Einträge mit dem Tag ‘Gewalt gegen Frauen’

Mutter von Ehrenmordopfer im Irak erschossen

Monday, June 2nd, 2008 von Meredith

Vor ein paar Wochen haben wir hier auf den Fall des irakischen Mädchens Rand hingewiesen. Sie war im Mai von ihrem eigenen Vater ermordet worden, weil sie sich in einen britischen Soldaten verguckt hatte. Rands Mutter Leila hatte sich in einem - für irakische Verhältnisse - todesmutigen Akt von ihrem Mann scheiden lassen.

Die letzten Wochen hatte sie auf der Flucht verbracht und sich in diversen Frauenhäusern vor dem Mann, der ihre Tochter totgeschlagen und ihr den Arm gebrochen hatte, versteckt.

Gestern wollten zwei irakische Frauenrechtsaktivistin Leila zur Grenze Richtung Amman bringen. Auf dem Weg zum Auto wurde Leila mit drei Schüssen von Unbekannten ermordet, die beiden Aktivistinnen kamen mit schweren Schussverletzungen davon.

Die Situation der Frauen im Irak scheint sich immer mehr zu verschlimmern. Weder die Polizei noch weite Teile der irakischen Gesellschaft interessieren sich für die vielen Fälle sogenannter Ehrenmorde, die in den letzten Jahren passiert sind.

Die beiden Helferinnen müssen nun auch um ihr Leben fürchten und den Irak daher verlassen. Allerdings fehlt es ihrer Organisation an Geld. Die guten Frauen bei jezebel haben sich Kontaktdaten zu der NGO verschafft, wer helfen will, sollte ihnen einfach eine Mail schicken.

Ohne Glanz und Glamour

Monday, May 26th, 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 2 von 4 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Katrin hat ja vor ein paar Wochen schon auf die Ausstellung „Ohne Glanz und Glamour - Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung” hingewiesen, die ich mir letzte Woche dann auch angesehen habe:

Die Ausstellung findet im „Ökumenischen Frauenzentrum Evas Arche“ in Berlin statt. Das Frauenzentrum ist sehr interessant, es ist in einer normalen Altbauwohnung untergebracht, man hat mehr das Gefühl, jemanden zu besuchen, denn zu einer öffentlichen Ausstellung zu gehen. Es gibt eine Küche, zwei Büros, einen Meditationsraum und zwei große Konferenzzimmer, in denen die Ausstellung stattfindet. Hier hängen rundum verschiedene Informationstafeln mit sehr eindrücklichen Texten und Bildern. Es beginnt mit einer allgemeinen Darstellung von Prostitution, geht weiter über Menschenhändler, Schleuser und Zwangsprostitution bis zur Beantwortung der Frage „Was tun?“. Besonders gefallen hat mir die Tatsache, dass explizit die Freier angesprochen wurden. Und zwar nicht mit Schuldzuweisungen, sondern mit einem Appell an ihre Verantwortung. Freier tragen Verantwortung und sie werden ermutigt, der Polizei einen (anonymen) Hinweis zu geben, wenn sie Zwangsprostitution vermuten. Durch den Mut einiger Freier konnten so in der Vergangenheit schon zahlreiche Frauen befreit werden.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Während ich so lese, kommen mir die Gedanken, die ich früher oder später immer habe, wenn ich mit dem Thema Prostitution konfrontiert bin. Ich hatte sie an der Reeperbahn, ich habe sie, wenn ich in Berlin durch die Oranienburger Straße laufe, ich habe sie, wenn ich Dokumentationen über Bordelle sehe und ich habe sie in dieser Ausstellung. Ich denke darüber nach, wie mächtig Sex ist. Und ich frage mich, wie Sex so wichtig sein kann, welches Gewaltpotential er in sich trägt und wie er Menschen dazu verleitet, anderen gar Unmenschliches anzutun.

Ich würde gerne wissen, warum der Sex dieses Potential fast nur bei Männern entfaltet. Warum fast nur Männer vergewaltigen. Liegt es an der körperlichen Überlegenheit? Würden Frauen auch vergewaltigen, wenn sie könnten? Würden Frauen zu männlichen Huren gehen? Würde der Sex im Leben von Frauen den gleichen Stellenwert einnehmen, wie er ihn im Leben mancher Männer hat, wenn wir ihn leichter bekommen könnten?

Ich habe gern Sex, er macht Spaß und ist definitiv ein guter Zeitvertreib, vielleicht der beste. Aber der Gedanke, dass ich ein Anrecht darauf haben sollte, dass ich, wenn ich keinen bekomme, Geld dafür bezahlen würde, ihn zu kriegen, ihn mir vielleicht auch mit Gewalt nehmen würde, der ist mir absolut fremd. Ich weiß, dass das auch vielen, vielleicht den meisten Männern so geht, aber es scheint trotzdem so zu sein, dass Sex, das Anrecht auf Sex, für Männer meist eine größere Rolle spielt als für Frauen.

Ist das nur die Sozialisation? Oder einfach die Tatsache, dass sie es eben können? Oder beides?

Gibt es darauf überhaupt eine Antwort?

Der Hass eines Vaters

Friday, May 16th, 2008 von Meredith
For Abdel-Qader Ali there is only one regret: that he did not kill his daughter at birth. ‘If I had realised then what she would become, I would have killed her the instant her mother delivered her,’ he said with no trace of remorse.

Das steht im Observer. Der Iraker hatte vor zwei Wochen seine 17-jährige Tochter, eine Studentin namens Rand, tot geschlagen und gewürgt, weil sie sich in einen britischen Soldaten verguckt hatte. Die beiden hatten sich bei einer Hilfsorganisation kennengelernt. Doch Rand hatte kaum Kontakt zum dem Mann, sondern nur ein paar Mal mit ihm gesprochen. Bei Teenagern reicht so eine “Beziehung” ja gerne aus, um sie intensiv ins Schwärmen zu bringen. Rand war zum ersten mal verknallt und das führte sie in den Tod.
Als ihr Vater sie öffentlich mit dem Briten sprechen sah, stürzte er sich auf sie, warf sie zu Boden und stieg ihr auf die Gurgel.

Als ihre vollkommen schockierte Mutter Rands Brüder zu Hilfe rief, eilten die herbei - und begannen ebenfalls auf Rand einzutreten.

Abdel-Quader und seine Söhne sind auf freiem Fuß. Als seine Frau ihm ankündigte, ihn zu verlassen, brach er ihr den Arm. Das Schlimmste, was Abdel-Quader passiert ist: dass er von seinem Job beurlaubt ist.

In dem Observer-Interview brüstet er sich mit seiner Tat und sagt, er würde immer wieder so handeln und er sei froh, keine Tochter mehr zu haben.

Liebe Leser, wer kennt sich mit diesem Thema aus? Was kann man tun, um solche Fälle zu verhindern und/oder Rands Mutter zu helfen?

Das Leben und Sterben der Mädchen in Indien

Thursday, May 15th, 2008 von Susanne

Vorletzte Woche sah ich auf Arte eine sehr gute und erschütternde Reportage über Mädchen und Frauen in Indien. Jetzt ist die Dokumentation auch endlich online zu sehen. Sie zeigt die ganze Komplexität des Themas: dass weibliche Föten abgetrieben werden, weil nach indischem Recht Frauen nicht erben können. Stattdessen steigen die Erwartungen an die Mitgift einer Braut mittlerweile ins Unermessliche. Und je weniger Frauen es in Indien gibt, desto weniger Mitspracherechte haben sie auch.

Organisationen wie Save A Girl Child kämpfen dagegen an, dass Mädchen in der indischen Gesellschaft so missachtet werden. Sie filmen mit versteckter Kamera in Abtreibungskliniken. Sie unterstützen Frauen, wenn diese ihre Tochter nicht abtreiben. Sie bringen Ärzte vor Gericht, die neugeborene Mädchen auf Geheiß der Eltern “verschwinden” lassen. Sie veranstalten Geburtsfeste auch für Mädchen, obwohl diese normalerweise nur bei der Geburt eines Jungen stattfinden.

(Foto über Arte)

Sexualstrafrecht: der Fall Amstetten

Friday, May 9th, 2008 von Barbara

Ein Vater missbraucht und schwängert seine Tochter über Jahrzehnte, sperrt sie im Keller ein, wo sie ihre Kinder bekommt und zum Teil großzieht. Dieser Fall der Familie F. aus dem österreichischen Amstetten ist in einem Ausmaß entsetzlich, das meine Vorstellungskraft übersteigt. Derzeit steht der 73-jährige Vater, Josef F., vor Gericht. Wie die österreichische Regierung meldete, gibt es in Österreich Überlegungen, das Sexualstrafrecht zu reformieren: Die Verjährung von Straftaten etwa soll von 15 auf 30 Jahre hochgesetzt werden, Strafen sollen drastischer ausfallen - und Sexualstraftäter dürfen keine Kinder adoptieren. Hintergrund sind die Sexualstraftaten, die Josef F. in den 1960er Jahren begangen hat, nach geltendem Recht sind sie heute verjährt. Deshalb konnte F. die Kinder, die seine Tochter im Keller zur Welt gebracht hat, adoptieren.

Das große Schweigen

Tuesday, April 15th, 2008 von Susanne

Die Süddeutschen Zeitung berichtete heute: Die italienische Künstlerin Pippa Bacca wurde auf ihrer Reise durch die Türkei vergewaltigt und umgebracht. Ihr Tod löste in der Türkei eine Diskussion um den Umgang der Gesellschaft mit Vergewaltigungen aus:

Es ist eine Debatte über Machismo und Gewalt gegen Frauen, grausame Traditionen und das Wegschauen von Justiz und Gesellschaft. Hätte das überall passieren können, eine solche Vergewaltigung, ein solcher Mord? “Stimmt schon, Vergewaltiger gibt es überall”, schreibt der liberale Kolumnist Can Dündar am Montag in der großen Zeitung Milliyet: “Aber vermutlich werden sie nur in der Türkei gedeckt.”

Tatsächlich seien in türkischen Gerichten immer wieder zu milde Urteile verhängt worden oder der Vergewaltiger ganz freigesprochen. Die Begründungen lauteten dann: “Der Gerichtsmediziner war zu dem Ergebnis gekommen, dass das Mädchen keine seelischen Schäden davongetragen hatte.” Oder: “Das Opfer habe schließlich früher eine sexuelle Beziehung zu dem Angeklagten gehabt.”

Viele türkische Richter würden nur ganz langsame Fortschritte in ihrem Rechtsverständnis machen. Aber auch der Staat hinke noch hinterher: Erst im Zuge der EU-Anpassung 2004 wurde beispielsweise ein Artikel aus dem türkischen Strafgesetzbuch gestrichen, der einem Vergewaltiger Straffreiheit ermöglichte, wenn er einwilligte, sein Opfer zu heiraten!

“Afghan Star”-Kandidatin erhält Morddrohungen

Wednesday, March 26th, 2008 von Katrin

Das Format von “Deutschland sucht den Superstar” gibt es bekanntermaßen auf der ganzen Welt. Wer aber hätte gedacht, dass es auch in Afghanistan ein Äquivalent zu Bohlens nervigem Eintagsfliegen-Casting gibt? “Afghanistan sucht den Superstar” schreibt die Netzeitung und gefunden wurde dieser auch schon.

Doch viel interessanter als die Nachricht, dass ein 19-Jähriger von hunderten jungen Männern für seinen Sieg bei dieser Show umjubelt wurde, finde ich die Geschichte der 20-jährigen Lima Sahar (im Video), die als erste Kandidatin der nun schon seit drei Jahren existierenden afghanischen Fernsehshow überhaupt unter die besten drei kam: Sie bekam Morddrohungen. Grund dafür ist nicht etwa, dass sie kein Kopftuch trug (das tat sie immer brav), sondern vielmehr dass religiöse Gelehrte des Landes der Meinung sind, Sendungen wie “Afghan Star” trügen zur Untergrabung der Traditionen bei und stärkten die “Unmoral”.

Lima Sahar kommt außerdem aus der afghanischen Provinz Kandahar, die früher eine Hochburg der Taliban war und bis heute extrem konservativ ist: Noch vor sieben Jahren durften Frauen dort nicht ohne ihre Männer auf die Straße und mussten ihre Körper von Kopf bis Fuß verschleiern. Lima Sahar will sich aber nicht unterkriegen lassen: “Ich verliere nicht meinen Mut, denn ich habe den dritten Platz dank der Stimmen meines Volkes erreicht, und ich weiß, ich werde weiter erfolgreich sein.”

Eine weitere Kandidatin, Setara Hussainzada, musste ebenfalls von zu Hause fliehen, weil sie Morddrohungen erhalten hatte. Erschütternd auch die Äußerungen eines Regierungsmitglieds. Die Netzeitung zitiert:

„Ein Regierungsmitglied, das nicht namentlich genannt werden wollte, erklärte, die afghanische Regierung habe nichts gegen Sendungen wie den «Superstar»-Wettbewerb. «Aber wir haben Angst, dass Extremisten dies als Argument benutzen, um den Menschen in ländlichen Gegenden zu zeigen, dass wir westlich geprägte Programme fördern, die sie als unislamisch verurteilen.» “

Das chinesische Mädchen und die Männer

Monday, January 14th, 2008 von Susanne

So heißt ein Dokumentarfilm, den der WDR heute Abend 22 Uhr sendet. Der Film zeigt Bilder aus China, aus dem Leben junger Menschen. In ihrem Land treffen Tradition (die Familie möchte einen Statthalter) und Moderne (Ein-Kind-Politik der Regierung) aufeinander, und so gibt es zu viele Männer und zu wenig Frauen. Der BBC-Film zeigt, dass viele Männer deswegen keine Partnerin finden und immer wieder junge Frauen entführt und für ein chinesisches Jahresgehalt, 4.000 Dollar, an wohlhabende Junggesellen verkauft werden.

In Bildern: Das denkt die Welt (6)

Tuesday, January 1st, 2008 von Susanne

Über Lacaaw

Verloren und verdammt

Friday, December 14th, 2007 von Susanne

Im SZ-Magazin von heute schreibt Susanne Schneider über indische Mädchen ohne Rechte.

“Wer mit ihnen spricht, zieht Unglück auf sich. Wer sie tötet wird nicht bestraft. In Indien gibt es Millionen Mädchen, deren Leben als völlig wertlos gilt: Die Gesellschaft hält sie für verflucht. Reportage aus einer Welt des tödlichen Aberglaubens.”

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