Einträge mit dem Tag ‘Graphic Novel’


Yellowfacing, Graphic Novels und der Internationale Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit – die Blogschau

21. Mai 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 295 von 295 der Serie Die Blogschau

Anlässlich des vor wenigen Tagen stattfindenden Internationalen Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit (IDAHOT*) veröffentlichte MSO Inklusiv keine klassische Pressemitteilung, sondern teilte kurze Beiträge zur persönlich-politischen Bedeutung ihrer Arbeit.

Schon etwas länger her, aber immer noch sehr lesenswert ist dieses Interview mit Grada Kilomba beim Missy Magazin: „Ich vermisse Emotionalität und Spiritualität in der Wissensproduktion.“

Auf femgeeks rezensiert Lara das Buch „Nerds, Geeks und Piraten“ von Nina Scholz, welches einen guten Überblick über die Entwicklung und Bedeutung der Nerds bietet und an „vielen Stellen die Hintergründe und Probleme der Nerdkultur offen[legt].“ So gibt es beispielsweise auch ein Kapitel zum Sexismus in der Szene.

Naekubi stellt sich im Mai auf ihrem Blog danger bananas einer Herausforderung: 30 Days of Blogging. Am Tag 12 gab’s Ärgerliches: rassistisches Yellowfacing bei Germanys Next Top Model.

cloudette hat auf ihrem Blog eine zweiteilige Reihe mit tollen Comics bzw. Graphic Novels von Frauen veröffentlicht: Tolle Graphic Novels / Comics von Frauen (Teil 1) und Tolle Graphic Novels / Comics von Frauen (Teil 2).

Mareice schreibt ein inklusives Familienblog mit dem Namen Kaiserinnenreich, auf dem sie über ihr Leben als Mutter von zwei Töchtern berichtet, mit und ohne Behinderung. Über den Alltag mit einem behinderten Kind und den gesellschaftlichen Barrieren hat sie nun ein Buch geschrieben, das am 24. November 2016 erscheinen wird. Kurze Zeit nachdem das Manuskript fertig ist, stirbt Kaiserin 1, wie Mareice ihre Tochter nennt. In einem schönen Bericht „Vom (Buch-)Schreiben“ erzählt Mareice, warum sie das Buch dennoch veröffentlichen wird.

Melanie berichtet auf glücklich scheitern von der Blogfamilia 2016, einer (bzw. der) Familienblogger*innenkonferenz.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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California Dreamin‘. Eine Graphic Novel über Cass Elliot: „Ich werde die berühmteste Dicke der Welt“

18. April 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 117 von 127 der Serie Die Feministische Bibliothek

Wer kennt es nicht oder hat es sogar schon selbst am Lagerfeuer gesungen?

„All the leaves are brown / And the sky is gray /
I’ve been for a walk / On a winter’s day…“

California Dreamin' - CoverDer Klassiker von The Mamas & the Papas pflanzt sich freiwillig oder unfreiwillig ins Ohr und ruft melancholische Assoziationen von Hippies, Blümchen & Weltfrieden hervor. Die KünstlerInnen hinter dem Song sind weniger bekannt, am ehesten noch die grandiose Sängerin Cass Elliot („Mama Cass“), die bereits mit 32 Jahren verstarb. Ihrem Leben und ihrem musikalischen Erbe ist ein im März auf Deutsch erschienener Graphic Novel gewidmet: „California Dreamin‘. Cass Elliot und The Mamas & the Papas“ (Carlsen) von der französischen Comic-Zeichnerin Pénélope Bagieu.

Cass Elliot wurde 1941 als Ellen Cohen in Baltiore (Maryland, USA) in eine aus Russland emigrierte jüdische Familie geboren. Gesang, Schauspiel und Unterhaltung werden früh zu ihren Leidenschaften. Schnell wird im Buch das Spannungsfeld Selbstbild und gesellschaftliche Anrufungen thematisiert: Die junge Ellen liebt den großen Auftritt und weiß ganz genau „Ich werde ein Star“. Das Selbstbewusstsein eines jungen Mädchen mit musikalischen Ambitionen trifft dann auf Sexismus und Dickenfeindlichkeit, was Cass zwar den geraden Weg ins Showbiz verunmöglicht, ihre Entschlossenheit aber kaum trübt.

„Ich werde die berühmteste Dicke der Welt“

Mit 19 bricht sie die Schule ab und geht nach New York City. Die nächsten Jahre sind von kleineren Schauspiel- und Musik-Jobs bestimmt und von Managern, die von Cass verlangen, dass sie abnehmen soll. Drogen, Alkohol, Dauer-Diäten bei gleichzeitigem Hass auf Diäten, eine unerwiderte Liebe, chronischer Geldmangel, aber viele schöne, maßgeschneiderte Kleider (♥) sind die Begleiterinnen ihrer anfänglichen Karriere. Obwohl Cass so viel Abwertung entgegenschlägt, scheint sie nie an ihren gesanglichen Qualitäten zu zweifeln (glücklicherweise). Die selbstherrlichen Hippie-Macker, die zwar gerne Cass‘ Ideen klauen, aber ihr keine Credits geben wollen, haben mich beim Lesen einige Nerven gekostet.

Es entschädigen die lebendigen, oftmals schnörkelig-skizzenhaften Bilder und die coole Darstellung von Cass. Beschrieben wird ihre Person und ihr Leben aus den jeweiligen Perspektiven der Menschen, die mit ihr aufgewachsen, befreundet oder sie verehrt haben und oft frage ich mich: Was hätte Cass dazu gesagt?

In den Monaten vor ihrem Tod hatte sie durch Hungern 80 Pfund abgenommen. Ihr früher Tod durch Herzinfarkt kurz nach einem Konzert in England wird auf die vielen Crash-Diäten zurückgeführt. Dass sofort Gerüchte die Runde machten, dass sie an einem Schinken-Sandwich erstickt sein soll, zeigt, wie respektlos auch nach ihrem Tode über sie gesprochen wurde. Dagegen formierte sich aber auch Widerstand: Fat Aktivist_innen organisierten kurze Zeit später in Los Angeles eine Gedenkveranstaltung. Auch dieses Buch ist ein Lichtblick und ein tolles Werk für diejenigen, die sich für das Leben und das musikalische Vermächtnis von Cass Elliott und für Musikgeschichte im Allgemeinen interessieren.

Zwei Wochen vor ihrem Tod gab Cass Elliot ein wunderbares Interview:


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Graphic Novels über Kommunistinnen, Horror im Wald und nicht ganz so ‚gute‘ Helden

17. September 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 110 von 127 der Serie Die Feministische Bibliothek

Graphic Novels ist ein ständig wachsendes Feld und die Zeiten, wo diese höchstens belächelt wurden, sind auch langsam vorbei. Mittlerweile werden auch die unterschiedlichsten literarischen Genres mit abgedeckt. Hier gibt es heute Horror, Fantasy und eine Biographie, Romane sowie Kurzgeschichten. Wer noch mehr Graphic Novels entdecken möchte: Bei Femgeeks hatte ich drei Graphic Novel Autorinnen zum Einstieg vorgestellt und hier drei Bücher anlässlich des Comicfestivals Hamburg 2013.

IMG_20150818_162408 Beim Lesen von Through the Woods (2014, Margaret K. McElderry Books) von Emily Carroll ist man hin und her gerissen zwischen dem Bewundern der wunderschönen Zeichnungen und einem aufsteigenden Gruselgefühl. Das Buch ist um genau zu sein eine graphische Kurzgeschichten-Sammlung mit fünf gespenstischen Stories sowie einer Einleitung und Konklusion. In all diesen Geschichten lungert etwas Entsetzliches im Unbekannten, in den Wäldern, Wänden oder dem veränderten Verhalten alter Freund_innen. Wie ein Charakter feststellt: „It […] came from the woods. (Most strange things do.)“

nimonaNimona (2015, Harper Collins) von Noelle Stevenson vermittelt da ganz andere Gefühle: Mit viel Witz geht es durch eine eher ungewöhnliche Abenteuergeschichte. Im Mittelpunkt steht Nimona, eine junge Gestaltwandlerin, die sich Ballister Blackheart – dem Bösewicht – als Gehilfen anbietet/ aufdrängt. Gemeinsam (und mit der Unterstützung von Dr. Meredith Blitzmeyer) geht es gegen Ambrosius Goldenloin und dem Rest der „Institution of Law Enforcement and Heroics“. Dabei geht es um so grundlegende Fragen, wie was eigentlich ‚gut‘ und ’schlecht‘ bedeutet und den Wert von Freund_innenschaften. Stevenson spielt mit Genrekonventionen und dreht daraus einen wunderbar schrägen Humor, doch bleibt auch Platz für subtilere Noten. Nicht nur die allgemeine Story, sondern auch gerade viele kleine Details machen dieses Buch so empfehlenswert, so entspricht Nimona beispielsweise nicht unbedingt den Schlankheitsidealen (die in Comics ja noch einmal oftmals auf die Spitze getrieben werden) – und da sie als Gestaltwandlerin jegliche Art von Körper haben könnte, ist dies ein um so stärkeres Statement.

the night mobileThe Night Bookmobile (2010, Jonathan Cape) ist eine überraschend düstere Kurzgeschichte von Audrey Niffenegger (bekannt vor allem als Autorin von „The Time Traveler’s Wife“). Und da mich Bücher – egal ob Fiktion oder nicht -, die sich um Lesen, andere Bücher, Büchermachen und Verkaufen etc. drehen, immer erst einmal interessieren, habe ich mir dieses hier auch zugelegt. Eine junge Frau stolpert in dieser Geschichte mehr oder weniger eines Nachts in ein Buchmobil – und ist absolut überrascht: Die Bücher (und anderen Materialien) in diesem sind alle Dinge, die sie jemals gelesen hat, von Cornflakes-Packungen hinzu ihren liebsten Romanen. Nach diesem ersten Zusammentreffen setzt sie alles daran das Mobil noch einmal zu sehen und in diesem für immer bleiben zu können. Doch was ist der Preis, der dafür zu bezahlen ist?
Das Buch erschien 2012 auch auf Deutsch als „Die Nachtbibliothek“.

In Modotti. Eine Frau des 20. Jahrhunderts (2011, Rotbuch Verlag) beschreibt Ángel de la Calle den Lebensweg von Tina Modotti und verknüpft diesen mit seinen eigenen Erlebnissen bei der Suche nach Informationen, aber auch dem Organisieren eines linken Kulturfestivals. Modottis Leben gibt in jedem Fall viel Material für künstlerische Aufarbeitungen, sie war Hollywood-Schauspielerin, Fotografin und Kommunistin, ihr Leben verknüpft mit illustren Personen wie Frida Kahlo, Anna Seghers, Diego Rivera, Edward Weston usw. In Italien im Jahr 1896 geboren, immigrierte sie als Kind in die USA, als Erwachsene zog es sie ins revolutionäre Mexiko, welches sie verlassen musste nachdem ihr Partner erschossen wurde. Sie lebte Paris und Moskau, verbrachte Zeit in Spanien. Immer mittendrin in vielen ‚historischen Ereignissen‘. Das Buch verschafft es gut, einerseits das spezifische Leben von Modotti darzustellen und andererseits die inneren Konflikte der internationalen Linken zu beleuchten. Doch funktionieren andere Elemente des Buchs für mich weniger gut: Mich störte zunehmend die Größe des Raums, den der Autor selbst einnahm, denn ich wollte ja gerade kein Buch über linke Typen lesen, und auch der male gaze auf Modotti schimmert immer wieder durch. Als Einstieg halte ich diese Graphic Novel trotzdem für geeignet, ich möchte nun auf jedenfall gern mehr über Modotti lesen – vielleicht ja dann von einer Autorin.

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Ein Buch nach dem anderen: Frauen und Kleidung; Genitalien und Meinungen

21. April 2015 von Charlott
Dieser Text ist Teil 99 von 127 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

Women in Clothes (Blue Rider Press/ Penguin UK, 2014) wird von Sheila Heti, Heidi Julavits and Leanne Shapton herausgegben und zunächst ist festzustellen: Dieses Buch ist wunderschön, das Cover ist sehr ansprechend, das Papier fässt sich toll an und das gesammte Layout ist überzeugend. In dem Buch soll nicht eine einzige These zur Beziehung von „Frauen“ und „Kleidung“ verfolgt werden, stattdessen lassen die Herausgeberinnen mehr als 600 Personen zu Wort kommen bzw. graphisch etwas beitragen. Es werden mögliche Beziehungen ausgelotet – durch eine Umfrage, Fotoessays, kurze Geschichten und Inteviews. Unter den Beteiligten finden sich auch so prominente Namen wie Roxane Gay, Tavi Gevinson, Cindy Sherman, Kim Gordon, Rachel Kushner, Elif Batuman und Miranda July. Doch besonders lang hängen bleiben Beiträge, wie das Interview mit Reba Skider, einer der Arbeiter_innen, die den Zusammensturz der Rana Plaza Fabrik in Bangladesh überlebte oder das Gespräch mit Juliet Jacques, die über Weiblichkeits-Doppel-Standards für trans Frauen spricht. Einige der weiteren Themen: Religion und Kleidung, ‚unnatürliches‘ Make-up, Erinnerungen, Einkauferlebnisse, Düfte, Politik und Style. Das Buch lässt sich kaum zusammenfassen, aber es lohnt sich auf jedenfall durchzublättern.

Ein von @half_book_and_co gepostetes Foto am

In Love and In War

To my daughter I will say,
‚when the men come, set yourself on fire‘.

In teaching my mother to give birth (Flipped Eye, 2011) schreibt die Dichterin Warsan Shire über Trauma, Liebe, Körper, Gewalt, girlhood und Exil. Die Gedichte sind gleichermaßen direkt und komplex, auf der Oberfläche simpel, unter dieser mit noch vielen Bedeutungsebenen und zu entdeckenden Momenten gespickt.

Im Gegensatz dazu sind die Gedichte von Patricia Lockwood in Motherland Fatherland Homelandsexuals (Penguin Books, 2014) selten direkt, sondern verstricken sich erst einmal in sexuell aufgeladenen mythischen Schilderungen von Animorphen, Rehen und Hornissen. In ihrem direktestem (und bekanntesten) Gedicht „Rape Joke“ heißt es „The rape joke is that if you write a poem called Rape Joke, you’re asking/ for it to become the only thing people remember about you.“ – und würde eine diese Vorhersage wahr werden lassen, wäre das definitiv nicht gerechtfertigt, trotzdem aber sollte auch betont werden, dass „Rape Joke“ tatsächlich eines der stärksten Gedichte in dem Band ist, tief berührend und roh und clever zugleich.

Außerdem las ich endlich Let them talk! What genitals have to say about gender. A graphic survey von Yori Gagarim (edition assemblage, 2014). In diesem kleinen Buch im Hosentaschenformat werden wundervoll, diverse, humorvolle Zeichnungen von Genitalien mit Kommentaren zum Komplex ‚Gender‘ kombiniert. Diese Genitalien haben viele Meinungen und hier bekommen sie eine Stimme, sie stellen fest „The story is great, but it’s completely made up“, fragen „What’s that got to do with me?“ und die Leser_innen können auf jeder Seite neu innehalten. Das Buch ist auf Englisch, am Ende werden aber alle Aussagen und das Nachwort ins Deutsche übersetzt.

Im Netz gelesen

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Lesbisch_queere Bücherwelten: Lesbengeschichte(n)

13. Januar 2015 von Julia
Dieser Text ist Teil 91 von 127 der Serie Die Feministische Bibliothek

Heute lege ich euch einige biografische Bücher ans Herz, die (vergangenes) lesbisches Leben und/oder das politische Engagement von Lesben würdigen.

Johanna Elberskirchen (1864-1943) war proletarisch-kleinbürgerlicher Herkunft, politisch klar links und äußerst aktiv: Sie war in der Sozialdemokratie engagiert, im radikalen linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung und als offen lebende ‚Homosexuale‘. Das detailreiche und zugleich fesselnd geschriebene Sachbuch Keine Tochter aus gutem Hause: Johanna Elberskirchen (1864 – 1943) von Christiane Leidinger lässt nicht nur Leben und politisches Wirken Elberskirchens, sondern umfassend auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Kämpfe der Zeit greifbar werden: von den Anfängen des ‚Frauenstudiums‘ über Sozialdemokratie, ArbeiterInnenbewegung und die bürgerliche und proletarische Frauenbewegung bis hin zum Nationalsozialismus.

 

In einer Mischung aus Sachbuch und Fiktion erzählt Die Geschichte der Sidonie C. (1900-1999) von Ines Rieder und Diana Voigt die fast 100-jährige Lebensgeschichte von Sidonie C., einer berühmten lesbischen Patientin Sigmund Freuds. Nach den Freud’schen Therapiesitzungen trifft sich die aus dem Großbürgertum stammende Lesbe heimlich mit ihrer Angebeteten – um über Freud zu lästern. An Klassenerhalt orientiert, aber vor allem politisch desinteressiert, flüchtet sie – katholisch getauft, aber mit jüdischen Wurzeln – erst sehr spät aus dem nationalsozialistischen Wien. Packend geschrieben und lehrreich obendrein, lässt die zwei Weltkriege umfassende Biografie (nicht nur) lesbisches Begehren zwischen Heimlichkeit, Selbstverständlichkeit und Sanktionen lebendig werden.

 

Keine lesbische Biografie im engeren Sinne, aber ein wunderbares Bewegungsbuch, das eben auch Leben und Engagement Audre Lordes (1934-1992) würdigt: Euer Schweigen schützt euch nicht. Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland, herausgegeben von Peggy Piesche. Der Sammelband präsentiert eine schöne Auswahl an Gedichten, Aufsätzen und Gesprächen von und mit Audre Lorde, die durch ihre Berlin-Aufenthalte, ihre Lesungen in ost- wie westdeutschen Städten, ihre Vorträge und Workshops, ihren Aktivismus und ihr Schreiben eng verbunden ist mit der Entstehung der hiesigen Schwarzen (Frauen-)Bewegung. Zugleich zeichnet der Band die Anfänge und die Entwicklung der Schwarzen Frauen-/Lesbenbewegung in der BRD auf sehr lebendige Weise nach: in Gesprächen, Prosatexten und Gedichten. Zu Wort kommen damalige und gegenwärtige Aktivistinnen, Denkerinnen und Dichterinnen of Color, viele davon lesbisch.

Zum Schluss will ich euch noch rasch aufmerksam machen auf Von-mir-noch-nicht-Gelesenes-aber-Vielversprechendes. Erstens: Pregnant Butch. Nine Long Month Spent in Drag, eine neue autobiografische Graphic Novel zum Thema queere Elternschaft. Die Zeichnungen von A.K. Summers sind inspiriert durch ihre eigenen Erfahrungen als schwangere Butch. Diesen einmaligen und vielversprechenden Fund will ich euch nicht vorenthalten, Leseproben sind hier zu finden.

Und zweitens: Die erste Programmvorschau des neu gegründeten Verlags w_orten & meer. verlag für antidiskriminierendes handeln ist raus. Sie verspricht Analytisches und Kritisches, Empowerndes, Persönliches und Poetisches: zu Kämpfen, Glück und Leben jenseits, nach, zwischen, ohne Gender und zu Rassismus an deutschen Hochschulen. Im Frühjahr ist es soweit. Bis dahin: gespannt sein und vorfreuen.


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Blau ist eine warme Farbe

23. April 2014 von Magda
Dieser Text ist Teil 78 von 127 der Serie Die Feministische Bibliothek

Eine Begegnung, ein Lächeln – um die Schülerin Clementine ist es geschehen. Doch wer eine kitschige Liebes­geschichte mit flatternden rosa Herzen erwartet, wird von „Blau ist eine warme Farbe“ auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

blau ist eine warme farbe

Die Graphic Novel der französischen Zeichnerin Julie Maroh ist düster und beklemmend. Nur ab und zu sticht das Blau durch die sonst farblich gedeckten Zeichnungen – die blauen Haare von Emma, das blaue Tage­buch von Clementine. Die Kunst­studentin Emma wird zu Clementines großer, einziger Liebe; die Tage­buch­einträge führen durch ihre Geschichte, die rück­blickend erzählt wird. Als Emma am Anfang der Erzählung Clementines Tage­buch in der Hand hält, sind bereits viele Jahre seit der ersten Begegnung ver­gangen und Clementine bereits gestorben.

Das Original „Le Bleu est une couleur chaude“ wurde 2010 ver­öffentlicht und seitdem in elf Sprachen übersetzt. Es ist eine einfühlsame, ehrliche Erzählung über zwei junge Frauen, die ohne beschönigende Schnörkel auskommt: Unsicher­heiten, Verzweiflung, kurze Momente des Glücks, Verletzungen, Erwachsen­werden und Homofeindlichkeit. Im Mittelpunkt steht der Alltag junger Menschen, die jenseits von hetero begehren, inklusive der harten Realität des Verstoßen­werdens von den eigenen Eltern, Mobbing in der Schule. Aber da sind auch die wichtigen Momente des Zusammen­halts, der Freund­schaft.

Ich habe die englisch­sprachige Version des Buches in wenigen Stunden verschlungen. Es ist ein bedrückendes Buch, weil der Tod und der Schmerz so dominieren. Aber es berührt, gerade weil Zuneigung in diesem Buch so komplex, so ehrlich beschrieben wird.

Die Graphic Novel unterscheidet sich im übrigen sehr vom gleich­namigen Film, der im letzten Jahr in Cannes die goldene Palme gewann. Julie Maroh, die in ihrem knapp 160-seitigem Werk nur auf wenigen Seiten explizite sexuelle Handlungen darstellt, kritisiert auf ihrem Blog die heteronormative Ästhetik der wohl an ein hetero-Publikum gerichteten langen und ausgiebigen lesbischen Sex­szenen im Film.


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Comicfestival in Hamburg

1. Oktober 2013 von Charlott

Übermorgen startet das diesjährige Comicfestival Hamburg, welches bis zum 06. Oktober mit Lesungen, Diskussionen und Workshops aufwartet. An einer anderen Stelle hatte ich zum Thema Comics/ Graphic Novels vermerkt:

Erst mit der (reichlich späten) Entdeckung von Graphic Novels fing ich mich wieder an für das Genre zu begeistern. Und seit dem Lesen von Maus. A Survivor’s Tale von Art Spiegelman war ich fasziniert von den erzählerischen Möglichkeiten, die sich aus der Kombination von Zeichnungen und Text ergeben. Vor allem aber fand ich in Graphic Novels großartige Künstlerinnen, die Geschichten über Frauen erzählen.

Und auch wenn im Programm leider durchgehend von „Autoren“, „Zeichnern“ und „Helden“ die Rede ist, stehen dieses Jahr vor allem die Autorinnen Rutu Modan, Geneviève Castrée und Peggy Adam mit ihren aktuellen Werken im Mittelpunkt:

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Chelsea Manning, Graphic Novels, ‚Orange is the New Black‘ – die Blogschau

24. August 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 216 von 295 der Serie Die Blogschau

Bei High on Clichés gibt es ein paar Perspektiven und Hintergründe zum weit beachteten Gesetz zum offenen Gechlechtseintrag in der Geburtsurkunde.  Auch Zwischengeschlecht.org erklärt, warum das Gesetz unter Betroffenen sicher keine Jubelstürme auslöst.

Die Denkwerkstatt hat Lesetipps für euch! Anna von Different Needs hat Rutu Modans Graphic Novel „Das Erbe“ rezensiert. Und Carlott stellt bei Femgeeks gleich drei tolle Graphic Novels vor.

Die Femgeeks haben außerdem ein schönes interaktives Mixtape zusammengestellt – Motto: Städte.

Und Helga fragt: Wann hört die unwürdige Behandlung von Chelsea Manning auf?

Impressionen vom diesjährigen Christopher Street Day in Frankfurt/Main gibt es bei queerfeministisch biertrinken.

Rassismus hat nichts mit vermeintlich mangelnder Intelligenz zu tun, auch wenn das immer wieder behauptet wird – Metalust erklärt, warum derartige Argumentationen hervorragend an genau jene White-Supremacy-Diskurse, die sie eigentlich kritisieren wollen, anschlussfähig sind.

In der dokumentarischen neuen Webserie Lez Build a Family geht es um die Darstellung von lesbischen Familien mit Kindern. Phenomenelle ruft zur Unterstützung des Projekts auf.

Lucie von kleinerdrei hat sich „Orange Is The New Black“ angeschaut und eine ausführliche Besprechung verfasst.

Christiane von Graham’N Graham hat sich die Verfilmung von Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ angesehen.

Es gibt Neuigkeiten von der Petition an die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, „Klärt endlich angemessen über den Sexismus in unserer Gesellschaft auf!“ – nachzulesen bei ProChange.

Einen Erfahrungsbericht über Arbeitslosigkeit und die abstrusen Erfahrungen in der damit zusammenhängenden Bürokratie gibt es bei Kasonze.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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