Einträge mit dem Tag ‘Gewalt’


Sezer muss jetzt los

15. September 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 21 von 29 der Serie Das Wort zum Freitag

Sezer ist eine Frau, hat aber ihren männlichen Namen aus einem früheren Leben behalten. Ich sitze mit ihr in einem Istanbuler Café und trinke Tee. Sezer erzählt. Ich höre zu.

Sie hat sich nicht geschminkt und ist schlicht angezogen. Ihre Nase ist schmal, die Lippen etwas aufgespritzt, die Brüste wirken zu groß für ihren zierlichen Körper. Sie verschränkt schützend ihre Arme davor. Sezer möchte sich verstecken, zumindest nicht herausstechen.

“Ich mag das nicht, laut und auffällig”, sagt sie fast flüsternd. So spricht sie die ganze Zeit, leise und vorsichtig.

Ein schlaksiger Mann muss sie einmal gewesen sein. “Zu schlaksig für meine sieben Brüder”, erzählt Sezer. Sie war das jüngste Kind einer großen Familie in einem Dorf im Osten der Türkei. Blond, schmal und mädchenhaft sah sie aus. Ganz anders als ihre Brüder, die sie deshalb schlugen und hänselten.

“Sie wollten mich psychisch fertigmachen, damit ich mich selbst umbringe. Damit sie das nicht selbst tun mussten”, sagt sie. Glücklicherweise ergatterte sie nach der Schule einen Platz an einer Universität, das war ihr Fluchtweg.

Seit fünf Jahren ist sie nun in Istanbul, ihre Familie hat sie seitdem nicht gesehen. Dafür aber viel Leid. “Wie ein Sack” lag vor zwei Jahren eine ihrer Freundinnen tot auf der Straße, die Kehle von einem Freier durchschnitten.

Die Polizei kümmerte das kaum, sie stellte keine Nachforschungen an, ließ lediglich die Leiche entsorgen. Sezer sagt, Transvestiten seien hier Freiwild.

Sie geht nicht mehr auf Partys, sie nahm ohnehin nie Drogen, hat jetzt aufgehört zu rauchen. Einen Plan hat sie nicht, aber sie würde gerne “normal” sein.

Alltag und Routine (weiterlesen …)


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Frischer Lesestoff aus der Blogosphäre

8. Januar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 63 von 143 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die Feiertage und die freien Tage haben der Blogosphäre anscheinend echt gut getan, denn es war viel los in der letzten Woche:

Vorsätze fürs neue Jahr trägt die Zahlenzauberin zusammen. Statt Diätkuren gibt es Tipps für ein besseres Körpergefühl!

Die Sammelmappe berichtet von altem Ärger mit Trollen und verlinkt auf Karla Orange‘s Gespräch mit einem Troll (die gerade leider aufgehört hat zu Bloggen).

Unsere Wahl zum Bloggermädchen des Jahres kommentiert …Kaffee bei mir? Mehr Google-Treffer und die Genderdiskussion des letzten Jahres sprechen für mehr Bewußtsein und Interesse an Bloggerinnen.

Eine Petition gegen Zwangsoperationen an zwischengeschlechtlichen Neugeborenen erreichte über 1000 Unterzeichner_innen, trotz missverständlichem Petitionstextes. Zwischengeschlecht.org will daher vor der Sommerpause noch einmal eine juristisch wohlbegründete neue Petition erstellen.

Antje Schrupp hat sich gerade eben die Streitkultur zwischen Männern und Frauen angeschaut und stellt fest: Männer vermeiden Konflikte mit Frauen oft. Eine Sache die sich ändern muss! Grund war übrigens die letzte Männerkolumne in der taz.

Wann ist Kleidung eigentlich altmodisch? Der Frage geht bloggen statt blocken nach und stellt fest, dass es vielmehr um Akzeptanz in der Gesellschaft geht, aber auch die eigene Einstellung.

In Chile steht das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen auf dem Prüfstand, berichtet queernews.at. Drei Paare klagen beim Verfassungsgericht dagegen, zwei wollen ihre in Kanada, bzw. Argentinien geschlossenen Ehen anerkennen lassen.

Neuen Lesestoff stellt das VÄTERBlog vor: Das Buch „Die Ritter des Möhrenbreis“ erzählt Geschichten von Vater und Sohn.

Svenja and the City findet beim TÜV Erinnerungen an ihr früheres Leben.

Gemischte Gefühle hinterlässt Rihannas und Eminems neue Single „Love the Way You Lie“ bei der denkwerkstatt. Das Lied bezieht sich auch auf die Erfahrungen Rihannas, deren Exfreund Chris Brown sie bekanntlich verprügelte. Außerdem gibt es schon mal einen Ausblick auf den Weltfrauentag im März, der dieses Jahr das 100-jährige Jubiläum mit sich bringt.

Apropos Musik: MTV wird Bezahlfernsehen und warum das in Zeiten von YouTube durchaus eine Chance hat, erläutert Gast-Bloggerin Ann-Kathrin beim Missy-Magazine.

Mehr zum Hören gibt’s bei den Freien Radios in diesem Interview mit Svenja vom mädchenblog.

Schließlich noch ein Hinweis an Leser_innen von Fernsehblogs: Take These Lies ist umgezogen.

In der nächsten Woche gibt es noch drei Termine:
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Wer war… Emma Goldman?

27. Juni 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 17 von 28 der Serie Wer war eigentlich …

Emma Goldman war eine russisch-amerikanische Anarchistin, die am 27. Juni 1869 im heutigen Litauen (damals Russisches Reich) als Tochter eines jüdischen Theaterdirektors geboren wurde.

Emma Goldmanm (1911) via Wikimedia Commons

Als Emma 13 Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Sankt Petersburg. Dort arbeitete sie in einer Fabrik als Korsettmacherin und kam erstmals mit revolutionär gesinnten Kreisen in Berührung.

Mit 17 emigrierte Goldman mit ihrer älteren Schwester Helene in die USA nach New York, wo sie einige Jahre in einer Textilfabrik arbeitete und so die Lebensverhältnisse der amerikanischen Arbeiter_innen kennenlernte. Die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt sie durch die Heirat mit einem Arbeitskollegen, von dem sie sich im Jahr darauf scheiden ließ. Nach der Hinrichtung von vier Anarchisten nach der Haymarket Affäre radikalisierte sich Goldman und begann auf Demonstrationen und Veranstaltungen zu sprechen.

Ihre Themen, die sie auf unzähligen Vortragsreisen durch sämtliche Bundesstaaten vortrug, waren der Kampf für die Redefreiheit, für die damals illegale Geburtenkontrolle, für sexuelle Freiheit, gegen Nationalismus und kapitalistische Ausbeutung, ab 1914 auch gegen Militarismus und den Kriegseintritt der USA. (Antje Schrupp)

Goldman wurde mehrere Male in ihrem Leben verhaftete, u.a. wegen “Anstiftung zur Aufruhr” oder wegen Verteilung von Information zur Geburtenkontrolle. Sie befürwortete Abtreibung, da viele Frauen auf Grund ihrer prekären Situation keine andere Wahl bliebe. (weiterlesen …)


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Die feministische Armee

19. Mai 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 9 von 12 der Serie Frauen bewegen

Für jede Idee gibt es auch einen militanten Flügel. Fast alle Staaten sichern ihre Idee eines Staatskonstrukts mit einer Armee ab. Teilweise werden Ideen für ein Staatskonstrukt nicht nur auch militant gesichert, sondern auch eingefordert: Mal gegen, mal mit dem Willen der Bevölkerung.

Ist die Idee nicht Teil der staatstragenden Institutionen, wird der militante Flügel gerne als Gegenargument genutzt – als wäre Pazifismus allgemein anerkannt, was er bei weitem nicht ist.
Kritiker_innen der Militanz vernachlässigen oft, wie schwierig es eigentlich ist, Gewalt grundsätzlich abzulehnen oder zu rechtfertigen. Wenn Menschen unterdrückt werden, darf dann eine Armee geschickt werden, um sie zu befreien? Dürfen Menschen die sich als unterdrückt empfinden, zu Waffen greifen? Gilt Widerstand als solcher, wenn er nicht organisiert verläuft? Wie viele Menschen müssen in einem Staat der Meinung sein, dass es etwas institutionalisiert schlecht läuft, bevor sie sich mit Gewalt wehren dürfen? Müssen sie dafür in einer Diktatur leben oder kann es solche Fälle auch in einer Demokratie geben?
Bevor ein militanter Flügel einer Idee kritisiert wird, muss sich der oder die Kritiker_in sehr viele Fragen zu Gewalt im Allgemeinen stellen. Ist die eigene Position stringent, was Gewalt betrifft? (weiterlesen …)


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