Einträge mit dem Tag ‘Gewalt gegen Frauen’


Opfer_Diskurs – Zeit für Mut zum Perspektivwechsel!

21. Februar 2017 von Hannah C.

Es ist ein Phänomen. Dieser “Opfer-Diskurs”. Der dann doch gar nicht der Diskurs der Opfer ist, sondern einer über sie und was das überhaupt ist: ein Opfer.

Mithu M. Sanyal, Kulturwissenschaftlerin und Autorin, hat sich etwas getraut und kaum jemand hats gemerkt. Sie hat mit Menschen gesprochen, die als Opfer bezeichnet werden, und deren Wunsch nach Selbstbestimmung um die Bezeichnung, in die Presse und damit den Diskurs selbst hineingetragen.
So heißt es in ihrem Artikel “Du Opfer!”:
“So wie vorher der Begriff „Überlebende“, nimmt „Erlebende“ eine Verschiebung vom Passiven zum Aktiven vor, allerdings ohne die damit einhergehende Wertung. Schließlich wird Erlebnis erst durch ein beigefügtes Adjektiv (wunderbares Erlebnis, grauenhaftes Erlebnis, langweiliges Erlebnis) näher bestimmt und lässt sogar Raum für Ambivalenzen (ein schreckliches, aber auch banales Erlebnis). Durch die Substantivierung „Erlebende sexualisierter Gewalt“ kann somit jede*r selbst bestimmen, wie er*sie das Erlebte bewertet. Gleichzeitig findet ein Perspektivwechsel statt: Die Formulierung lädt ein, über die Wahrnehmung der erlebenden Person nachzudenken, und nicht, was ein anderer Mensch mit dieser Person macht.”

Für mich als Person, die zum Opfer von Gewalt wurde, ist es das, was ich mir seit Jahren in den Diskurs hineinwünsche.

Ich wünsche mir, dass ich anderen Menschen meine Erlebnisse mitteilen kann. Meine schönen, meine erhebenden, meine furchtbaren, meine schrecklichen. All die Erlebnisse, die zu meinen Erfahrungen mit mir, der Welt und anderen Menschen werden und den Lauf der Dinge bereichern.
Einfach, weil sie passieren. Weil das Leben nun einmal so ist.

Ich wünsche mir, über Gewalt, die sexualisiert wird, sprechen zu können, ohne dabei Rücksicht auf die Aufladungen derer nehmen zu müssen, die sie selbst nicht erlebt haben. Ich möchte erzählen können, wie das war, damals, als ich Gewalt erlebte. Ohne Füllwattensätze, die meinen Status als damals unterworfene Person ganz unübersehbar machen oder Auslassungen, die zu Zweifeln an der Wahrhaftigkeit meiner Erfahrung führen.

Ich wünsche mir die Freiheit, meine Erlebnisse sexualisierter Gewalt mit all den Wörtern be.greifbar zu machen, die es gibt.
Doch diese Freiheit muss ich mir im öffentlichen Raum erkämpfen und durch den Gewalt_Opfer-Diskurs bis heute als “gutes”  (rationales/reines/mutiges/tapferes) Opfer verdienen.
Denn die Wertung so mancher Diskutant_innen wird bis heute nicht umfassend genug mit der Wahrnehmung und Lebensrealität derer abgeglichen, über dessen Erfahrungen sich profiliert wird.

Ich möchte die Freiheit haben, meine Gewalt.erlebnisse individuell und meiner Identität entsprechend mit.teilen können, ohne, dass sie zur Waffe in einem Machtkampf instrumentalisiert werden.
Ich möchte meine Wahrnehmungsqualitäten sexualisierter Gewalt an mir teilen können, ohne als Frau, als Opfer, als all das, was für das Gegenteil von Selbst_bestimmt steht, gelesen oder gedacht zu werden.

Bis ich 21 Jahre alt war, war eine Vergewaltigung etwas, das ich in mein Leben zu integrieren hatte, wie ich heute schlechtes Wetter, unpünktliche Busse und Avocados, die sich als faul entpuppen, in den Lauf der Dinge integrieren muss.
Solche Dinge geschehen. Man muss damit umgehen.
Das ist eine Realität, die allein ich in ihren Qualitäten und Wirkungen auf mich zu bewerten habe, denn ich habe sie gelebt und ich lebe mit ihr bis heute.

Keine meiner Wertungen über die Ereignisse, die ich gelebt habe, kann und soll exemplarisch für alle Menschen gelten, die ähnliche oder gleiche Erfahrungen gemacht haben.
Aber sie können helfen, das Bild erweitern, das man von Menschen hat, die Gewalterfahrungen durchlebt haben.

Es gibt die vergewaltigten Männer. Die sexualisiert misshandelten Non-Binaries, Transmenschen und Queers.
Die sexualisierte Gewalt, die weit über die Verletzung durch oder an Genitalien hinausgeht.
Und es ist die Aufgabe eines Diskurses sich dem auch zu widmen.

Es ist an der Zeit, die Stimmen, die da sind, mit der Sprache und den Wahrheiten sprechen zu lassen, die sie einbringen können, statt sich auf ihre Kosten zu jemandem zu machen, der ihnen eine Stimme gibt.
Es ist an der Zeit, sich von den eigenen Vorstellungen über etwas, das man selbst nicht erlebt hat, zu trennen und durch Mut zur Erweiterung des eigenen Erfahrungshorizontes zu ersetzen.

Es ist Zeit für die Akzeptanz des Umstandes, dass man Gewalt mit allen möglichen Wahrnehmungsqualitäten erfahren und bewerten kann.
Es ist Zeit für die Etablierung der Idee, dass Opfer, Beteiligte, Erfahrene… auch ein eigenes Leben er_lebende Menschen sind. Vor der Gewalt, während der Gewalt, nach der Gewalt.

Es ist Zeit der Einladung in der Formulierung “Erlebende_r sexualisierter Gewalt” nachzukommen.

 

 

weiterlesen:
– zum Begriff des Überlebens sexualisierter Gewalt, H. C. Rosenblatt
– „last note – Opfer_Diskurs„, H. C. Rosenblatt
– Buchbesprechung „von Opfern reden„, A. Schrupp
– „rape culture – wir entmündigen vergewaltigte Frauen„, SZ-Artikel
Kulturgeschichte Vergewaltigung, M. M. Sanyal
– „Geschichten, die zählen„, Kampagne der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung „sexuellen Missbrauchs“ in familiären Kontexten
– „Weil es sagbar ist„, C. Emcke


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Mord in Freiburg, #FreeChelsea und Operationen an inter Kindern – kurz verlinkt

7. Dezember 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 334 von 343 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

„Der Freiburger Mord wurde erst dann von so großem, bundesweitem Interesse, als der Verdächtige gefasst wurde, obwohl es auch vorher schon ein grausamer Mord war.“ Margarete Stokowski schreibt bei Spiegel Online über Gewalt gegen Frauen: „2015 wurden in Deutschland 331 Frauen von ihrem Partner getötet: Das ist fast jeden Tag eine Frau. Würde man die Meldungen darüber jedes Mal in die Abendnachrichten einbauen, würden wir denken, wir leben in einem Land, in dem Gewalt gegen Frauen eine wahre Epidemie ist – und es würde stimmen.“

weird. Das Stadtmagazin für lesbische Frauen in Bielefeld hat Shirlette Ammons über’s Rappen, Aktivismus und Mode interviewt.

Das neue an.schläge Magazin ist erschienen. Fokusthema ist dieses Mal „Gesundheit & Gerechtigkeit – Gender und Klasse in der Medizin“. Wie immer gibt es auch einige Artikel der Ausgabe online nachzulesen.

Im Jahr 2005 wurden die medizinischen Behandlungsleitlinien u.a. zu kosmetische Genitaloperationen an intergeschlechtlichen/ intersexuellen Kindern schrittweise überarbeitet. Ein neue Studie stellt nun aber fest, dass die Eingriffe nicht wesentlich zurückgegangen sind. Die gesamte Studie „Zur Aktualität kosmetischer Operationen „uneindeutiger“ Genitalien im Kindesalter“ von Ulrike Klöppel kann online nachgelesen werden. (PDF)

Für Femgeeks bespricht Lara drei feministische Comics. Dies ist der Auftakt einer Reihe zu feministischen Comics/ Comics mit feministisch agierenden Protagonist_innen.

Englischsprachige Links

Diese Petition ist so wichtig und braucht eure Unterschriften: „Commute Chelsea Manning’s Sentence to Time Served„. Bis zum 14. Dezember müssen immer noch über 54.000 Unterschriften dazu kommen. Zu den Hintergründen immer wieder lesenswert Tove Tovesson’s Artikel beim Missy Magazine (auf deutsch).

Aktivistin Jennifer Kamau, Mitbegründerin des International Women Space, bittet um Spenden für eine Reise nach Kenia.

Stacy Bias hat die animierte Dokumentation „Flying While Fat“ erstellt:

Termine in Berlin, Bielefeld, Bochum, Potsdam

04. bis 11.12. in Bielefeld: Diese Woche laufen in Bielefeld die Aktionstage Gesellschaft Macht Geschlecht. (FB-Link)

08.12. in Berlin: Ab 18.30 wird SchwarzRund wird aus Biskaya, Quasi und anderen Texten lesen, singen und performen. (FB-Link)

08.12. in Berlin: Von 18-20 Uhr findet die Präsentation der Expertise „Geschlechterverhältnisse in Fußballfanszenen“ statt.

13.12. in Potsdam: Vortrag in der Ringvorlesung „How to be a Feminist“ mit Sonia Eismann: I CHOOSE MY CHOICE!“ – VOM POPFEMINISMUS ZUM CHOICEFEMINISMUS.

15.12. in Bochum: Die Gruppe about.fem hält beim herrschaftskritischen Kaffeeklatsch einen Vortrag zu „Begrifflichkeiten des Queerfeminismus„.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Wenn die Justiz dich zum Opfer macht #NiUnaMenos

8. August 2016 von Gastautor_in

Stefany ist Latin@ Femme aus Peru und studiert Romanistik und Politikwissenschaft an der Freien Universität in Berlin. Sie lebt seit 14 Jahren in Deutschland, liebt Make Up, malen und Erdbeeren und bloggt auf femmeinista u.a. über Feminitätsfeindlichkeit. Sie ist außerdem bei Instagram und Twitter aktiv. Wir dürfen ihren Beitrag zu den Protesten #NiUnaMenos gegen geschlechtspezifische Gewalt crossposten – vielen Dank!

“Tengo miedo, mucho miedo, qué seguridad puedo tener ahora; esto es muy injusto. No sé cómo va a ser mi vida de hoy en adelante, puedo esperar cualquier cosa de una persona que ha intentado matarme“. – Cindy Arlette Contreras, La República.

(Übersetzung: “Ich habe Angst, große Angst, welche Art von Sicherheit kann ich jetzt haben; das ist sehr unfair. Ich weiß nicht, wie mein Leben von nun an sein wird, ich erwarte alles von einer Person, die versucht hat, mich zu töten.“ – Cindy Arlette Contreras)

Die Angriffe – erlitten von der Peruanerin Cindy Contreras am 13. Juli 2015 – empören das ganze Land. Ein Sicherheitsvideo eines Hotel in Ayacucho erfasst den Moment, indem sie von ihrem ehemaligen Partner geschlagen wurde. Adriano Pozo Arias, ihr Aggressor, wurde zu einem Jahr auf Bewährungsstrafe wegen nicht schwerwiegenden Verletzungen verurteilt und zu S./5,000 Soles (ungefähr €1,300) Schadenersatz.

Auch dieser Fall erlangte mediale Aufmerksamkeit: Lady Guillén wurde 2012 brutal von ihrem Partner geschlagen. Ihr Fall wurde zu einem Symbol für den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Doch trotz der Beweise wurde ihr Angreifer Ronny García so gut wie entlassen – er wurde zu vier Jahren Haft auf Bewährung wegen Verbrechen gegen das Leben, Körper und Gesundheit verurteilt und musste Schmerzensgeld in Höhe von S./ 28,000 Soles (ungefähr €7,500) zahlen.

Feminicidio-2009-2015

Feminicidio Peru 2009-2015 (zum Vergrößern anklicken: PDF)

(mehr …)


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Fette Superheldinnen, geschlechtliche Identitäten und ein Offener Brief geflüchteter Frauen – die Blogschau

27. Februar 2016 von accalmie
Dieser Text ist Teil 2 von 295 der Serie Die Blogschau

[Inhaltshinweis: Beschreibung sexualisierter Gewalt] „Wir, Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft Westerwaldstraße 92a in Köln Humboldt-Gremberg, sehen die Notwendigkeit, neben dem offenen Brief über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft, zu dem wir unsere Zustimmung erklären, eine weitere Erklärung an die Öffentlichkeit zu verfassen. […] Die Security-Crew der Unterkunft organisiert seit ihrer Ankunft in der Turnhalle sexuellen Missbrauch und Belästigungen gegen Frauen unter uns.“ Den Offenen Brief bezüglich der sexualisierten Gewalt gegen Frauen in der Westerwaldstraße findet ihr hier.

Ein Minizine zum Thema geschlechtliche Identität zum Runterladen und Selbstausdrucken gibt es bei j_kieselstein: „Ducks – Real or Not? Kleiner Wegweiser geschlechtliche Identität.“

„Wenn unbedingt fotografiert werden muss, sollte das im Vorfeld kommuniziert werden. Es muss Möglichkeiten geben, dem zu „entkommen“, etwa durch „No Photo“-Stickers,“ schreibt antiprodukt in „Eventfotografie- Bocklos im Blitzlicht.“

„GNTM 2016 – Warum? Warum? Warum? Warum? #warum“ – techno candy rezensiert die dritte Folge der neuen Germany’s Next Top Model-Staffel.

Alex stellt bei Some girls* are bigger than others den Comic „Faith“ und die gleichnamige Protagonistin vor, ihre „neue fette Lieblings-Superheldin.“

Am kommenden Montag, den 29. Februar, plant die NPD einen Aufmarsch in Berlin-Hohenschönhausen. Berlin gegen Nazis informiert über geplante Gegenaktionen.

Den Artikel „‚Schlepper‘, ‚Schleuser‘, ‚Menschenschmuggler‘: Über die Kriminalisierung der Fluchthilfe und Strategien der Justiz“ des Antifaschistischen Infoblatts kann man nun auch online lesen.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Gewalt gegen Frauen, Menschenwürde und Erinnern – kurz verlinkt

10. Februar 2016 von der Mädchenmannschaft

Am 19. Februar startet in Kiel unter dem Motto „Gewalt gegen Frauen beenden! 40 Jahre Autonome Frauenhäuser in Bewegung! Frauenhausfinanzierung jetzt sichern!“ die 16-Tage-16-Bundesländer- Tour der Frauenhäuser. Sie endet am 8. März in Berlin und führt durch alle Bundesländer.

Noch bis zum 31. März kann mensch die Ausstellung „Kaufhaus Nathan Israel 1815 – 1939. Eine Künstlerin erforscht Geschichte“ im Berliner Mitte-Museum besuchen. Dazu sagt die Schweizer Künstlerin Dessa im Interview mit Deutschlandradio Kultur: „Ich wünsche mir ein Projekt, das an das Leben der Menschen erinnert, an die Zeit, bevor sie in die Gaskammern gezerrt wurden. Sie hatten ein Leben! Mit meinem Projekt will ich daraus etwas Einzigartiges schaffen, auf Augenhöhe an diese Menschen erinnern, mit Hoffnung und einer Art Ehre.“

Unter dem Slogan „Die Würde des Menschen ist sanktionsfrei.“ startete Inge Hahnemann und ihr Team eine Kampange um ein Informationsportal zur Vermeidung von Jobcentersanktionen im Vornherein zu erschaffen.

englischsprachige Links

Nachdem 4 asiatische High School-Schüler_innen immer wieder gefragt wurden, ob sie miteinander verwandt sind, klärten sie diese Frage auf ewig in ihrem Jahrbuch.

Beyoncé und ihr Auftritt beim Superbowl war nicht nur cool und stark – sondern auch politisch. Ausführlich wurde darüber in der Daily Mail (UK) berichtet.


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Auschwitz, Mädchensicherheit und Missy Eliott – kurz verlinkt

3. Februar 2016 von der Mädchenmannschaft

„Ich weiß, ich weiß, ich habe nur ein einziges Thema, den Holocaust. Mein Leben ist Auschwitz“, sagt Éva Fahidi, hebt die Arme, lässt sie durch die Luft schweben. Fahidi hat beschlossen, nicht nur über Auschwitz zu reden und über Auschwitz zu schreiben, sondern jetzt auch über Auschwitz zu tanzen. Mit 90, berichtet die Sueddeutsche.

Jetzt unterschreiben: Eine Petition der Interventionsgruppe Kolonialgeschichte richtet sich an den Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte und fordert: „Genehmigen Sie die Umbenennung von Straßen mit kolonialrassistischen Namen in Berlin Mitte.

mädchensicherinklusiv-nrw.de, ein Projekt des Mädchenhaus Bielefeld e.V., ist online: Die barrierearme Webseite ist ein Informations- und Beratungsportal für Mädchen und junge Frauen mit Behinderung/chronischer Erkrankung und steht auf Deutsch, in Leichter Sprache und auf Türkisch zur Verfügung.

Der „Landesfilmdienst Sachsen“ startet unter dem Titel „Medien machen Teilhabe“ ein Modellprojekt zur selbstbestimmten Teilhabe an Medien für behinderte Menschen und Fachkräfte. Es werden verschiedene Workshops angeboten. Alle Informationen gibt es auch in leichter Sprache.

englischsprachige Links

 Why Missy Elliott’s feminist legacy is criminally underrated  wird auf Dazed begründet.

Die elfjährige Marley Dias hatte keinen Bock mehr auf Bücher „über weiße Jungs und Hunde“ und begründete #1000BlackGirlsBooks

eine Debatte um kulturelle Aneignung gibt es derzeit um das neue Video mit Beyoncé


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#Rigaer94, Antisemitismus in Deutschland und Sklaverei mit einem Lächeln – kurz verlinkt

21. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft

deutschsprachige Links

„Im Jahr 1996 starben in Lübeck zehn Asylsuchende durch ein Feuer in ihrem Wohnhaus. Auch 20 Jahre später ist der Brandstifter nicht gefunden, obwohl es ­Verdächtige gab. Vor Gericht stand lediglich einer der Flüchtlinge,“ berichtet die Jungle World.

„Antisemitismus ist kein importiertes, sondern ein internationales Problem,“ schreibt Patrick Gensing bei tagesschau.de.

„Der Einsatz in der Rigaer Straße war maßlos, seine Rechtsgrundlage zweifelhaft. Einen Innensenator, der solche Aktionen veranlasst, braucht kein Mensch“, kommentiert Christopher Lauer beim Tagesspiegel.

englischsprachige Links

Jada Pinkett Smith ruft  zu einem Boykott der diesjährigen Oscars auf. Warum, und wie People of Color auch bei Preisverleihungen marginalisiert werden, schreibt die Los Angeles Times. Weiterführende Kritik gibt es bei For Harriet: “ Why are we still waiting for old white men to love us?“

Nach Protesten zieht der Verlag Scholastic ein erst kürzlich erschienenes Kinderbuch zurück, das Sklav_innen in den USA als glückliche Bedienstete darstellte. Weitere Kommentare findet ihr bei Twitter unter dem Hashtag #SlaveryWithASmile.

Crimes against Native American women raise questions about police response: Local activists in Minnesota say deaths and disappearances of Native women are linked to human trafficking and that police aren’t taking the issue seriously“, schildert The Guardian.

Am 17. Juni dieses Jahres feiert „Orange is the New Black“s vierte Staffel Premiere bei Netflix. Ein Teaser gibt erste Eindrücke.

Am dritten Januarmontag gedenkt man in den USA Dr. Martin Luther King, Jr.  „Blackout for Human Rights“ und „The Campaign for Black Male Achievement“ organisierten in diesem Jahr die Veranstaltung „MLK Now“ in Harlems Riverside Church, bei der unter anderem Harry Belafonte, Anika Noni Rose, India Arie, Tessa Thompson, Chris Rock und J. Cole auftraten und zum Beispiel aus historischen Werken Schwarzer Aktivist_innen lasen. Die Aufzeichnung könnt ihr euch hier ansehen:


Termine in Berlin, Dresden und Kiel

02.02. in Berlin: Lesung von Andrea von Treuenfeld aus ihrem aktuellen Buch »Zurück in das Land, das uns töten wollte: Jüdische Remigrantinnen erzählen ihr Leben«.

06.02. in Dresden: „Grenzenlose Solidarität – Aktionstag gegen die Festung Europa!“ (Facebook-Link)

20. 02. in Kiel: Sharon liest aus ihrer Novelle „Synchronicity“ im Literaturhaus Schleswig-Holstein. (Facebook-Link)


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Sexualisierte Gewalt in Köln (und anderswo), Abtreibungsrechte und Backlash zu #Campusrassismus – kurz verlinkt

7. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 306 von 343 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Zur Gewalt in der Silvesternacht in Köln wurde bereits vieles geschrieben (und vor allem vielles, was eine lieber nicht gelesen hätte). Einen Artikel, der eigentlich alle Debatten auf den Punkt bringt, hat Hengameh Yaghoobifarah in der taz veröffenlicht. Dort schließt sie mit der Erkenntnis: „Es sind nicht männliche Geflüchtete, die Vergewaltigungskultur aufrecht erhalten, sondern die sehr selektive Anhörung der Betroffenen und Victim-Blaming, wie es jetzt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker anhand von Verhaltensregeln für Frauen à la „eine Armlänge Distanz“ betreibt.“

Im Dezember gab es die Twitteraktion #Campusrassismus (wie wiesen darauf hin). accalmie hat ein Storify mit Tweets angelegt, die aufzeigen, wie (wenig überraschend) mit Rassismus auf diese Aktion reagiert wurde.

englischsprachige Links

Am 02. Januar begann eine Gruppe bewaffneter Männer in Oregon die Besetzung eines staatlichen Gebäudes (im Malheur National Wildlife Refuge), Forderungen umfassen Zugang zu Land und weniger Eingriffe des Staats. The New Yorker schreibt über „The Bundys and the Irony of American Vigilantism„, beim Guardian argumentiert Wajahat Ali „If the Oregon militiamen were Muslim or black, they’d probably be dead by now„, bei Vox gibt es noch wichtige Hintergrundinformationen in „Waco and Ruby Ridge: the 1990s standoffs haunting the Oregon takeover, explained“ und U.S. Uncut erinnert „Here’s What Happened When These Unarmed Native American Sisters Defended Their Land from the Feds„.

Zu den Erfahrungen sexualisierter Gewalt gegen geflüchtete Frauen berichtet die New York Times.

Broadly präsentiert einen Rückblick auf ein nicht besonders gutes Jahr für Abtreibungsrechte in den USA.

Filipino wartime rape victims push for compensation from Japan“ schreibt The Guardian.

Ein Stück bestes Storytelling auf Twitter hat Clutch zusammengefasst: In ihren Tweets erzählt @BlackMajiik über einen weißen Kollegen, der sich weigerte ihren Namen richtig auszusprechen, und wie glorreich sie reagierte.


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zu Gewalt legitimierender Gewalt

5. Januar 2016 von Hannah C.

Meine aktivistische Timeline bemüht sich gerade darum aufzuzeigen, wie rassistisch derzeit über die Gewalt in der Silvesternacht in Köln berichtet wird.
Dort wurden Vergewaltigungen, Belästigungen und Diebstähle angezeigt. Gesprochen wird von Gruppengewalt und von vielen unbestätigten Personenzahlangaben.
NRWs Innenminister Ralf Jäger wird zitiert:  “Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen”.
Und das Rassismus – rape culture – Bingo ist voll, wie die Schnauzen der “Frauen gegen Gewalt e.V.”, die sich nun versammeln um sich „zu wehren“.

Vielleicht liegt es an rosenblattschen Sprachknall – aber ich habe gelernt “sich zu wehren” passiere erst, wenn man angegriffen wird. Agiert man gegen Personen oder Umstände außerhalb eines konkreten Bedrohungsmoments, so handelt es sich weniger um Abwehr zum Zwecke des Selbstschutzes, als um Verstärkung bzw. Etablierung bestehender Abwehrmechanismen. Das kann dann auch mal bedeuten, dass es um Rassismus, rassistische Ressentiments, cissexistische Täter-Opferspaltung und diverse viele (alle) andere mögliche *ismen geht.
Nur halt leider nicht darum, ein gutes und respektvolles Miteinander zu suchen und zu etablieren.

Und eigentlich könnte dieses schon an der Stelle beginnen, wie es kommt, dass es bei Großveranstaltungen, wie einer Silvesterfeier, die durch die Kombination von Menschenmasse, Alkohol und freien Zugang zu Sprengstoffen grundsätzlich hochgefährlich ist, ein ganzes Aufgebot von Polizist_innen und Sondereinheiten bereitsteht – dieses jedoch nicht in der Lage ist, Straftaten jeder Art auch tatsächlich zu verhindern bzw. Täter_innen noch vor Ort auch zu stellen und in Gewahrsam zu nehmen.
Die gleiche Frage stellt sich in Bayern zu jedem Oktoberfest und vermutlich steht diese Frage zu jeder größeren Veranstaltung gleichsam im Raum.

Aber nein – diesmal gibt es die rassistische Nische, die dann auch von Kristina Schröder genutzt wird, um von “gewaltlegitimierender Männlichkeitsnorm muslimischer Kultur” zu sprechen, statt davon, wie der Umgang mit Gewalt, ihren Opfern und denen, die sie ausüben, generell so ist.
Es wird “der muslimische Mann” in den Fokus gerückt und wieder einmal ist “der deutsche Ehemann und Vater”, der vielleicht nicht einmal tatsächlich auch ein Mann sondern ein Nongender, Agender, ein was auch immer ist, aus dem Kreis möglicherweise problematisch gewaltlegitimierend sozialisierter Personen gestrichen.
Und wieder einmal sind es weiße deutsche Frauen, die als Schutzobjekt herhalten müssen. Wieder geht es nicht um geflüchtete Frauen, behinderte Frauen, Frauen, die nicht als weiß und deutsch kategorisiert werden, die zu Frauen erklärten Personen, die Transfrauen und und und, die, alle jeden Tag, mit Gewalt konfrontiert sind, die manchmal mit, manchmal ohne physische Spuren bleibt.

Die derzeitige Debatte lockt antifeministisch bis pseudomaskulinistisches Pack an, das sich von rechtspopulistischen Figuren wie Birgit –rape culture seems legit – Kelle nur bestätigt fühlen kann und viele Twitteraktivist_innen erleben gerade einen Aufschrei-Flashback. Es ist wie die tausendste Runde Kackscheiße, die weh tut, die verletzt, die zermürbt und letztlich – trotz Grimme online Award und so vielem gutem mehr, das aus dem Hashtag hervor ging – wenig Konkretes in den Köpfen derer, die Verantwortung übernehmen müssten und auch können! stehen ließ.

Ich würde gerne die Silvesterstatistiken der letzten Jahre sehen. Würde gerne überprüfen, ob es sich um ein echtes “mehr Gewalt” handelt, oder um einen Grund “über eine personelle Verstärkung der Polizei sowie eine temporäre Videoüberwachung” zu diskutieren.
Ich möchte eine Auseinandersetzung damit, dass Gewalt – insbesondere sexualisierte Gewalt an Frauen und als “Frauen” (trotz anderer Geschlechtsidentität) benannter Personen – mehr und mehr zu einem gewaltlegitimierendem Grund für Rassismus und andere Formen von Diskriminierung und damit: Gewalt wird, statt zum Anlass sich ganz konkret mit Aufklärungs-, Präventions- , Schutz- und Hilfemaßnahmen für alle Personen gleich auseinander zu setzen.

Hier ein paar Missstände, an denen man sich gleichermaßen abarbeiten kann
– es gibt zu wenig Schutz- und Beratungsstellen für Menschen, die Gewalt erfahren (haben)
– es gibt zu wenig Therapieplätze für Personen, die Gewalt erfuhren und Verarbeitungsprobleme haben
– es gibt zu wenig kultursensible Beratungs- und Hilfsangebote
– es gibt zu wenig gendersensible Hilfs- und Beratungsangebote
– es gibt zu wenig gute und sichere Unterkünfte für geflüchtete Personen
– es gibt eine erbärmliche Rechtslage in Sachen sexualisierter Gewalt
– es gibt erbärmliche Rechtsgrundlagen in Bezug auf alles, was zwischenmenschliche (im Sinne von sozialer) Gewalt angeht
– es gibt zu wenig Menschen, die begreifen, was Rassismus, Sexismus – allgemein Diskriminierung und Gewalt überhaupt ist
– es gibt zu wenig Orte, an denen respektvolles Miteinander für alle gleichermaßen einzuüben ist
– es gibt zu wenig Menschen, die begreifen, dass sie gemeint sind, wenn es um Aufrufe zum angenehmen und inklusivem Miteinander geht

Es gibt so verdammt viel mehr zu tun, als ausgerechnet jetzt seinen Rassismus auf Kosten von Personen, die zu Opfern wurden, zu legitimieren!


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Förderung für Frauenprojekte, Strafanzeige gegen LaGeSo, Ava-DuVernay-Barbie – kurz verlinkt

10. Dezember 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 305 von 343 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die Förderungen zahlreicher Arbeitsmarkt-, Integrations- und Frauenprojekte laufen zum 31. Dezember 2015 aus. Darunter befinden sich auch alle Berliner Frauen-Existenzgründungsprojekte. Eine Petition der Gründerinnenzentrale richtet sich an die Berliner Senatorin Kolat mit der Bitte, dass sich der Senat damit befasst. Update von der Petitionsseite: „Wir haben gerade die Nachricht aus der Senatsverwaltung erhalten, dass eine Intermislösung gefunden ist. Ab 01.01.2016 geht es weiter. Vielen Dank für die Unterstützung!“

Die Stiftung „filia“ unterstützt Projekte, die Mädchen stark machen, mit bis zu 5.000€. Der Inhalt des Projekts muss etwas damit zu tun haben, dass Mädchen und Frauen frei von Gewalt leben können und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden. Die Projekte werden von Mädchen und/oder Frauen für Mädchen und junge Frauen gemacht. Bis zum 1. März 2016 nimmt filias Mädchenbeirat Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte an.

„Du wünschst dir manchmal eine Superheldin? Eine, die Gewalt gegen Frauen verhindert? Du bist die Superheldin!“ Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) stellt seine Arbeit vor.

Die re:publica veröffentlicht wieder ein Call for Papers. Das diesjährige Motto ist TEN, da 2016 das 10. Jubiläum der re:publica gefeiert wird.

Mehr als vierzig Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben am Montag bei der Berliner Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Nötigung im Amt gegen Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, und Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin (LAGeSo) sowie weitere Verantwortliche eingereicht.

„Mit ihrer Erklärung versucht Frau Zschäpe sich aus der Verantwortung zu ziehen. Dieser Aussage glaube ich kein Wort. Meine von vornherein geringen Hoffnungen, dass mit dieser Erklärung endlich die genauen Umstände des Mordes an meinem Vater aufgeklärt werden, sind enttäuscht.“ – so die Nebenklägerin Gamze Kubasik über die medial groß angekündigte Aussage Beate Zschäpes im NSU-Prozess.

Englischsprachige Beiträge

Der Dozent Steve Locke berichtet von seiner jüngsten Erfahrung mit polizeilichem racial profiling in den USA: „I fit the description…“

Hoffenlich gibt es noch irgendwo eine heimliches Zusatzlager, denn die Ava DuVernay-Barbie, deren Erlös politischen Projekten zugute kommt, war am Montag innerhalb von Minuten ausverkauft…

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „If Daniel Holtzclaw’s Victims Were White, Everyone Would Know His Name“: Bei The Root kommentiert Kirsten West Savali die Misogynoir, die das Gerichtsverfahren gegen Daniel Holtzclaw umgibt.

Termine in Berlin, Halle, Linz, Wien

Am 10.12. in Halle/Saale, 19:00 im Audimax: Was hat Präimplantationsdiagnostik mit Eugenik zu tun? Wie kam es in Deutschland zur Legalisierung dieses Diagnoseverfahrens? Und was sagt uns das alles über den aktuellen Stand der feministischen Kämpfe um reproduktive Rechte? Zu diesen und weiteren Fragen spricht die Politikwissenschaftlerin Dr. Susanne Schultz.

Am 12.12. und 13.12. in Berlin, Werkstatt der Kulturen: Dekolonisiert euch! Workshops und Performances zur Selbstreflexion und für kreatives Empowerment.

Am 16.12.in Berlin, Migrationsrat Berlin-Brandenburg, Oranienstr. 34: LGBT*I*Q Perspectives in Self-organised Resistance of Refugees in Berlin and Germany

Am 19. Januar in Linz, AK OÖ, 20.00 Uhr: Uraufführung des Stücks „Geheimsache Rosa Luxemburg.“ Die Wien-Premiere findet am 17. Februar im Theater Akzent statt. In der Bar&CO des Theaters Drachengasse ist das Stück von 29. Februar bis 5. März als Spielserie zu sehen.


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