Einträge mit dem Tag ‘Gesundheitsreform’


Spielball der US-Politik: Frauen und ihre Gesundheit

6. März 2012 von Helga

Keine Zahlung von Verhütungsmitteln durch die Krankenkassen mehr und Zwangsultraschall vor einer Abtreibung – in den USA verstärkt sich der Kampf gegen Frauen, ihre körperliche Selbstbestimmung und homosexuelle Paare.

In Virginia sollten Frauen vor einer Abtreibung künftig eine vaginale Ultraschalluntersuchung über sich ergehen lassen, auch gegen ihren Willen. Dieser Passus wurde zwar gekippt, trotzdem hat sich die Lage für Frauen dramatisch verschlechtert, so TPM. Eine (äußerliche) Ultraschalluntersuchung ist immer noch Pflicht. Zur bisherigen Warteperiode ist eine zweite nach dem Ultraschall hinzugekommen, so dass Frauen nun mindestens drei Mal ihre_n Ärzt_in aufsuchen müssen. Auch muss ihnen genau beschrieben werden, was auf dem Ultraschallbild zu sehen ist, wenn sie das Bild nicht anschauen wollen.

Immerhin gekippt wurde der Änderungsantrag von Senator Roy Blunt in der Verhütungsdebatte, nach dem Arbeitgeber_innen Verhütungsmittel aus den Versicherungen ihrer Angestellten hätten streichen lassen können. Die Debatte schwelt seit August letzten Jahres, als Obama betriebliche Krankenversicherungen verpflichtete, Verhütung ohne Extrakosten für die Versichten abzudecken. Ausgenommen blieben von Anfang an Kirchen, die dies im Februar aber auch für kirchliche Institutionen wie Schulen und Krankenhäuser durchsetzten. Denn wenn es um die Körper von Frauen geht, zählt schließlich nicht deren Wille, sondern die religiösen Bedenken … anderer Menschen. Bei einer Anhörung des republikanischen Abgeordneten Darrell Issa dazu durften folgerichtig nur Männer sprechen.

Ein Unterstützer des der republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum empfahl Frauen stattdessen, auf altbewährte Methoden zu setzen und eine Aspirintablette zwischen die Knie zu klemmen. Warum das nicht gegen Babies bei heterosexuellem Sex hilft, aber Spaß machen kann – bitte hier entlang. Apropos Santorum. Der verkündete Anfang Januar, im Falle seiner Wahl alle bisherigen Ehen von homosexuellen Paaren annullieren zu lassen, gegebenenfalls auch scheiden zu lassen.

Derzeitiger Höhepunkt ist die Kontroverse um den ultra-konservativen Radiomoderator Rush Limbaugh (der mit den egozentrischen Hochzeitsfotos). Der hatte Pillennutzerinnen als Schlampen beschimpft und verlangte als Ausgleich für die Verschwendung seiner Steuergelder Sextapes. In seinem verbalen Ausfall gegenüber „Feminazis“ vergaß er dabei nur, dass weiterhin Arbeitgeber_innen in die Krankenkassen einzahlen, nicht „der Steuerzahler“. Während seine zahlreichen bisherigen Ausfälle weitgehend folgenlos blieben, kündigten ihm diesmal die Anzeigenkund_innen.

Den traurigen Schlußpunkt der Debatte setzten gestern fürs erste Michael Moore und Keith Olbermann. Aus dem Shitstorm #MooreandMe hat ersterer anscheinend nichts gelernt und zeigt in seiner Wortwahl ein weiteres Mal, wer Macht hat (Männer mit Geld) und auf wen er herabschaut (Sexarbeiterinnen und „Schlampen“):

Tweet von Michael Moore: "Rush- As soon as u started losing the big $$ from your hate speech, you caved & obeyed the men who pay u. Who's the prostitute now, bitch?"


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Was die US-Gesundheitsreform (nicht) leistet

6. April 2010 von Magda

Vor knapp zwei Wochen wurde die US-Gesundheitsreform mit Barack Obama’s Unterschrift in Kraft gesetzt. Eine so genannte Executive Order (“Verfügung des Präsidenten”), die im Sinne des Hyde Amendments das Verbot bestätigte, Bundesmittel für Abtreibung zu nutzen, überzeugte wohl noch in letzter Minute einige reformkritische Abtreibungsgegner_innen, doch für das Paket zu stimmen. Die Entscheidung im US-Respräsentantenhaus war knapp: 219 zu 212 Stimmen für die Gesundheitsreform, sehr zum Ärger der Republikanischen Partei und auch einiger Demokrat_innen, die sich von Anfang an gegen die Reform stellten.

Laut MsMagazine werden ab 2014 jene 15 Millionen Amerikaner_innen Versicherungsschutz durch Medicaid (eine staatliche Vorsorge für die Ärmsten) bekommen, die weniger als 133% des offiziellen Armutslevels zur Verfügung haben. Nach und nach werden die im Gesetz formulierten Erneuerungen in Kraft treten, so dass künftig ca. 95% der Bevölkerung krankenversichert sein wird, ohne dass die aktuell noch existenten diskriminierenden Mechanismen greifen können.

So werden Arbeitgeber_innen mit mehr als 50 Angestellten dazu verpflichtet, ihren Arbeitnehmer_innen Versicherungsschutz bereitzustellen oder eine Strafe von $2.000 zu zahlen. Es wird Versicherungen untersagt, Verträge im Krankheitsfall der Versicherten zu kündigen und Bürger_innen mit so genannten pre-existing conditions (“Vorerkrankungen”) abzulehnen; dies gilt für Kinder schon ab diesem Jahr. Als “Vorerkrankungen” zählen bei einigen Krankenversicherungen u.a. Vergewaltigung, Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren oder schon mal einen Kaiserschnitt hatten.

Wie die New York Times nach der Inkraftsetzung der Reform passend bemerktBeing a woman is no longer a pre-existing condition (“Frau zu sein ist keine Vorerkrankung mehr”).

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Neuigkeiten aus aller Welt

23. März 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 75 von 153 der Serie Kurz notiert

Laut dem National Committee on Traditional Practices of Ethiopia beginnen in Äthiopien 69% aller Ehen mit der Entführung einer Frau und anschließender Vergewaltigung. Darauf folgt die erzwungene Unterzeichnung des Ehevertrags, denn ohne ihre Jungfräulichkeit sei sie sonst auf dem Heiratsmarkt nichts mehr “wert”. Dies kommt in protestantischen, katholischen und auch muslimischen Gemeinden gleichermaßen vor. Der Independent thematisiert den Widerstand der entführten Frauen.

Das Verfassungsgericht in Ägypten entschied nun offiziell, dass Frauen zu Richterinnen ernannt werden dürfen. Laut MsMagazine sind aktuell 42 der 12.000 Richter_innen in Ägypten Frauen.

Im US-amerikanischen Repräsentantenhaus ist gestern der Gesetzesentwurf zur Gesundheitsreform mit 219 – 212 durchgekommen und wartet nun nur noch auf Obama’s Unterschrift. Den Sieg hatte sich Obama in letzter Minute wohl mit einer Rechtsverordnung zu Abtreibungen gesichert, wonach entgegen der ursprünglichen Vorlage ausgeschlossen werde, dass öffentlich alimentierte Krankenversicherungen Schwangerschaftsabbrüche bezahlen, wie dieStandard.at berichtet.

In Südafrika, wo Schätzungen zu Folge jede dritte Frau Opfer von sexueller Gewalt wird, wurde ein Mann wegen Verhetzung und Diskriminierung zu einer Geldstrafe verurteilt und muss nun eine schriftliche Entschuldigung abgeben. Er hatte vor einer Gruppe von 150 Studierenden geäußert, dass die junge Frau, die den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma vor einigen Jahren wegen Vergewaltigung bezichtigte, wohl “Gefallen” an der (nicht bewiesenen) Vergewaltigung empfunden haben musste. Zuma wurde damals aus Mangel an Beweisen freigesprochen. (aktualisiert)

Nicht nur die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen sondern auch jene zwischen Frauen sind ein feministisches Thema: In den USA diskutiert man die Vermögensunterschiede zwischen weißen, Schwarzen und hispanischen Frauen und Männern als Aspekt, welche insbesondere women of color langfristig schaden, da ihnen im Durchschnitt weniger Vermögen zur Verfügung stehen als weißen Männern und Frauen. Während Gehalt die laufenden Kosten begleicht, ist Vermögen wichtig, um langfristige Investionen zu tätigen oder dieses zu vererben. WomensMediaCenter berichtet.

Eine Initiative von Elternvereinen fordert mehr Krippenplätze in Hannover, nachdem ihr Antrag, eine eigene Kita zu eröffnen von der Stadt gestoppt wurde. Begründung: Alle Mittel für den Krippenausbau bis 2013 seien bereits verplant. Hier unterschreiben und mitmachen!

Die US-amerikanische Jenny Hagel startete eine neue Reihe namens Feminist Rapper. In der ersten Episode spielt sie eine Gender Studies Doktorin, die ihren gelangweilten Studierenden die Errungenschaften von Frauen näherbringen möchte – und zwar rappend. Vielleicht die nächste Sarah Haskins?


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It’s no joke – Abtreibung

18. November 2009 von Magda

Das US-amerikanische Repräsentantenhaus hat vor zwei Wochen zu Gunsten des so genannten Stupak-Pitts abortion ban entschieden, welches das (bereits bestehende) Verbot der Verwendung von Bundesmitteln für Abtreibung bestätigte. Der Stupak-Pitts Zusatz hat nicht nur zur Folge, dass Abtreibung nun nicht mehr Teil der umfassenden Gesundheitsreform ist, sondern verhindert in der Konsequenz auch, dass jene privaten Krankenkassen, die Teil des neuen Gesundheitssystems werden, weiterhin die Kosten für eine Abtreibung übernehmen. Der Abbruch ungewollter Schwangerschaften bleibt demnach privat, teuer und der Zugang wird zudem erschwert.

In der Konsequenz hat sich enormer Widerstand entwickelt. Nachdem NARAL Pro-Choice America dem Kapitol in Washington 97.000 Unterschriften überreichte (gesammelt in nur 72 Stunden!), werden außerdem alle UnterstützerInnen dazu aufgefordert, jene SenatorInnen zu kontaktieren, die den so genannten swing voters angehören und von denen die Entscheidung der Reform im Senat abhängen könnte.

Auch das Center for Reproductive Rights hat sich eine Kampagne in ungewöhnlicher Kulisse überlegt und vor wenigen Tagen folgendes Video veröffentlicht:

Die Komödiantin Cory Kahaney erzählt ihrem Publikum von zwei PatientInnen, die jeweils eine Brustverkleinung auf Grund von Rückenschmerzen und eine Nasen-OP auf Grund von Atemproblem bekommen und dies selbstverständlich von der Krankenkasse übernommen wird. Das Publikum lacht. Sie erzählt dann von einer dritten Patientin, die in der elften Woche schwanger ist und ihren Arzt/ihre Ärztin fragt, ob sie eine Abtreibung bezahlt bekommt, da sie gerade herausgefunden hat, dass ihr Kind schwer behindert und kaum lebensfähig auf die Welt käme. Hier lautet die Anwort “Nein”. Das Publikum schweigt und ist bedrückt: Denn diese Tatsache wird mehr und mehr Realität.

Der Clip endet mit dem Satz:

“Don’t let Congress ban abortion coverage millions of women already have.”

(Verhindere, dass der Kongress Abtreibungsschutz verbietet, den Millionen von Frauen bereits haben.)


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Die Gesundheitsreform in den USA und ihre Chancen für Frauen

5. November 2009 von Magda

Die USA und die Notwendigkeit einer Gesundheitsreform

Gestern vor einem Jahr wurde Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA gewählt. Knapp zehn Monate nach seinem Amtseintritt im Januar 2009 werden im US-amerikanischen Repräsentantenhaus und im Senat aktuell Gesetzesentwürfe einer neuen Gesundheitsreform diskutiert. Das Reformpaket sieht neben Kostensenkungen im Gesundheitswesen einen Versicherungsschutz für 97-98% der US-AmerikanerInnen vor. Für jene AmerikanerInnen, die jetzt schon eine Krankenversicherung haben und zufrieden sind, ändert sich nichts. Die Reform versucht jene Menschen zu erreichen, die sich bisher keine Versicherung leisten konnten.

Wie diestandard.at berichtete, haben gegenwärtig etwa 46 Millionen der 300 Millionen AmerikanerInnen keinen Versicherungsschutz, obwohl die USA pro Kopf die weltweit höchsten Ausgaben für Gesundheit haben. 15% der US-AmerikanerInnen müssen demnach entweder auf medizinische Hilfe verzichten oder verschulden sich im Falle eines Krankenhausbesuches enorm.

Im Repräsentantenhaus hat man sich nun auf einen Gesetzentwurf zu einer staatlichen Krankenversicherung verständigt, die u.a. durch eine Reichensteuer (in Form von Einkommensteuererhöhungen für jene, die mehr als $500.000 im Jahr verdienen) und Einkürzungen bei Medicare&Medicaid finanziert werden soll, um so Krankenversicherungsleistungen für bisher Unversicherte bereitzustellen. Für die Umsetzung des Entwurfs würden die Kosten über zehn Jahre unter der von Obama vorgegebenen Höchstsumme von 900 Milliarden Dollar bleiben.

“Health Care is a Women’s Issue”

Auch Michelle Obama, First Lady & Mom-in-Chief, macht sich für eine Reformierung des Gesundheitssystems stark und betonte in einer Rede Mitte September, dass eine Gesundheitsreform aus zweierlei Gründen wichtig für Frauen sei:

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