Einträge mit dem Tag ‘Gewalt’


Rassismus historisch betrachten, Star Trek und Trans*-Musiker_innen – die Blogschau

18. Oktober 2014 von Nadine
Dieser Text ist Teil 259 von 260 der Serie Die Blogschau

Nadia stellt auf Shehadistan die Künstlerin Tascha Parkinson vor.

Lightsneeze hat einen weiteren Text zu Unterstützungsarbeit bei Gewalt in Beziehungen übersetzt. Hinweis: Der Text benutzt Begriffe wie “Opfer” und “Missbrauch/Abuse”, ebenso steht im Original wie in der Übersetzung Gewalt in Hetero-Beziehungen im Vordergrund (an einer Stelle wird impliziert, dass Gewalt in diesen Beziehungen häufiger vorkommt, weil die gewaltausübenden Personen Typen sind). Ich finde Sprache (weil entmenschlichend) und Perspektive (weil heteronormativ/eindimensional) kritikwürdig, denke aber, dass die dortigen Hilfestellungen und Angebote trotzdem für viele Menschen wertvoll sind.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. haben auf ihrem Blog einen umfangreichen Bericht zum Schwarzen Kulturfestival in Hamburg veröffentlicht. Desweiteren fordert der Verein eine verstärkte Einbeziehung der historischen Bedingungen von Rassismus in Deutschland, um gegenwärtige rassistische Reproduktionen z.B. in der Kultur- und Medienlandschaft besser zu verstehen.

Ein neuer Nrrrdz-Podcast zum Thema “Räume gestalten” ist online!

Und noch ein Podcast! Bei Steintofu geht es um Star Trek aus queerfeministischer Perspektive.

Salma Multidoze mit einem starken Spoken Word zu (sexualisierter) Gewalt.

Ordentlich Modestoff gab es in den vergangenen Tagen auf Queer Vanity und Reizende Rundungen.

Anlässlich des Berliner Trans*March ging diese Woche noch einmal die Trans*-Musiker_innen-Liste von Jayrôme durch die digitalen Kanäle (Teil 1, Teil 2). Wenn ihr weitere kennt, könnt ihr sie dort in den Kommentaren ergänzen. In diesem Zusammenhang stellte Jayrôme vor ein paar Tagen eine_r der Organisator_innen – AnouchK – vor.

Zusammenschnitt der diesjährigen Proteste gegen den Marsch für das Leben (Bündnis von fundamentalistischen Abtreibungsgegnern)

via No218NoFundis

Hannah C. Rosenblatt macht sich Gedanken zum Begriff “Überlebende” als Bezeichnung für Betroffene von Gewalt.

Termine:

Am 26. Oktober findet wieder ein Schreibworkshop für Mädchen und junge Frauen in Berlin statt. Workshopleiterin ist Dichterin, Kanakaktivistin, Empowerment-Trainerin, Sozialpädagogin und lebenslange Lernerin Moona Moon. Der Schreibworkshop ist Teil des intergenerationellen Multimediaprojekts “Voicing HerStories” zu Biografiearbeit mit Mädchen und Frauen in Neukölln, um die eigene Geschichte in Bezug auf Familie, Community und Kiez zu teilen, zu reflektieren, und sich durch gemeinsames lernen zu solidarisieren.

Am 8. November wird in Wien das 30-jährige Bestehen des feministischen Monatsmagazins Anschläge gefeiert! Wir gratulieren und wünschen eine fette Party!


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Eitelkeiten, Betreuungsarbeit und Beziehungen – Die Blogschau

27. September 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 257 von 260 der Serie Die Blogschau

Ein neuer Modeblog erscheint am Horizont: Queer Vanity! Gleich in einem der ersten Posts geht es um die Verbindungen von Mode und Politik, aber es gibt natürlich auch wunderbare Outfit-Posts.

Fuckermothers verweist zum einen auf ein Zitat von Nancy Fraser zu “universeller Betreuungsarbeit” und einen Text der Intersex-Aktivistin Thea Hillman im ‘Mutha Magazine’.

Das What the Fuck-Bündniss hat Redebeiträge des Protests gegen christlichen Fundamentalismus und Abtreibungsvorbot verlinkt, sowie die Stellungnahme des ZDF zu Übergriffen der fundamentalistischen Protestierenden.

Das Blog Class Matters feiert den dritten Geburtstag.

65 Warnzeichen für schlechte Behandlung in Beziehungen wurden auf dem Blog High on Clichés zusammengetragen. Außerdem gibt es dort viele weiterführende Links zum Thema.

Auf dem Tumblr Und egal, was mal war… gibt es Poesie.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Wenn Gewalt viele Namen hat – aber Wichtiges unbenannt bleibt

25. September 2014 von Gastautor_in

Hannah C. Rosenblatt bloggt auf “Ein Blog von Vielen” über Gewalt, ihre Formen und Folgen, Inklusion und ihr Leben mit dissoziativer Identitätsstruktur. Sie ist auch bei Twitter aktiv. Zuletzt durften wir ihren Text “Weil sich die Sprachführung über sexualisierte Gewalt verändern muss!” crossposten. Wir freuen uns sehr, dass auch Hannah in Zukunft häufiger für uns schreiben wird.

“Warum haben wir so viele unterschiedliche Namen für Gewalt, die dann doch oft gar nicht sagen, was wir meinen?”, ist eine Frage, die mich umtreibt und mir nach den Berichten zu und über den letzten Hashtag der Gewalt im Zentrum stehen hatte, noch einmal Anlass gab, darüber nachzudenken, wie Gewalt und Sprache funktionieren.

Klein(er) reden und victim blaiming

Es fängt vielleicht damit an, ES begreiflich machen zu wollen. Vielleicht selbst zu begreifen, vielleicht aber auch Differenzen begreifbar zu machen. Und am Ende sind es viele verschiedene Arten ein und desselben ES, das zwischen (Todes)Angst, Schmerz, Trauer, Ekel, Verlust, Scham, Horror und dieser einen spezifischen Einsamkeit, die keine Worte kennt, bestehen bleibt.
Dann heißt ES plötzlich “psychische Gewalt”, “physische Gewalt”, “häusliche Gewalt”, “ökonomische Gewalt”, “sexualisierte Gewalt”, “soziale Gewalt”, “strukturelle Gewalt”, “rassistische Gewalt” und ist etwas ganz anderes. Plötzlich bekommt jedes kleine Gewalthäufchen eine andere Bewertung. Plötzlich ist das Eine schlimmer als das Andere und ES frisst sich als unwichtig bagatellisiert und im üblichen Gewand Marke victim blaming durch die Leben der Menschen, die zu Opfern geworden sind.

Plötzlich ist erscheint es nur logisch Menschen, die sogenannte häusliche Gewalt erlebten, zu fragen, warum sie denn in diesem Haus geblieben sind. Warum sie nicht gegangen sind.
Die Frage ist nicht: “Wer hätte dir helfen können, dein eigenes Haus sicher für dich, deine Kinder und Haustiere zu gestalten?” Die Frage ist auch nicht: “Warum ist der Mensch, der die Gewalt ausübte, nicht gegangen? Und die Frage ist auch nicht: “Welche Vorstellungen von PartnerInnen*schaft und Liebe, Feindschaft und Gewalt gab es in diesem Miteinander und ihren Individuen?”.

Gewalt und die Machtfrage

Viele Menschen halten Gewalt für etwas, dessen Anwesenheit in Taten sichtbar wird. “Es ist Gewalt, wenn eine Person Schmerz empfindet, ein Gegenstand kaputt ist oder sonst irgendwelche Veränderungen da sind.”, heißt es. Das ist als würde man sich eine kleine Bastion des Schlimmen bewahren wollen – eine unumstößliche Art des Grauens, über die kein anderer Mensch jemals mehr sagen kann als: “Es muss furchtbar für dich gewesen sein, das zu (üb)erleben”.

Ich selbst nehme Gewalt als ein Ungleichgewicht der Macht, vielleicht auch der Mächte wahr und muss entsprechend Gewalt in ihren Kostümen nicht unterschiedlich nennen, weil ich es so wahrnehme, dass mit Begriffspaaren wie zum Beispiel “psychische Gewalt” zum einen bestimmte Framings einhergehen, die ihre Abwertung bereits in eben jenen Gewaltdynamiken haben und zum Anderen, weil es für mich ausschließlich das Werkzeug zur Schädigung einer Person benennt. Statt der Gewalt immer neue Beinamen zu geben, würde ich dann eher formulieren: „Das ist Rassismus/Sexismus/Ableismus/etc, der hier das Denken bestimmt und Gewalttaten hervorbringt.“.

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Neuer Asylkompromiss und die Mär der “sichere Herkunftsstaaten”

22. September 2014 von Charlott

Am Freitag entschied der Bundesrat über die Einstufung neuer Länder als “sichere Herkunftsstaaten”. Das Ergebnis wird als Asylkompromiss bezeichnet – es ist der zweite so bezeichnete große Kompromiss auf Kosten Asylsuchender. Der letzte Asylkompromiss vor 21 Jahren führte zur de facto Abschaffung des Asylrechts in Deutschland.

Dieses Mal wurden Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als so genannte „sichere Herkunftsstaaten“ eingestuft.  Von einem Kompromiss wird gesprochen, da in den vorangegangen Verhandlungen Verbesserung hinsichtlich des Arbeitsmarktzugangs, der Residenzpflicht und im Sozialrecht zugesagt wurden. ProAsyl zeigte bereits am Freitag auf, dass aber auch diese Zugeständnisse in der Praxis kaum positiv ins Gewicht fallen werden.

Was sollen darüber hinaus eigentlich “sichere Herkunftsstaaten” sein? Dass Staaten (egal welche) einfach per Abstimmung einer Reihe äußerst priviligierter Personen als “sicher” ernannt werden können, widerspricht offensichtlich den Lebenserfahrungen vieler Menschen. Ein Raum, Ort, Staat wird nicht per Proklamation “sicher”. Stattdessen wird es für Menschen, die Gewalt erfahren, um so schwerer diese zu benennen und damit gehört zu werden, da per Definition ja nichts vorliegen dürfte. In Bezug auf Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina wird es in erster Linie LGBTIQ und Roma treffen.

Eines der Argumente, warum die Staaten “sicher” seien? Es wurden ja auch bisher kaum Asylanträge bewilligt, verkündete zum Beispiel der Grünen-Politiker Kretschmer. Eine Logik, die kruder kaum sein könnte: Die Aussage “Staat x ist sicher” wird einfach richtig, da bereits zuvor nach dieser Devise gehandelt wurde. Das Argument wird meist mit den unbereinigten Statistiken “belegt”. Dazu schreibt das MiGAZIN:

Wie große die Unterschiede zwischen nicht bereinigten und bereinigten Anerkennungsquoten sein könnten, würden sie errechnet, zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion aus März. Danach erhielten im Jahr 2013 nur 42 Asylsuchende aus Serbien und Mazedonien einen Schutzstatus. Erst auf Anfrage teilt die Bundesregierung mit, dass 65 weitere Anerkennungen durch die Verwaltungsgerichte erfolgten, ein Plus von 155 Prozent.

Am Schreibtisch ausgehandelte Kompromisse über Menschenleben. Eine Welt, in der es auch sinnvoll erscheint, Armut nicht als legitmen Grund zur Flucht anzuerkennen. Armut wird stattdessen zum Privatproblem, welches auszuhalten ist oder wo eine_r sich nur genug anstrengen muss, um der Armut zu entkommen, und einfach außer Acht gelassen, dass Armut zu meist das Ergebnis rassistischer, hetero_cis_sexistischer, ableistischer etc. Strukturen ist. So werden flüchtende Roma ohnehin meist als “Armutsflüchtlinge” kategorisiert, einem Begriff bei dem eh immer mitschwingt, dass es ja keine “richtigen” Geflüchteten seien, ohne dass anerkannt wird, dass Roma rassistisch diskriminiert werden und Gewalt aufgrund von Rassismus erfahren. Dass nun Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als “sicher” gelten, wird es den Betroffenen noch schwerer machen.

Zum allgemeinen Weiterlesen: Unser Dossier zu Flucht, Asyl und Protest


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Wer war … Zitkala-Ša?

11. September 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 39 von 40 der Serie Wer war eigentlich …
Zitkala-Ša. (Foto 1898 aufgenommen von Gertrude Käsebier)

Zitkala-Ša. (Foto 1898 aufgenommen von Gertrude Käsebier)

Am 22. Februar 1876 wurde die Schriftstellerin, Aktivistin, Lehrerin und Musikerin Zitkala-Ša geboren. Wie viele Native American Kinder wurde sie in einem Internat beschult, welches Teil des kolonialistischen System der USA war. Sie musste ausschließlich Englisch sprechen, ihre Haare wurden abgeschnitten und zum Christentum sollte sie umerzogen werden. Zitkala-Ša wehrte sich schon früh – vor allem schreibend – gegen dieses System. Ihr Leben lang kämpfte sie ob in politischen Organisationen oder durch ihre schrifstellerische Tätigkeiten für die Selbstbestimmungsrechte von Native Americans. Sie verstarb am 26. Januar 1938.

Ihrem poltischen, künstlerischen, aktivistischen Schaffen in einem Blogpost gerecht zu werden, ist eigentlich unmöglich. Hier sollen nur einige ihrer Auseinandersetzungen und Errungenschaften angedeutet werden:

  • Während ihrer Zeit am Earlham College veröffentlichte sie eine Reihe von Essays in der Schulzeitung. Eines dieser Essays, in welchem sie die Zwangs-Christianisierung von Native American Schüler_innen an den Internaten anprangerte, gewann den Indiana State Oratorical Contest. (Als sie den Preis entgegennahm wurde sie mit rassistischen Bannern anderer Schüler_innen konfrontiert.)
  • Eine zeitlang arbeitete Zitkala-Ša selbst als Lehrerin. Gleichzeitig veröffentlichte sie aber Texte, die das Schulsystem vehement kritisierten. Aufgrund dieser Aktivitäten verließ sie dann auch den Schuldienst. Ihre eigenen Erlebnisse als Schülerin verarbeitete sie auch in späteren Geschichten.
  • Gemeinsam mit William Hanson schrieb sie The Sun Dance, ein Oper basierend auf Nakota Liedern. Die Oper wurde 1913 uraufgeführt und ist bis heute wohl die einzige (bekannter aufgeführte) Oper, die von Native Americans geschrieben wurde.
  • Sie war eine treibende Kraft für die Veränderungen der Staatsbürger_innenschafts-Rechte von Native Americans. Sie setzte sich dafür ein, dass Native Americans die US-amerikanische Staatsbürger_innenschaft erhalten konnten, ohne dass sie sich zu erst von ihren eigenen Nationen lossagen mussten. (Ein wichtiger Punkt, z.B. auch hinsichtlich von (rechtlichen) Landansprüchen.)
  • Im Jahr 1926 gründete Zitkala-Ša den National Council of American Indians und war bis zu ihrem Tod die Präsidentin.
  • Und dann ist natürlich auch nicht ihre schrifststellerische Tätigkeit zu vergessen, welche überhaupt Geschichten von und über Native Americans (hier in erster Linie Sioux) auf’s Papier brachte – und das nicht als Nebencharaktere in den (rassistischen) “Abenteuer”romanen weißer Menschen. In Geschichten wie beispielsweise “A Warrior’s Daughter”, wo die Protagonistin ihren Liebhaber retten muss, da er gefangen genommen wurde, schrieb sie vor allem auch Heldinnen in die Literatur ein.

Zum Weiterlesen auf Englisch:

Zitkala-sa” auf Native American Writers.

Zitkala-Ša: Nom de Defiance” beim Ms. Magazine.

 


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Utøya. Drei Jahre.

22. Juli 2014 von Charlott

Heute vor drei Jahren ermordete Anders Behring Breivik 77 Menschen. Acht Menschen starben durch eine Bombe, die gegen 15:25 in Oslo detonierte. Die 69 anderen Personen erschoss Breivik auf der Insel Utøya. Sie waren Teilnehmer_innen und Organisator_innen eines Feriencamps der AUF (Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet (AP)) gewesen.

Kurz vor dem Anschlag in Oslo versandte Breivik ein über 1000 Seiten langes Dokument. Sein “Manifest”, welches er zum Großteil auch aus Texten, die bereits andersweitig im Netz veröffentlicht worden waren, zusammen kopiert hatten. In diesen Seiten drückte sich jedoch deutlich seine Welt- und Wertvorstellung aus: voller Rassismus, Islamfeindlichkeit, Hetero_Sexismus und Misogynie. Das große Schlagwort, unter dem er alles subsumiert: Kampf gegen “Politische Korrektheit”.

Die Menschen, die vor drei Jahren getötet wurden, wurden gezielt getötet. Auch heißt es, dass Breivik auf Utøya besonders Frauen und Mädchen anvisierte. Vom Feminismus, nach ihm eine der auffälligsten Spielarten der “politischen Korrektheit”, wollte er die europäischen Männer befreien.

In Berlin findet heute um 17.30 vor der norwegischen Botschaft eine Gedenkveranstaltung statt. (FB-Link)

Zum Weiterlesen:


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“Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt” – Eine Broschüre

21. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 6 von 7 der Serie Gender und Rechtsextremismus

13011_orgImmer noch läuft der sogenannte NSU-Prozess u.a. gegen Beate Zschäppe, wobei diese in der letzten Woche ihren AnwätInnen das Vertrauen entzogen hat. Wie sich das Verfahren weiterentwickelt ist somit gerade noch schwerer abschätzbar. Fest steht aber, dass Zschäpe und Helferinnen in den vielen Jahren der Aktivitäten des NSU auch deswegen nicht aufflogen, weil die Ermittler_innen rechtsextreme Frauen unterschätzen.

Anfang Mai hat die Fachstelle für Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung die Broschüre “Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt. Analysen und Handlungsempfehlungen” veröffentlicht, die sich mit diesem Phänomen und den Folgen auseinandersetzt. Die Publikation ist das Ergebnis eines einjährigen Projekts und fasst auf etwas mehr als sechzig Seite wichtige Erkenntnisse zusammen.

In einem ersten Kapitel gehen Heike Radvan und Henrike Voigtländer der Frage nach, wie (rechtsextreme) Frauen wahrgenommen werden. So analysieren sie eingangs, woher das Bild der “friedfertigen” Frau stammt und zeigen dabei auch auf, wie Forschung zur Schaffung dieses Stereotypes beigetragen hat. Weiterhin erklären sie, wie in der geschichtswissenschaftlichen Untersuchung der NS-Zeit Frauen häufig als »unbeteiligte Zeitgenossinnen« oder Opfer konstruiert bzw. ausgeblendet wurden. Diese Mechanismen galten dann auch für rechtsextreme Frauen nach 1945, wie Radvan und Voigtländer deutlich machen. Das zweite Kapitel von Heike Radvan und Naemi Eifler schließt in der Chronologie dann an und betrachtet genauer “Frauen in Gruppierungen der extremen Rechten nach 1989″. Dabei zeigen die Autorinnen, wie rechtsextreme Frauen sich im “sozialen Bereich” engagieren, als Kaderfrauen aktiv sind oder sich in autonomen Gruppen einbringen. Nach diesen beiden großen Überblickskapiteln widmet sich Ulrich Overdieck den “Rechtsterroristinnen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland”. Dabei blickt er zum einen in die 1980er auf die »Deutschen Aktionsgruppen« (DA), der »Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands« (VSBD) und der »Wehrsportgruppe Hoffmann« (WSG Hoffmann), sowie in die aktuellere Zeit mit der »Schutzgruppe« der »Kameradschaft Süd« aus München.

Im Anschluss widmen sich die Autor_innen noch einmal konkreten Fallbeispielen, zum ersten der “Fallgeschichte 1: Beate Zschäpe” und dann der “Fallgeschichte 2: Nadja Drygalla Der Umgang mit Rechtsextremismus in Sportvereinen”. Dabei wird immer wieder deutlich wie stereotype Bilder dazu führen, dass Frauen entlastet oder erst gar nicht groß betrachtet werden. Abschließend werden dann “Defizite im Umgang mit Aussteigerinnen aus der rechtsextremen Szene” aufgezeigt und Handlungsempfehlungen für Justiz, Zivilgesellschaft und Medien ausgesprochen.

Mehr zu diesen Themen inklusive weiterführender Literaturhinweise gibt es auch in unserer eigenen Artikelreihe “Gender und Rechtsextremismus“.


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Prekarisierung, § 23 und der Staat als gewalttätiger Akteur – kurz verlinkt

9. Juli 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 241 von 253 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Eine bemerkenswerte Berlinerin, Zeitzeugin, Aktivistin und Antifaschistin: Inge Lammel musste als Jüdin während des Zweiten Weltkriegs nach Bristol und sagt im Interview mit der Berliner Zeitung: “Man ist achtsam geworden. Und doch, es gibt immer Menschen, denen andere egal sind. Man sieht gerade, wie die Flüchtlinge behandelt werden.”

Anfang Juni hatte in Berlin ein Bündnis ein Plakat an einem Haus angebracht, welches an den NSU-Bombenanschlag 2004 in Köln erinnern sollte. Den Spruch “NSU: Staat & Nazis Hand in Hand.” ließ die Polizei entfernen. (Wir schrieben darüber.) Am 10.Juni stellte die Berliner Staatsanwaltschaft das von der Polizei eingeleitete Strafverfahren wegen Verunglimpfung des Staates nun ein, berichtet MiGAZIN.

Eine weitere Gerichtsentscheidung kommt aus den Niederlanden: Dort wurde nun auch gerichtlich festgeschrieben, dass es sich beim “Zwarten Piet” um eine rassistische Karikatur handelt. (Hinweis: Abbildung von Blackface)

Das Bündniss gegen Rassismus hat einen offenen Brief an die Berliner Senatsinnenverwaltung zum §23 des Aufenthaltsgesetz verfasst, der auch noch unterzeichnet werden kann.  Es wird u.a. gefordert, den politisch aktiven Geflüchteten aus Berlin gemäß § 23 AufenthG den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu gewähren.

Women in Exile kritisieren den Bundestagsbeschluss zur deutschen Asylpolitik und fordern Protest, damit der Gesetzesentwurf im Bundesrat gekippt wird.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie werden im Juli und August die Autorinnen Mona Motakef, Julia Teschlade und Christine Wimbauer über Prekarisierung bloggen.

Der Bundestreffen Solifonds der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), will Menschen eine Teilnahme ermöglichen, die aufgrund ihrer finanziellen Situation sonst nicht kommen können. Auf ihrer Seite erklärt die ISD, wo der Zuschuss beantragt werden kann und wohin gespendet werden kann, um den Fonds zu unterstützen.

Das Webportal Mein Geschlecht ist online. Trans*, inter* und genderqueere Jugendliche finden dort bundesweite Anlaufstellen, können ihre Geschichte erzählen und voneinander lernen.

englischsprachige Beiträge

Sichtbarkeit – gerade auch im Internet – ist doch was tolles?! Shanley Kane zeigt auf, wie diese Annahme nicht für alle Menschen gilt, und wie oft Sichtbarkeit auch mit Gewalt einhergeht.

Fast zwei Drittel der ruandischen Parlamentarier_innen sind Frauen. Der Guardian schreibt über diesen Fakt und was das bedeutet.

Lauren Chief Elk zum International Violence Against Women Act  und Gewalt durch den Staat, denn in der weltweiten Diskussion um Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird häufig der Staat als gewalttätiger Akteur ausgeblendet.

“Yes, obesity is ok.  The rights to life, liberty and the pursuit of happiness are not size dependent, they are inalienable.  Fat people have the right to exist in fat bodies without shame, stigma, bullying or oppression.” - Dances with Fat antwortet auf einen New York Times Artikel, der die Frage stellte, “Is Obesity OK?”.

Wenn über sexualisierte Gewalt in Euphemismen gesprochen wird, wem nützt das etwas? Ganz sicher nicht den Betroffenen, stellt Soraya Chemaly fest.

Luvvie schreibt bei TheGrio über die aktuelle Personalpolitik beim US-amerikanischen feministischen Blog Jezebel und darüber, was diese mit Respekt und Intersektionalität zu tun hat.

Die Schauspielerin Doon Mackichan erläutert im News Statesman ihre Null-Toleranz-Haltung gegenüber Stories, in denen Gewalt gegen Frauen zur Unterhaltung dient.

Termine in Berlin, Frankfurt a.M. und Göttingen:

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Neue Gesetze zum Geschlechtseintrag in Dänemark, World Refugee Day und Telefonabwehr – Die Blogschau

21. Juni 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 250 von 260 der Serie Die Blogschau

“Der Transgender Euregio Treff ist der Treffpunkt für Transgender aller Art in der Bodenseeregion.” – Vom Juni Treffen und der Frage nach unterschiedlichen Umgängen mit Diskriminierungserfahrungen berichtet Michaela auf dem Blog des Transgender Euregio Treff. Das nächste Treffen wird am 12. Juli stattfinden.

In Dänemark wurde ein neues Gesetz verabschiedet, welches es ermöglicht den Geschlechtseintrag ohne medizinische Untersuchungen, “Beratungen” etc. – aber mit einer halbjährigen Wartefrist nach dem Erstantrag- zu ändern. gnurpsnewoel. analysiert, was auch an diesem Gesetz noch verbesserungswürdig ist und wie Alternativen aussehen.

Am letzten Wochenende fand in Wien die jährliche „Vienna Pride“ statt. Dabei kam es zu einer Reihe von Angriffen und polizeilicher Willkür. Olja Alvir berichtet.

“Sicheres Bloggen”? Den Leitfaden dazu hatten wir in der letzten Blogschau verlinkt. Melanie hat sich diesen auf femgeeks angeschaut und erklärt, warum sie einige der Ratschläge problematisch findet: “Oft äußert sich das [Victim Blaiming] in Aussagen wie “Hättest du x nicht gemacht, wäre dir y nicht passiert”. Die Ansicht, dass eine betroffene Person für das was ihr geschieht in irgendeiner Form mit verantwortlich ist. Es ist für mich erschreckend, wie sehr sich Tipps im Leitfaden in solchen Ratschlägen ähnelt, obwohl er an der ein oder anderen Stelle auch durchblicken lässt, dass darauf geachtet wurde nicht in diese Richtung zu driften. Vermieden werden konnte es nicht.”

Lady*fest Heidelberg (9.-13. Juli) könnte noch sehr gut finanzielle Unterstützung vertragen.

Der Watch-Salon widmet sich dem Thema Paragraph 177 des Strafgesetzbuchs, dem geringern Medieninteresse zu diesem und Initiativen zur Überarbeitung, denn keine Person sollte mehr sexualisierte Gewalt anzeigen und dann zusehen müssen, wie ein Freispruch erteilt wird, weil sie sich nicht genug gewährt habe. [Inhaltshinweis: sexualisierter Gewalt, Auschreiben von V*rg*w*lt*g*ng]

Gestern war der World Refugee Day – ein guter Anlass den aktuellen Newsletter von Women in Exile & Friends zu lesen.

Jemand will eure Telefonnummer? Ihr könnt die Person nicht abwimmeln (aus vielerlei Gründen)? Da gibt es jetzt Abhilfe: Einfach die Nummer der telefeministinnen angeben und es werden automatisch Zitate von Feminist_innen als Antwort-SMS gesendet.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Einzelfall Elliot Rodger. Oder: Wieder sexistisch motivierte Morde.

26. Mai 2014 von Charlott

[Inhaltshinweis: sexistisch motivierte Gewalt, Mord, Misogynie, Rassismus, Ableismus - auch in den verlinkten Texten]

Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them. – Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie ermorden. (Margaret Atwood)

Nachdem Elliot Rodger am Freitag drei Menschen in seiner Wohnung erstochen hatte, fuhr er mit dem Auto durch die Stadt Isla Wista, Kalifornien, auf dem Weg zu dem Haus einer Studentinnenvereinigung und schoss um sich. Er tötete drei weitere und verletzte 13 Personen. Rodger selbst starb an einem Kopfschuss. (Es ist noch nicht geklärt, ob selbst- oder fremderwirkt.)

Bevor Rodger diese Gewalttaten verübt hat, hat er seine Gedanken im Internet geteilt. Er hat Videos kurz vor den Morden auf Youtube hochgeladen, in denen er seine Motivation schildert. Außerdem hat er eine 140-seitige Autobiographie (inklusive detailliertem Plan seiner Tat) geschrieben und sich schon seit längerem in unterschiedlichen Foren ausgetauscht. Die Begründung für seinen Hass und die Gewalt? Er fühlte sich von Frauen ‘falsch’ behandelt. Rodger war 22 Jahre alt und – wie er immer wieder und wieder betonte – hatte bisher keinen Sex mit einer anderen Person erlebt. Und so heißt es bei ihm: “Ich habe Mädchen begehrt, aber sie haben nie mich begehrt. Das ist einfach falsch. Das ist eine Ungerechtigkeit, die nicht unbestraft bleiben darf.”

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