Einträge mit dem Tag ‘Hartz IV’


Ausrastende Schriftsteller, Kinderdiäten und die feministische Vollzeitfrage – die Blogschau

30. Januar 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 142 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

In der letzten Woche hat die unfassbar peinliche Geschichte von Autor John Asht für Aufsehen im Netz gesorgt: Bloggerin Myriel hatte sein Buch rezensiert und insgesamt ein negatives Fazit parat – Asht leistete sich darauf mehrere Ausraster sondergleichen. Ekkart hat alles zusammengefasst (Triggerwarnung).

Unsere ehemalige Muttibloggerin Mrs. Pepstein macht weiter fleißig Radio. Nach 13 Jahren hat sie neulich einmal die Seiten getauscht und wurde selbst interviewt.

“Geht Feministin sein nur mit Vollzeit-Job?”, fragt sich die Zahlenzauberin, und die Frage, was sich Frauen wünschen, wird auf dem Graphitti-Blog mit einer aufschlussreichen Graphik erklärt – das interessante Diagramm findet Ihr hier.

Es gibt einen verlängerten Aufruf der Denkwerkstatt, und zwar zu Forschungsergebnissen von Abschlussarbeiten im Bereich Gender Studies und feministischer Wissenschaft.

Was Schnee in Pakistan mit Dekonstruktion zu tun hat? Das haben die nofreteten kurz erklärt. Für den Text “Slavoj Žižek, linke Kerle und die Revolution” von Antje Schrupp sollte man sich ein paar Minuten Zeit nehmen, weil: Sehr gut.

Der Mädchenblog regt sich tierisch über ein Abnehmbuch für junge Mädchen auf.

Um die kleinen Lücken des Lebens im Bereich E-Books geht es in “Legal kaufen macht Mühe”.

Queer.de kritisiert den Umgang der Polizei mit den Rechtsextremen, die in der Stuttgarter Gay-Kneipe “Goldener Heinrich” randaliert haben.

anders deutsch hat sich die Zahlen zur Asylanerkennung vorgenommen – und ist not amused.

Zum Verhüten kommt alles in Frage außer Hormone? Dann ist die Übersicht von I do give a Damn interessant für Euch.

Der Vergewaltigungsvorfall im brasilianischen Big Brother-Haus wird nochmal bei Fernseher kaputt thematisiert.

Maria Wersig wühlte sich nochmal durch den Instrumentendschungel und stellte fest: Weniger Kinder sind im Hartz-IV-Empfang, dafür gibt es mehr Kinderzuschläge.

Und nach dem Klick ein Call for Papers und Termine: (weiterlesen …)


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Nicht nur für Mütter und Richard Dawkins – unsere Blogschau

9. Juli 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 116 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Der Tag war warm und gleich gibt’s weiter Fußball – die Blogschau haben wir aber nicht vergessen! Diesmal geht es los mit weniger schönen Themen:

Mutterseelenalleinerziehend berichtet aus dem Spannungsfeld zwischen Arbeit (finden) und Alleinerziehendendasein. Trotz diverser Jobs konnte sie sich nie aus Hartz IV befreien und fragt sich, ob es dann nicht sinnvoller wäre, sich auf die Kinder zu konzentrieren.

Dabei ist die Auseinandersetzung mit den Ämtern für Hartz IV-Empfängerinnen durchaus eine Vollzeitbeschäftigung. Im Büro für besondere Maßnahmen erzählte mojour vom sich jährlich (oder öfter) wiederholenden Kampf um eine angemessene Wohnung: Für den Staat teuer, für ihre Gesundheit gefährlich.

Zurück zur Kinderbetreuung: rechtundgeschlecht setzt sich kritisch mit dem geplanten Betreuungsgeld auseinander.

Für Mütter, die diskret undiskret stillen wollen, haben die fuckermothers die passenden Accessoires gefunden.

Als letzten Mütterblogbeitrag noch die vier gut gemeinten Ratschläge, die glücklichscheitern nie wieder hören möchte!

Noch gar nicht so richtig in der deutschen Blogosphäre angekommen, ist der „Fauxpas“ von Richard Dawkins. Auf den Rant einer Bloggerin (siehe Video), die bei einer atheistischen Konferenz belästigt wurde, entgegnete er selten dumm: Frauen sollten sich über Sexismus nicht beschweren, solange sie nicht genital verstümmelt werden. Diax’s Rake hat die ganze Geschichte aufgeschrieben.

Furchtbar beliebt sind dieser Tage ja auch wieder Verschwörungstheorien. Wie Feminist_innen die Welt ruinieren, hat Khaos.Kind im Missy-Gastblog beschrieben.

Und weil heute die Viertelfinalespiele anstehen noch ein Hinweis von Das Ende des Sex: Fußballspielerinnen stehen nach Fouls schneller wieder auf als ihre Kollegen.

Schließlich noch ein Termin für alle, die nicht zum Public Viewing gehen:
In Berlin spielen heute im Kastanienkeller jede Menge grrrl bands!

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Kackscheiße, Kapitalismus und Cunnilingus – die Blogschau

2. Mai 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 106 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Wir melden uns frisch und fröhlich vom 1. Mai zurück und haben ein paar Links aus der vergangenen Woche für euch:

Das Missy Magazine verlost ein Hörbuch zur Geschichte des Frauenfußballs und auf die interessanten, witzigen und aufschlussreichen Beiträge von Studierenden der Gender Studies in Basel im Missy Gastblog April sei auch noch einmal extra hingewiesen.

Jürgen Voß bricht in seinem Blog Das Ende des Sex mal wieder mit gängigen Klischees und Normen über Geschlecht und Sexualität.

Sexualisierte Gewalt in Hochschulen und Universitäten ist nach wie vor ein Tabuthema. Erst kürzlich wurden mehrere Fälle sexueller Nötigung und Vergewaltigung von jungen Studentinnen bekannt. Auf Die Stimme des Opfers beschreibt Lucrezia, Doktorandin aus Hamburg, ihre Situation und tritt in Austausch mit anderen Betroffenen. Gerade wurde das Strafverfahren gegen ihren Doktorvater eingestellt.

Hooray! Trouble X hat einen neuen DIY-Comic veröffentlicht!

Im aktuellen Nrrrdz-Podcast von Kathrin und Maj geht es unter anderem um Hatr.org.

Claudia Killian kritisiert Zuschreibungen und problematische Begriffe an einem Crowdfunding-Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, schöne Wohnungen für den kleinen Geldbeutel einzurichten.

Der Gurkenkaiser hat mal wieder ein theoriereiches Prachtstück fabriziert: Ein Besuch in einem Einkaufszentrum ist für ihn Anlass, einmal genauer auf die kapitalistischen Logiken des Konsums und deren Einfluss auf unsere Körper zu schauen.

Andersdeutsch hatte die Meldung des Tages zur britischen Hochzeit des Jahres: 50 Prozent der Menschen, die der Hochzeit “aufgeregt” entgegenfieberten, waren Frauen(!!!!).

Nicht von Diskriminierungsverboten erfasst wird in Deutschland das sogenannte racial profiling, die anlass- und verdachtsunabhängigen Personenkontrollen aufgrund rassifizierender Zuschreibungen durch staatliche Akteur_innen. Der Menschenrechtsausschuss der UN erklärte dieses Verfahren bereits 2008 für menschenrechtswidrig; in anderen Ländern ist es mittlerweile verboten, weil vor allem Nicht-Weiße und Menschen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus von diesem rassistischen Generalverdacht betroffen sind. Hierzulande ist sich die Polizei nicht zu schade, diese Vorgehensweise auch weiterhin öffentlich zu besprechen und zu praktizieren. Aktuell: Personenkontrollen zum 1. Mai in Hamburg. Metalust kommentiert scharf.

Spreeblick hat nicht nur Jaclyn Friedman interviewt, sondern auch unsere Kolumnistin Kübra Gümüsay.

Lukas Heinser hat sich den Songtext “You & Me” von Milow vorgenommen. Urteil: Sexistische Kackscheiße.

Christiane Link regt sich über die Darstellung von Jugendlichen und Kindern mit Behinderung in den Medien auf und kritisiert gleichzeitig die Sonderschulpraxis in Deutschland.

Kackscheisse.soup.io sammelt *istischen Bockmist. Aktueller Beitrag: der re:publica-Comic von Beetlebum, der von Ausschlüssen innerhalb der deutschen Blogosphäre offenbar nichts wissen will und gleich mal ein paar antifeministische Klischees reproduziert. Mit dabei sind auch Kumpel Chauvi und Privilegiennegierung. Mehr zur re:publica findet ihr hier bei uns.

Aktuelle Termine für Mai hat Magda zusammengestellt, die gern in den Kommentaren ergänzt werden dürfen.

Eine schöne Woche euch allen!


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Kein Geld? Dann bitte auch kein Sex.

22. März 2011 von Helga

Hartz IV: 15 Euro im Monat für Gesundheitspflege. Das heißt, 15 Euro für die Praxisgebühr, Medikamente, Zuzahlungen und … Verhütung. Mit diesem Budget auszukommen, ist schon fast ein Vollzeitjob für sich. In der taz standen vor kurzem die Ergebnisse einer, zugegebenermaßen kleinen, pro familia-Studie.

Seit der Einführung von Hartz IV 2005 sank die Quote derjenigen, die immer verhüten, von zwei Drittel auf ein Drittel. Die Anzahl derjenigen, die nie verhüten, stieg hingegen von 6 auf 16 Prozent. Und das, obwohl keine der befragten Frauen einen Kinderwunsch hatte.

Dass sonst niemand dazu geforscht hat, spricht natürlich ebenfalls Bände. Trotzdem meint die Bundesregierung, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen schlechterer finanzieller Lage und mehr Schwangerschaftsabbrüchen. Bei letzterem springen dann wieder die Länder ein.

Statt sich über Kindergeld ein schönes Leben zu machen, ist ein weiteres Kind für die meisten Frauen tatsächlich ein weiterer Schritt in die dauerhafte Armut. Und oft genug stellen Mütter ihre eigenen Bedürfnisse hinter denen ihrer Kinder zurück.

“Ganz typisch war, dass Frauen Geld für die Pillenpackung zurückgelegt hatten und das Kind in der Schule plötzlich ein Buch oder einen Ausflug bezahlen musste. Dann stand die Verhütung zurück”, sagt Simone Hartig, Leiterin von pro familia in Flensburg.

Einige Kommentator_innen schrieben dann gleich, im Internet gäbe es Kondome doch billiger. Vergessen dabei aber, dass Geld für Computer und Internetzugang in den Hartz IV-Sätzen explizit nicht vorgesehen ist. Eigentlich soll mit Hartz IV die Erfüllung der Grundbedürfnisse sein, aber wenn es um Sex geht, bleibt anscheinend kaum eine andere Wahl als darauf zu verzichten.


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Sparen und kein Ende

20. Juli 2010 von Barbara

Dass die Sparpläne der Bundesregierung nicht nur aus gesellschaftlicher Sicht, sondern auch aus feministischer Sicht ein böser Schlag sind, haben wir bereits berichtet. Nun rückt der Bund mit Erweiterungen der Sparpläne heraus, die einem echt die Luft abdrücken. Die Süddeutsche Zeitung weiß:

Mit einem geringeren staatlichen Zuschuss müssen auch Mini-Jobber und Paare rechnen, die den sogenannten Kinderzuschlag erhalten. Dies geht aus dem Referentenentwurf des Bundesfamilienministeriums hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Wer wegen seines geringen Verdienstes zusätzlich vom Staat Hartz-IV-Leistungen erhält und so sein Einkommen aufstockt, wird genauso wie alle Hartz-IV-Bezieher bis zu 300 Euro weniger Elterngeld bekommen.

Aus dem Entwurf von Ministerin Kristina Schröder geht deutlich hervor, dass die “den Beziehern höherer Einkommen deutlich weniger zumutet als den ärmsten Eltern.” Schon vor einigen Wochen meinte SPD-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider, angesichts dieser Sparpläne würden die Leute auf die Straße gehen. Bislang habe ich noch keine “Sparen so – nicht mit mir”-Transparente in München gesehen. Langsam wird es aber Zeit. Anbei eine Vorlage für ein To-Go-Transparent zum Ausdrucken und Mit-einer-Sicherheitsnadel-an-den-Kragen-heften.

Transparent gegen die Sparpläne der Bundesregierung


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Weiblich, alleinerziehend, Hartz IV

12. Mai 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 4 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Immer wieder Stoff für blöde Witze: alleinerziehende Mütter, die dem Staat auf der Tasche liegen, wenn sie nicht gerade den armen Vätern ihrer Kuckuckskinder das letzte Hemd aus dem Schrank ziehen. Über sie hatte vor einigen Monaten die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wenig Gutes geschrieben und eine Kieler Studie herangezogen, die den Mamas ohne Partner fast schon empfiehlt, Job und Liebe offiziell zu entsagen. Dass alleinerziehende Mütter aber nicht immer die lächelnden Siegerinnen des Systems sind, hat in den letzten Wochen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen gezeigt. Sie sorgt sich um sie – etwa 600.000 alleinerziehende Frauen leben in Deutschland von Hartz IV (rund 34.000 Männer sind in einer vergleichbaren sozialen Situation) – und  wirft sich so für sie ins Zeug, dass sie nun auch von der Süddeutschen Zeitung spitz als “Lieblinge der Arbeitsministerin” bezeichnet werden. Angeblich, so die SZ, hätte mancher bei der Bundesagentur für Arbeit den Eindruck, dass “Frau von der Leyen vergessen hat, dass sie nicht mehr Familienministerin ist”. Tatsächlich hat sich von der Leyen schon früher sehr um alleinerziehende Frauen gekümmert, hatte sich als Bundesfamilienministerin zur Aufgabe gemacht, deren Leben zu verbessern: “Diesen Frauen müssen wir Perspektiven eröffnen, um mit den Kindern aus der Armutsfalle herauszukommen” sagte sie 2008 in der Brigitte. Damit hat sie recht – damals wie heute.

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Lieber daheim bleiben

27. Januar 2010 von Barbara

Dann bleib ich doch zuhause und leb auf Staatskosten! So kann eine noch nicht veröffentlichte Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft über Alleinerziehende ausgelegt werden. Viele seien mit Hartz IV besser dran sind als mit einem Arbeitsplatz. Die Taz zitiert dazu den Ökonomen Klaus Schrader, einer der Autoren der Studie:

Eine Mutter mit zwei Kindern und ohne Job erhält durch Sozialleistungen 1.500 Euro. Würde sie im Dienstleistungssektor arbeiten, etwa als Friseurin, würde sie genauso viel verdienen oder sogar weniger. Und eine Alleinerziehende mit Hartz IV und einem Minijob hätte sogar 1.600 Euro monatlich. Klaus Schrader nennt das “perverse Anreizstrukturen”.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mag die Nutznießer dieser Strukturen nicht sonderlich und nennt sie die “Hätschelkinder der Nation”:

„Alleinerziehend – alleingelassen.“ So tönt es quer durch alle politischen Parteien und Verbände. Dabei ist nichts so falsch wie dieser Satz. Alleinerziehende mögen arm oder traurig sein, von der Gesellschaft alleingelassen sind sie nicht. Im Gegenteil: Sie sind die Hätschelkinder des Wohlfahrtsstaates.

Dass alleinerziehend nicht gleich alleinerziehend bedeutet, ebenso wie Hartz IV-Empfänger nicht gleich Hartz IV-Empfänger ist, wird in diesem Pauschal-Urteil, das an den sozial Schwächeren wenig Gutes findet, außer Acht gelassen. Das kritisiert auch die taz:

Alleinerziehend zu sein, auch mit Hartz IV, ist mitnichten eine Erfolgsstory, wie uns die FAS weismachen will. Damit bedient das Blatt eine konservative Familienpolitik, die aufgrund der ökonomischen Missstände zwar immer öfter thematisiert wird, am realen Leben aber vollkommen vorbeigeht. Und das noch zur Erinnerung: Vor der Einführung von Hartz IV wurde das Modell immer damit gepriesen, dass es Alleinerziehenden damit nicht schlechter gehen wird.

Zu glauben, dass Partnerschaft und Lebensmodell nur von staatlicher Geldförderung abhängig sind, ist mit Verlaub gesagt ganz schön billig. Und wieder sind es strukturelle Ungereimtheiten, die den Schwächeren in Rechnung gestellt werden. Dabei sind sie für die Strukturbildung nicht unbedingt verantwortlich.

(Dank an Hanna für den Hinweis!)


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