Einträge mit dem Tag ‘HIV’


Familienplanung und Repräsentation von afrikanischen Frauen

11. April 2012 von Helga

Letzte Woche war die Reihe TEDxChange zu Gast in Berlin und ich mit einigen anderen Bloggerinnen (u.a. Milena) eingeladen – unter dem Label „The Big Picture“ ging es neben Nachhaltigkeit vor allem um Frauengesundheit und Familien­planung (anzuschauen hier, auch auf Deutsch, leider ohne Untertitel).

Ein dunkelblaues Plakat mit der Aufschrift BIG PICTURE

Zunächst sprach Jeff Chapin von Ideo über den Design- und Vertriebsprozess für Sanitäranlagen in Entwicklungsländern. Auch wenn viele Leute sehr begeistert waren, ein gewisses „Duh“ oder „ne ernsthaft?“ kann ich mir nicht verkneifen, angesichts der Erkenntnis, dass Produkte nicht immer so verwendet werden, wie Designer_innen es sich gedacht hatten. Wenig Begeisterung weckte auch der Talk von Sven Giegold, Mitglied des EU-Parlaments für die Grünen. Das wichtige Thema „Energiewende“ vermittelte er den Zuhörenden leider nicht im Big Picture, sondern verzettelte sich in kleinteiligen Informationen.

Zwischenapplaus bekam dagegen Theo Sowa (PDF), die derzeit für den African Women’s Development Fund arbeitet und sich für Frauen- und Kinderrechte einsetzt. Sie erzählte von Konferenzen, die sich mit dem Einfluss von HIV und AIDS auf afrikanische Frauen beschäftigen, dabei aber keine afrikanische Frau anhören oder auf ihre Erfahrung zurückgreifen. Schuld daran sei, dass afrikanische Frauen immer noch als Opfer und schwach gesehen werden und niemand Opfern zuhören wolle. Mit Felicia Darkwa, Ida Mukuka und Gisele Yitamben stellte sie dann gleich drei Frauen vor, deren Arbeit viel bewirkt hat und auf die dringend gehört werden müsse.

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Anstieg von Hassverbrechen in den USA

14. September 2011 von Magda

So ziemlich genau vor einem Jahr er­schütterte eine Reihe von Selbstmorden unter Teenagern in den USA die US-amerikanische Gesellschaft. Rund zehn Jungen zwischen 13 und 19 Jahren nahmen sich innerhalb eines Monats das Leben, weil sie massiven homo­phoben Mobbings ausgesetzt waren. Die Kampagne It gets better, die LGBT-Jugend­lichen Mut machen sollte, ver­sprach, dass “alles besser werden würde” (das Pro­jekt selbst erntete neben einer Menge Lob auch Kritik, z.B. von der queeren Theoretikerin Jasbir Puar).

Vor einigen Wochen veröffentlichte die National Coalition of Anti-Violence Programs (NCAVP) nun ihren aktuellen Hate Violence-Report (PDF), in dem Gewalt­ver­brechen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans­gender, Queers (LGBT*Q) und HIV-Infizierte in den USA doku­mentiert und als Hassverbrechen – so genannte hate crimes - sicht­bar gemacht werden. Hate crimes sind (Gewalt-)Ver­brechen an Menschen auf Grund ihrer zu­ge­schriebenen oder selbst­ge­wählten Identität.

Der Report zeigt auf, was viele bereits ver­muteten: Im Ver­gleich zu 2009 wurden 2010 13% mehr Hass­ver­brechen gegen LGBT*Q und HIV-Infizierte gemeldet – insgesamt 2.503 Betroffene. Die Zahl der Morde stieg um 23% von 22 auf 27 an. Von hate crimes betroffen sind über­durch­schnitt­lich oft Trans­gender und People of Color¹, ins­besondere Trans­gender of Color. Die Täter_innen, meist zwischen 19 und 39 Jahre alt, setzen sich zu zwei Dritteln aus Männern und einem Drittel Frauen zusammen – nur eine einzige Tat wurde von einer Trans Person verübt. Zu den am häufigsten aus­geübten Über­griffen ge­hören ver­bale Belästigungen, Dis­kriminierung, Ein­schüchterungen und tät­liche An­griffe (mit und ohne Waffen).

Die NCAVP betont jedoch, dass die Statistiken wohl nicht die Realität ab­bilden: Die genaue An­zahl der Ver­brechen gegen LGBT* und HIV-Infizierte lässt sich kaum er­mitteln. In Gefäng­nissen oder in (ländlichen) Ge­genden, in denen es keine oder schwer erreich­bare Anti-Gewalt Anlauf­stellen gibt, können die Taten auch nicht auf­ge­zeichnet wer­den – und landen somit nicht im Report.

via: an.riss international, “Hate Crimes” (an.schläge.at, 9/11).
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¹ Die Bezeichnung People of Color (PoC) ist eine selbst­be­stimmte Be­zeichnung von und für Menschen, die nicht weiß sind.


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Bravo verherrlicht Vergewaltigungen

26. Juli 2011 von Nadine

Über den Gehalt der Foto-Lovestorys im Jugendmagazin Bravo lässt sich streiten: Geschlechterklischees und Heternormativität sind immer wieder gern gesehene Zugaben für die Redaktion, um die Geschichten der Jugendlichen mit Inhalt zu füllen.

Uns erreichte gestern ein Hinweis auf diese Geschmacklosigkeit in einer Foto-Lovestory namens “Der One-Night-Stand” (Triggerwarnung!): Neben den üb­li­chen langweiligen sexistischen Implikationen (Jungs wollen unter sich sein und Fuß­ball gucken, Mädchen nerven dabei nur – Mädchen wollen lieber kuscheln, sind emotional und engen ihren Partner ein), wird in diesem Fotostrip nicht-kon­sen­sualer Sex dargestellt, ohne diesen zu problematisieren.

Sie betrinkt sich, weil sie sauer auf ihren Partner ist, ein anderer Junge bringt sie nach Hause. Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt. Die Situation wird im Anschluss nicht problematisiert, sondern als “harm­loser” One-Night-Stand und “Fremdgehen” verkauft. Als ob das nicht schon un­er­träg­lich genug wäre, erfährt sie im Anschluss, dass der Junge, der gegen ihr Ein­ver­ständnis und ohne Kondom Geschlechts­verkehr mit ihr hatte, ein HIV-Infizierter ist. Zu den Vergewaltigungs­verharmlosungen, -mythen und Victim Blaming in dieser Foto­serie gesellen sich also auch noch Vorurteile gegen HIV-Erkrankte, die – pathologisiert und sozial isoliert – rücksichtlos Menschen “an­stecken”, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Besonders widerlich in dieser Bravo Foto-Lovestory ist das Gegeneinander-Ausspielen von diskriminierenden Klischees gegenüber Frauen, die vergewaltigt wurden, und HIV-Infizierten. Wer_welche sich beschweren möchte, kann dies beim Presserat tun oder eine Email an die Bravo-Redaktion schreiben.


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Pimmelspende und andere Après-Weihnachtsnummern

28. Dezember 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 11 von 20 der Serie Sex am Morgen

Spiegel Online kommentiert “Lulu – die Nuttenrepublik”, das aktuell an der Berliner Schaubühne gezeigt wird. Das Besondere: Regisseur Volker Lösch holt für seine Neu-Inszenierung von Frank Wedekinds “Lulu” Berliner Sexarbeiterinnen auf die Bühne. “Muschis aller Länder vereinigt Euch”, heißt es dort. Im Januar gibt es weitere Termine.

Der Freitag schenkt uns in der aktuellen Ausgabe eine “Weihnachtsnummer”. Auch online zu lesen als “Sex – eine schöne Bescherung” von Volkmar Sigusch oder “Das Edle der Wichsvorlage” von Michael Angele. Außerdem liest Andrea Rödig Alices Schwarzers “Der kleine Unterschied” als erotischen Roman.

Weil er sich nach eigener Aussage bei einer Oral-Sex-Szene mit dem HIV-Virus infiziert hat, fordert Pornodarsteller Derrick Burts generellen Kondom-Zwang beim Pornodreh, wie jezebel berichtet. Damit greift der 24-jährige Amerikaner indirekt die Adult Industry Medical Healthcare Foundation (AIM) an, die bislang regelmäßige HIV-Testnachweise für ausreichend hält, um beim Dreh auf Kondome zu verzichten.

Auf salon.com berichtet feministing-Autorin Chloe Angyal über ihre Erfahrungen mit chronischen Schmerzen beim Sex und Behandlungsmöglichkeiten. Die lohnen sich, denn wie Angyal ganz richtig sagt: “Sex ist nichts, mit dem du klar kommen musst, es ist etwas, das du genießen solltest”. Nach einer im Oktober veröffentlichten Studie des Center for Sexual Health Promotion der Universität von Indiana leidet jede dritte Frau beim Geschlechtsverkehr unter vaginalen Schmerzen.

Von unserem Leser Frank kommt der Tipp, dass Italiens Regierungspräsident Silvio Berlusconi die Marmorstatue des Kriegsgottes Mars vorm Regierungspalast aufrüsten lässt: mit einem neuen Penis. Denn der alte “war irgendwann einmal verloren gegangen”, wie sueddeutsche.de schreibt. Schön, wenn sich so einfach Ersatz besorgen lässt.

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass die Schweizer UBS Bank ihren Mitarbeiterinnen vorschreibt, welche Unterwäsche sie tragen. Knitterfrei und hautfarben soll sie sein – dem Image der Bank zuliebe. So kann UBS auch mit “untendrunter besonders schön” übersetzt werden. Übrigens eine Idee, die von der britischen Polizei auch schon verbreitet wurde. Die Polizisten sollten bitte unauffällige Unterwäsche unter ihren Uniformen tragen, hieß es via Spiegel Online im August.


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Aktivismus, Bravo, Sex, Kinderbekleidung, schwule Männer, Rabenmütter und Steinigung im Iran

12. August 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 56 von 244 der Serie Kurz notiert

Jessica Valenti schreibt über ein wichtiges Thema: Wie viel ist uns feministischer Aktivismus wert?

Die Jungle World hat eine Analyse zur Darstellung von Homosexualität in der Jugendzeitschrift “Bravo”.

Schwule Männer sind auch heute noch vom Blutspenden ausgeschlossen, weil sie zu einer HIV-Risikogruppe gehören, berichtet Tagesschau.

Auf feministe findet ihr einen ausführlichen und persönlichen Beitrag zum Thema “sluthood” (“Schlampentum”), der mit vielen der gängigen Mythen und Vorurteilen aufräumt.

Auf Heise gibt es einen Bericht zum Thema “Rabenmütter

Eine amerikanische Studie nimmt arbeitenden Müttern von Kleinkindern das schlechte Gewissen: Selbst wenn Kinder schon unter einem Jahr außerhalb betreut werden, gebe es keine nachteiligen Effekte auf die Entwicklung.

Anne Roth macht auf eine Kolumne von Mely Kiyak aufmerksam, die sich in die Situation einer Frau versetzt, die zur Steinigung verurteilt worden ist. Es geht um Sakineh Ashtiani, der im Iran Ehebruch vorgeworfen wird, wofür sie im Mai 2006 erstmalig verurteilt wurde. Eine weltweite Protestkampagne hatte die Hinrichtung im Juli 2010 verhindert. Das Todesurteil wurde jedoch noch nicht aufgehoben – die Petition könnt ihr hier unterschreiben.

Sociological Images freut sich über ein Geschäft, das geschlechtsneutrale Kleidung für Kinder anbietet.


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HIV, Sexarbeit, inhaftierte Schwangere, social media, Verschleierung, Gaza, die Maus, Körper und Punk

22. Juli 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 69 von 244 der Serie Kurz notiert

Kleines Land, großes Problem: DieStandard.at berichtet über die wachsenden Probleme mit AIDS und HIV in El Salvador. Laut der Hilfsorganisation Plan International liegt der Anteil heterosexueller Übertragung inzwischen bei 77 Prozent. Vor allem das fehlende Problembewußtsein verstärke die Krise noch.

Auf altmuslimah berichtet die Fotografin Kate Orne von ihren Recherchen in pakistanischen Bordellen und dem Kampf der Sexarbeiterinnen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Unglaublich: NPR berichtet über inhaftierte Schwangere in den USA, die bei der Geburt hinter Gittern weiterhin gefesselt bleiben.

DieStandard.at hat die europäischen Verschleierungsverbote bzw. Pläne dazu im Überblick.

Im Gaza-Steifen dürfen Frauen künftig in Cafés keine Wasserpfeifen mehr rauchen. Unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes ein weiterer Schritt hin zum konservativen „Gemeinwesen staatlich verordneter Gottesfurcht” fürchtet die Süddeutsche.

Die FAZ porträtiert die Erfinderin der Maus – Isolde Schmitt-Menzel. Obwohl die Maus bereits seit 40 Jahren über unsere Fernsehbildschirme wandert, zunächst als „Maus im Laden” dann in der „Sendung mit der Maus“, wußte das sogar an ihrer ehemaligen Hochschule bis vor kurzem kaum jemand.

DieStandard.at berichtet wie vor 40 Jahren die ersten Frauen in Wien eine Straßenbahn führen durften - unter argwöhnischer Beobachtung ihrer Kollegen.

Social media-Netzwerke werden stärker von Frauen als von Männern genutzt. Warum? Die Antwort von Jessica Fay Carter auf mashable.com lautet: Weil sie vom sozialen und kulturellen Kapital auch stärker profitieren.

Auf TheF-Bomb schreibt Danielle über ihre Erfahrungen als “’Phat’ Girl in a Skinny World“.

Wer nächste Woche Mittwoch in Berlin ist und auf feinsten Grrrl Punk steht, feiert mit AgathaRespect My Fist und Ex Best Friends in der Scharni 38 ab.


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Aus der Unsichtbarkeit: HIV-positive Frauen

21. Juli 2010 von Helga

Auf n-tv.de erschien am Wochenende ein Beitrag über HIV-positive Frauen. In Deutschland liegt ihr Anteil im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrig, bei 18 Prozent. Dennoch halten sich hartnäckig Klischees, nach denen alle Betroffenen schwul oder drogenabhängig seien und man ihnen die Infektion direkt ansähe – zusammen mit zunehmender Kondommüdigkeit ein gefährlicher Mix, der sich im Anstieg der Neuinfektionen der letzten 10 Jahre niederschlug. Trotzdem oder gerade deshalb verheimlichen viele Frauen ihre HIV-Infektion und führen ein Doppelleben:

Um etwas für die Wahrnehmung HIV-positiver Frauen zu tun, erarbeitete Haberl [Ärztin im Frankfurter HIV-Center] mit 14 Patientinnen und einer Fotografin auf einem Workshop eine Ausstellung. Der Titel: “Schön sein Frauenbilder mit HIV”. Die Patientinnen posieren selbst, sie sehen aus wie attraktive Frauen von nebenan. […] HIV ist für die oft allein erziehenden Frauen ein Makel, das Selbstwertgefühl weg, das Virus durchdringt jeden Moment des Alltags.


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