Einträge mit dem Tag ‘Gewalt’


Utøya. Drei Jahre.

22. Juli 2014 von Charlott

Heute vor drei Jahren ermordete Anders Behring Breivik 77 Menschen. Acht Menschen starben durch eine Bombe, die gegen 15:25 in Oslo detonierte. Die 69 anderen Personen erschoss Breivik auf der Insel Utøya. Sie waren Teilnehmer_innen und Organisator_innen eines Feriencamps der AUF (Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet (AP)) gewesen.

Kurz vor dem Anschlag in Oslo versandte Breivik ein über 1000 Seiten langes Dokument. Sein “Manifest”, welches er zum Großteil auch aus Texten, die bereits andersweitig im Netz veröffentlicht worden waren, zusammen kopiert hatten. In diesen Seiten drückte sich jedoch deutlich seine Welt- und Wertvorstellung aus: voller Rassismus, Islamfeindlichkeit, Hetero_Sexismus und Misogynie. Das große Schlagwort, unter dem er alles subsumiert: Kampf gegen “Politische Korrektheit”.

Die Menschen, die vor drei Jahren getötet wurden, wurden gezielt getötet. Auch heißt es, dass Breivik auf Utøya besonders Frauen und Mädchen anvisierte. Vom Feminismus, nach ihm eine der auffälligsten Spielarten der “politischen Korrektheit”, wollte er die europäischen Männer befreien.

In Berlin findet heute um 17.30 vor der norwegischen Botschaft eine Gedenkveranstaltung statt. (FB-Link)

Zum Weiterlesen:


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“Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt” – Eine Broschüre

21. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 6 von 6 der Serie Gender und Rechtsextremismus

13011_orgImmer noch läuft der sogenannte NSU-Prozess u.a. gegen Beate Zschäppe, wobei diese in der letzten Woche ihren AnwätInnen das Vertrauen entzogen hat. Wie sich das Verfahren weiterentwickelt ist somit gerade noch schwerer abschätzbar. Fest steht aber, dass Zschäpe und Helferinnen in den vielen Jahren der Aktivitäten des NSU auch deswegen nicht aufflogen, weil die Ermittler_innen rechtsextreme Frauen unterschätzen.

Anfang Mai hat die Fachstelle für Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung die Broschüre “Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt. Analysen und Handlungsempfehlungen” veröffentlicht, die sich mit diesem Phänomen und den Folgen auseinandersetzt. Die Publikation ist das Ergebnis eines einjährigen Projekts und fasst auf etwas mehr als sechzig Seite wichtige Erkenntnisse zusammen.

In einem ersten Kapitel gehen Heike Radvan und Henrike Voigtländer der Frage nach, wie (rechtsextreme) Frauen wahrgenommen werden. So analysieren sie eingangs, woher das Bild der “friedfertigen” Frau stammt und zeigen dabei auch auf, wie Forschung zur Schaffung dieses Stereotypes beigetragen hat. Weiterhin erklären sie, wie in der geschichtswissenschaftlichen Untersuchung der NS-Zeit Frauen häufig als »unbeteiligte Zeitgenossinnen« oder Opfer konstruiert bzw. ausgeblendet wurden. Diese Mechanismen galten dann auch für rechtsextreme Frauen nach 1945, wie Radvan und Voigtländer deutlich machen. Das zweite Kapitel von Heike Radvan und Naemi Eifler schließt in der Chronologie dann an und betrachtet genauer “Frauen in Gruppierungen der extremen Rechten nach 1989″. Dabei zeigen die Autorinnen, wie rechtsextreme Frauen sich im “sozialen Bereich” engagieren, als Kaderfrauen aktiv sind oder sich in autonomen Gruppen einbringen. Nach diesen beiden großen Überblickskapiteln widmet sich Ulrich Overdieck den “Rechtsterroristinnen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland”. Dabei blickt er zum einen in die 1980er auf die »Deutschen Aktionsgruppen« (DA), der »Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands« (VSBD) und der »Wehrsportgruppe Hoffmann« (WSG Hoffmann), sowie in die aktuellere Zeit mit der »Schutzgruppe« der »Kameradschaft Süd« aus München.

Im Anschluss widmen sich die Autor_innen noch einmal konkreten Fallbeispielen, zum ersten der “Fallgeschichte 1: Beate Zschäpe” und dann der “Fallgeschichte 2: Nadja Drygalla Der Umgang mit Rechtsextremismus in Sportvereinen”. Dabei wird immer wieder deutlich wie stereotype Bilder dazu führen, dass Frauen entlastet oder erst gar nicht groß betrachtet werden. Abschließend werden dann “Defizite im Umgang mit Aussteigerinnen aus der rechtsextremen Szene” aufgezeigt und Handlungsempfehlungen für Justiz, Zivilgesellschaft und Medien ausgesprochen.

Mehr zu diesen Themen inklusive weiterführender Literaturhinweise gibt es auch in unserer eigenen Artikelreihe “Gender und Rechtsextremismus“.


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Prekarisierung, § 23 und der Staat als gewalttätiger Akteur – kurz verlinkt

9. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 241 von 243 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Eine bemerkenswerte Berlinerin, Zeitzeugin, Aktivistin und Antifaschistin: Inge Lammel musste als Jüdin während des Zweiten Weltkriegs nach Bristol und sagt im Interview mit der Berliner Zeitung: “Man ist achtsam geworden. Und doch, es gibt immer Menschen, denen andere egal sind. Man sieht gerade, wie die Flüchtlinge behandelt werden.”

Anfang Juni hatte in Berlin ein Bündnis ein Plakat an einem Haus angebracht, welches an den NSU-Bombenanschlag 2004 in Köln erinnern sollte. Den Spruch “NSU: Staat & Nazis Hand in Hand.” ließ die Polizei entfernen. (Wir schrieben darüber.) Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates nun ein, berichtet MiGAZIN.

Eine weitere Gerichtsentscheidung kommt aus den Niederlanden: Dort wurde nun auch gerichtlich festgeschrieben, dass es sich beim “Zwarten Piet” um eine rassistische Karikatur handelt. (Hinweis: Abbildung von Blackface)

Das Bündniss gegen Rassismus hat einen offenen Brief an die Berliner Senatsinnenverwaltung zum §23 des Aufenthaltsgesetz verfasst, der auch noch unterzeichnet werden kann.  Es wird u.a. gefordert, den politisch aktiven Geflüchteten aus Berlin gemäß § 23 AufenthG den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu gewähren.

Women in Exile kritisieren den Bundestagsbeschluss zur deutschen Asylpolitik und fordern Protest, damit der Gesetzesentwurf im Bundesrat gekippt wird.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie werden im Juli und August die Autorinnen Mona Motakef, Julia Teschlade und Christine Wimbauer über Prekarisierung bloggen.

Der Bundestreffen Solifonds der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), will Menschen eine Teilnahme ermöglichen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation sonst nicht kommen können. Auf ihrer Seite erklärt die ISD, wo der Zuschuss beantragt werden kann und wohin gespendet werden kann, um den Fonds zu unterstützen.

Das Webportal Mein Geschlecht ist online. Trans*, inter* und genderqueere Jugendliche finden dort bundesweite Anlaufstellen, können ihre Geschichte erzählen und voneinander lernen.

englischsprachige Beiträge

Sichtbarkeit – gerade auch im Internet – ist doch was tolles?! Shanley Kane zeigt auf, wie diese Annahme nicht für alle Menschen gilt, und wie oft Sichtbarkeit auch mit Gewalt einhergeht.

Fast zwei Drittel der ruandischen Parlamentarier_innen sind Frauen. Der Guardian schreibt über diesen Fakt und was das bedeutet.

Lauren Chief Elk zum International Violence Against Women Act  und Gewalt durch den Staat, denn in der weltweiten Diskussion um Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird häufig der Staat als gewalttätiger Akteur ausgeblendet.

“Yes, obesity is ok.  The rights to life, liberty and the pursuit of happiness are not size dependent, they are inalienable.  Fat people have the right to exist in fat bodies without shame, stigma, bullying or oppression.” - Dances with Fat antwortet auf einen New York Times Artikel, der die Frage stellte, “Is Obesity OK?”.

Wenn über sexualisierte Gewalt in Euphemismen gesprochen wird, wem nützt das etwas? Ganz sicher nicht den Betroffenen, stellt Soraya Chemaly fest.

Luvvie schreibt bei TheGrio über die aktuelle Personalpolitik beim US-amerikanischen feministischen Blog Jezebel und darüber, was diese mit Respekt und Intersektionalität zu tun hat.

Die Schauspielerin Doon Mackichan erläutert im News Statesman ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber Stories, in denen Gewalt gegen Frauen zur Unterhaltung dient.

Termine in Berlin, Frankfurt a.M. und Göttingen:

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Neue Gesetze zum Geschlechtseintrag in Dänemark, World Refugee Day und Telefonabwehr – Die Blogschau

21. Juni 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 250 von 254 der Serie Die Blogschau

“Der Transgender Euregio Treff ist der Treffpunkt für Transgender aller Art in der Bodenseeregion.” – Vom Juni Treffen und der Frage nach unterschiedlichen Umgängen mit Diskriminierungserfahrungen berichtet Michaela auf dem Blog des Transgender Euregio Treff. Das nächste Treffen wird am 12. Juli stattfinden.

In Dänemark wurde ein neues Gesetz verabschiedet, welches es ermöglicht den Geschlechtseintrag ohne medizinische Untersuchungen, “Beratungen” etc. – aber mit einer halbjährigen Wartefrist nach dem Erstantrag- zu ändern. gnurpsnewoel. analysiert, was auch an diesem Gesetz noch verbesserungswürdig ist und wie Alternativen aussehen.

Am letzten Wochenende fand in Wien die jährliche „Vienna Pride“ statt. Dabei kam es zu einer Reihe von Angriffen und polizeilicher Willkür. Olja Alvir berichtet.

“Sicheres Bloggen”? Den Leitfaden dazu hatten wir in der letzten Blogschau verlinkt. Melanie hat sich diesen auf femgeeks angeschaut und erklärt, warum sie einige der Ratschläge problematisch findet: “Oft äußert sich das [Victim Blaiming] in Aussagen wie “Hättest du x nicht gemacht, wäre dir y nicht passiert”. Die Ansicht, dass eine betroffene Person für das was ihr geschieht in irgendeiner Form mit verantwortlich ist. Es ist für mich erschreckend, wie sehr sich Tipps im Leitfaden in solchen Ratschlägen ähnelt, obwohl er an der ein oder anderen Stelle auch durchblicken lässt, dass darauf geachtet wurde nicht in diese Richtung zu driften. Vermieden werden konnte es nicht.”

Lady*fest Heidelberg (9.-13. Juli) könnte noch sehr gut finanzielle Unterstützung vertragen.

Der Watch-Salon widmet sich dem Thema Paragraph 177 des Strafgesetzbuchs, dem geringern Medieninteresse zu diesem und Initiativen zur Überarbeitung, denn keine Person sollte mehr sexualisierte Gewalt anzeigen und dann zusehen müssen, wie ein Freispruch erteilt wird, weil sie sich nicht genug gewährt habe. [Inhaltshinweis: sexualisierter Gewalt, Auschreiben von V*rg*w*lt*g*ng]

Gestern war der World Refugee Day – ein guter Anlass den aktuellen Newsletter von Women in Exile & Friends zu lesen.

Jemand will eure Telefonnummer? Ihr könnt die Person nicht abwimmeln (aus vielerlei Gründen)? Da gibt es jetzt Abhilfe: Einfach die Nummer der telefeministinnen angeben und es werden automatisch Zitate von Feminist_innen als Antwort-SMS gesendet.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Einzelfall Elliot Rodger. Oder: Wieder sexistisch motivierte Morde.

26. Mai 2014 von Charlott

[Inhaltshinweis: sexistisch motivierte Gewalt, Mord, Misogynie, Rassismus, Ableismus - auch in den verlinkten Texten]

Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them. – Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie ermorden. (Margaret Atwood)

Nachdem Elliot Rodger am Freitag drei Menschen in seiner Wohnung erstochen hatte, fuhr er mit dem Auto durch die Stadt Isla Wista, Kalifornien, auf dem Weg zu dem Haus einer Studentinnenvereinigung und schoss um sich. Er tötete drei weitere und verletzte 13 Personen. Rodger selbst starb an einem Kopfschuss. (Es ist noch nicht geklärt, ob selbst- oder fremderwirkt.)

Bevor Rodger diese Gewalttaten verübt hat, hat er seine Gedanken im Internet geteilt. Er hat Videos kurz vor den Morden auf Youtube hochgeladen, in denen er seine Motivation schildert. Außerdem hat er eine 140-seitige Autobiographie (inklusive detailliertem Plan seiner Tat) geschrieben und sich schon seit längerem in unterschiedlichen Foren ausgetauscht. Die Begründung für seinen Hass und die Gewalt? Er fühlte sich von Frauen ‘falsch’ behandelt. Rodger war 22 Jahre alt und – wie er immer wieder und wieder betonte – hatte bisher keinen Sex mit einer anderen Person erlebt. Und so heißt es bei ihm: “Ich habe Mädchen begehrt, aber sie haben nie mich begehrt. Das ist einfach falsch. Das ist eine Ungerechtigkeit, die nicht unbestraft bleiben darf.”

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Über die Befreiung der Körper Schwarzer Frauen – Eine Diskussion

7. Mai 2014 von Charlott

Derzeitig ist ist die Autorin und Aktivistin bell hooks “scholar-in-residence” an The New School. In diesem Rahmen finden eine Reihe von Diskussionsveranstaltungen statt – und dankenswerterweise werden diese zum einen live gestreamt und zum anderen auch später online gestellt. Gestern nun fand die Veranstaltung “Are You Still a Slave?: Liberating the Black Female Body” statt.

bell hooks und Marci Blackman während der Diskussion (Screenshot)

bell hooks und Marci Blackman während der Diskussion (Screenshot)

bell hooks sprach mit Janet Mock (Autorin von “Redefining Realness. My Path to Womenhood, Identity, Loven & So Much More“), Shola Lynch (Filmemacherin, u.a. “Free Angela and All Political Prisoners“), und Marci Blackman (u.a. American Library Association’s Stonewall award for Best LBGT Fiction).

Ausgehend von der Darstellung Schwarzer Frauen im Film “12 Years A Slave” setzen sich die vier mit der Bedeutung von Geschichte und Geschichten, Vorbilder, Gewalt in ihren unterschiedlichen Formen, die Rolle von Medien, Empowerment und Gemeinschaft auseinander. Shola Lynch berichtet wie ihre Tochter den Trailer zu “Free Angela” immer wieder und wieder ansah, Marci Blackmann spricht über Roman-Figuren, die eine_r sonst selten sieht und bell hooks erklärt, warum ihr die Arbeit an Kinderbüchern besonders wichtig war. Und dann diskutieren bell hooks und Janet Mock über das Time-Cover, auf dem Beyoncé abgebildet war. (Und das alles nur in den ersten 40 Minuten)

Die gesamte Diskussion von fast zwei Stunden kann auf der Seite der New School angeguckt werden.


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Über 200 entführte Mädchen – und ganz viel Stille.

30. April 2014 von Charlott

Am 14. April wurden im Bundestaat Borno im Norden Nigerias über 200 Schülerinnen durch die militante Organisation Boko Haram entführt. Ein Großteil der Mädchen ist bis heute in der Gewalt der Entführer. In den meisten deutschsprachigen Medien wurden sie bereits aus dem Nachrichteninteresse verdrängt. Die letzten Artikel sind meistens vom 17. April. In diesen wird die Falschmeldung vom Tag zuvor, dass die Mädchen befreit wären, zurückgenommen. Seitdem: Stille.

Und ja, über die Vorfälle zu schreiben ist nicht einfach, denn nur wenige Informationen gelten als gesichtert, angefangen von der Frage wie viele Mädchen genau entführt sind.  Gestern wurden Berichte veröffentlicht, dass die Mädchen zwangsverheiratet und zumindest einige von ihnen aus dem Land nach Kamerun und Tschad geschafft wurden. Klar ist: Viele Schülerinnen sind weiterhin verschwunden. Von Erfahrungen mit bisherigen Entführungen lässt sich bereits erahnen, welche Gewalterfahrungen sie machen müssen.

Nicht nur, dass außerhalb Nigerias das Thema eigentlich schnell ein Nicht-Thema wurde, was einmal mehr deutlich machte, wie wenig eigentlich die Leben Schwarzer Mädchen “wert” sind, auch in Nigeria wird nur langsam von offizieller Seite reagiert – wenn überhaupt.  Erst heute Morgen hat @CheRox dies noch einmal auf Twitter zusammengefasst. Den meisten ist bewusst, um so länger es dauert bis intensiv nach den Mädchen gesucht wird, um so geringer werden die Chancen sie jemals wieder zu finden. Schon jetzt sind viele pessimistisch.

Doch für heute wurde in Abuja durch ein Bündnis verschiedener Frauen zu einem Protestmarsch, dem ‘Million Woman March’, aufgerufen. Am Montag hatte es bereits Proteste in Lagos durch die Kibaku Youth Association of Nigeria gegeben. Auf Twitter wird mittlerweile unter dem Hashtag #BringBackOurGirls mobilisiert.

Ein detaillierter Artikel zu den Ereignissen erschien ebenfalls heute im New Yorker. Alexis Okeowo beschreibt nicht nur die Hintergründe, sondern sprach mit Familienangehörigen und einer Schülerin, die fliehen konnte. Zum Ende heißt es:

For a while after the abduction, girls trickled back into town—some rolled off trucks, some snuck away while fetching water. That trickle has stopped. “Nobody rescued them,” a government official in Chibok said of the girls who made it back. “I want you to stress you this point. Nobody rescued them. They escaped on their accord. This is painful.”

[Einige Zeit lang nach der Entführung tröpfelten Mädchen zurück in die Stadt – einige hatten sich von den Trucks gerollt, andere waren beim Wasser holen davon geschlichen. Dieses Tröpfeln hat aufgehört. “Niemand hat sie befreit”, sagte ein Regierungsbeamter in Chibok über die Mädchen, die es zurück geschaft haben. “Ich möchte, dass Sie diesen Punkt hervorheben. Niemand hat sie befreit. Sie sind eigenständig geflohen. Das ist schmerzhaft.”

Zum Weiterhören: Bei der BBC gab es gestern eine Diskussion zu der Entführung, dem (Nicht)Umgang der nigerianischen Regierung und den geplanten Protesten.


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Akif Pirinçcis Hass, Abtreibungen auf dem Meer und ein Gedicht von June Jordan – kurz verlinkt

16. April 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 231 von 243 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Nadia schreibt beim Gunda Werner Institut zu Akif Pirinçcis neuem Buch “Deutschland von Sinnen” und meint, der “Buch-Erfolg [sei] zwar ärgerlich und höchst bedenklich, als psycho-soziales Dokument deutscher (oder: eingedeutschter) Hegemonie jedoch auch wieder ein aufschlussreiches Barometer”.

Hinz&Kunzt berichtet über Shila Begum, eine der überlebenden Näher_innen des Rana-Plaza-Unglücks in Bangladesch, und ihren Einsatz für Entschädigungen.

In Berlin wurde bei der Überparteilichen Fraueninitiative ein Beirat für die Vorbereitung einer Fachtagung zur Situation obdachloser Frauen gegründet.

Racial Profiling trifft auf Sexual Profiling im Kontext des “Kampfs gegen Prostitution” – menschenhandel heute berichtet.

englischsprachige Links

[Inhaltshinweis: Gewaltbeschreibungen] Auf Salon.com schreibt Brittney Cooper über die vielen Formen von Gewalt, der Schwarze Mädchen und Frauen besonders augsesetzt sind – und wie diese kaum besprochen und bekämpft werden.

Bitch Magazine bespricht den neuen Dokumentarfilm “Vessel” über die Organisation “Women on Waves”, die Abtreibungen auf Schiffen durchführt, um so Verbote zu umgehen. (Ein Interview mit der Gründerin der Organisation gibt es auf deutsch bei der an.schläge.)

“Sometimes, when this happens, when a thin person realizes that they’ve just disgorged a bunch of rank fat hatred right into my fat face, they apologize. Often in a way that exacerbates the offense. But mostly, they try to convince me that they’re not talking about me. That those other fat people were gross in a way that I’m not.” – Shakesville schreibt zu fat hatred, Vorurteilen und Raumeinnahme.

In den USA wird gerade National Poetry Month begangen. Feministing postet aus diesem Anlass täglich feministische Gedichte, gestern zum Beispiel June Jordans “Poem About my Rights”. [Inhaltshinweis: Beschreibung (sexualisierter) Gewalt]

Ein #TwitterEthics Manifesto wurde bei Model View Culture veröffentlicht.


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Vielleicht hat er Frauen gehasst, aber seine Literatur ist doch genial!

2. April 2014 von Charlott

[Inhaltshinweis: Beschreibungen von Gewalt]

Auch wenn in den letzten Jahrzehnten von vielen Seiten am Literaturkanon gerüttelt wurde, im Mainstream kommen kleine Errungenschaften nur langsam an. Dieselben Autoren (männlich, weiß) wie eh und je werden gefeiert und deren Lebensgeschichten zu Mythen verwoben, in denen Frauen häufig auf den Platz der liebenden Ehefrau, Muse oder Zerstörerin verwiesen werden (alles fein säuberlich in heteronormativen Vorstellungen verankert). Der Sexismus und die Misogynie in den Texten der Autoren wird im besten Fall “auf die damalige Zeit” geschoben oder als “satirische Verarbeitung” verstanden; die gelebte Gewalt gegen Frauen in ihren Umfeldern wird schnell zu kleinen Anekdoten. Anekdoten, die dazu beitragen, den Mythos um die jeweiligen Autoren aufrecht zuerhalten. Das Vokabular, welches dazu entwickelt wurde: Kompromisslos. Berüchtigt. Genial. Kontrovers.

Nehmen wir T.S. Eliot. Einer der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts, wie uns die Mainstream-Literaturgeschichte erzählt, und der Aussprüche wie den folgenden traf: “There are only a half dozen men of letters (and no women) worth printing.” (“Es gibt nur ein halbes Dutzend Schrifststeller (und keine Frauen), die es wert sind, gedruckt zu werden.”) Im Jahr 1915 heiratete er Vivienne. Ihre Geschichte zu rekonstruieren ist schwierig, denn nicht nur zeitgenössische Berichte, sondern auch Rückblicke neigen zu krassesten Pathologisierungen, die die Story darunter vollkommen übermanteln. Ihre eigenen Tagebücher sind ebenfalls nicht mehr zugänglich, da die zweite Frau Eliots diese an sich nahm. Fest steht aber, dass T.S. Eliot sich 1933 von ihr trennte und von da an alles daran setzte, kein Wort mehr mit ihr zu wechseln (geschieden aber wurden sie nie). Fünf Jahr später wurde sie durch ihren Bruder in eine psychatrische Anstalt eingeliefert. Dieser gab später selbst zu Protokoll: “She was as sane as I was. What Tom [Eliot] and I did was wrong. I did everything Tom told me to.” (“Sie war genauso bei Verstand wie ich. Was Tom (Eliot) und ich gemacht haben, war falsch. Ich habe alles gemacht, was Tom mir gesagt hat.”) Sie starb 1947 unter nicht ganz klaren Umständen in der Anstalt. Ein Jahr später erhielt Eliot den Literaturnobelpreis.

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Problemponies, Pansexualität, Polizei – die Blogschau

1. März 2014 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 236 von 254 der Serie Die Blogschau

“Es gibt für uns viele gute Gründe, knuffige Ponys als Titelbild zu haben. Noch mehr Gründe gibt es für uns aber, Ponys aus einer rassistischen Serie vom Titelbild zu entfernen” – die trans*geniale f_antifa erklärt, was an ‘My Little Pony’ problematisch ist.

“Häufig wird queer verwendet, um ein Begehren zu beschreiben, das nicht in ein binäres System passt und ich finde es gut, dass versucht wird andere Begriffe zu nutzen, um queer nicht zunehmed zu verkürzen. Allerdings halte ich “Pansexualität” dabei nicht für die Lösung. Warum?” – Don’t Degrade Debs, Darling! erläutert.

Wahrscheinlich geht kaum jemand gern zur Zahnbehandlung – für traumatisierte Menschen, für Gewaltüberlebende kann dieses Setting jedoch noch mal eine besondere Welt von Herausforderungen darstellen. Wie damit umgehen, wie mit der behandelnden Person darüber kommunizieren, was erwarten (dürfen/können), welchen Raum nehmen? C. Rosenblatt teilt bei Ein Blog von Vielen ihre Erfahrungen und Gedanken dazu.

Ebenfalls gefunden bei Ein Blog von Vielen: Das Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg untersucht die Anzeigebereitschaft nach sexuellen Grenzverletzungen und sexueller Gewalt und sucht Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine Online-Befragung, 

Und: Pro Choice Marburg hat Termine rund um den Frauenkampftag zusammen getragen!

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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