Einträge mit dem Tag ‘Haltung statt Posen’


Männer designen T-Shirts gegen Gewalt

2. September 2011 von Anna-Sarah

Zahllose Mädchen und Frauen sind von Gewalt betroffen – täglich, weltweit. Sie werden Opfer von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung oder Verstümmelung, von sexualisierter Gewalt, Menschenhandel oder sogenannten “Ehrenmorden“. Für Frauen und Mädchen in der Altersgruppe 16 bis 44 Jahre stellt derartige sexistisch motivierte Gewalt eine der hauptsächlichen Todes- und Verletzungsursachen dar, so das Netzwerk UNiTE to End Violence against Women, das vor diesem Hintergrund von einer “globalen Pandemie” spricht. Seit 2008 ist das Netzwerk aus verschiedenen Organen der Vereinten Nationen  unter der Federführung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon aktiv, geleitet von der Motivation, jegliche Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen in allen Teilen der Welt zu beseitigen. Um diesem ambitionierten Ziel näher zu kommen, hat UNiTE nun einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der nicht zuletzt wegen seiner Zielgruppe interessant ist: Er richtet sich an Männer zwischen 18 und 25 Jahren, welche weltweit aufgerufen sind, ein T-Shirt-Motiv für die Kampagne zu designen. Die erstmal relativ weitgefassten Vorgaben:

  • Stell dir vor, wie die Welt ohne Gewalt gegen Frauen und Mädchen aussähe
  • Beziehe dich im großen Maßstab und positiv auf die Konzepte Gleichberechtigung, Diversität und Respekt
  • Setz deine Fantasie und künstlerische Fähigkeiten dafür ein, Stellung zu beziehen und dich gegen alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen auszusprechen.

Eine hochkarätig besetzte internationale Jury wird die eingereichten Beiträge beurteilen, als Gewinn winkt eine Reise nach New York City, wo im Rahmen einer UN-Veranstaltung der Preis für den besten Entwurf verliehen wird.


Facebook | |


Keine Widerrede!

1. September 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 20 von 29 der Serie Das Wort zum Freitag

Wir sind in Kairo auf der Suche nach einem Buch. Man gibt uns Wegbeschreibungen, keine ist richtig. Wir laufen hin und her. Es ist heiß, die Sonne knallt und ich bin genervt. Wir treffen schließlich auf Ahmed, einen jungen ägyptischen Geschäftsmann. Er will uns helfen und führt uns in eine Buchhandlung in der Nähe. Ohne Erfolg, das Buch gibt es dort nicht. “Aber vielleicht in einer anderen Buchhandlung”, sagt der Verkäufer und beschreibt Ahmed den Weg.

“Ich fahre euch”, sagt Ahmed. Keine Widerrede. Schnell räumt er die Kindersitze in seinem Wagen weg, bittet uns hinein und fährt los. Auf der Fahrt erzählt er uns von seinem Familienunternehmen, wie sie unter der Revolution gelitten haben und dass es das aber wert gewesen sei. Er sei glücklich mit dem, was er habe.

Eine Stunde später stehen wir mit dem gesuchten Buch an der Kasse. Als wir zahlen wollen, erklärt Ahmed uns, das Buch sei schon bezahlt. Keine Widerrede. Und nach Hause fahren will er uns auch. Keine Widerrede. Als er später nach einer herzlichen Verabschiedung davonfährt, hinterlässt er bei mir mehr als nur ein Buch.

Einige Tage später sitzen wir in einem klappernden Taxi. Es riecht stark nach Benzin, ich muss mir die Nase zuhalten, atme vorsichtig. Es ruckelt, es wackelt. Ich sitze angewidert auf den alten Sitzen und versuche mich nirgends anzulehnen. Dann sehe ich das Gesicht des Fahrers im Rückspiegel: alt und gezeichnet. Er guckt mich besorgt an. Schnell drehe ich mich zum Fenster und versuche unauffällig durch den Mund zu atmen.

Als wir auf einer Schnellstraße an einem Wagen vorbeifahren, der am Straßenrand steht, hält unser Fahrer an und fährt vorsichtig rückwärts. “Was ist los? Kann ich helfen?”, fragt er den Fahrer des gestrandeten Wagens. “Nein, danke”, er warte auf Benzin. Unser Fahrer nickt und fährt weiter. Nach dem Aussteigen hole ich erst mal tief Luft.

Wir erholen uns in der Sultan-Hasan-Moschee, vor über 700 Jahren erbaut und noch immer hervorragend erhalten. Neben uns sitzt ein Mann und macht sich Notizen. Wir kommen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass Dr. Osama ein bekannter Architekt ist, früher beauftragt mit der Aufsicht sämtlicher religiöser Stätten in Ägypten, heute schreibt er ein Buch über die Architektur dieser Moschee. Er legt seine Arbeit zur Seite und weiht uns in ihre Geheimnisse ein. Als wir uns aufmachen wollen, besteht er darauf, uns zu fahren. Keine Widerrede.

Sein Wagen ist alt, staubig, die Scheibe zersprungen. “Relikt der Revolution”, kommentiert er. An diesem Tag begleitet uns Dr. Osama mehrere Stunden durch Kairo, fährt mit uns einkaufen und essen, zeigt uns besondere Architektur, bevor er uns am Abend zuhause absetzt. Keine Widerrede.

Mich ärgern Müll und Gestank, Stau und schlechte Luft in dieser Stadt. Noch mehr aber ärgere ich mich darüber, wie blind ich doch immer wieder für das Schöne bin. Herzlichkeit und Bescheidenheit, Glück und Gastfreundschaft – an alldem mangelt es nicht in diesem Land.

Und wieder stehe ich vor meiner Haustür. Mit mehr als nur meinem Einkauf.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


Facebook | |


SlutWalks brauchen eure Unterstützung!

8. August 2011 von Nadine

Plakat des Slutwalk Hamburg - blaue Turnschuhe und rosa High Heels an einer Wäscheleine

Die heiße Vorbereitungsphase der SlutWalks in Deutschland beginnt: Noch fünf Tage bis zu den deutschlandweiten Demonstrationen gegen sexuali­sier­te Gewalt, Vergewaltigungsmythen und -verharmlosungen. Doch es gibt noch viel zu tun bis dahin und auch auf dem Walk selbst brauchen die Organisator­_innen nicht nur jede Menge Teil­nehmende, sondern auch unzählige hel­fende Hände, die gemeinsam anpacken, um Slut­Walks hierzulande zu sicheren und angenehmen Demos machen – trotz aller Wut!

Was ist zu tun?

Die Orga-Teams der einzelnen Städte benötigen Menschen für Schutz. Sobald die Demonstration bei der Polizei angemeldet ist, erwartet diese von den Veranstalter_innen die Angabe einer ungefähren Teilnehmer_innenzahl. Je nach geschätzter Größe des SlutWalks in der jeweiligen Stadt fordert die Polizei daraufhin eine Mindestanzahl von Ordner_innen für den Walk selbst. Diese müssen allerdings volljährig sein. Aufgabe der Ordner_innen ist es, Gehwege und U-Bahn-Eingänge freizuhalten und schreiten ein, falls es zu aggressivem Verhalten (bspw. grenz­über­schreitendes Verhalten von Zuschauer_innen und Presseteams) kommt.

Weitere Helfer_innen werden für die Lautsprecherwagen gebraucht. Diese gilt es einerseits zu schieben oder zu fahren, sowie zu schützen, damit sich Teil­nehmer­_innen nicht verletzen.

Plakat des Sluwalk München - Drei Frauen mit in die Hüften gestemmten Armen, eine in langen Klamotten, eine in kurzem Top und Shorts, eine mit T-Shirt und lange Hose

In einigen Städten gibt es sogenannte Awareness-Teams. Diese achten spe­ziell darauf, ob sexistische, homo­queer-trans*phobe oder rassis­tische Übergriffe unter den Teil­nehmer­_innen passieren und greifen de­es­ka­lierend ein.

Hilfe ist natürlich auch gern gesehen in Sachen Promotion: Flyer verteilen, Plakate aufhängen, stickernd durch die Stadt laufen und eifrige Mund­pro­pa­gan­da.

Jede weitere Hilfe in allen Aufgaben, die anfallen, ist natürlich ausdrücklich erwünscht.

Wo kann ich mich melden?

Auf der Slutwalk Berlin Seite findet ihr eine Übersicht von allen teilnehmenden Städten sowie Kontaktdaten, Homepages, etc. Mailt die Organisator_innen einfach an, diese werden euch umgehend kontaktieren und euch mitteilen, wo, wann und wie ihr helfen könnt.

Und sonst?

In unserem Dossier in der rechten Spalte findet ihr weitere Informationen zu SlutWalks. Spread the word! Wir sehen uns Samstag auf der Straße!

Plakat des Slutwalk Ruhr - ein Frauengesicht mit ihre Fäuste vor den Augen, darauf steht: no means noPlakat des Slutwalk Berlin - eine Hand hält einen Schuh hoch


Facebook | |


Der alltägliche Sexismus – und was sich dagegen tun lässt

3. August 2011 von Helga

Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. So lassen sich die Er­geb­nisse einer Studie von Julia C. Becker und Janet K. Swim beschreiben, die sie vor kurzem im wissenschaftlichen Journal Psychology of Women Quarterly ver­öffent­licht haben (begrenzt öffentlich verfügbar). Danach bestätigen und verbreiten wir sexistische Annahmen, weil sie so weit verbreitet sind, dass wir sie gar nicht mehr als sexistisch wahrnehmen.

Darunter fällt etwa der „gutgemeinte“ Sexismus, nach dem Frauen die besseren Menschen seien und sich z.B. besser um Kinder kümmern können. Er wird seltener als Sexismus benannt und scheint zunächst ein positives Frauenbild zu vermitteln. Dabei vertieft er die Machtgefälle zwischen Männern und Frauen und festigt das Bild von Frauen als schwachen Menschen. Tatsächlich zeigen Frauen sogar schlechtere kognitive Leistungen, wenn sie gönnerhaften, herablassendem Verhalten ausgesetzt waren. Trotzdem wehren sich wenige dagegen und verbreiten sexistische Ansichten auch selbst weiter.

Was also lässt sich tun? Die Wissenschaftlerinnen ließen ihre Proband_innen Tagebuch führen, welche Arten von sozialen Interaktionen sie beoabachteten. Wurden darunter explizit sexistische Beispiele vorgegeben, erhöhte sich nicht nur die Wahrnehmung dieser – die Probandinnen selbst hatten danach weniger sexistische Ansichten. Bei den Probanden reichte es allerdings noch nicht aus. Erst wenn sie zusätzlich gebeten wurden, sich in die Betroffenen der sexistischen Vorfälle zu versetzen und ihre möglichen Emotionen zu notieren, veränderte sich ihre Einstellung. Dies liege am höheren gesellschaftlichen Status, den Männer innehaben, so die Autorinnen. Damit einher ginge ein größeres Interesse, diesen erstmal beizubehalten.

Auch wenn es auf Dauer ermüdend scheint – mehr Bewußtsein zu schaffen für alltäglichen Sexismus zahlt sich also aus. Wer die sexistischen Bäume erkennt, pflanzt keine neuen mehr. In Gesprächen mit Männern braucht es dagegen noch die Frage „Was meinst Du, wie ich mich bei sexistischer Kackscheisse fühle?“


Facebook | |


Europaparlament fordert die Quote

27. Juli 2011 von Franziska
Dieser Text ist Teil 12 von 17 der Serie Post aus Brüssel

Salut aus Brüssel,
dieses Mal übernehme ich für die Kolumne in Ansätzen unsere Pressemitteilung, die wir vor zwei Wochen angesichts der Forderung nach mehr Frauen in den Vorständen und einer verbindlichen Frauenquoten formuliert haben.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Hintergrund war, dass das Europaparlament den Bericht “Frauen und Unternehmensleitung” angenommen hat und darin die Wirtschaft auffordert, den Anteil von Frauen in Vorstandsgremien zu erhöhen oder verbindliche Quoten zu akzeptieren. Dazu lautete meine Erklärung:

Wir nehmen es nicht länger hin, dass gerade einmal 12 Prozent der Vorstände und 3 Prozent der Führungskräfte weiblich sind. Die Wirtschaft muss sich endlich von ihren Altherren-Clubs verabschieden. Sollten bis 2012 nicht spürbar mehr Frauen in Führungsgremien sitzen, brauchen wir verbindliche Quoten. Die Wirtschaft verliert sonst weiter Potential und der Staat viel Geld, das er in die Ausbildung von Frauen investiert, die es dann nicht in Spitzenpositionen schaffen. Einige Länder haben das längst erkannt, allen voran Norwegen und Frankreich, seit kurzem gehört auch Belgien dazu. Die Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft zeigt seit zehn Jahren kaum Ergebnisse. Ohne gesetzliche Quote wird sich in deutschen Unternehmen nichts bewegen. Es wird Zeit, dass Brüssel handelt.

Es ist also einiges in Bewegung und ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es weitergeht. Bis dahin einen sommerliche Gruß!

Eure Franziska


Facebook | |


Die feministische Frage der Männlichkeit

26. Juli 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 24 von 27 der Serie Neues vom Quotenmann

In ihrem Post „Look, Kitten, I Am Too a Feminist! Fauxminism and Men“ diskutiert die US-Bloggerin Megan Milanese das Problem der falschen männlichen Feministen und listet direkt noch zehn Kriterien auf, woran jene Pseudo-Alliierten erkannt werden können. Der Quotenmann findet den Ansatz richtig, ist aber eben deshalb wenig geneigt, selber eine Theorie über den Unterschied zwischen echten und falschen Feministen zu präsentieren. Denn das wäre nicht nur zwangsläufig eine Art Plädoyer in eigener Sache, sondern würde auch gegen eine zentrale – und durchaus vernünftige – Intuition der Autorin stoßen:

“While men certainly have a place in feminism, they need to understand that this place will be radically different from the place they currently enjoy in the current social climate.”

(zu deutsch: “Auch wenn Männer selbstverständlich ihren Platz im Feminismus haben, müssen sie verstehen, dass dieser sich radikal von dem unterscheiden wird, den sie im gegenwärtigen sozialen Klima genießen.”)

Vielmehr möchte der Quotenmann seine LeserInnen einladen, sich mit dieser allgemeinen Frage zu beschäftigen, während er sich hier auf einen einzigen Aspekt der Diskussion konzentriert. Milanese hat recht, wenn sie klarstellt, dass die Probleme der Männer für eine feministische Theorie (ebenso wie für eine Frauenministerin) gar nicht in den Vordergrund gehören. Wer – wie manche LeitartiklerInnen in den deutschen Medien – dies bezweifelt oder relativiert, hat das große Bild aus dem Blick verloren und schwelgt in einer angeblichen Opferrolle. Die Zusammenhänge sind aber aus einer konstruktivistischen Perspektive wohl etwas komplizierter. Die Autorin schreibt:

“While it is true the Patriarchy Hurts Men, Too™, the fact of the matter is that the problems that men face that don’t stem from class, race, sexuality, or able-bodiedness issues tend to stem from socially ingrained misogyny. It is a systemic devaluation of femininity that creates the rigidly defined masculinity by which men must abide. If men have a problem with masculinity as it currently exists, perhaps they should consider increasing the social status and viability of femininity in all people. They could also address the notion that femininity and masculinity are not mutually exclusive.” (weiterlesen …)


Facebook | |


Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre

4. Juli 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 34 von 35 der Serie Muttiblog

Die Frauenquote findet ja immer mehr AngängerInnen, wie es gerade so scheint. Auch meine Arbeitgeberin hat dieses Thema als etwas entdeckt, worüber man mal reden sollte und sich das Ziel gesteckt, bis 2015 30% Frauen in Führungs­positionen zu beschäftigen. Erreicht werden soll dieses Ziel mit mehr Kinder­betreuungs­möglichkeiten, flexibleren Arbeits­zeiten und Heim­arbeits­plätzen. Klingt erstmal toll und modern. Allerdings merkt man an den Maßnahmen sehr deutlich, wer sich das ausgedacht hat: weiße verheiratete Männer Mitte 50 mit durch­schnittlich 2.1 Kindern, die davon ausgehen, dass Frauen diejenigen sind, die Familie und Beruf vereinbaren müssen.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wegen der Wohnsitzproblematik blieb für uns letztendlich nur die Option „Betriebs­kinder­garten“. Aber auch dort sind die Plätze heiß begehrt und es be­durfte eines Wutausbruchs im Büro meines Chefs und mehrerer emotional sehr auf­ge­ladener Gespräche mit oberen Führungskräften, um nach einem Jahr Warte­zeit nun endlich ab Sommer das Kind an meinem Arbeitsort in den Kinder­garten schicken zu können und damit den Status „Wochenendmama zu beenden.

Jetzt haben diese Männer also erkannt, dass sie das Potential ihres Führungs­nachwuchses nicht voll ausschöpfen, weil ein Teil des Potentials ganz offen­sichtlich nicht beachtet wird. Und woran liegt das? Daran, dass die weiblichen High Potentials mit Kindern Beruf und Familie vereinbaren müssen. Da helfen wir denen doch mal ein bisschen und spendieren denen Kindergärten, flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätze. Nur: Die außertariflich Angestellten werden schon heute nicht nach Anwesenheitszeit bezahlt. Die somit bereits realisierten flexiblen Arbeitszeiten bedeuten in dem Zusammenhang hauptsächlich „Über­stunden sind mit dem Lohn bereits abgegolten“. Und auch der Laptop, Zugang von einem externen Internetanschluss via VPN zum Firmennetzwerk und der Blackberry gehören zum Standard, so dass das Arbeiten von zu Hause aus bereits jetzt schon problemlos möglich ist. Diese vollmundig versprochenen Maßnahmen, größtenteils bereits etabliert, werden wahrscheinlich einfach nicht reichen, solange die männlichen Konkurrenten eben nicht das Problem haben, Karriere und Familie zu vereinbaren. (weiterlesen …)


Facebook | |


Meinungsstark – Die Blogschau

21. Mai 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 108 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Gut, dass es das Theatertreffen-Blog gibt. Sonst blieben so schaurige Aussagen wie die von Herbert Fritsch bezüglich seines Frauenbildes gänzlich unkommentiert.

Und noch mehr vom Theatertreffen und über den Auftritt der österreichischen Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz gibt es außerdem: Direkt von der Theatertreffen-Diskussion “Feminismus heute ein Unwort?”

Davon, als was heteronormativ so verstanden wird, erzählt die Denkwerkstatt anhand der Diskussionen, die das neue Café Rosa in Wien ausgelöst hat.

Antje Schrupp spricht über die Unmöglichkeit von Objektivität in Genderdiskursen:

Denn wir alle – inklusive der Forscherinnen und Forscher selbst – sind ein Teil des Themas. Ich bin eine Frau. Ich kann über Frausein nicht objektiv sprechen, denn dieses „Objekt“ ist Teil meines Subjektseins.

The Dishwasher wundert sich über den ausbleibenden Aufstand, dass bei Minijobbern das Elterngeld gekürzt werden soll.

Am 17. Mai war der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie. Nur ein Blog war dabei, schriftlich und mit der Videokamera in Frankfurt:

In dem Zusammenhang auch lesenswert: Die Schilderungen von genderbefreit über die – nicht immer politisch korrekt ablaufende – Konstellation von trans* am Arbeitsplatz

… aber dann so in größerer Runde, bei Sitzungen, Konferenzen etc., da wo es politisch manchmal viel wichtiger wäre, da bin ich dann plötzlich nicht mehr sichtbar, so als Trans*person. Da verlässt mich der Mut.

Über die tolle Party, die eine Versicherung für ihre Vertriebler geschmissen hat, berichtete Helga bereits. Aber auch InFemme kommentiert die völlig No-Go-Sause, in der der Bonus Frauen unterschiedlichen Verfügungsgrads waren. Ätzend!

Und zuletzt noch ein Blick auf das Gendercamp, das vergangenes Wochenende zum zweiten Mal stattfand. Das feministische Zentrum nimmt mit einer Kritik an der Machtverteilung Stellung, und L-Talk macht direkt eine Serie aus den Erfahrungen des Wochenendes: Teil 1 mit Blick auf die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen und äh, royale Bezüge.


Facebook | |


Die Quote in der EU

27. April 2011 von Franziska

Salut,

die Diskussionen um eine verbindliche Frauenquote in den Chefetagen der Unternehmen reißen nicht ab. Im Frühjahr/Sommer 2010 bricht die Telekom ein Tabu und führt eine Frauenquote in Führungspositionen ein. Man hätte das noch als Werbestrategie um weibliche Kunden abtun können.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Doch mittlerweile haben Eon, Bosch, Daimler und BMW nachgezogen. Dann spricht sich im Juni 2010 die Justizministerkonferenz für eine Frauenquote in Führungs­positionen aus. Und was macht die Bundesregierung? Sie will bis 2012 prüfen, wie weit die Gleichstellung von Männern und Frauen in Führungspositionen vorangekommen ist. Bis dahin setzt sie auf die Selbstregulierung des Marktes und freiwillige Verpflichtungen. Inzwischen haben Norwegen, Spanien, Frankreich und die Niederlande erfolgreiche Quoten – wie lange will Deutschland noch dieser Entwicklung hinterherhinken?

Während sich unsere Ministerinnen Schröder und von der Leyen nicht einigen können und Angela Merkel sich klar gegen eine Quote ausgesprochen hat, scheint es auf europäischer Ebene langsam aber sich voran zu gehen. Am 1. März hat sich Justizkommissarin Viviane Reding mit den Vorständen der größten börsennotierten Unternehmen in der EU (u.a. BASF, Guerlain, Dexia, Strabag…) getroffen und diese aufgefordert, bis zum 8. März 2012 ein „Frauen-in-die-Vorstände-Versprechen” zu unterzeichnen, durch das sich die Unternehmen selbt verpflichten, auf freiwilliger Basis den Anteil von Frauen in ihren Vorständen zu erhöhen.

Dies soll vor allem dadurch erreicht werden, dass ausscheidende Vor­stands­mitglieder durch qualifizierte Frauen ersetzt werden. Sollten bis zum Stichtag im März nächsten Jahres nicht genügend Unternehmen dieses Versprechen abgegeben haben, wird Reding nach eigener Aussage eine ver­bindliche Quote durch EU-Vorschrift einführen. Diese soll 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020 betragen.

Und auch Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier hat jetzt einen Vorschlag vor­gelegt. Am 5. April veröffentlichte die Europäische Kommission ihr Grünbuch zu „Corporate Governance“, in dem Barnier die Unternehmen auffordert, Führungs­positionen großer europäischer Unternehmen mit Personen aus verschiedenen Nationen, geeigneten beruflichen Fähigkeiten sowie gleichmäßig gemischt mit Männern und Frauen zu besetzen.
Weiblichere Chefetagen erhöhten die „kollektive Intelligenz”, so Barnier. Zudem sei es an der Zeit, den einseitig männlichen Führungsstil mit weiblichen Eigenschaften zu modifizieren. Auch das sei eine Lehre, die Europa aus der Finanz- und Bankenkrise ziehe.

Bis zum 22. Juli dieses Jahres hat nun jede_r Gelegenheit, Vorschläge zum Grünbuch einzureichen.


Facebook | |


Der lange Weg der polnischen FeministInnen

12. April 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 8 von 17 der Serie Im Osten nichts Neues?

Sieben Jahre nach Polens EU-Beitritt darf sich die dortige feministische Bewegung über einige Erfolge freuen. Das alte Klischee vom Feminismus als lächerliche, aus dem Westen importierte Ideologie gilt nicht mehr als selbstverständlich, schreibt Autorin Agnieszka Graff, eine der Hauptfiguren der Bewegung. Die rechtsliberale Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk hat neulich eine gesetzliche Frauenquote von 35 Prozent für die Parlamentswahlen eingeführt und das staatliche Angebot an Betreuungsplätzen für Kleinkinder verbessert. Die Medienresonanz einiger feministischer Veranstaltungen wächst durch die Teilnahme von Gesellschaftsprominenten wie Danuta Walesa, der Ehegattin des ersten polnischen Präsidenten und ehemaligen antikommunistischen Dissidenten Lech Walesa.

Freilich sind diese Erfolge auf eine pragmatische Neuorientierung eines Teils der feministischen Bewegung zurückzuführen, wie Graff zugibt. Denn der langjährige Kampf ums Abtreibungsrecht hat trotz aller Bemühungen nichts gebracht und die Chancen, dass dieses wichtige Ziel in absehbarer Zukunft verwirklicht wird, stehen weiterhin schlecht. Mit der Ausklammerung der Abtreibungsdebatte hoffen die eher liberal geprägten FeministInnen, den Widerstand des nach der Wende wiederentdeckten und seit Jahren dominanten Traditionalismus zu umgehen.

Tatsächlich könnte diese Rechnung aufgehen, denn sowohl der wirtschaftliche, als auch der politische Kontext scheinen günstig zu sein. Im Gegenteil zu allen anderen osteuropäischen Ländern hat Polen die Wirtschaftskrise gut überstanden und sieht sich dementsprechend weniger gezwungen, Kürzungen im Sozialetat vorzunehmen. Polnischen Frauen bleiben damit viele neue Probleme ihrer ungarischen oder rumänischen Geschlechtsgenossinnen zunächst erspart. Denn eine schwere Krise schwächt nicht nur die immerhin prekäre Wirtschaftsposition vieler Frauen, sondern stärkt in der Regel auch den Einfluss von neo­tra­di­tionalist­ischen und konservativen Diskursen, die dem Feminismus und der Modernisierung die Schuld für alles geben.

Umgekehrt verlieren die polnischen Rechtspopulisten um Jaroslaw Kaczynski an Wählerschaft, unter anderem gerade weil die Wirtschaftsbilanz der Regierung relativ gut ist. Und selbst die Erzkonservativen in der Katholischen Kirche sehen erstmals seit Jahren ihre Glaubwürdigkeit beschädigt, weil ihre politischen Spielchen von vielen BürgerInnen als übertrieben wahrgenommen werden.

Für die polnischen FeministInnen könnten diese Zusammenhänge eine Chance bieten, und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits wäre es natürlich begrüßenswert, wenn auf Druck des liberalen Mainstream-Feminismus’ weitere Reformen durchgesetzt würden. Andererseits könnte gerade dieses Phänomen zu einer weiteren, erfrischenden Differenzierung innerhalb der feministischen Bewegung führen.

(Jeweils im März demonstrieren polnische FeministInnen in den Großstädten gegen das Abtreibungsverbot und für mehr Frauenbeteiligung. Rechtskonservative Gegendemos gelten allerdings immer noch als vorprogrammiert.)


Facebook | |



Anzeige