Einträge mit dem Tag ‘Haltung statt Posen’


Sexuelle Belästigungen – so sieht’s aus.

21. Mai 2012 von Helga

Rund 60 Prozent der Frauen in Deutschland sind bereits belästigt wurden – eines der Ergebnisse einer Studie von 2010 des Frauenministeriums. Davon fühlte sich rund die Hälfte bedroht. Und 9 Prozent der Frauen gaben an, dass es in einer oder mehreren Situationen zu körperlicher Gewalt oder Vergewaltigungen kam. Für eine Talkrunde von der Deutschen Welle (Shabab Talk, leider nur auf arabisch verfügbar), habe ich letzte Woche zu sexueller Belästigung recherchiert und musste dabei auch an meine eigenen Erlebnisse denken. [Triggerwarnung.]

Manches klingt zunächst harmlos. Wie der Typ, der neulich auf der Straße „Hallo“ sagte. Doch er war in einer großen Gruppe unterwegs und ich ganz alleine. Und völlig in Gedanken versunken, so dass ich mich deshalb total erschreckte. Etwas deutlicher war schon der Kerl, der „mmmmmmmmmmmhhhhhhhhh“ rief. Schön, dass er augenscheinlich mit mir Geschlechtsverkehr vollziehen möchte oder zumindest meine Erscheinung kommentieren musste. Auf das passende „iiiiiiiiiiihhhhhh“ hatte ich dann keine Lust, denn auch er war in einer größeren Gruppe unterwegs.

Bei meinem schlimmsten Erlebnis vor einigen Jahren war ich immerhin nicht alleine. Damals antworteten wir zunächst nichts auf die Avancen eines Jugendlichen. Was ihm nicht passte, so dass er dann Beleidigungen hinterher setzte. Danach habe ich tatsächlich was gesagt („was soll denn das, uns zu beleidigen“) und dafür ein Veilchen kassiert. Geistesgegenwärtig haben wir die Polizei gerufen, die sogar in zwei Minuten da war und ihn in einem Hauseingang fand. Die Anzeige blieb allerdings ohne Folgen. Da er bereits eine Reihe anderer Verfahren am Hals hatte, wurde meines fallengelassen. Stattdessen blieb mir ein Bluterguss. Leider kannte ich niemanden, der oder die schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen war. Und auch die Polizei hat mir erst später gesagt, dass ich damit zum Arzt hätte gehen sollen, um ihn zu dokumentieren – dann wäre das Verfahren vielleicht anders ausgegangen.

Vor einem Jahr nun stand ich nach einem Stadtfest abends vor einem Schaufenster und wartete auf Freund_innen. Ein besonders witziger Besucher boxte mir dabei in den Hintern. Ja, boxte und nein, da waren nur eine Handvoll Leute auf der Straße, es gab keinen Grund, mich überhaupt zu berühren. Auch ihn und seinen Freund habe ich zur Rede gestellt. Nachdem sie erst versuchten, einen anderen anzukreiden, haben sie sich schließlich entschuldigt. Und 20 Meter weiter gleich wieder gelacht. Ich war alleine, niemand kam mir zu Hilfe und die beiden zogen weiter. Um die Polizei zu rufen, fehlten mir die Nerven, ich wollte nur noch nach Hause.

Diese Erlebnisse sind zum Glück nicht täglich, aber sie kommen immer wieder. Sie sind der Grund dafür, dass ich mich auf der Straße von sexualisierter Gewalt bedroht fühle. Dass ich mir überlege, was ich anziehen soll und wo ich langgehen kann. Aber, wie High on Clichés so treffend schrieb, für diese Vorsichtsmaßnahmen werde ich nicht belohnt, kann mein Leben immer noch nicht in Ruhe führen, die Einschränkungen werden nicht einmal anerkannt. Also bitte: Hören wir auf, Frauen zu erklären, wie sie sich schützen könnten. Gegen sexuelle Belästigungen hilft nur eines, nämlich niemanden zu belästigen. Die Sprüche müssen aufhören, das Angrapschen muss aufhören, die verharmlosenden Witze müssen aufhören. Wir brauchen eine Kultur, in der es nicht normal ist, dass Frauen Vorsichtsmaßnahmen treffen, sondern in der jede zu jeder Zeit unbelästigt auf die Straße gehen kann!

[Anmerkung 22.5.: Das Rookie Mag hat gestern ebenfalls einen langen Austausch mit vielen Vorkommnissen veröffentlicht. Triggerwarnung]


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„Mich interessiert, was die Menschen bewegt“

19. April 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 100 von 103 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

anders-anziehen
Auch auf twitter und facebook.

Wie heißt du?
Smilla Dankert

Seit wann bloggst du?
Seit Herbst 2009.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Die Idee zu meinem Blog hatte ich schon eine ganze Weile, aber mir hat immer die Zeit gefehlt und auch der Mut endlich anzufangen. Eines Tages hab ich dann beschlossen einfach loszulegen, und mich nicht mehr beirren zu lassen von meinen eigenen Zweifeln.

Worüber schreibst du?
In meinem Blog geht es um Menschen. Ich fotografiere und portraitiere Menschen, die ich auf der Strasse anspreche, die mir auffallen und mich interessieren. Zu den Fotos schreibe ich dann einen kurzen Text, eine Art Gedächtnisprotokoll. Einige Menschen erzählen mir direkt etwas aus ihrem Leben, anderen stelle ich Fragen; ganz so wie es sich entwickelt. Mich interessiert, was die Menschen bewegt, was sie tun und warum sie es tun. Dabei bin ich immer wieder verblüfft über die Dinge die ich erfahre. Einiges recherchiere ich später, wenn Themen mich interessieren oder bestimmte inhaltliche Bezüge, die ich interessant finde. Mir fällt immer wieder auf, dass auch Themen, zu denen ich sonst eher wenig Zugang hätte, mich plötzlich interessieren, wenn ich sie von Menschen nahegebracht bekomme, die aus einem persönlichen Blickwinkel darüber berichten. Das versuche ich dann in meinem Blog weiterzugeben. (weiterlesen …)


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Ich will nicht mehr applaudieren!

16. März 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 45 von 48 der Serie Meine Meinung

Heute ist mal wieder so ein Tag. Wir schreiben das Jahr 2012, seit Jahrhunderten kämpfen Frauen für ihre Rechte und ihre Annerkennung als Menschen und trotzdem gibt es mehr Baustellen, als alleine dieses Blog aufzeigen kann. Aber ich darf nicht unzufrieden sein, „es geht doch voran“ heißt es. Wenn ich das nicht anerkenne, wenn ich trotzdem meckere und mich beschwere, dann bin ich wieder die ewig unzufriedene Emanze.

Endlich Kampagnen in Clubs, dass sexualisierte Übergriffe ernst genommen werden? Applaus! Männer, die auf ihre Podien und ihre Radiosendungen auch Frauen einladen? Applaus! Gesetzesvorlagen für 40 Prozent Frauenquote in Auf­sicht­sräten und Vorständen? Applaus!

Verdammt ich will nicht mehr applaudieren! Warum ist das alles noch nicht Selbstverständlichkeit? Warum soll ich mich denn freuen, dass ich Po-Grapscher melden kann und ernst genommen werde? Wie sehr haben wir uns eigentlich verarschen lassen, wenn wir derartig grundlegende Anerkennung noch als Fortschritt bejubeln, wenn wir diejenigen sind, die Anerkennung zollen müssen?

Die perfide Botschaft ist klar: Klatschen und freuen wir uns nicht genug, dann kriegen wir davon nichts mehr. Denn, so heißt es, die Einhaltung unserer Grundrechte hängt davon ab, ob wir nett genug sind. Davon haben wir uns einlullen lassen! Aber ob Wahlrecht oder Abtreibungsparagraph – alles was wir uns erkämpft haben, haben wir erkämpft! Indem wir unbequem waren, auf die Straße gingen und Radau gemacht haben!

Nein, ich werde nicht mehr applaudieren für Selbstverständlichkeiten. Denn ja, ich bin unzufrieden. Beschimpft mich ruhig, das zeigt nur, dass es dringend notwendig ist, wieder zu kämpfen. Meinen Applaus hebe ich mir auf für alle, die mit mir unbequem sind und die Welt ändern – über das Selbstverständliche hinaus!


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Gemischte Nachrichten aus Afghanistan und Pakistan

12. März 2012 von Helga

Zum ersten Mal in der Geschichte ging dieses Jahr ein Oscar nach Pakistan. Die Filmemacherin Sharmeen Obaid-Chinoy wurde für „Saving Face“ ausgezeichnet und widmete die Ehrung gleich allen Frauen Pakistans. Denn Saving Face zeigt, wie pakistanische Frauen nach Säureanschlägen leben. Je nach Schätzung werden immer noch 600 bis weit über 8.000 Frauen jährlich Opfer von überwiegend männlichen Tätern, so Foreign Policy. Bisher führen nur 2 Prozent der Anzeigen zu Verurteilungen – auf Druck weiblicher Abgeordneter wurden Ende letzten Jahres aber endlich mehrere Frauenschutzgesetze verabschiedet, die u.a. härtere Strafen und stärkere Regulierung des Säureverkaufs vorsieht. Wie The Nation berichtet, sind auch Zwangsheiraten, das Verweigern des Erbes und weitere Praktiken strafbar geworden.

Die Initiativen in Afghanistan gehen dagegen in die andere Richtung. So hat der Ulema-Rat vorgeschlagen, die Geschlechtertrennung voranzutreiben. Frauen sollten laut taz bei der Arbeit oder unterwegs nur noch mit verwandten Männern zusammen sein. Das kommt bei der jungen Bevölkerung allerdings schlecht an – die BBC hat Beispiele des Protests im Internet gesammelt. Doch auch auf der Straße wird protestiert. Der Spiegel porträtiert die junge Künstlerin Shamsia Hassani. Sie sprayt politische Grafitti an Häuserwände in Kabul und hat ein Kunstkollektiv gegründet.


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Muschialarm im EU-Parlament

29. Februar 2012 von Franziska
Dieser Text ist Teil 18 von 19 der Serie Post aus Brüssel

Salut,

ich wollte euch gern an der “Muschiaffäre” - wie BILD es so schön nennt - teilhaben lassen, die sich derzeit im Europaparlament abspielt. Mein konservativer Kollege Werner Langen (CDU, Rheinland-Pfalz) hat sich letzte Woche in der BILD über die Vagina-Monologe beschwert, die am 6. März erstmals im Europaparlament in Brüssel aufgeführt werden sollen.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Seiner Meinung nach gehört die Diskussion über Gewalt an Frauen und die Thematisierung der weiblichen Geschlechtsorgane ins Theater statt ins Parlament und will sich beim Parlamentspräsidenten beschweren. Das sehen wir, neun weibliche Abgeordnete und die V-Day-Gründerin Eve Ensler jedoch anders und werden das preisgekrönte Theaterstück aufführen, das auf Eves Interviews mit über 200 Frauen basiert und auf humorvolle und anmutige Weise die Sexualität und Stärke von Frauen feiert. Die Vagina-Monologe werden seit 14 Jahren am Valentinstag aufgeführt. Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, eine fraktionsübergreifende Runde von Abgeordneten als Darstellerinnen für den Aufruf für ein Ende der Gewalt gegen Frauen zu mobilisieren.

Die Darstellerinen sind:

  • Franziska Brantner (Grüne, Deutschland)
  • Isabelle Durant (Grüne, Belgien)
  • Marielle Gallo (Konservative, Frankreich)
  • Ana Maria Gomes (Sozialdemokraten, Portugal)
  • Kartika Tamara Liotard (Linke, Niederlande)
  • Ulrike Lunacek (Grüne, Österreich)
  • Sirpa Pietikäinen (Konservative, Finnland)
  • Renate Weber (Liberale, Rumänien)
  • Cecilia Wikström (Liberale, Schweden)

Noch mehr Infos zum V-day und zu den Vagina-Monologen fndet ihr auf der internationalen Internetseite des V-Days.

Viele Grüße aus Brüssel,
eure Franziska


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Zusammen für ein gerechtes Rumänien

9. Februar 2012 von Silviu
Dieser Text ist Teil 17 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

In Rumänien wird zum ersten Mal seit der Wende spontan protestiert. Seit mehr als einem Monat sammeln sich BürgerInnen aller sozialen Schichten und Altersgruppen, um gegen drastische Sparmaßnahmen und extreme Ungleichheiten zu demon­strieren. Es fing heftig an. Staatspräsident Traian Basescu und seine rechtsliberale Regierungsmehrheit wollten – unter dem Vorwand der vom IWF (Internationaler Währungsfonds) verlangten Haushaltssanierungen und hinter dem Rücken der Öffentlichkeit – das ganze Gesundheitssystem privatisieren. Es flogen Steine, Schaufenster von Banken und Geschäften gingen zu Bruch, Menschen lieferten sich erstmals seit 20 Jahren handfeste Auseinandersetzungen mit der Gendarmerie.

Die Regierung versuchte, die Wut der BürgerInnen mit Zugeständnissen ab­zu­wenden, doch das funktionierte nicht mehr. Aus einem monothematischen Protest wurde bald eine Bewegung. Trotz Schnee und klirrender Kälte demonstrieren hunderte, manchmal tausende Leute in den Großstädten und vor allem auf dem Universitätsplatz in Bukarest, jenem Ort, wo auch 1989 protestiert wurde. Von Anfang an forderten sie den Rücktritt der Regierung und Anfang der Woche ist diese auch tatsächlich zurückgetreten. Angesichts der katastrophalen Umfragewerte und der anstehenden Wahlen gab es kaum andere Optionen.

Doch den „armen Schluckern“ von der Straße, wie ein Abgeordneter der rechts­liberalen Mehrheit sie nannte, geht es nicht nur um ein arrogantes Kabinett und seinen kläglichen Premier. Sie wollen ein Ende des Wildwest-Kapitalismus, der nach der Wende viele Länder Osteuropas plagt. Und sie kämpfen für viele kleinere, aber wichtige Ziele: Ernstzunehmende Umweltschutzprogramme, ein Ende des umstrittenen Bergbauprojektes von Rosia Montana, eine anständige Finanzierung von Bildung und Gesundheit statt massiver Privatisierungen, eine Diskussion statt einer sofortigen Ratifizierung des ACTA-Abkommens.

Die feministische Gruppe Filia, aber auch viele BloggerInnen und AktivistInnen beteiligen sich täglich an den Protesten und zeigen, dass Gender-Ungleichheiten, Sexismus und Homophobie auf die politische Agenda gehören und kein vermeintlich privates Problem darstellen. Die autistische neoliberale Spar- und Privatisierungspolitik und ihre konkreten Konsequenzen für Frauen als eine der am meisten betroffenen Gruppen werden dadurch endlich problematisiert. Ebenfalls wird der Regierungsmehrheit zu Recht vorgeworfen, dass sie in den letzten Jahren wenig bis nichts für mehr Gleichheit und Gleichberechtigung getan hat. Es werden keine Wunder über Nacht geschehen, doch diese breite Front an Protest ist ein guter Anfang.


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Ehe, Kinder und die üblichen Klischees – die Blogschau

14. Januar 2012 von Verena

reischan macht sich Gedanken um das über-einen-Kamm-Scheren von Feminist_innen und appelliert daran, den Männern die Definitionsmacht darüber, was Feminist_innen sind oder nicht sind aus der Hand zu nehmen.

Die Zahlenzauberin darf zu Recht angeben: Mit einem gestickten “Riots Not Diets”.

denkwerkstatt veröffentlicht den ersten Teil ihres Interviews mit Raewyn Connell, einer der Mitbegründerinnen der akademischen Männlichkeitsforschung.

fuckermothers berichtet über das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wonach Deutschland das einzige OECD-Land – von 23 – ist, das die Erwerbstätigkeit beider Eltern steuerlich behindert; Stichwort Ehegattensplitting.

Noah Sow schildert die kurze, gruselige Unterhaltung in einer Umkleide: Darf ich Ihnen den Rücken eincremen?

West-Östliche Diva erzählt vom Neujahrsempfang der Deutsch-Arabischen Gesellschaft in Berlin, in der sie mit ihrer Freundin nicht nur den Altersdurchschnitt senkt sondern sich auch über diversen “Orientalistenquatsch” und drei weiße Männer – u.a. Peter Scholl-Latour – auf dem Podium ärgert.

Die australische Get Up! Kampagne wirbt mit einem Video gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Ehen

Um die Ehe geht es auch bei Teresa Bücker, die für die FAZ-Community unser Verständnis von der Ehe hinterfragt. Wo ist dort zwischen öffentlichen Reaktionen wie ‘hoffnungslos romantisch’ und ‘hoffnungslos gestrig’ noch Platz für die freie Entscheidung einzelner?

Die kleine Ethnologin nimmt Stellung zu einem SZ-Artikel, der über ein jüngst in der USA erschienenes Buch über Michelle Obama berichtet und eifrig die Klischees der Politikergattin bedient.

Puzzlestücke kotzt über den offensichtlichen Sexismus sogenannter Friend-Zones, in denen Männer die Harmlosen und Frauen die Bösen sind. Passt exellent zu Nadines Text über Nice-Guys. (weiterlesen …)


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Jetzt vorschlagen: Die Bloggerin des Jahres 2011!

30. November 2011 von Maedchenmannschaft e.V.

Bloggermädchen 2011 Auch in diesem Jahr haben wieder viele tolle Bloggerinnen “im Netz” gegen all den Kram, der auch das nichtvirtuelle Leben manchmal ganz schön schwer macht, angeschrieben und auf ganz verschiedene Art und Weise digitale Räume geschaffen, in denen wir uns gern aufhalten, uns austauschen, vernetzen oder unterstützen, in denen wir Spaß haben, auf gute Ideen kommen, schöne Dinge entdecken oder praktische Tipps finden. Einige solcher Blogs stellen wir hier immer mal wieder vor, z.B. in unserer Rubrik WWW Girls. Ihr kennt aber garantiert noch viel mehr tolle Bloggerinnen. Und so suchen wir auch in diesem Jahr wieder das

Bloggermädchen des Jahres!

2009 machte Frau Liebe knapp vor Anne Roth das Rennen, den dritten Platz teilten sich Das Mädchenblog und Frl. Zucker.  2010 verlieht ihr die Auszeichnung an Kathrin von Drüberleben, auf dem zweiten und dritten Platz landeten Anke Gröner und Antje Schrupp.

Und 2011? Wie in den vergangenen zwei Jahren seid jetzt ihr gefragt, liebe Leser_innen: Welche Blogs aus dem deutschsprachigen Raum lest ihr gerne und regelmäßig? Welche ist eure Bloggerin des Jahres? Ab sofort und bis zum 31. Dezember, 12:00 Uhr könnt ihr sie hier in den Kommentaren vorschlagen (bitte nur 1x) und begründen, warum sie nominiert werden sollte. Die Abstimmung folgt dann im Januar 2012.

Viel Spaß!

Eure Mädchenmannschaft


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Rumänische FeministInnen protestieren gegen Gewalt

22. November 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 15 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, organisiert die rumänische AktivistInnen-Gruppe FILIA eine Protestaktion gegen die Verdrängung dieses Themas in der lokalen Öffentlichkeit. Mit einer Demo vor dem Parlament in Bukarest will die universitätsnahe feministische Initiative konkrete Gesetzesänderungen erreichen. So soll in Fällen von physischer Gewalt der frühzeitige Einsatz der Behörden erleichtert, das Netz von Frauenhäusern ausgebaut und die Täter tatsächlich bestraft werden. Vor allem wollen aber die akademisch geprägten AktivistInnen ein Zeichen setzen und das Problem endlich auf die politische Agenda bringen.

Plakat der Organistaion FILIA: Das Gesicht einer jungen blonden Frau mit einem großen Bluterguss auf der Wange

Aufruf zum Stopp von Gewalt gegen Frauen. Copyright FILIA

Das ist eine durchaus sinnvolle Idee, die mittlerweile eine breitere Unterstützung – unter anderen auch bei den schwulen und Roma-Organisationen – gefunden hat. Denn schon die offiziellen Statistiken erzählen eine grausame Geschichte. Zwischen 2004 und 2008 wurden in Rumänien fast 50.000 Frauen Opfer häuslicher Gewalt, die in rund 700 Fällen tödliche Folgen hatte: Im Durchschnitt wurde also alle zwei Tage eine Rumänin umgebracht. Im Jahr 2009 stieg die jährliche Opferzahl noch einmal dramatisch um acht Prozent auf 12.000 an. War es die Wirtschaftskrise, die viele Menschen in die Arbeitslosigkeit und Armut getrieben hat und die reale Opferzahl steigen ließ? Oder war es im Gegenteil ein erhöhtes Problembewusstsein, ein moderneres Selbstverständnis, das immer mehr Frauen den Mut gab, das Schweigen zu brechen?

Wir wissen es nicht. Diese schreckliche Zahl lässt sich schwer einschätzen. Armut scheint auf dem ersten Blick keine wichtige Rolle zu spielen. Zwar verdienen 60 Prozent der Opfer weniger als das rumänische Durchschnittseinkommen (das sind im Monat 350 Euro netto). Aber das ist ja eben das „normale“ Verhältnis für Frauen. Fakt ist, dass das finanzielle Argument in vielen Fällen schwer wiegt, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob frau sich weiterhin schlagen lässt, oder plötzlich auf der Straße landet. Die aktuell verfügbaren Plätze in Frauenhäusern decken nämlich keine fünf Prozent des offiziellen Bedarfs.


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Kein Fortschritt wenn es um Barrierefreiheit geht?

22. November 2011 von Helga

Nach fast drei Jahren des Bloggens verkündete letzte Woche Julia Probst (auch bekannt als @EinAugenschmaus) fürs Erste damit aufzuhören. Ihre Arbeit sei nicht beendet, ganz im Gegenteil:

Es gibt sovieles, worüber ich mich aufregen könnte und blogtechnisch verwursten könnte, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sich in Deutschland nichts in Sachen Inklusion und Barrierefreiheit ändern wird in absehbarer Zeit.

So stieg z.B. der Anteil an Untertitelungen im deutschen Fernsehen von gerade einmal 10,6 auf 12,6 Prozent. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ist der Anteil etwas höher, aber mit z.B. 37 Prozent bei der ARD immer noch ein Armutszeugnis. Oft sind es nur verkürzte Untertitel und die Mediathek bleibt eh untertitelfreie Zone. Dennoch sollen Gerhörlose ab 2013 nicht mehr von der GEZ-Gebühr befreit werden. Doch nicht nur dies frustriert. So beschreibt Probst, wie sie in der Betroffenheitsfalle gelandet ist:

Mit meiner Art zu bloggen und Internetpräsenz habe ich mir einen kleinen Bekanntheitsgrad geschaffen, aber warum in Gottes Namen […] muss man erst sich erst mal einen Namen verschaffen, um gehört oder eher erhört zu werden von der Politik, die ihre Hausaufgaben einfach nicht macht?

Einen Ausblick aber gibt es noch:

Aber vielleicht sieht man sich ja im Fernsehen? Ich habe nämlich die Redaktionen von “Hartaberfair”, “Jauch”, “Anne Will” und “Markus Lanz” angeschrieben, ob die nicht mal über Barrierefreiheit und Inklusion von Menschen mit Behinderungen reden wollen mit mir als Studiogast?

Bisher kam von den Redaktionen leider nur warme Worte und keine Zusagen. Dabei bekleckert man sich im Bundetag derzeit mit noch weniger Ruhm als sonst, wenn es um Barrierefreiheit geht. Dringend Zeit also, das Thema auch ins Fernsehen zu holen und auch als Nicht-Betroffene deutlich zu machen, dass es so nicht weiter geht.


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