Selber schuld: Frauengehälter-Studien
6. Juli 2010 von BarbaraHeute morgen in der Zeitung werden zwei neue Studien zu Frauengehältern vorgestellt mit dem erschreckendem Ergebnis: Frauen sind zufrieden damit, dass sie weniger Geld bekommen als ihre männlichen Kollegen, da sie meinen, dass ihnen “gerechterweise ein geringeres Bruttoeinkommen zusteht als Männern”. So die Süddeutsche Zeitung heute; die Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden heute veröffentlicht. Für den Hinterkopf: Die Lohndifferenz in Deutschland liegt bei etwa 23 Prozent.
Die Studien im Detail: 10.000 Erwerbstätige wurden befragt, ob sie ihr Einkommen für gerecht oder ungerecht hielten. Wer ungerecht ankreuzte, sollte ein Alternativ-Einkommen angeben. Die SZ zitiert die Wissenschaftler hinter der Studie:
“Das Einkommen, das Frauen für sich als gerecht ansehen, liegt sogar unter dem Einkommen, das die Männer real erzielen”, sagt Jürgen Schupp vom DIW. Die Zurückhaltung der Frauen zeigte sich bei ungelernten Hilfskräften ebenso wie bei Akademikerinnen: Stets war das von Frauen als gerecht angesehene “Wunschgehalt” niedriger als das reale Gehalt vergleichbar qualifizierter Männer.
Für die zweite Studie sollten Gehälter von fiktiven Personen in unterschiedlichen Lebenssituationen zugewiesen werden. Hierbei wurden dem fiktiven Mann im Durchschnitt die höheren Gehälter zugeteilt, auch wenn die fiktive Frau mit gleicher Qualifikation in derselben Lebenssituation steckte.
Leicht könnte man jetzt “selber schuld, ihr Frauen!” schreien. Aber auch die Wissenschaftler vom DIW warnen davor, denn die Auswertung dieser Ergebnisse ist komplizierter, bringen mehr Fragen auf als Antworten.
Ich möchte die Gedanken von Ina Praetorius aufgreifen:
Statt die (Re-)Organisation des Ganzen weiterhin vom erwachsenen, in politikfernen Intimsphären gratis erzeugten und täglich wiederhergestellten (Mann-)”Menschen” aus zu entwerfen, sollten wir noch einmal von vorne darüber nachdenken, wer wir als Menschen eigentlich sind.
Woran liegt es, dass Frauen mit weniger Geld einverstanden sind? Sicher nicht daran, dass sie wissen, schlechtere Ergebnisse zu erzielen. Bewerten sie ihre Leistungen vielleicht nach einem anderen Maßstab? Sind sie ehrlicher mit sich selbst? Kritischer? Und warum wollen Frauen die Leistungen eines Mannes höher entgelten lassen als die einer Frau? Steckt dahinter nicht auch das alte Modell, “der muss ja eine Familie ernähren”? Das mitnichten aus unseren Köpfen verschwunden ist? Wollen sie vielleicht diese Verantwortung nicht schultern, deswegen lieber weniger verdienen?
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Zur Feier des Frauentages fragen wir uns:
Anstrengend ist ein gutes Stichwort, das die Bemühungen einer jeden Feministin treffend beschreibt. Es ist anstrengend, auf Sexismen hinzuweisen, gegen Diskriminierung zu kämpfen – und dabei nicht schlecht gelaunt, sarkastisch und verbittert zu werden.





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