Einträge mit dem Tag ‘Haltung statt Posen’


Die feministische Frage der Männlichkeit

26. Juli 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 24 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

In ihrem Post „Look, Kitten, I Am Too a Feminist! Fauxminism and Men“ diskutiert die US-Bloggerin Megan Milanese das Problem der falschen männlichen Feministen und listet direkt noch zehn Kriterien auf, woran jene Pseudo-Alliierten erkannt werden können. Der Quotenmann findet den Ansatz richtig, ist aber eben deshalb wenig geneigt, selber eine Theorie über den Unterschied zwischen echten und falschen Feministen zu präsentieren. Denn das wäre nicht nur zwangsläufig eine Art Plädoyer in eigener Sache, sondern würde auch gegen eine zentrale – und durchaus vernünftige – Intuition der Autorin stoßen:

“While men certainly have a place in feminism, they need to understand that this place will be radically different from the place they currently enjoy in the current social climate.”

(zu deutsch: “Auch wenn Männer selbstverständlich ihren Platz im Feminismus haben, müssen sie verstehen, dass dieser sich radikal von dem unterscheiden wird, den sie im gegenwärtigen sozialen Klima genießen.”)

Vielmehr möchte der Quotenmann seine LeserInnen einladen, sich mit dieser allgemeinen Frage zu beschäftigen, während er sich hier auf einen einzigen Aspekt der Diskussion konzentriert. Milanese hat recht, wenn sie klarstellt, dass die Probleme der Männer für eine feministische Theorie (ebenso wie für eine Frauenministerin) gar nicht in den Vordergrund gehören. Wer – wie manche LeitartiklerInnen in den deutschen Medien – dies bezweifelt oder relativiert, hat das große Bild aus dem Blick verloren und schwelgt in einer angeblichen Opferrolle. Die Zusammenhänge sind aber aus einer konstruktivistischen Perspektive wohl etwas komplizierter. Die Autorin schreibt:

“While it is true the Patriarchy Hurts Men, Too™, the fact of the matter is that the problems that men face that don’t stem from class, race, sexuality, or able-bodiedness issues tend to stem from socially ingrained misogyny. It is a systemic devaluation of femininity that creates the rigidly defined masculinity by which men must abide. If men have a problem with masculinity as it currently exists, perhaps they should consider increasing the social status and viability of femininity in all people. They could also address the notion that femininity and masculinity are not mutually exclusive.” (weiterlesen …)


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Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre

4. Juli 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 34 von 36 der Serie Muttiblog

Die Frauenquote findet ja immer mehr AngängerInnen, wie es gerade so scheint. Auch meine Arbeitgeberin hat dieses Thema als etwas entdeckt, worüber man mal reden sollte und sich das Ziel gesteckt, bis 2015 30% Frauen in Führungs­positionen zu beschäftigen. Erreicht werden soll dieses Ziel mit mehr Kinder­betreuungs­möglichkeiten, flexibleren Arbeits­zeiten und Heim­arbeits­plätzen. Klingt erstmal toll und modern. Allerdings merkt man an den Maßnahmen sehr deutlich, wer sich das ausgedacht hat: weiße verheiratete Männer Mitte 50 mit durch­schnittlich 2.1 Kindern, die davon ausgehen, dass Frauen diejenigen sind, die Familie und Beruf vereinbaren müssen.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wegen der Wohnsitzproblematik blieb für uns letztendlich nur die Option „Betriebs­kinder­garten“. Aber auch dort sind die Plätze heiß begehrt und es be­durfte eines Wutausbruchs im Büro meines Chefs und mehrerer emotional sehr auf­ge­ladener Gespräche mit oberen Führungskräften, um nach einem Jahr Warte­zeit nun endlich ab Sommer das Kind an meinem Arbeitsort in den Kinder­garten schicken zu können und damit den Status „Wochenendmama zu beenden.

Jetzt haben diese Männer also erkannt, dass sie das Potential ihres Führungs­nachwuchses nicht voll ausschöpfen, weil ein Teil des Potentials ganz offen­sichtlich nicht beachtet wird. Und woran liegt das? Daran, dass die weiblichen High Potentials mit Kindern Beruf und Familie vereinbaren müssen. Da helfen wir denen doch mal ein bisschen und spendieren denen Kindergärten, flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätze. Nur: Die außertariflich Angestellten werden schon heute nicht nach Anwesenheitszeit bezahlt. Die somit bereits realisierten flexiblen Arbeitszeiten bedeuten in dem Zusammenhang hauptsächlich „Über­stunden sind mit dem Lohn bereits abgegolten“. Und auch der Laptop, Zugang von einem externen Internetanschluss via VPN zum Firmennetzwerk und der Blackberry gehören zum Standard, so dass das Arbeiten von zu Hause aus bereits jetzt schon problemlos möglich ist. Diese vollmundig versprochenen Maßnahmen, größtenteils bereits etabliert, werden wahrscheinlich einfach nicht reichen, solange die männlichen Konkurrenten eben nicht das Problem haben, Karriere und Familie zu vereinbaren. (weiterlesen …)


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Meinungsstark – Die Blogschau

21. Mai 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 108 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Gut, dass es das Theatertreffen-Blog gibt. Sonst blieben so schaurige Aussagen wie die von Herbert Fritsch bezüglich seines Frauenbildes gänzlich unkommentiert.

Und noch mehr vom Theatertreffen und über den Auftritt der österreichischen Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz gibt es außerdem: Direkt von der Theatertreffen-Diskussion “Feminismus heute ein Unwort?”

Davon, als was heteronormativ so verstanden wird, erzählt die Denkwerkstatt anhand der Diskussionen, die das neue Café Rosa in Wien ausgelöst hat.

Antje Schrupp spricht über die Unmöglichkeit von Objektivität in Genderdiskursen:

Denn wir alle – inklusive der Forscherinnen und Forscher selbst – sind ein Teil des Themas. Ich bin eine Frau. Ich kann über Frausein nicht objektiv sprechen, denn dieses „Objekt“ ist Teil meines Subjektseins.

The Dishwasher wundert sich über den ausbleibenden Aufstand, dass bei Minijobbern das Elterngeld gekürzt werden soll.

Am 17. Mai war der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie. Nur ein Blog war dabei, schriftlich und mit der Videokamera in Frankfurt:

In dem Zusammenhang auch lesenswert: Die Schilderungen von genderbefreit über die – nicht immer politisch korrekt ablaufende – Konstellation von trans* am Arbeitsplatz

… aber dann so in größerer Runde, bei Sitzungen, Konferenzen etc., da wo es politisch manchmal viel wichtiger wäre, da bin ich dann plötzlich nicht mehr sichtbar, so als Trans*person. Da verlässt mich der Mut.

Über die tolle Party, die eine Versicherung für ihre Vertriebler geschmissen hat, berichtete Helga bereits. Aber auch InFemme kommentiert die völlig No-Go-Sause, in der der Bonus Frauen unterschiedlichen Verfügungsgrads waren. Ätzend!

Und zuletzt noch ein Blick auf das Gendercamp, das vergangenes Wochenende zum zweiten Mal stattfand. Das feministische Zentrum nimmt mit einer Kritik an der Machtverteilung Stellung, und L-Talk macht direkt eine Serie aus den Erfahrungen des Wochenendes: Teil 1 mit Blick auf die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen und äh, royale Bezüge.


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Die Quote in der EU

27. April 2011 von Franziska

Salut,

die Diskussionen um eine verbindliche Frauenquote in den Chefetagen der Unternehmen reißen nicht ab. Im Frühjahr/Sommer 2010 bricht die Telekom ein Tabu und führt eine Frauenquote in Führungspositionen ein. Man hätte das noch als Werbestrategie um weibliche Kunden abtun können.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Doch mittlerweile haben Eon, Bosch, Daimler und BMW nachgezogen. Dann spricht sich im Juni 2010 die Justizministerkonferenz für eine Frauenquote in Führungs­positionen aus. Und was macht die Bundesregierung? Sie will bis 2012 prüfen, wie weit die Gleichstellung von Männern und Frauen in Führungspositionen vorangekommen ist. Bis dahin setzt sie auf die Selbstregulierung des Marktes und freiwillige Verpflichtungen. Inzwischen haben Norwegen, Spanien, Frankreich und die Niederlande erfolgreiche Quoten – wie lange will Deutschland noch dieser Entwicklung hinterherhinken?

Während sich unsere Ministerinnen Schröder und von der Leyen nicht einigen können und Angela Merkel sich klar gegen eine Quote ausgesprochen hat, scheint es auf europäischer Ebene langsam aber sich voran zu gehen. Am 1. März hat sich Justizkommissarin Viviane Reding mit den Vorständen der größten börsennotierten Unternehmen in der EU (u.a. BASF, Guerlain, Dexia, Strabag…) getroffen und diese aufgefordert, bis zum 8. März 2012 ein „Frauen-in-die-Vorstände-Versprechen” zu unterzeichnen, durch das sich die Unternehmen selbt verpflichten, auf freiwilliger Basis den Anteil von Frauen in ihren Vorständen zu erhöhen.

Dies soll vor allem dadurch erreicht werden, dass ausscheidende Vor­stands­mitglieder durch qualifizierte Frauen ersetzt werden. Sollten bis zum Stichtag im März nächsten Jahres nicht genügend Unternehmen dieses Versprechen abgegeben haben, wird Reding nach eigener Aussage eine ver­bindliche Quote durch EU-Vorschrift einführen. Diese soll 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 betragen.

Und auch Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier hat jetzt einen Vorschlag vor­gelegt. Am 5. April veröffentlichte die Europäische Kommission ihr Grünbuch zu „Corporate Governance“, in dem Barnier die Unternehmen auffordert, Führungs­positionen großer europäischer Unternehmen mit Personen aus verschiedenen Nationen, geeigneten beruflichen Fähigkeiten sowie gleichmäßig gemischt mit Männern und Frauen zu besetzen.
Weiblichere Chefetagen erhöhten die „kollektive Intelligenz”, so Barnier. Zudem sei es an der Zeit, den einseitig männlichen Führungsstil mit weiblichen Eigenschaften zu modifizieren. Auch das sei eine Lehre, die Europa aus der Finanz- und Bankenkrise ziehe.

Bis zum 22. Juli dieses Jahres hat nun jede_r Gelegenheit, Vorschläge zum Grünbuch einzureichen.


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Der lange Weg der polnischen FeministInnen

12. April 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 8 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Sieben Jahre nach Polens EU-Beitritt darf sich die dortige feministische Bewegung über einige Erfolge freuen. Das alte Klischee vom Feminismus als lächerliche, aus dem Westen importierte Ideologie gilt nicht mehr als selbstverständlich, schreibt Autorin Agnieszka Graff, eine der Hauptfiguren der Bewegung. Die rechtsliberale Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk hat neulich eine gesetzliche Frauenquote von 35 Prozent für die Parlamentswahlen eingeführt und das staatliche Angebot an Betreuungsplätzen für Kleinkinder verbessert. Die Medienresonanz einiger feministischer Veranstaltungen wächst durch die Teilnahme von Gesellschaftsprominenten wie Danuta Walesa, der Ehegattin des ersten polnischen Präsidenten und ehemaligen antikommunistischen Dissidenten Lech Walesa.

Freilich sind diese Erfolge auf eine pragmatische Neuorientierung eines Teils der feministischen Bewegung zurückzuführen, wie Graff zugibt. Denn der langjährige Kampf ums Abtreibungsrecht hat trotz aller Bemühungen nichts gebracht und die Chancen, dass dieses wichtige Ziel in absehbarer Zukunft verwirklicht wird, stehen weiterhin schlecht. Mit der Ausklammerung der Abtreibungsdebatte hoffen die eher liberal geprägten FeministInnen, den Widerstand des nach der Wende wiederentdeckten und seit Jahren dominanten Traditionalismus zu umgehen.

Tatsächlich könnte diese Rechnung aufgehen, denn sowohl der wirtschaftliche, als auch der politische Kontext scheinen günstig zu sein. Im Gegenteil zu allen anderen osteuropäischen Ländern hat Polen die Wirtschaftskrise gut überstanden und sieht sich dementsprechend weniger gezwungen, Kürzungen im Sozialetat vorzunehmen. Polnischen Frauen bleiben damit viele neue Probleme ihrer ungarischen oder rumänischen Geschlechtsgenossinnen zunächst erspart. Denn eine schwere Krise schwächt nicht nur die immerhin prekäre Wirtschaftsposition vieler Frauen, sondern stärkt in der Regel auch den Einfluss von neo­tra­di­tionalist­ischen und konservativen Diskursen, die dem Feminismus und der Modernisierung die Schuld für alles geben.

Umgekehrt verlieren die polnischen Rechtspopulisten um Jaroslaw Kaczynski an Wählerschaft, unter anderem gerade weil die Wirtschaftsbilanz der Regierung relativ gut ist. Und selbst die Erzkonservativen in der Katholischen Kirche sehen erstmals seit Jahren ihre Glaubwürdigkeit beschädigt, weil ihre politischen Spielchen von vielen BürgerInnen als übertrieben wahrgenommen werden.

Für die polnischen FeministInnen könnten diese Zusammenhänge eine Chance bieten, und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits wäre es natürlich begrüßenswert, wenn auf Druck des liberalen Mainstream-Feminismus’ weitere Reformen durchgesetzt würden. Andererseits könnte gerade dieses Phänomen zu einer weiteren, erfrischenden Differenzierung innerhalb der feministischen Bewegung führen.

(Jeweils im März demonstrieren polnische FeministInnen in den Großstädten gegen das Abtreibungsverbot und für mehr Frauenbeteiligung. Rechtskonservative Gegendemos gelten allerdings immer noch als vorprogrammiert.)


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Applaus für… die S.P.O.N.-Kolumnistinnen

5. April 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 18 von 22 der Serie Applaus für

Anfang des Jahres starteten eine Reihe Kolumnist_innen auf Spiegel Online und wir waren skeptisch. Inzwischen hat Sibylle Berg es geschafft, die Frage ob frau mit 46 Jahren ihre Haare noch lang und offen tragen könne, brilliant zu beantworten:

Wir Frauen sind so. Wir sind immer zu dünn. Oder zu dick. Wir sind zu geliftet oder zu hässlich, wir sind zu gefärbt oder zu ungefärbt, zu leise oder zu laut, wir treffen die Mitte nicht, die Mitte wäre nicht vorhanden sein, zu Hause sein, folgsam sein, immer noch. Da hat sich doch immer noch nichts geändert. Die Maßstäbe der Bemessung sind nicht dieselben. Die Männer sind nicht zu alt, sicher nicht, nicht zu fett.

In der neuesten Ausgabe hat sie sich der Frauenquote angenommen:

Randgruppe murmeln Sie, ha, wir sind die Hälfte der Welt. Sicher, die Frauen sind die Hälfte der Welt, in der Schweiz durften sie bereits in den siebziger Jahren wählen, in der Werbung bekommen sie gezeigt, dass sie ständig auslaufen, aussuppen, riechen, schmutzig sind, Binden brauchen, unbedingt Binden, weil sie verdammt noch mal nicht perfekt sind. Sie sind Angehörige einer Randgruppe, Männer diskutieren über die Frauenfrage.

Damit hat sie anscheinend auch Fame fatale-Steffi Kammerer angesteckt, die zu Bunga-Bunga-Parties und den derzeitigen Lebensaussichten junger Frauen deutliche Worte findet:

In der “Bild”-Zeitung diagnostizierte Franz Josef Wagner, 67, nach dem Tod von Elizabeth Taylor: “Altwerden ist die Hölle für jede Frau.” Und weiter: “Ihr Körper wurde fett wie bei einer Schlampe im Wohnwagen.” Hat ihm dafür irgendjemand eine gescheuert?

Das fragen wir uns auch (nicht zum ersten Mal). Und wünschen uns für die Zukunft weitere, kritische Seitenhiebe. Vielleicht äußern sich ja auch noch mal die Feministen.


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Revolutionserklärung der Frauen Saudi-Arabiens

30. März 2011 von Verschiedenen

Dieser Text erschien zuerst auf dem Blog der Journalistin Mona Kareem. Ins Deutsche übersetzt haben ihn Sara Mously und Rasha H. Khayat.

Vier Frauen, zwei unverschleiert, eine mit Kopftuch, eine im Niqab, sie halten Plakate hoch: I want Equality – I want freedom – I want to Participate - I want to Speak

copyright: Manal Al-Hazzaa

Soziale Netze spielen eine immer größere Rolle, wenn es darum geht, ge­sell­schaft­liche Veränderungen anzustoßen. Über Twitter haben viele saudi-arabische Frauen unter dem Hashtag #SaudiWomenRevolution ihrem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit in ihrer Gesellschaft Ausdruck verliehen. Sie liefern Beispiele, er­zäh­len von der Ungerechtigkeit, der sie ausgesetzt sind.

Die Medien haben zwar über die Twitter-Diskussion berichtet, aber nichts dafür getan, die Sache selbst voranzutreiben. In der Hoffnung, Unterstützung für ihren Kampf gegen gesellschaftlich legitimierten Sexismus zu erhalten, haben sie eine Revolutions-Website auf Facebook eingerichtet. Die folgende Erklärung fasst die dort gesammelten Forderungen zusammen. Sie wird an Menschen­rechts­or­ga­ni­sationen und Medienvertreter gesendet.

Erstens – Frauen können ihre Rechte nicht wahrnehmen, solange nicht das System der männlichen Vormundschaft vollständig aus den Regeln und Gesetzen des saudi-arabischen Staates getilgt ist. Der männliche Vormund, der „Mahram“ kann der Vater, Bruder, Ehemann oder sogar der Sohn einer Frau sein. Er verfügt über vielerlei Rechte, mit denen er ihr Leben fast vollständig kontrollieren kann. Das Königreich Saudi-Arabien sicherte der UN-Menschenrechtsrat im Juni 2009 zu, die männliche Vormundschaft und staatlich legitimierten Sexismus zu beenden. Doch bisher blieben diese Versprechen unerfüllt.

Vor allem aus folgenden Gründen leiden saudi-arabische Frauen unter der männlichen Vormundschaft: (weiterlesen …)


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Der „neue Mann“ und die Brutalität

29. März 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 20 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Nach den jüngsten Prügelattacken in Hamburg und Berlin werden sich wahr­scheinlich die Befürworter zunehmender Sicherheitsmaßnahmen erneut zu Wort melden. Denn tatsächlich scheinen solche Zwischenfälle in der letzten Zeit immer öfter aufzutreten. Dabei prügeln einzelne Männer oder Männergruppen meistens andere, ihnen völlig unbekannte Männer – so extrem, dass die die Opfer ins Kran­ken­haus müssen, oder sogar ums Leben kommen. Die Gewaltszenen geschehen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße, und die Täter haben oft keinen auch nur im Ansatz nachvollziehbaren Grund.

Die Medienberichte darüber klingen in vielen Fällen banal, oder thematisieren in rassistischer Weise die ethnische Herkunft der Tatverdächtigen. Panikmache und neue Forderungen nach mehr Überwachung sind oft das einzige Ergebnis der Mediatisierung. Wichtige und unangenehme Fragen bleiben dabei ausgeklammert. Denn, auch wenn die Anzahl der Gewaltüberfälle und Körperverletzungen laut den letzten offiziellen Statistiken gesunken ist und keinen Grund zur Panik bietet, bleibt jede Gewalttat natürlich eine zu viel. Letztendlich sind viele von uns nicht bereit zu akzeptieren, dass Männer seit eh und je andere Männer verprügeln und dies einfach auch weiterhin tun werden.

Die Zwischenfälle deuten selbstverständlich auf viele wirtschaftliche und soziale Faktoren hin, die unter dem Motto „Prekarisierung“ und „Verrohung der Gesellschaft“ verstanden werden und überall in den europäischen Großstädten zu beobachten sind. Doch darüber hinaus wird dadurch offensichtlich, dass „der neue Mann“, über den die deutschen Medien so oft schöne Features und Reportagen schreiben, noch lange keine Selbstverständlichkeit ist. Dieser neue Mann, der von denselben Kommentatoren immer wieder zum Opfer des Feminismus erklärt wird, scheint vielmehr allzu oft in der U-Bahn dem „alten Mann“ zum Opfer zu fallen. Der zeigt ihm regelmäßig, was ein richtiger Mann kann.

Was wir tatsächlich brauchen, sind also nicht weitere Überwachungsmaßnahmen, sondern mehr Klarheit über die Ziele unserer Bildungssysteme und die Ver­wirk­lich­ung einer modernen, antipatriarchalen und konsequenten Geschlechts­politik, die Machismo und Gewalt niemals toleriert oder verharmlost.


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rp11 – Grenzen managen

26. März 2011 von Verena

hellblauer Hintergrund auf dem oben 'Meet me @' (das letzte Zeichen ist eine Mischung aus @ und ♀, dem Frauenzeichen) steht, darunter bunte Stickereien, darunter re:publica XI 13. - 15. April 2011, BerlinVom 13. bis zum 15. April findet die re:publica 11 in Berlin statt. Höchste Zeit also, den Schedule nach weiblichen Speakern ab­zugrasen. Und Yeah!, das female Gras wächst üppiger und sichtbarer denn je. In loser Folge stellen wir euch in den kommenden Wochen einige Ladies@re:publica vor.

 

Heute:  Jana Ballenthien und Dr. Tanja Carstensen

Wo tretet ihr im Netz auf?
Jana: TU Harburg
Twitter: @skudij

Tanja: TU Harburg und Feministisches Institut
Twitter: @tanjcar

Wie ist der Name Eurer Veranstaltung?
Grenzmanagement in der digitalen Welt

Was passiert da?
Wir werden Ergebnisse aus dem laufenden Forschungsprojekt “Subjektkonstruktionen und digitale Kultur” vorstellen.

Wieso liegt euch das am Herzen?
Tanja: Unsere Veranstaltung ist gar nicht explizit feministisch, aber generell finde ich es wichtig, immer wieder neu im sich ständig verändernden Internet Geschlechterverhältnisse und feministische Potenziale zu analysieren.
Jana: Mit unserem Projekt bin ich zum ersten Mal in die Internetforschung eingestiegen. Und inzwischen kann ich sagen: Meine Güte, manche Diskurse halten sich ja echt hartnäckig, obwohl sie lange widerlegt sind. Zum Beispiel, dass Geschlecht im Netz keine Rolle mehr spielen würde… Oder, was für unseren Vortrag wichtiger ist: es gibt eine Vielzahl sehr pessimistischer Diskurse dahingehend, was die Auswirkungen des Web 2.0 auf die Subjekte betrifft. Und diesen Pessimismus können wir vielleicht ein Stück weit relativieren, um die Subjekte aus dem Status des ausgeliefert-sein herauszuholen und mehr als Akteur_innen zu betrachten, die das Internet z.B. auch mitgestalten.

Wo und wann findet euer Vortrag statt?
Am 13. April um 17 Uhr in der Kalkscheune, im blauen Saal.

Wie sind eure bisherigen Erfahrungen mit der re:publica?
Jana: Nur gute. Gute Vorträge, gute und vor allem diverse Inhalte, gutes Drumherum, gute Freunde und wichtige Kontroversen.
Tanja: Ich war letztes Jahr nur kurz da, aber mein Eindruck ist, dass die beiden genderrelevanten Veranstaltungen letztes Jahr die Aus­ein­an­de­rsetzungen um femistische Themen innerhalb der Netzszene deutlich vorangebracht haben und eine kleine Bewegung in Gang gestezt haben.

Habt ihr das Gefühl, dass Frauen auf Panels und in Workshops aktiv präsent sind?
Jana: Letztes Jahr war ich zum ersten Mal da, und zwar ohne viele Vorkenntnisse. Da war ich doch sehr positiv überrascht über die Partizipation von Frauen auf der Konferenz! Ich hab keine Statistiken, aber die gefühlte Präsenz und Aktivität war super.
Tanja: Dieses Jahr sehr! und es ist toll zu sehen, wie feministische Themen einen immer größeren Raum einnehmen.

Was sind eure Erwartungen an die re:publica in diesem Jahr
Tanja: Noch mehr sichtbare feministische Themen und Positionen, aber auch viele andere.
Jana: Ein Bekannter von mir hat mal gesagt, beim ersten Mal war es alles neu und spannend und großartig auf der re:publica und beim zweiten Mal war es wie ein Klassentreffen. In diesem Sinne freue ich mich auf unser Klassentreffen! Wobei… wenn ich das jetzt so schreibe, fällt mir schon der Klassismus auf, der da drinsteckt. Mhm.. Der könnte auf der re:publica noch überwunden werden. Wie so viele gesellschaftliche –ismen, die es auf der re:publica und überall noch zu überwinden gilt. Ich erwarte, dass wir damit anfangen und/oder weitermachen.


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Mehr Demokratie – mit und von Frauen!

15. März 2011 von Helga

Nicht nur bei den Revolutionen in Ägypten und Tunesien haben Demonstrantinnen und Aktivistinnen eine wichtige Rolle gespielt – auch in anderen Ländern gibt es derzeit noch Proteste und Frauen sind aktiv dabei. Für Demokratie und für Frauenrechte.

So begannen die Konflikte in Libyen mit einem Sit-In von Richter_innen, Anwältinnen und Anwälten. Das Radio Netherlands stellt die Anwältin Salwa Bugaigis vor, sie ist die Organisatorin des Sit-Ins und arbeitet weiter in der Rebellenbewegung.

Der Common Ground News Service erläutert die Geschichte der Frauenbewegung in Bahrein, sowie ihre aktuelle Arbeit. Erst 2002 erhielten die bahreinischen Frauen das Wahlrecht, bis zu den Wahlen in 2014 wollen Aktivistinnen noch mehr Unterstützung der Regierung haben, Frauen in die Politik zu integrieren. Ebenfalls dort gibt es ein Porträt von Tawakkul Karman, die der je­me­ni­ti­schen Demo­kra­tie­be­wegung ein Gesicht verleiht.

Weiter südlich haben die Proteste bereits Erfolg gehabt: der Südsudan erreichte gerade nach einem Referendum seine Unabhängigkeit vom Nordteil des Landes. Awid hat Manal Allagabo, Koordinatorin der Strategischen Initiative für Frauen am Horn von Afrika zur neuen Lage im Süden befragt. Die von der südsudanesischen Übergangsregierung beschlossenen Vorgaben für Gleichberechtigung seien ein guter Anfang, so Allagabo, sie durchzusetzen erfordere aber weiter die Aufmerksamkeit der Frauenrechtsorganisationen. Im Zuge der Aufstände gegen den Staats­präsidenten/Dik­ta­tor al-Baschir war es auch zu sexualisierter Gewalt gegen Aktivist_innen gekommen.

Im Irak geht derweil der Kampf um Frauenrechte weiter, erläutert noch einmal die New York Times. Außer der Frauenministerin gibt es inzwischen keine Mi­nist­er­innen mehr und Parlamentarierinnen beschweren sich, da sie von ihren Kollegen und Parteien von Debatten und Sitzungen ausgeschlossen werden.

Das Ms. Magazine hat schließlich einige Details und ein Video zu der De­mon­stration und den Übergriffen auf dem ägyptischen Tahrirplatz:

Internationaler Frauentag in Tahrir von Lauren E. Bohn auf Vimeo.


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