Einträge mit dem Tag ‘Heteronormativität’


Von der Schwierigkeit nicht hetero zu sein und hetero zu kritisieren.

28. Juli 2015 von Nadine

In feministischen Kreisen™ hierzulande tut sich eine Kritik sehr schwer: Die Kritik an Hetero-Praxen, am Performen von Heterosexualität. Zum einen, weil die Kritik sich nicht ausschließlich an das abstrakte Etwas Heteronormativität richtet, sondern auch an _die_ Heten selbst, die mit ihren heterosexuellen Selbstverständlichkeiten rumnerven (z.B. Vergewaltigungswitzchen, ständiger Boyfriend- und Beziehungstalk, #notallheteros, umschweifende Raumeinnahme durch Austausch von Körperflüssigkeiten im öffentlichen Nahverkehr *no pun intended* oder Beengung von Wegen und Sitzplätzen durch Bilden einer symbiotischen Körpereinheit, vehementes Einfordern von Typenprivilegien zuerst für sich selbst und danach für alle anderen, Studieren und Erforschen von LGBT-Lebensrealitäten zur eigenen Belustigung, zum Aufpeppen des eigenen Seins oder zum Geld verdienen).

Kritisiert werden Hetero-Praxen und Performances in der Regel, um darauf aufmerksam zu machen, dass es außer Heten auch noch andere Menschen gibt, die ein Recht darauf haben, ein gutes Leben zu führen ohne das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder Nichtdiskriminierung in den Mülleimer zu werfen und dass dieses gute Leben eben auch davon abhängig ist, wer sich ständig als Normalität inszeniert ohne Rücksicht auf das Umfeld zu nehmen. Überraschenderweise wird von Heten, die Heteronormativität als Problem erkannt haben (und von sich selbst auch manchmal als Heten und nicht als Menschen sprechen können, z.B. weil sie überhaupt erst einmal wissen, dass sie Heten sind), in Fällen der Kritik an Konkretem meistens auf das Abstrakte verweisen: Strukturen. Da gibt es diesen bösen Staat, der macht, dass Schwule und Lesben nicht heiraten und nicht adoptieren dürfen (so eine Ungerechtigkeit!11!!1) und äääh ja Trans* und so diese Leute haben’s auch nicht einfach. Betroffenes Nicken.

Heten und ihr „LGBT*-Aktivismus“

Kritisiert wird von Heten oft nur das, was sie selbst für erstrebenswert erachten und anderen verwehrt wird: Heiraten und Kinder kriegen/großziehen/für sie sorgen/Familie haben, Vorstandsetagensessel, Ruhm. Insofern werden auch eifrig Gay Rights mitpropagiert, wird der Regenbogen gefeiert und manchmal empört getan, dass Lisa B. aus K. auf offener Straße zusammengeschlagen wurde, weil er_sie nicht ins Konzept passt von dem, was als Hetero gilt und damit in den Augen von passenden (im Sinne von: Passing/ durchgehen als…) Heten eine Gefahr darstellt. Wer sich als queere Person einreiht ins schöne Hetero-Leben mit den eigenen politischen Forderungen oder Betroffene_r von „wirklich schlimmer“ Diskriminierung ist, um ungefragt als Abziehbild ins Skandalös-Gutmensch-Hetero-Heftchen geklebt zu werden, hat vielleicht die Chance auf Solidarität. Alle anderen, die von Umverteilung (Geld, Zeit, Kapazitäten, politischen Prioritäten in aktivistischen Kämpfen) reden, naaaah…die müssma net anhörn. die tun wa extra. in dieses LGBT dings rein. und dafür hamm wa keene Zeit, weil wegen Vereinbarkeitsproblematik und so. Lieber noch ein bisschen rumjammern, dass das Thema feministische Mutterschaft immer so untergeht zwischen diesen kinderfeindlichen Queer_Feminist_innen, die alles dominieren. Und deshalb (jetzt erst recht!!!) als weiße, ableisierte, Mittelschichts-Hetera den 239. Blog einer weißen, ableisierten, Mittelschichts-Hetera lesen und verlinken, die von 50/50 (AS IF…) und rosa für Jungs plappert.

Kritik an Heteropraxen und Performances ist allerdings auch wegen einer anderen Sache nicht gern gesehene Gäst_in in hiesigen feministischen Debatten: In dieser Kritik würden auch Menschen mitgemeint werden, die sich nicht als Hetero definieren oder nicht als Hete gelesen werden, auch wenn sie sich so definieren. Damit würde die Hetero-Kritik Sexismus bzw. Bifeindlichkeit und Trans*diskriminierung reproduzieren. Um den Unmut über die Kritik zu äußern, die sich nicht an die eigene Person und die eigene Alltagspraxis zu richten haben darf, werden dann munter lesbenfeindliche, sexistische und derailende Behauptungen in die Diskussionsschale geworfen, die z.B. „Lesben sind Cis-Frauen, die auf Cis-Frauen stehen“, „Lesben hassen Menschen, die mit Männern(Sternchen) schlafen“, „Frauen(Sternchen) vorzuschreiben, wen sie lieben dürfen [AS IF… Anm. von mir], ist frauen(sternchen)feindlich“ oder kurz: „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?“ lauten.

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Suruç, heteronormative Asylpolitk und Zwangsregistrierung für Sexarbeit_innen – kurz verlinkt

22. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 287 von 288 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die ZEIT veröffentlichte den Schlussvortrag der Rechtsanwälte Ernst Freiherr von Münchhausen, Onur Özata und Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler im Strafverfahren gegen Oskar Groening am 14. Juli 2015.

„Auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft kann wohl kaum mehr falsch gemacht werden als damit, Väter in ihrer bisherigen Interpretation ihrer Vaterrolle zu bestärken.“ – Jochen König kritisiert den Familienbericht 2015 für den Berliner Senat.

Im August findet in Helmarshausen das Bundestreffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland statt. Dafür kann auch noch gespendet werden, um Menschen, die wenig Geld haben, die Teilnahme zu ermöglichen.

Seit Montag gibt es eine Online-Meldestelle (deutsch- und englischsprachig) für antisemitische Äußerungen_Angriffe in Berlin. Das Projekt, das unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wird, hat auch zum Ziel, auf Antisemitismus im Alltag aufmerksam zu machen.

„Aggressive für Deutschland“ – das LOTTA-Magazin analysiert den Machtwechsel innerhalb der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

„Frauen, die lange Haare haben und „weiblich“ wirken, wird ihr Lesbischsein häufig nicht geglaubt; genausowenig Frauen, die Kinder haben.“  – in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet LesMigras-Mitarbeiterin Saideh Saadat-Lendle über die Situation lesbischer und schwuler Geflüchteter in Deutschland.

„Die Zwangsregistrierung für Prostituierte gab es zuletzt 1939.“: Bereits im Juni hat die Jungle World ein Interview mit Juanita Henning, Vorsitzende der Organisation Doña Carmen, zum geplanten und perfide betitelten Prostitutiertenschutzgesetz geführt.

Dr. Jamie Pax Abad hat einen Erfahrungsbericht und weitere Informationen zur Vornamensänderung in ausschließlich geschlechtsneutrale Vornamen nach dem Namensänderungsgesetz für Personen, die sich ausserhalb der binären Geschlechterkategorien identifizieren, zusammengestellt (PDF).

Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiss“ ist seit gestern auch in neuester, überarbeiteter Version als E-Book erhältlich.

Englischsprachige Beiträge

Bei einem Bombenanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç wurden am Montag mindestens 32 Aktivist_innen, die einen Hilfseinsatz in Kobane (Syrien) geplant hatten, getötet und über 100 Menschen verletzt. Die New York Times, Neues Deutschland und Publikative.Org berichten über die Geschehnisse und Hintergründe. Trauer- und Protestdemonstrationen wurden derweil in der Türkei massiv von der Polizei angegriffen.

Über die spezifische Rolle weißer Frauen bei der Aufrechterhaltung von Rassismus schreibt der Atlanta Black Star.

„Vier Dinge, die du deinen Kindern genau jetzt zu Rassismus beibringen solltest“: Black Girl Dangerous listet sie auf.

BBC News berichtet über die britische Politikerin Liz Kendall, die sich gegen das Boulevard-Blatt Mail on Sunday wehrt, das sie nach ihrem Gewicht fragte: „Can you imagine the Mail on Sunday asking the weight of the prime minister, George Osborne or any other leading politician?“

Termin in Göttingen

31.07. in Göttingen: SchwarzRund liest im Kabale: Quasi, Schwarzer Frost und Poesie (Facebook-Link).


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Vorbilder, der NSU Untersuchungsausschuss und überall bewertete Körper – Die Blogschau

4. Juli 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 278 von 280 der Serie Die Blogschau

Seit dem 18. Juni bis noch zum 16. Juli ist Ramadan. Hengameh schreibt bei tea-riffic über Erfahrungen mit Fasten, (internalisierter) anti-muslimischen Rassismus und dem Ausloten eigener spiritueller/ religiöser Umgänge.

An diesem Wochenende läuft noch das Finale der aktuellen Fußball-Weltmeister_innenschaft. kein naturtalent hat einige grundlegende Bitten an Fußballkommentator_innen.

Juli ist auch der Internationale Zine Monat. Aus diesem Anlass habe ich beim Heavy Mental Zine Distro über zehn Gründe, warum Zines eine tolle Sache sind, geschrieben.

„Ich kann gut melancholisch. Ich kann gut diese leise Sehnsucht. Manchmal glaube ich, ich BIN diese leise Sehnsucht, sie ist ein wesentlicher Teil von mir.“ – wurzelfrau denkt über das Songschreiben und thematische Zugänge wie Spiritualität oder Auseinandersetzungen mit Heteronormativität nach und teilt dazu gleich noch zwölf ihrer Songs.

Aktuelles von Women in Exile & Friends: An ihrer ersten bundesweiten Flüchtlingsfrauen*Aktionskonferenz nahmen 70 Frauen* teil und außerdem gibt einen kurzen Bericht eines Flüchtlingsfrauen-Workshops in Pankow.

Im aktuellen #Fettcast reden Ragni und Magda über Dicke Schwangerschaft (als lesbischer Single mit PCOS).

Diaspora Reflektionen schreibt über den Hessischen NSU Untersuchungsausschuss, wo sie am 11. Mai der Anhörung des ehemaligen V-Mann Führers beim Verfassungsschutz Andreas Temme beiwohnte. Sie berichtet von dem offenbar geringem Interesse wirklich aufdeckend zu arbeiten und fragt darüberhinaus, wo denn die kritisch begleitenden Stimmen sind.

Mein Körper gehört mir nicht„, heißt ein Spoken Word Beitrag zu Übergriffen auf ihren Körper (und was diese auch mit Verknüpfungen von Rassismus, Sexismus und Dickenfeindlichkeit zu tun haben) von Schwarz Rund, den es auf dem Blog zum Nachlesen und als Video zum Nachschauen gibt.

Bei roleUP! gibt es einen neuen Film. Als Vorbild vorgestellt wird dort die großartige Bloggerin Katrin von Reizende Rundungen.

Eine Petition, die Bundesjugendspiele abzuschaffen, hat ziemlich viele Gemüter erhitzt. Ninia LaGrande schreibt gegen Argumente wie „Wettbewerb gehört beim Sport dazu“ und „Dann können wir auch Mathe abschaffen“ an und erläutert was Bundesjugendspiele oftmals auch mit Körpershaming und Erniedrigung zu tun haben.

Auf Medienelite schreibt Nadine über den Umgang mit Diskriminierung und Identität: „Mir hilft es in solchen Momenten […] mich öfter als Person zu begreifen, die dennoch sehr viele Wahlmöglichkeiten in ihrem Leben hat und mit vielem gar nicht und niemals umgehen muss. Daraus Verantwortung und solidarische Handlungen abzuleiten. Die Perspektive auf mich als „Betroffene, die jederzeit achtsam sein muss“ hin zu anderen, ihren Geschichten, ihren Politiken zu lenken. Ich erlebe das als sehr befreiend, empowernd und liebevoll.“

Unter der Überschrift „Das Paarprivilegien-Projekt: Fast wie richtige Menschen“ denkt der zaunfink darüber nach, was der Fokus auf die Öffnung der Ehe bedeutet, welche Narrative damit gestärkt werden und welche Personen und Thematiken verdrängt werden.

Und ihr wollt selbst gern (mehr) bloggen? Ihr interessiert euch für geekige Themen aus feministischer Perspektive und Feminismus mit geekigem Blick? Femgeeks sucht jedenfalls Nachfolger_innen, die das Blog übernehmen und mit neuem Leben füllen wollen.


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Pitch Perfect 2: A-Ca-müsant, A-Ca-usbaufähig

18. Mai 2015 von accalmie

[Inhaltshinweis: (Milde) Spoiler für Pitch Perfect 2]

Bridesmaids, The Heat, Pitch Perfect (und nun offenbar auch Mad Max) – Hollywood-Blockbuster, in denen Frauen nicht nur die Hauptrollen spielen, sondern auch andere Interessen als die Jagd nach einer heterosexuellen romantischen Zweierbeziehung haben, sind noch immer eher spärlich gesät. Der erste Teil von Pitch Perfect, der sich um die Frauen-A-Capella-Gruppe „Barden Bellas“ dreht, kam 2012 ins Kino und wurde zum unvermuteten Hit. Pitch Perfect 2, der am 15. Mai anlief, setzt letztlich da an, wo der erste Film aufhörte.

Die Barden Bellas haben mittlerweile drei nationale Titel für ihre Sangeskünste gewonnen und stehen wieder auf der Bühne. Fat Amy (dargestellt von Rebel Wilson) hat eine, nun ja, „Wardrobe Malfunction“ bei einem Stunt und zeigt der Welt was passieren kann, wenn man keine Unterwäsche trägt und die Hose reisst. Die Barden Bellas sollen daraufhin aufgelöst werden, es sei denn – und man hinterfragt die Logik hier am besten einfach nicht – sie gewinnen den internationalen A-Capella-Wettbewerb in Kopenhagen und werden Weltmeisterinnen. Wie man sich denken kann, passieren auf dem Weg nach Kopenhagen lustige Dinge, Probleme müssen gelöst und Lieder und Choreographien einstudiert werden, und darüber hinaus stellt sich für jede Barden Bella die Frage, wie es nach dem College-Abschluss weitergehen soll.

Quelle: Wikipedia.

Quelle: Wikipedia.

Während sich das Narrativ im ersten Teil noch stark an der Ent­wick­lung von Beccas (dargestellt von Anna Kendrick) und Jesses Be­zieh­ung orien­tier­te, spielen die ro­man­ti­schen Be­ziehun­gen der Bar­den Bel­las in Pitch Perfect 2 eine er­fri­schend ne­ben­säch­li­che Rol­le. Gezeigt werden vor­nehm­lich die Un­ter­stütz­ung durch Be­­­zieh­­ung­s­­­part­­­­ner und die un­be­darft-über­for­der­ten Ver­­­su­­che Ben­­jis, mit der Barden-Bella-Nach­wuchs­sänger­in Emi­­ly zu flir­­­ten, bis die­­­se selbst die Ini­­­tia­­ti­­­ve er­­­greift. Im Zen­­­trum stehen aber im­­­mer die Be­­­zieh­­ung­en der Bar­­­den Bel­­­las zu­­­einan­­­der und Fra­­­gen der per­­­sön­­­li­­chen (Weiter-)Ent­­wick­­­lung. Den Bechdel-Test besteht Pitch Perfect 2 also wieder mit Leich­tig­keit. Pitch Perfect 2 wurde zudem von Frauen ge­schrie­ben und pro­du­ziert, und Eli­za­beth Banks (die die Kommentatorin Gail spielt) führ­te Regie.

Pitch Perfect 2 ist lustig: Die deutsche A-Capella-Gruppe und größte Barden-Bella-Konkurrenz „Das Sound Machine“ wurde zielsicher mit Youtube-Sternchen Flula Borg besetzt und hart akzentuiert, und auch sonst geben sich einige bekannte Gesichter die Ehre, angefangen von Keegan-Michael Key, John Hodgeman und David Cross über diverse Greenbay Packers-Spieler und Snoop Dogg, hin zu Christina Aguilera, Robin Roberts, Rosie O’Donnell und Rosie Perez. Es beweist sich ebenfalls erneut, dass Witze über Deutschland immer ziehen und dass es amüsant bleibt, Uncoolness liebevoll in Szene zu setzen. Pitch Perfect 2 tut gut daran Fat Amy stärker in den Mittelpunkt zu rücken, und Sexismus und Misogynie werden auch in dieser Fortsetzung persifliert.

Genau hier zeigt sich aber das übliche Problem: Das allein reicht nicht. Bei Think Progress hat Jessica Goldstein schon beschrieben, warum „racism for comic relief“, also der Einsatz von rassistischen Witzen und Klischees, auch in Pitch Perfects Fortsetzung in die Hose ging. Ich hoffte beim Gucken immer wieder, dass diese Witze irgendwann aufgelöst würden – also, dass ein Charakter einen solchen lakonisch kommentiert, dass irgendwann peinlich berührte Stille herrscht in einer Szene oder durch eine Aktion das Gegenteil des Gesagten bewiesen wird. Bei Sexismus-Satire, die Pitch Perfect (beide Teile) ganz gut drauf hat, funktioniert das ja auch. Hier bleibt Flo (dargestellt von Chrissie Fit), die neue Barden Bella aus Guatemala, allerdings ein rassistisches Latina-Klischee, die ausschließlich und allein für komödiantischen Effekt von ihren Fluchterfahrungen erzählen darf. Auch Lilly (dargestellt von Hanna Mae Lee) muss weiterhin die leise, schüchterne, aber heimlich kampferprobte und leicht angsteinflößende asiatisch-amerikanische Barden Bella mimen.  (mehr …)


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Die Definition von Krawall, Trolle verfüttern und Kristen Stewarts neue Kumpeline – kurz verlinkt

30. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 3 von 288 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

queer.de berichtet über eine neue Resolution des Europarats, in der dieser fordert gegen Trans*-Diskriminierung vorzugehen. So sollte beispielsweise die Änderung des Geschlechtseintrags und des Namens in amtlichen Dokumenten ohne den Zwang zu medizinischen Behandlungen oder psychologischen Begutachtungen erfolgen könnnen.

Anlässlich von 200 Verhandlungstagen und fast zwei Jahren im NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, André Eminger, Holger Gerlach und Carsten Schultze vor dem OLG München zieht NSU Watch eine kurze Zwischenbilanz zum Prozess und stellt unter anderem heraus: „Die These vom NSU als isolierter Zelle mit nur einem kleinem Umfeld an Unterstützer/innen ist so nicht haltbar.“

Von der Broschüre „Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit.“ ist die zweite, überarbeite Auflage erschienen. Die Druckvorlage kann kostenfrei per Mail bestellt werden und auf der Seite feministisch-sprachhandeln.org lässt sie sich als PDF herunterladen.

englischsprachige Links

Pajiba nimmt die heterosexistische Beharrlichkeit aufs Korn, mit der Kristen Stewarts aktuelle offensichtliche/vermeintliche Liebesbeziehung von den Medien als „Mädchenfreundschaft“ gelabelt wird.

Ragen Chastain fast auf Dances With Fat noch mal kompakt ein paar Dinge zusammen, die du niemandem schuldest – wie Schönheit, Gesundheit oder Sexiness.

Die siebenjährige Natalie McGriff hat für ihr Comicbuch The Adventures of Moxie Girl, einer Superheldinnengeschichte über ein Schwarzes Mädchen, einen Crowdfundingpreis gewonnen, berichtet Feministing.

Loretta Lynch wurde zur ersten Schwarzen Generalstaatsanwältin der USA ernannt. For Harriet berichtet.

„Do Feed the Trolls—to People Who Will Hold Them Accountable“: Andrea Grimes teilt bei RH Reality Check ihre Erfahrungen mit der Praxis, bei Angriffen, die sie in sozialen Medien erlebt,  Leute aus dem Umfeld des „Trolls“ in die Konversation einzubeziehen.

Medien vermitteln ein ganz bestimmtes Bild von Menschen, die sogenannte Essstörungen haben: schlanke, weiße, wohlhabende Frauen, die wie Models in Magazinen aussehen wollen. Raquel Reichard erklärt, warum das irreführend ist.

Derzeitig wird ein neuer Film für Netflix gedreht: „The Ridiculous Six“. In der letzten Woche verließen eine Reihe von Native American Schauspieler_innen das Set aufgrund der im Film dargestellten rassistischen Stereotype. Racialicious berichtet über den Protest. Außerdem interviewten sie die Aktivistin Megan Red-Shirt Shaw zur #NotYourHollywoodIndian- Kampagne.

Egal wie viele Schwarze Menschen von Polizist_innen getötet werden, die Proteste, die darauf aufmerksam machen, sollen doch bitte ‚friedlich‘ bleiben. Beim Atlantic schreibt Ta-Nehisi Coates über diese Forderung: „When nonviolence begins halfway through the war with the aggressor calling time out, it exposes itself as a ruse. When nonviolence is preached by the representatives of the state, while the state doles out heaps of violence to its citizens, it reveals itself to be a con.“

Elle South Africa interviewt die südafrikanische Performance-Künstlerin Sethembile Msezane über The Public Holiday Series, Post-Apartheid und Frauenkörper.

Termine in Berlin und Linz

2. Mai, Berlin: Far, far away? Podiumsdiskussion zu Kolonialrassismus im Unterricht.

6. Mai, Berlin: Vortrag von Magda Albrecht: “(Mein) Fett ist Politisch” um 16:30 Uhr an der ASH Berlin (Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin), Raum 225.

6. bis 8. Mai, Linz (Österreich): Die Tagung „Kicking Images. Bilderpolitiken/sexualisierte Gewalt/Interventionen“ vereint zum Thema Wissenschaftler_innen, Künstler_innen und Aktivist_innen.

7. Mai, Berlin: „Themenabend zu Intersektionalität“ mit Emilia Roig und der Initiative intersektionale Pädagogik(i-Päd) und 9. Mai: Die dritte Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Widerstandsbewegungen von geflüchtetenFrauen* in Berlin und Deutschland„.


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Tolerante Heten, weißer Terror und das Atomwaffenpotenzial von Trans* – die Blogschau

21. Februar 2015 von Nadine
Dieser Text ist Teil 269 von 280 der Serie Die Blogschau

Conservatory Girl hat einen Tipp für heiße Tage und aufgeriebene Oberschenkelinnenseiten.

„Als dicker/fetter Mensch braucht es viel Kraft und Mut Dickendiskriminierung, Dickenhass, Spott, Hohn und Ausgrenzung zu begegnen. Es braucht mehr Courage damit wir Dicken, das Leben mit Freude genießen können. Aber all dies braucht es nicht weil wir dick oder fett sind“, schreibt Melanie auf dem Blog der Arge Dicke Weiber.

Kulturelle Aneignung und rassistische Stereotype haben auch im Fasching oder Karneval Hochkonjunktur. Ringelmiez gibt eine Argumentationshilfe, warum nicht nur Eltern bei der Kostümwahl für ihre Kinder diskriminierungssensibel agieren sollten.

Der Zaunfink wendet sich an tolerante Heten, die sich zwar stets bemühen, letztlich doch an vielen entscheidenen Stellen scheitern mit ihrer Solidarität.

„Ich möchte Politiker*innen und Medienmacher*innen fragen: Was macht ihr gegen euren Terror, den ihr mit euren unreflektierten Reden und Beiträgen in diese Gesellschaften gesät habt? Wann fangt ihr an uns Rede und Antwort zu stehen?“ – Diaspora Reflektionen mit einem eindringlichen Beitrag über die rassistischen Morde der vergangenen Monate und den Rassismus der weißen Mehrheitsgesellschaft.

Trans* Personen seien wie nukleare Waffen, hatte Papst Franziskus neulich behauptet. Für Pussy Bear Anlass genug für einen Comic.

Hannah C. Rosenblatt schreibt über die Ungleichwertigkeit von Gefühlen, wenn es um die Wahrnehmung und Beschreibung von Gewalterfahrungen geht.

Musikerinnen des Teeny Music Treff
in Berlin haben einen Song geschrieben und ein Video dazu produziert.


Eine Gruppe von Queer_Trans*_Black_People_of_Color
(QTBPOC) plant für Juli 2015 ein dreitägiges Fest von und für QTBPOC und sucht noch Mitstreiter_innen.

Die trans*geniale f_antifa ruft zu einem Inter- und Trans*-Block auf der Demo zum Frauenkampftag in Berlin auf.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ruft zusammen mit der Frauenkampftag – AG sexuelle Selbstbestimmung, Berlin Irish Pro Choice Solidarity und Feminismos 15M Berlin für den 7. März zu einem bundesweiten Vorbereitungs- und Vernetzungstreffen auf. Es geht um die Vorbereitung der Gegenaktionen der christlichen Fundamentalisten und Abtreibungsgegner, die jährlich im September in Berlin aufmarschieren.

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Heterosexualität verstehen like it’s 1998

30. Januar 2015 von Nadine

Ich hab letztens meine alten Tagebücher wiedergefunden und ein bisschen darin herumgeblättert. Manchmal random ein paar Einträge gelesen. Bei einem bin ich länger verweilt. Er ist von 1998. Es war kurz vor meinem 13. Geburtstag.

Ich war noch völlig mit der Vorstellung im Einklang, dass ich ein pubertierendes Mädchen bin, das früher oder später einen Typen toll finden muss. Dass da irgendwie nie welche waren, die mich interessiert hätten – who cares? Dass ich mit den Mädchen in meinem Alter nie wirklich wohl fühlte? Pfff…Schwamm drüber.

Und dann war da dieser Eintrag, der irgendwie alles erklärte, obwohl ich darin überhaupt nicht über mich oder mein Erleben schrieb. Nur über meine Beobachtungen. Ich kann über junge Menschen, die 2015 12 oder 13 Jahre alt sind wenig sagen, aber 1998 war es jedenfalls noch so, dass es in diesem Alter anfing, unangenehm zu werden, was den ganzen Hetenkram anging. Die “Iiiieh Jungs”-Phase neigte sich dem Ende zu, das eigene Aussehen (im Sinne von “Attraktivität”) und das anderer wurde permanent bewertet und zu regulieren versucht. Nicht für sich, sondern in erster Linie für die gleichaltrigen oder älteren Typen und im Treten nach unten mit vermeintlichen “Konkurentinnen” oder “Schwächeren/Uncoolen”. Wer in der basisdemokratischen stillschweigenden Mehrheit mit dem Label “cool” getackert wurde, galt als begehrenswert. Dieses “cool” orientierte sich zu “meiner Zeit” (hach…) an klassischen heterosexuellen und zweigegenderten Stereotypen. Slutshaming ging los und Femininitätsfeindlichkeit war genauso am Start wie Homophobie und sexistische Sprüche für diejenigen, die zwei-Gender-Normen durch ihre Performances verließen.

Zwar schrieben mir meine damaligen Mitschüler vier Jahre später nach dem Ende der 10. Klasse hauptsächlich die Kommentare “du siehst gut aus” und “du bist witzig” (LOL) auf mein Abschiedsplakat (jede_r musste bei jeder_m was auf’s Plakat schreiben), doch hatte ich bis dahin nur lächerliche kurzweilige Nicht_Beziehungen mit Jungs, die super unangenehm für beide waren und in die wir halt so reingequatscht wurden, damit der Schulhof-Gossip bei Laune bleibt.

Heterosexualität hat mir meine Beziehungen zu Typen schon frühzeitig versaut, muss ich zugeben. Bis dahin waren sie meine liebsten Spielgefährten, weil sie sich öfter für Dinge interessierten, die mich interessierten, weil ich als “Mädchen”, die auf “Jungskram” steht, anerkannt wurde und weil dieses zweigenderwerdenaneinandergekettet-fuckup einfach auch mal Welten trennt, die eigentlich locker miteinander ko- und in sich oder ganz anders existieren könnten. Als es zusehends um Sexualität und Begehren über ein nicht-sexualisiertes_romantisiertes Hingezogenfühlen hinausging, wurde es eigentlich unmöglich die zuvor lockeren und kumpeligen Beziehungen zu Typen aufrecht zu erhalten.

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Dickes_Fettes Empowerment, Nice-Guy-Seximus und Asylpolitik – kurz verlinkt

14. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 266 von 288 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Magda spricht im Interview mit Raum für Notizen (ALEX Berlin) über Dickenfeindlichkeit, Queer_Feminismus und das Musikmachen.

Wenn rechtspopulistische Kreise gewinnen: Zu den Debatten um Sexualpädagogik und Antidiskriminierung“ schreibt Heinz-Jürgen Voß auf Das Ende des Sex.

kritisch-lesen.de hat ein Interview mit der Wissenschaftlerin und Aktivistin Silvia Federici übersetzt und veröffentlicht. Es geht um Care-Arbeit und ihren Stellenwert in emanzipatorischen Debatten.

Und noch ein tolles Interview: Christine Stonat von Weird hat mit Künstler_in Yori Gagarim über seine_ihre Arbeit gesprochen.

Interview Nr. 4 in der heutigen Linksammlung: ein kurzes Gespräch mit Undine de Rivière, Pressesprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen, hat Anne Hünninghaus für pressesprecher.com geführt.

Fußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus ist vergangene Woche zur Weltschiedsrichterin gewählt worden, berichtet die HAZ. Herzlichen Glückwunsch!

Das Migazin erläutert, welchen Einfluss die angestrebten Staatsverträge mit muslimischen Religionsgesmeinschaften in Berlin und Niedersachsen auf das Kopftuchverbot für Lehrerinnen haben könnten.

Der rbb berichtet: Hunderte Geflüchtete protestierten jahrelang in Berlin gegen die deutsche Asylpolitik – auf dem Oranienplatz und in einer besetzten Schule. Im vergangenen Jahr sagte der Senat ihnen eine umfassende Prüfung ihrer Einzelfälle zu. Das vorläufige Ergebnis: Nur drei der Geflüchteten erhalten Bleiberecht. (Siehe dazu auch unser Dossier Asyl, Flucht und Protest.)

„Charlie Sein oder Nichtsein?“ – die Süddeutsche Zeitung trägt Stimmen zusammen.

Englischsprachige Links

Ein sehr beeindruckender Poetry Slam von drei Teenagern, die in 3,5 Minuten (fast) alle Themen auf den Tisch packen: Armut, Rassismus, Ausbeutung, Homofeindlichkeit und (sexualisierte) Gewalt.

Vom 15. bis 21. Juni findet das ShanghaiPRIDE Film Festival statt. Beiträge können eingereicht werden!

Michael Tedder schreibt bei Pitchfork über „Nice Guy“-Sexismus im (Alternative/Indie)Rock – propagiert auch von dem extrem erfolgreichen Popmusiker Ed Sheeran.

Unterschiede in medialen Berichterstattungen zu den Anschlägen in Paris und den Anschlägen in Nigeria kommentiert Matt Schiavenza bei The Atlantic.

Termine in Berlin und Frankfurt am Main

15.01. in Berlin: „„…dass Frauen da nicht viel zu sagen haben und eigentlich an den Kochtopf gehören.“ – Geschlechterstereotype im Blick auf das Netzwerk des NSU“: NSU-Watch lädt ein zu einer Diskussionsveranstaltung im Projektraum/Hermannstr. 48 (Facebook-Link).

17.01. in Berlin: „Oury Jalloh – Oranienplatz – Ohlauer Strasse. The Impact of European Refugee Policy in Europe„. Anlässlich des zehnjährigen Jahrestages des Todes von Oury Jalloh findet eine szenische Lesung von The Most Unsatisfied Town von Amy Evans und eine Podiumsdiskussion statt.

22.01. in Berlin: Lesung der senegalesischen Schriftstellerin Ken Bugul. (FB-Link)

30.01. in Frankfurt: Storytelling Salon – Vier Geschichten über „Bewegung“: Eine Auftaktveranstaltung zum dritten Black History Month in Frankfurt.


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Wie mein Kind ein Junge wurde – Teil 2

6. Januar 2015 von Melanie
Dieser Text ist Teil 44 von 44 der Serie Muttiblog

Minime ist inzwischen dreieinhalb. Vor gut einem Jahr beschrieb ich meine Beobachtungen, wie aus ihm ein Junge gemacht wird: Durch Interpretation seines Verhaltens, Auswahl seiner Geschenke und Anziehsachen und so weiter. Inzwischen ist Minime ein kleiner Mensch, der durchaus selber kommunizieren kann und ich sehe plötzlich, dass es nicht nur „Erwartungen“ sind, die an ihn heran getragen werden, ich sehe oft deutlich, wie seine Bedürfnisse und Wünsche ignoriert werden, wenn sie nicht den geschlechtsspezifischen Anforderungen entsprechen. Oft tut es mir richtig weh, wenn ich sehe, wie er versucht, einen Wunsch oder ein Bedürfnis zu formulieren und dieses ignoriert, übergangen oder lächerlich gemacht wird. Ein paar konkrete Beispiele:

Im Schuhladen. Winterschuhe stehen auf dem Einkaufszettel. Wir sind in einem kleinen Laden für Kinderschuhe. Minime hat wenig Interesse, die Schuhe anzuprobieren, ihm gefallen scheinbar die tristen (Jungs!)Farben nicht. Neben ihm sitzt ein ca. 8 Jahre altes Mädchen und probiert Turnschläppchen an, wie wir (Mädchen) sie früher im Turnunterricht trugen. Mit Glitzer! Minime war fasziniert. „Ich will auch Glitzerschuhe!“ Ich merke sofort: Ich komm aus diesem Laden nicht raus und kriege ihn auch nicht dazu, was anderes anzuprobieren, bevor er solche Schuhe hat. Ich wende mich also an die Verkäuferin. Ihr Gesichtsausdruck überrascht mich: Sie wirkt peinlich berührt und versucht Minime zu überreden: „Aber probier doch hier mal die Schuhe, die sind besonders cool!“ Wie vermutet interessiert sich Minime grade nur noch für diese Glitzerschuhe. Ich sage „Ist schon ok, haben sie welche in seiner Größe?“ Jetzt kann ich den Gesichtsausdruck der Verkäuferin nicht mehr deuten. Glaubt sie, ich mein das nicht ernst? Ist sie verwirrt, schockiert? Sie versucht noch ein schwaches, an Minime gerichtetes „Komm, ich zeig Dir noch kurz…“ aber Minime steht schon wie versteinert vor dem Mädchen, dass die Glitzerschuhe anhat. Mit wunderschönen Glitzerschuhen verlassen wir doch noch den Laden.

Beim Kinderschminken. Minime möchte ein Schmetterling werden. Das sagt er, laut und deutlich. Der junge Mann, bei dem er sich zum Schminken anstellt, schaut – ja wie. Verdutzt? „Hier guck mal, möchtest Du ein Pirat sein?“ (Er deutet auf seine Vorlage). „Nein, ein Schmetterling!“ „Oder hier, hier habe ich einen Bären!“ Jetzt ist Minime überfordert. Er schaut wirklich so, als wenn er sich fragte, warum sein Gegenüber ihn nicht versteht. Ich werfe also ein: „Er möchte ein Schmetterling sein“ – Vielleicht braucht der junge Mann diese Legitimation meinerseits, aber endlich fängt er an, aus Minime einen Schmetterling zu machen.

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Nikolaus waren wir bei Freunden zu einer Nikolausfeier. Die Eltern brachten kleine Geschenke mit, die in einen großen Beutel gesteckt wurden, die der „Nikolaus“ später verteilen sollte. Für Minime hatte ich ein Buch. Die Mädchen in der Runde bekamen fast ausnahmslos Feen und Pferde aus der Playmobil-Serie. Minime war hin-und-weg. Sein Buch fand er zwar auch toll, aber erst mal wollte er mit Feen und Pferden spielen. Es war gar nicht leicht, jemanden zu finden, der bereit ist, ihm Weihnachten eine kleine Fee mit Pferd zu schenken (wir hatten unsere Geschenke schon zusammen, sonst hätte ich es einfach selber gemacht).

Im Kindergarten. Ich hole Minime ab. Die Erzieherin und die Kita-Leiterin stehen neben uns und unterhalten sich über die kaputte Telefonanlage und wie sie weiter verfahren werden. Die Erzieherin sagt, sie würde noch einmal probieren, den Stecker rauszuziehen und wieder rein zu tun, ansonsten würde sie den Techniker anrufen. Die Kita-Leiterin dreht sich lachend um und ruft: „Ja ja, Frauen und Technik!“ Minime starrt ihr hinterher.

Die Liste ließe sich endlos weiter führen. Minime hat inzwischen ein Gespür dafür entwickelt, was „Mädchen“ und „Jungen“ dürfen. Er scheint zu verstehen, dass bestimmte Sachen und Verhaltensweisen für Mädchen ODER Jungen sind. Dann sagt er zum Beispiel: „Mama, ich bin jetzt ein Mädchen“, wenn er Haarspangen möchte. Und ich weiß nicht, ob ich ihm sagen soll, dass er einfach ein Junge ist, der Haarspangen trägt, oder ihm die Option „ich bin ein Mädchen“ einfach lasse. Am liebsten wäre mir, dass das überhaupt kein Thema sein müsste.

 


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Gesucht: Genießbare Abendunterhaltung

18. Dezember 2014 von Naekubi
Dieser Text ist Teil 4 von 7 der Serie Die Emanzipation der Banane

Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.

Das Thema „gute Unterhaltung“ lässt mich nicht los. Jetzt, wo es wieder kalt und dunkel ist, bewege ich mich noch weniger aus dem Haus. Stattdessen sitze ich abends zu Hause, eingemummelt in Decken, und stopfe mich voll. Nicht nur mit Keksen, Lebkuchen oder Plätzchen, sondern mit Medien. Bücher, Serien, Filme. Blöd nur: Es schmeckt mir nicht mehr so wie früher. Filme und Serien, die ich früher bedenkenlos zu mir nahm, finde ich heute eklig und bisweilen ungenießbar. Sind die Medien schlechter geworden? Das denke ich nicht. Aber meine Perspektive hat sich verändert – ich bin älter geworden, was mit gewissen Begleiterscheinungen einher geht: Zum Beispiel, dass ich nicht mehr alles unkommentiert konsumiere, was mir vorgesetzt wird.

Früher, ja früher, da war das anders. Als ich jünger war, störte es mich nicht, wenn alte Klischees aufgewärmt und billige Tropoi verwendet wurden. Etwa wenn bei den Schlümpfen oder anderen Zeichentrickserien im Stammensemble genau eine Frau oder ein Mädchen war. AsiatInnen kamen nur als böse Ninjas vor oder als BesitzerInnen von China-Restaurants. Damals machte mir nichts aus, es war schließlich immer schon so gewesen, das war der Normalzustand. Gleichzeitig fiel es mir nicht einmal auf, wenn ausnahmsweise doch ein Mädchen Protagonistin war, wie bei „Clarissa“. Hauptsache, die Serie war unterhaltsam und bunt. Als Kind und Jugendliche ist man noch leicht zu beeindrucken. Konsumieren bedeutet schließlich, alles zu schlucken – was ich sehr zuverlässig und bereitwillig tat.

Mit dem Alter verfeinert sich der Gaumen und man lässt sich von künstlich aufgebauschten Produkten voller Farbstoffe und billiger Zutaten nicht mehr beeindrucken. Und es wird einfach umso deutlicher, wie langweilig, formelhaft und mies die Rezeptur vieler Medien ist. Nehmen wir zum Beispiel Firefly – eine zum Bedauern vieler Geeks kurzlebige Science-Fiction-Serie von Joss Whedon, die in einem amerikanisch-chinesischen Universum in der Zukunft spielt. Damals fand ich die Serie gut und unterhaltsam. Heute, beim nochmaligen Besehen frage ich mich, wie um alles in der Welt es mir nicht auffallen konnte, dass es für ein amerikanisch-chinesisches Zeitalter kaum chinesisch oder asiatisch aussehende ProtagonistInnen und StatistInnen gab. Chinesisch ist reduziert auf Flüche, die die ziemlich weiße Crew hin und wieder äußert. Oder Sherlock: So sehr ich die BBC-Serie schätze, so bescheuert fand ich den Teil „The Blind Banker“, wo wieder mal die olle asiatische Drachenlady als Bösewichtin und eine zarte Lotusblume als Köder herhalten mussten. Gähn.

Die Kekse von früher schmecken nicht mehr so wie damals, weil sie nicht so gut waren wie ich immer gedacht hatte. Und nicht nur mir geht es so: Erst letztens unterhielt ich mich mit meinem Schwesterherz über genau dieses Thema. Wir stellten fest, dass uns unsere Freizeitbeschäftigung durch Sexismus vermiest wurde. Was ich bei Serien und Filmen erlebte, sah sie bei Manga und Anime. Seit Jahrzehnten wird sie mit denselben stereotypen Frauenfiguren genervt, zuletzt von einem Anime über Fahrradfans namens Yowamushi Pedal: „Ich hab mich auch gefragt, wieso es in diesem Road Racing Club keine Mädchen gibt… und wieso das einzige Mädchen, das totale Fahrradenthusiastin ist, NICHT SELBST FÄHRT!!!“ Auch in Manga und Anime sind Frauen gerade in gemischten Ensembles häufig nur Dekoration, das „Token-Mädchen“ oder Love Interest. Selbst ein großer Cast von weiblichen Figuren bringt nicht viel, wenn es sich um einen Harem-Anime handelt – wenn also alle Frauen hinter dem einzigen Kerl her sind. Großartig. Die guten Angebote muss man daher mit der Lupe suchen, und selbst dann ist nicht alles perfekt. Ich greife nach jedem Strohhalm, wenn es um Unterhaltung geht.

Da wäre zum Beispiel die Serie Selfie mit John Cho und Karen Gillan, die ich trotz des fürchterlichen Titels unterhaltsam finde. Gillan spielt Eliza Dooley, eine (scheinbar) oberflächliche, Social-Media-abhängige junge Frau, die von Marketing-Guru Henry Higgs (Cho) bessere Manieren lernen und ein neues, besseres Image erhalten soll. Das klingt erst einmal nach „älterer Mann bringt dummer junger Frau etwas bei“, doch das legt sich sehr bald. Die beiden werden als vielschichtige Personen in einer Freundschaft gezeigt. Ich mag John Cho als „romantic interest“ in dieser romantischen Komödie, denn wo gab es das das letzte Mal? Eben. Bezeichnenderweise wurde die Serie nach einer Staffel abgesetzt und die Chancen stehen schlecht, dass sie von einer Online-Plattform gerettet werden könnte. Boo-fucking-hoo. Zumindest die verbleibenden Folgen werden online veröffentlicht.

Eine andere Serie, die ich persönlich gut gemacht und unterhaltsam finde, ist Black-ish – sie versucht, die Schwarze Familien-Sitcom wiederzubeleben. Doch anders als die früheren Formate widmet sich die Serie dezidiert Fragen und Lebenswirklichkeiten von Afro-AmerikanerInnen, ohne dass man sich als Nichtangehörige/r ausgeschlossen fühlt oder keinen Zugang erhält. Die MacherInnen im Hintergrund treffen den Ton meistens sehr gut, die Witze haben ein gutes Tempo und Niveau erreicht, was auch an der hervorragenden Auswahl der KinderdarstellerInnen liegt. Diese Serie scheint auch von der Quote her ein großer Erfolg zu sein und ich hoffe auf weitere Folgen, schließlich ist der Winter noch lang.

Das sind derzeit genau zwei für mich genießbare Serien von einem Buffet an Medienangeboten aus dem Jahr 2014, das anscheinend nur aus altem Weißbrot von vorvorgestern besteht. Was mich dabei auf die Palme bringt, ist die offensichtliche Faulheit und Ideenlosigkeit der sogenannten Kreativen. Ich habe es satt, wenn Kreative schlicht und ergreifend zu den immer selben Rezepten greifen. Niemand muss das Rad neu erfinden, aber ein wenig Mühe geben erwarte ich schon. Es braucht nicht die x-te Story von dem weißen, männlichen, heterosexuellen Helden, der die Welt rettet und am Ende das Mädchen kriegt.

Ich wünsche euch allen deshalb ein inklusiveres Jahr 2015, in dem es mehr Charaktere mit unterschiedlichsten Lebenswelten auf den Bildschirm schaffen und weniger von den ollen Kamellen.


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