeschäft auf – ein erster Schritt auf dem Wege zu ihrem Erfolg als Szenefotografin, als die sie Berühmtheit erlangte. Die Stärke der Erzählerin, die ihr Leben in die eigenen Hände nahm, immer wieder neu, beeindruckt und macht Mut.

Grundlage für die elf von Corinne Rufli aufgezeichneten Geschichten lieferten Oral-History-Interviews. Die von der Autorin verfassten Texte wurden mit den interviewten Frauen nachbearbeitet; dies lässt auf eine wertschätzende Arbeitsweise schließen, die das ganze Buch atmet. Die so entstandenen autobiografischen Aufzeichnungen sind spannend, zutiefst berührend, sie sind erschreckend, ermutigend, sie machen lachen und weinen. Die Interviewten arbeiteten als Verkäuferinnen, Politikerinnen, als Haushaltshilfen und „Laufmädchen“, Künstlerinnen oder Lehrerinnen, sie kommen aus Arbeiter_innenfamilien, von Bäuer_innenhöfen oder aus dem Bildungsbürgertum. Ebenso vielfältig ist der Bezug der Seniorinnen zur Lesbenbewegung, zur Homosexuellenbewegung und zur Frauenbewegung, den es gibt oder eben nicht. Und hinsichtlich ihrer Identitätsentwürfe und Lebenskonzepte: ob sie sich als Lesbe bezeichnen, ob sie einen Mann heirateten, ob sie lesbische Sexualität und Partnerschaften leb(t)en.

Die Interviewten und die Autorin liefern mit diesem spannenden Buch einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Schweiz (und Süddeutschlands) und zur Lesben- und Frauengeschichte: Sie berichten vom Leben, Lieben und Arbeiten als Frau und als Lesbe seit den 1950er Jahren, von Klassenunterschieden, von Diskriminierung und Gewalt, von Widerstand und Veränderung. Informativ und berührend, voller schmerzhafter wie auch schöner Erinnerungen erzählen sie davon, ob und wie das gehen kann: in einer Welt, die bestenfalls ignorant, schlimmstenfalls gewaltvoll agiert, als Lesbe und als Frau selbstbestimmt und in Würde leben zu können.


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Ehe abschaffen! Und bis dahin: Eheprivilegien umverteilen

1. Juli 2015 von Nadine

An diesem Wochenende feierte meine Facebook-Timeline das Ende des Pride-Month in einem Regenbogen-Fahnenmeer. Viele meiner Kontakte tauchten ihr Profilbild in bunte Streifen, hier und da wurden Artikel über die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare in Deutschland, über die Entscheidung des Supreme Courts in den USA geteilt, die Aktion #Ehefüralle läuft nach wie vor viral und auch auf Twitter gibt es immer mal wieder Diskussionen darüber, ob die Ehe abgeschafft oder ausgeweitet gehört. Vor allem US-amerikanische Schwarze Aktivist_innen und Aktivist_innen of Color sind es, die dieser Tage, 46 Jahre nach den Stonewall-Riots in New York (sexarbeitende Schwarze Transfrauen und Transfrauen of Color protestierten gegen u.a. gegen Polizeigewalt), gebetsmühlenartig gegen die weiße Wand der „Out and Proud“-Euphorie von LGBT* und Heten intervenieren, mit Texten und Aktionen innerhalb und außerhalb der großen Demonstrationen.

Zwar finden in hiesigen Kontexten diese US-amerikanischen Perspektiven ebenfalls Anklang, jedoch habe ich den Eindruck, dass diese Kritik in Argumenten wie „es muss kein entweder, oder sein“, „die Forderungen schließen sich nicht aus“ bisweilen untergeht. Sicherlich bleibt immer eine zentrale Frage sozialer Bewegungen, wenn es um konkrete Forderungen geht, was umsetzbar ist und was vorerst Idee bleiben muss. Orientiert wird sich bei solchen Abwägungen an den staatlichen Regulierungsmöglichkeiten, z.B. Gesetzesänderungen, die sich positiv auf die Gruppe auswirken (sollen). Dem Staat kommt in Bezug auf die Lebensbedingungen und -realitäten derer, die innerhalb seiner Grenzen leben (wollen), ein sehr großer Machtstatus zu, dennoch ist diese Form der Macht eine, die durch ein gewaltvolles Abhängigkeitsverhältnis gekennzeichnet ist. Für die einen mehr, für die anderen weniger als ein solches spür- und wahrnehmbar. Ein weiterer Bezugsrahmen für Überlegungen ist die Gesellschaft. Diese wird allerdings häufig durchweg als privilegiertere Gruppe (als sich selbst) vorgestellt: weiß, deutsch, hetero, klassenprivilegiert, gut situiert, mit Staatsbürger_innenschaft. Diese Gruppe wird zur Solidarität aufgefordert, denn sie ist es, die die Privilegien inne hat, die mensch selbst vermeintlich bekommen will. In diesem Fall: Das Recht auf Eheschließung. Die vollständige Gleichstellung der Ehe und Gleichverteilung ehelicher Privilegien auf Heten, Schwule und Lesben.

Die Kritik, dass die Institution Ehe im Kern ein kolonialrassistisches, heterosexistisches und kapitalistisches Ordnungs- und Gewaltinstrument ist, das die staatliche Gewalt-Dynamik bis in den persönlichen Nahraum von Menschen wiederholt (siehe Links am Ende des Textes), scheint der „Why not?“ und „Tut ja keine_r weh!“-Stimmung keinen Abbruch zu tun. Manchmal werden Schwule und Lesben von den „Ehe abschaffen“-Rufen ausgenommen, weil das angeblich homofeindlich sei. Mensch würde sich damit in konservative Diskurse reinsetzen und Platz für problematische Aneignung schaffen. Ein weiteres Argument gegen die vollständige Abschaffung der Ehe samt ihrer Privilegien: Ehe ja, Privilegien nein. Gleiche Rechte für alle.

Ohne die damit einhergehenden Privilegien funktioniert die Ehe allerdings nicht. Sie wäre sinnlos. Mit der Ehe schützt und bevorteilt der Staat privilegierte Heten, die in das oben beschriebene Muster passen. Es gibt so gut wie keine Einschränkungen für diese Gruppen, was Lebensplanung und Lebensführung betrifft, Reproduktion und Familie(ngründung) ist auf vielen Wegen möglich und z.T. subventioniert (durch Staat und Krankenkassen), mit jeder Steuererklärung gibt der Staat Geldgeschenke (z.B. durch das Ehegattensplitting). Die sozialstaatlichen Transferleistungen für die weiße, deutsche, hetige Mittel- und Oberschicht mit deutscher Staatsbürger_innenschaft sind in Höhe und Umfang enorm. Sie profitieren mehr als jede andere soziale Gruppe von ihnen. Und noch einmal mehr, wenn sie untereinander verheiratet sind. Auch die Diskriminierungsbelastung in anderen Beziehungsnetzwerken und Verhältnissen wie Lohnarbeit und Freund_innenschaften ist für diese Gruppe vergleichsweise gering. Gender Pay Gap, gläserne Decke, Typenklüngel-Netzwerke, sexualisierte und häusliche Gewalt sind trotzdem Themen, die relevant sind, obwohl das keine Problematiken sind, die auf diese Gruppe begrenzt wären, im Gegenteil.

Alle großen Parteien orientieren sich mit ihren politischen Linien an diesen Heten, weil dort das Geld sitzt. Kaufkraft, Möglichkeit der steuerlichen Belastung, auf ideologischer Ebene deutsche, meritokratische Prinzipien und Werte repräsentierend. Weil die Politiker_innen genau so sind. Staatliche Antidiskriminierungspolitik ist deshalb in erster Linie an Menschen interessiert, die diese Norm widerspiegeln oder nah an diese heranreichen. Und wenn Diskriminierung in Mini-Schritten abgebaut wird, so wird im Austausch das wertekonservative Klientel samt Regierungspartner mit Zugeständnissen besänftigt. Die „Emanzipationserfolge“ bleiben oft nur Veränderungen auf symbolischer Ebene, rhetorisch modernisiert, solange Gerechtigkeit einen Preis hat und an Bedingungen geknüpft ist, die wiederum im negativen Sinne folgenreich für andere soziale Gruppen sind. Was bleibt ist, dass der Staat es wieder einmal geschafft hat, potentiell gefährliche Subjekte (in diesem Fall Schwule und Lesben) befriedet und (weiterhin) an sich zu binden. Speaking of Abhängigkeiten.

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Plus-Size-(Role)-Models, Anti-Terror-Kämpferinnen und Ghostbusters-Panik – kurz verlinkt

4. Februar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 271 von 340 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Der Februar ist Black History Month (Monat der Schwarzen Geschichte). Black History Month Hamburg hat ein Veranstaltungsprogramm zusammengestellt, von (Kinder-)Parties über Lesungen/Poetry Slams hin zu Diskussionsveranstaltungen. Auch die Werkstatt der Kulturen in Berlin bietet ein abwechslungsreiches Black-History-Month-2015-Programm für Menschen jeden Alters.

„Hier findet gerade eine humanitäre Krise statt, die von der Aussenwelt nicht beachtet wird“: tagesschau.de zeigt einen kurzen Videobericht zum Leiden der Menschen, die in Borno, Nigeria, vor Boko Harams Terror flüchten mussten.

FrauTV veröffentlichte eine Online-Multimedia-Reportage zum Thema „Die neue Familie“.

„Richard von Weizsäckers Rede kam damals spät, war aber richtig. Bedrückend bleibt, dass sie zum Anfang des deutschen Sündenstolzes wurde, der sich zwar zu den Verbrechen bekennt, daraus jedoch Selbstgefälligkeit ableitet“: Annetta Kahane schreibt in der Berliner Zeitung zum 30-jährigen Jubliäum der „Befreiungs“-Rede des kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten a.D., Richard von Weizsäcker.

Fluss e.V. Freiburg, die ehrenamtlich Bildungsarbeit zu Geschlecht und sexueller Vielfalt leisten, braucht Unterstützung: Bis heute Abend könnt ihr dem Verein eure Stimme geben bei der Online-Abstimmung im Rahmen des Freiburger Beteiligungshaushalts. Dafür muss man sich registrieren, aber nicht in Freiburg wohnen. Fluss e.V. ist der Vorschag Nr. 144 und freut sich über ein virtuelles „Daumen hoch“.

Die alleinerziehende Suzana S. und ihre fünf Kinder wurden in Deutschland geboren. Nun will sie der Landkreis Emsland in Niedersachsen abschieben,“ nach 28 Jahren – die taz berichtet.

Englischsprachige Beiträge

Schwarze Künstler_innen in den USA erklärten den Februar zum Black Future Month: Hier seht ihr eine Zusammenstellung von AfroFuturistic Videos, unter anderem mit Missy Elliott, TLC, Janet Jackson und Kelis.

Tess Munster, die Kleidergröße 54 trägt, wurde letzte Woche offiziell von einer Modelagentur unter Vertrag genommen – ein Affront für Körpernormierungs-Fans. Der dickenfeindliche Hass, der ihr (und anderen dicken_fetten Menschen) entgegenschlägt, und was dieser mit dem eigenen Leben von Dickenhasser_innen zu tun haben könnte, wird bei The Militant Baker analysiert.

Ein sexistischer, dickenfeindicher Nachruf einer australischen Zeitung auf die Schriftstellerin und Wissenschaftlerin Colleen McCullough wurde letzte Woche oft und treffend kritisiert. Die Washington Post hat  im Gegenzug ein paar satirische Nachrufe auf berühmte Männer veröffentlicht.

„Ain’t Afraid Of Ghosts. Terrified of Women.“ Shakesville kommentiert sexistische Reaktionen auf die nun offizielle Nachricht, dass vier Frauen – Leslie Jones, Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon – die Hauptrollen in einem neuen Ghostbusters-Film spielen werden. Auch Jezebel lässt sich diese Satire-Möglichkeit nicht entgehen.

Im Guardian interviewt Mona Mahmood vier kurdische Familien und erinnert an die Frauen, die im Kampf gegen IS in Kobane starben.

Ebenfalls im Guardian schreibt Jessica Valenti dazu, wie Sexismus Frauen körperlich und psychisch krank mache.

Der nigerianische Unternehmer Taofick Okoya hat Schwarze Puppen entwickelt, deren Verkaufszahlen weiße Barbies weit hinter sich lassen, und die Schwarze Kinder empowern sollen: Die „Queens of Africa.“

African Women in Cinema Blog stellt die Filme und Filmemacherinnen des pan-afrikanischen Filmfestivals FESPACO vor, das 2015 das 24. Jubliäum feiert und vom 28. Februar bis 4. März in Burkina Faso stattfindet.

entirely amelia kritisiert Jill Soloway, die noch im Januar für ihre Serie „Transparent“ einen Golden Globe gewann und nun bei Facebook einen cissexistischen Eintrag zu Bruce Jenner veröffentlichte.

Küssen als Protest? Zwei russische Aktivistinnen zeigen wie’s geht.

Termine in Berlin und Halle

Berlin 07.02. 2015, 18:00 Uhr, Baiz (Christinenstr.): Infoveranstaltung des Antifa Recherche-Teams Dresden: „Rassistische Mobilmachung: Eine Analyse zu PEGIDA und anderen Asylgegner_innen in Dresden und Umland“.

Berlin 19.02. 2015, 19:30 Uhr, Humboldt-Universität Berlin, Raum 1115 (Kinosaal): Im Rahmen des Projekttutoriums „Ungewollte Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch und Reproduktive Gerechtigkeit“ wird der Dokumentarfilm „VESSEL“ (im englischen Original) kostenlos aufgeführt. Im Anschluss an die Vorführung gibt es ein Q&A mit Aktivistinnen*.

Halle, 10.02. 2015, 19:00 Uhr, Café Colonne Morris: Der Arbeitskreis qu(e)er_einsteigen stellt sich vor und lädt zum Kennenlernen und Mitmachen ein. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten findet ihr hier.


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Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?

20. Mai 2014 von Magda

Als ich 14 Jahre alt war, stand ich das erste Mal auf einer Bühne. Vor Aufregung verknotete ich das ganze Konzert lang meine Hände ineinander; etwas, was ich heute noch tue, wenn ich nervös bin. Neben einem erwachsenen Band­leiter waren wir sechs junge Musikerinnen auf der Bühne, einige von uns lernten erst seit wenigen Monaten ihr Instrument. Mit zitternder Kopf­stimme, einer Handvoll Akkorden und fast experimentell anmutenden Tempo­wechseln rumpelten wir uns durch unser erstes Konzert.

© Totally Stressed, 2009.

© Totally Stressed, 2009.

Das war vor ziemlich genau 13 Jahren. Ich wuchs im Ostteil Berlins auf und verbrachte fortan sehr viel Zeit im Jugendclub Linse, der meiner Band einen Probe­raum und in den Folge­jahren dutzende Auftritts­möglich­keiten zur Verfügung stellte. Rockmusik, Metal, ein bisschen Hip Hop und Punk tönten aus den Proberäumen unserer (meist männlichen) Musiker­kollegen. Ehe wir uns selbst eine Band­beschreibung zulegten, waren wir „die Mädchenband“ und unsere Musikrichtung wurde als „Mädchenrock“ beschrieben. Wenige Jahre später über­nahmen wir diese Zu­schreibungen selbst und nannten unseren Musikstil „Female Art Rock“. In den männlich-dominierten Bereichen, in denen wir einen Groß­teil unserer Jugend verbrachten, lernten wir schnell, dass Geschlecht – vor allen Dingen von jenen, die von einer cis-männlichen Norm abweichen – irgendwie immer eine Rolle spielte, ob wir wollten oder nicht.

„Für eine Mädchenband seid ihr ganz gut“

Eine kleine Aus­wahl an Sprüchen gefällig, die viele Musikerinnen hören?*

  • „Das ist hier kein Kaffeekränzchen“ – der genervte Ton­techniker, weil der Soundcheck mal etwas länger dauert.
  • „Hier musst du dein Kabel reinstecken“ – irgendein Musiker zur Bassistin, die eigentlich genau weiß, wohin sie das Kabel in ihren eigenen Bass-Amp stecken muss.
  • „Oh cool, du bist in einer Band? Singst du?“ – irgendein Musiker, der sein Musiker-Dasein nie hinterfragen muss, aber automatisch annimmt, dass eine Frau singt. Obwohl sie Schlag­zeugerin oder Gitarristin ist.
  • „Warte, ich trage das“ – ein hilfs­bereiter Musiker, der nur Musikerinnen (nicht anderen Musikern) seine Hilfe anbietet und sich vielleicht nicht vorstellen kann, dass wir seit Jahren unsere eigene Technik tragen.
  • „Sorry, aber eigentlich dürfen hier nur Band­mitglieder in den Backstage“ – das letzte Mal habe ich das auf einem Festival vor ungefähr einem Jahr gehört (Hallo, 2013!), auf dem ich mit meiner Band spielte. Ich konnte ja unmöglich Musikerin sein und wurde wohl für einen Fan der Band gehalten.
  • „Für eine Mädchenband seid ihr ganz gut“ – Klassiker. Hundertmal gehört.

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Blau ist eine warme Farbe

23. April 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 78 von 125 der Serie Die Feministische Bibliothek

Eine Begegnung, ein Lächeln – um die Schülerin Clementine ist es geschehen. Doch wer eine kitschige Liebes­geschichte mit flatternden rosa Herzen erwartet, wird von „Blau ist eine warme Farbe“ auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

blau ist eine warme farbe

Die Graphic Novel der französischen Zeichnerin Julie Maroh ist düster und beklemmend. Nur ab und zu sticht das Blau durch die sonst farblich gedeckten Zeichnungen – die blauen Haare von Emma, das blaue Tage­buch von Clementine. Die Kunst­studentin Emma wird zu Clementines großer, einziger Liebe; die Tage­buch­einträge führen durch ihre Geschichte, die rück­blickend erzählt wird. Als Emma am Anfang der Erzählung Clementines Tage­buch in der Hand hält, sind bereits viele Jahre seit der ersten Begegnung ver­gangen und Clementine bereits gestorben.

Das Original „Le Bleu est une couleur chaude“ wurde 2010 ver­öffentlicht und seitdem in elf Sprachen übersetzt. Es ist eine einfühlsame, ehrliche Erzählung über zwei junge Frauen, die ohne beschönigende Schnörkel auskommt: Unsicher­heiten, Verzweiflung, kurze Momente des Glücks, Verletzungen, Erwachsen­werden und Homofeindlichkeit. Im Mittelpunkt steht der Alltag junger Menschen, die jenseits von hetero begehren, inklusive der harten Realität des Verstoßen­werdens von den eigenen Eltern, Mobbing in der Schule. Aber da sind auch die wichtigen Momente des Zusammen­halts, der Freund­schaft.

Ich habe die englisch­sprachige Version des Buches in wenigen Stunden verschlungen. Es ist ein bedrückendes Buch, weil der Tod und der Schmerz so dominieren. Aber es berührt, gerade weil Zuneigung in diesem Buch so komplex, so ehrlich beschrieben wird.

Die Graphic Novel unterscheidet sich im übrigen sehr vom gleich­namigen Film, der im letzten Jahr in Cannes die goldene Palme gewann. Julie Maroh, die in ihrem knapp 160-seitigem Werk nur auf wenigen Seiten explizite sexuelle Handlungen darstellt, kritisiert auf ihrem Blog die heteronormative Ästhetik der wohl an ein hetero-Publikum gerichteten langen und ausgiebigen lesbischen Sex­szenen im Film.


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Inklusion, Alltagsrassismus und diskriminierende Witze – die Blogschau

5. April 2014 von Nadia
Dieser Text ist Teil 244 von 295 der Serie Die Blogschau

Über Inklusion, woran es hapert und was es braucht schrieb in der letzten Woche Raul.

In Berlin gibt es eine neue Partyreihe für alle, die sich als Frauen*, Lesben*, Trans* und Inter* verstehen, die Kommunikation und Sex kombiniert.

Über diskriminierende Witze in linken Kontexten schrieb Can I say No: „Humor ist, wenn man trotzdem nachdenkt„.

Wie Ihr vielleicht schon mitbekommen hat, konnte Akif Pirinçci ungestört im ZDF sein neues Hetzbuch vorstellen. Auch Queer.de berichtete.

Dangerbananas schrieb über Alltagsrassismus, und zwar über den ZDF Neo vs. Stefan Raab-Fail und den Colbert-Report.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Demo in Münster, fette Fotoprojekte und Hetze gegen LGBT – kurz notiert

5. März 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 232 von 340 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Wissenschaft hat mal wieder festgestellt: Gewalt gegen Frauen ist ein endemisches Problem, schreibt die Süddeutsche Zeitung – gerade/auch in Europa, überdurchschnittlich in Deutschland. Leider gehen Berichte über die Studie kaum auf die unterschiedliche Betroffenheit unterschiedlicher Gruppen von Frauen ein.

Homo- und trans*feindliche Demos gibt’s nur in Frankreich und Spanien? Weit gefehlt: In Stuttgart gingen AnhängerInnen der CDU, AfD, katholischen Kirche, NPD und von PI sowie Evangelikale, Russisch-Orthodoxe und Piusbrüder auf die Straße, um gegen alles und jede_n zu hetzen, der_die nicht ihren Vorstellung von hetero und cis entspricht, wie queer.de berichtet.

Eine Gruppe Betroffener von sexualisierter Gewalt in der Kindheit möchte mit anderen Betroffenen diskutieren und sich zusammentun: Gegen sexuelle Gewalt.

Die Überparteiliche Fraueninitiative hat einen Neujahrsempfang gefeiert. Die Festrede von Frau Prof. Dr. Nivedita Prasad zum Thema Gewalt gegen Frauen könnt ihr online nachlesen.

Die Video-Dokumentationen zum No-Humboldt 21!-Kampagnenauftakt ist jetzt online.

Der Verein AfricAvenir International e.V. möchte eine neue Auflage der aufwändig gestalteten und informativen Publikation „50 Jahre Afrikanische Un-Abhängigkeiten – Eine (selbst)kritische BIlanz“ herausgeben. Ihr könnt sie dabei unterstützen und spenden.

AfricAvenir veröffentlichte außerdem folgende Pressemitteilung des internationalen NGO-Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“: „Deutschland muss eine würdige Rückgabe von entführten Gebeinen an Namibia vornehmen und sich für den kolonialen Genozid von 1904-08 entschuldigen. Alle Gebeine kolonisierter Menschen müssen den Nachfahren zurückgegeben werden.“

englischsprachige Links

100 Schwarze lesbische, bisexuelle, queere und/oder Trans*frauen, die du kennen solltest!

Schlank heißt gesund? Das ist Quatsch. Ein Comic stellt das eindrucksvoll dar.

Du möchtest bei einem fett-positiven Fotoprojekt mitmachen? Schick einfach ein Foto an Fat Body Politics.

Lupita Nyong’o hat einen Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Performance in „12 Years a Slave“ gewonnen (Charlott berichtete). Vor wenigen Wochen hielt Nyong’o auf dem 7. Black Women in Hollywood Luncheon eine beeindruckende Rede über Rassismus und Schönheit.

1940 gewann Hattie McDaniel einen Oscar für die beste Nebenrolle als Mammy in „Vom Winde verweht“ – als erste Afro-Amerikanerin überhaupt. Wegen den rassistischen Segregationspolitiken durfte McDaniel nicht mit den anderen weißen Schauspieler_innen an einem Tisch sitzen.

A propos (spärlich gesäte) Oscars für schwarze Schauspielerinnen: Anita Little schreibt beim Ms. Magazine über die unterschiedliche mediale Repräsentation von Lupita Nyong’o und Gabourey Sidibe.

Termine in Berlin, Frankfurt/Main, Küsten (Niedersachsen) und Münster (mehr …)


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Aktivistische Selbstfürsorge und ein Jahr #aufschrei – die Blogschau

25. Januar 2014 von Nadia

Ein Jahr #aufschrei: Nicole blickt zurück und erzählt vom Beginn des Hashtags.

Auf dem Virtual Retreat Center könnt Ihr ein sehr lesenswertes Interview über Selbstfürsorge und Aktivismus lesen.

Im Rahmen der internationalen Julia Engelmann-Woche hat auch Nadine über das „One Day/Reckoning“-Video geschrieben: „Sie wollen uns erzählen“.

Über Homophobie in der Verwandtschaft hat sich identitätskritik Gedanken gemacht.

Dann lief noch die Dokumentation „Henners Welt“ über einen Bürgermeister in Hofgeismar auf der Suche nach einer Millionen-Investition im Fernsehen – die eigentlich eine Männlichkeitsstudie war.

Wer pfeift denn eigentlich so als Schiedsrichter_in beim Fußball? Ninia LaGrande hat sich damit mal beschäftigt: „In der DFB-Schiedsrichterkommission sitzen siebzehn Menschen – davon sechzehn Männer.“

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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