Einträge mit dem Tag ‘Gleichstellung’


Gleichstellungolympiade

6. Mai 2015 von Hannah C.

“Hallo.
Ich bin Hannah, 16 Jahre alt und ich würd gern hier mitspielen…”
Seit 3 Tagen schreibe ich mal wieder in alle möglichen Richtungen Bewerbungen oder Vorstellungsschreiben. Mal hier ein Wettbewerb, mal da eine Veranstaltung. Die Antwortquote liegt bei unter 10%  – die positiven Rückmeldungen gibt es in etwa 1%  der Antworten.

Mein Bemühen um dieses ominöse “Weiterkommen im Leben™” ist olympionikisch – olympiardisch? –ohh Lymp…hozyten dieser Welt vereinigt euch, mich Fremdkörper in dieser Welt, aufzuessen! – äh ja – Faden? Ach ja: Bewerbungen und Selbstdarstellung. Schon wieder voll verkackt – wie kann ein Kopf allein nur solche Sprünge haben machen?

Wie ich hier so sitze, in meinem Destroy Fascism – T-Shirt ohne Kragen, neben dem Bett mit beulig durchgelegener Matratze vor einem Fenster, das auf ein Dach zeigt, komme ich mir vor, wie jemand, der allen Grund hat, sinnlose Selbstdarstellungstexte mit Wertlack anzusprühen und davon zu träumen, wie das wohl wäre… 2000€ für diesen Preis – zack! alle Schulden weg. 10.000€ für jenen Preis – zack! Sektchen mit Kolleg_innen und jede Menge Ausbaumöglichkeiten, die ganz ganz ganz nah rücken, greif und nutzbar werden. Lobbyarbeit galore – eine Stimme für alle – hörbar werden, angehört werden, weil man plötzlich ein bisschen mehr ist wie die, die schon weiter gekommen sind. Boooyah!

Die meiste Zeit über motiviere ich mich zum Hoffen und merke mit jedem Mal mehr, wie viel Druck hinter Hoffnung ist. Es ist ein Privileg einfach immer das Beste hoffen zu können. Es ist eines dieser Privilegien, das einem anderen Privileg folgt: nämlich dem, Zweifel an die Seite von einem Order: “Guck, was schon alles geklappt hat” stellen zu können. Und das bedeutet wiederum, dass man es schon x-fach geschafft haben muss.
In aller Regel meint das: dass man schon weitergekommen sein muss im Leben ™.

Eigentlich weiß ich nicht mehr, wieso ich mich noch bewerbe. In den letzten Jahren tue ich es eigentlich nur noch, damit ich mein Schreiben über Hartz 4 – Realitäten und meinen eigenen Inklusionsaktivismus vor mir selbst rechtfertigen kann. Ich muss es bereits überall um mich herum verteidigen bzw. mindestens erklären– logisch muss ich es auch vor mir selbst.
Einfach loslegen – einfach machen und nicht drauf achten, was andere sagen, meinen, tun – das ist ein Privileg, derer, die andere Menschen nicht brauchen bzw. in Arten der Abhängigkeit sind, die dieses Handeln nicht bedroht. Einfach das Beste hoffen, ist das Privileg derer, die keine alles andere verzehrende Kraft aufwenden müssen, um ein Bestes zu tun.

“Hannah, wir haben 2015 – du bist nicht mehr 16. Änder das mal!”, rempelt mich etwas von innen an.
Ich drücke lange auf die Löschtaste. Und noch länger. Und noch eine ganze Weile.

Ich öffne meine Emails und lese, dass heute, der 5. Mai, der europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ist.
Bei Twitter trendet die Re:publica.
Meinen Vortrag zur Inklusion und Selbstbestimmung von Personen, die zu Opfern von Gewalt wurden, wurde als irrelevant abgelehnt.

Draußen scheint die Sonne.
“Hei. Ich tue so, als wäre ich Hannah und an manchen Tagen weiß ich nicht, wo ich eigentlich die Kraft hernehme, noch auf irgendetwas zu hoffen.”, tippen meine Finger in die Open Office Textvorlage “Bewerbungsanschreiben” von 2008.
Man muss ja schließlich weiterkommen.
In diesem Leben™.


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Der Koalitionsvertrag: Eine Geschichte von „beobachten“, „in den Fokus nehmen“ und einem denkwürdigen Gedenktag

28. November 2013 von Charlott

CDU/CSU und SPD haben sich geeinigt. Jedenfalls deren Führungsriegen. Diese haben in den letzten Wochen einen Koalitionsvertrag verhandelt, der gestern vorgestellt wurde. Der Vertrag umfasst 185 Seiten und es werden viele Themebereiche angeschnitten. Hier werde ich einige Schlaglichter aufwerfen.

Allgemein lässt sich zusammenfassen: Wer_welche für den Staat nützlich ™ scheint, konservativere Wertvorstellungen vertritt und möglichst wenig abweicht von der „Norm“, wird irgendwie unterstützt. Sonst bleibt vieles schwammig, soll „in den Fokus“ gerückt oder „beobachtet“ werden.

Bis zum 12. Dezember können nun die SPD-Mitglieder noch bei einem Mitgliederbescheid über den Vertrag abstimmen.

(Lohn)Arbeit

Als großer Erfolg gefeiert: Es kommt eine Mindestlohnregelung. Doch was heißt das in diesem Fall wirklich? Zum einen greift die Regelung erst ab 2015 und dann auch nur für die Branchen, wo es bisher keine andere Regelung gibt.  Erst ab 2017 soll der Mindestlohn flächendeckend gelten. Mit einem Betrag von 8,50€. Dieser Betrag gilt heute schon als Niedriglohn, mit der Inflation wird er in vier Jahren noch weniger Wert haben. Es gibt natürlich Arbeitnehmer_innen, für die diese Regelung eine Verbesserung darstellt, trotzdem ist es keine revolutionäre Änderung.

Zum Thema Lohndifferenzen aufgrund von Geschlecht positioniert sich die Koalition zwar („nicht zu akzeptieren“), formuliert dann aber kaum wirkliche Verpflichtungen, sondern fordert Firmen eben auf sich zu kümmern. Zum Quotenwitz schrieb ich ja bereits letzte Woche. Der bleibt bestehen.

„Gleichstellung“

Ja, viel ist von all den SPD-Versprechen nicht übrig geblieben. Großmündig postuliert die Koalition: „Wir verurteilen Homophobie und Transphobie und werden entschieden dagegen vorgehen.“ Wie diese Regierung das machen möchte, verrät sie nicht. Stattdessen nimmt sie in den Vertrag auf, dass sie „das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sukzessivadoption zügig umsetzen“. Na ganz große Leistung, wie auch schon auf karnele bemerkt wurde.

Bezeichnend ist, dass im Abschnitt „Sexuelle Identitäten respektieren“ nicht zu erst darauf hingewiesen wird, welche diskriminierenden_gewaltvollen Strukturen vorherrschen, stattdessen folgender vielsagender Fokus:  „Wir wissen, dass in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften Werte gelebt werden, die grundlegend für unsere Gesellschaft sind.“

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Feministische Politik ist mehr als Kosmetik

6. November 2013 von Maria

Im Moment verhandelt die zukünftige Große Koalition darüber, wie eine Frauenquote für Aufsichtsräte aussehen könnte oder ob man Veränderungen beim Elterngeld beschließt. Feministische Wissenschaftlerinnen fordern in einem aktuellen Aufruf (PDF) einen Blick auf die breiteren gesellschaftlichen Zusammenhänge von Ungleichheit und Ausgrenzung. Sie stellen fest: „Die Gleichstellungspolitik der letzten Jahre hat sich hingegen weitgehend auf kosmetische Korrekturen beschränkt. Der emanzipatorische Gehalt feministischer Kritik muss deshalb wieder neu erstritten werden!“

In dem Aufruf, der sich als offener Brief an Politiker_innen richtet, wenden sich die Autorinnen unter anderem gegen Prekarisierung der Arbeitswelt, die vielfachen Benachteiligungen von Menschen mit Sorgearbeit und eine rassistische Migrationspolitik. Der sehr lesenswerte Aufruf formuliert einen Anspruch an das Zusammenleben in einer „globalisierten Gesellschaft“ und stellt fest, dass die Politik „bei den sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Rechten aller Menschen“ ansetzen muss. Die Autorinnen wollen die feministische Debatte neu entfachen und laden deshalb Menschen aller Geschlechter auf, ihren Aufruf mitzuzeichnen. Hierfür genügt eine E-Mail an feministische_initiative@gmx.de


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Die Wahl haben?

27. August 2013 von Charlott
Bild eines Wahlzettels

Foto: Awaya Legends (Creative Commons BY-SA 2.0)

Vor 95 Jahren wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt (nach den entsprechenden langwierigen Kämpfen vieler Aktivist_innen.). Am 22. September findet die nächste Bundestagswahl statt. Und ich persönlich habe keine Ahnung, was und ob ich überhaupt wählen möchte. (Es gibt ja auch tatsächlich gute Gründe nicht wählen zu gehen.) Soll es weiter gehen mit Schwarz-Gelb? Natürlich nicht. Aber doch eher Peer Steibrück, der trotz großer „Rassismus in Kinderbüchern“-Debatte in diesem Jahr am vorletzten Wochenende beim SPD-Fest („Deutschland-Fest“, ne) nichts besseres zu tun hatte, als aus „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ vorzulesen?

Falls ihr erfahren wollt, wie eure Direkt-Kandidat_innen (Wahlkreisabgeordneten) positioniert sind, könnte es helfen den „Kandidaten-Check“ zu nutzen. Auch wenn der Name suggeriert, dass dort nur Männer Rede und Antwort stehen, haben sich auch Kandidatinnen beteiligt. Auf übersichtliche Art und Weise könnt ihr dort herausfinden mit welche Direkt-Kandidat_innen ihr die meisten Übereinstimmungen habt. (Leider haben sich aber natürlich nicht alle beteiligt und ich werde nun nie erfahren, ob Frank Di Leo von HUNDEFREUNDE KREUZBERG die Dinge auch so sieht wie ich.)

Und für die Zweitstimme? Könnte eine_r natürlich alle Wahlprogramme ausgiebig durcharbeiten und nach den Aspekten durchforsten, die eine_r_m wichtig erscheinen. Oder? Sich bei Verbänden und Initiativen informieren, die verschiedenen Parteien (häufig aber ausschließlich jenen, die bereits im Bundestag sitzen, manchmal noch zusätzlich Die Piraten) befragt haben und nun ihre so genannten Wahlprüfsteine veröffentlichen. Einige möchte ich euch hier vorstellen. Die Liste ist selbstredend nicht vollständig und kann gern in den Kommentaren ergänzt werden.

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Heroische Frauen, mieser Journalismus – kurz verlinkt

10. Juli 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 202 von 288 der Serie Kurz notiert

Minna Salami schreibt auf Ms. Afropolitan über afrikanische Feminismen und ihre Geschichte (englischsprachig)

Der neue Wegbereiterinnen Kalender ist da! Der Wandkalender im Format DIN A 3 präsentiert auch in diesem Jahr zwölf aktive Frauen aus der Geschichte (PDF).

Zwei Musikerinnen des Pussy Riot-Kollektivs sind inkognito auf Tour. Die taz hat sie interviewt.

Laut dem Handelsblatt haben auch konservative Regierungsabgeordnete in Costa Rica für ein neues Ehe-Gesetz gestimmt – allerdings offenbar ohne sich den Text vorher genau durchzulesen, denn das Gesetz erlaubt auch lesbische und schwule Ehen.

Auch im deutschen Bundesrat standen dieser Tage spannende Themen auf der Agenda: erleichterter Zugang zur „Pille danach“, die Gleichbehandlung schwuler und lesbischer Ehen im Einkommenssteuerrecht und die Möglichkeit der vertraulichen Geburt.

Die Filmindustrie schließt Frauen systematisch aus, stellt nun auch die Süddeutsche Zeitung fest.

Der Sportjournalismus ist nicht viel besser: Angesichts des Wimbledon-Erfolgs von Tennisspieler Andy Murray war vielfach zu hören und zu lesen, dass dieser „seit 77 Jahren der erste britische Sieg“ sei – was allerdings nur dann stimmt, wenn man die vier Tennisspielerinnen nicht mitzählt, die in dieser Zeit in Wimbledon gewonnen haben (englischsprachig).

Das superbe US-amerikanische Bitch Magazine macht auch diesmal wieder einige Artikel aus der Print-Ausgabe online zugänglich – darunter eine Kulturgeschichte des Phänomens Junggesellinnenabschied, eine Analyse der Diskussionen um den Feminismus von Popstar Beyoncé und der Erklärung, warum Fett ein queeres und feministisches Thema ist. Welche_r es sich leisten kann: große Abo-Empfehlung!

In ihrem Spoken-Word-Vortrag „Embarrassed“ wendet sich Hollie McNish gegen die doppelmoralischen Einschränkungen, denen sie sich als stillende Mutter im öffntlichen Raum ausgesetzt sah (englischsprachig).

Die New York Times erinnert daran, dass „Rasse“ keine biologische, sondern eine soziale Kategorie ist (englischsprachig).

In Deutschland geht die Kampagne gegen racial profiling in die zweite Runde: „Es handelt sich dabei um eine von der Kampagne Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) und der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) initiierte Beschwerdebrief-Aktion an die Bundespolizei, die Menschen auf einem niedrigschwelligen Niveau handlungsfähig machen und das strukturelle Problem des Racial Profiling sichtbar machen soll“.

Vor 20 Jahren wurde die feministische Musikikone Mia Zapata ermordet; ByteFM erinnert.

s.e. smith schreibt bei XOJane: „Ob es euch passt oder nicht – der westliche Yoga-Hype ist ein Paradebeispiel für kulturelle Aneignung“ (englischsprachig).

Über heroische Leistungen von Piloten wird bisweilen viel gesprochen – was aber ist mit dem Kabinenpersonal, deren Fähigkeiten und Einsatz bei Notfällen, fragt Lisa Wade bei Sociological Images (englischsprachig)?

In vielen Regionen hat heute der Ramadan begonnen. Zu diesem Anlass gibt Muslimah Media Watch sechs Tipps für das Schreiben und Sprechen über  muslimische Frauen (englischsprachig). Ramadan Mubarak!

Termine in Berlin, Mainz, Halle/Saale und Hamburg nach dem Klick: (mehr …)


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FernUni Hagen startet neues Portal „Recht und Gender“

25. Oktober 2012 von Maria
Dieser Text ist Teil 11 von 20 der Serie Feminismus im Recht

Die FernUni Hagen startete am Freitag das Portal „Recht und Gender“ mit einer Reihe von Interviews mit Expertinnen und Experten zu Gleichstellung und Gleichberechtigung. Neben den Videointerviews finden sich weitere Materialien zu den einzelnen Themen. Dabei werden so spannende Fragen behandelt wie „Autonomie der Frau in der Rechtsphilosophie“, „Geschlechtergerechte Rentenreform“, die „Auswirkungen transnationaler Frauenbewegungen auf lokale Rechtsordnungen“ oder Besteuerung von Familien. Außerdem gibt es ein Portrait der Verfassungsrichterin Prof. Dr. Susanne Baer.

Das Portal bietet viele interessante Informationen aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen von Recht und Gender und wird hoffentlich viel genutzt und weiter fortgeführt. Es ist entstanden in Zusammenhang mit einem Forschungsprojekt, welches an der FernUni gerade die Karrierepfade und –bedingungen von Juraprofessorinnen erforscht.


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Musik, Musik, Musik und viel feministisches Empowerment – kurz verlinkt

29. August 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 167 von 288 der Serie Kurz notiert

Die Heinrich Böll Stiftung hat ein sehr lesenswertes Dossier zum Thema Theater und Diskriminierung zusammengestellt.

Für dieses großartige Fotoprojekt über Gewalt gegen Frauen müssen wir leider eine Triggerwarnung (Schilderung von Gewalterfahrungen, Abbildung von Tatorten und Tatwaffen) aussprechen, auch wenn es ansonsten wirklich ans Herz gelegt gehört.

Auf Zeit Online schreibt Carolin Emcke über die fehlende Gleichstellung homosexueller Paare im Bereich Ehe- und Familienrecht und kommt zu dem Schluss, dass nicht homosexuelle Eltern für Kinder problematisch sind, sondern vielmehr diejenigen, die die Homosexualität der Eltern für ein Problem halten.

Beim Audioportal Freier Radios könnt ihr euch einen Bericht über das diesjährige Ruby Tuesday Rock Hip Hop Camp anhören und runterladen. Enthalten sind interne Stimmen und viel Musik.

Noch mehr Musik: für das Projekt „re:composed“ haben 20 Musikerinnen historische Lieder der Frauen- und Arbeiter*innenbewegung neu interpretiert. Herausgekommen ist eine CD, die ihr nun kostenlos bei der Frauenabteilung der Stadt Wien bestellen könnt.

Musik, die Dritte: CBS hat die junge malaiische Musikerin Yuna interviewt.

Auch Adwoa Hackman ist wieder auf Tour! Weitere Infos gibt es unter www.adwoa.de.

Das US-Magazin Forbes verleiht Bundeskanzlerin Angela Merkel nun schon zum zweiten Mal den Titel der mächtigsten Frau der Welt.

Ein rechtswissenschaftliches Gutachten hat festgestellt, dass das geplante Betreuungsgeld gegen gleich drei Artikel des Grundgesetzes verstößt.

In Libyen ist vor kurzem bei der Einführung des neu gewählten Allgemeinen Nationalkongresses eine Moderatorin der Bühne verwiesen worden – weil sie kein Kopftuch trug. Global Voices über die Debatte danach.

Der Anteil der nichtbezahlten Überstunden ist bei Frauen deutlich höher als bei Männern, hat eine österreichische Studie ergeben.

The Karachi Voice stellt fünf Feministinnen aus Pakistan vor.

Kristina Schröder hat sich leider wieder mal erfolgreich gegen die Interessen von Frauen durchgesetzt; statt einer festen Quote wird es nur eine flexible Quote für Frauen in Unternehmen geben.

Seit Jahren verdichten sich die Hinweise, dass auch Männer jung Väter werden sollten. Ann Friedman in The Cut, über die Anerkennung der biologischen Uhr von Männern.

Termine in Hamburg, Gießen, Berlin, Braunschweig und Dortmund nach dem Klick: (mehr …)


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8. Familienbericht: Unternehmen haben nach wie vor das letzte Wort

15. März 2012 von Maria
Dieser Text ist Teil 6 von 20 der Serie Feminismus im Recht

Der Sachverständigenbericht für den 8. Familienbericht wurde am 28. Oktober 2011 dem Bundesfamilienministerium übergeben und ist gestern von Bundes­familien­ministerin Kristina Schröder mit einer Stellungnahme der Bundesregierung der Öffent­lich­keit präsentiert worden. Hauptthema des Berichts ist Zeit – Zeit für Familie, Sorgearbeit und Zeitsouveränität von Arbeitnehmer_innen. Ein wichtiges Thema also, gerade jetzt, wo prekäre Arbeitsverhältnisse, Befristungen, Praktika und „Mini-Jobs“ gerade jüngeren Arbeitnehmer_innen zu schaffen machen.

Zeit zu haben für unbezahlte Arbeit ist natürlich immer (auch) eine Frage des Einkommens – kann man von der Teilzeitstelle leben, bis wann ist der Job befristet, findet man überhaupt eine Stelle … Sorgearbeit ist auch eine Frage des Geschlechts, die Umverteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit, das hatte noch der 7. Familienbericht in den Mittelpunkt der Analyse gerückt, ist also eine Gleich­stellungsfrage. Das erkennt auch der 8. Familienbericht an, möchte sich so ganz klar nun aber doch nicht positionieren und vor allem eines nicht – Frauen gegen ihren Willen zu einer Erwerbstätigkeit drängen.

Die aktuellen Erkenntnisse zur Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern, sowie der tatsächlichen Arbeitszeitwünsche von Müttern und Vätern, werden in dem Bericht über mehrere hundert Seiten referiert. Ein Beispiel: Mütter, die in Teilzeit arbeiten, würden häufig gern mehr Stunden erwerbstätig sein, als sie es tatsächlich sind. Väter würden gern weniger Stunden arbeiten, als sie es tatsächlich tun. Alleinerziehende fühlen sich weitaus häufiger unter Zeitdruck, als Mütter und Väter in Paarelternfamilien. So weit, so wenig überraschend.

Trotzdem möchte die Sachverständigenkommission offenbar differenzieren – zwi­schen rechtlichen Anreizwirkungen auf der einen Seite und individuellen Wünschen unabhängig von rechtlichen und ökonomischen Strukturen auf der anderen Seite:

„Die jetzige Form des Ehegattensplittings begünstigt den Rückzug der Frauen in die Familie. Das ist per se dann kein Problem, wenn die Frauen dies unabhängig von der rechtlichen Situation wünschen. Es wird jedoch zum Problem, wenn sich Frauen dadurch veranlasst sehen, sich gegen eine Erwerbstätigkeit zu entscheiden, die sie unter anderen Umständen anstreben würden.“ (S. 34)

In den Empfehlungen des Berichts findet sich dann auch folgendes Fazit:

„Anzustreben ist eine grundsätzliche Umverteilung von Zeit im Lebens­lauf, zwischen Generationen sowie zwischen den Geschlechtern. Ziel von Zeitpolitik ist es nicht, primär Frauen stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sondern Männer stärker in die Familienarbeit. Familie ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Gesetzliche Regelungen, die ge­sell­schaft­liche Rollen­bilder einseitiger Familienaufteilung verfestigen oder verstärken, sind zu vermeiden.“ (S. 188)

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Auf der deutschen Staatsrechtslehrertagung ist keine Schlange vor dem Damenklo

15. Februar 2012 von Maria
Dieser Text ist Teil 5 von 20 der Serie Feminismus im Recht

Hätten die Mütter des Grundgesetzes Quoten in der Privatwirtschaft befürwortet? Diese Frage stellte sich im Januar Alexandra Kemmerer im Verfassungsblog. Der Ver­fassungsblog schreibt zwar über „matters constitutional“, hat sich bisher aber nicht durch die Auseinandersetzung mit Gleichstellungsfragen hervorgetan. An­läss­lich der Berliner Erklärung bloggte Kemmerer zur Frage, was solche Quoten bringen, ob das eine gute Idee ist und ob durch solche gesetzlichen Regelungen ein gesellschaftlicher Diskurs über Gleichstellungsfragen in Gang kommen könnte.

Klassisch liberal gedacht ist die Durchsetzung des Gleichstellungsgebots für Alex­andra Kemmerer eher keine Rechtsfrage, sondern hängt von individuellem En­ga­ge­ment ab:

„Am Ende hängt die Veränderung gesellschaftlicher Realitäten vom En­ga­ge­ment und Habitus individueller Akteurinnen und Akteure ab. Gerade Juristinnen sollten da auf die Kraft der Selbsteuerung vertrauen. Sollten nicht erst auf ein Gesetz, eine Mentorin oder den großen über­fraktionellen Konsens warten, sondern die Sache selbst regeln, kon­se­quent, konfliktfreudig und ideenreich. Wie die vier Mütter des Grund­gesetzes, die uns inspirieren sollten, kreativer und einfallsreicher über die Verwirklichung des Gleichstellungsgebots nach Art. 3 Absatz 2 Satz 2 GG nachzudenken.“

Die vier Mütter des Grundgesetzes können in vieler Hinsicht Vorbild sein. Es war aber sicher nicht so, dass gerade die Juristin unter ihnen (Elisabeth Selbert) der Rolle des Rechts bei der Durchsetzung der Gleichstellung eine untergeordnete Bedeutung beigemessen hat. Während die Mehrheit der Väter des Grundgesetzes eine Formulierung der Weimarer Reichsverfassung übernehmen wollten („Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten“), setzte sich Elisabeth Selbert für den Satz „Frauen und Männer sind gleichberechtigt.“ ein, der viel weitergehend war und sich nicht auf die öffentliche Sphäre (Wahlrecht und so weiter) beschränkte. Von dieser Formulierung galt es nicht nur die männlichen Kollegen zu überzeugen, sondern auch die Kolleginnen. Mehr über die Geschichte von Art. 3 Abs. 2 GG kann in der Publikation des BMFSFJ über die Mütter des Grund­gesetzes nachgelesen werden. (mehr …)


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Keine Kuschelquote – Warum ich die Berliner Erklärung nicht unterzeichne

19. Dezember 2011 von Maria
Dieser Text ist Teil 3 von 20 der Serie Feminismus im Recht

Frauen aller Bundestagsfraktionen und UnterstützerInnen aus Politik und Gesellschaft schließen sich zusammen, um der Gleichstellung von Frauen und Männern zum Durchbruch zu verhelfen. Sie fordern in der Berliner Erklärung vom 15.12.2011 die paritätische und gleichberechtigte Einbeziehung von Frauen in die Entscheidungsprozesse der Wirtschaft und stellen fest, dass dies nur durch verbindliche gesetzliche Regelungen erreicht werden kann. In einem ersten Schritt wollen sie eine 30%-Quote in den Aufsichtsräten der börsennotierten, mitbestimmungspflichtigen und öffentlichen Unternehmen. Ich sollte mich freuen, dass endlich mal Frauen aller Fraktionen zusammen sagen, übrigens, es besteht gleichstellungspolitischer Handlungsbedarf. Sie sagen das auch durchaus mit Nachdruck.

Was mir an der Petition sehr gut gefällt und was ich sofort unterschreiben würde, ist die Feststellung, dass die Gleichstellung in der Realität noch lange nicht verwirklicht ist. Weiter heißt es in dem Einleitungstext: „Die anhaltende Benachteiligung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen steht damit im Widerspruch zu unserem Grundgesetz und zu internationalem Recht.“

Trotzdem kann ich mich nicht dazu durchringen, diese Petition auch zu unterzeichnen. What’s not to like?

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