Einträge mit dem Tag ‘Gleichberechtigung’


Nervige Gleichberechtigung, gläserne Decken, geschlechtsneutrale Menstruationskalender – kurz notiert

3. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 206 von 231 der Serie Kurz notiert

Beiträge auf Deutsch

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine “Studie: Jeden vierten Mann nervt Gleichberechtigung“. Eine repräsentative Umfrage bei mir hingegen hat ergeben: Mich nervt jeder vierte Mann (konservative Schätzung).

Außerdem vermeldet die Süddeutsche: “Uni Potsdam führt weibliche Sammelbegriffe ein“. Die Begründung für diese Neuerung ist allerdings ziemlich mies.

Bei arte Yourope gab es kürzlich einen (leider nicht ohne sexistische Re_produktionen auskommenden) Beitrag über Sexismus im Alltag. Welche_r heute morgen um 1:45 die Wiederholung nicht anschauen konnte, aber trotzdem interessiert ist: Der Beitrag befindet sich derzeit noch in der arte-Mediathek.

“Ein lesbischer, poetischer, erotischer Roman voller Intrigen und intimer Details” – das neue Buch “Küss mich, Libussa” von Sophie Strohmeier. Auf youtube gibt es den Buchtrailer.

Ein Forschungsteam aus der Schweiz untersucht die Geschlechterungleichheiten in Ausbildungs- und Berufsverläufen.  Ein Befund:  “Krankenpfleger und Kapitäninnen sind weiterhin eine Rarität”. Ein Interview dazu mit Andrea Maihofer, Forscherin und Leiterin des Zentrum Gender Studies, und Sandra Hupka-Brunner, Forscherin am Institut für Soziologie in Basel, gibt es hier.

“Wir wissen alle, dass Gletscher schneller schmelzen als Frauen in Führungspositionen kommen” – auch im Journalismus. Bei dieStandard erklären Expert_innen wie Vina Yun, u.a. Redakteurin der an.schläge, was sich ändern muss.

Die Stadt Nürnberg hat letzten Sonntag den 10. Internationalen Menschenrechtspreis an Kasha Jacqueline Nabagesera verliehen. Sie setzt sich “für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen in Uganda” ein.

Im Tagesspiegel erzählt ein 15jähriger Berliner, wie Alltagsrassismus seit jeher sein Leben begleitet: “Afrodeutsche stehen in Berlin immer unter Verdacht”.

Im vergangenen Winter haben wir in mehreren Beiträgen über die Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren” berichtet. Nun ist das gleichnamige Buch erschienen. Es beleuchtet die Zusammenhänge zwischen aktuellen ökonomischen Entwicklungen und privaten Lebensbedingungen aus feministischer Perspektive. Übrigens: Auf der Infoseite zum Buch gibt’s auch ein Video.

Beiträge auf Englisch

Gegen Genitalverstümmelungen an Kindern: Die Gründer_innen von zwischengeschlecht.org rufen anlässlich eines anstehenden internationalen Ärzt_innenkonkress in Berlin zu Aktionen auf.

Hier kann man eine Petition an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterzeichnen, die den weltweiten Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungen fordert. Initiatorin ist die Kampagne My Body is Mine.

In einem Interview wurde die Musikerin Janelle Monaé nach ihrer “sexuellen Orientierung” befragt. Was sie antwortete, ist in diesem Video zu sehen, welches sich bei Colorlines findet.

Was sich aus der bisher umfangreichsten UN-Studie über Vergewaltigung lernen lässt, fasst Tara Culp-Ressler auf Thinkprogress zusammen. Der Punkt der faktischen Straflosigkeit gilt übrigens genauso wie die anderen auch für “hier”.

Über Fluch und Segen staatlicher Förderung berichten kanadische Aktivistinnen, die eine Datenbank zur Dokumentation von Morden an indigenen Frauen ins Leben gerufen haben.

Discipline and Anarchy fragt: Brauchen soziale Bewegungen ein mainstreamgerechtes Image? Und liefert eine überzeugende Antwort gleich mit.

Für alle die Android-Devices nutzen, gibt es nun eine geschlechtsneutrale Menstruationskalender-App. Die Entwicklung einer IOS-Version (für iPhones) soll demnächst per Crowdfunding angegangen werden.

Im Sommer wurde in Tiflis die erste georgischsprachige Produktion von Eve Enslers “The Vagina Monologues” aufgeführt. Im New Statesman berichten Beteiligte von den lokalen Kontroversen um das Theaterstück.

Das bitch magazine hat JD Samson interviewt, ehemaliges Mitglied von Le Tigre und nun bei der Band MEN.

Warum sie das Wort “Ally” (Verbündete_r) künftig nicht mehr verwenden wird, erklärt Mia McKenzie von Black Girl Dangerous:  “Taten zählen. Etiketten zählen nicht.”

Kelly Rose Pflug-Back beschreibt bei The Feminist Wire, warum sexuelle Befriedigung kein zuverlässiger Gradmesser für “sexuelle Befreiung” ist [Content note: grafische Selbstverletzungsfantasien].

Muslimah Media Watch fragt: Wie sieht eigentlich eine Terroristin aus?

Weitgehend unbeachtet von globalwestlichen feministischen Bewegungen erlangen in afrikanischen Ländern immer mehr Frauen einflussreiche Positionen, schreibt Minna Salami im Guardian.

Ebenfalls im Guardian: Lauren Mayberry, Sängerin der Band CHVRCHES, über ihren Umgang mit Online-Misogynie.

Der Modedesigner Rick Owens erhielt für die Präsentation seiner kommenden Frühjahrkollektion  ziemlich viel Jubel aus progressiven Kreisen. Tamara Winfrey Harris fragt bei Racialicious: Zu recht?

Termine in Basel, Berlin, Dortmund, Frankfurt/Main, Hüll, Karlsruhe, Wien: (mehr …)


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50/50 bedeutet nicht die Auflösung aller Ungerechtigkeiten

28. März 2013 von Gastautor_in

Dieser Text erschien vor einigen Tagen als Gastbeitrag auf Lisas Blog fuckermothers. Jochen König ist Autor und lebt mit seiner dreijährigen Tochter in Berlin. Wir danken ihm und den Fuckermothers für die Erlaubnis zum Crossposten!

Gerade habe ich mich an einen Text übers Elternsein und Geschlechterverhältnisse gesetzt, den ich seit ein paar Wochen schreiben möchte, da erscheint ein Artikel von Stefanie Lohaus auf Zeit Online vielfach auf meiner facebook-timeline: Es geht um das Prinzip 50/50. Sie beschreibt wie sie sich mit ihrem Partner gleichberechtigt um das gemeinsame neugeborene Kind kümmert und greift dabei zwei Aspekte auf, über die ich aus meiner Perspektive als Vater seit einiger Zeit nachdenke.

Sicherlich ist es ein Fortschritt, dass solche Modelle in einer solch breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Das Abfeiern von 50/50-Arrangements finde ich jedoch ermüdend. Der Zusammenhang zwischen Elternsein und Geschlechterungerechtigkeit lässt sich nicht auflösen, indem die Väter die Hälfte der möglichen Elternzeit nehmen. (mehr …)


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Klare Worte zur Gleichberechtigung

11. Juni 2012 von Helga

In der Süddeutschen hat Heribert Prantl heute deutliche Wort gefunden, warum die Quote und andere Frauenfördermaßnahmen notwendig sind.

Gleichberechtigung ist kein Gedöns, sondern verfassungsrechtliches Gebot. […] Es reicht nicht, wenn Frauen theoretisch alles werden dürfen; sie müssen es praktisch werden können. Eine bloß formale rechtliche Gleichbehandlung führt nicht zur Gleichberechtigung, wenn diese formale Gleichbehandlung auf ungleiche Lebenssituationen von Männern und Frauen trifft.

Zwei Punkte, die mensch nicht oft genug betonen kann, da sie leider immer wieder vergessen werden.


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Was Frauen wirklich über Rechtsprechung wissen müssen

18. April 2012 von Gastautor_in
Dieser Text ist Teil 24 von 27 der Serie Der Kommentar

Cat ist Juristin und lebt und arbeitet irgendwo am Rhein. Als Berufspendlerin läuft sie dabei täglich zwangsläufig der Bildzeitung über den Weg. Dabei hat sie am Wochenende einen Artikel gefunden.

Darin erklärt die Bild-Redaktion, welche die “30 wichtigsten Urteile für Frauen” seien. Nicht nur, dass sie dabei Prinzipien des Rechtssystems entweder missverstehen oder (was ich für wahrscheinlicher halte) nicht kennen, nein, sie wählen auch noch diese 30 Urteile anhand des klassischen Frauen-Klischees aus. Dementsprechend drehen sich diese unglaublich wichtigen Urteile hauptsächlich um verpfuschte Frisörbesuche, die Positionierung von Kinderwagen in Hausfluren und der Rolle der Frau als Mutter.

Wenn man schon von der grundsätzlich falschen Annahme ausgehen möchte, dass es Urteile “für Frauen” gibt, (abgesehen von Urteilen zu … hm … sagen wir Anspruch auf Mutterschaftsgeld …), dann ist dieser Artikel immer noch hahne­büchen.

  • Kein Wort davon, dass der Grundsatz “gleiches Geld für gleiche Arbeit” gilt und trotzdem ein Gender Pay Gap existiert. Offensichtlich hat es “für Frauen” wichtiger zu sein, den Frisör wegen “verpfuschter Arbeit” zu verklagen. Dass sie ihn mit 70% dessen, was sie als Mann verdient hätten, bezahlt haben – geschenkt. Lieber hübsch und unterbezahlt, als gleichberechtigt?
  • Kein Wort davon, dass man auch als Teilzeitkraft (die ja leider in überwältigender Mehrheit Frauen sind) dieselben Rechte und Pflichten hat, wie als Festangestellte? Kein Wort davon, dass man während Mutterschutz und Elternzeit Rechte hat (auch bei letzterem sind häufiger Frauen betroffen “weil wir auf das hohe Einkommen von ihm nicht verzichten können”)?
  • Kein Wort davon, dass im Bewerbungsgespräch Fragen nach Familienstand, -planung, Ehewünschen, Kinderwünschen verboten sind?
  • Kein Wort davon, dass man einen Anspruch gegen seinen Arbeitgeber hat, dass dieser den Kollegen dazu verpflichten kann, seinen Playboybunny-Kalender (oder seine Seite-1-Mädchen-Sammlung) von der Bürowand zu nehmen?
  • Kein Wort davon, dass und ggf. wie man sich gegen Dresscodes wehren kann?

Abgesehen von der ätzenden Misogynie haben die Bild-Redakteure neben einigen höchstrichterlichen Urteilen auch Amts- und Landgerichtsurteile zitiert. Was ihren Leserinnen im Zweifel nur leider wenig helfen dürfte. Denn entgegen der Bild­unterstellung, hat das, was das Amtsgericht in Pupsberg an der Bö zum Thema Highheels­geklacker in der Mietwohnung entschieden hat, keinerlei Einfluss darauf, was außerhalb der Beziehung zwischen den am Prozess beteiligten Parteien gilt.

Diesen Allgemeingültigkeitsanspruch, wie die Bild ihn für ihre zitierten Urteile behauptet, haben nur höchstrichterliche Entscheidungen (sprich von Bundes­gerichten). Und selbst die sind selten so einfach zusammen zu fassen, dass die oft mehrere Seiten umfassenden Entscheidungen ohne ihren Sinn zu verfälschen in 2 Zeilen zusammengefasst werden könnten.

Und dafür, dass die Redakteure einen Highheel, der in einem Strafrechtsurteil zurecht als “gefährliches Werkzeug” eingestuft wurde, als “Waffe” bezeichnen, wäre jede/r Jura-Ersti mit Null Punkten durch die Strafrecht II – Klausur gerauscht.

An diesem Artikel ist so viel falsch, dass man eigentlich gar nicht weiß, wo man anfangen soll…


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Schwarzer und Schröder: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

27. Februar 2012 von Jennifer
Dieser Text ist Teil 41 von 55 der Serie Meine Meinung

Sie hätten beide lachen müssen, berichtet Deutschlands bekannteste Feministin, EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, in ihrem Blog von ihrem ersten Telefonat mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Kein Wunder, schließlich verlief das Gespräch doch für beide Seiten außerordentlich positiv: Kristina Schröder sicherte der Publizistin zu, dass ihr Ministerium künftig den 1984 auf Schwarzers Initiative als Feministisches Archiv und Dokumentations­zentrum” gegründeten FrauenMediaTurm in Köln fördern wird. Denn nachdem ausgerechnet die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die bis­herigen Fördermittel von 210.000 Euro auf 70.000 Euro gekürzt hatte, fürchtete Alice Schwarzer öffentlich um den Fortbestand des Archivs. Diese Sorge ist sie nun los: CDU-Politikerin Schröder sagte eine Förderung zu, mit der die von Rot-Grün ver­ur­sachte Finanzierungslücke genau geschlossen werden kann: exakt 150.000 Euro, vier Jahre lang.

Im Gegenzug wird die Bundesministerin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend endlich auch von höchster feministischer Instanz von dem Vorwurf freigesprochen, sich zu wenig für Frauenrechte und Gleichstellung einzusetzen. Mehr noch: Schwarzer, die der jungen Politikerin noch im Jahre 2010  jegliche Befähigung für ihr Amt abgesprochen hatte (hier Schwarzers offener Brief an die Ministerin), weil diese sich zuvor in einem SPIEGEL-Interview ziemlich abschätzig über den Feminismus geäußert hatte, betont in ihrem Blog ausdrücklich, dass Schröder es gewesen sei, die angerufen und Hilfe angeboten habe.

Das sollte doch Wiedergutmachung genug sein für das bisherige Desinteresse der dafür zuständigen Ministerin an der weiteren tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in dieser Gesellschaft, nicht wahr? Frauenquote in den Vorstandsetagen der großen Unternehmen? Brauchen wir nicht! Betreuungsgeld? Nicht so schlimm! Hauptsache, das Feministische Archiv ist gerettet! (mehr …)


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Update: Pamphlete und Patriarchatskritik – Lesestoff zum Hundertsten!

8. März 2011 von der Mädchenmannschaft

Heute ist Frauenkampf- und Feminist_innentag! Was in eurer Stadt geht, erfahrt ihr hier. Wie ihr an unserem Gewinnspiel teilnehmen könnt, lest ihr hier und einen Überblick über die Geschichte des Internationalen Frauentages bekommt ihr an dieser Stelle. Magda hat zusätzlich Clara Zetkin portraitiert.

Extra Hinweise gibt es außerdem für die heutige Radiosendung mit Verena und die Demo für und mit Flüchtlingsfrauen in Potsdam.

Wir sammeln Blogs, News und Hintergrundinformationen rund um den heutigen Tag. Habt ihr Links, Fotos oder Hinweise für uns? Dann ab damit in die Kommentare!


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Glorifizierte Väter und tote Frauen in Musikvideos

12. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 62 von 231 der Serie Kurz notiert

Feministing berichtet wieder einmal vom Dreier schlechthin – Biologismus, Sexismus und Heteronormativität: Der Geruch von weiblichen Tränen soll den Testosteron-Spiegel von Männern sinken lassen, so eine neueste Studie. Nicht nur das: Weil Männer triebgesteuerte Wesen sind, die nur über Hormone zur Interaktion befähigt werden, wollen sie im Angesicht tränenreicher Frauen auch gleich keinen Sex mehr. Also Ladys, wenn ihr mal wieder kein Bock auf ‘ne schnelle Nummer mit ihm habt, einfach losflennen. </ironie off>

In der Huffington Post appelliert Joanne Herman dafür, bereits in der Schule Kinder und Jugendliche an Trans*Konzepte beziehungsweise Transsexualität heranzuführen, um ihnen eine freiere Wahl bezüglich ihres Genders und gegebenenfalls Geschlechtes zu ermöglichen und bereits trans* lebende junge Menschen zu empowern. Kritik an diesem Vorhaben übt Alex vom Bilerico-Project.

Dass Kindererziehung noch immer keine gleichberechtigte Aufgabe im Leben einer heterosexuellen Familie ist, ist keine Überraschung. Überraschend hingegen ist der Pathos, der ganze Artikel begleitet, wenn über Väter in Elternzeit berichtet wird, als sei die von Männern temporär geleistete Reproduktionsarbeit etwas, was mensch auf einen Podest stellen müsste. Melanie Rühl von der FAZ schien sich an ihrem Reportageobjekt offenbar nicht sattsehen und -schreiben zu können.

Vergangenen Sommer schrieben wir über die Geschlechtertrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln Jerusalems. Diese wurde nun vom Obersten Gerichtshof Israels für illegal erklärt, weiß dieStandard.at.

Nepal will laut Nachrichtenagentur AFP seinen Einwohner_innen bei der nächsten Volkszählung neben des obligatorischen Mann-Frau-Default auch Transgender zur Selbstbestimmung des Geschlechtes anbieten. Auch Indien soll 2011 eine Volkszählung mit sogenannter “third gender category” planen. Dies wurde aus Regierungskreisen allerdings noch nicht bestätigt.

Die Frauen in Kanye Wests neuem Musikvideo sind attraktive Leichen, derer sich die männlichen Protagonisten ganz selbstverständlich bemächtigen dürfen. Frauenfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt findet Melinda Tankard Reist allerdings überhaupt nicht sexy und fordert ihre Leser_innen dazu auf, eine entsprechende Petition mitzuzeichnen.

Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist erreicht. Ein Kampf dafür also obsolet. Wie lange haben sich Feminist_innen solche Sätze schon auf der Zunge zergehen lassen müssen? Laurie Penny analysiert auf NewStatesman den Mythos des Gleichberechtigungsmythos.

In seinem monatlichen Bericht über sexuelle und reproduktive Rechte und Gesundheit fokussiert Gender Across Borders dieses Mal die jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zum Recht auf Abtreibung.

Erfolg für LGBT*-Aktivist_innen in den USA: Demnächst sollen auf allen Anträgen für Reisepässe Hinweise auf das Geschlecht der Eltern entfernt werden, um den verschiedenen Formen familiären Zusammenlebens Rechnung zu tragen, heißt es bei der Washington Post. Antragssteller_innen müssen also nicht mehr zwingend einen weiblichen und einen männlichen Elternteil angeben. Unklar ist noch, ob diese Änderung auf alle staatlichen Dokumente ausgeweitet wird.

Das Kinderhilfswerk Plan fordert die Vereinten Nationen auf, den 22. September zum Internationalen Mädchentag zu erklären. Hier könnt ihr die entsprechende Petition mitzeichnen und die zivilgesellschaftliche Organisation bei ihrem Vorhaben unterstützen.

Queer/feministische Termine für diese und nächste Woche findet ihr in unserer Übersicht für Januar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen, etc. mit herrschaftskritischem und emanzipatorischem Anspruch. Veranstaltungshinweise bitte mit Link an post[ät]maedchenmannschaft[punkt]net, auf unsere Facebook-Wall oder per Twitter an @grrrls_team.


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50 Jahre Pille – nicht für den Mann

18. August 2010 von Barbara

Am 18. August 2010  jährt sich zum 50. Mal die Einführung der Pille. Frauen können seit 50 Jahren durch die Einnahme von Hormonen verhüten. Sie bekamen die Freiheit geschenkt, erinnern sich viele Frauen an die frühen Sechziger; 1961 erschien Anovlar, die erste deutsche Pille, in Westdeutschland auf dem Markt, ab 1965 konnten Frauen Ovosiston in Ostdeutschland kaufen. 50 Jahre hormonelle Verhütung – und immer nehmen die Frauen die Hormone. Warum gibt es eigentlich keine Pille für den Mann?

Gleichberechtigung im Schlafzimmer bedeutet, dass Mann und Frau Freude an der Sexualität haben. Sie bedeutet aber auch, dass Mann und Frau Verantwortung für die Empfängnisverhütung übernehmen. Verhütung ist keineswegs Frauensache – das hatten auch zwei Pharmakonzerne verstanden. Bis 2006 erforschte die Berliner Schering AG gemeinsam mit dem niederländischen Pillen-Produzenten Organon Möglichkeiten der Empfängnisverhütung, bei denen der Mann die Hormone kriegt. Dann übernahm Bayer Pharma die Schering AG und das Projekt kam auf den Prüfstand. Friederike Lorenzen ist die zuständige Pressesprecherin des Pharma-Riesen und erinnert sich:

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Ledige Väter

11. August 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 7 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Vor kurzem ist der Trickfilm “Für immer Shrek” in die Kinos gekommen. Der Film erzählt zum vierten Mal aus dem Leben des Ogers Shrek, der nach vielen Abenteuern glücklich mit Frau und drei Kindern lebt. Trotz großer Ehe- und Vaterfreuden kann er der Versuchung nicht widerstehen, einen Tag lang aus seinem Leben auszusteigen und als von allen Familien-Pflichten befreiter Kerl so richtig die Sau rauszulassen. Das bringt ihn in viele Schwierigkeiten – ungestraft verlässt niemand seine Familie, auch dann nicht, wenn sein Freiheits-Wunsch der eines naiven grünen Unholds im Kinderkino ist.

Die Umkehr dieser Geschichte steckt hinter der Schlagzeile “Ledige Väter erhalten Sorgerecht”, die uns seit ein paar Tagen beschäftigt. Das Bundesverfassungsgericht hat gerade entschieden, dass das Sorgerecht eines unverheirateten Vaters ab sofort nicht mehr von der Zustimmung der Mutter des Kindes abhängig ist. Jeder Vater kann nun das gemeinsame und sogar das alleinige Sorgerecht beantragen – auch gegen den Willen der Mutter seines Kindes. Mit der Anerkennung der Vaterschaft kann ein Mann automatisch das Sorgerecht für sein nicht ehelich geborenes Kind beantragen – müssen tut er es aber nicht. Es geht dem Gericht einzig um das Wohl des Kindes, nicht um das Wohl der Mutter, die aus verschiedenen Gründen vielleicht kein Interesse mehr am Kindsvater als Partner hat und deswegen kein Sorgerecht mit ihm teilen möchte.

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Selber schuld: Frauengehälter-Studien

6. Juli 2010 von Barbara

Heute morgen in der Zeitung werden zwei neue Studien zu Frauengehältern vorgestellt mit dem erschreckendem Ergebnis: Frauen sind zufrieden damit, dass sie weniger Geld bekommen als ihre männlichen Kollegen, da sie meinen, dass ihnen “gerechterweise ein geringeres Bruttoeinkommen zusteht als Männern”. So die Süddeutsche Zeitung heute; die Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden heute veröffentlicht. Für den Hinterkopf: Die Lohndifferenz in Deutschland liegt bei etwa 23 Prozent.

Die Studien im Detail: 10.000 Erwerbstätige wurden befragt, ob sie ihr Einkommen für gerecht oder ungerecht hielten. Wer ungerecht ankreuzte, sollte ein Alternativ-Einkommen angeben. Die SZ zitiert die Wissenschaftler hinter der Studie:

“Das Einkommen, das Frauen für sich als gerecht ansehen, liegt sogar unter dem Einkommen, das die Männer real erzielen”, sagt Jürgen Schupp vom DIW. Die Zurückhaltung der Frauen zeigte sich bei ungelernten Hilfskräften ebenso wie bei Akademikerinnen: Stets war das von Frauen als gerecht angesehene “Wunschgehalt” niedriger als das reale Gehalt vergleichbar qualifizierter Männer.

Für die zweite Studie sollten Gehälter von fiktiven Personen in unterschiedlichen Lebenssituationen zugewiesen werden. Hierbei wurden dem fiktiven Mann im Durchschnitt die höheren Gehälter zugeteilt, auch wenn die fiktive Frau mit gleicher Qualifikation in derselben Lebenssituation steckte.

Leicht könnte man jetzt “selber schuld, ihr Frauen!” schreien. Aber auch die Wissenschaftler vom DIW warnen davor, denn die Auswertung dieser Ergebnisse ist komplizierter, bringen mehr Fragen auf als Antworten.

Ich möchte die Gedanken von Ina Praetorius aufgreifen:

Statt die (Re-)Organisation des Ganzen weiterhin vom erwachsenen, in politikfernen Intimsphären gratis erzeugten und täglich wiederhergestellten (Mann-)”Menschen” aus zu entwerfen, sollten wir noch einmal von vorne darüber nachdenken, wer wir als Menschen eigentlich sind.

Woran liegt es, dass Frauen mit weniger Geld einverstanden sind?  Sicher nicht daran, dass sie wissen, schlechtere Ergebnisse zu erzielen. Bewerten sie ihre Leistungen vielleicht nach einem anderen Maßstab? Sind sie ehrlicher mit sich selbst? Kritischer? Und warum wollen Frauen die Leistungen eines Mannes höher entgelten lassen als die einer Frau? Steckt dahinter nicht auch das alte Modell, “der muss ja eine Familie ernähren”? Das mitnichten aus unseren Köpfen verschwunden ist? Wollen sie vielleicht diese Verantwortung nicht schultern, deswegen lieber weniger verdienen?


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