Einträge mit dem Tag ‘Heteronormativität’


Netflix und Mentos: Euer Sexismus Ist Weder “Anders” Noch “Fresh”

16. September 2014 von accalmie

Nicht selten überschlagen sich sexistische Werbe-“Ereignisse” in ihrer Abfolge und Unappetitlichkeit, und auch Netflix und Mentos haben in den letzten Tagen eine solche Situation kreiert. In beiden Kampagnen zeigt sich die sexuelle Objektifizierung von Frauen; der Mentos-Kampagne liegt gar die Normalisierung und Bagatellisierung von sexueller Belästigung und sexualisierten Übergriffen zugrunde (und auch sehr am Herzen).

Netflix – “immer anders” für weiße, heterosexuelle Männer mit Objektifizierungsfimmel

Netflix, ein Online-Portal, in dem man nach Belieben Filme und Serien auf Abruf anschauen kann und das eigene Serien produziert (zum Beispiel “House of Cards” und “Orange is the New Black“), ist ab diesem Monat auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar. Dazu hat Netflix eine Werbekampagne gestartet, in der unter anderem die Frage beantwortet werden soll, ob im deutschsprachigen Raum die gleichen Inhalte verfügbar seien wie  in den USA. Netflix entschied sich gestern dafür, dies mit einem Bild zu thematisieren. Nach ersten Protesten hat NetflixDE dann abends den Tweet kommentarlos gelöscht, aber jenes Schmankerl an Kund_innenservice kann man niemandem vorenthalten:

NetflixDE on Twitter- -Kriegt man hier die gleichen Inhalte, wie in den USA- http---t.co-yec8oqlAQG- 2014-09-15 12-33-15

Netflix verspricht also Vielfältigkeit für “jeden”. “Jeder” ist für Netflix, klassisch androzentristisch, ein weißer Mann. Dieser vergnügt sich mit sieben nackten Frauen in einem Hot Tub/Whirl Pool. Zwei von diesen Frauen sind blond, zwei schwarzhaarig, eine brünett, eine rothaarig, und eine Schwarze Frau hat einen Afro – sieben Frauen also, eine für jeden Tag der Woche, damit auch genügend Abwechslung im Spiel ist, es “immer anders” bleibt.

Netflix illustriert, wie für jeden “Geschmack” heterosexueller weißer Männer “was” dabei ist: Dieses Etwas sind ihm zur Verfügung stehende Frauen. Netflix’ macht deutlich, wer die Zielgruppe ist: weiße heterosexuelle dudebros, die sich für den Wäre-So-Gern-James-Bond-Verschnitt Sterling Archer der gleichnamigen Comic-Serie halten und Frauen nicht als Menschen, sondern als Objekte begreifen, welche lediglich der eigenen Unterhaltung und (auch) sexuellen Befriedigung dienen. Die kleine Ironie dabei: Selbst “Archer” hat vielschichtigere Darstellungen von Geschlechterbeziehungen und Sex (wie zum Beispiel hier, hier und hier diskutiert wird), als Netflix es für eigene Zwecke präsentiert. Immerhin lernt man schnell durch Netflix’ Werbung: für viele soll schlicht nichts dabei sein, sie werden von Netflix nicht als Subjekte verstanden. Das Abo kann man sich also sparen.

Mentos – verhilft zu frischem Atem bei sexualisierten Übergriffen

Ähnlich verhält es sich bei Mentos: Hier haben sich Marketing-Menschen eine Gewinnspiel-Kampagne ausgedacht, die man schlicht als ekelhaft bezeichnen kann. Das “Spiel” heißt “Boobies Trap”  (nach einem englischen Begriff für BH und zugleich eine verblüffend subtile Andeutung der tatsächlichen “Möpse-Falle”, in die man hineintappt in diesem “Spiel”) und – man konnte es erahnen… – dreht sich darum, Frauen in den Ausschnitt zu gucken, ohne dabei erwischt zu werden. Mentos findet, “manchmal” müsse man eben “einen Blick riskieren,” und Mentos helfe dabei einen “kühlen Kopf” zu bewahren bei der sexistischen Pirsch.

Mentos - Timeline Photos - Facebook 2014-09-15 22-20-18

Mentos’ “Spiel”-Regeln sind folgende:

  • “Du musst der hübsche Brünetten ins Dekolleté schauen, um zu punkten.”
  • “Sobald die Brünette aufblickt, musst du schnell zur Seite blicken, damit sie dich nicht erwischt.”
  • “Wenn sie dich doch erwischt, ist das Spiel beendet.”

Wer am meisten und längsten in den Ausschnitt guckt, gewinnt. Als Hilfsmittel kann man eine Sonnenbrille benutzen, und sogar Fotos darf man machen – aber bitte nicht beim Fotografieren der Brüste erwischen lassen, sonst “wird die Brünette sehr schnell auf dich aufmerksam” und macht – ganz die feministische Spassbremese – das Spiel kaputt (denn es ist ja alles nur ein Spiel für Mentos – genauso, wie ZDF Neo Paradise 2012 mit sexueller Übergriffigkeit “gespielt” hat). “Die heiße Brünette”, in deren Gegenwart man(n) “fresh” zu bleiben versucht dank Mentos, verdient natürlich noch nicht einmal einen Namen. Auch sie ist keine Person, sondern ein Objekt (wie in der Netflix-Werbung), das der Unterhaltung und Befriedigung eines heterosexuellen male gaze dient.

Mentos hebt die Widerlichkeit also auf eine weitere Ebene: die sexuelle Belästigung jener Frau ist das “Spiel”, und Mentos Mints der “Spiel”-Gehilfe, so dass bei der Übergriffigkeit auch “frisch” geblieben werden kann. Mentos normalisiert und bagatellisiert damit nicht-konsensuales, sexualisiertes Beglotzen, Belästigen, Fotografieren von Frauen. Mentos veranstaltet einen Wettbewerb, wer’s am besten kann, und auch hier ist die Zielgruppe klar: heterosexuelle dudebros. Mentos wirbt mit und für (und das so offen wie wenige andere Marken) die Objektifizierung von Frauen und das Gutheißen sexueller Belästigung – kurz gesagt: für zwei Aspekte, die rape culture mit ausmachen.

Der Ausgangspunkt jener und der Ausgangspunkt sowohl der Netflix’ als auch der Mentos’ Kampagnen ist der gleiche: Frauen werden nicht als Subjekte, sondern als Objekte verstanden – dann klappt’s auch gleich viel besser mit der Degradierung. Doch sind beide Kampagnen schlicht einfallslos und reaktionär, wie (Hetero-)Sexismus eben einfallslos und reaktionär ist. “Anders” oder “fresh” ist hier gar nichts, Netflix und Mentos.

Wer Fragen oder Kommentare zu Netflix’ oder Mentos’ Kampagnen hat, kann diese bei Twitter (@NetFlixDE und @MentosUS), auf Mentos’ Facebook-Seite und per E-Mail hinterlassen. Mentos gehört zur Firma Perfetti Van Melle – hier findet man deren weitere Produkte zum Nicht-Kauf.


Facebook | |


Nur ein Wort

31. Juli 2014 von accalmie

Da muss man doch drüber stehen. Nein, wirklich, es ist doch nur ein Wort. Es ist doch gar nicht so gemeint, und damals (TM) war es ganz normal, Menschen so bezeichnen – da hat sich niemand etwas dabei gedacht. Sag es einfach mal ganz oft hintereinander, dann wirst du sehen, wie dieser Ausdruck an Bedeutung verliert. Man kann auch echt überreagieren. Das muss man im historischen Kontext sehen. Auch Kinderliteratur ist Literatur. Irgendwas mit Zensur und Political-Correctness-Terror. Diese Fokussierung auf Sprache und Kultur verschleiert das eigentlich Wichtige in der Debatte. Immer diese Emotionalität dieser Minderheiten. Man kann sich auch über alles aufregen. Wenn das das geringste Problem ist, dann ist doch eigentlich alles gut. Ich habe das als Kind auch gesagt/gelesen, und bin trotzdem kein_e Rassist_in geworden. Mein_e Freund_in X ist auch Y und findet Z trotzdem OK. Es ist doch nur ein Wort.

So, wie du “Hete” sagst, klingt das total abwertend. “Hetero” ist ein Schimpfwort bei dir. So wird das nichts mit der Gleichberechtigung. Wir sind doch alle Menschen, warum müssen wir das dann so herausstellen mit diesem Wort? “Kartoffeln” ist aber ein pejorativer Terminus. Ich bin auch gegen Nationalismus, aber ich finde es unfreundlich, wenn weiße Deutsche als “Kartoffeln” bezeichnet werden. Das schert auch alle über den gleichen Kamm. OK, Diskriminierung wird durch solche Bezeichnungen nicht vorgenommen, weil das Machtgefälle anders ausfällt – aber es muss trotzdem nicht sein. Lächle mal mehr dabei, wenn du schon “Hete” sagen willst. Ich sehe schon, du magst ohne Provokationen nicht auskommen – na dann, viel Spaß weiterhin mit diesem Aktivismus der Randgruppen. Mein_e Freund_in X ist auch Y und findet Z trotzdem nicht OK. Unterlasse dieses Wort.

5271625268_2ae0f4b880_m

© drinks machine: alphabet street

Die De­bat­ten ver­lau­fen er­müdend ähn­lich. Sei es Ras­sis­mus in Kin­der­bü­chern, Hetero­­norma­­tivi­­tät, die den All­tag durch­dringt oder Nationa­lis­mus und “Schland” – ver­meint­liche “Min­der­hei­ten” be­reits sprach­lich als abweichend zu markieren ist eine akzepta­ble Pra­xis; der Wi­der­stand da­ge­gen ist lächer­lich. Sprach­­li­che Mar­­kier­­ungen des “An­deren” sind zu­­läs­sig – sie sind ja auch nicht bö­se ge­­meint. Wenn “das Andere” aber die Nor­­ma­­li­­tät der ver­­meint­­li­­chen Mehr­­heit in Fra­­ge stellt und deren un­­be­­nan­­nte Iden­ti­­tä­ten (und jenen zu­­grun­­de lie­­gen­­de Macht­ver­­hält­­nis­­se) be­­nen­nt: Ze­ter und Mor­­dio! Dann ist ein Wort auf ei­n­mal nicht mehr nur ein Wort, son­­dern ei­ne Be­­lei­­di­­gung, gar eine Agen­­da. Dann sind auf einmal die Ge­füh­le der Be­trof­fenen nicht mehr nur Ge­jammer, son­dern ein legi­ti­mer Ein­wand. Dann ist sich die un­be­nan­nte, selbst­stili­sier­te Uni­ver­sali­tät ihrer unmarkierten Selbstverständlichkeit selbst gar nicht mehr so sicher und re-etabliert sich besonders laut. Und dann ist es sogar egal, dass Diskriminierung kein individueller Akt jenseits gesellschaftlicher Strukturen und Machtgefälle ist – die persönlichen Befindlichkeiten derjenigen, die es nicht ertragen können, nur ein einziges Mal nicht in einer als Mehrheit stilisierten Gruppe unidentifiziert zu leben, haben Vorrang vor jedweder Analyse. Da kommt er, der Diskriminierungsneid: eine Mischung aus Aufmerksamkeitsgeheische und der Unfähigkeit es nur einmal aushalten zu können, sich in irgendeiner community aussen vor wähnen zu müssen – ein Zustand, den von Rassismus, Sexismus, Heterosexismus und anderen Diskriminierungsformen Betroffene zwangsweise leben. Selbst in die Reaktionen auf und Kompensationen für systematische Diskriminierung muss man sich hineindrängen, alles andere wäre ja Diskriminierung. Wir sind doch alle Menschen. Der gute Wille zählt.

Was in den Debatten um vermeintlich einfache, unbedeutende Worte tatsächlich “zum Ausdruck” kommt, sind strukturelle Machtverhältnisse, die sich in die tiefsten, persönlichen Ebenen verzweigen. Die mentale Gymnastik, die kognitive Dissonanz, die zur Schau gestellt werden, wenn einerseits zum Beispiel N* als “nur ein Wort” verteidigt oder abgetan wird, und gleichzeitig Wut und Ungläubigkeit herrscht, tatsächlich als “Hete” bezeichnet zu werden in Debatten um Heterosexismus und Heteronormativität, ist das Anschauungsmaterial für jene. Das Wort gehört zum Machtverhältnis. Es ist nicht der einzige, aber ein bedeutsamer Teil dessen. Das Wort spiegelt das Machtverhältnis wider. Das Wort reproduziert das Machtverhältnis. Und die Empörung, nicht als “Kartoffel” oder “Hete” bezeichnet werden zu wollen – und zwar von niemandem, nirgendwo, niemals – illustriert, um wen (und was) es in solchen Auseinandersetzungen wirklich geht.


Facebook | |


Ohlauer, Nazi-Aufkleber und #AskThicke auf Twitter – kurz verlinkt

2. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 240 von 246 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Wie Ihr die Ohlauer-Aktionen unterstützen könnt, hat @Ohlauerinfo veröffentlicht: Spenden, Freiwillige für die Schichten am Infopoint etc. – Eure Hilfe wird jeden Tag (und jede Nacht) gebraucht.

Die Geschichte der Dortmunder Wahlparty im Rathaus, die von Rechtsextremen gestürmt werden wollte – und wie das Innenministerium nun herausgefunden haben will, dass die Politiker_innen dort einfach selbst randaliert hätten: Nachzulesen hier.

Interessant: Nazi-Aufkleber in Polizeiwagen sind nicht strafbar.

Der Kölner Bombenanschlag 2001 auf ein Lebensmittelgeschäft wirft immer neue Fragen auf: War ein Kölner Neo-Nazi bei der Tat involviert?

Warum nicht nur der Vorfall des durch rassistische Äußerungen in den Schlagzeilen gelandete Mitarbeiters des BAMF, sondern die Behörde insgesamt problematisch ist, darüber schrieb Petra Szablewski-Çavuş im Migazin.

Englischsprachige Links

The Belle Jar schrieb schrieb über Robin Thicke und sexuelle Gewalt (Triggerwarnung), und das Bitch Magazine feiert eine Twitter-Aktion, die eigentlich der Promotion für Thickes neues Album dienen sollte, letztlich aber dazu führte, dass Thicke(s Promo-Team) sich mit einer Menge unangenehmer Fragen konfrontiert sah.

Auf Black Girl Dangerous erschien nochmal ein sehr guter Text der nigerianischen Autorin Chekwube O. Danladi zu den entführten nigerianischen Mädchen und Frauen.

Infos und Kommentare zu einer ganzen Reihe an problematischen Entscheidungen des obersten Verfassungsgerichts in den USA bezüglich reproduktiver Rechte findet Ihr auf thinkprogress und bei Mother Jones, und zwar hier und hier und hier. Ebenfalls bei Mother Jones: ein Bericht, wie ausgerechnet die Ladenkette Hobby Lobby Geld in Firmen investiert, die Verhütungsmittel produzieren…

Die ägyptische Feministin Yara Sallam wurde verhaftet.

Die Historikerin und Autorin Hanne Blank hat ein Buch über die Erfindung der Heterosexualität geschrieben und zeigt, dass diese ein ziemlich neues Konzept ist. Salon hat mit der Autorin ein Interview dazu geführt.

Termine in Hamburg und Leipzig: (mehr …)


Facebook | |


Feministische Blicke, knutschende Heten und Kritik am Autismus-Begriff – die Blogschau

17. Mai 2014 von Nadine

alsmenschverkleidet schreibt über Elternschaft, die ständige Bewertung und Beurteilung schwangerer Körper und der Zwangs-Frauisierung in diesem Prozess: “Den Begriff der ” Mutter ” zu hinterfragen, ihn Stück für Stück abzutragen und durch das Skalpell der Dekonstruktion freizulegen, was darunter wirkmächtig funktioniert ist (m)ein möglicher Weg. Anzufangen fernab von limitierenden Einbahnstrassen in Richtung Weggabelung zu laufen um andere Variationen und Konzepte gelebter Elternschaft zu erkunden.”

“Ich sag nicht mehr “Afrika ist kein Land”. Jeder Mensch, der das nicht weiss, braucht es von mir nicht erklärt zu bekommen.”, befindet serialmel, denn sie hat keine Antwort, sie ist satt.

Aus den Zonen der Unbewohnbarkeit meldet sich Heiter Scheitern mit einer neuen Podcast-Folge zurück, in der es eigentlich um die Un_Vereinbarkeiten von queer und FLT* gehen soll – und das Kollektiv hält, was es verspricht: Es scheitert am Vorhaben.

Der Neudbayrische Kurier kommentiert die Studie zu der niedrigen Verurteilungsquote bei Fällen sexualisierter Gewalt (wir berichteten auch über diese) und findet “alles nicht so schlimm”. Die Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt nimmt den Artikel auseinander.

laufmoos schreibt über auf queeren Partys knutschende Hetenpärchen und deren Raumeinnahme. In einem zweiten Text erklärt laufmoos dann weiter, wer eigentlich wie und wann als hetero gelesen wird und welche Rolle dabei Praxen spielen.

Queer_Einsteigen hat einen Aufruf zu einer Studie zu Lebenssituationen von Trans*Kindern und -jugendlichen veröffentlicht, die noch nach Teilnehmer_innen sucht.

Am 16. Mai jährte sich zum 70. Mal der bewaffneter Aufstand der rund 6.000 Roma und Sinti im Lagerab­schnitt B IIe von Auschwitz-Birkenau. dROMa-Blog weist auf den Jahrestag und aktuelle Forderungen der Roma-Bürger_innenrechts-Bewegung hin.

Zum Anti-Diät-Tag hat Steinmädchen einen Text zum feministischen Blick geschrieben und wie dieser ihr dabei geholfen hat, die Bewertungen und Blicke anderer egaler finden zu können.

“Herzlichen Glückwunsch. Sie haben den Autismus-Zonk gewonnen. Sie haben den Begriff Autismus angewendet, ohne dass im Kontext ein Zusammenhang mit Autismus bestand.” – Autismus ist… zeigt auf, aus welchen Anlässen der Begriff Autismus verwandt wird und welche Auswirkungen dieser Gebrauch hat. (Hinweis: Reproduktion ableistischer Sprache)

Morgen gibt es in Berlin einen queer_feministischen Aktionstag zur Care Revolution mit Vorträgen, Workshops, Mitmachausstellung, Stadtspaziergang, open mic, Vokü, Kuchen.


Facebook | |


Solange ich keine Hete bin

18. Februar 2014 von Nadine

Gerade wird im Zusammenhang mit Homo- und Trans*feindlichkeit viel über den Unterschied von Toleranz und Akzeptanz geschrieben. Toleranz doof, Akzeptanz gut. Nicht thematisiert wird die Heteronorm, die hinter beiden Worten steckt. Wer toleriert/akzeptiert wen bzw wird dazu moralisch angehalten? Angehalten, weil es sich bei Homos und Trans* ja um eine “Minderheit” handelt, die (auch) quantitativ gar nicht in der Lage ist, die eigenen Hetero-Selbstverständlichkeiten empfindlich zu stören. Deshalb fällt Akzeptanz leicht.

Damit das Minderheits- und “Kann nicht gefährlich werden” Dogma aufrecht erhalten wird, redet Mensch wahlweise von Krankheit oder Biologie. Homo und Trans* werden als essentialistische Abweichungen konstruiert. Es gibt sie halt und sie stressen nicht, wenn sie getätschelt werden. Deshalb akzeptieren wir sie.

Dass die tatsächliche “Minderheit” nur eine solche ist wegen jahrhundertelanger Diskriminierung, Gewalt und Unterdrückung bleibt unerwähnt. Dass Heten sich zur Mehrheit (und damit einhergehend Norm) konstruieren, die großzügig darüber entscheidet, das vorher gewaltsam Zurückgedrängte zu akzeptieren, ist Teil des Problems und nicht der liberale Gleichberechtigungsgestus, für den er sich ausgibt.

Ob Mensch das nun Toleranz oder Akzeptanz nennt, ist dabei völlig irrelevant und letztlich auch nur der Versuch sich gegenüber den rechten, konservativen und fundi Hatern ein Stück besser/aufgeklärter/offener zu fühlen. Ich wurde schon toleriert und akzeptiert, es war etwas angstfreier als wenn das nicht der Fall gewesen wäre, aber die Zurichtungen und Diskriminierungen verschwinden damit nicht, genauso wenig wie das Gefühl anders zu sein und es auch zu bleiben. Solange ich keine Hete bin.


Facebook | |


Reproduktive Rechte im Kontext – der Winterpodcast

4. Februar 2014 von der Mädchenmannschaft

Winterzeit, Podcastzeit: Diesmal geht es um reproduktive Rechte und feministsche Debatten um jene.  Dazu gehören zum Beispiel Fragen wie: Für wen sind die “Pille danach” oder Abtreibung relevante Themen? Nicht nur Frauen können schwanger werden, und nicht für alle Frauen ist schwanger werden können ein großes Thema – aus verschiedenen Gründen. An welche Personen werden überhaupt Anrufungen “eine Familie zu gründen” gerichtet? Wem wird es eigentlich verunmöglicht?

Vor einer Woche haben sich accalmie, Anna-Sarah, Charlott und Nadia zusammengefunden und überlegt, was uns an dem Thema Reprorechte wichtig ist und welche Leerstellen sich in Debatten darum oft ausmachen lassen. Spoiler alert: Reproduktionsrechte betreffen den gesamten Lebenszyklus (na, wer hätte das gedacht ;) ).

Unten findet ihr einige vertiefende Links zu Dingen, über die wir gesprochen haben; mehr noch, wenn ihr zum Beispiel “reproduktive Rechte” ins Suchfeld hier auf der Seite eingebt. Wie immer freuen wir uns über Feedback und besonders über Hinweise auf eigene Beiträge und auf Facetten, die wir nicht im Blick hatten.

[Download: 131 MB, 57 Minuten, 9 Sekunden].

Die Weltbevölkerungskonferenz Kairo 1994:

Abtreibung(srechte):

“Pille danach”:

Familienpolitik in der BRD:

Cissexistische Rechtslagen in Deutschland:

Behinderung und Sexualität:

Familienbilder und -mythen:

 


Facebook | |


“Schwul als Unterrichtsfach” – wenn Antidiskriminierung an Schulen zu Hetze führt

15. Januar 2014 von Charlott

In den letzten Wochen wurde schon viel zur Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“, die sich gegen den kommenden Bildungsplan in Baden-Württemberg richtet, geschrieben. In unseren Blogschauen haben wir bereits auf Beiträge hingeweisen, aber hier an dieser Stelle sollen noch einmal die Abläufe etwas zusammengefasst und einige Texte verlinkt werden.

Die Petition

In den Leitprinzipien des Bildungsplans 2015 für allgemeinbildende Schulen in Baden-Württemberg wurde verankert, dass im Unterricht auch Lebensrealitäten von LSBTTI berücksichtigt und explizit aufgenommen werden sollen. Der Petitionsschreiber, ein Lehrer, sieht darin die Gefahr der “Umerziehung”. Er fordert unter anderem sich gegen eine “Überbetonung einzelner Gruppen und ihrer Interessen” zu stellen, und sieht natürlich keineswegs, wie Cis-Menschen und Heteros jederzeit in einem heternormativen Gesellschaftssystem überbetont werden und deren Interessen als unmarkiert und allgemeingültig gesetzt stehen. (Und mittenrein kann auch Norbert Blüm in der FAS seinen menschenfeindlichen Mist verbreiten. Ganz unabhängig von der Petition.)

In den Kommentaren zur Petition, die bei OpenPetition eingestellt wurde, entlud sich der geballte Heterosexismus, die Trans- und Inter-Feindlichkeit. Schüler_innen mussten mit ansehen, wie ihre Lehrer_innen oder andere Menschen im Umfeld die Petition unterschrieben.  So berichtet Nele Tabler in einem Interview mit dem Missy Magazine:

Ja, so etwas [, dass Eltern andere Eltern in Klassen auffordern zu unterschreiben] hat [diese Lehrerin] auch erzählt. Auch dass die Petition in den Lehrerzimmern herumgereicht wurde und dass schon fast eine Art Gruppenzwang entstand, die Petition zu unterschreiben. Auch auf Elternversammlungen wurden Listen herumgereicht.

Die Reaktionen

Als eine der ersten (und seitdem beständigsten) hat die eben zitierte Nele Tabler seit Mitte Dezember zu dem Thema geschrieben, ob nun auf ihrem Blog, beim Online-Magazin Weird oder auf Twitter. Das Blog Kätzchen Kotzt veröffentlichte am 08. Januar einen Protestbrief an das Kultusministerium und Landtagsabgeordnete. Auch über andere Wege forderten Aktivist_innen von Politik und Kirchen Statements zur Petition. Diese ließen lange auf sich warten. Als die SPD Baden-Württemberg sich dann am 11.01. äußerte und natürlich betonte, dass sie weiter hinter dem Bildungsplan stehe, hing sie aber auch noch an:

Im Hinblick auf die Kritik der Kirchen bleibt festzuhalten, dass sich der Bildungsplan selbstverständlich am christlichen Menschenbild in Landesverfassung und Schulgesetz orientiert. Entsprechend werden die Aspekte Familie, Eltern und Ehe in den neuen Bildungsplänen wie bisher auch verankert. Wenn man akzeptiert, dass es andere Lebensformen gibt, werden damit die Institutionen Familie und Ehe keineswegs in Frage gestellt.

Die Mainstreammedien schwiegen ebenfalls lange – auch als bereits absehbar war, dass innerhalb kürzester Zeit Zehntausende von Unterschriften zusammenkommen. Als sie dann begannen Artikel zu veröffentlichen, wurden wie so häufig vorangegangene Recherchen und Arbeiten von Aktivist_innen verunsichtbart.

Tut sich was auf der Petitionsseite?

Aktivist_innen kritisierten auch OpenPetition dafür, dass sie dieser Petition eine Plattform geben.  Am 10. Januar wurde dort zumindestens etwas eingelenkt: OpenPetition sperrte die  Kommentarfunktion, es wurden Kommentare gelöscht und es soll nun eine Moderation der Kommentare geben. Dafür wurde ein weiteres Problemfeld deutlich: Bei Unterschriften werden nicht einmal E-Mailadressen verifiziert, bevor sie aufgeführt werden. Und in den letzten Tagen wurde die Petition zunehmend im Namen von bekannteren Aktivist_innen unterschrieben – unter anderem ist auch Nele Tabler betroffen.

Gegenpetitionen

Seit einigen Tagen gibt es direkt bei OpenPetition und bei Campact Gegen-Petitionen. Auf der Facebook-Seite von Medienelite schreibt Nadine, warum diese, trotz der Kritiken daran, ein Zeichen setzen können und welche Punkte außerdem in den Fokus gerückt werden sollten:

Momentan gibt es zwei Unterschriftenkampagnen gegen die heterosexistische, trans- und inter-diskriminierende Hetze gegen den neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg, der “sexuelle Vielfalt” als Leitlinie in Schulen verankern wird. Ich bin skeptisch, was die konkrete Umsetzung dieser Leitlinie in Schulen betrifft: Werden die Ursachen und Auswirkungen von Diskriminierung vermittelt und wenn ja, wie? (Oder geht es wie so oft nur um Akzeptanz und Toleranz von “Abweichung”?) Wie wird Lehrpersonal für das Thema sensibilisiert? Wie sehen die pädagogischen Mittel aus? Wieviel Gelder werden bereitgestellt? Wie ist es möglich, betroffene Schüler_innen (und Lehrer_innen) zu bestärken, trotz der stattfindenden Diskriminierung in der Schule, zu Hause und im nahen sozialen Umfeld? Trotz dieser Fragen ist es für betroffene Schüler_innen und Lehrer_innen, sowie Eltern/Bezugspersonen gerade wichtig zu sehen, dass sich Widerstand gegen die Hetze bildet. Widerstand, der sich nicht nur in einzelnen Blog- und Zeitungsartikeln, in empörten Wortmeldungen auf Twitter, sondern auch anhand konkreter Zahlen zeigt. Die Texte beider Gegenpetitionen sind kritikwürdig bis *augenroll*, aber die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Gegen den Initiator der Hetzpetition liegt eine Dienstaufsichtsbeschwerde (er ist selbst Lehrer) und eine Strafanzeige vor. Doch die Rhetorik dieser Aktion bleibt nach wie vor mehrheitsfähig und keineswegs nur anschlussfähig für rechtsradikale und christlich-fundamentalistische Kreise, speist sie sich direkt (auch) aus Mainstream-Diskursen, die “Homosexualität” und Trans*/Inter zur Privatsache erklären, während jeden Tag in Schulen, in den Medien, im staatlichen Handeln, im öffentlichen Raum, in sozialen Umfeldern der “heterosexuelle Lebensstil” als Norm gepredigt wird. Wir sollen täglich “eindeutig” als Frau oder Mann performen, wir sollen das jeweils andere “Geschlecht”, lieben, begehren, heiraten und mit ihm/ihr Kinder in die Welt setzen. Wir sollen Heterosexualität ständig zum Thema machen, damit in der Öffentlichkeit hausieren gehen, jedem_jeder unser Hetero-sein ungefragt auf die Nase binden, damit es auch der_die Letzte begreift, dass Hetero-Sein das “Natürliche” und Selbstverständliche ist, während alles jenseits davon als individuelle Entscheidung oder wahlweise auch “biologischer/psychischer Defekt” angesehen, abgewertet und diskriminiert wird. Und von staatlicher Seite zwangsoperiert und zwangstherapiert wird. Oder gutmenschlich Toleranz und Respekt für ein “Anderssein” entgegengebracht wird. LGBT*I haben sich nicht für ein “Anderssein” entschieden, sondern schlicht und einfach für ein Leben, das ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht, die in dieser Gesellschaft keinen Platz haben sollen.

Weiterlesen

Links zu dem Thema (sowie eine Übersicht über welche Stellen die Petition verbreitet wurde_wird) hat auch Nele Tabler zusammengestellt, und bei fuckermothers findet sich ebenfalls eine Übersicht zu Beiträgen.


Facebook | |


Gratis-Entwicklungshilfe, goldene Facepalmen und siruptriefende Pfannkuchen – die Blogschau

11. Januar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 231 von 255 der Serie Die Blogschau

“Wir sind gekommen, um euch eine helfende Hand zu reichen und kostenlos Nachhilfe zu geben, man könnte es auch Entwicklungshilfe nennen”- das Bündnis Mind The Trap intervenierte eindrucksvoll bei einer fragwürdigen Tagung über Zugangsbarrieren zu Kulturproduktionen. Es gibt auch ein Video von der Aktion zu sehen.

Rambling Rose wagt die Prognose: “Der Trend zur Definitionshoheit weisser (Medien-)mac_h_ker hält an. Sie wollen auch 2014 entscheiden, was rassistisch und/oder sexistisch ist.” Ganz vorne mit dabei in Sachen Nichtrassismus und -sexismus: Comedy mit natürlich besten Absichten.

In der TV-Talkshow Beckmann ging es vorgestern unter dem Titel “Was ist schon normal? Leben mit behinderten Menschen” um Inklusion. Während und nach der Sendung wurde heftig auf Twitter über die Gäste und Inhalte diskutiert. Die Leidmedien haben ein paar Meinungen zusammengetragen.

mara vom Futblog erzählt darüber, wie anders in ihrem Umfeld mit der Liebesbeziehung ihres Bruders umgegangen wird als mit ihren eigenen: “heute weiss ich, dass meine sexualität kein thema war weil es etwas ungewisses ist, etwas womit sie keine erfahrung haben, weil ich schlicht und ergreifend nicht heterosexuell bin.”

Warum “sich jetzt einmal alle (egal welcher Sexualpräferenz) in einer Schlange anstellen und die güldene Facepalme an Norbert Blüm überreichen” dürfen, sagt C. Rosenblatt beim Ein Blog von Vielen.

“‘Wenn unsere Kinder homosexuell werden, sterben wir alle aus” ist das neue “wenn die Erde keine Scheibe mehr ist, fallen wir alle runter’.”- Fabienne Vesper über #idpet und das Klima, in dem diese Petition stattfindet.

“Danke, dass ich deine Wichsvorlage sein darf, nicht wahr?” – Naekubi hat sich mit den Rassisten und Sexisten von Amy & Pink rumgeschlagen. Auf dass ihr die Löffel niemals ausgehen mögen!

Bei Don’t degrade Debs, darling! berichtet die Auorin: “Es ist nun über 6 Monate her, dass ich bei der Polizei meine Anzeige gemacht habe. Seit dem warte ich. Ich bin geübt, aber nicht besonders gut im Warten und ich merke, wie dieses scheinbare EsGeschiehtNichts an mir nagt.

Steinmädchen betrachtet das neue Projekt Heimwegtelefon kritisch: “Das Heimwegtelefon reproduziert viele Mythen und die Arbeit, die Frauen seit Jahrzehnten in Gruppen und Institutionen gegen Diskriminierung und Gewalt leisten wird völlig übergangen. Es wird nicht auf Wissen zurückgegriffen, das Feministinnen mühsam angeeignet haben und immer immer wieder wiederholen.”

Katrin erklärt in ihrem Blog Reizende Rundungen zunächst in englischer, dann in deutscher Sprache, warum in der Aufforderung, Menschen nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen, oftmals eine Riesenportion Fatshaming enthalten ist: “Denn ja, natürlich sollte man niemals nur nach dem Aussehen beurteilen, weder wegen dem Stil, den Haaren, den Klamotten oder dem Körper eines Menschen. Aber, und hier kommt ein sehr großes aber, man sollte das nicht nur nicht tun, weil sich unter dem „hässlichen“ ein schönes Inneres verbergen könnte. Sondern man sollte das generell nicht tun, egal was man darunter zu erwarten hat!”

Warum Jay vom Virtual Rereat Center einen Sonntag im Monat in der Küche verbringt und einen haufen zusätzliche Teller angeschafft hat: “Ich lade eine Runde feministischer Spaßverderber_innen ein, um gemeinsam Spaß haben zu können. Wir achten gemeinsam darauf, eine Stimmung zu schaffen, mit der sich alle wohl fühlen, statt von anderen als diejenigen wahrgenommen zu werden, die schlechte Stimmung verbreiten. Wir versuchen füreinander Platz zu schaffen, um miteinander Platz nehmen zu können.”

“Abseits von cismännlichem Technik-Expertenmackertum Probleme mit Rechnern, Computern, Maschinen bequatschen, Erfahrungen austauschen, Fragen beantworten und die sprichwörtliche “Hilfe zur Selbsthilfe” anbieten” – das gibt’s am 17.1. und ab dann jeden dritten Freitag im Monat, erzählt riot_nrrrd. Denn dann findet bei TrIQ (Glogauerstraße 19, Hinterhof, 10999 Berlin) eine Computersprechstunde für alle interessierten Trans*, Inter*, Lesben und Frauen* statt.

Und auch das hier bitte schon mal fett im Kalender anmarkern: Am 19. Januar 2014 im FAQ Infoladen (barrierearm), ab 15:30: Vortrag und Spoken Word der Aktivist*innengruppe FatUp!

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Formen der Transphobie, ideologische Regenbögen, erfolgreiches Wehren – die Blogschau

4. Januar 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 230 von 255 der Serie Die Blogschau

Fleischhauerfail Teil 567 - Jayrôme C. Robinet zeigt zu diesem Anlass noch mal auf, was es mit dem Begriff und der Lebensrealität Transphobie auf sich hat.

Bestürzende Nachrichten aus der deutschen Bildungspolitik: Weit über 40.000 (!) Menschen haben bereits die menschenverachtende Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ unterschrieben. Karnele macht aufmerksam, informiert über Hintergründe und fordert zu Interventionen auf.

L-talk berichtet über das neue Anti-Homosexualitäts-Gesetz in Uganda: “Das neue Gesetz stellt nicht nur Homosexualität unter Strafe bis zu lebenslanger Haft. Es bedroht auch Menschen, die von homosexuellen Handlungen “wissen” oder sie “unterstützen” und dies nicht den Behörden anzeigen. Dieser Straftatbestand gefährdet eine ganz neue Gruppe von Menschen und setzt Verwandte und das gesamte soziale Umfeld massiv unter Druck.”

Till Westermayer hat sich durch die “500 wichtigsten deutschen Intellektuellen”, gekürt vom Magazin Cicero, geklickt und macht ein paar Beobachtungen darüber, was dieses Ranking “über den deutschen Diskurs verrät”.

“Aber was mir fehlt sind diese anderen Geschichten. Diese Geschichten, in denen wir uns erfolgreich wehren, und dass gar nicht so wahrnehmen können”, schreibt Steinmädchen: “Es fehlt mir, dass wir gegenseitig wahrnehmen, was wir eh schon tun und was wir tun könnten. (…) Ich möchte hören, wie ihr es schafft, scheiß Situationen zu verändern.”

Und noch eine Leseempfehlung vom Steinmädchen: Bei can I say no…? gibt es seit letztem Herbst “feminismus. antikapitalismusdingens. befindlichkeiten. essen.”

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


Facebook | |


Guido, wir müssen reden! #ShoppingQueen

8. November 2013 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 20 von 28 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Shopping Queen ist eine Modesendung auf dem privaten Sender VOX. Jede Woche treten fünf Kandidatinnen an, bekommen eine Summe Geld, gehen davon shoppen und bewerten gegenseitig ihre Outfits. Am Ende der Woche wird die “Shopping Queen” gekürt. Nun ist es relativ leicht, Sendungen wie Shopping Queen zu kritisieren: Sie stellen Frauen in ein Konkurrenzverhältnis zueinander, der Modedesigner Guido Maria Kretschmer kommentiert die Sendung und vergibt Punkte an die Kandidatinnen. Wer am Ende der Woche die “schönsten” Klamotten hat, gewinnt. Klar orientiert sich das häufig an gängigen Schönheitsidealen. Shopping Queen hat allerdings sehr viele Zuschauer_innen und prägt somit den Alltag vieler Menschen, da die Sendung sehr normative Vorstellungen von Geschlecht, Aussehen und Kleidungsstil vermittelt. So lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen: Das hat die Bloggerin Miss Temple gemacht. Auf ihrem Blog “Some Girls Are Bigger Than Others” ärgert sie sich über die diskriminierende Darstellung der dicken Kandidatinnen. Diesen Beitrag dürfen wir in leicht veränderter Form veröffentlichen.

Meine Twitterfollowers wissen, dass ich hin und wieder gern Shopping Queen auf Vox mit Guido Maria Kretschmer schaue. In letzter Zeit allerdings deutlich weniger gern und das hat auch Gründe.

Diese Woche ist die Sendung auf den bisherigen Tiefpunkt zugesteuert. Es ist mal wieder “Dickenwoche”. Über Sinn oder Unsinn einer eigenen Plus Size Sendung kann eins sich streiten. Immerhin haben so alle Kandidatinnen ähnlich wenig Möglichkeiten – Dank der mickrigen Auswahl in deutschen Innenstädten. Es ist nicht die erste Woche, in der Plus Size Kandidatinnen teilnehmen, aber bisher war es noch nie so schlimm. Vielleicht sinken die Quoten, vielleicht meint die Redaktion, sie müsse da mal ein bisschen Schwung rein bringen, ich weiß es nicht. Fest steht: Ich werde die Woche noch zu Ende schauen und dann erst mal eine lange, lange Auszeit von der Sendung nehmen.

Von Beginn an wurde zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit betont, dass die Kandidatinnen dick sind (könnte ja vielleicht jemand übersehen…), inklusive aller Klischeebezeichnungen. Jede wurde nach Essverhalten und Diäterfahrungen (inklusive thinspo-Methoden) befragt, es gab anekdotenhafte Beschreibungen von Diskriminierung, die allerdings von der Kandidatin weggelacht wurde. Das ist in den “normalen” Sendungen nicht der Fall, Essen und Gewicht werden dort höchstens im Nebensatz thematisiert. Es gibt einen “Stylecheck” am Anfang der Sendung, bei dem Größe/Alter/Konfektions-/Schuhgröße/Gewicht aufgelistet werden, Guido kurz den Stil der Kandidatinnen bewertet und Tipps zu ihrem “Figurtyp” gibt. Also: Nicht gerade schön, aber immerhin wurde sich hier meist auf Positives konzentriert. (Nachdem Guidos Buch zum Thema Figurtypen kürzlich erschienen ist, sehe ich das allerdings noch sehr viel kritischer…) Diese Woche sah der Stylecheck allerdings in etwa so aus “Ab dem Knie hat sie ja echt tolle Beine und schön schlanke Fesseln. An jeder dicken Frau ist ja auch irgendwas hübsches. Die Haare, oder der Busen oder so.” Danke Guido, dass ich mir jetzt irgendwas an meinem Körper aussuchen soll, das hübsch ist und dann noch sowas absurdes wie Fesseln! Auch zu sagen “In ihr steckt ja eine Dünne!” finde ich perfide und abwertend.

(mehr …)


Facebook | |



Anzeige