Einträge mit dem Tag ‘Gewalt’


Mein Körper und ich in der Beziehungskrise. Streitthema Nummer 1: Essen.

15. April 2015 von Nadine

“Wollen wir nachher noch was essen gehen?” – Nope.
“Ich kann was kochen, wenn du kommst.” – Nope.
“Wir treffen uns zum Abendessen in XY, kommst du mit?” – Nope.
“Ich hab … gemacht, darauf hast du sicher Lust.” – Nope.
“Mmmmh das ist so lecker.” – Nope.
“Magst du nicht (noch) was essen?” – Nope.
“Ich hol mir bei XY noch was zu essen, willst du auch was?” – Nope.
“Hast du gar keinen Hunger?” – Nope.
“Du musst doch was essen.” – Nope.
“Hast du heute schon was gegessen?” – Nope.
“Was willst du essen? Worauf hast du Appetit?” – Nope. Nope. Nope. Nope.

Ich liebe essen. Vor allem viel. Es gab Zeiten, da kannte ich kein Sättigungsgefühl und schaufelte alles in mich rein, bis mir schlecht wurde. Es gab Zeiten, da wurde ich fast wahnsinnig mit dem Gefühl Appetit zu verspüren, ohne zu wissen, worauf. Es gab Zeiten, da saß ich jeden Samstagabend mit meiner Mutter vor’m Fernseher, um Alfred Biolek beim Weintrinken (und kochen) zuzusehen. Ich verschlang jede Kochsendung (und nebenbei eine große Portion eines leckeren Irgendwas). Rezepte lesen. Fotos von Essen anhimmeln und das wohlige Gefühl im Bauch spüren.

Es gab Zeiten, da hatte ich bei jedem Bissen ein schlechtes Gewissen. Zählte Kalorien. Führte Tagebuch über meine Essgewohnheiten (und meine Kalorienzufuhr). Schaute mich mehrfach täglich im Spiegel an und fand mich “zu dick”. Hätte heulen können, als mir meine liebsten Klamotten zu eng wurden. Verbrachte etliche Stunden pro Woche im Fitnesscenter im Glauben, es würde was bringen (aka. ich könnte abnehmen). Machte unsinnige Diäten, verlor kein einziges Gramm Körpergewicht. Wog mich mehrmals täglich. Trank so oft wie möglich so viel wie möglich Alkohol, damit mir am nächsten Tag schlecht war und ich nichts runterbekam. Einen Monat lang steckte ich mir nach jeder großen Mahlzeit den Finger in den Hals bis ich kotzen musste. Und ich kotzte. Bis der Magen leer war. War nicht so geil.

Seitdem ich aus der elterlichen Wohnung ausgezogen bin, verlor ich jedes Jahr mindestens ein Kilo. Ohne meine Essgewohnheiten zu verändern. Ohne mich im Fitnesscenter abzumühen. Ich hasse Sport. Ich brauchte allerdings ein paar Jahre, bis ich nicht mehr überlegen musste, ob der Gang zum Kühlschrank nach 20 Uhr okay ist. Oder warmes Essen kurz vor Mitternacht. Trotzdem fühlte ich mich in meinem Körper nicht wohl. Ich stand vor dem Spiegel, hielt mir meine Hüften und Oberschenkel ab, bis mein Oberkörper, Becken, Beine und Po eine gerade Linie bildeten. So wollte ich aussehen. Es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte keine Angst vor’m “Zunehmen” gehabt. Ich hasste meine Kurven auch deshalb, weil ich damit einfach nicht aussah, wie ich aussehen wollte. Ich wollte kein Mädchen, keine Frau sein. Ich wollte aussehen wie ein Brett. Mit Muskeln, pumpenden Venen und harten Kanten.

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Bereute Mutterschaft, beredeter Widerstand und beeindruckende Schlagzeugerinnen – kurz verlinkt

9. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 272 von 274 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Radio-Feature mit drei Aktivistinnen zum Anhören: Riots not Diets? Fettaktivismus zwischen Intervention und Schutzraum.

Frauen, die ihren beruflichen Werdegang wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen unterbrochen haben, sich neu orientieren oder auf einen Wiedereinstieg vorbereiten möchten, können im Rahmen des Berliner Projekts „Medienkompetenz und Work-Life Balance – Wiedereinstieg für Frauen“ an einem Einzel-Coaching teilnehmen.

“„So genau wollten wir das gar nicht wissen“ – Geschlecht, Schuld und Abwehr in der Berichterstattung über Beate Zschäpe” untersucht Charlie Kaufhold beim Feministischen Institut Hamburg.

Nicht jede Mutter ist glücklich mit ihrer Rolle und manche würden – wenn sie denn die Zeit zurückdrehen könnten – sich gegen Mutterschaft entscheiden, doch darüber sprechen ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über ein Studie der Soziologin Orna Donath.

dieStandard porträtiert Irma Schwager, eine Wiener Kommunistin, die als Teil der französischen Widerstandsbewegung Wehrmachtsoldaten durch Gespräche und Flugblätter von der Falschheit des Krieges zu überzeugen versuchte und damit ihr Leben auf das Spiel setzte.

englischsprachige Links

Charles Onyango-Obbo kommentiert in der New York Times al-Shabaabs Terrorangriff auf die Garissa-Universität in Kenya, bei der 148 Menschen getötet wurden. Bei Twitter erinnern unter dem Hashtag #147NotJustANumber (bezugnehmend auf die zuerst veröffentlichte Anzahl Ermordeter) Familien, Freund_innen und Kommiliton_innen an die Opfer.

“I’m thinking about the fat people who were able to show love to themselves and in turn, show me how to love myself”: queering the game of life plädiert für dicke_fettes, queeres Self-Empowerment und Sichtbarkeit als Protestzeichen gegen öffentlich zelebrierte Dickenfeindlichkeit.

Purvi Patel wurde nach einer Fehlgeburt zu insgesamt 41 Jahren Haftstrafe wegen Fetizids und Kindesmisshandlung verurteilt. Bei RH Reality Check findet ihr Hintergründe zu diesem Fall und könnt eine Protestpetition unterschreiben.

Bei TheToast trägt Cate Burlington Dinge zusammen, die Kollegen (in ihrem Tech Umfeld) zu ihr sagten, und kommentiert diese. Die Sprüche sind wie zu erwarten eine Ansammlung hetero_sexistischer Klischees, aber Burlingtons Anmerkungen sind so pefekt, dass man sie sofort gern zur neuen besten Freundin hätte.

Magda fragte hier bei der Mädchenmannschaft einmal “Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?“, für alle, die da immer noch lange überlegen müssen, gibt es nun den richtigen Artikel bei Grimy Goods: “The 20 Best Female Drummers — by all means, badass“.

Qualifizierst du dich für den “Fat Bitches Club“? Dances With Fat hat eine Liste erstellt.

französischsprachige Links

Am 8. März wurden in Peking neun feministische und LGBT-Aktivist_innen festgenommen, weil sie bei einer Aktion auf sexualisierte Übergriffe aufmerksam machen wollten. Fünf sind immer noch im Gefängnis, berichtet Yagg.

Termine in Berlin

10.-12. April, Berlin: Specs On – International Feminist Art Music Festival.

18. April, Berlin: Pempamsie: Ein Workshop für Schwarze Mütter mit Sharon Dodua Otoo (mit Anmeldung).


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Gewalt im Internet, Patricia Arquettes Feminismus und Care Revolution – kurz verlinkt

25. Februar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 267 von 274 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Artikel

Charlott im Gespräch bei der Podiumsdiskussion der Heinrich-Böll-Stiftung zu “Gewalt im Internet – Brauchen wir neue Gesetze?” – hier ist die Videoaufzeichnung der Veranstaltung (und eine kurze Zusammenfassung der Diskussion findet sich bei Publixphere):

Aufruf des Netzwerkes Care Revolution zum 8. März: Zum internationalen Frauenkampftag stellt das Netzwerk Forderungen auf, u.a. Mindestlohn ohne Ausnahmen, bedingungsloses Grundeinkommen und bessere Bezahlung für Care-Berufe.

Beim #schauhin-Storysalon berichtet Peggy Piesche von ihrem von ihrem “Moment des Wandels”, der sie zur Aktivistin machte:

“Die Bundesrepublik hat eine traurige Geschichte von haarsträubenden Verfassungsschutz-Skandalen aufzuweisen. Wenn sich allerdings bewahrheitet, was die neuesten Enthüllungen über die Verstrickung des hessischen Verfassungsschutzes in die Mordserie des rechtsextremen NSU nahelegen, dann übertrifft das alles bisher Dagewesene.”, schreibt die Frankfurter Rundschau.

Beim Missy Magazine stellt Hengameh Modeblogs vor, die Normen von Schönheitsvorstellungen, die gekoppelt sind an dünne, ‘gesunde’, weiße Körper, gleich mit in Frage stellen.

Englischsprachige Artikel

Black, queer, feminist, erased from history: Meet the most important legal scholar you’ve likely never heard of.

Die Huffington Post stellt sechs zeitgenössische afrikanische Künstlerinnen vor, die aktuell in der Ausstellung “Body Talk: Feminism, Sexuality and the Body in the Work of Six African Women Artists” in Brüssel zu sehen sind.

Am vergangenen Samstag jährte sich der Tag der Ermordung von Malcolm X (El-Hajj Malik El-Shabazz) zum 50. Mal. Vox.com stellt  das Telegramm vor, dass Martin Luther King, Jr. an Betty Shabazz, Witwe Malcolm Xs, im Jahr 1965 schickte.

Häufig wird darüber gesprochen, dass Mädchen/ Frauen sich doch mehr für technische Berufe interessieren sollten und in solche Berufsfelder einsteigen müssten. Doch was ist eigentlich mit jenen Frauen, die sich für diesen Schritt entschieden? Die LA Times berichtet nun: “Women are leaving the tech industry in droves“.

Und dann war da die Oscar-Verleihung: Shakesville hat eine kritische Zusammenfassung der Ereignisse. RH Reality Check (“The Road to Structural Erasure Is Paved With Good-Intentioned White Ladies“) und The Grio (“Dear Patricia Arquette: Blacks and gays owe white women nothing“) schreiben über Arquettes Rede, späteren Kommentare und den Hype um sie. Die Washington Post stellte hingegen fest: Beste Chancen auf den Oscar als bester Hauptdarsteller hat (der ‘gesunde’, weiße) Mann, wenn er einen Mann mit Behinderung oder Krankheit spielt.

Heute wird die (sehr große) Organisation “Autism Speaks” zehn Jahre alt. Aus diesem Anlass starteten sie in der letzten Woche den Hashtag #AutismSpeaks10. Autist_innen übernahmen diesen um auf die bereits jahrelangen Kritiken an der Organisation, deren unterstützen Forschungen und dem Autismus-Bild, welches sie medial wirksam verbreitet, hinzuweisen, berichtet Buzzfeed.

Termine in Berlin, Dresden, Hamburg, Karlsruhe, Köln und München

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Tolerante Heten, weißer Terror und das Atomwaffenpotenzial von Trans* – die Blogschau

21. Februar 2015 von Nadine
Dieser Text ist Teil 269 von 273 der Serie Die Blogschau

Conservatory Girl hat einen Tipp für heiße Tage und aufgeriebene Oberschenkelinnenseiten.

“Als dicker/fetter Mensch braucht es viel Kraft und Mut Dickendiskriminierung, Dickenhass, Spott, Hohn und Ausgrenzung zu begegnen. Es braucht mehr Courage damit wir Dicken, das Leben mit Freude genießen können. Aber all dies braucht es nicht weil wir dick oder fett sind”, schreibt Melanie auf dem Blog der Arge Dicke Weiber.

Kulturelle Aneignung und rassistische Stereotype haben auch im Fasching oder Karneval Hochkonjunktur. Ringelmiez gibt eine Argumentationshilfe, warum nicht nur Eltern bei der Kostümwahl für ihre Kinder diskriminierungssensibel agieren sollten.

Der Zaunfink wendet sich an tolerante Heten, die sich zwar stets bemühen, letztlich doch an vielen entscheidenen Stellen scheitern mit ihrer Solidarität.

“Ich möchte Politiker*innen und Medienmacher*innen fragen: Was macht ihr gegen euren Terror, den ihr mit euren unreflektierten Reden und Beiträgen in diese Gesellschaften gesät habt? Wann fangt ihr an uns Rede und Antwort zu stehen?” – Diaspora Reflektionen mit einem eindringlichen Beitrag über die rassistischen Morde der vergangenen Monate und den Rassismus der weißen Mehrheitsgesellschaft.

Trans* Personen seien wie nukleare Waffen, hatte Papst Franziskus neulich behauptet. Für Pussy Bear Anlass genug für einen Comic.

Hannah C. Rosenblatt schreibt über die Ungleichwertigkeit von Gefühlen, wenn es um die Wahrnehmung und Beschreibung von Gewalterfahrungen geht.

Musikerinnen des Teeny Music Treff
in Berlin haben einen Song geschrieben und ein Video dazu produziert.


Eine Gruppe von Queer_Trans*_Black_People_of_Color
(QTBPOC) plant für Juli 2015 ein dreitägiges Fest von und für QTBPOC und sucht noch Mitstreiter_innen.

Die trans*geniale f_antifa ruft zu einem Inter- und Trans*-Block auf der Demo zum Frauenkampftag in Berlin auf.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ruft zusammen mit der Frauenkampftag – AG sexuelle Selbstbestimmung, Berlin Irish Pro Choice Solidarity und Feminismos 15M Berlin für den 7. März zu einem bundesweiten Vorbereitungs- und Vernetzungstreffen auf. Es geht um die Vorbereitung der Gegenaktionen der christlichen Fundamentalisten und Abtreibungsgegner, die jährlich im September in Berlin aufmarschieren.

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Gewalt im Internet – Brauchen wir neue Gesetze?

17. Februar 2015 von Charlott

Die meisten, die sich durch das Internet bewegen und zu feministischen/ anti-*istischen Themen und Problemen äußern, kennen es: Hassvolle Tweets, Emails mit Drohungen, Fake-Profile mit den eigenen Angaben, Stalking und viele andere Formen von Gewalt im Netz. Manchmal muss eine_r sich nicht einmal sonderlich gesellschaftskritisch äußern. In einigen Räumen reicht es schlicht und ergreifend als von einer weißen männlichen Hetero-Norm abweichend erkannt zu werden und schon ändert sich die Kommunikation.

Doch wie damit umgehen? Welche Maßnahmen ergreifen? Viele, die sich dazu entscheiden, rechtliche Schritte einzuleiten, können von schlechten Erfahrungen berichten: Die Anzeigen werden nicht ernst genommen. Das, was im Internet geschieht, wird als harmlos betrachtet, als kaum real. Können neue, konkreter auf Umstände im Netz eingehende Gesetze da weiter helfen? Oder reichen die bisherigen gesetzlichen Regelungen aus und es liegt viel mehr am Umgang mit der Thematik durch Polizei und Justiz? Für wen können Gesetze überhaupt eine gute Lösung darstellen? Wer ist ausgeschlossen? Und was bedeutet der mögliche staatliche Eingriff ins Internet?

Am Mittwoch werde ich zu diesem Thema mit Dagmar Freudenberg (Vorsitzende Kommission Strafrecht des Deutschen Juristinnenbundes), Katja Keul (MdB Bündnis 90/Die Grünen, Sprecherin für Rechtspolitik) und Julian Jostmeier (Community-Mitglied Puplixphere) in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin ab 19 Uhr diskutieren.

Die Veranstaltung wird als Livestream auf www.gwi-boell.de und www.boell.de/stream übertragen.


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Beratung für Frauen mit Behinderung, Zwangsheterosexualisierung, Björk und Musik-Biz-Sexismus – kurz verlinkt

28. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 265 von 274 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links
Mädchen und Frauen mit Behinderungen erfahren besonders häufig Gewalt. Aus diesem Grund wird gerade die Internetplattform suse-hilft.de aufgebaut, auf der – möglichst barrierefrei – nach Informationen und Ansprechpersonen recherchiert werden soll: “Wo finde ich bei mir in der Nähe eine Therapeutin, die Gebärdensprache oder Leichte Sprache kann? Wo finde ich eine Anwältin, die sich mit dem Thema auskennt? Welche Selbstbehauptungstrainerin in der Nähe macht Kurse auch für behinderte Frauen?” Das Projekt benötigt noch Geld und kann über betterplace.org unterstützt werden.

Das Oberlandesgericht in Celle hat abgelehnt, dass in einer Geburtsurkunde der Eintrag “inter” oder “divers” geführt werden kann.

Homofeindlichkeit und Zwangsheterosexualisierung in der Therapie, Fall 472136127: Nun zog ein Betroffener vor Gericht, berichtet die taz.

Noch bis zum 01. März können bei filia. die frauenstiftung Projektideen zur Mädchenförderung eingereicht werden, um Gelder von bis zu 5000€ zu erhalten.

Der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde hat einen Offenen Brief zur M-Straße in Berlin, Dieter Hallervorden und kolonialrassistischen Kontinuitäten verfasst.

Das LOTTA-Magazin gibt “Stichworte zur Gründungsgeschichte” der NPD, die 2015 im 50. Jahr besteht.

englischsprachige Links

Wenn Schauspieler die gleichen nervigen Fragen beantworten müssten wie Schauspielerinnen (Kleid, Haar, Make-Up, Gewichtsabnahme…), dann würden die sich wundern: Kevin Spacey hat sich gewundert.

Als Geologen in den 1950ern anfingen den Meeresboden des Atlantiks mit Sonargeräten zu vermessen, durften Frauen nicht mit auf die Boote (weil sie natürlich Unglück brächten). Aus dem Datenmaterial die erste wirklich detaillierte Karte hat dann aber doch eine Frau erstellt: Marie Tharp. Mental Floss zeichnet ihre Geschichte nach und wie sie an den Grundfesten der Geologie rüttelte.

Egal welche Krankheit eine dicke_fette Person hat und wie sie behandelt werden könnte, erst einmal abnehmen lassen? Ja, es gibt Mediziner_innen die so etwas empfehlen. Dances With Fat nimmt die Empfehlung auseinander.

MTV stellt 12 neue queere Hip Hop Acts vor.

Ein neues Album der isländischen Sängerin Björk erscheint und in einem Interview hat sie erstmal sehr ausführlich über den im Musikbusiness erlebten Sexismus gesprochen. Feministing greift diese Aussagen in einem Artikel zu Björk und überhaupt “mansplaining” auf. Slate nimmt die Aussagen als Anlass, um Zitate von weiteren Künstlerinnen (so unterschiedliche wie Solange Knowles, Grimes und Taylor Swift) zusammenzustellen.

Celebrating the Love between Queer Women of Color – In 25 Gorgeous Photos!” – präsentiert Everyday Feminism.

Bei Flavorwire zerlegt Judy Berman Jonathan Chaits Artikel im New York Magazine, der “Political Correctness” als Einschränkung der (linksliberalen) Meinungsfreiheit bezeichnete.

Termin in Berlin:

04. Februar in Berlin, ab 19.00 Uhr: Lesung und Filmvorführung mit der simbabwischen Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga.


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Warum wir ehrlich gesagt nicht Nigeria sind*

23. Januar 2015 von Sharon

Die englische Fassung des Textes findet sich weiter unten.

(*es sei denn, natürlich, ihr seid es wirklich)

Infolge der Gräueltaten, die Boko Haram zu Beginn des Jahres in  den nordnigerianischen Städten Baga und Doron Baga sowie in den  umliegenden Dörfern verübt hat, ist es natürlich absolut legitim,  Empörung, Abscheu und Betroffenheit zu empfinden über die – wie  formuliere ich es mal taktvoll? – “unausgewogene” Berichterstattung in den Medien. Verglichen mit dem öffentlichen Erguss von Trauerbekundungen nach dem Terrorangriff auf die Redaktion des französischen sogenannten Satiremagazins “Charlie Hebdo” würde man die Frage verzeihen: Sind manche Leben etwa mehr wert als andere? Warum eilt Angela Merkel sofort nach la belle Paris, um für die Meinunsgfreiheit zu marschieren, gemeinsam mit anderen Staatsoberhäuptern, die nicht unbedingt bekannt dafür sind, in ihren Heimatländern die Meinungsfreiheit hochzuhalten? Was ist mir entgangen?

Aber ich bin Zynikerin. Das sind alles rhetorische Fragen, und sie wurden sowieso bereits von vielen exzellenten Kommentator_innen beantwortet. Stattdessen schreibe ich über die Äußerungen von jenen, die sich in den sozialen Medien mit den Opfern von Boko Haram solidarisch zeigen wollen. Es dauerte nicht lange, bis das Hashtag #IAmNigeria (ich bin Nigeria) auftauchte, um #JeSuisCharlie (ich bin Charlie) etwas entgegen zu setzen – fast so, als könne man nur entweder das eine oder das andere sein.

Aber mal ehrlich, Leute – wir sind wirklich nicht Nigeria(ner_innen). Jedenfalls die meisten von uns nicht.

Zu allerest: Auch wenn ich das Bedürfnis verstehe, ein klares (visuelles) Statement auf Facebook zu setzen, fühlt es sich für mich total falsch an, dazu die Worte “Ich bin …” zu verwenden. Die meisten Leute aus meinen sozialen Netzwerken werden niemals die Verheerungen eines Bürgerkrieges erfahren; die meisten mussten niemals befürchten, dass sie, ihre Familien und Nachbar_innen von selbsternannten Bürgerwehren dahingemetzelt werden, weil das geltende Recht völlig außer Kraft gesetzt ist; und die meisten Leute aus meiner Timeline leben nicht in improvisierten Notunterkünften in Nachbarländern, weil ihre Heimatorte dem Erdboden gleich gemacht wurden. Wir sind nicht diese Menschen. Zu behaupten, wir wären es – auch wenn ich natürlich weiß dass das nicht wörtlich gemeint ist – fühlt sich an wie eine unbesonnene Banalisierung des unfassbaren Leids dieser Menschen.

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Mein „drittes Auge“

21. Januar 2015 von Hannah C.

Sich ein Bild von der Welt zu machen, kann bedeuten zu einer inneren Haltung, einer Meinung zu kommen. „Wie stehe ich eigentlich zu…?“, „Was halte ich eigentlich von…?“
Um sich selbst verorten zu können, brauchen manche Menschen mehr, manche weniger ganz aktive Besinnung darauf, worum es ihnen im Leben geht.

Ich wusste sehr lange nicht, ob ich überhaupt leben kann.
Weiterleben nach über 20 Jahren Gewalt – “Wozu denn? Vielleicht habe ich schon alles gesehen, gefühlt, gemacht, wozu ich überhaupt geboren wurde.”, habe ich gedacht.
Ich hatte keine eigenen Bilder vor Augen, die diese Gewalterfahrungen ausgeblendet haben. Damals habe ich das Haus nur verlassen, um zum Supermarkt oder zur Therapie zu gehen.

Als Übung sollte ich mal versuchen meine Wege zu erfassen. Was sehe ich eigentlich, wenn ich das Haus verlasse? Was gibt es zu sehen, zu hören, zu fühlen?
Diese Übung war für mich schwieriger als erwartet, weil ich nach dem Ablaufen, nie greifen konnte, was ich gesehen hatte. Ich spürte, dass ich mich auf diese Dinge konzentriert hatte, aber Worte oder Beschreibungen dafür waren so sehr weg, dass ich keine Erinnerungen daran konstruieren konnte, die ich hätte teilen können.

So fing ich an pro Weg 3 Fotos zu machen. Einfach nur „Kamera hoch“ und „klick“.
Ich hielt mich an der Herausforderung fest, mitzuteilen, was mir auf dem Weg lag und stellte sie neben meine Angst.
Beim Betrachten der ersten 3 Fotos hatte ich den Eindruck, dass irgendwas nicht stimmte. Mein Bild von der Szene war nicht so, wie sie die Kamera für mich machte. Ich sah Schrift, wo ich keine vor meinem inneren Auge hatte.

Meine Augenärztin teilte mir mit, dass mein linkes Auge mal verletzt gewesen sein muss.
Es ist blind.

Kurze Zeit später las ich einen Artikel, der sagte, dass Menschen, die mit Depressionen leben (eine der häufigsten Folgen von Gewalterfahrungen), meist einen Grauschleier auf Szenen wahrnehmen. Ich rutschte in eine Phase, in der ich dachte: “Ich werde mir dieses neue Leben und die Welt, wie sie heute ist, niemals ‘richtig’ in den Kopf bringen können. Ich bin kaputt.”.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd dann kam NakNak*.
Meine quirlige, weiche, flinke, neugierige, wache, liebevolle Hütehündin, die Spaziergänge bei jedem Wetter super findet und sich auf meinen Fuß setzt, wenn ich Angst bekomme. Sie hat meine Welt erweitert und ist Teil des Welt-Bildes geworden, das ich mir zu erschaffen versuchte.
Ich begann sie zu fotografieren.

Makroaufnahmen ihrer Pfoten, ihrer Krallen, ihrer Zunge, den kleinen Fisselhaaren um ihre Ohren herum, entstanden.
Ich machte Aufnahmen der Fellwollmäuse, die nun über das Laminat meiner Wohnung glitten und machte Photoshopkunst aus dem Muster, das ihre Sabberflecken auf den Ärmeln meiner Jacke hinterließen. Ihr Futter, ihr Spielzeug, meine Schuhe mit Schlammpanzer um die Sohle.

Die Kamera wurde mein drittes Auge.
Sie ist nie ein Ersatz für mein blindes Auge geworden, oder die Steigerung meines anderen. Sie war und ist für mich nur das Auge, das auf eine Art sehen kann, wie es meine nicht (mehr) können.

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Terroranschlag: Was das Patriarchat versäumt hat

9. Januar 2015 von Nadia

Sehr ernstgemeinte Satire, mit Disclaimer: Ich habe mal einen Text aus der ZEIT von Jochen Bittner, der mich so gar nicht überzeugt hat, umgeschrieben. Ich schlage nämlich die folgende Textvariante vor:

Die Differenzierung zwischen Cis-Männlichkeit und cis-männlicher Gewalt war nie falsch, aber unvollständig. Angesichts cis-männlicher Attentate müssen moderate Cis-Männer ihre Lehre hinterfragen.

Nach all den Terror-Schocks, Kriegseinsätzen und militaristischer Gewalt (z.B. durch Drohnenflüge), misogynen Gewalttaten und der weitreichenden Glorifizierung von Gewalt als cis-männliches Qualitätsmerkmal gilt das Differenzierungsgebot: Wir müssen trennen zwischen den netten Cis-Männern und cis-männlicher Gewalt. Es wird auch jetzt, nach dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo, wieder eingefordert werden – wenn sich der Verdacht auf cis-männliche Täterschaft bestätigt (wovon heute auszugehen ist).

Die Differenzierung zwischen Cis-Männlichkeit und cis-männlicher Gewalt war nie falsch. Aber sie war unvollständig. Mit der Entlastung der moderaten Mehrheit aller Cis-Männer hätte viel früher auch eine Forderung einhergehen sollen, nämlich jene, dass die Cis-Männlichkeit sich selbst darüber erforscht, welche Inhalte, welche patriarchalen Macht- und Gewaltstrukturen, welche geistigen Verkrustungen und welche Anachronismen selbst moderater Cis-Männlichkeits-Lesarten es sein könnten, die junge Cis-Männer irgendwann Menschen mit Waffen niedermetzeln lässt. Denn so falsch es ist, Cis-Männlichkeit mit cis-männlicher Gewalt gleichzusetzen, genau so falsch ist es, jede Verbindung zwischen ihnen zu leugnen.

In dieser weithin unterschlagenen Debatte, in der Angst vor einer begründeten Kritik am Patriarchat in Parlamenten, Redaktionen und Universitäten (etc.), liegt das vielleicht größte Versäumnis auch der Terrorprävention der vergangenen anderthalb Jahrzehnte – sei es nun angesichts der schrecklichen Attentate, die Anders Breivik in Norwegen verübte, bis hin zu den fürchterlichen Anschlägen von Paris in dieser Woche. Es war ein Versäumnis aus dem Optimismus heraus, dass die Verursacher von cis-männlicher Gewalt auf Dauer schon isoliert und marginalisiert würden, wenn die moderate Cis-Männlichkeitsmitte stabil und unterstützt bleibt.

Dieses Wunschergebnis ist aber nicht eingetreten. Die cis-männliche Bewegung ist im Gegenteil stärker geworden, sowohl national wie international. Typisch cis-männliche Gewalt, so wie sie sich vor allem als physische Kraft entfaltet, hat nicht nur Länder erobert, sondern auch die Popkultur, und es ist eben keine Fantasiemacht, auf die ein Großteil der cis-männlichen Personen ihre Gewalttaten stützt, sondern eine nicht von der Hand zu weisende Tatsache, dass vor allem physische Gewalt oft ein cis-männliches Spezialgebiet ist (und zwar universell und global).

Genau dies ist aber die Zumutung, die der Cis-Männlichkeit auferlegt werden muss, wenn sie wirklich zu einem Teil der Überwindung von Gewaltstrukturen werden will. Und sie müsste mindestens soweit reichen, die eigene Verantwortung einzugestehen. Diese Zumutung hätte viel früher formuliert werden müssen. Es nützt nichts, Lessings Ringparabel hochzuhalten, wenn am Ende nur der Vortragende tolerant bleibt. (Zwar sind nicht alle Cis-Männer Terroristen, aber fast immer ist es so, dass Terroristen Cis-Männer sind.)

Was genau würde die Zumutung der Aufklärung für die Cis-Männlichkeit bedeuten? Neben der Verwirklichung von unzweifelhafter Gleichberechtigung (es gibt sie in patriarchalisch organisierten Gesellschaften nicht) gilt vor allem eins: den Abschied vom Patriarchat als Weltordnungsidee.

Die Vorstellung, dass die Welt vor allem auch dann friedlich wäre, wenn die Welt nicht mehr durch patriarchale Gewalt- und Ungleichheitsverhältnisse bestimmt würde, ist eben nicht radikal, sondern unabdingbar. Man kann diesen Anspruch als historisch abtun. Genauso gut kann man ihn aber zur politischen Kampfansage gegen männliche Gewalt aufpumpen – und genau das sollte immer und immer wieder geschehen. Um es deutlich zu sagen: Cis-Männlichkeit, auch moderate, ist noch immer zu oft eine Rutschbahn in die Entfremdung von einer Lebensweise, die eine Abkehr von Gewalt und emanzipatorische Bewegung anstrebt.

Es sind diese gefährlich unhinterfragten Tiefenströmungen einer kulturellen Ausformung, an denen Kritik an Cis-Männlichkeit ansetzen darf und muss, sowohl von innen wie von außen. Bis dahin wird die Trennung von Cis-Männlichkeit und cis-männlicher Gewalt das bleiben, was sie viel zu lange war: ein beschwichtigendes Mantra.

Der Text erschien zuerst auf Shehadistan.


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Gemeinsames Sorgerecht, ‘Passing’ und Vorsätze für 2015 – kurz verlinkt

8. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 262 von 274 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Beiträge

Das Portal Filmlöwin ist gelauncht: “Mit einer ausschließlich feministischen Perspektive will FILMLÖWIN Filmen von und über Frauen nicht nur zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, sondern auch einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in der Filmproduktion leisten und für die Themen Sexismus und Diskriminierung von Frauen im Spielfilm sensibilisieren.”

Gemeinsames Sorgerecht per default? Klingt erst mal gut und nach geteilter Verantwortung. Was das praktisch jedoch bedeuten kann, beschreibt Sarah Jäggi in der ZEIT anhand eines Beispiels aus der Schweiz.

Die antifaschistische Zeitung LOTTA hat einen Sonderdruck zum Schwerpunktthema Antifeminismus heraus gegeben.

In Stuttgart findet ein Gynäkologe, der ambulante Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, keine neuen Klinikräume. Fundamentale ChristInnen schüchtern potentielle Vermieter_innen ein, berichtet die taz.

Vanja wurde in der taz zur Kampagne für eine dritte Option interviewt: „Ich bin weder Mann noch Frau“.

englischsprachige Beiträge

“Don’t change, just because your body does.” ist das Motto von butchbaby. Nach eigenen Angaben: “The first androgynous alternity pregnancy wear for queer individuals.

[Inhaltshinweis: Cissexismus, Suizid] Zu Leelah Alcorn, einer siebzehnjährigen Trans*frau, die sich Ende Dezember das Leben nahm, und den Reaktionen auf ihren Tod, schrieb A Cunt Of One’s Own.

I AM (HEAR) ist ein Videoprojekt von Olympia Perez für Black Girl Dangerous im Rahmen des “MagniFLY! A Video Visibility Project For Trans Women of Color”:

Vor dem Büro der Schwarzen Bürger_innenrechtsorganisation NAACP in Colorado Springs explodierte am Dienstag eine Bombe.

Zum gestrigen Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris schreibt Richard Seymor bei Jacobin.

Auf ravishley schreibt Jetta Rae über das Konzept von “passing” in einem bestimmten Geschlecht (“We want to live our truth, but that requires “living,” which may necessitate mimicry. Some women get their hair cut like Tina Fey to look attractive—others to avoid harassment when outside of their homes.”), über Frauenbilder, die eh nur für wenige erfüllbar sind, und warum sie nicht mehr (ständig) trotzdem versucht diese zu erreichen.

Vor 80 Jahren veröffentlichte National Geographic einen Artikel mit dem Titel “Manless Alpine Climbing: The First Woman to Scale the Grépon, the Matterhorn and Other Famous Peaks Without Masculine Support” – das Bitch Magazine nimmt u.a. das Jubiläum zum Anlass, um in die Geschichte von Bergsteigerinnen und Klettererinnen zurück zu schauen.

Ein Schwarzer James Bond? Zeter! Mordio! Kulturverfall! Zu den rassistischen Reaktionen auf den Vorschlag, Idris Elba als den neuen 007 zu besetzen, berichtete Shakesville.

Und zu guter Letzt: Bei der Washington Post erzählen feministische Aktivist_innen, was sie in 2015 zu erreichen hoffen.

Termine Berlin und Halle

15.01. 2015 in Halle: Mädchenmannschafts-Autorin Sabine Mohamed spricht zu  “Schwarzer Feminismus in Deutschland – Black Feminism is not white feminism in Black face“.

30. und 31.1. 2015 Berlin: Fachtagung “Audre Lorde’s Germany“.


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